Man kennt das Drama: Man braucht einen neuen Ausweis, sieht aber aus wie frisch aus dem Bett gefallen – was tut man also? Richtig, ab zum Fotografen. Drei Versuche, vier Schweißausbrüche und fünf Euro später hält man ein Passbild in der Hand, auf dem man aussieht wie ein entfernter Verwandter von Nosferatu. Und dann – wehe, das Ding hat einen Knick. Oder glänzt. Oder man lächelt. Oder, Gott bewahre, man sieht zu menschlich aus.
Doch jetzt, liebe Bürgerinnen und Bürger, hat das Warten, Knicken und Gruseln ein Ende! Willkommen im Jahr 2025, wo in Hilden nicht nur der Kaffee digital fließt (noch nicht, aber wir glauben dran), sondern auch das Passfoto! Jawohl: Das Bürgerbüro Hilden ist schneller als der Rest der Republik und schickt das gute alte Papierbild in den Ruhestand – ganz ohne Ehrenrunde.
Ab sofort wird das Passbild direkt im Amt gemacht. Vor Ort. Von Menschen. Mit Geräten, die wahrscheinlich mehr Technik enthalten als der erste Mondlander. Für schlanke sechs Euro darf man sich von einer Sachbearbeiterin ablichten lassen, während man noch versucht, den verschwitzten Weg zum Amt aus dem Gesicht zu wischen. Bonus: kein Knick, keine glänzenden Stellen, kein „Bitte nochmal, aber dieses Mal mit geschlossenen Augen – äh, ich meine geöffneten“.
Aber Hilden wäre nicht Hilden, wenn man nicht auch ein Herz für die lokale Fotografie-Szene hätte. Statt die Fotografen auf die digitale Ersatzbank zu schicken, wurden sie einfach direkt ins Spiel geholt. Zwei Studios – Foto Kammann und Michael Mengel Fotografie – sind schon zertifiziert und dürfen offiziell mitspielen im Club der Digitalbildhelden. Die arbeiten jetzt mit QR-Codes, verschlüsselten Clouds und allem Drum und Dran, als wären sie plötzlich Teil einer Geheimoperation à la „Mission: Passbild“.
Und damit auch wirklich niemand mehr mit einem Bild aus dem Jahr 2011 auftaucht, hat sich das System eine Sicherheitsfrist ausgedacht: Sechs Monate ist das Foto gültig. Danach – zack – digitaler Papierkorb. Und wenn jemand mit einem Papierbild kommt? Dann nur noch in Ausnahmefällen – aber keine Sorge, liebe Nostalgiker: Wer sich noch schnell im April mit Frisur und Würde ablichten lässt, darf sein Kunstwerk im Mai auch noch abgeben. Übergangsweise. Sozusagen als analoges Andenken an einfachere Zeiten.
Also, liebe Hildenerinnen und Hildener: Ihr müsst euch keine Sorgen mehr machen, ob euer Passfoto den Weg zum Amt überlebt. Ihr müsst euch nur noch Sorgen machen, ob ihr gerade aus der richtigen Perspektive guckt. Aber hey – wenn selbst ein biometrisches Foto digital lächeln darf, ist die Zukunft gar nicht so übel.
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