Wer in Hilden Fahrrad fährt, braucht neben einer guten Gangschaltung vor allem starke Nerven – und am besten gleich einen Schutzengel auf dem Gepäckträger. Denn laut dem aktuellen Fahrradklimatest des ADFC ist die Stimmung unter Hildener Radfahrern ungefähr so sonnig wie ein Novembermorgen. Eine Gesamtnote von 4,3 – das ist keine sportliche Bestleistung, sondern eher ein Fall für die pädagogische Nachhilfe.
Man könnte sagen, Hilden hat es geschafft: sich von einem mittelmäßigen Platz auf der Bundesbühne der fahrradfreundlichen Städte auf einen der hinteren Plätze durchzuradeln. Platz 91 von 113 klingt schon fast wie eine neue olympische Disziplin im „Slalom zwischen Schlaglöchern und hupenden SUVs“. Und im Landesvergleich? Da heißt es: Platz 34 von 46 – immerhin noch besser als der 35., aber auch nur, weil der vermutlich keine Radwege hat, sondern nur Warnschilder mit „Betreten auf eigene Gefahr“.
Besonders die Sicherheit sorgt für Gänsehaut – und zwar nicht vor Freude. Mit einer Bewertung von 4,7 für das Sicherheitsempfinden wünscht man sich als Radfahrer fast schon eine Ritterrüstung als Standardausstattung. Kein Wunder, wenn der Konflikt mit dem Autoverkehr mit 4,6 ebenfalls auf der Beliebtheitsskala ungefähr zwischen Zahnarztbesuch und Steuererklärung rangiert.
Richtig frostig wird’s beim Winterdienst: Note 5,1. Da hilft nur noch Spikes auf den Reifen und beten, dass man beim morgendlichen Rutschpartie nicht versehentlich in einem Parkhaus landet. Und bei Ampelschaltungen (5,3) scheint es, als hätten die Verkehrsplaner beschlossen, Radfahrende durch exzessives Warten zu Zen-Meistern in Geduld zu erziehen. Die schmalen Radwege (5,4) runden das Slalom-Erlebnis stilvoll ab – wer braucht schon Platz, wenn man auch Abenteuer haben kann?
Zugegeben, es gibt Lichtblicke: Die Fahrradständer schneiden mit 3,5 ab – immerhin ausreichend Platz, um das Fahrrad anzuschließen, bevor es einem geklaut wird (Diebstahl: 4,2, also etwas besser als „ständig weg“). Und ja, sogar die Fahrradmitnahme im ÖPNV wird marginal besser bewertet – vielleicht, weil man da wenigstens kurz aufatmen kann, ohne Angst vorm nächsten Bordstein zu haben.
Der ADFC fordert nun eine zügige Umsetzung des Mobilitätskonzepts. Klingt vernünftig – klingt aber auch nach einem jener Pläne, die so lange durch Ausschüsse radeln, bis sich das Problem von selbst erledigt hat. Nämlich dann, wenn niemand mehr freiwillig aufs Rad steigt.
Kurzum: Hilden muss kräftig in die Pedale treten – nicht nur auf dem Radweg, sondern endlich auch in Sachen Infrastruktur. Denn mit einer „Vier minus“ auf dem Zeugnis ist noch keiner zur Verkehrswende durchgestartet.
Donnerstag, 19. Juni 2025
19.6.2025: Fahrradfrust statt Fahrtwind: Hilden tritt kräftig daneben
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