Es gibt Dinge, bei denen man sich fragt, wie jemand überhaupt auf die Idee kommt. Zwei E-Auto-Ladestationen an einer Tankstelle an der Walder Straße gehören seit dieser Woche eindeutig dazu. Unbekannte Täter haben dort in der Nacht zum 7. September die kupfernen Ladekabel abgeschnitten und mitgenommen. Auch in Monheim waren vier Ladestationen betroffen. Sechs Ladesäulen ohne Kabel – und irgendwo vermutlich Menschen, die morgens mit ihrem Elektroauto davorstanden und feststellen mussten: Strom wäre vorhanden, nur der Weg zum Auto fehlt.
Hinter der Sache steckt ein bekanntes Motiv: Kupfer ist wertvoll. Nur ist die Rechnung in diesem Fall besonders absurd. Der Materialwert der gestohlenen Kabel dürfte insgesamt lediglich bei einigen hundert Euro liegen, der Schaden für die Betreiber wegen Reparatur und Ausfall dagegen bei mehreren Tausend Euro. Das ist ungefähr so, als würde jemand die Haustür ausbauen, weil ihm die Türklinke gefällt. Wirtschaftlich kein besonders überzeugendes Geschäftsmodell – gesellschaftlich sowieso nicht.
Gerade bei einer Ladesäule bekommt der Diebstahl noch eine besondere Note. Jahrelang diskutieren wir darüber, wie viele Ladepunkte Deutschland braucht, wie schnell sie gebaut werden müssen und ob die Infrastruktur mit der Zahl der Elektroautos mithalten kann. In Hilden kommt jetzt eine neue Frage hinzu: Wie viele davon haben morgens noch ein Kabel? Die Energiewende hatte vermutlich mit einigen Schwierigkeiten gerechnet. Genehmigungsverfahren, Netzausbau, Strompreise – alles bekannte Themen. Dass irgendwann jemand mit Werkzeug anrückt und einfach das letzte Stück zum Auto mitnimmt, stand wahrscheinlich eher weiter hinten im Maßnahmenkatalog.
Für die Betreiber ist das natürlich alles andere als komisch. Die Säulen fallen aus, müssen repariert werden, und wer dort mit niedrigem Akkustand ankommt, darf sich spontan eine Alternative suchen. Beim Verbrenner wäre die vergleichbare Situation eine Tankstelle, an der jemand über Nacht sämtliche Zapfschläuche abgeschnitten hat. Benzin vorhanden, Säule vorhanden, Bezahlung möglich – nur zwischen all dem und dem Auto fehlt eine Kleinigkeit.
Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen. Wer in der Nacht zum Montag an der Walder Straße verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich melden. Hinweise auf die Täter gibt es bislang offenbar nicht.
Für Hilden bleibt damit eine ziemlich absurde Erkenntnis: Selbst ein Kabel, das fest an einer Ladesäule hängt, ist offensichtlich nicht fest genug.
Da investieren wir viel Geld in moderne Infrastruktur, bauen Ladesäulen und reden über die Mobilität der Zukunft.
Und dann kommt jemand mit einer Zange vorbei.
Fortschritt kann manchmal an erstaunlich einfachen Dingen scheitern.