Montag, 18. Mai 2026

18.5.2026: Die S1 macht ab 2028 wieder Diät: weniger Strecke, mehr Umstieg, maximale Pendler-Yoga-Erfahrung

Manche Nachrichten liest man und spürt sofort, wie irgendwo zwischen Hilden Süd und Düsseldorf Hauptbahnhof ein Coffee-to-go-Becher leise zu zittern beginnt. Die S1, diese treue, manchmal eigenwillige, aber im Grunde doch vertraute Lebensader für alle, die morgens Richtung Düsseldorf und abends wieder zurück ins echte Leben wollen, soll ab 2028 für etwa zweieinhalb Jahre nicht mehr bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren. Zweieinhalb Jahre. Das ist nicht mehr „kurz mal Bauarbeiten“, das ist eine Beziehungspause mit gemeinsamem Mietvertrag.

Der Grund klingt zunächst groß und wichtig: Gleisbauarbeiten, Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express, perspektivisch ein 15-Minuten-Takt, sechs Gleise zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hauptbahnhof. Das klingt nach Zukunft, Tempo und Infrastruktur mit Krawatte. Für Pendler bedeutet es aber erst einmal: Die S1 kommt von Süden nur noch bis Düsseldorf-Eller Mitte. Dort heißt es dann aussteigen, umsteigen, neu orientieren und innerlich den Satz sprechen, der im Nahverkehr längst zur rheinischen Meditation geworden ist: „Et kütt, wie et kütt.“

Ab Eller Mitte soll es mit der U75 weitergehen. Die S-Bahn braucht für die Strecke zum Hauptbahnhof normalerweise sieben Minuten, die Stadtbahn dreizehn. Das klingt auf dem Papier nach sechs Minuten Unterschied, also nach nichts, was man nicht mit einem kräftigen Seufzer ausgleichen könnte. In der Realität kommen aber Wartezeit, Umsteigezeit, Menschenmengen und die berühmte Frage dazu, ob man noch in die Bahn passt oder schon Teil der Türdichtung ist. Denn die Rheinbahn sagt offenbar selbst, dass die U75 die zusätzlichen Fahrgastströme allein nicht vollständig aufnehmen kann. Das ist ungefähr so beruhigend wie ein Restaurant, das sagt: „Wir freuen uns auf Ihre Hochzeitsgesellschaft, haben aber nur drei Stühle.“

Besonders pikant: Viele Pendler erinnern sich noch an die Sperrung der S1 im Jahr 2025. Damals war die Strecke zwischen Mai und November dicht, und wer das überstanden hat, trägt seither vermutlich eine unsichtbare Auszeichnung am Revers: „Ich war dabei, als Schienenersatzverkehr noch Charakterbildung hieß.“ Nun also der nächste große Akt. Die Bahn erklärt, dass man die Arbeiten nicht einfach zusammenlegen konnte, weil es 2025 vor allem um Stellwerkstechnik in Solingen ging und der kommende Umbau andere Bereiche betrifft. Das mag technisch völlig nachvollziehbar sein. Emotional klingt es für den durchschnittlichen Pendler trotzdem wie: „Ihre Waschmaschine ist repariert, aber 2028 bauen wir Ihnen noch kurz das Badezimmer aus.“

Damit die S1 in Düsseldorf-Eller Mitte überhaupt enden kann, muss sie dort auch wenden können. Denn Züge, so lernt man, können nicht einfach auf freier Strecke umdrehen wie ein genervter Autofahrer an einer Baustellenampel. Deshalb sollen Signaltechnik angepasst und eine neue Weichenverbindung eingebaut werden. Man ahnt: Bevor die große Sperrung kommt, braucht es erst einmal Bauarbeiten für die Bauarbeiten. Der deutsche Nahverkehr ist eben ein sehr gründliches Ökosystem. Selbst die Umleitung hat eine Vorbesprechung.

Und als wäre das alles noch nicht genug, stehen schon vor 2028 weitere Vollsperrungen im Kalender. Vom 30. Oktober bis 27. November 2026 zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Oberbilk, vom 14. Mai bis 9. Juli 2027 zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Solingen Hauptbahnhof und dann noch einmal vom 21. Juli bis 13. Oktober 2028 auf derselben Strecke. Wer also dachte, die S1 gönne sich bis zur großen Sperrung erst einmal Ruhe, hat den Humor der Infrastruktur unterschätzt. Sie wärmt sich nur auf.

Für Hilden ist das natürlich mehr als eine Randnotiz. Die S1 ist für viele nicht irgendeine Linie, sondern der tägliche Taktgeber zwischen Arbeit, Schule, Terminen, Arztbesuchen, Altbiernähe und Heimweg. Wenn diese Verbindung wackelt, wackelt ein Stück Alltag mit. Plötzlich wird aus „Ich fahre eben nach Düsseldorf“ eine kleine Expedition mit Umstieg, Geduldstest und der Frage, ob man besser schon am Vorabend losgeht. Vielleicht entstehen bis dahin neue Pendler-Rituale: gemeinsames U75-Dehnen in Eller Mitte, Tauschbörsen für Sitzplätze oder Selbsthilfegruppen mit dem Titel „Ich wollte nur zum Hauptbahnhof“.

Natürlich soll am Ende alles besser werden. Mehr Gleise, mehr Kapazität, schnellerer RRX, modernerer Verkehr. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht ist, dass der Weg dorthin offenbar über Eller Mitte führt. Und zwar länger, als manche Ehen halten, aber hoffentlich kürzer als die Baugeschichte mancher deutscher Großprojekte.

Bis dahin bleibt den Hildener Pendlern nur, sich mental vorzubereiten. Vielleicht mit Humor, vielleicht mit einem besonders großen Thermobecher, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man im Rheinland schon immer zwei Dinge gebraucht hat: Geduld und einen Plan B. Ab 2028 kommt noch ein drittes dazu: sportliche Umsteigefähigkeit in Düsseldorf-Eller Mitte.

Sonntag, 17. Mai 2026

17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen

Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.

Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.

Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.

Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.

Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.

Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.

Samstag, 16. Mai 2026

16.5.2026: 500 Moorschnucken und ein Halleluja in der Hildener Heide

Es gibt Nachrichten, die kommen leise daher, und dann gibt es Nachrichten mit 500 Schafen und 20 Ziegen. Hilden hat sich eindeutig für Variante zwei entschieden. Ab dem 15. Mai ist in der Hildener Heide wieder tierisch was los, denn die Moorschnucken sind da. Nicht etwa als Betriebsausflug, nicht als Woll-Pop-up-Store und auch nicht, weil sie sich bei Google Maps verlaufen haben, sondern aus beruflichen Gründen: Landschaftspflege.

Während wir Menschen bei Gartenarbeit schon nach drei Brennnesseln und einem widerspenstigen Löwenzahn dramatisch Richtung Liegestuhl taumeln, erledigen die Moorschnucken ihren Job mit stoischer Gelassenheit. Sträucher? Weg. Kräuter? Her damit. Junge Triebe? Snack. Heidekraut? Haute Cuisine. Was für uns nach anstrengendem Naturschutz klingt, ist für die Schafe offenbar ein gut sortiertes Buffet mit Frischluftgarantie.

Die Heideflächen rund um den Hildener Sandberg sind im Kreis Mettmann etwas ganz Besonderes. Ohne Pflege würden sie langsam zuwachsen, und dann hätten Moorlilie, Feld-Sandlaufkäfer und andere Fans offener Landschaften irgendwann ein echtes Immobilienproblem. Die Moorschnucken verhindern das, indem sie genau das tun, was Schafe eben tun: fressen, weitergehen, wieder fressen und dabei aussehen, als hätten sie den Sinn des Lebens längst verstanden.

Besonders sympathisch ist ja, dass die Moorschnucke eine eher kleine, hornlose Schafrasse ist. Also gewissermaßen die freundliche Kompaktklasse unter den Schafen. Robust, genügsam und bestens geeignet für karge Moorlandschaften und Magerwiesen. Während andere vielleicht nach Cappuccinohafer und Dinkelheu fragen würden, nimmt die Moorschnucke, was da ist: Heidekraut, Moorgräser, Moose, Pilze, Beerensträucher und junge Birken. Regional, saisonal, konsequent nachhaltig. Da kann jeder hippe Foodblog einpacken.

Dass es in Deutschland nur noch rund 3000 Moorschnucken gibt und die Rasse als gefährdet gilt, macht ihren Besuch in Hilden noch besonderer. Man könnte also sagen: Da zieht nicht einfach irgendeine Schafherde durch die Heide, sondern ein wolliger Kulturschatz auf vier Beinen. Begleitet wird die Truppe von Ziegen, was vermutlich daran liegt, dass jede gute Reisegruppe ein paar Charakterköpfe braucht.

Weniger lustig ist allerdings das Thema frei laufende Hunde. In den vergangenen Jahren kam es offenbar immer wieder zu Vorfällen, bei denen Schafe verletzt oder gerissen wurden. Und so sehr man Hunde liebt: Eine Moorschnucke ist kein Spielkamerad, kein Quietscheball und auch kein bewegliches Trainingsgerät für den Jagdinstinkt. Deshalb werden während der Beweidung einzelne Wege gesperrt, und an bestimmten Stellen gilt Leinenpflicht. Die grünen und roten Hundeplaketten zeigen, wo Bello frei laufen darf und wo er bitte auf dem Weg bleiben soll. Man könnte sagen: Ampelsystem für Vierbeiner, nur ohne Hupkonzert.

Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger ist der Besuch der Herde trotzdem ein kleines Naturschauspiel. Wo sonst bekommt man schon 500 professionelle Landschaftspfleger mit eingebauter Wolljacke zu sehen? Die Tiere sind ungefähr eine Woche in der Hildener Heide unterwegs, bevor sie weiter in die Ohligser Heide ziehen. Ein bisschen wie eine Tournee, nur ohne Merchandisingstand. Wobei: Moorschnucken-T-Shirts hätten vermutlich Potenzial.

Also: Wer in den nächsten Tagen durch die Hildener Heide spaziert, darf sich freuen. Auf Heide, auf Natur, auf Ziegen mit vermutlich eigener Meinung und auf eine Schafherde, die ganz nebenbei zeigt, dass Naturschutz manchmal weder laut noch kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, wenn 500 Moorschnucken auftauchen und sagen: „Mäh. Wir übernehmen das.“

Freitag, 15. Mai 2026

15.5.2026: Grundsteuer in Hilden: Wenn alle zuständig sind, aber keiner den Kassenbon haben will

In Hilden geht es mal wieder um die Grundsteuer. Das ist dieses Thema, bei dem viele Menschen schon beim ersten Satz innerlich aussteigen, aber spätestens beim Steuerbescheid wieder hellwach werden. Denn Grundsteuer klingt zwar nach Verwaltung, Hebesatz und kommunaler Finanzmechanik, fühlt sich am Ende aber sehr praktisch an: im Portemonnaie.

Ludger Reffgen, Fraktionsvorsitzender der BA/Piraten im Hildener Stadtrat, sieht sich nun durch den Deutschen Städtetag bestätigt. Der fordert in der verfahrenen Lage Unterstützung vom Land. Und Reffgen sagt sinngemäß: Genau das habe man doch kommen sehen. Hilden und andere Städte hätten sich bei der Festsetzung der Grundsteuer mit differenzierten Hebesätzen für Wohnen und Nichtwohnen auf Empfehlungen des Landes eingelassen. Dann gab es vor Gericht eine Schlappe. Und jetzt stehe die Kommune da wie jemand, der nach Navi gefahren ist, im Feldweg steckt und vom Navi hört: „Bitte wenden, wenn möglich.“

Die Sache ist deshalb so heikel, weil die Grundsteuer jeden betrifft. Eigentümer zahlen sie direkt, Mieter meistens indirekt über die Nebenkosten. Sie ist also keine abstrakte Rechenübung für Menschen mit Aktentasche und Tabellenliebe, sondern eine dieser Abgaben, die am Ende erstaunlich zuverlässig ihren Weg in fast jeden Haushalt findet. Man kann sie ignorieren wie den Stapel Papier auf dem Küchentisch, aber irgendwann liegt sie ganz oben.

Reffgen findet, das Land dürfe sich nun nicht einfach aus der Verantwortung schleichen. Das Bild ist hübsch: Das Land, wie es mit hochgezogenem Kragen, Sonnenbrille und unauffälligem Schritt Richtung Ausgang geht, während die Städte mit den Steuerbescheiden in der Hand zurückbleiben. „War was?“ fragt das Land möglicherweise noch, während im Rathaus jemand hektisch nach der juristisch haltbaren Lösung sucht.

Besonders ärgert Reffgen offenbar, dass der Hildener Stadtrat sich nicht einmal darauf verständigen konnte, den Bürgermeister damit zu beauftragen, dem Finanzminister die Erwartungshaltung der Stadt klarzumachen. Das klingt nach einem Satz, der in seiner ganzen kommunalpolitischen Schönheit nur in deutschen Rathäusern entstehen kann. Übersetzt heißt es ungefähr: Man hätte gemeinsam sagen können, dass Düsseldorf sich bitte bewegen soll. Stattdessen bewegte sich wohl vor allem die parteipolitische Grundsortierung.

Und genau da wird es typisch lokalpolitisch. Denn wenn es kompliziert wird, entdecken alle Seiten plötzlich sehr sorgfältig, was aus ihrer jeweiligen Perspektive „sachlich geboten“ ist. Die einen wollen Druck aufs Land machen, die anderen sind vorsichtig, wieder andere prüfen, vertagen oder schauen so ernst, dass man fast glaubt, irgendwo müsse gleich ein Flipchart erscheinen. Währenddessen fragen sich Bürgerinnen und Bürger, ob am Ende wieder sie diejenigen sind, die für das politische Durcheinander zahlen. Spoiler: Diese Sorge ist im Zusammenhang mit Steuern selten völlig aus der Luft gegriffen.

Dabei wäre es durchaus verständlich, wenn die Stadt beim Land anklopft. Wenn Kommunen einer Empfehlung folgen und anschließend juristisch im Regen stehen, darf man schon erwarten, dass der Schirm nicht plötzlich „leider nicht zuständig“ sagt. Natürlich ist Verwaltung selten so einfach wie ein kaputter Wasserkocher mit Garantiebeleg. Aber wer politische Leitplanken aufstellt, sollte nachher nicht überrascht tun, wenn jemand gegen eine davon gefahren ist.

Die Grundsteuer bleibt damit ein Thema, das niemand besonders liebt, aber alle betrifft. In Hilden steht nun die Frage im Raum, wer die Verantwortung übernimmt, wer Druck macht und wer am Ende nur bedauernd nickt. Reffgen jedenfalls will das Land nicht aus der Nummer entlassen. Und man kann ihm zumindest in einem Punkt schwer widersprechen: Schulterzucken ist keine Finanzpolitik. Es ist höchstens Gymnastik für Menschen, die keine Rechnung bezahlen möchten.

Donnerstag, 14. Mai 2026

14.5.2026: Hildens Fahrradboxen: Graue Container mit großem Sicherheitsbedürfnis

In Hilden stehen sie herum wie kleine Garagen für Zweiräder, nur ohne Rasenteppich und ohne Gartenzwerg: die Fahrradboxen an den beiden S-Bahnhöfen. Insgesamt 181 Stück hat die Stadt dort aufgestellt, damit Pendlerinnen und Pendler ihr Rad nicht einfach dem Schicksal, dem Wetter oder besonders kreativen Gelegenheitsdieben überlassen müssen. Man könnte auch sagen: Hilden bietet betreutes Wohnen fürs Fahrrad.

Im Jahr 2025 waren 90 dieser 181 Boxen belegt. Das klingt zunächst nach einer sehr ordentlichen Zahl, bis man merkt: Das ist knapp die Hälfte. Also stehen ungefähr genauso viele Boxen leer, wie belegt sind. Hilden hat damit nicht nur Fahrradboxen, sondern auch stille Reservekapazitäten für eine mögliche Zweirad-Invasion. Sollte also eines Tages halb Düsseldorf beschließen, mit dem Rad nach Hilden zu kommen und von dort die S-Bahn zu nehmen: Wir wären vorbereitet.

Besonders beliebt ist offenbar der S-Bahnhof Hilden Süd. Dort stehen 113 Boxen, also der Löwenanteil der grauen Mini-Bunker. Im Jahr 2025 waren davon 68 belegt, was einer Auslastung von 60 Prozent entspricht. In diesem Jahr sind es bisher 60 Boxen, also 53 Prozent. Das ist zwar etwas weniger, aber immer noch deutlich mehr Betrieb als an manchem Montagmorgen im heimischen Kopf. Am S-Bahnhof Hilden selbst sieht es dagegen gemütlicher aus. Dort gibt es 67 Fahrradboxen, 2025 waren davon 22 belegt. Eine Auslastung von 32 Prozent. In diesem Jahr sind es immerhin 30 belegte Boxen, also 45 Prozent. Der Bahnhof Hilden holt also auf. Langsam, aber entschlossen. So wie jemand, der sein Fahrrad aus dem Keller trägt und dabei feststellt, dass beide Reifen platt sind.

Preislich ist das Angebot durchaus charmant. Eine Fahrradbox kostet 40 Euro im Jahr oder 3,50 Euro im Monat. Das ist weniger als viele Menschen inzwischen für einen Kaffee bezahlen, wenn sie aus Versehen „Hafermilch“, „extra Shot“ und „irgendwas mit Karamell“ sagen. Dazu kommt einmalig eine Kaution von 50 Euro. Dafür bekommt das Fahrrad ein eigenes kleines Zuhause am Bahnhof. Sicher, trocken und vermutlich mit mehr Privatsphäre als manche Großstadtwohnung.

Die Idee dahinter ist natürlich sinnvoll: Wer mit dem Rad zum Bahnhof fährt und dann mit der S-Bahn weiterpendelt, möchte sein Fahrrad am Abend möglichst vollständig wiederfinden. Also mit Sattel, Rädern und dem guten Gefühl, dass der Tag wenigstens in dieser Hinsicht keine Überraschung bereithält. Fahrradboxen sind da die bodenständige Antwort auf die große Frage moderner Mobilität: Wie komme ich umweltfreundlich zur Bahn, ohne mein Rad anschließend in mehreren Einzelteilen bei Kleinanzeigen wiederzuerkennen?

Dass die Auslastung zwischen den beiden Bahnhöfen so unterschiedlich ist, zeigt: Auch Fahrradboxen haben offenbar Lage, Lage, Lage. Hilden Süd scheint für viele Radpendler der attraktivere Standort zu sein. Vielleicht liegt es an den Wegen, vielleicht an den Gewohnheiten, vielleicht auch daran, dass manche Menschen zu ihrem Bahnhof eine Beziehung pflegen wie andere zu ihrem Lieblingsbäcker. Man geht eben dahin, wo man sich auskennt. Und wo das Rad nachts nicht frieren muss.

Wer nun Lust bekommen hat, seinem Fahrrad ein eigenes abschließbares Appartement zu gönnen, kann sich an das Bürgerbüro der Stadt Hilden wenden. Dort wartet vermutlich kein Makler mit Exposé und Grundriss, aber immerhin eine praktische Lösung für alle, die ihr Rad sicher unterbringen möchten. Und seien wir ehrlich: Für 40 Euro im Jahr findet man in Hilden sonst kaum noch etwas mit Tür, Dach und Bahnhofsnähe.

Mittwoch, 13. Mai 2026

13.5.2026: Hilden spielt Schach, rettet Brötchen und nebenbei die Demokratie

Es gibt Tage, da möchte man eigentlich nur kurz zum Friseur. Ein bisschen Spitzen schneiden, vielleicht einmal fragen, ob „nur die Seiten“ wirklich noch als Frisur durchgeht, und dann wieder nach Hause. Und dann steht man plötzlich mitten in Hilden auf einem Aktionstag des Ehrenamts, das Kind baut beim Imkerstand ein Holzhäuschen, schießt beim Schützenverein, spielt zwanzig Minuten hochkonzentriert Schach und kommt mit einem Aktionspass voller Stempel zurück. So schnell kann aus „Wir gehen mal eben Haare schneiden“ ein kommunalpolitisch wertvoller Familienausflug werden.

Adrian, zehn Jahre alt, war eines dieser Kinder, die an solchen Tagen beweisen, dass Neugier in Hilden offenbar nicht ausgestorben ist. Beim Schachverein 1922 Hilden setzte er sich ans Brett und spielte gegen Christine Woodford, die seit drei Jahren als Trainerin dabei ist. Nach der Partie bekam er nicht etwa ein trockenes „Gut gemacht“, sondern ein Lob mit pädagogischer Eleganz: Er habe richtig toll gespielt und hätte sicher gewonnen, wenn er alle Grundregeln gekannt hätte. Das ist ungefähr die charmanteste Art, jemandem zu sagen: „Du warst super, aber der Turm zieht leider nicht wie ein besonders entschlossener Staubsauger.“

Adrian nahm es sportlich. Schach gefiel ihm, besonders die Strategie. Dass er bereits Schlagzeug spielt und Fußball macht, zeigt allerdings: Sein Terminkalender ist vermutlich voller als der mancher Erwachsener, die schon überfordert sind, wenn Müllabfuhr und Zahnarzt in dieselbe Woche fallen. Vater Michael zeigte sich offen dafür, die neue Freizeitaktivität irgendwie unterzubringen. Man kennt das: Montag Fußball, Mittwoch Schlagzeug, Freitag Schach, Samstag Turnier, Sonntag Eltern in stabiler Seitenlage.

Beim Hildener Schachverein gibt es rund 100 Mitglieder, allerdings noch immer zu wenige Mädchen. Das bedauerten Peter Krause, der seit 1969 als Trainer und Pressewart aktiv ist, und Cordula Hinrichs, Mannschaftsführerin im Verein. Dabei ist Schach eigentlich ideal: Alter und Geschlecht sind egal, Hauptsache, man kann sich konzentrieren und verwechselt den König nicht mit einer besonders eitlen Dame. Ab sechs Jahren könne man anfangen, vorher seien Kinder oft noch zu verspielt. Wobei man fairerweise sagen muss: Auch Erwachsene sind gelegentlich verspielt, nur nennen sie es dann „Taktikbesprechung“ oder „Ich habe den Zug genau so geplant“.

Gleich nebenan wurde nicht nur geistige Nahrung geboten, sondern auch echte. Beim Foodsharing-Stand durfte sich jeder bedienen: Obst, Gemüse, Backwaren, Süßigkeiten. Also im Grunde das Paradies, nur ohne Schlange an der Supermarktkasse und ohne die eine Person, die beim Bezahlen erst nach der Kundenkarte sucht, als hätte sie sie zuletzt 2007 in einer Berghütte gesehen. Die Initiative macht deutlich, dass Lebensmittel nicht automatisch Müll sind, nur weil ein Mindesthaltbarkeitsdatum beleidigt abgelaufen ist. Vieles ist noch genießbar, landet aber trotzdem in der Tonne. Foodsharing Hilden will genau das verhindern.

Hinter dem Rathaus steht normalerweise ein Fahrrad mit Boxen, in die noch gute Lebensmittel gelegt und aus denen handelsübliche Mengen mitgenommen werden können. Und wichtig: Das Angebot richtet sich nicht nur an Bedürftige, sondern an alle, die Essen retten möchten. Miriam Wildermann erklärte, dass Foodsharing eng mit der Tafel zusammenarbeitet und nur Lebensmittel rettet, für die dort kein Bedarf besteht. Niemandem wird etwas weggenommen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade in Zeiten, in denen manche schon beim letzten Laugenbrötchen im Bäckerkorb gesellschaftliche Verteilungskämpfe wittern.

Rund 22 Betriebe in Hilden und weitere in der Region machen bereits mit, darunter Bäckereien und Supermärkte. Sie geben Waren ab, die zu viel bestellt wurden, kurz vor oder schon nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder aus dem Sortiment verschwinden, weil die nächste Angebotswelle anrollt. Man könnte sagen: Foodsharing ist die zweite Chance für Brote, Bananen und Müsliriegel. Und manchmal auch für Menschen, die beim Anblick kostenloser Backwaren plötzlich sehr demütig werden.

Doch der Aktionstag hatte nicht nur Schachzüge und gerettete Teilchen zu bieten, sondern auch klare Haltung. Die „Omas gegen Rechts“ waren ebenfalls vertreten. Seit acht Jahren setzen sie sich für Demokratie und Menschenrechte ein. Susanne Leupold-Zekorn berichtete von einer überparteilichen Gruppe mit etwa 25 Aktiven, darunter auch einige Männer. Jeden zweiten Montag im Monat wird beraten, geplant und vermutlich auch gelegentlich sehr entschieden festgestellt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern eher wie ein Schrebergarten: Wenn man sich nicht kümmert, wächst irgendwann etwas, das man ganz sicher nicht gepflanzt hat.

Die „Omas gegen Rechts“ demonstrieren regelmäßig, unter anderem vor dem Landtag in Düsseldorf. Sie zeigen, dass politisches Engagement keine Altersgrenze kennt und dass man mit Erfahrung, Ausdauer und klarer Kante ziemlich viel bewegen kann. Wer beim Wort „Oma“ nur an Häkeldeckchen denkt, hat offensichtlich noch nie erlebt, wie entschlossen Menschen sein können, die schon mehrere Jahrzehnte Familienfeiern, Behördenformulare und Diskussionen über Kartoffelsalat überstanden haben.

Am Ende zeigte der Aktionstag vor allem eines: Ehrenamt in Hilden ist kein verstaubtes Vereinsheim mit lauwarmem Filterkaffee, sondern bunt, lebendig und erstaunlich vielseitig. Da wird gedacht, gebaut, gerettet, diskutiert, gestempelt und gelobt. Kinder entdecken neue Hobbys, Erwachsene neue Initiativen und Lebensmittel neue Hoffnung. Und irgendwo zwischen Schachbrett, Foodsharing-Kiste und Demokratieschild merkt man: Eine Stadt funktioniert nicht nur durch Verwaltung, Straßenlaternen und pünktliche Müllabfuhr. Sie funktioniert durch Menschen, die sagen: „Ich mach da mit.“

Das Problem bleibt natürlich: Ehrenamt braucht Leute. Nicht nur die, die schon immer da sind und vermutlich selbst dann noch den Stand aufbauen würden, wenn ihnen ein Orkan quer über den Ellenbogen pustet. Es braucht neue Gesichter, neue Hände, neue Ideen. Mädchen im Schachverein, Foodsaver mit Fahrradtaschen, Demokratiefreunde mit wetterfester Jacke und Menschen, die beim Satz „Da müsste mal jemand…“ nicht sofort verschwinden, sondern vielleicht fragen: „Wann geht’s los?“

Hilden hat an diesem Tag gezeigt, dass Engagement nicht trocken sein muss. Es kann strategisch sein wie Schach, nachhaltig wie Foodsharing und unbequem wichtig wie eine Demo gegen Rechts. Und manchmal beginnt es eben ganz harmlos mit einem Friseurbesuch. Man geht los, um die Haare schneiden zu lassen, und kommt zurück mit einem gebastelten Häuschen, zwei Stempeln, neuen Ideen und der Erkenntnis: Diese Stadt hat mehr Ehrenamt, als man zwischen Pony und Dauerwelle erwartet hätte.

Dienstag, 12. Mai 2026

12.5.2026: Neues Wohngebiet in Hilden: Wenn 90 Wohnungen auf 35 sehr entschlossene Nachbarn treffen

In Hilden wird geplant, diskutiert und offenbar auch schon innerlich sehr kräftig mit dem Kopf geschüttelt. Die Stadt möchte am östlichen Rand des Zentrums ein neues Wohngebiet ermöglichen – doch bei der Bürger-Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan „165 A“ im Hildener Bürgersaal zeigte sich schnell: Zwischen städtebaulichem Konzept und nachbarschaftlicher Begeisterung liegt ungefähr so viel Platz wie zwischen zwei Autos in einer viel zu engen Parklücke.

Gut 35 Grundstücksbesitzer, Mieter und Anwohner waren gekommen, um sich anzuhören, was die Stadt im Bereich Walder Straße und Kirchhofstraße vorhat. Dort, wo heute unter anderem ein Garagenhof, eine Autowerkstatt und ein altes, eingezäuntes Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft Hilden stehen, könnten nach den Vorstellungen der Stadt künftig fünf Mehrfamilienhäuser, vier Doppelhäuser und drei Einzelhäuser entstehen. Insgesamt hält Hilden 70 bis 90 Wohneinheiten für möglich. Das klingt nach dringend benötigtem Wohnraum, nach Nachverdichtung im Innenbereich und nach der schönen Vorstellung, dass man die Fußgängerzone tatsächlich zu Fuß erreichen kann. Es klingt aber für manche Anwohner offenbar auch nach: Hilfe, wo soll ich dann parken?

Die Stimmung im Saal war entsprechend wenig „Willkommen im neuen Quartier“ und eher „Bitte treten Sie langsam vom Bebauungsplan zurück“. Technischer Beigeordneter Peter Stuhlträger hatte wohl schon geahnt, dass die Veranstaltung kein gemütlicher Städtebau-Kaffeeklatsch wird. Doch die Wucht der Ablehnung dürfte selbst erfahrene Planungsmenschen daran erinnert haben, dass PowerPoint-Folien zwar vieles können, aber keine Parkplatzsorgen wegzaubern.

Einer der größten Kritikpunkte war genau das: die Parkplatznot. Viele Anwohner sehen schon heute kaum noch Platz für ihre Autos. Wenn dann auch noch der vorhandene Garagenhof verschwindet und gleichzeitig neue Bewohnerinnen und Bewohner einziehen, wird aus Sicht der Kritiker aus dem Wohngebiet schnell ein Suchgebiet. Ein Anwohner fragte sinngemäß, ob man demnächst einen Kilometer entfernt von der eigenen Haustür parken müsse. Die Antwort der Stadt, 300 Meter seien durchaus zumutbar, dürfte im Saal vermutlich nicht zu spontanen Dankesbekundungen geführt haben. In Hilden ist 300 Meter schließlich nicht nur eine Strecke, sondern je nach Einkaufstasche, Regenlage und Laune eine kleine Expedition.

Auch der Inhaber der dort ansässigen Autowerkstatt machte deutlich, dass er seine Zukunft nicht unbedingt in einem Umzugskarton sieht. „Ich will hier nicht weg“, lautete seine klare Botschaft. Und manchmal ist Stadtplanung eben auch genau das: ein großes Konzept trifft auf einen Menschen, der sagt, dass sein Betrieb kein verschiebbarer Legostein ist.

Dabei ist das Vorhaben noch lange nicht spruchreif. Einen Investor gibt es nicht, eigene Grundstücke besitzt die Stadt im Plangebiet ebenfalls nicht. Nur einige wenige Flächen gehören der Wohnungsbaugesellschaft Hilden. Damit tatsächlich gebaut werden kann, braucht es also die Zustimmung oder Verkaufsbereitschaft der heutigen Eigentümer. Und die scheint derzeit ungefähr so ausgeprägt zu sein wie die Lust, samstags freiwillig ins Bürgerbüro zu gehen, wenn man auch auf dem Sofa liegen könnte.

Trotzdem möchte die Stadt mit dem Bebauungsplan einen Rahmen schaffen. Peter Stuhlträger erklärte, der Plan sei ein Angebot – nicht unbedingt für morgen, sondern vielleicht auch für die Kinder oder Enkel der heutigen Eigentümer, falls diese in zehn oder 20 Jahren doch verkaufen wollen. Das klingt ein bisschen nach Stadtplanung mit Langzeitgedächtnis: Heute wird gestritten, übermorgen wird geprüft, und irgendwann entscheidet vielleicht jemand, dass der alte Garagenhof nun doch ein Wohnhaus werden darf.

Zwischendurch stand sogar das Wort Enteignung im Raum, das bei Bürgerveranstaltungen ungefähr dieselbe beruhigende Wirkung hat wie „technischer Defekt“ kurz vor dem Abflug. Planungsamtsleiter Martin Barnat erklärte jedoch, er könne sich an kein vergleichbares Projekt erinnern, bei dem tatsächlich jemand enteignet worden sei. Das dürfte zumindest etwas Druck aus dem Kessel genommen haben, auch wenn der Satz „Lassen Sie die Leute doch in Frieden“ aus dem Publikum wohl ziemlich gut zusammenfasst, wie groß die Skepsis weiterhin ist.

Geplant ist die Erschließung des möglichen neuen Wohngebiets über eine Planstraße von der Walder Straße aus sowie eine neue Stichstraße an der Kirchhofstraße. Vorgesehen sind außerdem 97 Pkw-Stellplätze, die meisten oberirdisch, einige in einer Tiefgarage. Ob diese Zahl die Parkplatzseele der Nachbarschaft beruhigt, darf allerdings bezweifelt werden. Denn wer schon heute das Gefühl hat, jeden Abend an einer urbanen Version von „Reise nach Jerusalem“ teilzunehmen, wird bei zusätzlichen Wohnungen vermutlich nicht spontan in Jubel ausbrechen.

Noch können Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung einbringen. Die Unterlagen sind seit dem 7. Mai online unter hilden.de/bplan165A einsehbar. Nach der Informationsveranstaltung besteht 14 Tage lang die Möglichkeit, Stellungnahmen und Anregungen einzureichen, entweder per E-Mail an [planung@hilden.de](mailto:planung@hilden.de) oder per Brief an das Planungs- und Vermessungsamt der Stadt Hilden, Am Rathaus 1, 40721 Hilden, mit dem Stichwort BP165A. Danach werden die Eingaben geprüft und gegebenenfalls in die Planung aufgenommen. Anschließend folgt eine weitere öffentliche Auslegung. Wer also dachte, ein Bebauungsplan sei eine schnelle Sache, lernt hier: In der Stadtplanung ist selbst „demnächst“ ein dehnbarer Begriff.

Bis der Stadtrat am Ende tatsächlich über den Plan entscheidet, dürften laut Planungsamt mindestens zweieinhalb Jahre vergehen. Es bleibt also genug Zeit für weitere Diskussionen, neue Stellungnahmen, alte Sorgen, frische Argumente und vermutlich noch einige Gespräche darüber, ob 300 Meter Fußweg wirklich zumutbar sind. Sicher ist nur: In Hilden wird nicht einfach gebaut. In Hilden wird vorher gründlich gerungen, gerechnet, protestiert und geplant. Und manchmal reicht schon die Aussicht auf 90 neue Wohnungen, damit ein Garagenhof plötzlich zum emotionalen Mittelpunkt der Stadtentwicklung wird.