Montag, 21. September 2026

21.9.2026: Jetzt wird der Kürbis bunt – oder: Hilden malt den Herbst an

Ich mag den Hildener Wochenmarkt. Ein bisschen schauen, ein bisschen kaufen, irgendwo jemanden treffen – und meistens nimmt man mehr mit nach Hause, als ursprünglich geplant. Am 10. Oktober könnte noch etwas dazukommen: ein bunt bemalter Kürbis. Denn von 10 bis 13 Uhr dürfen Kinder und Jugendliche auf dem Wochenmarkt zu Pinseln und Acrylfarben greifen.

Und nein, diesmal geht es ausnahmsweise nicht darum, den Kürbis möglichst gruselig auszuhöhlen. Halloween ist schließlich noch ein paar Wochen entfernt. Statt Messer und Teelicht gibt es Farbe und Fantasie. Unter Anleitung von Dorothee Wengenroth, Kunstpädagogin am Wilhelm-Fabry-Museum und an der Kinder- und Jugendkunstschule KuKuK, sollen aus gewöhnlichen Kürbissen kleine Kunstwerke werden.

Eigentlich eine ziemlich schöne Idee. Während die Erwachsenen zwischen Kartoffeln, Käse, Blumen und der Frage unterwegs sind, ob man wirklich noch etwas braucht, können die Kinder den Herbst etwas bunter machen. Und vermutlich werden am Ende einige Eltern mit einem Kürbis nach Hause gehen, der selbstverständlich einen Ehrenplatz bekommen muss. Wegwerfen nach der Saison? Schwierig. Das Kind hat ihn schließlich selbst bemalt. So beginnt möglicherweise die Weihnachtsdekoration 2026 mit einem orangefarbenen Kunstwerk vom Hildener Wochenmarkt.

Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings sind die Plätze begrenzt und eine vorherige Anmeldung über die Stadt erforderlich. Das sollte man nicht überlesen. Einfach mit Kind, Pinsel und der Erwartung auf einen freien Kürbisplatz aufzutauchen, könnte sonst enttäuschend enden.

Nebenbei läuft natürlich auch der normale Wochenmarkt weiter. Von 7 bis 13.30 Uhr bieten die Händler ihre Waren an, passend zur Jahreszeit mit zusätzlichen Herbstangeboten. Man kann den Nachwuchs also kreativ beschäftigen und anschließend noch die Einkäufe erledigen – wobei ich nicht ausschließen würde, dass der bemalte Kürbis am Ende wichtiger ist als alles, was ursprünglich auf dem Einkaufszettel stand.

Ich mag solche Aktionen gerade deshalb, weil sie nicht größer gemacht werden, als sie sind. Kein Festival, keine Großveranstaltung, kein kompliziertes Programm. Ein Samstagvormittag auf dem Wochenmarkt, ein paar Kürbisse, Farbe und Kinder, die daraus machen dürfen, was ihnen einfällt. Manchmal braucht eine Innenstadt genau solche kleinen Ideen.

Und vielleicht entdecken wir dabei sogar eine völlig neue Hildener Kunstform. Schließlich diskutieren wir sonst ausdauernd über Schilder, Fassaden, Straßenmarkierungen und die richtige Gestaltung des öffentlichen Raums. Diesmal dürfen einfach die Kinder gestalten.

Und sollte ein Kürbis am Ende besonders wild aussehen, gilt immerhin: Dafür braucht es weder eine Baugenehmigung noch einen Ausschussbeschluss.

Sonntag, 20. September 2026

20.9.2026: 2,57 Euro – oder: Wenn Tanken in Hilden zum Strategiespiel wird

Ich gehöre inzwischen zu den Menschen, die vor dem Tanken erst aufs Handy schauen. Nicht wegen einer Nachricht, sondern wegen der Spritpreise. An der Jet-Tankstelle an der Düsseldorfer Straße sprang Diesel am Donnerstag um 12 Uhr innerhalb weniger Minuten von 2,34 auf 2,57 Euro, Benzin von 2,31 auf 2,49 Euro. Wer um 11.58 Uhr tankte, durfte sich kurz wie ein erfolgreicher Börsenhändler fühlen. Wer um 12.02 Uhr kam, hatte den Einstieg verpasst.

Dass die Preise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöht werden dürfen, hat sich herumgesprochen. Danach sei die Tankstelle „wie leergefegt“, berichtet eine Mitarbeiterin. Früher richtete sich der Tagesablauf nach Arbeitszeit, Mittagspause und Feierabend. Heute gibt es einen weiteren Termin: 11.55 Uhr – schnell noch tanken.

Dass sich der Ärger über die Preise teilweise gegen die Tankstellenmitarbeiter richtet, ist allerdings daneben. Sie legen die Preise nicht fest. Der Verantwortliche für 2,57 Euro Diesel steht jedenfalls nicht hinter der Kasse und verkauft Kaffee und Schokoriegel.

Für viele Hildener ist Tanken inzwischen zum Strategiespiel geworden. Besonders für diejenigen, die beruflich auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind. Der Fliesenleger und Kreishandwerksmeister Thomas Grünendahl hat fünf davon im Einsatz. Seine Mitarbeiter vergleichen die Preise per App, und wenn es günstig wird, werden die Lieferwagen vollgemacht. Grünendahl fährt sogar sonntagabends mit allen Autos zur Tankstelle.

Früher traf man sich sonntagabends vielleicht auf ein Bier. Heute trifft sich der Hildener Fuhrpark an der Zapfsäule.

Dahinter steckt handfeste Kalkulation. Grünendahl hat seine Kilometerpauschale bereits auf 60 Cent erhöht, kann aber ebenso wie ein Hildener Abschleppunternehmer nicht sämtliche Mehrkosten weitergeben. Bei einem befragten Taxifahrer verschlingt der Kraftstoff inzwischen rund 15 statt normalerweise zehn Prozent des Umsatzes. Da wird aus jedem Cent an der Preistafel schnell eine betriebswirtschaftliche Größe.

Natürlich wird auch über politische Antworten diskutiert: Tankrabatt, Neun-Euro-Ticket, Übergewinnsteuer. Darüber lässt sich streiten. Die Wirkung der hohen Preise ist einfacher zu erkennen – an der Zapfsäule und anschließend auf dem Konto.

Einfach vollmachen, wenn die Nadel Richtung Reserve geht, war gestern. Heute braucht man App, Uhrzeit und ein bisschen Nervenstärke.

In Hilden tankt man nicht mehr einfach. Man beobachtet den Kurs – und hofft, rechtzeitig gekauft zu haben.

Samstag, 19. September 2026

19.9.2026: Kunst bekommt ein Update – oder: Hilden kann auch abstrakt

Ich fahre regelmäßig durch die Hofstraße. Im Haus Hildener Künstler war ich trotzdem viel zu selten. Vielleicht sollte ich das ändern, denn ab dem 19. September gibt es dort ein „Update“ – und ausnahmsweise muss dafür weder eine App heruntergeladen noch ein Passwort zurückgesetzt werden.

Karin Machan und Hildegard Skirde zeigen nach drei Jahren wieder gemeinsam ihre neuesten Arbeiten. Der Titel: „Update 26“. Vom 19. bis 27. September treffen dabei zwei ziemlich unterschiedliche künstlerische Handschriften aufeinander. Hildegard Skirde arbeitet vor allem abstrakt: kräftige Pinselstriche, sensible Strukturen und bewusst komponierte Farbflächen. Karin Machan findet ihre Motive dagegen häufig in scheinbar alltäglichen Dingen, wobei Natur und Landschaft eine besondere Rolle spielen. Gerade dieser Gegensatz macht die Ausstellung interessant: Die eine löst Wirklichkeit auf, die andere entdeckt im Vertrauten etwas Neues.

Und vielleicht passt genau das ziemlich gut zu Hilden. Wir diskutieren hier gerne über Tempo 30, Parkplätze, Baustellen und zu breite Leuchtreklamen. Da kann es durchaus guttun, zwischendurch einmal über Farben, Formen und Landschaften nachzudenken. Wobei ich mir sicher bin: Würde ein abstraktes Gemälde lange genug in der Mittelstraße hängen, hätten wir irgendwann auch dazu eine Ausschusssitzung.

Zur Vernissage am Samstag, 19. September, um 16 Uhr gibt es nicht nur Bilder. Singer-Songwriter Leander Machan stellt drei neue Lieder vor, eröffnet wird die Ausstellung von der Künstlerkollegin Kirsten Graf. Geöffnet ist anschließend donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zum Abschluss am 27. September um 12 Uhr gibt es noch eine Konzertlesung mit Tanja Kreiskott, Karola Pasquay und Klaus Harm als Hommage an Rainer Maria Rilke.

Ich mag solche kleinen Kulturorte in Hilden. Nicht jedes Ereignis braucht eine große Bühne auf dem Alten Markt oder ein komplettes Wochenende in der Innenstadt. Manchmal reichen ein Haus in der Hofstraße, zwei Künstlerinnen, ein paar neue Bilder und die Gelegenheit, sich auf etwas einzulassen, das nicht sofort erklärt werden muss.

Und „Update 26“ ist vielleicht auch ein ganz guter Hinweis für uns selbst: Ab und zu lohnt es sich, die gewohnte Hildener Perspektive zu aktualisieren.

Keine neue Verkehrsführung, kein zusätzliches Schild und kein Streit um Parkplätze – nur Kunst. Das ist für Hilden doch auch mal ein schönes Update.

Freitag, 18. September 2026

18.9.2026: Erst beschließen, dann bremsen – oder: Wer darf in Hilden eigentlich Verkehrswende machen?

Kaum ein Thema bringt Hilden derzeit so zuverlässig in Fahrt wie Tempo 30. Jetzt geht es allerdings nicht mehr nur darum, was auf unseren Straßen passiert, sondern wer dafür politisch geradesteht. CDU und FDP wollen, dass Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept künftig grundsätzlich erst durch den Ausschuss für technische Infrastruktur müssen, bevor die Verwaltung sie umsetzt. Hintergrund sind die jüngsten Auseinandersetzungen um Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen.

Das klingt zunächst vernünftig. Wenn eine Maßnahme den Alltag vieler Hildener spürbar verändert, sollte darüber politisch diskutiert werden. Ein Mobilitätskonzept kann die fachliche Grundlage liefern, aber nicht automatisch jede konkrete Entscheidung vorwegnehmen. Nur weil eine Maßnahme irgendwo in einem Konzept steht, muss daraus noch kein Freifahrtschein für die Umsetzung werden.

Die Grünen sehen darin dagegen eine zusätzliche Bremsschleife. Sie warnen davor, bereits grundsätzlich beschlossene Ziele bei jeder konkreten Maßnahme erneut politisch aufzuschnüren und dadurch die Verkehrswende zu verzögern. Was CDU und FDP als mehr Transparenz und politische Legitimation beschreiben, bewerten die Grünen als Versuch, Entscheidungsprozesse zu verkomplizieren und Fortschritte auszubremsen.

Mich stört an der ganzen Debatte etwas anderes: Politik darf Verantwortung nicht erst dann entdecken, wenn eine konkrete Maßnahme unpopulär wird. Wenn ein Mobilitätskonzept beschlossen wird, muss vorher klar sein, was die Verwaltung daraus eigenständig umsetzen darf und wo ein neuer politischer Beschluss erforderlich ist. Diese Grenze erst zu diskutieren, wenn Tempo 30 auf einer Hauptverkehrsstraße plötzlich für Ärger sorgt, ist zu spät.

Umgekehrt kann sich die Politik aber auch nicht darauf zurückziehen, irgendwann einmal ein Konzept beschlossen zu haben, wenn daraus konkrete Eingriffe entstehen, die viele Bürger unmittelbar betreffen. Wer Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, den Wegfall von Parkplätzen oder andere weitreichende Veränderungen will, sollte dafür öffentlich die politische Verantwortung übernehmen. Das gehört für mich zur kommunalen Demokratie – einschließlich der Diskussion mit denen, die anderer Meinung sind.

Was Hilden deshalb am wenigsten braucht, ist ein Verfahren, bei dem sich Politik und Verwaltung gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Die Verwaltung verweist auf beschlossene Konzepte, die Politik fordert nachträglich mehr Mitsprache, und am Ende weiß der Bürger nur eines sicher: Das Schild steht irgendwann an der Straße.

Natürlich darf daraus auch nicht das andere Extrem werden. Wenn jede Markierung, jede kleine Verkehrsänderung und jedes Schild erneut durch einen Ausschuss muss, produziert man keine Transparenz, sondern Stillstand. Routine und operative Umsetzung gehören in die Verwaltung. Grundsätzliche Entscheidungen mit erheblichen Auswirkungen gehören in die Politik. Diese Grenze muss vorher feststehen – nicht erst dann, wenn es Protest gibt.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Lehre aus dem Hildener Tempo-30-Streit. Wir diskutieren inzwischen nicht mehr nur darüber, welche Verkehrspolitik wir wollen. Wir diskutieren darüber, wer sie überhaupt beschließen darf.

Ein Mobilitätskonzept darf weder Blankoscheck noch Alibi sein. Wer politisch entscheidet, muss Verantwortung übernehmen – und zwar bevor das Schild aufgestellt wird, nicht erst wenn sich die Hildener darüber aufregen.

Donnerstag, 17. September 2026

17.9.2026: Zwei Ladeplätze, zwei Welten – oder: Wenn Hilden um den letzten Parkplatz kämpft

Wer abends in einem Hildener Wohngebiet einen Parkplatz sucht, weiß: Freie Stellplätze sind knapp. Trotzdem wollen die Grünen künftig an allen öffentlichen Ladesäulen beide Plätze ausschließlich für ladende E-Autos reservieren. Ich frage mich nur: Warum, wenn schon heute der erste häufig leer bleibt?

Bisher macht Hilden einen Unterschied. An zehn zentralen Standorten, etwa am Rathaus, Lindenplatz oder Warrington-Platz, gehören bereits beide Ladeplätze den Stromern. An 19 Ladesäulen in dicht bebauten Wohngebieten ist dagegen nur einer der beiden Plätze exklusiv für ladende Elektroautos reserviert. Auf dem zweiten dürfen auch Verbrenner stehen. Diese Sonderregelung wurde 2021 ganz bewusst eingeführt, um den ohnehin hohen nächtlichen Parkdruck in den Wohnquartieren nicht noch weiter zu erhöhen.

Die Grünen möchten diese Ausnahme abschaffen und überall dieselbe Regel: zwei Ladeplätze, beide ausschließlich für E-Autos und Plug-in-Hybride – allerdings nur während des aktiven Ladevorgangs. Das klingt zunächst konsequent. Eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen ist schließlich nur begrenzt hilfreich, wenn vor dem zweiten ein Verbrenner übernachtet.

Die Verwaltung sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf und liefert Zahlen. Anfang 2026 waren in Hilden 2.439 reine Elektroautos und extern aufladbare Hybride zugelassen. Bei insgesamt 40.452 Kraftfahrzeugen entspricht das rund sechs Prozent. Hinzu kommen mindestens 522 bei den Stadtwerken angemeldete private Wallboxen. Vor allem aber beobachtet die Stadt, dass der bereits exklusiv reservierte Ladeplatz an den 19 Wohnstandorten überwiegend frei ist. Ihr Schluss: Der derzeitige Ladebedarf wird gedeckt.

Und genau da wird die Sache interessant. Die Grünen argumentieren aus Sicht der Elektromobilität: Wer öffentliche Ladeinfrastruktur baut, sollte sie auch vollständig fürs Laden verfügbar machen. Die Verwaltung schaut dagegen auf die tatsächliche Nutzung und sagt sinngemäß: Warum einen weiteren Parkplatz sperren, wenn schon der erste häufig leer bleibt?

Beides hat etwas für sich. Ich würde allerdings ungern einen Parkplatz auf Vorrat reservieren, nur weil er vielleicht irgendwann gebraucht wird. Gerade in dicht bebauten Hildener Wohngebieten ist ein freier Stellplatz keine theoretische Größe, sondern bisweilen der Unterschied zwischen „direkt vor der Tür“ und einer kleinen Abendwanderung.

Die Verwaltung schlägt deshalb einen pragmatischen Mittelweg vor. Steigt der Anteil der E-Autos und Plug-in-Hybride in Hilden auf mehr als zehn Prozent, soll der Bedarf in den einzelnen Wohnquartieren erneut geprüft werden. Dasselbe gilt schon früher, wenn ein Betreiber nachweisen kann, dass der vorhandene exklusive Ladeplatz im Durchschnitt zu mindestens 50 Prozent ausgelastet ist. Dann könnte auch der zweite Platz für Verbrenner gesperrt werden.

Das erscheint mir vernünftig: Erst Bedarf, dann Schild. Elektromobilität wird weiter wachsen, und irgendwann werden wir vermutlich froh über jeden Ladeplatz sein. Aber Verkehrspolitik muss nicht nur das fördern, was künftig stärker gebraucht wird. Sie sollte auch berücksichtigen, was heute tatsächlich passiert.

Denn ein leerer Ladeplatz mag ein schönes Zeichen für die Verkehrswende sein.
Für jemanden, der abends zum vierten Mal um den Hildener Häuserblock fährt, bleibt er trotzdem vor allem eines: ein leerer Parkplatz.

Mittwoch, 16. September 2026

16.9.2026: Die Fritte ist zu breit – oder: Wenn Hilden über Kunst und drei Viertel Fassade streitet

Die Leuchtreklame von „City Fritti“ kannte ich natürlich. Dass Hilden darüber seit 2020 einen Rechtsstreit führt, wusste ich nicht. Dabei geht es um eine herrlich hildenerische Frage: Wie breit darf ein Schild sein, bevor daraus ein Fall fürs Verwaltungsgericht wird?

Die Antwort steht in § 7 der Hildener Werbeanlagensatzung: Eine fassadenparallele Werbeanlage darf höchstens drei Viertel der verfügbaren Fassadenlänge einnehmen. City Fritti entschied sich offenbar eher für die großzügige Interpretation. Die Reklame erstreckt sich über die gesamte Breite des Ladenlokals und sogar noch über die Eingangstür des Nachbargebäudes. Das war der Stadt zu viel.

Und damit begann eine Geschichte, die erstaunliche sechs Jahre durchhielt. Die Stadt wies den damaligen Inhaber Sadik Ilgen darauf hin, dass seine Reklame zu breit sei. Er wollte einen Bauantrag vorbereiten, die Stadt erinnerte ihn zwischen 2021 und 2024 viermal daran – passiert ist nach Darstellung der Stadt nichts. Im Mai 2024 folgte schließlich die Aufforderung, das Schild innerhalb von sieben Tagen abzubauen, verbunden mit der Androhung eines Zwangsgeldes von 250 Euro. Wieder passierte nichts. Das Zwangsgeld wurde festgesetzt, und diesmal passierte etwas: Ilgen klagte.

Spätestens hier bekommt die Geschichte eine Wendung, die man sich für „Hildener Geschichten“ kaum besser ausdenken könnte. Ilgen verteidigte sich vor Gericht ohne Anwalt und berief sich auf die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit. Die Leuchtreklame sei nach seinen eigenen Zeichnungen in einem Atelier angefertigt worden. Plötzlich ging es also nicht mehr nur um Pommes und Leuchtschrift, sondern um die große Frage: Kunstfreiheit oder Werbeanlagensatzung?

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied sich für die Werbeanlagensatzung. Das Interesse der Stadt, die Mittelstraße vor einer „Verunstaltung durch ausufernde Werbeanlagen“ zu schützen, wiegt nach dem Urteil schwerer. Die Reklame muss weg, das Zwangsgeld bleibt.

Ich finde ja schon die Vorstellung bemerkenswert, dass irgendwo ernsthaft darüber verhandelt wurde, ob eine City-Fritti-Leuchtreklame ein Fall für die Kunstfreiheit des Grundgesetzes ist. Andererseits hat der Streit damit etwas erreicht, was gewöhnlicher Außenwerbung selten gelingt: Ich schaue jetzt wesentlich genauer hin.

Besonders hildenerisch ist allerdings das Ende der Geschichte. Denn obwohl das Gericht bereits im März entschieden hat, hängt die Reklame noch immer. Der Imbiss selbst ist seit Juni geschlossen, der frühere Betreiber hat das Geschäft bereits 2025 verkauft – aber das Schild hält durch. Die Stadt führt das Verfahren inzwischen mit dem neuen Inhaber weiter. Sollte auch der nicht reagieren, kommen ein weiteres Zwangsgeld oder schließlich eine Ersatzvornahme infrage. Dann könnte die Stadt das Schild selbst entfernen lassen.

Sechs Jahre Streit für ein Stück Fassadenbreite sind natürlich eine beachtliche Leistung. Aber vielleicht sollten wir die Sache positiv sehen: Hilden nimmt sein Stadtbild ernst. Und wer künftig in der Mittelstraße eine Leuchtreklame montieren möchte, kennt jetzt zumindest eine wichtige mathematische Größe.

Drei Viertel sind erlaubt. Bei vier Vierteln hört in Hilden offenbar die Werbung auf – und das Verwaltungsgericht fängt an.

Dienstag, 15. September 2026

15.9.2026: Gemeinsam unter Strom – oder: Wenn Hilden plötzlich mit den Nachbarn zusammenarbeitet

Ich gebe zu: Wenn Hilden, Langenfeld und Monheim gemeinsam etwas planen, werde ich neugierig. Schließlich pflegt jede Stadt gerne ihre eigene Identität. Jetzt soll ausgerechnet bei Strom, Gas und Wasser enger zusammengerückt werden. Die Stadtwerke Hilden und Langenfeld, die Monheimer Mega und das Verbandswasserwerk Langenfeld-Monheim wollen eine gemeinsame Dienstleistungsgesellschaft gründen.

Bevor jetzt jemand befürchtet, dass demnächst auf der Rechnung „Stadtwerke Hilden-Langenfeld-Monheim-irgendwas GmbH“ steht: Die einzelnen Unternehmen sollen eigenständig bleiben, ihre Marken behalten und weiterhin vor Ort für ihre Kunden da sein. Auch Netze und Anlagen bleiben bei den jeweiligen Stadtwerken. Gemeinsam erledigt werden sollen vor allem Aufgaben im Hintergrund – vom Netzbetrieb und Messwesen bis zu Abrechnung und Energiedatenmanagement. Dinge also, die enorm wichtig sind, bei denen aber vermutlich nur wenige Hildener morgens beim Frühstück sagen: „Ich hoffe, unser Energiedatenmanagement ist heute gut aufgestellt.“

Die Idee ist nachvollziehbar: Warum sollen mehrere kommunale Unternehmen bestimmte Aufgaben jeweils allein erledigen, wenn sie gemeinsam größere Teams bilden, Wissen bündeln und Kosten sparen können? Oder weniger betriebswirtschaftlich formuliert: Nicht jeder muss sein eigenes Süppchen kochen, wenn am Ende ohnehin alle zuverlässig Strom, Gas und Wasser liefern wollen.

Für die Beschäftigten gibt es eine wichtige Zusage: Betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen sein. Gleichzeitig soll nicht von heute auf morgen alles vereinheitlicht werden. Unterschiedliche IT-Systeme und Arbeitsweisen müssen erst zusammengebracht werden. Wer schon einmal versucht hat, zwei Computerprogramme miteinander reden zu lassen, ahnt, dass vier kommunale Unternehmen vermutlich nicht morgens um 8 Uhr auf „Synchronisieren“ klicken und um 8.15 Uhr fertig sind.

In Langenfeld hat der Haupt- und Finanzausschuss bereits einstimmig zugestimmt. In Hilden soll das Thema voraussichtlich am 23. September im Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen behandelt werden, bevor am 30. September der Stadtrat entscheidet. Wir Hildener müssen uns also noch etwas gedulden, bevor klar ist, wie unsere Stadt sich positioniert.

Mir gefällt die Idee grundsätzlich. Kommunale Eigenständigkeit muss nicht bedeuten, dass jede Stadt im Hintergrund alles allein erledigt. Gerade Energieversorgung und Netze werden komplizierter und anspruchsvoller. Wenn Zusammenarbeit hilft, Wissen zu bündeln und Kosten vernünftig zu verteilen, spricht einiges dafür. Spannend wird ohnehin erst die Praxis, wenn unterschiedliche Systeme, Zuständigkeiten und gewachsene Arbeitsweisen tatsächlich zusammenfinden müssen.

Hilden, Langenfeld und Monheim ziehen also nicht zusammen.

Aber vielleicht teilen sie sich künftig den Werkzeugkeller.