Man stellt sich das ja romantisch vor: Blauer Himmel, die Sonne macht auf „Frühling deluxe“, und man sitzt auf dem Alten Markt in Hilden mit einem Kaffee, als wäre man Statist in einer Wohlfühlwerbung für Milchschaum. Und dann – *Rrrrrratterratter* – rollt die Realität in Form von Baumaschinen direkt zwischen die Außenterrassen. Wer jetzt denkt, „Aha, Hilden baut wieder an der großen Untergrund-U-Bahn zum Elbsee“, liegt knapp daneben. Der wahre Grund ist viel bodenständiger – und gleichzeitig maximal deutsch: Es geht um Strom. Und zwar für Weihnachten.
Ja, richtig gelesen. Während andere Städte im März höchstens den ersten Spargel feiern oder sich darüber streiten, ob das jetzt noch Jackenwetter ist, denkt Hilden bereits an den Weihnachtsbaum. Denn die Stadt lässt an der öffentlichen Beleuchtung arbeiten, damit es für den Weihnachtsbaum (und die „Alte Eiche“, die offenbar ebenfalls einen sehr ernstzunehmenden Lichtbedarf hat) eine *dauerhafte und verkehrssichere Stromversorgung* gibt. Verkehrssicher! Damit niemand im Advent im Dunkeln aus Versehen in den Glühwein stolpert oder der Weihnachtsbaum plötzlich auf „Kerzenlicht-Analogbetrieb“ umschalten muss.
Und weil das alles natürlich nicht einfach mit einem Verlängerungskabel aus dem nächsten Café erledigt werden darf (wir sind hier schließlich nicht beim Festivalaufbau), wird gebuddelt. Tiefbau, Anschlussarbeiten, das volle Programm. Allerdings nicht irgendwann, sondern jetzt, Anfang März – witterungsbedingt. Übersetzt heißt das: Der Boden ist endlich in einem Zustand, in dem man ihn fachgerecht aufreißen kann, ohne dass er sich beleidigt zurückzieht oder wieder zufriert, sobald jemand „Schacht“ sagt. Das Timing ist also weniger „Wir sprengen die Terrasse“, sondern eher „Jetzt geht’s technisch, bevor der Boden wieder meint, er sei Beton“.
Die gute Nachricht: Das Ganze soll voraussichtlich ein bis maximal zwei Wochen dauern. Also ungefähr so lange, wie man braucht, um sich an das neue Geräuschprofil seines Lieblingsplatzes zu gewöhnen: Espresso, Vogelgezwitscher, Baggerpiepsen. Und man muss es auch positiv sehen: Wo sonst bekommt man zum Cappuccino eine Live-Vorführung in kommunaler Infrastrukturpflege? Andere zahlen Eintritt fürs Technikmuseum – in Hilden sitzt man einfach draußen und schaut zu, wie Weihnachten vorbereitet wird, während der Frühling noch versucht, seine Jacke auszuziehen.
Am Ende ist es doch irgendwie tröstlich: Da wird nicht gebaut, weil irgendwer „mal eben“ was verschlimmbessern will, sondern damit der Weihnachtsbaum später geschniegelt und strahlend dasteht, ohne dass irgendwo ein Kabel quer über den Markt liegt wie ein schlecht gelaunter Christbaumschmuck. Hilden macht das, was Hilden kann: früh dran sein, solide, mit Plan – und dabei ganz nebenbei den schönsten Kaffeeplatz der Stadt für kurze Zeit in eine Mischung aus Outdoor-Lounge und Baustellen-Safari verwandeln.
Also: Wer jetzt auf dem Alten Markt sitzt, kann sich beruhigt zurücklehnen. Das ist kein Dauerzustand, das ist Weihnachtsvorfreude mit Bagger. Und wenn im Dezember dann alles leuchtet, kann man sagen: „Ich war dabei. Damals, als Weihnachten in Hilden im März angefangen hat.“
Donnerstag, 5. März 2026
5.3.2026: Kaffee mit Presslufthammer – Hildens Alter Markt macht sich weihnachtsfest (im März!)
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