Donnerstag, 17. September 2026

17.9.2026: Zwei Ladeplätze, zwei Welten – oder: Wenn Hilden um den letzten Parkplatz kämpft

Wer abends in einem Hildener Wohngebiet einen Parkplatz sucht, weiß: Freie Stellplätze sind knapp. Trotzdem wollen die Grünen künftig an allen öffentlichen Ladesäulen beide Plätze ausschließlich für ladende E-Autos reservieren. Ich frage mich nur: Warum, wenn schon heute der erste häufig leer bleibt?

Bisher macht Hilden einen Unterschied. An zehn zentralen Standorten, etwa am Rathaus, Lindenplatz oder Warrington-Platz, gehören bereits beide Ladeplätze den Stromern. An 19 Ladesäulen in dicht bebauten Wohngebieten ist dagegen nur einer der beiden Plätze exklusiv für ladende Elektroautos reserviert. Auf dem zweiten dürfen auch Verbrenner stehen. Diese Sonderregelung wurde 2021 ganz bewusst eingeführt, um den ohnehin hohen nächtlichen Parkdruck in den Wohnquartieren nicht noch weiter zu erhöhen.

Die Grünen möchten diese Ausnahme abschaffen und überall dieselbe Regel: zwei Ladeplätze, beide ausschließlich für E-Autos und Plug-in-Hybride – allerdings nur während des aktiven Ladevorgangs. Das klingt zunächst konsequent. Eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen ist schließlich nur begrenzt hilfreich, wenn vor dem zweiten ein Verbrenner übernachtet.

Die Verwaltung sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf und liefert Zahlen. Anfang 2026 waren in Hilden 2.439 reine Elektroautos und extern aufladbare Hybride zugelassen. Bei insgesamt 40.452 Kraftfahrzeugen entspricht das rund sechs Prozent. Hinzu kommen mindestens 522 bei den Stadtwerken angemeldete private Wallboxen. Vor allem aber beobachtet die Stadt, dass der bereits exklusiv reservierte Ladeplatz an den 19 Wohnstandorten überwiegend frei ist. Ihr Schluss: Der derzeitige Ladebedarf wird gedeckt.

Und genau da wird die Sache interessant. Die Grünen argumentieren aus Sicht der Elektromobilität: Wer öffentliche Ladeinfrastruktur baut, sollte sie auch vollständig fürs Laden verfügbar machen. Die Verwaltung schaut dagegen auf die tatsächliche Nutzung und sagt sinngemäß: Warum einen weiteren Parkplatz sperren, wenn schon der erste häufig leer bleibt?

Beides hat etwas für sich. Ich würde allerdings ungern einen Parkplatz auf Vorrat reservieren, nur weil er vielleicht irgendwann gebraucht wird. Gerade in dicht bebauten Hildener Wohngebieten ist ein freier Stellplatz keine theoretische Größe, sondern bisweilen der Unterschied zwischen „direkt vor der Tür“ und einer kleinen Abendwanderung.

Die Verwaltung schlägt deshalb einen pragmatischen Mittelweg vor. Steigt der Anteil der E-Autos und Plug-in-Hybride in Hilden auf mehr als zehn Prozent, soll der Bedarf in den einzelnen Wohnquartieren erneut geprüft werden. Dasselbe gilt schon früher, wenn ein Betreiber nachweisen kann, dass der vorhandene exklusive Ladeplatz im Durchschnitt zu mindestens 50 Prozent ausgelastet ist. Dann könnte auch der zweite Platz für Verbrenner gesperrt werden.

Das erscheint mir vernünftig: Erst Bedarf, dann Schild. Elektromobilität wird weiter wachsen, und irgendwann werden wir vermutlich froh über jeden Ladeplatz sein. Aber Verkehrspolitik muss nicht nur das fördern, was künftig stärker gebraucht wird. Sie sollte auch berücksichtigen, was heute tatsächlich passiert.

Denn ein leerer Ladeplatz mag ein schönes Zeichen für die Verkehrswende sein.
Für jemanden, der abends zum vierten Mal um den Hildener Häuserblock fährt, bleibt er trotzdem vor allem eines: ein leerer Parkplatz.

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