Mittwoch, 14. Oktober 2026

14.10.2026: Hilden wählt den Nachwuchs – oder: Endlich mal Leute, die etwas bewegen wollen

In Hilden wird wieder gewählt. Diesmal dürfen rund 4.000 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren entscheiden, wer sie künftig im Jugendparlament vertritt. Noch bis zum 16. Oktober läuft die Wahl. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, mit wie viel Engagement die Jugendlichen ihre Stadt verbessern wollen, werde ich fast ein bisschen neidisch. So viel Tatendrang würde ich mir gelegentlich auch von der großen Hildener Kommunalpolitik wünschen.

„Hilden soll wieder jugendfreundlicher werden“, sagt die 18-jährige Kira Alida Kanditt, die gemeinsam mit der 16-jährigen Hayat Bouchihan das Jugendparlament leitet. Besonders das Wort „wieder“ finde ich bemerkenswert. Offenbar haben die Jugendlichen durchaus das Gefühl, dass ihre Stadt mehr für sie tun könnte. Gewünscht werden sichere Treffpunkte, bessere Freizeitangebote und ein Calisthenics-Park. Also ein Platz, an dem man kostenlos trainieren kann. Eigentlich keine revolutionären Forderungen. Aber in Hilden kann bekanntlich schon eine zusätzliche Sitzbank eine längere Diskussion auslösen.

Dabei hat das Jugendparlament längst bewiesen, dass es nicht nur Forderungen stellt. Es engagierte sich für den Erhalt des Area 51, organisierte einen Umweltflohmarkt und brachte die kostenlose Beratungs-App „Between the Lines“ nach Hilden. Außerdem sitzen seine Mitglieder in drei städtischen Fachausschüssen und dürfen dort Anträge stellen. Ich finde das klasse. Während sich manche Erwachsene lieber darüber beschweren, dass sich nichts verändert, versuchen diese Jugendlichen wenigstens, selbst etwas anzustoßen.

Natürlich wartet auch auf sie die klassische Hildener Spaßbremse: der Haushalt. Wie viel Geld 2027 für Projekte zur Verfügung steht, ist noch offen. Die Stadt verspricht immerhin ein Budget. Ich hoffe nur, dass aus den guten Ideen nicht irgendwann die übliche Rathausantwort wird: tolle Anregung, leider derzeit nicht finanzierbar. Wer junge Menschen zur Beteiligung einlädt, sollte ihnen auch echte Gestaltungsmöglichkeiten geben.

Besonders sympathisch finde ich, dass das Jugendparlament auch das derzeit fehlende Kinderparlament wiederbeleben möchte. Wer schon früh erlebt, dass die eigene Meinung zählt, bleibt vielleicht auch später politisch interessiert. Und davon könnte Hilden wirklich mehr gebrauchen.

Am 18. November treffen sich die neu gewählten Mitglieder erstmals im Ratssaal. Ich wünsche ihnen viele gute Ideen, eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit und Erwachsene, die auch mal zuhören können.

Denn ganz persönlich bin ich inzwischen ein ziemlicher Fan dieses Jugendparlaments. Nicht weil die Jugendlichen auf alles eine Antwort hätten, sondern weil sie etwas verändern wollen. Und wenn sie dabei gelegentlich die Erwachsenen im Rathaus nerven, dann machen sie vermutlich einiges richtig.

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