In Hilden soll die Verkehrswende künftig offenbar seltener fahren. Während die Stadt den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn fördern möchte, denkt sie über weniger Busfahrten nach. Ich frage mich langsam, ob man die Hildener zum Umsteigen bewegen oder gleich ganz zu Hause behalten will.
Am 4. November berät der Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität über Vorschläge der Rheinbahn. Die Linie 781 soll samstagvormittags zwischen Köbener Straße und Erika-Siedlung nur noch alle 30 Minuten fahren, die Linie 785 täglich ab 18.30 Uhr im 20-Minuten-Takt. Bei der Linie 783 könnten sonntags vier Fahrten bis zur Stadtgrenze nach Solingen entfallen. Noch ist nichts beschlossen. Frühestens im Sommer 2027 wären die Änderungen möglich.
Der Grund ist Hildens angespannte Haushaltslage. Für 2030 rechnet die Stadt mit rund 3,92 Millionen Euro VRR-Umlage. Sparen ist also notwendig. Doch bei den vorgeschlagenen Kürzungen geht es um geschätzte 20.000 Euro im Jahr 2029 und etwa 40.000 Euro jährlich ab 2030. Letzteres entspricht gerade einmal rund einem Prozent der erwarteten Umlage.
Da verrutscht mir die kritische Hildener Fanbrille. Für eine vergleichsweise geringe, noch dazu unsichere Ersparnis sollen Fahrgäste längere Wartezeiten und schlechtere Verbindungen hinnehmen. Das passt für mich nicht zu einer Stadt, die den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen möchte.
Natürlich darf man schwach ausgelastete Fahrten überprüfen. Aber gerade angesichts der Autobahnsperrungen, Baustellen und Zugausfälle rund um Hilden sollte man vorsichtig sein, weitere Alternativen zum Auto einzuschränken.
Immerhin sollen aktuelle Fahrgastzahlen und ein Gutachten zusätzliche Erkenntnisse liefern. Ich hoffe, dass die Politik diese sorgfältig prüft und nicht allein auf die erhoffte Ersparnis schaut. Entscheidend ist schließlich auch, welche Menschen auf die betroffenen Verbindungen angewiesen sind.
Hilden muss sparen, keine Frage. Aber wenn wir das Autofahren unattraktiver machen und gleichzeitig Busverbindungen streichen, wird aus der Verkehrswende eine ziemlich merkwürdige Übung: Erst sollen alle umsteigen – und dann kommt der Bus nicht mehr.
Sonntag, 1. November 2026
1.11.2026: Hilden spart beim Busverkehr – oder: Verkehrswende rückwärts
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