Donnerstag, 21. Mai 2026

21.5.2026: Wenn der Ehrgeiz kickt und plötzlich alle freiwillig 6,7 Kilometer pro Stunde laufen

In Hilden gibt es Freundesgruppen, die treffen sich zum Grillen, zum Fußballschauen oder auf ein Feierabendbier. Und dann gibt es Linus Messerschmidt und Mats Möcking. Die beiden dachten sich offenbar: „Wie können wir Pfingsten maximal unvernünftig gestalten?“ — und kamen auf die Idee, einen Backyard Ultra Marathon zu veranstalten. Also jene faszinierende Sportart, bei der man jede Stunde exakt 6,7 Kilometer läuft, bis am Ende nur noch eine Person übrig ist, die geistig und körperlich noch halbwegs weiß, wo vorne ist. 

Das Schöne daran: Niemand weiß vorher so genau, wann Schluss ist. Vielleicht nach drei Runden. Vielleicht nach zwölf. Vielleicht wacht man irgendwann nachts um vier im Feldweg-Nirwana auf und diskutiert mit einem Reh über Elektrolyte. Genau diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Gruppendynamik und leichtem Kontrollverlust scheint die jungen Hildener magisch anzuziehen. Während andere Influencer-Videos schauen und danach kurz motiviert ins Fitnessstudio gehen, dachten sich die beiden Organisatoren einfach: „Ja komm, machen wir selbst.“ Ein klassischer Fall von Social Media in seiner gefährlichsten Form. 

Besonders beeindruckend ist dabei die Zielsetzung. Mats möchte erstmal überhaupt die Marathonmarke knacken. Sehr sympathisch. Linus dagegen sagt Sätze wie: „Ich hoffe schon auf eine zweistellige Stundenzahl.“ Menschen, die so etwas sagen, besitzen entweder enorme mentale Stärke oder haben beim Thema Selbstschutz irgendwann versehentlich auf „überspringen“ geklickt. 

Trainiert wird selbstverständlich professionell. Also halb professionell. Man läuft langsamer, gewöhnt sich an mehrere Einheiten am Tag und sammelt 30 bis 50 Wochenkilometer. Dazu kommen vermutlich noch intensive wissenschaftliche Studien darüber, welche Snacks nachts um zwei Uhr auf einem Feldweg emotional stabilisieren. Denn jeder erfahrene Ausdauersportler weiß: Der wahre Gegner ist nicht die Strecke, sondern die Frage, ob man nach acht Stunden noch Bananen sehen kann, ohne aggressiv zu werden. 

Die Strecke selbst führt über Feldwege östlich der Erika-Siedlung, inklusive Basislager mit Pavillon, Lichtstrahlern und Stühlen. Im Grunde klingt das wie ein Festival — nur ohne Musik und mit deutlich mehr Wadenkrämpfen. Besonders romantisch wird es dann abends im Dunkeln, wenn die Läufer weiter ihre 6,7 Kilometer abspulen und irgendwo im Hintergrund wahrscheinlich jemand mit glasigem Blick murmelt: „Nur noch eine Runde.“ 

Natürlich gibt es auch Sicherheitsmaßnahmen. Jeder soll sein Handy dabeihaben, später fährt jemand mit dem Fahrrad hinterher und sobald gesundheitliche Probleme auftreten, soll Schluss sein. Das klingt vernünftig — bis man bedenkt, dass die gleiche Gruppe gleichzeitig beschlossen hat, freiwillig stundenlang im Kreis zu laufen. Aber immerhin: Verantwortung und Wahnsinn halten sich hier ungefähr die Waage. 

Das vielleicht Beste am ganzen Event ist allerdings die „Finisher-Glocke“. Sobald jemand ausscheidet, wird geläutet. Das hat etwas herrlich Dramatisches. Man stellt sich vor, wie ein Läufer nach Runde sieben völlig erschöpft ins Lager taumelt und irgendwo feierlich *BONG* ertönt. Dazu bekommt fast jeder ein Hufeisen mit „DNF“ — „Did Not Finish“. Im normalen Leben wäre das deprimierend. Beim Backyard Ultra scheint es eher eine Art Ehrenorden für kontrollierte Selbstzerstörung zu sein. Nur der Gewinner erhält das legendäre „Winner“-Hufeisen und wahrscheinlich lebenslange Knieprobleme gratis dazu. 

Am Ende muss man diese Aktion einfach bewundern. Nicht unbedingt wegen der sportlichen Vernunft, sondern wegen dieser wunderbar absurden Mischung aus Freundschaft, Ehrgeiz und der festen Überzeugung, dass ein langes Wochenende die perfekte Gelegenheit ist, sich freiwillig an die Grenze der Belastbarkeit zu bringen. Andere fahren an Pfingsten in den Kurzurlaub. In Hilden läuft man lieber so lange 6,7-Kilometer-Runden, bis jemand eine Glocke läutet.

Mittwoch, 20. Mai 2026

20.5.2026: Bürgermeister, Bier und Bürgernähe – Hilden entdeckt das politische Frühschoppen 2.0

In Hilden wird Politik jetzt offenbar dort gemacht, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen: zwischen Cappuccino-Schaum, Weinglas und Tresengespräch. Bürgermeister Claus Pommer lädt zum „Gastro-Talk“ – und allein der Name klingt schon wie eine Mischung aus Stadtratssitzung und Kabel-1-Doku über Restauranttester. Endlich dürfen Bürger ihre Sorgen nicht mehr nur im Rathaus vortragen, sondern ganz stilvoll bei einem Flat White oder einem kühlen Pils.

Der erste Termin steigt in der „Röstzeit“ auf der Mittelstraße. Ein clever gewählter Ort, denn wenn irgendwo in Deutschland hitzige Diskussionen entstehen, dann bekanntlich in Cafés mit Industrie-Lampen und handgerösteten Bohnen. Dort sollen die Hildener nun direkt mit ihrem Bürgermeister plaudern können. Ganz locker. Ganz unkompliziert. Also ungefähr so unkompliziert wie ein Gespräch mit dem Finanzamt – nur mit besserem Kuchenangebot.

Besonders schön ist die Vorstellung, dass Bürger schon vorab Postkarten mit Fragen hinterlassen können. Das klingt herrlich nostalgisch. Während andere Städte Bürger-Apps entwickeln und digitale Beteiligungsplattformen bauen, setzt Hilden auf das gute alte „Schreib’s auf eine Karte und leg’s neben die Kaffeemaschine“. Vielleicht stehen dort bald Fragen wie: „Warum sind die Schlaglöcher tiefer als mein Vertrauen in Baustellenpläne?“ oder „Kann man die Parkplatzsuche in der Innenstadt als Extremsport anerkennen lassen?“

Natürlich betont Claus Pommer, dass in entspannter Atmosphäre oft die besten Ideen entstehen. Das stimmt vermutlich. Viele große Entscheidungen der Menschheitsgeschichte wurden wahrscheinlich ebenfalls nach dem zweiten Getränk getroffen. Und immerhin: Wenn jemand nach einem Glas Wein plötzlich die perfekte Lösung für den Verkehr in Hilden findet, hätte sich der „Gastro-Talk“ schon gelohnt.

Die weiteren Termine wirken ebenfalls sorgfältig ausgesucht. Erst die Weinbar „Mon Coeur“ – ein Name, bei dem man automatisch französisch nuschelt und plötzlich Verständnis für Radwege entwickelt. Danach geht’s zu „Manis Ponystall“. Allein dieser Name klingt so, als könne dort jederzeit ein Country-Sänger auftreten oder jemand versuchen, den Bürgermeister beim Dart zu schlagen.

Man muss allerdings anerkennen: Die Idee hat Charme. Bürgernähe wird hier wörtlich genommen. Statt steriler Mikrofone im Sitzungssaal gibt es lockere Gespräche zwischen Espressotasse und Bierdeckel. Vielleicht ist genau das die Zukunft der Kommunalpolitik. Heute Gastro-Talk, morgen Bürgerbeteiligung beim Döner, übermorgen Stadtrat im Biergarten.

Und ehrlich gesagt: Wenn politische Diskussionen künftig grundsätzlich mit Kaffee und Snacks kombiniert werden, steigen die Chancen auf friedliche Debatten enorm. Niemand schreit laut herum, wenn er gleichzeitig versucht, ein Stück Käsekuchen elegant zu essen.

Dienstag, 19. Mai 2026

19.5.2026: Hilden bekommt neuen Asphalt – und die Schlaglöcher müssen jetzt ganz stark sein

In Hilden wird wieder saniert. Ab Montag, 18. Mai, rückt die Stadt mehreren Straßen mit frischem Asphalt zu Leibe. Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Nachricht aus dem Bereich „Tiefbau- und Grünflächenamt“, ist aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ungefähr so relevant wie die Frage, ob der Kaffee morgens noch durchläuft. Denn wenn die eigene Straße plötzlich Halteverbotsschilder trägt, der Lieblingsparkplatz verschwindet und die Grundstückszufahrt zeitweise nicht erreichbar ist, wird aus kommunaler Unterhaltung ganz schnell ein kleines Abenteuer mit Baustellencharme.

Neun Straßenabschnitte sind betroffen, darunter die Hoffeldstraße zwischen Wendehammer und Augustastraße, der Neumarkt bis zum Wendehammer, die Felix-Mendelssohn-Straße, die Beethovenstraße, Kleef, Meide, Steinauer Straße, Herderstraße und der Birkenweg. Wer jetzt beim Lesen innerlich seine Route zur Arbeit, zum Bäcker oder zur Schwiegermutter neu berechnet, ist vermutlich direkt betroffen. Alle anderen dürfen erleichtert nicken und trotzdem vorsichtshalber schon einmal schauen, ob das eigene Auto nicht aus Gewohnheit genau dort steht, wo demnächst ein temporäres Halteverbot mit amtlicher Entschlossenheit auftaucht.

Insgesamt lässt die Stadt rund 7.500 Quadratmeter neue Dünnschichtdecken aufbringen. Dünnschichtdecke klingt ein bisschen wie etwas, das man im Schlafzimmer bei plötzlichem Wetterumschwung aus dem Schrank holt, ist aber tatsächlich Asphalt. Und zwar für Straßen, die obenrum wieder hübsch gemacht werden. Kostenpunkt: voraussichtlich 270.000 Euro. Dafür bekommt Hilden keine neue Stadtautobahn, aber immerhin deutlich weniger Geruckel, Geklapper und jene Geräusche, bei denen Autofahrer kurz überlegen, ob gerade das Fahrwerk oder nur die eigene Geduld gebrochen ist.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund vier Wochen. „Voraussichtlich“ ist bei Straßenbauarbeiten natürlich ein wichtiges Wort. Es bedeutet: Wenn das Wetter mitspielt, der Asphalt sich benimmt und der Regen nicht beschließt, ausgerechnet jetzt eine Nebenrolle in Hilden zu übernehmen. Denn der Einbau der Asphaltschicht ist wetterabhängig. Bei Regen kann sich also alles verschieben. Das ist für Baustellen ungefähr das, was „Wir melden uns“ für Bewerbungsgespräche ist: Man hofft das Beste und beobachtet die Lage.

Bevor die Straßen ihre neue Oberfläche bekommen, werden zunächst Schachtdeckel, Straßenabläufe sowie Wasser- und Gaskappen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Das klingt nach Kleinkram, ist aber wichtig. Niemand möchte später über einen Schachtdeckel fahren, der sich benimmt wie ein versteckter Bordstein. Danach kommt die neue, dünne Asphaltschicht in zwei Arbeitsschritten auf die Fahrbahn. Dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. Selbst Asphalt braucht offenbar Erholung. Wenige Stunden nach dem Auftragen sind die Straßen wieder befahrbar, was beruhigend ist, aber nicht verhindern wird, dass mindestens ein Mensch im Viertel sagt: „Früher ging das alles schneller.“ Vermutlich stand dieser Mensch früher selbst im Stau und hat es nur verdrängt.

Für die Anwohner bedeutet das: Schilder beachten, Autos rechtzeitig umparken und sich seelisch darauf einstellen, dass die Zufahrt zum eigenen Grundstück zeitweise nicht erreichbar sein kann. Das ist lästig, aber immerhin zeitlich begrenzt. Wer sein Auto während der Arbeiten trotzdem im Baustellenbereich abstellt, darf vermutlich erleben, wie schnell ein harmloser Montagmorgen zu einer Schnitzeljagd nach dem eigenen Wagen werden kann.

Nicht saniert wird vorerst die Walder Straße. Und damit ist die Straße gemeint, bei der manche Hildenerinnen und Hildener wahrscheinlich schon beim bloßen Namen reflexartig an Schlaglöcher, Fahrbahnschäden und Stoßdämpfer denken. Die Sanierung ist laut Straßen.NRW zwar eingeplant, muss aber warten, weil zunächst eine Kanalsanierung der Stadt ansteht. Immerhin sollen die Schadstellen in diesem Jahr großflächig mit Heißasphalt instandgesetzt werden. Das ist so etwas wie ein Pflaster auf dem Knie, nur für eine Landesstraße und mit deutlich mehr Gerätschaften.

Am Ende bleibt: Hilden bekommt frischen Asphalt, einige Straßen bekommen vorübergehend Baustellenprogramm, und Autofahrerinnen und Autofahrer bekommen die Gelegenheit, ihre Geduld, Ortskenntnis und Parkkreativität zu trainieren. Vier Wochen lang wird gefräst, angepasst, gesperrt und asphaltiert. Danach dürfte es an mehreren Stellen wieder glatter laufen. Und das ist doch auch mal schön: eine Nachricht, bei der am Ende nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas auf die Straße gebracht wird.

Montag, 18. Mai 2026

18.5.2026: Die S1 macht ab 2028 wieder Diät: weniger Strecke, mehr Umstieg, maximale Pendler-Yoga-Erfahrung

Manche Nachrichten liest man und spürt sofort, wie irgendwo zwischen Hilden Süd und Düsseldorf Hauptbahnhof ein Coffee-to-go-Becher leise zu zittern beginnt. Die S1, diese treue, manchmal eigenwillige, aber im Grunde doch vertraute Lebensader für alle, die morgens Richtung Düsseldorf und abends wieder zurück ins echte Leben wollen, soll ab 2028 für etwa zweieinhalb Jahre nicht mehr bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren. Zweieinhalb Jahre. Das ist nicht mehr „kurz mal Bauarbeiten“, das ist eine Beziehungspause mit gemeinsamem Mietvertrag.

Der Grund klingt zunächst groß und wichtig: Gleisbauarbeiten, Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express, perspektivisch ein 15-Minuten-Takt, sechs Gleise zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hauptbahnhof. Das klingt nach Zukunft, Tempo und Infrastruktur mit Krawatte. Für Pendler bedeutet es aber erst einmal: Die S1 kommt von Süden nur noch bis Düsseldorf-Eller Mitte. Dort heißt es dann aussteigen, umsteigen, neu orientieren und innerlich den Satz sprechen, der im Nahverkehr längst zur rheinischen Meditation geworden ist: „Et kütt, wie et kütt.“

Ab Eller Mitte soll es mit der U75 weitergehen. Die S-Bahn braucht für die Strecke zum Hauptbahnhof normalerweise sieben Minuten, die Stadtbahn dreizehn. Das klingt auf dem Papier nach sechs Minuten Unterschied, also nach nichts, was man nicht mit einem kräftigen Seufzer ausgleichen könnte. In der Realität kommen aber Wartezeit, Umsteigezeit, Menschenmengen und die berühmte Frage dazu, ob man noch in die Bahn passt oder schon Teil der Türdichtung ist. Denn die Rheinbahn sagt offenbar selbst, dass die U75 die zusätzlichen Fahrgastströme allein nicht vollständig aufnehmen kann. Das ist ungefähr so beruhigend wie ein Restaurant, das sagt: „Wir freuen uns auf Ihre Hochzeitsgesellschaft, haben aber nur drei Stühle.“

Besonders pikant: Viele Pendler erinnern sich noch an die Sperrung der S1 im Jahr 2025. Damals war die Strecke zwischen Mai und November dicht, und wer das überstanden hat, trägt seither vermutlich eine unsichtbare Auszeichnung am Revers: „Ich war dabei, als Schienenersatzverkehr noch Charakterbildung hieß.“ Nun also der nächste große Akt. Die Bahn erklärt, dass man die Arbeiten nicht einfach zusammenlegen konnte, weil es 2025 vor allem um Stellwerkstechnik in Solingen ging und der kommende Umbau andere Bereiche betrifft. Das mag technisch völlig nachvollziehbar sein. Emotional klingt es für den durchschnittlichen Pendler trotzdem wie: „Ihre Waschmaschine ist repariert, aber 2028 bauen wir Ihnen noch kurz das Badezimmer aus.“

Damit die S1 in Düsseldorf-Eller Mitte überhaupt enden kann, muss sie dort auch wenden können. Denn Züge, so lernt man, können nicht einfach auf freier Strecke umdrehen wie ein genervter Autofahrer an einer Baustellenampel. Deshalb sollen Signaltechnik angepasst und eine neue Weichenverbindung eingebaut werden. Man ahnt: Bevor die große Sperrung kommt, braucht es erst einmal Bauarbeiten für die Bauarbeiten. Der deutsche Nahverkehr ist eben ein sehr gründliches Ökosystem. Selbst die Umleitung hat eine Vorbesprechung.

Und als wäre das alles noch nicht genug, stehen schon vor 2028 weitere Vollsperrungen im Kalender. Vom 30. Oktober bis 27. November 2026 zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Oberbilk, vom 14. Mai bis 9. Juli 2027 zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Solingen Hauptbahnhof und dann noch einmal vom 21. Juli bis 13. Oktober 2028 auf derselben Strecke. Wer also dachte, die S1 gönne sich bis zur großen Sperrung erst einmal Ruhe, hat den Humor der Infrastruktur unterschätzt. Sie wärmt sich nur auf.

Für Hilden ist das natürlich mehr als eine Randnotiz. Die S1 ist für viele nicht irgendeine Linie, sondern der tägliche Taktgeber zwischen Arbeit, Schule, Terminen, Arztbesuchen, Altbiernähe und Heimweg. Wenn diese Verbindung wackelt, wackelt ein Stück Alltag mit. Plötzlich wird aus „Ich fahre eben nach Düsseldorf“ eine kleine Expedition mit Umstieg, Geduldstest und der Frage, ob man besser schon am Vorabend losgeht. Vielleicht entstehen bis dahin neue Pendler-Rituale: gemeinsames U75-Dehnen in Eller Mitte, Tauschbörsen für Sitzplätze oder Selbsthilfegruppen mit dem Titel „Ich wollte nur zum Hauptbahnhof“.

Natürlich soll am Ende alles besser werden. Mehr Gleise, mehr Kapazität, schnellerer RRX, modernerer Verkehr. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht ist, dass der Weg dorthin offenbar über Eller Mitte führt. Und zwar länger, als manche Ehen halten, aber hoffentlich kürzer als die Baugeschichte mancher deutscher Großprojekte.

Bis dahin bleibt den Hildener Pendlern nur, sich mental vorzubereiten. Vielleicht mit Humor, vielleicht mit einem besonders großen Thermobecher, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man im Rheinland schon immer zwei Dinge gebraucht hat: Geduld und einen Plan B. Ab 2028 kommt noch ein drittes dazu: sportliche Umsteigefähigkeit in Düsseldorf-Eller Mitte.

Sonntag, 17. Mai 2026

17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen

Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.

Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.

Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.

Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.

Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.

Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.

Samstag, 16. Mai 2026

16.5.2026: 500 Moorschnucken und ein Halleluja in der Hildener Heide

Es gibt Nachrichten, die kommen leise daher, und dann gibt es Nachrichten mit 500 Schafen und 20 Ziegen. Hilden hat sich eindeutig für Variante zwei entschieden. Ab dem 15. Mai ist in der Hildener Heide wieder tierisch was los, denn die Moorschnucken sind da. Nicht etwa als Betriebsausflug, nicht als Woll-Pop-up-Store und auch nicht, weil sie sich bei Google Maps verlaufen haben, sondern aus beruflichen Gründen: Landschaftspflege.

Während wir Menschen bei Gartenarbeit schon nach drei Brennnesseln und einem widerspenstigen Löwenzahn dramatisch Richtung Liegestuhl taumeln, erledigen die Moorschnucken ihren Job mit stoischer Gelassenheit. Sträucher? Weg. Kräuter? Her damit. Junge Triebe? Snack. Heidekraut? Haute Cuisine. Was für uns nach anstrengendem Naturschutz klingt, ist für die Schafe offenbar ein gut sortiertes Buffet mit Frischluftgarantie.

Die Heideflächen rund um den Hildener Sandberg sind im Kreis Mettmann etwas ganz Besonderes. Ohne Pflege würden sie langsam zuwachsen, und dann hätten Moorlilie, Feld-Sandlaufkäfer und andere Fans offener Landschaften irgendwann ein echtes Immobilienproblem. Die Moorschnucken verhindern das, indem sie genau das tun, was Schafe eben tun: fressen, weitergehen, wieder fressen und dabei aussehen, als hätten sie den Sinn des Lebens längst verstanden.

Besonders sympathisch ist ja, dass die Moorschnucke eine eher kleine, hornlose Schafrasse ist. Also gewissermaßen die freundliche Kompaktklasse unter den Schafen. Robust, genügsam und bestens geeignet für karge Moorlandschaften und Magerwiesen. Während andere vielleicht nach Cappuccinohafer und Dinkelheu fragen würden, nimmt die Moorschnucke, was da ist: Heidekraut, Moorgräser, Moose, Pilze, Beerensträucher und junge Birken. Regional, saisonal, konsequent nachhaltig. Da kann jeder hippe Foodblog einpacken.

Dass es in Deutschland nur noch rund 3000 Moorschnucken gibt und die Rasse als gefährdet gilt, macht ihren Besuch in Hilden noch besonderer. Man könnte also sagen: Da zieht nicht einfach irgendeine Schafherde durch die Heide, sondern ein wolliger Kulturschatz auf vier Beinen. Begleitet wird die Truppe von Ziegen, was vermutlich daran liegt, dass jede gute Reisegruppe ein paar Charakterköpfe braucht.

Weniger lustig ist allerdings das Thema frei laufende Hunde. In den vergangenen Jahren kam es offenbar immer wieder zu Vorfällen, bei denen Schafe verletzt oder gerissen wurden. Und so sehr man Hunde liebt: Eine Moorschnucke ist kein Spielkamerad, kein Quietscheball und auch kein bewegliches Trainingsgerät für den Jagdinstinkt. Deshalb werden während der Beweidung einzelne Wege gesperrt, und an bestimmten Stellen gilt Leinenpflicht. Die grünen und roten Hundeplaketten zeigen, wo Bello frei laufen darf und wo er bitte auf dem Weg bleiben soll. Man könnte sagen: Ampelsystem für Vierbeiner, nur ohne Hupkonzert.

Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger ist der Besuch der Herde trotzdem ein kleines Naturschauspiel. Wo sonst bekommt man schon 500 professionelle Landschaftspfleger mit eingebauter Wolljacke zu sehen? Die Tiere sind ungefähr eine Woche in der Hildener Heide unterwegs, bevor sie weiter in die Ohligser Heide ziehen. Ein bisschen wie eine Tournee, nur ohne Merchandisingstand. Wobei: Moorschnucken-T-Shirts hätten vermutlich Potenzial.

Also: Wer in den nächsten Tagen durch die Hildener Heide spaziert, darf sich freuen. Auf Heide, auf Natur, auf Ziegen mit vermutlich eigener Meinung und auf eine Schafherde, die ganz nebenbei zeigt, dass Naturschutz manchmal weder laut noch kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, wenn 500 Moorschnucken auftauchen und sagen: „Mäh. Wir übernehmen das.“

Freitag, 15. Mai 2026

15.5.2026: Grundsteuer in Hilden: Wenn alle zuständig sind, aber keiner den Kassenbon haben will

In Hilden geht es mal wieder um die Grundsteuer. Das ist dieses Thema, bei dem viele Menschen schon beim ersten Satz innerlich aussteigen, aber spätestens beim Steuerbescheid wieder hellwach werden. Denn Grundsteuer klingt zwar nach Verwaltung, Hebesatz und kommunaler Finanzmechanik, fühlt sich am Ende aber sehr praktisch an: im Portemonnaie.

Ludger Reffgen, Fraktionsvorsitzender der BA/Piraten im Hildener Stadtrat, sieht sich nun durch den Deutschen Städtetag bestätigt. Der fordert in der verfahrenen Lage Unterstützung vom Land. Und Reffgen sagt sinngemäß: Genau das habe man doch kommen sehen. Hilden und andere Städte hätten sich bei der Festsetzung der Grundsteuer mit differenzierten Hebesätzen für Wohnen und Nichtwohnen auf Empfehlungen des Landes eingelassen. Dann gab es vor Gericht eine Schlappe. Und jetzt stehe die Kommune da wie jemand, der nach Navi gefahren ist, im Feldweg steckt und vom Navi hört: „Bitte wenden, wenn möglich.“

Die Sache ist deshalb so heikel, weil die Grundsteuer jeden betrifft. Eigentümer zahlen sie direkt, Mieter meistens indirekt über die Nebenkosten. Sie ist also keine abstrakte Rechenübung für Menschen mit Aktentasche und Tabellenliebe, sondern eine dieser Abgaben, die am Ende erstaunlich zuverlässig ihren Weg in fast jeden Haushalt findet. Man kann sie ignorieren wie den Stapel Papier auf dem Küchentisch, aber irgendwann liegt sie ganz oben.

Reffgen findet, das Land dürfe sich nun nicht einfach aus der Verantwortung schleichen. Das Bild ist hübsch: Das Land, wie es mit hochgezogenem Kragen, Sonnenbrille und unauffälligem Schritt Richtung Ausgang geht, während die Städte mit den Steuerbescheiden in der Hand zurückbleiben. „War was?“ fragt das Land möglicherweise noch, während im Rathaus jemand hektisch nach der juristisch haltbaren Lösung sucht.

Besonders ärgert Reffgen offenbar, dass der Hildener Stadtrat sich nicht einmal darauf verständigen konnte, den Bürgermeister damit zu beauftragen, dem Finanzminister die Erwartungshaltung der Stadt klarzumachen. Das klingt nach einem Satz, der in seiner ganzen kommunalpolitischen Schönheit nur in deutschen Rathäusern entstehen kann. Übersetzt heißt es ungefähr: Man hätte gemeinsam sagen können, dass Düsseldorf sich bitte bewegen soll. Stattdessen bewegte sich wohl vor allem die parteipolitische Grundsortierung.

Und genau da wird es typisch lokalpolitisch. Denn wenn es kompliziert wird, entdecken alle Seiten plötzlich sehr sorgfältig, was aus ihrer jeweiligen Perspektive „sachlich geboten“ ist. Die einen wollen Druck aufs Land machen, die anderen sind vorsichtig, wieder andere prüfen, vertagen oder schauen so ernst, dass man fast glaubt, irgendwo müsse gleich ein Flipchart erscheinen. Währenddessen fragen sich Bürgerinnen und Bürger, ob am Ende wieder sie diejenigen sind, die für das politische Durcheinander zahlen. Spoiler: Diese Sorge ist im Zusammenhang mit Steuern selten völlig aus der Luft gegriffen.

Dabei wäre es durchaus verständlich, wenn die Stadt beim Land anklopft. Wenn Kommunen einer Empfehlung folgen und anschließend juristisch im Regen stehen, darf man schon erwarten, dass der Schirm nicht plötzlich „leider nicht zuständig“ sagt. Natürlich ist Verwaltung selten so einfach wie ein kaputter Wasserkocher mit Garantiebeleg. Aber wer politische Leitplanken aufstellt, sollte nachher nicht überrascht tun, wenn jemand gegen eine davon gefahren ist.

Die Grundsteuer bleibt damit ein Thema, das niemand besonders liebt, aber alle betrifft. In Hilden steht nun die Frage im Raum, wer die Verantwortung übernimmt, wer Druck macht und wer am Ende nur bedauernd nickt. Reffgen jedenfalls will das Land nicht aus der Nummer entlassen. Und man kann ihm zumindest in einem Punkt schwer widersprechen: Schulterzucken ist keine Finanzpolitik. Es ist höchstens Gymnastik für Menschen, die keine Rechnung bezahlen möchten.