In Hilden wird es ernst: Einige Laternenmasten sind nicht mehr standsicher. Das klingt zunächst nach einer Nachricht aus der Kategorie „Dinge, über die man sich normalerweise erst Gedanken macht, wenn sie schief neben dem Gehweg stehen“. Doch die Stadt hat hingeschaut, gemessen und festgestellt: Neun Masten haben offenbar beschlossen, dass aufrechtes Stehen auf Dauer auch überschätzt wird.
Betroffen sind unter anderem das Musikantenviertel und die Hochdahler Straße. Besonders im Musikantenviertel passt die Lage natürlich dramaturgisch perfekt: In der Richard-Wagner-Straße, der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg wird nun an der Straßenbeleuchtung gearbeitet. Man könnte sagen: Die große Hildener Nachtmusik bekommt vorübergehend eine technische Pause. Wagner hätte vermutlich ein dreistündiges Vorspiel daraus gemacht, Haydn hätte höflich genickt, und Johann Strauß hätte versucht, den Mast im Dreivierteltakt wieder gerade zu walzen.
Aufgefallen ist das Ganze bei einer turnusmäßigen messtechnischen Überprüfung. Das klingt herrlich amtlich und beruhigend zugleich. Kein Nachbar musste also nachts im Schlafanzug rufen: „Die Laterne guckt mich komisch an!“ Stattdessen kamen Fachleute mit Messgeräten, prüften die Standsicherheit und entschieden: Diese Masten brauchen nicht nur gutes Zureden, sondern einen Austausch. Einige wurden bereits gesichert und gekürzt. Gekürzte Laternenmasten sind vermutlich die Kurzgeschichten unter den Straßenleuchten: weniger hoch, aber immer noch mit ernstem Auftrag.
Seit dem 30. April läuft der Austausch, und bis Mitte Mai kann es in den betroffenen Bereichen zeitweise zu Ausfällen der Straßenbeleuchtung kommen. Das heißt: Hilden erlebt an einigen Stellen möglicherweise eine kleine Renaissance der Taschenlampe. Wer also abends durch die Richard-Wagner-Straße geht, sollte nicht erschrecken, wenn die Beleuchtung kurz mehr Bayreuther Bühnennebel als Innenstadtkomfort bietet. Romantisch könnte man es auch nennen. Oder praktisch: Endlich sieht niemand, wenn man im Dunkeln versucht, die Biotonne des Nachbarn für die eigene zu halten.
Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zwar ein bisschen so, als hätte jemand beim Scrabble nur vier Buchstaben übrig gehabt, hat aber tatsächlich große Geschichte: französische Wurzeln, gegründet im Jahr 1900, einst an der Elektrifizierung der Pariser Metro beteiligt. Von Paris nach Hilden also. Vom Glanz der Métro zur Laterne vor Hausnummer 7. Das ist kein Abstieg, das ist gelebte europäische Infrastrukturfreundschaft.
Geprüft wurde die Standfestigkeit durch die Fachfirma Rei-Lux. Auch dieser Name passt natürlich wunderbar ins Licht-Milieu. Rei-Lux klingt wie eine Figur aus einem Science-Fiction-Film, die mit einem Laserpointer defekte Masten erkennt. Tatsächlich geht es aber um etwas sehr Bodenständiges: Sicherheit. Denn so eine Laterne soll vieles können. Leuchten, Orientierung geben, Gehwege erhellen, gelegentlich Hunde anziehen. Was sie nicht soll: spontan in die Horizontale wechseln.
Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden frühzeitig entdeckt, gesichert und werden ausgetauscht. Das ist genau die Art von Verwaltungsmeldung, die im Alltag unspektakulär klingt, aber wichtig ist. Denn Straßenbeleuchtung gehört zu den Dingen, die man erst bemerkt, wenn sie nicht funktioniert. Wie WLAN, Heizung oder der eine Kugelschreiber, der im ganzen Haushalt tatsächlich schreibt.
Fünf Standorte liegen allein an der Richard-Wagner-Straße. Das ist viel Wagner auf einmal, aber Kenner wissen: Bei Wagner dauert ohnehin alles etwas länger. Zwei Masten stehen an der Hochdahler Straße auf der Austauschliste, dazu je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Hilden hat also keinen Blackout, sondern eher ein kleines Best-of der klassischen Musik mit temporärer Beleuchtungspause.
Bis Mitte Mai soll der Spuk erledigt sein. Dann stehen neue Masten dort, wo alte nicht mehr ganz überzeugend Haltung bewiesen haben. Die Stadt sorgt für Verkehrssicherheit, die Fachfirmen kümmern sich um Licht und Stabilität, und die Anwohner können bald wieder ohne Improvisation durch ihre Straßen gehen.
Bis dahin gilt: Taschenlampe laden, Handy-Akku nicht bei drei Prozent herumtragen und im Musikantenviertel nicht wundern, wenn es abends kurz etwas gedämpfter wirkt. Hilden macht eben nicht nur Kultur, Sport und Baustellenromantik, sondern auch Laternenpflege mit internationalem Flair. Und wenn die neuen Masten stehen, darf man ihnen ruhig kurz anerkennend zunicken. Schließlich ist Haltung heutzutage keine Selbstverständlichkeit – nicht einmal bei Straßenlaternen.
Hildener Geschichten
Donnerstag, 7. Mai 2026
7.5.2026: Wenn Laternen in Hilden wackeln, wird das Musikantenviertel kurz unplugged
Mittwoch, 6. Mai 2026
6.5.2026: Wenn der Wochenmarkt aufs Smartphone summt
In Hilden wird jetzt nicht mehr nur auf dem Wochenmarkt geklingelt, gewogen und freundlich „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ gefragt, sondern auch digital gebimmelt: Die Händlerinnen und Händler des Hildener Wochenmarkts haben einen eigenen WhatsApp-Kanal gestartet. Damit zieht zwischen Kartoffeln, Käse, Honig und Blumensträußen endgültig die Moderne ein. Früher wusste man erst auf dem Nove-Mesto-Platz, ob die Erdbeeren besonders schön aussehen oder der Lieblingsstand heute fehlt. Jetzt reicht ein Blick aufs Smartphone, und schon ist klar: Der Markt meldet sich persönlich. Fast wie ein guter Freund, nur mit mehr Porree.
Die Idee ist so einfach wie praktisch. Wer den Kanal abonniert, bekommt Neuigkeiten direkt aufs Handy: saisonale Angebote, Sonderaktionen oder kurzfristige Änderungen. Also genau die Informationen, die im Alltag schnell untergehen, aber beim Einkauf entscheidend sein können. Denn niemand möchte freitags voller Vorfreude zum Nordmarkt schlendern, nur um dann festzustellen, dass ausgerechnet der Stand des Vertrauens heute nicht da ist. Das ist emotional ungefähr auf einer Stufe mit leerem Akku, kaltem Kaffee und dem Satz „Wir müssten mal reden“.
Besonders angenehm: Die eigene Handynummer bleibt anonym. Man muss also nicht befürchten, plötzlich in einer Gruppe namens „Auberginenfreunde Hilden 2026“ zu landen, in der jeden Morgen um 6.48 Uhr jemand ein Foto von Blumenkohl schickt. Der WhatsApp-Kanal funktioniert diskret, unkompliziert und kann jederzeit wieder verlassen werden. Wobei man sich natürlich fragen muss: Wer verlässt freiwillig einen Kanal, der einem sagt, wann es frische Marktangebote gibt? Das wäre fast so, als würde man beim Bäcker sagen: „Nein danke, den Duft von frischen Brötchen brauche ich heute nicht.“
Betreut wird der Kanal von Oliver Ballon, der samstags als Honighändler auf dem Markt vertreten ist. Das passt natürlich wunderbar: Wenn jemand Nachrichten süß und klebrig im besten Sinne zusammenhalten kann, dann vermutlich ein Honighändler. Unterstützt wird er von den anderen Händlerinnen und Händlern, die gemeinsam dafür sorgen wollen, dass der Wochenmarkt noch attraktiver wird. Man kann sich das ein wenig vorstellen wie eine digitale Markttüte: Hier ein Hinweis, dort ein Angebot, dazu vielleicht noch ein kleiner Gruß aus der Auslage – und alles landet frisch auf dem Display.
Auch Citymanagerin Tanja de Vries begrüßt die Initiative und möchte sie mit Werbemaßnahmen unterstützen. Der Wochenmarkt soll dadurch sichtbarer werden. Wobei man sagen muss: Sichtbarer als ein Marktstand voller leuchtender Äpfel, knackiger Möhren und duftender Blumen ist schon eine sportliche Aufgabe. Aber digital geht eben immer noch etwas. Schließlich muss man die Menschen heute dort abholen, wo sie sind: auf dem Sofa, im Bus, in der Mittagspause oder mit einer Hand am Einkaufszettel und der anderen am Handy.
Der Hauptmarkt auf dem Nove-Mesto-Platz findet weiterhin mittwochs von 7 bis 13 Uhr und samstags von 7 bis 13.30 Uhr statt. Der Nordmarkt zwischen Beethoven- und Lortzingstraße öffnet freitags von 8.30 bis 15 Uhr. Nur kommt jetzt eben noch eine zusätzliche Marktzeit hinzu: immer dann, wenn das Smartphone summt und eine neue Nachricht aus der Hildener Marktwelt eintrifft. Früher sagte man: „Wir sehen uns auf dem Markt.“ Heute heißt es vielleicht: „Ich hab’s im Wochenmarkt-Kanal gelesen.“ Und ganz ehrlich: Wenn selbst Obst, Gemüse und Honig digitaler werden, dann ist Hilden endgültig im 21. Jahrhundert angekommen – aber zum Glück immer noch mit persönlichem Kontakt, frischer Ware und der beruhigenden Gewissheit, dass ein guter Wochenmarkt auch per WhatsApp nicht nach Lieferdienst klingt, sondern nach Heimat.
Dienstag, 5. Mai 2026
5.5.2026: Ein Zaun für die Regionalliga – Hilden macht dicht, aber nur im Gästeblock
In Hilden wird gerade Fußballgeschichte geschrieben. Nicht etwa, weil plötzlich brasilianische Ballzauberer am Bandsbusch auflaufen oder weil der Platzwart heimlich einen Champions-League-Rasen ausgerollt hat. Nein, der ganz große Star der Stunde ist: ein Zaun. Ein fest installierter Zaun. Einer, der so wichtig ist, dass man fast vermuten könnte, er habe selbst schon 15 Saisontore erzielt.
Der VfB 03 Hilden träumt weiter von der Regionalliga, und wie das im deutschen Fußball nun einmal so ist, reicht es nicht, auf dem Platz ordentlich gegen den Ball zu treten. Man muss auch nachweisen, dass der Ball in einer Anlage getreten wird, die den Verband nicht nervös macht. Also wurde gerechnet, geplant, diskutiert und schließlich beschlossen: Der Bandsbusch bekommt seinen Regionalliga-Zaun. Damit fällt eine weitere Lizenzhürde, und Hilden kann sich zumindest infrastrukturell schon einmal die Haare kämmen für die große Bühne.
Sportlich ist die Lage etwas komplizierter. Nach der Niederlage gegen den ETB SW Essen ist der Vorsprung geschmolzen wie ein Eis in der Halbzeitpause. Der VfB steht zwar noch auf Platz zwei, aber der KFC Uerdingen sitzt punktgleich im Nacken und hat im direkten Vergleich schon zweimal freundlich, aber bestimmt gezeigt, wer in diesen Duellen den besseren Fuß hatte. Mit anderen Worten: Auf dem Platz ist noch ordentlich Musik drin, und vermutlich nicht nur Blasmusik.
Abseits des Rasens hingegen liefert der VfB-Vorstand eine Punktlandung. Die Stadt Hilden beziehungsweise die Stadt Hilden Beteiligungsgesellschaft hat dem Westdeutschen Fußballverband bestätigt, dass das Stadion am Bandsbusch rechtzeitig regionalligatauglich gemacht wird. Bis zum ersten Spieltag der neuen Saison am 31. Juli 2026 sollen der „Löwengang“ zur Stehtribüne und der Gästebereich mit einem festen Zaun gesichert sein. Der Name „Löwengang“ klingt dabei so herrlich dramatisch, dass man fast vergisst, dass es vermutlich weniger nach Savanne und mehr nach Sportanlage riecht.
Die Baumaßnahme soll rund sechs Wochen dauern und wurde einstimmig abgesegnet. Einstimmig! In kommunalen Gremien ist das ungefähr so selten wie ein Schiedsrichter, der nach einem Handspiel im Strafraum von beiden Fanlagern Applaus bekommt. Offenbar ist man sich in Hilden einig: Wenn der VfB aufsteigt, dann soll er nicht auswärts zuhause spielen müssen. Wuppertal, Velbert oder Düsseldorf wären zwar mögliche Ausweichquartiere gewesen, aber mal ehrlich: Ein Hildener Heimspiel außerhalb von Hilden ist ein bisschen wie Altbier aus der Thermoskanne – technisch möglich, emotional schwierig.
Natürlich kostet der Spaß Geld. Sogar einen sechsstelligen Betrag. Wie viel genau? Das bleibt geheim. Auch der Anteil des Vereins wird nicht verraten. Man könnte sagen: Der Zaun wird gebaut, aber die Zahlen bleiben eingezäunt. Der VfB beteiligt sich jedenfalls mit einer Summe, die erst einmal aufgebracht werden muss. Das klingt nach Sponsoren, Sparschwein und vielleicht einem sehr gut besuchten Kuchenverkauf, bei dem der Marmorkuchen plötzlich „Regionalliga-Schnitte“ heißt.
Finanziell will der Verein auch im Erfolgsfall bodenständig bleiben. Der Oberliga-Etat lag zuletzt bei rund 250.000 Euro, und in der Regionalliga sollen die Ausgaben nur unwesentlich steigen. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Wir ziehen in ein größeres Haus, behalten aber dieselbe Stromrechnung. Mutig, sympathisch und sehr hildenerisch. Der Vorsitzende Daniel Wittke macht klar, dass man nicht sofort von der 3. Liga träumt, sondern erst einmal vom Klassenerhalt. Vernünftig. Wer gerade einen Zaun baut, muss ja nicht direkt auch noch ein Luftschloss errichten.
Auch im Kader bewegt sich einiges. 60 bis 70 Prozent der Spieler sollen bereits verlängert haben, einige Positionen werden neu besetzt, manche Spieler aus der zweiten Reihe müssen sich offenbar anderweitig umschauen. Und Chefcoach Tim Schneider, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, arbeitet trotzdem weiter am Meistertraum. Das ist professionell und irgendwie auch filmreif: Der Trainer, der weiß, dass er gehen muss, versucht noch, den Verein nach oben zu führen. Hollywood würde daraus vermutlich ein Sportdrama machen. In Hilden nennt man es: die letzten fünf Spieltage.
Und genau diese fünf Spieltage haben es in sich. Der Zaun kommt, die Lizenzunterlagen sehen gut aus, die Stadt steht hinter dem Projekt, die Sponsoren wittern neue Möglichkeiten. Jetzt muss nur noch die Mannschaft liefern. Also eigentlich die kleinste Kleinigkeit im Fußball: gewinnen, punkten, nervenstark bleiben und hoffen, dass die Konkurrenz auch mal freundlich stolpert.
Am Bandsbusch ist also alles vorbereitet für den großen Sprung. Der Gästeblock bekommt seinen Zaun, der Verein seinen Regionalliga-Traum und Hilden vielleicht bald ein sportliches Aushängeschild unter den Top 100 des deutschen Fußballs. Bis dahin gilt: Die Infrastruktur steht bald wie eine Eins. Jetzt müssen nur noch die Beine mitspielen. Und falls es am Ende doch nicht klappt, hat Hilden immerhin etwas, das viele Vereine gerne hätten: einen richtig ambitionierten Zaun.
Montag, 4. Mai 2026
4.5.2026: Hilden hebt das Glas – und sucht gleichzeitig den Ausgang
Es gibt Wochenenden, da merkt man: Hilden ist nicht nur eine Stadt, Hilden ist ein Aggregatzustand. Zwischen Frühlingsmarkt, verkaufsoffenem Sonntag und Weindorf verwandelte sich die Innenstadt in eine Mischung aus mediterraner Piazza, botanischem Fachkongress und Parkplatz-Survival-Training. Wer am Sonntag um 13 Uhr noch einen Stellplatz suchte, konnte ungefähr genauso gut nach einem Einhorn mit Parkscheibe Ausschau halten. Die Autos kreisten durch die Seitenstraßen, während Fußgänger, Radfahrer, Kinderwagen und Hunde längst zielstrebig Richtung Mittelstraße strömten. Hilden hatte gerufen, und offenbar hatte ganz Nordrhein-Westfalen geantwortet: „Sind unterwegs.“
Auf dem Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz wurde derweil ausgeschenkt, was deutsche Winzerkunst hergibt: Weißwein, Rotwein, Rosé, Aperol, Erdbeer-Secco und zur Sicherheit auch Bier, falls jemand beim Wort „Weindorf“ nervös wird. Acht Winzerfamilien waren dabei, die Stimmung war friedlich, die Gläser gut gefüllt und die Menschen so zahlreich, dass mancher Besucher vermutlich engeren Körperkontakt zu Fremden hatte als zuletzt beim Schulsport in der siebten Klasse. Der Trend zu alkoholfreiem Wein? Ja, den gibt es offenbar. Aber in Hilden beim Weindorf wurde er eher freundlich zur Kenntnis genommen und dann diskret am nächsten Stand vorbeigetragen.
Parallel dazu bewies der Frühlingsmarkt, dass Hilden nicht nur trinken, sondern auch pflanzen kann. Kräuter, Gemüsepflänzchen und Salatsäcke gingen weg wie warme Reibekuchen, nur eben gesünder. Wer mit einem Basilikumtöpfchen unter dem Arm und einem Glas Rosé in der Hand unterwegs war, durfte sich vermutlich als ganzheitlich lebender Innenstadtmensch fühlen. Besonders gefragt war alles, was nach Selbstversorgung aussah. In Zeiten, in denen man nie weiß, ob morgen die Tomate teurer ist als ein Kleinwagen, beruhigt so ein selbstgezogener Salat natürlich ungemein.
Nicht überall klingelte allerdings die Kasse wie ein gut gelaunter Weinglas-Anstoß. Einige Händler berichteten, die Menschen würden zwar schauen, aber nicht kaufen. Das kennt man aus vielen Fußgängerzonen: geguckt wird mit Hingabe, gekauft wird später online, und beraten lassen hat man sich natürlich vorher beim echten Menschen vor Ort. Auch fleischfressende Pflanzen waren im Angebot, was in Hilden eigentlich ein sehr ehrliches Produkt ist: hübsch anzusehen, aber wehe, man kommt zu nah. Ein bisschen wie das Weindorf am Samstagabend.
Denn während Winzer und viele Besucher zufrieden waren, meldete sich online die Fraktion „Das war aber kuschelig bis kritisch“. Auf Facebook wurde diskutiert, dass der Platz zu klein, das Gedränge zu groß und der Fluchtweg im Ernstfall eher theoretischer Natur sei. Manche fanden es schlicht zu voll, andere zu gefährlich, wieder andere gingen gar nicht erst hin, weil sie sich nicht zwischen Weinglas, Bierzeltgarnitur und fremdem Ellenbogen einfädeln wollten. Man kann es ihnen nicht verdenken: Ein Weindorf soll schließlich ein Ort sein, an dem man genüsslich nippt, nicht einer, an dem man sich wie eine Rosine in der Studentenfutterpackung fühlt.
Organisator Jens Wiechmann kennt das Problem. Die Innenstadt hat nun einmal nicht heimlich über Nacht einen zweiten Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz im Keller gefunden. Der Nove-Mesto-Platz fällt wegen Lärm und Anwohnern eher aus, denn auch Hilden weiß: Wo Wein ist, ist Stimmung, und wo Stimmung ist, ist spätestens um 22 Uhr jemand am Fenster, der „Muss das sein?“ denkt. Eine Einzäunung mit begrenzter Besucherzahl wäre theoretisch möglich, würde aber den Charakter des Festes verändern und einen Rattenschwanz aus Genehmigungen, Auflagen und Kosten mit sich bringen. Aus dem charmanten Weindorf würde dann schnell ein logistisches Hochsicherheits-Riesling-Areal.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Manche Besucher bringen eigene Speisen und Getränke mit. Das ist ungefähr so, als würde man ins Restaurant gehen, sich an den schönsten Tisch setzen und dann die Tupperdose auspacken. Am Ende bleibt der Müll liegen, und der Veranstalter darf aufräumen. Hilden, wir müssen reden: Wer zum Weindorf geht, sollte dort auch wenigstens so tun, als hätte der Weinstand nicht nur dekorative Funktion.
Die gute Nachricht: Weil der Andrang so groß ist, soll es in diesem Jahr erstmals ein zweites Weinfest geben, geplant für das erste Septemberwochenende parallel zu Herbstmarkt und Autoschau. Das klingt nach einer typisch Hildener Kombi: erst den neuen Wagen anschauen, dann ein Glas Wein trinken und anschließend sehr verantwortungsbewusst zu Fuß nach Hause gehen. Für neue Winzer ist ebenfalls Platz in der Planung, denn rund 50 stehen noch auf der Warteliste. Man muss sich das einmal vorstellen: Während anderswo Leute auf Kitaplätze warten, warten in Hilden Winzer darauf, endlich ausschenken zu dürfen.
Natürlich wird auch die Enge auf dem Platz noch einmal Thema zwischen Veranstalter und Ordnungsamt. Vielleicht findet sich eine Lösung, die zwischen „gemütlich belebt“ und „ich wurde gerade von einer Rieslingwelle Richtung Bühne getragen“ liegt. Denn eines ist klar: Hilden mag sein Weindorf. Es mag seine Märkte, seine volle Innenstadt, seine verkaufsoffenen Sonntage und offenbar auch die Herausforderung, mit einem Kräutertopf, zwei Einkaufstüten und einem Glas Rosé elegant durch Menschenmengen zu navigieren.
Am Ende bleibt ein Wochenende, das gezeigt hat: Hilden lebt. Manchmal sogar so sehr, dass man kurz Luft holen möchte. Aber lieber eine Innenstadt, die an ihre Grenzen stößt, als eine, in der nur der Wind durch die Mittelstraße rollt und ein einsamer Salatsack auf Kundschaft wartet. Beim nächsten Weinfest braucht es vielleicht ein bisschen mehr Platz, ein bisschen mehr Steuerung und ein bisschen weniger mitgebrachte Picknickmentalität. Aber eines darf bleiben: diese wunderbare Hildener Fähigkeit, aus einem Wochenende ein Stadtgespräch zu machen. Und aus einem Weindorf beinahe eine Mutprobe mit Bouquet.
Sonntag, 3. Mai 2026
3.5.2026: Hilden steht im Dunkeln – aber immerhin standsicher
In Hilden wird es an manchen Stellen demnächst ein wenig romantischer, als es der Stadtverwaltung vermutlich lieb ist. Im Musikantenviertel und an der Hochdahler Straße wurden nämlich bei einer Routineprüfung neun Laternenmasten entdeckt, die offenbar beschlossen hatten, ihre Standfestigkeit künftig eher frei zu interpretieren. Was für Menschen nach einem langen Abend beim Weindorf gilt, gilt für Laternenmasten leider nicht: Wer wackelt, muss gestützt, gekürzt oder ausgetauscht werden.
Besonders betroffen ist die Richard-Wagner-Straße, wo gleich fünf Masten aus dem Takt geraten sind. Das passt natürlich irgendwie ins Musikantenviertel. Vielleicht wollten die Laternen einfach dramatischer wirken, ein bisschen „Walkürenritt“ im Straßenbild, nur eben mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Zwei weitere Kandidaten stehen an der Hochdahler Straße, je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Man kann also sagen: Die Stadt hat nicht nur ein Beleuchtungsproblem, sondern auch ein kleines klassisches Ensemble in Schieflage.
Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden bereits gesichert und gekürzt. Die schlechte Nachricht: Bis Mitte Mai kann es zeitweise dunkel werden. Wer dort unterwegs ist, sollte also entweder eine Taschenlampe mitnehmen, sein Handy vorher laden oder sich vertrauensvoll an den Mond wenden, sofern dieser gerade Dienst hat. Für Anwohner bedeutet das: kurzzeitig weniger Straßenbeleuchtung, dafür aber mehr Gelegenheit, die eigene Nachbarschaft einmal ganz neu kennenzulernen. Zum Beispiel durch vorsichtiges Tasten entlang bekannter Hecken.
Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Hildener Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zunächst wie ein Tippfehler kurz vor Feierabend, hat aber französische Wurzeln und steht für „Société Parisienne pour l’Industrie Electrique“. Gegründet wurde das Unternehmen einst, um die Pariser Metro zu elektrifizieren. Von der Pariser Unterwelt zur Hildener Laterne ist es zwar ein weiter Weg, aber offenbar bleibt man dem Licht treu. Nur der Charme von Paris dürfte in der Richard-Wagner-Straße bei ausgeschalteter Beleuchtung vorübergehend eher in Richtung „Krimi-Kulisse mit Mülltonnen“ tendieren.
Dass die Masten überhaupt auffielen, liegt an einer messtechnischen Überprüfung. Das klingt nach einem Vorgang, bei dem Menschen mit ernsten Gesichtern und sehr spezialisierten Geräten an Laternen rütteln, während Passanten überlegen, ob sie fragen sollen, was da los ist. Ergänzt wird das Ganze durch regelmäßige Sichtkontrollen. Man schaut also nicht nur, ob eine Laterne noch wie eine Laterne aussieht, sondern misst auch, ob sie innerlich noch bei sich ist.
Am Ende ist das natürlich eine gute Sache. Niemand möchte, dass ein Laternenmast spontan beschließt, sich der Schwerkraft hinzugeben. Und wenn Hilden schon einmal kurz im Dunkeln liegt, dann wenigstens aus Gründen der Sicherheit und nicht, weil jemand vergessen hat, die Stromrechnung zu bezahlen. Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten dauern. Danach darf das Musikantenviertel wieder leuchten, die Hochdahler Straße wieder strahlen und Hilden insgesamt beruhigt feststellen: Nicht jede Erleuchtung kommt plötzlich, manche wird fachgerecht ausgetauscht.
Samstag, 2. Mai 2026
2.5.2026: Frühling in Hilden und Haan: Die Arbeitslosigkeit blüht mit
Eigentlich ist der April ja dafür zuständig, Tulpen hervorzubringen, Eisdielen zu füllen und Menschen in Übergangsjacken ratlos vor Kleiderschränken stehen zu lassen. Auf dem Arbeitsmarkt in Hilden und Haan hatte der Monat allerdings eine andere Idee: Statt der üblichen Frühjahrsbelebung gab es diesmal eher ein müdes Gähnen im Vorgarten der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen, und damit zeigt sich: Nicht alles, was im Frühling wächst, ist automatisch erfreulich.
In der Geschäftsstelle Hilden, die Hilden und Haan umfasst, sind aktuell 3007 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 119 mehr als im März. Die Quote steigt von 6,1 auf 6,4 Prozent. Das klingt zunächst nach einer Zahl mit Komma, wie sie in Berichten gern unauffällig zwischen anderen Zahlen herumsteht. Für die Betroffenen ist es aber natürlich kein Komma, sondern Alltag: Bewerbungen schreiben, Rückmeldungen abwarten, Hoffnung sortieren und dabei möglichst nicht zu oft das Wort „zeitnah“ in Stellenanzeigen persönlich nehmen.
Hilden kommt aktuell auf 2005 arbeitslose Menschen. Das sind 78 mehr als im Vormonat. Die Quote steigt dort von 6,2 auf 6,5 Prozent. Haan meldet 1002 arbeitslose Menschen, also 41 mehr als im März, und eine Quote von 6,2 Prozent. Immerhin liegen beide Städte weiterhin unter dem Kreis Mettmann, der bei 7,2 Prozent bleibt. Man könnte also sagen: Es ist nicht gut, aber es gibt noch Luft nach oben. Wobei das vermutlich einer der Sätze ist, die man auf dem Arbeitsmarkt lieber nicht zu laut sagt.
Besonders auffällig ist, dass die sogenannte Frühjahrsbelebung ausbleibt. Normalerweise kommt mit mehr Sonne auch mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Menschen wechseln Jobs, Betriebe stellen ein, irgendwo braucht immer jemand Unterstützung. In diesem April aber wirkt die Belebung ungefähr so dynamisch wie ein Gartenzwerg nach dem Winter: vorhanden, aber nicht unbedingt in Aufbruchsstimmung. Die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen bremsen weiter, und wer schon einmal versucht hat, mit angezogener Handbremse schwungvoll loszufahren, kennt das Geräusch.
Dabei gibt es durchaus freie Stellen. In Hilden und Haan sind aktuell 485 offene Arbeitsplätze gemeldet, im gesamten Kreis sogar 2258. Besonders gesucht wird unter anderem in Kfz-Werkstätten und im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im verarbeitenden Gewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung. Das klingt nach einer bunten Mischung aus Schraubenschlüssel, Pflegekittel, Maschinenhalle und Formularstapel. Oder anders gesagt: Arbeit ist da, aber sie findet offenbar nicht immer genau zu den Menschen, die gerade Arbeit suchen. Der Arbeitsmarkt ist manchmal eben wie ein sehr kompliziertes Puzzle, bei dem ein Teil aus Haan, eins aus Hilden und eins aus der Personalabteilung kommt, aber alle drei behaupten, sie würden eigentlich zusammenpassen.
Im April meldeten sich 652 Personen neu oder erneut arbeitslos, während 531 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Das ist die nüchterne Statistik dahinter. Für die einen beginnt eine unsichere Phase, für die anderen endet sie hoffentlich. In der Summe bleibt aber ein Plus bei der Arbeitslosigkeit. Und so steht der April 2026 in Hilden und Haan weniger für Aufbruch als für eine wirtschaftliche Warteschleife mit Frühlingsdekoration.
Trotzdem lohnt sich der Blick ohne Panik, aber auch ohne Schönfärberei. Im Vergleich zum Vorjahr stehen Hilden und Haan sogar etwas besser da: In Hilden sind es 16 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr, in Haan 45 weniger. Das ist kein Grund für Konfettikanonen im Rathaus, aber immerhin ein kleiner Hinweis darauf, dass nicht alles gleichzeitig bergab rollt. Manchmal ist der Arbeitsmarkt eben kein Sprint, sondern eher ein Stadtlauf mit Baustellen, Gegenwind und jemandem, der am Rand ruft: „Noch fünf Kilometer!“
Für Hilden und Haan bedeutet das: Der Frühling hat auf dem Arbeitsmarkt diesmal keinen großen Auftritt hingelegt. Die Sonne scheint vielleicht, die Bäume werden grün, aber die Konjunktur sitzt offenbar noch mit Schal auf der Parkbank und überlegt, ob sie wirklich schon loslegen möchte. Hoffen wir, dass sie sich bald erhebt. Und zwar standsicherer als manche Laternenmasten.
Freitag, 1. Mai 2026
1.5.2026: Hilden hängt den Frühling an die Laterne
In Hilden ist der Frühling jetzt offiziell nicht mehr zu übersehen. Während andere Städte noch überlegen, ob ein einzelner Blumenkübel vor dem Rathaus schon als Innenstadtverschönerung durchgeht, hat Hilden gleich 102 Blumenampeln entlang der Mittelstraße aufgehängt. Das ist keine Dekoration mehr, das ist florale Entschlossenheit in luftiger Höhe.
Pünktlich zum Frühlingsmarkt zeigt sich die Fußgängerzone also von ihrer farbenfrohen Seite. An den Laternen baumeln wieder bepflanzte Ampeln, die den Passanten freundlich zurufen: „Ja, es ist Frühling. Ja, du darfst jetzt ein Eis essen. Nein, du brauchst die Winterjacke vermutlich trotzdem noch, wir sind schließlich in NRW.“ Wer durch die Innenstadt läuft, bekommt nun nicht nur Schaufenster, Cafés und bekannte Gesichter geboten, sondern auch Blumen über Kopfhöhe. Das ist praktisch, denn so kann niemand versehentlich dagegen treten. Höchstens Tauben könnten sich beschweren, weil ihre bevorzugten Sitzplätze plötzlich aussehen wie eine Gartenschau.
Möglich wird die Aktion durch eine Kooperation des Citymanagements mit dem Verein Stadtmarketing Hilden. Schon zum zweiten Mal ziehen beide gemeinsam an der Gießkanne, um die Innenstadt aufzuwerten. Citymanagerin Tanja de Vries freut sich über die Fortsetzung der Zusammenarbeit, und auch Bastian Mey vom Stadtmarketing blickt zufrieden auf das blühende Projekt. Er kündigt an, dass die Blumen regelmäßig gegossen werden, damit sie bald in voller Blüte stehen. Das klingt unspektakulär, ist aber entscheidend. Denn zwischen „Innenstadtambiente“ und „hängender Trockenstrauß mit schlechtem WLAN“ liegen im Sommer oft nur zwei vergessene Gießrunden.
Für die Bepflanzung war Marktflorist Stefan Hosten zuständig, den viele Hildenerinnen und Hildener von den Wochenmärkten kennen. Das ist beruhigend, denn wer Pflanzen für eine ganze Innenstadt vorbereitet, sollte wissen, was er tut. Bei 102 Blumenampeln reicht es schließlich nicht, einfach irgendwo ein paar Stiefmütterchen hineinzuwinken und auf Regen zu hoffen. Da braucht es Fachwissen, Fingerspitzengefühl und vermutlich eine gewisse Toleranz gegenüber Erde an Orten, an denen man sie nicht erwartet.
Die Blumenampeln sollen die Innenstadt attraktiver machen und Besucherinnen, Besuchern sowie den Hildenerinnen und Hildenern ein schöneres Stadtbild bieten. Und tatsächlich: Eine Fußgängerzone wirkt gleich freundlicher, wenn über einem nicht nur Laternen, Schilder und gelegentlich skeptische Möwen hängen, sondern auch bunte Blüten. Blumen können zwar keine Parkplätze schaffen, keine Baustellen verkürzen und keine Diskussionen über Ladenleerstand lösen. Aber sie können dafür sorgen, dass man beim Stadtbummel kurz denkt: „Ach, schön hier.“ Und manchmal ist das schon ziemlich viel.
So schwebt der Frühling nun wieder über der Mittelstraße. Hilden hat sich herausgeputzt, die Blumenampeln hängen, der Frühlingsmarkt kann kommen. Jetzt müssen nur noch Wetter, Besucher und Gießkanne mitspielen. Und falls jemand fragt, woran man erkennt, dass in Hilden Saisonbeginn ist: Man schaut einfach nach oben. Dort blüht die Antwort.