Mittwoch, 27. Mai 2026

27.5.2026: Die Kugel rollt – und Hilden schleckt mit

Es gibt sichere Zeichen dafür, dass der Sommer in Hilden und Haan angekommen ist. Erstens: Menschen sagen wieder Sätze wie „Heute ist es aber drückend“. Zweitens: Niemand weiß mehr, ob man die Jacke mitnehmen soll. Und drittens: Vor den Eisdielen bilden sich Schlangen, die man sonst nur vom Bürgerbüro, beliebten Bäckereien oder der einen Kasse im Supermarkt kennt, die natürlich wieder nicht besetzt ist.

Die Rheinische Post hat sich nun einer Frage gewidmet, die in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung kaum zu überschätzen ist: Was kostet eigentlich eine Kugel Eis in Hilden und Haan? Und noch wichtiger: Gibt es sie irgendwo noch für unter 1,50 Euro? Denn während früher eine Kugel Eis fast schon beiläufig gekauft wurde, prüft man heute kurz den Kontostand, überlegt, ob es wirklich drei Sorten sein müssen, und fragt sich, ob Pistazie eigentlich schon als Wertanlage gilt.

Mit dem sommerlichen Wetter ist die Eissaison endgültig eröffnet. Vanille, Schokolade, Cookies und Co. wandern wieder über die Theken, in Becher, Waffeln und gelegentlich auf Kinderhände, T-Shirts oder direkt auf den Bürgersteig. Das gehört dazu. Ein Eis, das nicht mindestens einmal gefährlich kippt, wurde vermutlich nicht richtig genossen.

Besonders spannend ist natürlich die Frage nach den beliebtesten Sorten. Vanille bleibt der solide Klassiker, quasi der VW Golf unter den Eissorten: zuverlässig, vertraut, immer da. Schokolade ist für alle, die sagen: „Ich nehme nur eine Kugel“, aber eigentlich Dessert, Trostpflaster und Lebensentscheidung meinen. Cookies klingt nach Jugend, Abenteuer und der Hoffnung, dass knusprige Stückchen jede Alltagssorge lösen können. Und Pistazie? Pistazie ist längst nicht mehr nur eine Eissorte, sondern ein Statement. Wer Pistazie bestellt, sagt: „Ich habe Geschmack, Mut und bin bereit, dafür eventuell etwas mehr zu bezahlen.“

Ob die Kugel nun die Zwei-Euro-Marke knackt, ist dabei mehr als eine Preisfrage. Es ist ein emotionaler Moment. Denn zwei Euro für eine Kugel Eis fühlen sich nicht einfach wie Inflation an, sondern wie das Ende einer Ära. Man erinnert sich plötzlich an Zeiten, in denen man mit Kleingeld in der Tasche loszog und zurückkam wie ein König: zwei Kugeln, Streusel, vielleicht sogar Sahne. Heute steht man vor der Eistheke und führt innere Haushaltsverhandlungen.

Trotzdem: Die Menschen stehen Schlange. Denn Eis ist stärker als Vernunft. Eis sagt: Der Tag war lang, aber hier ist Stracciatella. Eis sagt: Ja, es ist warm, aber Zitrone regelt das. Eis sagt: Du wolltest eigentlich nur bummeln, jetzt hast du Haselnuss am Kinn und bist glücklicher als vorher.

Hilden und Haan dürfen sich also auf volle Eisdielen, klebrige Finger und intensive Grundsatzdebatten freuen. Becher oder Waffel? Eine Kugel oder zwei? Klassiker oder Experiment? Und vor allem: Darf man bei Spaghetti-Eis eigentlich behaupten, man habe „nur eine Kleinigkeit“ gegessen?

Am Ende ist die Antwort wie so oft im Sommer ganz einfach: Hauptsache kalt, cremig und schnell genug gegessen, bevor die Sonne daraus Suppe macht.

Dienstag, 26. Mai 2026

26.5.2026: Der große Hildener Blumen-Krimi: Wenn Geranien plötzlich Beine bekommen

In Hilden ist etwas passiert, das man sonst eher aus besonders dramatischen Gartenzwerg-Dokumentationen kennt: Kaum hatten neun Mitarbeiter des Zentralen Bauhofs mit Liebe, Mühe und wahrscheinlich einer ordentlichen Portion Rückenmuskelkater 5.200 Sommerblumen und Hochstämme im Stadtgebiet gepflanzt, waren einige davon auch schon wieder verschwunden. Einfach ausgegraben. Mitgenommen. Entführt. Vermutlich ohne Lösegeldforderung, aber mit klarer botanischer Dreistigkeit. 

Betroffen waren unter anderem Kübel an der Hagelkreuzstraße und Kirchhofstraße. Dort hatten Geranien, Begonien, Fuchsien und Verbenen offenbar gerade erst begonnen, sich mental auf ein sonniges Leben im öffentlichen Dienst einzustellen, als sie bereits von unbekannten Pflanzenfreunden mit sehr flexiblem Eigentumsverständnis aus dem Beet geholt wurden. Man muss sich das vorstellen: Die Blumen waren frisch gepflanzt, hatten noch nicht einmal Gelegenheit, sich über Hundeblicke, Taubenbesuch oder die erste Hitzewelle zu beschweren – und schon ging es ab in unbekannte Vorgärten.

Die Stadt Hilden zeigte sich verständlicherweise wenig amüsiert. Schließlich waren die Blumen nicht als „Selbstbedienungs-Buffet für Balkonkästen“ gedacht, sondern sollten das Stadtbild verschönern und allen Menschen zugutekommen. Genau darin liegt ja der kleine, aber feine Unterschied zwischen öffentlicher Bepflanzung und einem Gartencenter mit sehr schlechtem Kassensystem. Beigeordneter Peter Stuhlträger stellte klar, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um Diebstahl. Anzeige wurde erstattet. Die Pflanzenfahndung läuft also, zumindest moralisch, auf Hochtouren.

Besonders bitter: Ersatz kann vorerst nicht gepflanzt werden. Die entstandenen Lücken bleiben also erst einmal sichtbar – als kleine Mahnmale des floralen Fehlverhaltens. Vielleicht sollte man künftig Schilder aufstellen: „Diese Begonie ist städtisches Eigentum und hat Familie.“ Oder: „Bitte nicht ausgraben, sie arbeitet hier.“ Denkbar wäre auch ein Bonusprogramm: Wer eine Blume einfach nur anschaut, darf sich innerlich daran erfreuen. Ganz kostenlos. Ohne Spaten.

Dabei war der Zeitpunkt der Pflanzaktion sorgfältig gewählt. Nach den Eisheiligen dürfen Sommerblumen endlich ins Freie, ohne dass ihnen der nächste Frost die Laune verhagelt. Und weil Temperaturen bis zu 30 Grad angekündigt waren, wollte die Stadt die neuen Pflanzungen zusätzlich bewässern. Man stelle sich die Fürsorge vor: erst liebevoll einpflanzen, dann gießen, dann bestaunen – und dann kommt jemand mit der Einstellung: „Die passt bestimmt gut zu meinen Gartenmöbeln.“

Natürlich bleibt die große Frage: Wer macht so etwas? Sind es organisierte Blumenbanden? Ein geheimer Untergrundzirkel namens „Operation Fuchsie“? Menschen, die beim Spaziergang plötzlich denken: „Ach, diese städtische Verschönerung würde mein Privatgrundstück aber auch enorm bereichern“? Man weiß es nicht. Sicher ist nur: Hilden hat jetzt einen Fall, der irgendwo zwischen Kleinkriminalität, Gartenleidenschaft und kompletter Kopfschüttel-Romantik liegt.

Bleibt zu hoffen, dass die entwendeten Pflanzen wenigstens gut behandelt werden. Vielleicht sitzen sie nun in fremden Kübeln, blicken sehnsüchtig Richtung Innenstadt und erzählen den Petunien nebenan von ihrer kurzen, aber aufregenden Karriere im öffentlichen Raum. Und vielleicht denkt der eine oder andere beim nächsten Anblick einer städtischen Blume daran: Die ist nicht herrenlos. Die ist für alle da. Auch ohne Mitnahme.

Montag, 25. Mai 2026

25.5.2026: Hilden bekommt Zuwachs: Johanniter bauen Halle, damit Einsatzfahrzeuge endlich ein Dach über dem Blaulicht haben

In Hilden wird gebaut – und diesmal nicht, weil irgendwo ein Kreisverkehr beschlossen wurde, den niemand bestellt hat. Die Johanniter in Hilden haben den ersten Spatenstich für eine neue Fahrzeuggarage mit Lagerhalle an ihrer Dienststelle in der Otto-Hahn-Straße gesetzt. Mit dabei waren Landesvorstandsmitglieder, Regionalvorstand und Ortsbeauftragter, also genug offizielle Spatenprominenz, um dem Boden klarzumachen: Jetzt wird es ernst. 

Die neue Halle soll knapp 800 Quadratmeter groß werden. Das ist viel Platz. Genug, damit Einsatzfahrzeuge, Anhänger und weiteres Material künftig nicht mehr so wirken, als hätten sie beim Tetris-Spielen verloren. Wer schon einmal versucht hat, Vereinsmaterial, Fahrzeuge, Ausrüstung und gute Laune gleichzeitig ordentlich unterzubringen, weiß: Irgendwann braucht man entweder eine Halle oder sehr, sehr kreative Stapeltechniken. Die Johanniter haben sich erfreulicherweise für die Halle entschieden.

Seit dem Umzug in die Otto-Hahn-Straße vor zwei Jahren scheint man dort ohnehin ziemlich zufrieden zu sein. Mehr Platz, bessere Möglichkeiten, ein Gelände mit Entwicklungspotenzial – das klingt fast wie eine Immobilienanzeige, nur mit mehr Sanitätsdienst und weniger „lichtdurchfluteter Wohntraum“. Am Standort werden Erste-Hilfe-Kurse angeboten, der Hausnotruf ist dort in Bereitschaft, die Verwaltung sitzt ebenfalls dort, und Ehrenamtliche aus Bevölkerungsschutz, Sanitätsdienst und Johanniter-Jugend treffen sich regelmäßig zu Dienstabenden und Übungen. Kurz gesagt: Da ist ordentlich Betrieb. Eine neue Halle ist also nicht Luxus, sondern ungefähr so sinnvoll wie Pflaster im Erste-Hilfe-Kasten.

Besonders modern wird es auch noch: Auf das Dach soll eine Photovoltaikanlage, die künftig den Energiebedarf der Dienststelle decken soll. Dazu sind Ladestationen für Elektrofahrzeuge geplant. Das bedeutet: Während unten Fahrzeuge für Einsätze bereitstehen, arbeitet oben die Sonne mit. Man könnte sagen, die Halle bekommt nicht nur ein Dach, sondern gleich einen Nebenjob als kleines Kraftwerk. Nachhaltig, praktisch und deutlich eleganter als ein Verlängerungskabel quer über den Hof.

Für die Ehrenamtlichen ist das Projekt ein echter Gewinn. Fahrzeuge und Material können künftig wetterunabhängig gepflegt werden. Kein Herumhantieren mehr bei Regen, Wind oder dieser typischen niederrheinischen Wetterlage, bei der der Himmel aussieht, als hätte er den Montag erfunden. Auch Übungen und Ausbildungen lassen sich dann besser durchführen. Das Wort „Quantensprung“ fiel sogar – und wenn Ehrenamtliche bei einer Lagerhalle von einem Quantensprung sprechen, dann weiß man: Vorher war vermutlich einiges mehr Abenteuer, als es in der Einsatzvorbereitung nötig ist.

Am Ende geht es aber um mehr als Quadratmeter, Dachfläche und Lademöglichkeiten. Es geht um Menschen, die sich freiwillig engagieren, die Zeit investieren, helfen, ausbilden, üben, ausrücken und im Zweifel dann da sind, wenn andere sie brauchen. Eine neue Halle klingt zunächst nach Beton, Toren und Lagerregalen. Tatsächlich ist sie aber ein ziemlich handfester Beitrag dazu, dass Ehrenamt in Hilden besser funktionieren kann. Und das ist doch eine schöne Nachricht: Während anderswo noch über Platzmangel geklagt wird, greifen die Johanniter zum Spaten – und bauen sich die Zukunft einfach selbst.

Sonntag, 24. Mai 2026

24.5.2026: Wenn das Ticketing plötzlich erwachsen wird

Bei den Stadtwerken Hilden wollte man eigentlich nur ein neues Ticketing-System. Also etwas, das Kundenanfragen sortiert, weiterleitet und im Idealfall nicht schon beim Wort „Zählernummer“ nervös flackert. Doch wie das bei Digitalisierungsprojekten manchmal so ist: Man geht los, um ein Regal zu kaufen, und kommt mit einer komplett neuen Einbauküche zurück. In Hilden heißt diese Einbauküche nun Lime CRM.

Aus der ursprünglichen Suche nach einer Ticketing-Lösung wurde nämlich ziemlich schnell die Erkenntnis: Moment mal, warum nur Tickets verwalten, wenn man gleich Kundenservice, Vertrieb und Marketing auf eine gemeinsame Plattform heben kann? Das ist ungefähr so, als würde man feststellen, dass der alte Werkzeugkasten zwar noch funktioniert, aber ein voll ausgestatteter Maschinenpark im Keller auch nicht schlecht wäre.

Das neue CRM-System soll künftig dafür sorgen, dass bei den Stadtwerken Hilden nicht jede Abteilung ihre eigene kleine Dateninsel pflegt, auf der einsame Excel-Tabellen Kokosnüsse zählen. Stattdessen sollen Informationen zentral zusammenlaufen, automatisch mit dem Abrechnungs- und ERP-System ausgetauscht werden und allen Beteiligten einen besseren Überblick über die Kundenkommunikation geben. Oder einfacher gesagt: Wenn Kundin Müller anruft, muss niemand mehr erst eine kleine Expedition durch fünf Programme, drei Postfächer und eine Notiz von 2019 starten.

Ende März fiel der offizielle Startschuss für das Projekt, und am 30. April trafen sich rund 25 Mitarbeitende der Stadtwerke Hilden mit dem Projektteam von Lime Technologies zum Kickoff. Das klingt zunächst nach Besprechungsraum, Kaffee und Flipchart, ist aber in Wahrheit der Moment, in dem Digitalisierung sagt: „So, jetzt wird’s ernst.“ Natürlich freundlich. Aber bestimmt.

Besonders charmant ist, dass der Einstieg über das Ticketing laut Lime Technologies zu einer echten Transformation des gesamten Kundenprozesses geworden ist. Das Ticketing war also gewissermaßen der harmlose Türöffner, der sagte: „Ich bringe nur kurz ein Paket vorbei“, und plötzlich steht das CRM mit Umzugskartons im Flur.

Für die Stadtwerke Hilden bedeutet das: weniger Insellösungen, mehr Überblick und eine Kundenkommunikation, die nicht mehr wirkt wie ein Gruppenchat ohne Administrator. Für Lime Technologies wiederum ist Hilden ein weiterer Schritt beim Ausbau der Aktivitäten in Deutschland, insbesondere in der Energiewirtschaft. Und für alle, die schon einmal versucht haben, Kundenservice, Vertrieb, Marketing, Abrechnung und gute Laune unter einen Hut zu bringen, ist es ein schönes Beispiel dafür, dass Digitalisierung manchmal klein anfängt – und dann sehr schnell ein Namensschild auf dem Konferenztisch bekommt. 

Samstag, 23. Mai 2026

23.5.2026: Hilden schwimmt sich frei – mit Regen, Rettung und Rückenwind

Das Hildener Waldbad ist in die neue Freibadsaison gestartet – und zwar ganz klassisch rheinisch: mit vereinzelten Regenschauern, bewölktem Himmel und der festen Überzeugung einiger Schwimmerinnen und Schwimmer, dass Freibad nicht zwingend etwas mit Sonne zu tun haben muss. Wer am Mittwoch, 20. Mai, seine ersten Bahnen zog, bewies damit nicht nur sportlichen Ehrgeiz, sondern auch eine gewisse Wetterresistenz, wie man sie sonst eher von Grillmeistern im April kennt.

Immerhin: Kalt wurde es im Wasser wohl niemandem. Die beiden Becken sind beheizt und bringen es laut Bäderleiter Dirk Bremermann auf rund 23 Grad. Das ist zwar noch nicht „Karibik mit Chlor“, aber deutlich angenehmer als „Mutprobe im Bergsee“. Während also von oben der Regen grüßte, sagte das Wasser unten: Komm rein, ich bin gar nicht so schlimm.

Besonders erfreulich ist, dass auch die Sicherheit im Waldbad weiter gewährleistet werden soll. Weil Rettungsschwimmer bekanntlich nicht einfach wie Pommesbuden an jeder Ecke stehen, springen nun auch Polizisten und Feuerwehrleute bei der Wasseraufsicht ein. Vorher haben sie selbstverständlich eine entsprechende Übung absolviert. Man kann sich also beruhigt vorstellen: Wer sonst Brände löscht oder für Ordnung sorgt, passt nun zusätzlich darauf auf, dass im Becken alles in geordneten Bahnen läuft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Außerdem wurden zwei zusätzliche Rettungsschwimmer gefunden. Das klingt zunächst nach einer kleinen Personalnotiz, ist für Freibadfans aber ungefähr so bedeutend wie die Nachricht, dass die Pommesfritteuse funktioniert und das Eisfach gefüllt ist. Denn damit rückt das Ziel näher, das Waldbad bald an sieben Tagen in der Woche öffnen zu können. Für alle, die ihre Sommerplanung bereits zwischen Liegewiese, Schwimmbrille und Sonnencreme organisieren, ist das eine Nachricht mit Handtuch-Ausbreit-Potenzial.

Und das Timing könnte kaum besser sein: Während der Saisonstart noch etwas nach „November mit Badehose“ aussah, sollen am Wochenende bereits Temperaturen über 30 Grad folgen. Dann dürfte aus dem tapferen Anschwimmen schnell ein kollektives Hineinhechten werden. Hilden ist also bereit: Das Wasser ist warm, die Aufsicht steht, und selbst der Regen hat zum Auftakt nur kurz vorbeigeschaut, vermutlich um sich auch eine Dauerkarte zu sichern.

Freitag, 22. Mai 2026

22.5.2026: Fast 50 Jahre Abenteuer, Stockbrot und ganz viel Kindheitsnostalgie

Es gibt Orte, die riechen sofort nach Kindheit. Nach Lagerfeuerrauch, nassen Turnschuhen und diesem einen Stockbrot, das außen verbrannt und innen trotzdem noch komplett roh ist. Genau so ein Ort ist der Abenteuerspielplatz in Hilden — oder einfach „Abi“, wie ihn gefühlt jeder nennt, der dort irgendwann mal seine Nachmittage verbracht hat. Jetzt wird dieser legendäre Ort fast 50 Jahre alt und feiert das natürlich nicht still und leise mit einem trockenen Empfang und Käsewürfeln, sondern mit einem großen Generationenfest. Und ehrlich gesagt klingt das Ganze wie der absolute Endgegner deutscher Familienfeste. 

Denn was dort angekündigt wird, liest sich ein bisschen so, als hätte jemand alle Kindheitserinnerungen der letzten vier Jahrzehnte in einen Mixer geworfen: Lagerfeuer, Hüpfburg, Feuerwehrübungen, Tiergehege, Holzwerkstatt, Kinderschminken und natürlich Stockbrot. Es fehlt eigentlich nur noch ein leicht überforderter Vater mit einer Digitalkamera aus dem Jahr 2007 und ein Kind, das nach exakt drei Minuten Zuckerwatte komplett eskaliert. 

Besonders schön ist dabei, dass der Abi offenbar generationsübergreifend funktioniert. Die heutigen Kinder freuen sich auf die Hüpfburg, während die Eltern vermutlich alle fünf Minuten sagen werden: „Hier habe ich mir damals das Knie aufgeschlagen.“ Und irgendwo steht garantiert jemand Mitte 40 vor der Holzwerkstatt und murmelt mit glasigem Blick: „Das hier war früher viel größer.“ Nostalgie funktioniert auf Abenteuerspielplätzen schließlich ähnlich zuverlässig wie Sonnenbrand beim ersten warmen Wochenende des Jahres. 

Das Bühnenprogramm wird offiziell von Bürgermeister Claus Pommer und Awo-Vertretern eröffnet. Ein Moment, bei dem Erwachsene höflich klatschen, während Kinder sich innerlich nur fragen, wann endlich Popcorn und Hüpfburg freigegeben werden. Wirklich spannend wird es dann bei der Tanzaufführung der Abi-Kinder. Solche Aufführungen haben nämlich immer dieselbe Magie: Einige Kinder tanzen voller Begeisterung, andere winken dauerhaft ihren Eltern zu und mindestens eins steht komplett regungslos da und verarbeitet vermutlich einfach die Gesamtsituation. 

Kulinarisch fährt das Fest ebenfalls alles auf, was ein gelungenes Familienevent braucht: Grillgut, Kuchenbuffet, Popcorn, Zuckerwatte, Flammkuchen und Eiswagen. Anders gesagt: eine perfekte Gelegenheit, innerhalb von zweieinhalb Stunden gleichzeitig satt, glücklich und leicht überzuckert zu werden. Eltern kennen diesen Zustand traditionell als „Samstag“. 

Besonders sympathisch ist, wie liebevoll über den Abenteuerspielplatz gesprochen wird. Seit 1978 ist er ein Ort für Begegnungen, Erlebnisse und Erinnerungen. Und genau das merkt man solchen Einrichtungen an. Irgendwie hat fast jeder Hildener eine Geschichte vom Abi. Vom ersten Lagerfeuer. Vom wilden Herumtoben. Von einem Sommernachmittag, der viel länger dauerte, als er eigentlich hätte dürfen. Oder von der Erkenntnis, dass man beim Kinderschminken als Tiger deutlich cooler aussah als als Schmetterling. 

Und so wird dieses „fast 50-jährige“ Jubiläum wahrscheinlich genau das, was ein gutes Generationenfest sein soll: laut, chaotisch, klebrig, herzlich und voller Menschen, die für ein paar Stunden einfach wieder Kind sein dürfen. Nur diesmal mit Rückenschmerzen beim Aufstehen von der Bierbank.

Donnerstag, 21. Mai 2026

21.5.2026: Wenn der Ehrgeiz kickt und plötzlich alle freiwillig 6,7 Kilometer pro Stunde laufen

In Hilden gibt es Freundesgruppen, die treffen sich zum Grillen, zum Fußballschauen oder auf ein Feierabendbier. Und dann gibt es Linus Messerschmidt und Mats Möcking. Die beiden dachten sich offenbar: „Wie können wir Pfingsten maximal unvernünftig gestalten?“ — und kamen auf die Idee, einen Backyard Ultra Marathon zu veranstalten. Also jene faszinierende Sportart, bei der man jede Stunde exakt 6,7 Kilometer läuft, bis am Ende nur noch eine Person übrig ist, die geistig und körperlich noch halbwegs weiß, wo vorne ist. 

Das Schöne daran: Niemand weiß vorher so genau, wann Schluss ist. Vielleicht nach drei Runden. Vielleicht nach zwölf. Vielleicht wacht man irgendwann nachts um vier im Feldweg-Nirwana auf und diskutiert mit einem Reh über Elektrolyte. Genau diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Gruppendynamik und leichtem Kontrollverlust scheint die jungen Hildener magisch anzuziehen. Während andere Influencer-Videos schauen und danach kurz motiviert ins Fitnessstudio gehen, dachten sich die beiden Organisatoren einfach: „Ja komm, machen wir selbst.“ Ein klassischer Fall von Social Media in seiner gefährlichsten Form. 

Besonders beeindruckend ist dabei die Zielsetzung. Mats möchte erstmal überhaupt die Marathonmarke knacken. Sehr sympathisch. Linus dagegen sagt Sätze wie: „Ich hoffe schon auf eine zweistellige Stundenzahl.“ Menschen, die so etwas sagen, besitzen entweder enorme mentale Stärke oder haben beim Thema Selbstschutz irgendwann versehentlich auf „überspringen“ geklickt. 

Trainiert wird selbstverständlich professionell. Also halb professionell. Man läuft langsamer, gewöhnt sich an mehrere Einheiten am Tag und sammelt 30 bis 50 Wochenkilometer. Dazu kommen vermutlich noch intensive wissenschaftliche Studien darüber, welche Snacks nachts um zwei Uhr auf einem Feldweg emotional stabilisieren. Denn jeder erfahrene Ausdauersportler weiß: Der wahre Gegner ist nicht die Strecke, sondern die Frage, ob man nach acht Stunden noch Bananen sehen kann, ohne aggressiv zu werden. 

Die Strecke selbst führt über Feldwege östlich der Erika-Siedlung, inklusive Basislager mit Pavillon, Lichtstrahlern und Stühlen. Im Grunde klingt das wie ein Festival — nur ohne Musik und mit deutlich mehr Wadenkrämpfen. Besonders romantisch wird es dann abends im Dunkeln, wenn die Läufer weiter ihre 6,7 Kilometer abspulen und irgendwo im Hintergrund wahrscheinlich jemand mit glasigem Blick murmelt: „Nur noch eine Runde.“ 

Natürlich gibt es auch Sicherheitsmaßnahmen. Jeder soll sein Handy dabeihaben, später fährt jemand mit dem Fahrrad hinterher und sobald gesundheitliche Probleme auftreten, soll Schluss sein. Das klingt vernünftig — bis man bedenkt, dass die gleiche Gruppe gleichzeitig beschlossen hat, freiwillig stundenlang im Kreis zu laufen. Aber immerhin: Verantwortung und Wahnsinn halten sich hier ungefähr die Waage. 

Das vielleicht Beste am ganzen Event ist allerdings die „Finisher-Glocke“. Sobald jemand ausscheidet, wird geläutet. Das hat etwas herrlich Dramatisches. Man stellt sich vor, wie ein Läufer nach Runde sieben völlig erschöpft ins Lager taumelt und irgendwo feierlich *BONG* ertönt. Dazu bekommt fast jeder ein Hufeisen mit „DNF“ — „Did Not Finish“. Im normalen Leben wäre das deprimierend. Beim Backyard Ultra scheint es eher eine Art Ehrenorden für kontrollierte Selbstzerstörung zu sein. Nur der Gewinner erhält das legendäre „Winner“-Hufeisen und wahrscheinlich lebenslange Knieprobleme gratis dazu. 

Am Ende muss man diese Aktion einfach bewundern. Nicht unbedingt wegen der sportlichen Vernunft, sondern wegen dieser wunderbar absurden Mischung aus Freundschaft, Ehrgeiz und der festen Überzeugung, dass ein langes Wochenende die perfekte Gelegenheit ist, sich freiwillig an die Grenze der Belastbarkeit zu bringen. Andere fahren an Pfingsten in den Kurzurlaub. In Hilden läuft man lieber so lange 6,7-Kilometer-Runden, bis jemand eine Glocke läutet.