Dienstag, 15. September 2026

15.9.2026: Gemeinsam unter Strom – oder: Wenn Hilden plötzlich mit den Nachbarn zusammenarbeitet

Ich gebe zu: Wenn Hilden, Langenfeld und Monheim gemeinsam etwas planen, werde ich neugierig. Schließlich pflegt jede Stadt gerne ihre eigene Identität. Jetzt soll ausgerechnet bei Strom, Gas und Wasser enger zusammengerückt werden. Die Stadtwerke Hilden und Langenfeld, die Monheimer Mega und das Verbandswasserwerk Langenfeld-Monheim wollen eine gemeinsame Dienstleistungsgesellschaft gründen.

Bevor jetzt jemand befürchtet, dass demnächst auf der Rechnung „Stadtwerke Hilden-Langenfeld-Monheim-irgendwas GmbH“ steht: Die einzelnen Unternehmen sollen eigenständig bleiben, ihre Marken behalten und weiterhin vor Ort für ihre Kunden da sein. Auch Netze und Anlagen bleiben bei den jeweiligen Stadtwerken. Gemeinsam erledigt werden sollen vor allem Aufgaben im Hintergrund – vom Netzbetrieb und Messwesen bis zu Abrechnung und Energiedatenmanagement. Dinge also, die enorm wichtig sind, bei denen aber vermutlich nur wenige Hildener morgens beim Frühstück sagen: „Ich hoffe, unser Energiedatenmanagement ist heute gut aufgestellt.“

Die Idee ist nachvollziehbar: Warum sollen mehrere kommunale Unternehmen bestimmte Aufgaben jeweils allein erledigen, wenn sie gemeinsam größere Teams bilden, Wissen bündeln und Kosten sparen können? Oder weniger betriebswirtschaftlich formuliert: Nicht jeder muss sein eigenes Süppchen kochen, wenn am Ende ohnehin alle zuverlässig Strom, Gas und Wasser liefern wollen.

Für die Beschäftigten gibt es eine wichtige Zusage: Betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen sein. Gleichzeitig soll nicht von heute auf morgen alles vereinheitlicht werden. Unterschiedliche IT-Systeme und Arbeitsweisen müssen erst zusammengebracht werden. Wer schon einmal versucht hat, zwei Computerprogramme miteinander reden zu lassen, ahnt, dass vier kommunale Unternehmen vermutlich nicht morgens um 8 Uhr auf „Synchronisieren“ klicken und um 8.15 Uhr fertig sind.

In Langenfeld hat der Haupt- und Finanzausschuss bereits einstimmig zugestimmt. In Hilden soll das Thema voraussichtlich am 23. September im Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen behandelt werden, bevor am 30. September der Stadtrat entscheidet. Wir Hildener müssen uns also noch etwas gedulden, bevor klar ist, wie unsere Stadt sich positioniert.

Mir gefällt die Idee grundsätzlich. Kommunale Eigenständigkeit muss nicht bedeuten, dass jede Stadt im Hintergrund alles allein erledigt. Gerade Energieversorgung und Netze werden komplizierter und anspruchsvoller. Wenn Zusammenarbeit hilft, Wissen zu bündeln und Kosten vernünftig zu verteilen, spricht einiges dafür. Spannend wird ohnehin erst die Praxis, wenn unterschiedliche Systeme, Zuständigkeiten und gewachsene Arbeitsweisen tatsächlich zusammenfinden müssen.

Hilden, Langenfeld und Monheim ziehen also nicht zusammen.

Aber vielleicht teilen sie sich künftig den Werkzeugkeller.

Montag, 14. September 2026

14.9.2026: Früher Feierabend bei den Stadtwerken – oder: Wenn selbst die Hotline gerade viel um die Ohren hat

Manchmal merkt man einen Personalmangel nicht daran, dass etwas ausfällt, sondern daran, dass plötzlich um 14 Uhr Schluss ist. Genau das passiert derzeit bei den Stadtwerken Hilden: Wegen eines „anhaltenden Ressourcenengpasses“ werden die Öffnungszeiten im Kundenzentrum vorübergehend verkürzt.

Montags und mittwochs bleibt das Kundenzentrum von 8 bis 16 Uhr geöffnet, dienstags, donnerstags und freitags nur noch von 8 bis 14 Uhr. Wer also am Freitagnachmittag nach Feierabend noch schnell persönlich seinen Abschlag klären wollte, muss umplanen. Wobei „noch schnell“ bei einem Kundenzentrum ohnehin eine Formulierung ist, die man besser mit einer gewissen zeitlichen Großzügigkeit verwendet.

Der Engpass hat zudem einen kleinen Nebeneffekt: Weil das Kundenzentrum kürzer geöffnet ist, rufen offenbar mehr Menschen an. Dadurch kann es wiederum an der Service-Hotline länger dauern. Das ist ein bisschen wie bei einer gesperrten Straße in Hilden: Der Verkehr verschwindet nicht, er steht anschließend nur woanders.

Die Stadtwerke empfehlen deshalb, möglichst viele Dinge online zu erledigen. Zählerstand übermitteln, Abschlag ändern, Bankverbindung aktualisieren oder den Tarif wechseln – vieles funktioniert inzwischen ohne persönlichen Besuch. Wer sein Anliegen lieber schriftlich loswerden möchte, kann außerdem eine E-Mail schicken.

Mehr steckt hinter der Änderung eigentlich nicht: Es fehlen derzeit Ressourcen, also werden die verfügbaren Kräfte anders verteilt. Für uns Kunden bedeutet das vor allem, vorher auf die Uhr zu schauen – oder gleich den digitalen Weg zu nehmen.

Nur eine Frage bleibt bei der Formulierung „vorübergehend“ natürlich offen. In Hilden haben wir schließlich Erfahrung mit Dingen, die zunächst nur vorübergehend gedacht sind. Provisorische Ampeln können hier gefühlt ganze Jahreszeiten erleben, Baustellen entwickeln mitunter erstaunliche Ausdauer und Verkehrsregelungen bekommen gerne erst einmal eine Testphase.

Deshalb wünsche ich den Stadtwerken vor allem eines: dass der Ressourcenengpass wirklich vorübergehend bleibt.

Denn zwischen „vorübergehend geändert“ und „das haben wir doch eigentlich schon immer so gemacht“ liegen manchmal nur ein paar Monate.

Sonntag, 13. September 2026

13.9.2026: Früher Feierabend bei den Stadtwerken – oder: Wenn selbst die Hotline gerade viel um die Ohren hat



Manchmal merkt man einen Personalmangel nicht daran, dass etwas ausfällt, sondern daran, dass plötzlich um 14 Uhr Schluss ist. Genau das passiert derzeit bei den Stadtwerken Hilden: Wegen eines „anhaltenden Ressourcenengpasses“ werden die Öffnungszeiten im Kundenzentrum vorübergehend verkürzt.

Montags und mittwochs bleibt das Kundenzentrum von 8 bis 16 Uhr geöffnet, dienstags, donnerstags und freitags nur noch von 8 bis 14 Uhr. Wer also am Freitagnachmittag nach Feierabend noch schnell persönlich seinen Abschlag klären wollte, muss umplanen. Wobei „noch schnell“ bei einem Kundenzentrum ohnehin eine Formulierung ist, die man besser mit einer gewissen zeitlichen Großzügigkeit verwendet.

Der Engpass hat zudem einen kleinen Nebeneffekt: Weil das Kundenzentrum kürzer geöffnet ist, rufen offenbar mehr Menschen an. Dadurch kann es wiederum an der Service-Hotline länger dauern. Das ist ein bisschen wie bei einer gesperrten Straße in Hilden: Der Verkehr verschwindet nicht, er steht anschließend nur woanders.

Die Stadtwerke empfehlen deshalb, möglichst viele Dinge online zu erledigen. Zählerstand übermitteln, Abschlag ändern, Bankverbindung aktualisieren oder den Tarif wechseln – vieles funktioniert inzwischen ohne persönlichen Besuch. Wer sein Anliegen lieber schriftlich loswerden möchte, kann außerdem eine E-Mail schicken.

Mehr steckt hinter der Änderung eigentlich nicht: Es fehlen derzeit Ressourcen, also werden die verfügbaren Kräfte anders verteilt. Für uns Kunden bedeutet das vor allem, vorher auf die Uhr zu schauen – oder gleich den digitalen Weg zu nehmen.

Nur eine Frage bleibt bei der Formulierung „vorübergehend“ natürlich offen. In Hilden haben wir schließlich Erfahrung mit Dingen, die zunächst nur vorübergehend gedacht sind. Provisorische Ampeln können hier gefühlt ganze Jahreszeiten erleben, Baustellen entwickeln mitunter erstaunliche Ausdauer und Verkehrsregelungen bekommen gerne erst einmal eine Testphase.

Deshalb wünsche ich den Stadtwerken vor allem eines: dass der Ressourcenengpass wirklich vorübergehend bleibt.

Denn zwischen „vorübergehend geändert“ und „das haben wir doch eigentlich schon immer so gemacht“ liegen manchmal nur ein paar Monate.

Samstag, 12. September 2026

12.9.2026: Hilden bekommt einen Stempel – oder: Wenn die Walder Straße plötzlich auf Briefmarke macht

Ich gebe zu: An der Walder Straße 5 bin ich schon oft vorbeigekommen. Dass die dortige Fabrikantenvilla einmal so viel Aufmerksamkeit von mir bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. Jetzt landet sie sogar auf einem Sonderstempel – und plötzlich schaut man doch etwas genauer hin.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, geben die Briefmarkenfreunde Hilden wieder einen eigenen Sonderstempel heraus. Das diesjährige Motto lautet „Netzwerke und Infrastruktur, historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“. Klingt zunächst ein bisschen nach Stadtentwicklungsausschuss, bekommt in Hilden aber ein durchaus schönes Gesicht: Auf dem Stempel ist die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla an der Walder Straße 5 zu sehen.

Das Gebäude wurde um 1860/70 im neoklassizistischen Stil errichtet, dahinter liegen die alten Fabrikationshallen. Die Briefmarkenfreunde bezeichnen die eigenwillige Bauweise als für Hilden und darüber hinaus ungewöhnlich und einmalig. Und genau dafür ist so ein Sonderstempel eigentlich eine wunderbare Sache: Plötzlich schaut man auf ein Haus, an dem man vielleicht schon hundertmal vorbeigefahren ist, ein bisschen genauer.

Das ist ohnehin eine Hildener Spezialität. Wir können jahrelang an einem Gebäude vorbeikommen, ohne uns größere Gedanken darüber zu machen. Aber sobald jemand sagt: „Das steht unter Denkmalschutz“, wird gebremst. Dann betrachtet man die Fassade und denkt: Ach, tatsächlich. Interessant. Und wenn das Gebäude anschließend noch auf einem Sonderstempel landet, ist endgültig klar: Das muss wichtig sein.

Am 13. September kann man den Stempel zwischen 10 und 15 Uhr am Bürgerhaus an der Mittelstraße 41 bekommen. Dort halten die Briefmarkenfreunde auch Briefmarken und passende Belege bereit. Ein Festumschlag kostet 2,50 Euro, eine Infokarte einen Euro, das komplette Set drei Euro. In Zeiten, in denen man für drei Euro in manchen Innenstädten kaum noch einen Kaffee bekommt, ist ein kleines Stück Hildener Stadtgeschichte also vergleichsweise preiswert zu haben.

Natürlich muss man dafür ein gewisses Verhältnis zu Briefmarken haben. Für viele Menschen unter 30 dürfte die Frage „Hast du eine Briefmarke?“ inzwischen ungefähr so exotisch klingen wie „Wo steht eigentlich dein Faxgerät?“. Aber genau deshalb gefällt mir die Aktion. Denn Briefmarken und Sonderstempel sind kleine Zeitkapseln. Sie erzählen, was einer Stadt zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig war – Gebäude, Ereignisse, Jubiläen oder Menschen – und bewahren es auf einem erstaunlich kleinen Stück Papier.

Und diesmal schafft es eben eine Hildener Fabrikantenvilla darauf.

Vielleicht sollte man am Sonntag tatsächlich einmal beim Bürgerhaus vorbeischauen. Nicht unbedingt, weil jetzt jeder von uns seine Briefmarkensammlung vom Dachboden holen und mit der Pinzette neu sortieren muss. Sondern weil hinter diesem kleinen Stempel eine schöne Idee steckt: auf ein Stück Hildener Geschichte aufmerksam zu machen, das im Alltag leicht übersehen wird.

Das Internet vergisst angeblich nichts. Ob das wirklich stimmt, werden wir irgendwann sehen.
Ein ordentlich abgestempelter Brief aus Hilden hat jedenfalls schon mal ziemlich gute Chancen.

Freitag, 11. September 2026

11.9.2026: Erst kam der Appell, jetzt die Kontrolle – oder: Hilden zählt 13 E-Scooter-Sünder

Erst bat Hilden um Rücksicht. Dann kam die Polizei. Und siehe da: In nur sechseinhalb Stunden sammelten sich 33 Verkehrsverstöße an – 13 davon auf E-Scootern. Man könnte sagen: Der städtische Appell zum besseren Miteinander hatte noch ein wenig Luft bei der praktischen Umsetzung.

Erst vor ein paar Tagen hatte die Stadt wegen der Beschwerden über E-Scooter und Fahrräder in der Fußgängerzone zu mehr Rücksicht aufgerufen. Am Mittwoch, 9. September, folgte die praktische Überprüfung: Zwischen 7.30 und 14 Uhr kontrollierte die Kreispolizei den Verkehr in Hilden. Neben den 13 E-Scooter-Verstößen kamen 15 bei Fußgängern und Radfahrern sowie fünf bei Autofahrern zusammen. Immerhin hat Hilden seine Verkehrssünden erfreulich demokratisch verteilt.

Bei den E-Scootern ging es unter anderem um Fahrten auf Geh- oder Radwegen, auf denen sie nicht zugelassen waren. Die Regel dazu ist eigentlich überschaubar: Gehwege und die Fußgängerzone gehören grundsätzlich den Fußgängern, sofern eine andere Nutzung nicht ausdrücklich erlaubt ist. Wer mit dem E-Scooter trotzdem dort fährt, kann mit 15 Euro zur Kasse gebeten werden.

Nun sind 13 Verstöße weder der Untergang des Hildener Abendlandes noch der Beweis dafür, dass die Mittelstraße inzwischen ausschließlich von rücksichtslosen E-Scooter-Piloten bevölkert wird. Aber die Zahl zeigt, dass die Beschwerden der vergangenen Wochen offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen waren. Wer regelmäßig durch die Innenstadt läuft, kennt die Situation: Man geht entspannt durch die Fußgängerzone, hört hinter sich plötzlich dieses charakteristische leise Rollen und entwickelt innerhalb einer halben Sekunde Fähigkeiten, die sonst eher im Leistungssport gefragt sind.

Dabei ist der E-Scooter selbst gar nicht das Problem. Er ist praktisch, schnell und für kurze Wege durchaus sinnvoll. Das Problem beginnt erst, wenn aus „praktisch und schnell“ plötzlich „Platz da, jetzt komme ich“ wird. Genau das gilt übrigens genauso für Fahrräder, Autos und Fußgänger. Wer aufs Handy schaut und ohne Blick über die Straße läuft, trägt zum entspannten Miteinander ungefähr genauso viel bei wie ein Radfahrer in falscher Richtung oder ein Autofahrer, der beim Abbiegen den Rest der Verkehrswelt für dekoratives Beiwerk hält.

Deshalb gefällt mir an der Kontrolle sogar, dass nicht ausschließlich E-Scooter herausgepickt wurden. Die Polizeiaktion gehört zum „Projekt Korrekt“, das Verkehrsunfälle mit Fußgängern und Radfahrern reduzieren soll. Falsche Fahrbahn, fehlende Aufmerksamkeit, unvorsichtiges Einfahren in den Verkehr und zunehmend auch der Blick aufs Handy gehören zu den Problemen, die die Polizei dabei beobachtet.

Vielleicht braucht es deshalb gelegentlich beides: den freundlichen Hinweis und die Kontrolle. Erst sagt die Stadt: Bitte nehmt Rücksicht aufeinander. Dann sagt die Polizei irgendwann: Wir schauen jetzt einmal nach, wie gut das funktioniert hat.

Das Ergebnis in Hilden lautet diesmal: 33 Verstöße.

Nicht dramatisch. Aber offenbar genug, um das Thema nicht einfach wegzurollen.

Denn am Ende ist die wichtigste Verkehrsregel immer noch erstaunlich simpel: Die Straße gehört nicht mir allein. Die Fußgängerzone übrigens auch nicht.

Donnerstag, 10. September 2026

10.9.2026: Wenn der Strom plötzlich ohne Kabel dasteht – oder: Kupferklau an Hildens Ladesäulen

Es gibt Dinge, bei denen man sich fragt, wie jemand überhaupt auf die Idee kommt. Zwei E-Auto-Ladestationen an einer Tankstelle an der Walder Straße gehören seit dieser Woche eindeutig dazu. Unbekannte Täter haben dort in der Nacht zum 7. September die kupfernen Ladekabel abgeschnitten und mitgenommen. Auch in Monheim waren vier Ladestationen betroffen. Sechs Ladesäulen ohne Kabel – und irgendwo vermutlich Menschen, die morgens mit ihrem Elektroauto davorstanden und feststellen mussten: Strom wäre vorhanden, nur der Weg zum Auto fehlt.

Hinter der Sache steckt ein bekanntes Motiv: Kupfer ist wertvoll. Nur ist die Rechnung in diesem Fall besonders absurd. Der Materialwert der gestohlenen Kabel dürfte insgesamt lediglich bei einigen hundert Euro liegen, der Schaden für die Betreiber wegen Reparatur und Ausfall dagegen bei mehreren Tausend Euro. Das ist ungefähr so, als würde jemand die Haustür ausbauen, weil ihm die Türklinke gefällt. Wirtschaftlich kein besonders überzeugendes Geschäftsmodell – gesellschaftlich sowieso nicht.

Gerade bei einer Ladesäule bekommt der Diebstahl noch eine besondere Note. Jahrelang diskutieren wir darüber, wie viele Ladepunkte Deutschland braucht, wie schnell sie gebaut werden müssen und ob die Infrastruktur mit der Zahl der Elektroautos mithalten kann. In Hilden kommt jetzt eine neue Frage hinzu: Wie viele davon haben morgens noch ein Kabel? Die Energiewende hatte vermutlich mit einigen Schwierigkeiten gerechnet. Genehmigungsverfahren, Netzausbau, Strompreise – alles bekannte Themen. Dass irgendwann jemand mit Werkzeug anrückt und einfach das letzte Stück zum Auto mitnimmt, stand wahrscheinlich eher weiter hinten im Maßnahmenkatalog.

Für die Betreiber ist das natürlich alles andere als komisch. Die Säulen fallen aus, müssen repariert werden, und wer dort mit niedrigem Akkustand ankommt, darf sich spontan eine Alternative suchen. Beim Verbrenner wäre die vergleichbare Situation eine Tankstelle, an der jemand über Nacht sämtliche Zapfschläuche abgeschnitten hat. Benzin vorhanden, Säule vorhanden, Bezahlung möglich – nur zwischen all dem und dem Auto fehlt eine Kleinigkeit.

Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen. Wer in der Nacht zum Montag an der Walder Straße verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich melden. Hinweise auf die Täter gibt es bislang offenbar nicht.

Für Hilden bleibt damit eine ziemlich absurde Erkenntnis: Selbst ein Kabel, das fest an einer Ladesäule hängt, ist offensichtlich nicht fest genug.

Da investieren wir viel Geld in moderne Infrastruktur, bauen Ladesäulen und reden über die Mobilität der Zukunft.

Und dann kommt jemand mit einer Zange vorbei.


Fortschritt kann manchmal an erstaunlich einfachen Dingen scheitern.

Mittwoch, 9. September 2026

9.9.2026: Ein Bändchen, 16 Kneipen und die große Frage: Wo fangen wir an?

Es gibt Abende in Hilden, an denen man sich für eine Kneipe entscheidet, sich an einen Tisch setzt und dort bleibt. Und dann gibt es den ersten Samstag im November. Am 7. November steigt die Hildener Kneipentour zum 15. Mal: 17 Bands und Solokünstler spielen in 16 Locations, acht Stunden lang zieht Livemusik durch die Stadt und mit einem einzigen Bändchen darf man überall hinein. Das Prinzip ist herrlich einfach. Gefällt die Musik, bleibt man. Gefällt sie nicht, zieht man weiter. Trifft man unterwegs Bekannte, bleibt man wahrscheinlich trotzdem. Spätestens dann hat sich jeder vorher ausgearbeitete Abendplan erledigt. Die Hildener Kneipentour ist schließlich eine Veranstaltung, bei der ein wenig Orientierungslosigkeit ausdrücklich zum Konzept gehört.

Seit 2010 organisiert Michael Pape dieses musikalische Kneipenwandern. Vor Corona waren einmal 27 Locations dabei, inzwischen sind es 16. Einige Kneipen sind verschwunden, die verbliebenen Wirte machen laut Pape aber fast alle mit. Im vergangenen Jahr wurden rund 2600 Bändchen verkauft, maximal 3500 Besucher können diesmal dabei sein. An musikalischem Nachwuchs mangelt es nicht: Rund 100 Bands und Solokünstler bewerben sich jedes Jahr. Daraus ein Programm zusammenzustellen, dürfte ungefähr so einfach sein wie mit 15 Freunden in Hilden zu klären, in welche Kneipe man am Samstagabend geht. Nur dass Michael Pape am Ende tatsächlich eine Entscheidung treffen muss.

Musikalisch gibt es kaum eine Ausrede, nicht irgendwo fündig zu werden. Rock-Pop, Blues, Country-Rock, Oldies, deutsche Schlager, Soul, Funk und moderne Hits stehen auf dem Programm. Acht Acts sind erstmals dabei, dazu kommen bekannte Namen wie Prilblümchen, Nightwork, BFunk, Retro oder Boys of 69. Das klingt weniger nach einem Kneipenabend als nach einem kleinen Stadtfestival, bei dem zufällig überall eine Theke herumsteht.

Und genau darin liegt der Charme. Mani’s Ponystall, Charl’s, Palette, BARock, Mon Coeur, Blue Note, Black Pub, Nuckelpinte, Billard Bistro, Hemingway, Landhof, Café New York, James Food & Drinks, Vino Vista, Denkbar und Feingusti werden für einen Abend zu einem weitläufigen Konzertsaal. Neu dabei sind Vino Vista und die Denkbar. Gerade die etwas außerhalb der klassischen Innenstadtstrecke gelegene Weinbar möchte die Kneipentour nutzen, um bekannter zu werden. Das könnte funktionieren, denn an diesem Abend entdecken Hildener vermutlich wieder Orte, an denen sie sonst jahrelang vorbeigefahren sind und gedacht haben: „Da müsste man eigentlich auch mal hin.“ Am 7. November wird aus „eigentlich mal“ tatsächlich „heute“.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus diesem Angebot einen Abend zu machen, ohne daraus eine logistische Großübung werden zu lassen. Beginnt man am Alten Markt, am Fritz-Gressard-Platz oder irgendwo ganz anders? Wann baut man die Nuckelpinte ein, wann Vino Vista? Natürlich könnte man einen minutiösen Plan erstellen: 18.15 Uhr erste Band, 19 Uhr Wechsel, 19.45 Uhr nächste Location. Das ist ungefähr so realistisch wie die Vorstellung, auf dem Hildener Weihnachtsmarkt „nur ganz kurz“ einen Glühwein zu trinken. Irgendwo spielt eine Band besser als erwartet, irgendwo trifft man jemanden, den man seit Monaten nicht gesehen hat, und irgendwann fällt der Satz: „Komm, einen noch.“ Ab diesem Moment übernimmt Hilden die Abendplanung.

Das Bändchen für diesen musikalischen Kontrollverlust kostet im Vorverkauf zwölf Euro, zunächst erhältlich im Computer Store Hilden am Axlerhof und später auch in den teilnehmenden Locations. An der Abendkasse werden 15 Euro fällig. Zwölf Euro für 17 Bands sind rechnerisch etwa 71 Cent pro Künstler. Das ist ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis – vorausgesetzt, man widersteht dem Ehrgeiz, tatsächlich alle sehen zu wollen. Wer das versucht, dürfte den größten Teil des Abends mit Jacke an zwischen zwei Kneipentüren verbringen.

Also besser nicht optimieren. Bändchen ums Handgelenk, rein in die Stadt und schauen, wo man hängen bleibt. Für ein paar Stunden wird Hilden zur Musikmeile, aus offenen Türen dringen Rock, Blues, Soul oder Schlager, und Menschen ziehen durch Lokale, in denen sie vielleicht lange nicht mehr waren.

Vielleicht ist genau das der schönste Teil der Kneipentour. Nicht die Zahl der Bands, nicht die Zahl der besuchten Kneipen und schon gar nicht die perfekte Route. Sondern dieser eine Abend, an dem Hilden ein bisschen voller, lauter und spontaner ist als sonst.

Und sollte am Ende jemand fragen, welche der 17 Bands eigentlich die beste war, gibt es vermutlich ohnehin die einzig richtige Antwort:


Keine Ahnung. Aber der Abend war großartig.