Sonntag, 7. Dezember 2025

7.12.2025: Hilden steht, der Verkehr ruht – Ein Drama in mehreren Akten

Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach da. Der Kaffee ist morgens bitter, die Steuererklärung kommt immer zu früh – und in Hilden gibt’s Stau. Aber seit die A59 in Richtung Leverkusen gesperrt ist, hat Hilden den nächsten Schritt auf dem Weg zur verkehrstechnischen Erleuchtung gemacht: Willkommen im Zen der Vollsperrung. Oder wie man im Rheinland sagt: *Et kütt wie et staut.*

Seit Mitte Oktober läuft der große Straßensanierungs-Exorzismus auf rund zwölf Kilometern zwischen Düsseldorf-Süd und Monheim. Asphalt wird abgefräst, Brücken bekommen ein Lifting, Entwässerung wird entmodernisiert, alles kommt auf Stand 2050. Eigentlich toll. Wenn es nur nicht die kleine Nebenwirkung gäbe, dass täglich gefühlt ganz NRW durch Hilden muss, weil die Umleitungen offenbar von einem Kobold mit Google Maps 2010 entworfen wurden.

Autofahrer:innen berichten inzwischen von traumatischen Pendel-Erlebnissen: "40 Minuten von Elberfeld nach Hilden" – und das war noch ein guter Tag. Der Klassiker: Man fährt um 17 Uhr los, ist um 18 Uhr 20 auf der Hälfte der Strecke, hat aber dafür inzwischen den Namen und das Lieblingsradioformat des LKW-Fahrers nebenan gelernt. Man kennt sich, man grüßt sich. Verkehrsinfarkt als soziales Experiment.

Die Stadt Hilden hat immerhin reagiert – mit Behelfsampeln. Leider kann man diese Hightech-Wunderwerke nur vor Ort manuell verstellen. Online-Steuerung? Zukunftsmusik. Ein Dezernent träumte sogar öffentlich von Fernwartung. Wahrscheinlich träumt er auch von fliegenden Autos, Einhörnern und einer autofreien Berliner Straße. Immerhin: Die Ampeln kosten die Stadt nix. Man hat ja sonst keine Sorgen.

Doch der eigentliche Witz – oder eher: die bittere Pointe – liegt in der Baustellen-Kaskade. Denn wer denkt: „Mehr Stau geht nicht“, der kennt die Hildener Baustellenplanung noch nicht. Als wäre die A59 nicht genug, wurde an der Grünstraße noch schnell das Stromnetz aufgegraben. Der Effekt: Nord-Süd-Verbindungen durch Hilden? Viel Glück. Eine Leserin fragt empört, wie man in dieser „katastrophalen“ Lage überhaupt noch eine zusätzliche Baustelle eröffnen könne. Die Stadt antwortet sinngemäß: „Jo, wir wollten ja warten, aber wir mussten halt doch buddeln.“ Klingt nach dem Motto: Wenn schon Chaos, dann richtig.

Zwischen all dem Schilder-Wahnsinn, den offline blinkenden Ampeln und dem rhythmischen Wummern von Asphaltfräsen bleibt vor allem eines: die Hoffnung. Hoffnung darauf, dass irgendwann der Sommer 2026 kommt, die A59 in Richtung Leverkusen wieder befahrbar ist – und wir alle ein bisschen weiser, ein bisschen geduldiger und definitiv besser im Podcast-Hören sind. Wobei: Dann wird ja die andere Seite gesperrt. Richtung Düsseldorf. Ach was soll's. Dann lernen wir halt auch noch die LKW-Fahrer in die Gegenrichtung kennen. Man muss das Positive sehen. Oder wie man in Hilden mittlerweile sagt: „Stau ist, was du draus machst.“

Samstag, 6. Dezember 2025

6.12.2025: Frohe Botschaft aus der Steckdose: Hilden spart Strom – und Gas gleich mit

In Hilden ist die Vorfreude auf den Februar 2026 plötzlich nicht mehr nur dem Karneval oder den verkaufsoffenen Sonntagen geschuldet – nein, dieses Mal kommt die gute Laune direkt aus der Steckdose und der Heizungsanlage! Die Stadtwerke Hilden haben beschlossen, ihre Kundinnen und Kunden mit einer frohen Botschaft zu beglücken, die klingt wie ein Weihnachtswunder auf der Energierechnung: Strom und Gas werden günstiger. Und das nicht nur symbolisch um zwei Cent und ein Lächeln, sondern um satte sieben Prozent – je nach Tarif und Verbrauch natürlich. Aber hey, wir nehmen, was wir kriegen können!

Vertriebsleiter Stephan Horn strahlt vermutlich heller als der Tannenbaum im Hildener Rathaus und verkündet stolz, dass es gelungen sei, Einkaufsvorteile am Energiemarkt zu erzielen. Wahrscheinlich hat da jemand beim Strom-Shopping richtig clever verhandelt, nach dem Motto: „Drei Gigawattstunden zum Preis von zweien, und den Netzbetreiber-Rabatt bitte gleich mit.“ Das Ergebnis: Ein Haushalt mit durchschnittlichem Stromverbrauch spart 87 Euro im Jahr. Das ist fast ein Wochenende Streetfood-Festival – mit Nachtisch!

Aber auch die Gas-Kundschaft darf sich auf mildere Zeiten freuen – zumindest beim Blick auf die Abrechnung. Zwar steigen die CO₂-Kosten und die Netzentgelte klettern auch munter mit, weil irgendwer in Berlin beschlossen hat, dass Gasleitungen jetzt plötzlich „transformiert“ werden müssen (was auch immer das genau heißt – wahrscheinlich Yoga für Rohre). Trotzdem, unterm Strich bleibt’s günstiger. Rund 88 Euro Ersparnis für den Durchschnittsverbraucher. Ein echter Lichtblick, wenn man bedenkt, dass sich die Gasspeicherumlage einfach sang- und klanglos verabschiedet. Man fragt sich, ob sie wenigstens einen Abschiedskeks dagelassen hat.

Und weil gute Nachrichten zurzeit so selten sind wie ein freier Parkplatz vor dem Supermarkt am Samstag, ist diese Ankündigung fast schon revolutionär. Es passiert ja nicht oft, dass man einen Brief von den Stadtwerken bekommt, bei dem man nicht sofort mit Schnappatmung auf den Kontostand starrt. Stattdessen: Freude, Erleichterung, vielleicht sogar ein kleiner Freudentanz in der Küche – sofern dort noch jemand tanzen kann, nachdem er mit Gas geheizt und Strom gespart hat.

Hilden zeigt also: Es geht auch anders. Zwischen Mittelaltermarkt und Markt-Vibes zeigt die Stadt, dass auch in Zeiten von CO₂-Quoten, Energiekrisen und politischem Strom-Wirrwarr noch Platz ist für ein bisschen Kundenzufriedenheit. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass im März auch das WLAN günstiger wird. Aber das wäre vermutlich zu viel des Guten.

Bis dahin: Licht an, Heizung auf Stufe 3 – und mit breitem Grinsen die Februar-Rechnung abwarten.

Freitag, 5. Dezember 2025

5.12.2025: Sonntag ist Markttag – und manchmal auch Mittelalter

Hilden, diese charmante Stadt zwischen Düsseldorf und dem Rest der Welt, lässt sich für 2026 nicht lumpen: Die Innenstadt wird gleich vier Mal sonntags geöffnet, dazu gibt’s Märkte, Feste, Streetfood-Orgien – und als Sahnehäubchen ein Mittelaltermarkt, bei dem garantiert mehr Schwerter als Smartphones gezückt werden.

Der Stadtmarketing-Ausschuss bekommt nun ein Unterhaltungs-Bündel vorgelegt, das klingt, als hätte man eine Kirmes, ein Weinfest und eine Kleinkunstmesse in den Mixer geworfen – und obendrauf noch ein Ritterturnier aus dem 13. Jahrhundert gestreut. Klingt absurd? Willkommen in Hilden 2026.

Die verkaufsoffenen Sonntage, ein regelmäßig wiederkehrender Quell der Ekstase für Einzelhandel und ein ebenso verlässlicher Nervknoten für Kirchen und Gewerkschaften, sind wie folgt geplant: Mai, September, Oktober, November. Die Innenstadt wird zur Shopping-Zone deluxe erklärt – allerdings bitte nicht am 3. Mai zwischen 10 Uhr und 12.30 Uhr. Da ist Erstkommunion. Da soll nicht geshoppt, sondern gebetet werden. Verständlich. Zwischen Segnung und Sonderangebot darf es ja keinen Interessenskonflikt geben.

Während die IHK, die Handwerkskammer und der Handelsverband euphorisch die Einkaufstüten schwenken und von „Lebendigkeit im Zentrum“ sprechen, holt Verdi erneut die große Sonntagsschutz-Keule raus. Keine Prognose zu Besucherzahlen, keine echte Rechtfertigung – das übliche Spiel: „Wenn die Leute nur wegen des Weinfests kommen und dann zufällig Socken kaufen, ist das kein Grund für Sonntagsarbeit!“ Ein nachvollziehbarer Einwand – aber wer jemals mit einem Federweißen in der Hand an einem Stand mit Glitzer-Gürteln vorbeigeschlendert ist, weiß: Konsum passiert oft aus Versehen.

Highlight des Jahres dürfte allerdings der Mittelaltermarkt Ende Februar werden. Zwei Tage lang verwandelt sich der Alte Markt in eine Kulisse für Gaukler, Mägde und Möchtegern-Wikinger. Man darf gespannt sein, ob die Kundschaft im Kettenhemd kommt oder ob Ritter Kunibert sich beim Streetfood-Festival im August mit veganen Tacos den Magen verdirbt. Aber hey – Hilden steht für Vielfalt. Und für Mut zu ungewöhnlichen Konzepten.

Der städtische Festkalender ist jedenfalls so prall gefüllt, dass man fast den Eindruck bekommt, die Innenstadt mache nur noch für das Finanzamt Pause. Ostereiersuche, Stoffmarkt, Künstlermarkt, „Hilden tanzt“, Musik für die Urlaubskasse, Markt Vibes – kurz: Wer 2026 nicht mindestens einmal versehentlich in ein Fest gerät, wohnt vermutlich in einem Bunker.

Und falls doch mal ein Wochenende ohne Event auftaucht? Keine Sorge. Dann kommt bestimmt die nächste Idee: vielleicht ein barocker Poetry Slam oder der erste Hildener Drohnen-Lichtermarkt auf dem Marktplatz. Oder ein verkaufsoffener Montag – für die ganz Mutigen.

Donnerstag, 4. Dezember 2025

4.12.2025: Solingen, Seitenstreifen und die große Hoffnung auf Asphaltwunder

Wer in NRW lebt und jemals das Wagnis eingegangen ist, sich mit einem Fahrzeug über die A3 zu bewegen, kennt das Gefühl: Man rollt – und zwar langsam, millimeterweise, am Rande der Verzweiflung. Neben einem: eine Armada von LKWs, die aussehen, als hätten sie sich dort zu einem internationalen Fernfahrer-Stammtisch verabredet. Und direkt daneben? Ein Seitenstreifen, so leer und unberührt wie ein Spa-Bereich am Montagmorgen. Jetzt soll das anders werden – zumindest wenn es nach der Bergischen Industrie- und Handelskammer geht.

Die IHK hat nämlich die Faxen dicke. Genug diskutiert, jetzt soll der Seitenstreifen ran! Die Idee: Wenn der Seitenstreifen freigegeben wird, kann man sich vielleicht den großen (und bei Umweltschützern eher ungeliebten) Ausbau der A3 mit acht Fahrstreifen sparen. Clever gedacht – warum ausbauen, wenn man den unbenutzten Rand schon hat? Die Wirtschaft jubiliert, die LKWs könnten sich endlich wie echte VIPs fühlen, wenn sie auf der Überholspur des ehemaligen Rettungswegs cruisen dürfen.

Dabei geht es der IHK aber nicht nur um den Stau. Nein, das ist Teil eines größeren Plans, in dem auch das Industriegebiet Scheuren eine Hauptrolle spielt. Die Firmen dort hängen aktuell am Tropf der Bonner Straße und der sogenannten „Vieh“, was ein bisschen klingt wie eine Ausfahrt aus einem Grimmschen Märchen. Ein besserer Anschluss soll her – und zwar bitte mit Vollgas. Denn ohne flotten Zugang zum Fernstraßennetz macht so ein Industriegebiet ungefähr so viel Spaß wie ein WLAN-freier Coworking-Space.

Doch zurück zur A3. Der Seitenstreifen ist längst kein Neuling in der Verkehrsdebatte. Schon seit Jahren wird über ihn gesprochen, als wäre er ein vergessener Promi aus den 80ern, der endlich sein Comeback feiern soll. Und siehe da – laut IHK gibt es sogar ein Gutachten (vermutlich dicker als die Bibel), das die Freigabe befürwortet. Jetzt ist das Verkehrsministerium gefragt. Also... in Autobahntempo, versteht sich.

Das eigentliche Sahnehäubchen aber ist der visionäre Gedanke: Wenn sich der Seitenstreifen als temporäre Lösung bewährt, könnte man sich vielleicht den gigantischen Ausbau sparen. Also keine Rodung der Ohligser Heide, keine Dauerbaustelle bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, kein Autobahn-Gigantismus mit acht Spuren, sondern einfach: „Mach den Seitenstreifen frei und gut is’!“

Aber klar, ganz ohne Drama geht’s auch hier nicht. Die sogenannte „große Lösung“, also der direkte Anschluss der Viehbachtalstraße an die A3, wurde nach jahrelangem Hin- und Her-Debattieren nun offiziell zu Grabe getragen. IHK-Geschäftsführer Wängler sagt: „Macht keinen Sinn mehr.“ Damit reiht sich dieses Infrastrukturprojekt ein in die lange Liste der Dinge, über die in Solingen sehr lange geredet, aber nie gebaut wurde – direkt neben der Teleportationsstrecke von Ohligs nach Wald und dem U-Bahn-Anschluss für den Weihnachtsmarkt auf Schloss Burg.

Was bleibt also? Ein Plan, eine Hoffnung und ein Seitenstreifen, der endlich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden soll. Ob das klappt? Schwer zu sagen. Aber eins ist sicher: Wenn in Deutschland mal etwas schnell gehen soll, ist es vermutlich der Seitenstreifen, der die letzte Chance auf zügigen Fortschritt darstellt. Und wenn nicht: Dann stehen wir halt weiter – Stoßstange an Stoßstange – und träumen davon, dass eines Tages irgendwo in einem Ministerium jemand den Stift zückt und einfach mal „Freigabe Seitenstreifen – ab sofort“ unterschreibt.

Bis dahin heißt es: Fenster runter, Podcast an und tief durchatmen. Willkommen auf der A3!

Mittwoch, 3. Dezember 2025

3.12.2025: Hausarzt gone, Baby: Hildener und Langenfelder dürfen jetzt nach Mettmann pilgern

Die Zeiten, in denen man in Langenfeld oder Ratingen am Wochenende einfach mal eben zur Notdienstpraxis schlurfen konnte, sind vorbei – denn ab dem 1. Dezember wird die medizinische Versorgung im Kreis Mettmann neu gemischt. Oder, wie es sich für den rheinischen Pragmatismus gehört: *Et hätt noch emmer joot jejange – nur halt nicht mehr vor Ort.*

Die KV Nordrhein hat die Standorte in Langenfeld und Ratingen dichtgemacht. Der Grund? In Ratingen wurde das Krankenhaus schon 2024 ins Nirvana geschickt – seitdem operierte man dort eher zwischen Kaffeeküche und Kopiergerät. Und in Langenfeld? Da steht zum Jahreswechsel die Ambulanz vor dem Aus. Ohne Krankenhaus keine KVNO-Praxis – so einfach ist das. Denn offenbar gilt: Nur wer ein Krankenhaus in der Nähe hat, darf auch ein Pflaster auf die Stirn kleben.

Aber keine Sorge, liebe Hildener: Ihr dürft euch jetzt auf einen kleinen Roadtrip ins idyllische Mettmann freuen. Dort wartet die neue Portalpraxis am Evangelischen Krankenhaus auf euch – geöffnet von „da geht noch was“ bis „eigentlich wollte ich schon im Bett sein“. Wer das Navi nicht bedienen kann, wird vielleicht auch irgendwann direkt in die angeschlossene Notaufnahme durchgereicht. Immerhin praktisch: KVNO und Klinik unter einem Dach, da spart man sich das nervige Weitergereichtwerden. Nur den Parkplatz muss man wahrscheinlich trotzdem suchen wie die berühmte Nadel im Stau.

In Velbert wurde parallel auch kräftig renoviert – dort ist nun ebenfalls eine Praxis am Start, sogar mit kinderärztlichem Angebot. Also Eltern: Wenn euer Nachwuchs pünktlich am Samstagabend Fieber bekommt (was er statistisch gesehen immer tut), dann heißt es: rein ins Auto, los nach Velbert, Podcasts an und hoffen, dass das Navi kein Eigenleben entwickelt.

Doch das Beste kommt noch: Videosprechstunden! Ja, richtig gehört. In einer Mischung aus „Dr. House“ und Zoom-Meeting könnt ihr euch jetzt auch digital behandeln lassen. Kamera an, Zunge raus, Screenshot fertig. Und wenn’s gut läuft, gibt’s sogar ein eRezept – ganz ohne das berüchtigte Wartezimmerbingo.

Die KVNO hat das Ganze natürlich gründlich analysieren lassen – vom Zentralinstitut für irgendwas mit Versorgung. Ergebnis: Weniger Fahrerei für den Rettungsdienst, weniger Menschen, die versehentlich mit dem eingeklemmten kleinen Zeh im CT landen, mehr Struktur, weniger Chaos. Klingt gut, ist aber trotzdem irgendwie blöd, wenn man in Langenfeld wohnt und sich fragt, warum man für ein bisschen Halsschmerzen bald einen Thermobecher und ein Navigationssystem braucht.

Aber hey, immerhin bleibt die 116 117 bestehen. Da kann man dann weiter Hausbesuche buchen – also, wenn man bettlägerig ist. Für alle anderen gilt: warm anziehen, Auto volltanken und hoffen, dass Mettmann nicht auch irgendwann sagt: „Wir machen jetzt digital-only. Bitte laden Sie sich die Gesundheitsversorgung als App herunter.“

In diesem Sinne: Bleibt gesund – oder fahrt’s halt aus.

Dienstag, 2. Dezember 2025

2.12.2025: Hilden klingelt durch: Wie ein Mann die Warteschleife erfand und wir alle drin hängen blieben

Es gibt Dinge im Leben, die sind so alltäglich, dass man kaum darüber nachdenkt – bis man in ihnen festsitzt. Zum Beispiel: die Telefon-Warteschleife. Ein auditives Fegefeuer zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen „Bitte bleiben Sie dran“ und „Ich raste gleich aus“. Und wie sich nun herausstellt: Dieses wundersame Zwischenreich wurde nicht etwa in Silicon Valley oder Tokio erdacht – sondern in Hilden. Ja, richtig gelesen. Zwischen Düsseldorfer Altbier und Haans Trödelmarkt liegt die Wiege der Wartemusik.

Der Schuldige? Wolfgang Beyer. Wer sich jetzt ein innovatives Technik-Genie im Silicon-Vibes-Anzug vorstellt, liegt... halb daneben. Der Mann kam aus Thüringen, war Werbekaufmann, und sein erstes akustisches Imperium gründete er mit Kassettendurchsagen für Supermärkte. „Dingdong. Heute im Angebot: Jagdwurst im Kilopack.“ – Das war quasi der Spotify-Algorithmus der 70er, nur handgemacht, mit viel Liebe und noch mehr Tonband. Das Tonstudio: irgendwo zwischen Wohnzimmer und Käsetheke.

Doch dann kam der Einzelhandel auf die revolutionäre Idee, keine Durchsagen mehr zu wollen. Plötzlich war Funkstille – auch im Geldbeutel. Was also tun mit all dem Durchsagen-Know-how? Während andere in die Midlife-Crisis schlitterten, machte Beyer einen Abstecher in die USA, lauschte dort einem leisen Klingklang in einer Telefonleitung – und hatte eine Erleuchtung: Warum die Stille beim Warten nicht einfach mit Musik füllen? Oder mit einer Ansage? Oder mit Ronan Keating?

Zack, zurück in Deutschland, Kassettenrekorder an die Telefonanlage angeschlossen, zum nächstbesten Großkonzern (Nixdorf!) marschiert – und dort den wahrscheinlich ersten Pitch für Warteschleifen gehalten. Der Rest ist Geschichte, oder wie es bei Beyertone heißt: *Musiphone*. Ein Gerät, ein Gattungsbegriff, ein Ohrwurm in Dauerschleife.

Von Versicherungen bis Zirkus Krone, vom VfL Bochum bis zur US-Army: Alle wollten plötzlich eine Warteschleife – *mit* Musik, *mit* Ansage, *mit* Stil. Und wenn man schon warten muss, dann wenigstens mit einem Soundtrack. Was früher „Bitte haben Sie einen Moment Geduld“ war, wurde irgendwann zur akustischen Selbstinszenierung. Manche Firmen investierten Millionen in Imagekampagnen – aber ließen ihre Kunden dann mit Waldhorn und Flöte im Telefonsumpf zurück. Tja.

Das Unternehmen Beyertone gibt’s übrigens immer noch – wenn auch geschrumpft auf drei Mitarbeiter, aber mit ungebrochener Leidenschaft für das, was zwischen Klingeln und Gespräch passiert. Heute produzieren sie auch Browserlösungen, Wartemusik nach Jahreszeit und Zielgruppe und offenbar auch individuelle Soundinszenierungen für Leute mit Geschmack. Apropos: Entertainer Jörg Knör ließ sich einst Papst und Boris Becker simultan in die Leitung legen – wenn das kein Anruf mit Mehrwert war.

Wolfgang Beyer, der Daniel Düsentrieb der wartenden Welt, ist längst verstorben. Aber sein Sohn Hendrik führt das Werk weiter – und weiß, dass es beim Warten auf den Punkt ankommt. Nicht zu lang, nicht zu öde, nicht zu „Was ist das für ein komischer Jingle?!“. Man will schließlich nicht beim Zahnarzt anrufen und sich fühlen wie im Fahrstuhl eines 90er-Jahre-Hotels.

Und wer glaubt, Warteschleifen seien ein Relikt der Vergangenheit, der hat noch nie bei seiner Krankenkasse angerufen. Oder bei der Bank. Oder beim Techniksupport. Solange Menschen telefonieren und Systeme überlastet sind, bleibt uns dieses akustische Zwischenparadies erhalten – in all seiner Melancholie, Frustration und manchmal auch unfreiwilligen Komik.

Also, das nächste Mal, wenn Sie in der Leitung hängen, denken Sie daran: Irgendwo in Hilden hat jemand genau das geplant. Und vielleicht läuft im Hintergrund ja gerade *Cotton Eye Joe* – für den perfekten Sprung ins Gespräch.

Montag, 1. Dezember 2025

1.12.2025: Hilden kauft, Haan trödelt – der Einzelhandel macht den Adventstanz

Kaum hat der erste Advent einmal durchgeklingelt, geraten die Innenstädte in Hilden und Haan in den Zustand kollektiver Kaufbereitschaft: Der eine packt die Kreditkarte aus, die andere Omas Silberbesteck, um es auf dem Trödelmarkt unters Volk zu bringen. So unterschiedlich die Wege, so einig das Ziel: Konsum in Reinkultur – mit Zimtduft in der Nase und Glühwein im Herzen.

In Hilden war’s am verkaufsoffenen Sonntag so voll, dass man sich entweder durch die Fußgängerzone schieben ließ oder – je nach Körpergröße – als menschliches Navi dienen musste. In Haan wiederum wurde getrödelt, was die Dachböden hergaben. Zwischen Tupperware mit historischem MHD und Keramikigeln aus der Steinzeit fanden auch manche Schnäppchenjäger ihr persönliches Weihnachtswunder.

Der Einzelhandelsverband kommentiert das Ganze mit einem verhaltenen: „Joa, läuft... so halb.“ Die Kassen klingelten zwar, aber so richtig in Wallung kommt das Weihnachtsgeschäft wohl erst, wenn die Black-Friday-Schnäppchenjäger ihre Preisvergleichstabellen wieder eingepackt haben. Denn obwohl viele offenbar schon ihr frisch überwiesenes Gehalt am Wochenende in Weihnachtsgeschenke umgemünzt haben, bleibt der Handel nur mäßig begeistert. Zu viele Klicks auf Rabattseiten, zu wenige Kunden in den Läden. Aber hey – die Stimmung sei gut, und das zählt im Advent schließlich fast mehr als der Umsatz. Fast.

Besonders gut liefen übrigens Elektronikartikel – offenbar braucht der moderne Mensch in der besinnlichen Zeit nichts dringender als eine neue Soundbar, um „Last Christmas“ in Dolby Atmos hören zu können. Auch Haushaltsgeräte gingen weg wie warme Waffeln – vermutlich, weil irgendjemand in der Familie immer noch keinen funktionierenden Toaster hat. Die Modebranche freut sich über warme Jacken und die Vorfreude auf Festtagslooks – irgendwo muss das Glitzerkleid ja hin, auch wenn’s dieses Jahr wieder nur bis zum Raclette-Tisch geht.

Spannend wird’s, wenn man den Blick in die Zukunft wagt: Der Einzelhandel setzt zunehmend auf den sogenannten „hybriden Verkauf“. Heißt übersetzt: online bestellen, offline abholen. Oder wie man früher sagte: „Kann ich das zurücklegen lassen?“ Das funktioniert jetzt nur mit WLAN und Passwort, macht aber denselben Menschen glücklich.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Wenn’s draußen kalt wird, wärmt man sich in Hilden beim Schaufensterbummel und in Haan beim Trödelschnack. Und irgendwo in der Mitte freut sich der Einzelhandel, dass die Menschen überhaupt noch rausgehen – auch wenn sie am Ende dann doch online bestellen. Advent eben – zwischen Glühwein, Gedränge und gesunder Gewinnerwartung.