In Hilden wird wieder gewählt. Diesmal dürfen rund 4.000 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren entscheiden, wer sie künftig im Jugendparlament vertritt. Noch bis zum 16. Oktober läuft die Wahl. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, mit wie viel Engagement die Jugendlichen ihre Stadt verbessern wollen, werde ich fast ein bisschen neidisch. So viel Tatendrang würde ich mir gelegentlich auch von der großen Hildener Kommunalpolitik wünschen.
„Hilden soll wieder jugendfreundlicher werden“, sagt die 18-jährige Kira Alida Kanditt, die gemeinsam mit der 16-jährigen Hayat Bouchihan das Jugendparlament leitet. Besonders das Wort „wieder“ finde ich bemerkenswert. Offenbar haben die Jugendlichen durchaus das Gefühl, dass ihre Stadt mehr für sie tun könnte. Gewünscht werden sichere Treffpunkte, bessere Freizeitangebote und ein Calisthenics-Park. Also ein Platz, an dem man kostenlos trainieren kann. Eigentlich keine revolutionären Forderungen. Aber in Hilden kann bekanntlich schon eine zusätzliche Sitzbank eine längere Diskussion auslösen.
Dabei hat das Jugendparlament längst bewiesen, dass es nicht nur Forderungen stellt. Es engagierte sich für den Erhalt des Area 51, organisierte einen Umweltflohmarkt und brachte die kostenlose Beratungs-App „Between the Lines“ nach Hilden. Außerdem sitzen seine Mitglieder in drei städtischen Fachausschüssen und dürfen dort Anträge stellen. Ich finde das klasse. Während sich manche Erwachsene lieber darüber beschweren, dass sich nichts verändert, versuchen diese Jugendlichen wenigstens, selbst etwas anzustoßen.
Natürlich wartet auch auf sie die klassische Hildener Spaßbremse: der Haushalt. Wie viel Geld 2027 für Projekte zur Verfügung steht, ist noch offen. Die Stadt verspricht immerhin ein Budget. Ich hoffe nur, dass aus den guten Ideen nicht irgendwann die übliche Rathausantwort wird: tolle Anregung, leider derzeit nicht finanzierbar. Wer junge Menschen zur Beteiligung einlädt, sollte ihnen auch echte Gestaltungsmöglichkeiten geben.
Besonders sympathisch finde ich, dass das Jugendparlament auch das derzeit fehlende Kinderparlament wiederbeleben möchte. Wer schon früh erlebt, dass die eigene Meinung zählt, bleibt vielleicht auch später politisch interessiert. Und davon könnte Hilden wirklich mehr gebrauchen.
Am 18. November treffen sich die neu gewählten Mitglieder erstmals im Ratssaal. Ich wünsche ihnen viele gute Ideen, eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit und Erwachsene, die auch mal zuhören können.
Denn ganz persönlich bin ich inzwischen ein ziemlicher Fan dieses Jugendparlaments. Nicht weil die Jugendlichen auf alles eine Antwort hätten, sondern weil sie etwas verändern wollen. Und wenn sie dabei gelegentlich die Erwachsenen im Rathaus nerven, dann machen sie vermutlich einiges richtig.
Hildener Geschichten
Mittwoch, 14. Oktober 2026
14.10.2026: Hilden wählt den Nachwuchs – oder: Endlich mal Leute, die etwas bewegen wollen
Dienstag, 13. Oktober 2026
13.10.2026: 40.000 Kippen, zwölf Bußgelder – oder: Hilden sucht noch nach dem richtigen Mittel
Wer durch die Hildener Mittelstraße läuft, findet zwischen Pflastersteinen und Abfallbehältern eine erstaunlich zuverlässige Konstante: Zigarettenkippen. Wie groß das Problem ist, zeigte das Itter Clean Team bereits vor einigen Jahren. 16 Ehrenamtliche sammelten innerhalb von zwei Wochen rund 40.000 Kippen. Wenige Tage später sah es nach ihren Angaben schon wieder ähnlich aus. Die einen räumten auf, die anderen sorgten für Nachschub.
Nun hat anzeiger24.de bei der Stadt nachgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gezielte Kontrollen gibt es nicht. Die Begründung ist allerdings nachvollziehbar: Sobald der Kommunale Ordnungsdienst in Uniform auftaucht, entsorgen Raucher ihre Kippen ordnungsgemäß. Verstöße lassen sich deshalb nur schwer feststellen. Allerdings könnte man daraus auch schließen, dass sichtbare Kontrollen durchaus eine Wirkung haben. In Leverkusen setzt man inzwischen sogar auf Kontrollen in Zivil.
Die Hildener Bilanz: fünf geahndete Verstöße 2024, sieben im Jahr 2025. Zusammen zwölf Fälle und 966 Euro an festgesetzten Geldzahlungen. Natürlich sind diese Zahlen nicht unmittelbar mit den 40.000 gesammelten Kippen vergleichbar. Sie zeigen aber, dass das Wegwerfen von Zigarettenresten nur selten geahndet wird.
Die Stadt verweist auf vorhandene Abfallbehälter und erklärt, ihr seien keine wiederkehrenden Beschwerden bekannt. Beides ist durchaus relevant. Nur lösen ausreichend Aschenbecher das Problem nicht, wenn sie nicht benutzt werden. Und fehlende Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass die Innenstadt sauber ist. Schade finde ich außerdem, dass die Vorschläge des Itter Clean Teams zu Aufklärung und direkter Ansprache nach Darstellung des Berichts bislang nicht aufgegriffen wurden.
Natürlich sind in erster Linie diejenigen verantwortlich, die ihre Kippen achtlos wegwerfen. Die Stadt kann schließlich nicht hinter jedem Raucher stehen. Aber vielleicht wäre eine Kombination aus Aufklärung, gelegentlichen gezielten Kontrollen und Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen einen Versuch wert. Nicht jede Maßnahme muss sofort funktionieren. Entscheidend wäre, überhaupt auszuprobieren, was die Situation verbessern könnte.
40.000 Kippen gesammelt, zwölf Verstöße in zwei Jahren geahndet. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber zwei Seiten desselben Problems: Die Ehrenamtlichen leisten beeindruckende Arbeit, die Stadt setzt bislang vor allem auf vorhandene Entsorgungsmöglichkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, beides stärker miteinander zu verbinden. Denn die nächste Kippe liegt vermutlich schon wieder auf der Mittelstraße.
Montag, 12. Oktober 2026
12.10.2026: 7 Euro für gute Taten – oder: Hilden bekommt einen Adventskalender mit QR-Code
In Hilden kann man sich im Advent bekanntlich auf einiges verlassen: Die Mittelstraße wird beleuchtet, auf dem Alten Markt gibt es Glühwein und der Lions Club verkauft seinen Adventskalender. In diesem Jahr sogar zum 20. Mal. Und weil ein rundes Jubiläum nach etwas Besonderem verlangt, gibt es mehr Kalender, mehr Preise und eine technische Neuerung. Ausgerechnet ein Adventskalender, dessen Erlös unter anderem Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt schützen soll, wird jetzt selbst digitaler. Das hat durchaus einen gewissen Hildener Charme.
5.000 Exemplare lässt der Lions Club diesmal drucken, 500 mehr als im vergangenen Jahr. Der Preis bleibt bei sieben Euro. Dafür gibt es zwar keine Schokolade, aber die Chance auf einen von 459 Geld- und Sachpreisen im Gesamtwert von mehr als 27.400 Euro. Der Hauptgewinn von 1.500 Euro wartet an Heiligabend. Gestiftet wurden die Preise von Unternehmen und Einzelhändlern aus Hilden und der Region. Eine schöne Verbindung zwischen örtlicher Wirtschaft, ehrenamtlichem Engagement und der Hoffnung, dass sich hinter dem nächsten Türchen vielleicht doch mehr verbirgt als eine weihnachtliche Überraschung.
Das eigentlich Interessante ist allerdings, wohin das Geld fließt. Unter dem Motto „Schulen stärken für starke Kinder“ unterstützt der Lions Club zwei Präventionsprojekte an den sieben Hildener Grundschulen. Die Viertklässler sollen beim Digitaltraining lernen, Gefahren im Internet besser einzuschätzen. Für die Drittklässler kommt erstmals das Projekt „Fair bleiben in Hilden“ hinzu, bei dem es um Gewaltprävention, Selbstbewusstsein und den Umgang mit Konflikten geht. Auch das Friedensdorf International in Oberhausen, das kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten medizinisch versorgt, erhält wieder einen Teil des Erlöses.
Gerade das Digitaltraining trifft einen Nerv. Unsere Grundschulen sind technisch gut ausgestattet, aber ein Tablet im Klassenzimmer macht noch niemanden automatisch medienkompetent. Kinder bewegen sich heute in digitalen Welten, deren Mechanismen selbst viele Erwachsene kaum durchschauen. Und während wir uns in Hilden gerne über die richtige Nutzung öffentlicher Plätze oder die nächste Verkehrsregelung streiten, finden die ersten großen Konflikte vieler Kinder längst auf Bildschirmen statt. Dass beim Training auch Eltern informiert werden, ist deshalb mindestens so wichtig wie die Schulstunden selbst.
Besonders treffend finde ich eine Beobachtung des Konflikttrainers Ronnie Wellnitz. Früher habe er Kindern geraten, lieber persönlich miteinander zu reden, statt zu telefonieren. Heute lautet seine Empfehlung sinngemäß: Telefoniert wenigstens noch miteinander. Das sagt einiges darüber aus, wie sich Kommunikation verändert hat. Wo früher ein Streit auf dem Schulhof ausgetragen wurde, reichen heute ein paar Nachrichten in einer Klassengruppe, um aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit ein größeres Problem zu machen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Kinder im Training nicht nur theoretisch über Konflikte sprechen, sondern ganz praktisch ausprobieren, wie sie auf Beleidigungen reagieren können.
Eine kleine Ironie liefert der Adventskalender selbst. Hinter den Türchen verstecken sich erstmals QR-Codes, über die sich die jeweiligen Preise online aufrufen lassen. Die Gewinnnummer steht auf der Rückseite des Kalenders, die Gewinner werden außerdem im Internet und in der Rheinischen Post veröffentlicht. Der gute alte Papierkalender bekommt also gewissermaßen eine digitale Schnittstelle. Man könnte sagen: Wer Hildener Kinder fit für die digitale Welt machen möchte, fängt am besten beim eigenen Adventskalender an.
Natürlich kann man fragen, ob wirklich jede bewährte Sache noch einen QR-Code braucht. Gerade ein Adventskalender lebt schließlich davon, morgens ein Türchen zu öffnen und sich überraschen zu lassen. Andererseits ist die technische Neuerung kein Grund, die eigentliche Idee kleinzureden. Der Kalender verbindet die Aussicht auf einen Gewinn mit der Finanzierung konkreter Projekte, von denen viele Hildener Kinder profitieren können. Und dass sich dafür Jahr für Jahr zahlreiche örtliche Unternehmen engagieren, ist keineswegs selbstverständlich.
Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Modehaus von Gehlen auf der Mittelstraße, bei Lotto Schneider im Itter-Karree, bei Hilden Sport am Holterhöfchen und bei Edeka Breidohr an der Walder Straße. Man muss also nicht erst eine digitale Plattform bemühen, um einen zu bekommen. Das funktioniert erfreulicherweise noch ganz analog.
Ich finde, das ist eine dieser Aktionen, die unserer Stadt guttun. Sie kommt ohne große kommunalpolitische Debatte aus, braucht keine neue Arbeitsgruppe und muss nicht erst durch drei Ausschüsse. Menschen engagieren sich, örtliche Unternehmen unterstützen sie, und am Ende profitieren Kinder davon. So einfach kann es manchmal sein.
Und wenn der Lions Club es mit seinem Adventskalender schafft, dass Hildener Kinder künftig weniger streiten, besser miteinander reden und vielleicht sogar wieder zum Telefon greifen, dann sind die sieben Euro gut angelegt. Selbst wenn hinter allen 24 Türchen am Ende nur ein QR-Code wartet.
Sonntag, 11. Oktober 2026
11.10.2026: Das Aldi-Ei bleibt offen – oder: Hilden erklärt, warum die Tankstelle nichts wissen musste
In Hilden muss man offenbar erst die Zeitung lesen, um zu erfahren, dass vor der eigenen Tankstelle eine größere Baustelle beginnt. Genau das ist den Betreibern der Aral-Tankstelle am Aldi-Ei passiert. Sie erfuhren von den Arbeiten auf der Gerresheimer Straße durch ihre Vermieterin, die wiederum einen Zeitungsartikel gelesen hatte. Vier Tage vor Baubeginn. Man könnte meinen, die Stadt hätte bei einer solchen Maßnahme auch die umliegenden Gewerbebetriebe direkt informiert. Aber offenbar gibt es im Rathaus eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wer eine Information verdient – und wer sich selbst darum kümmern muss.
Ab Montag, 12. Oktober, bekommt die Gerresheimer Straße zwischen Aldi-Ei und Schalbruch eine neue Asphaltdecke. Bis voraussichtlich 29. Oktober wird gebaut, zunächst mit einer Einbahnstraßenregelung, anschließend mit einer vollständigen Sperrung des betroffenen Straßenabschnitts. Immerhin hat die Stadt inzwischen klargestellt, dass der Kreisverkehr am Aldi-Ei selbst befahrbar bleibt. Die Verbindungen zur Mozartstraße, Stockshausstraße, zur Straße Auf dem Sand und in Richtung Innenstadt sollen durchgehend funktionieren. Auch die Ausfahrt Richtung Norden und A46 bleibt zunächst offen. Erst vom Abend des 26. bis zum 29. Oktober wird diese Verbindung gesperrt.
Das ist eine wichtige Information. Nur hätte sie eigentlich schon in die ursprüngliche Baustellenankündigung gehört. Wer eine derart zentrale Straße sperrt, sollte nicht darauf warten, dass eine Zeitung nachfragt, ob der angrenzende Kreisverkehr überhaupt noch funktioniert. Gerade das Aldi-Ei ist schließlich kein abgelegener Feldweg, sondern ein Verkehrsknotenpunkt, dessen Bedeutung jeder kennt, der regelmäßig durch Hilden fährt. Dass die Stadt erst auf Nachfrage präzisiert, welche Verbindungen offenbleiben, ist kein Ruhmesblatt für ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Noch bemerkenswerter finde ich allerdings die Reaktion auf die Kritik der Tankstellen-Vermieterin Karin Lotze. Sie bemängelt, dass die Betreiber nicht direkt informiert wurden, obwohl die veränderte Verkehrsführung wirtschaftliche Folgen haben könnte. Hildens Beigeordneter Peter Stuhlträger weist den Vorwurf zurück: Schriftlich informiert worden seien alle Anlieger, deren Grundstückszufahrt durch die Arbeiten eingeschränkt werde. Da die Tankstelle weiterhin erreichbar bleibt, gehörte sie offenbar nicht dazu.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Für die Stadt ist entscheidend, ob die Zufahrt offen bleibt. Für die Tankstelle zählt dagegen, ob ihre Kunden noch auf dem gewohnten Weg vorbeikommen. Ob tatsächlich Umsatzeinbußen entstehen, ist offen. Dass ein Betrieb mit solch unmittelbarer Abhängigkeit vom Straßenverkehr frühzeitig informiert werden möchte, sollte allerdings selbstverständlich sein.
Hier zeigt sich eine Haltung, die mich an der Hildener Verwaltung immer wieder stört: Statt zu fragen, ob die Kommunikation ausreichend war, wird erklärt, warum man formal alles richtig gemacht hat. Dabei hätte eine kurze Information an die umliegenden Geschäfte vermutlich genügt. Eine E-Mail, ein Anruf oder ein Informationsblatt wären bei einer lange geplanten Baustelle keine organisatorische Meisterleistung gewesen.
Niemand verlangt, dass das Rathaus jedem Autofahrer einen persönlichen Brief schreibt. Aber gute Bürgerinformation sollte sich nicht allein an einer verwaltungsinternen Verteilerliste orientieren. Entscheidend ist, wer von einer Maßnahme betroffen sein könnte und welche Informationen für die Planung benötigt werden. Gerade Gewerbebetriebe sollten dabei nicht erst durch die Zeitung erfahren, dass sich vor ihrer Tür die Verkehrsführung ändert.
Umso unverständlicher finde ich, dass die Stadt auf die Kritik vor allem mit einer Rechtfertigung reagiert. Ein einfacher Satz wie „Wir werden künftig auch angrenzende Gewerbebetriebe frühzeitig informieren“ hätte vermutlich mehr Vertrauen geschaffen als die Erklärung, warum die Tankstelle keinen Brief bekommen hat. Man muss nicht jeden Fehler eingestehen, um aus einer berechtigten Beschwerde etwas zu lernen.
Ich habe überhaupt nichts gegen die Sanierung der Gerresheimer Straße. Im Gegenteil: Eine ordentliche Fahrbahndecke ist eine sinnvolle Investition. Aber wer Baustellen plant, muss eben nicht nur Asphalt, Verkehrszeichen und Sperrbaken organisieren. Er muss auch an die Menschen denken, deren Alltag und Geschäft davon beeinflusst werden.
Das Aldi-Ei bleibt also offen. Nur beim Informationsfluss aus dem Rathaus scheint es eine Vollsperrung gegeben zu haben. Und statt die Umleitung zu erklären, versichert die Stadt, dass der Empfänger ohnehin nicht auf der Verteilerliste stand.
Samstag, 10. Oktober 2026
10.10.2026: Englisch von YouTube, Schuhe noch von Mama – oder: Hilden übt den Schulstart
In Hilden wird bekanntlich gerne geprüft. Straßenmarkierungen, Baustellenfortschritte, Ampelschaltungen und gelegentlich auch die Geduld der Autofahrer. Jetzt sind wieder die jüngsten Hildener an der Reihe: Die Schuleingangsuntersuchungen für die künftigen Erstklässler haben begonnen. Allerdings gibt es dabei eine Besonderheit, die manchen ehrgeizigen Eltern vermutlich schwerfällt: Ausgerechnet auf diese Untersuchung soll man seine Kinder nicht vorbereiten. Jedenfalls nicht mit gezieltem Üben.
Mehr als 5.000 Vorschulkinder wurden im vergangenen Schuljahr im Kreis Mettmann untersucht. Das Team des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes schaut sich dabei an, wie weit die Kinder in ihrer Entwicklung sind. Sprache, Zahlenverständnis, Aufmerksamkeit, Zeichnen, Motorik und logisches Denken gehören dazu. Das Ganze dauert einschließlich einer Spielpause rund 90 Minuten. Und damit die Aufregung nicht zu groß wird, gibt es eine wichtige Information gleich vorweg: Spritzen kommen bei dieser Untersuchung nicht zum Einsatz.
Die zuständige Ärztin Birgit Hunstig betont ausdrücklich, dass es nicht um eine Prüfung geht, die man bestehen oder nicht bestehen kann. Die Kinder sollen zeigen, was sie tatsächlich können. Wer vorher fleißig Aufgaben trainiert, erreicht möglicherweise genau das Gegenteil des eigentlichen Ziels: Das Gesundheitsamt bekommt ein geschöntes Bild und erkennt womöglich nicht, wo Unterstützung sinnvoll wäre. Für Eltern, die sonst gerne alles optimal vorbereiten, ist das eine durchaus ungewohnte Botschaft. Einfach mal nichts einstudieren und das eigene Kind machen lassen.
Interessant finde ich vor allem, worauf inzwischen besonders geachtet wird. Neben Sprache und Zahlen geht es auch um ziemlich alltägliche Fähigkeiten. Kann ein Kind einfache Anweisungen verstehen? Drei Teller aus dem Schrank holen? Einen Löffel über einen Teller legen? Sich selbst an- und ausziehen? Das klingt zunächst wenig spektakulär. Wer allerdings schon einmal morgens mit einem Kind unter Zeitdruck das Haus verlassen wollte, weiß, dass selbstständiges Anziehen durchaus eine anspruchsvolle Disziplin sein kann.
Und dann ist da noch das Thema Medienkonsum. Hunstig beobachtet, dass manche Vorschulkinder inzwischen besser Englisch als Deutsch sprechen. Das klingt zunächst nach beeindruckender Frühförderung, hat nach ihren Erfahrungen aber teilweise einen weniger erfreulichen Hintergrund: stundenlanges, unbegleitetes Anschauen englischsprachiger YouTube-Videos. Englischkenntnisse sind natürlich nichts Schlechtes. Problematisch wird es, wenn Bildschirmzeit das gemeinsame Sprechen, Spielen und Erleben verdrängt. Die Ärztin empfiehlt deshalb für Kinder dieses Alters höchstens 30 Minuten Medienkonsum täglich und auch das nur in Begleitung.
Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Kind kennt möglicherweise schon die englischen Bezeichnungen für sämtliche Dinosaurier, Fahrzeuge und Superhelden, hat aber Schwierigkeiten, eine einfache Anweisung auf Deutsch umzusetzen. Das ist kein Vorwurf an das Kind. Es zeigt vielmehr, dass ein Bildschirm zwar erstaunlich viele Wörter liefern kann, aber kein Gespräch ersetzt. YouTube erklärt vielleicht, wie ein Tyrannosaurus heißt. Ob der eigene Turnbeutel gepackt ist, interessiert den Algorithmus dagegen herzlich wenig.
Dabei sind die Empfehlungen der Fachleute erfreulich unkompliziert. Vorlesen, miteinander sprechen, kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen lassen und Kindern etwas zutrauen. Dafür braucht es weder eine Lern-App noch einen pädagogisch wertvollen Wochenplan. Auch eine festgestellte Schwierigkeit bedeutet übrigens nicht automatisch, dass ein Kind später eingeschult werden muss. Die Untersuchung soll vielmehr helfen, rechtzeitig passende Förderung zu finden. Das gilt ausdrücklich auch für Kinder, die ihren Altersgenossen in bestimmten Bereichen bereits weit voraus sind.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis für die Hildener Eltern künftiger Erstklässler: Die Schuleingangsuntersuchung ist keine Generalprobe für eine möglichst perfekte Einschulung. Sie soll zeigen, wo ein Kind tatsächlich steht. Und während wir Erwachsenen gerne jede Entwicklung messen, vergleichen und optimieren, dürfen die Kinder ruhig noch etwas tun, das in solchen Diskussionen gelegentlich zu kurz kommt: einfach Kinder sein.
Vielleicht beginnt gute Schulvorbereitung deshalb nicht mit der nächsten Lern-App, sondern damit, das Tablet wegzulegen, gemeinsam ein Buch aufzuschlagen – und die Schuhe anschließend selbst anziehen zu lassen.
Freitag, 9. Oktober 2026
9.10.2026: Zwei Buslinien auf Abwegen – oder: Hilden verlegt jetzt auch die Haltestellen
In Hilden reicht es offenbar nicht mehr, dass Autofahrer wegen der Baustellen neue Wege suchen müssen. Ab Montag, 12. Oktober, dürfen auch die Fahrgäste der Rheinbahn ihre Ortskenntnisse auffrischen. Weil die Gerresheimer Straße zwischen Stockhausstraße und Schalbruch eine neue Fahrbahndecke bekommt, werden die Buslinien 781 und 782 umgeleitet. Bis zum 29. Oktober wird damit nicht nur der Straßenverkehr neu sortiert, sondern gleich ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs.
Das ist die logische Fortsetzung unserer Hildener Baustellensaison. Erst wird eine Straße zur Einbahnstraße, anschließend vollständig gesperrt, und jetzt erfahren wir, dass auch die Busse nicht einfach dort weiterfahren können, wo sie immer gefahren sind. Immerhin hat die Rheinbahn rechtzeitig mitgeteilt, welche Umwege geplant sind. Wer allerdings die verschiedenen Fahrtrichtungen, Haltestellen und Zeiträume auf Anhieb versteht, dürfte auch mit komplizierteren Verkehrsführungen wenig Schwierigkeiten haben.
Die Linie 781 fährt Richtung Erika-Siedlung über den Schalbruch statt auf ihrem gewohnten Weg. Bei der Linie 782 geht es Richtung Solingen über Richard-Wagner-Straße und Hochdahler Straße. Besonders wichtig: Die Haltestelle Johann-Sebastian-Bach-Straße entfällt in dieser Fahrtrichtung, während die Richard-Wagner-Straße je nach Linie und Richtung an andere Haltepositionen verlegt wird. Ab dem 26. Oktober kommen wegen der vollständigen Straßensperrung zusätzliche Umleitungen in den Gegenrichtungen hinzu.
Man merkt: Die Hildener Komponisten haben es in diesen Wochen nicht leicht. Mozartstraße, Richard-Wagner-Straße, Beethovenstraße und Johann-Sebastian-Bach-Straße – ausgerechnet in unserem musikalisch benannten Straßennetz wird kräftig umdirigiert. Nur dass diesmal nicht der Dirigent den Takt vorgibt, sondern die Straßenbaustelle.
Für regelmäßige Fahrgäste ist das allerdings weniger unterhaltsam, als es auf dem Papier klingt. Wer morgens zur Arbeit, zur Schule oder zu einem Termin muss, möchte vor allem wissen, ob der Bus an der gewohnten Stelle hält. Besonders ärgerlich sind solche Änderungen für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder auf eine bestimmte Haltestelle angewiesen sind. Eine Ersatzhaltestelle ein paar Meter weiter mag für manche belanglos sein, für andere kann sie den täglichen Weg deutlich komplizierter machen.
Hinzu kommt, dass die zusätzlichen Umleitungen erst am 26. Oktober beginnen. Fahrgäste müssen sich also möglicherweise zweimal umstellen: zunächst auf die erste Baustellenregelung und zwei Wochen später auf die nächste. Die Rheinbahn nennt als Zeitraum insgesamt Montag, 12. Oktober, 4 Uhr, bis Donnerstag, 29. Oktober, 4 Uhr.
Natürlich muss eine Straße irgendwann saniert werden, und Busse können nicht durch frisch eingebauten Asphalt fahren. Entscheidend ist deshalb, dass die Ersatzhaltestellen gut erkennbar sind, die Fahrgastinformationen stimmen und die Anschlüsse trotz der Umwege möglichst funktionieren. Gerade bei einer Baustelle, deren Ablauf in mehreren Phasen geplant ist, kommt es auf solche praktischen Details an.
Immerhin ist die Einschränkung überschaubar. Wenn alles nach Plan läuft, können die Busse Ende Oktober wieder ihre gewohnten Strecken bedienen. Bis dahin empfiehlt sich vor jeder Fahrt ein genauer Blick auf die Haltestelle und die aktuellen Fahrgastinformationen.
Denn in Hilden muss man derzeit nicht nur wissen, wann der Bus kommt. Man sollte vorsichtshalber auch prüfen, wo er überhaupt noch hält.
Donnerstag, 8. Oktober 2026
8.10.2026: Drei Märkte, ein Platz – oder: Hilden macht aus dem Alten Markt ein Winter-Abo
In Hilden reicht ein Weihnachtsmarkt offenbar nicht mehr. Jetzt bekommen wir gleich drei Veranstaltungen hintereinander: Sankt-Martins-Markt, Winterdorf und Neujahrsmarkt. Vom 4. November bis zum 24. Januar wird der Alte Markt damit, abgesehen von einigen Unterbrechungen, zur winterlichen Dauerveranstaltung. Was früher ein paar gemütliche Adventswochen waren, entwickelt sich langsam zu einer eigenen Saison. Fehlt eigentlich nur noch die Dauerkarte für den Glühweinstand.
Den Auftakt macht vom 4. bis 11. November der neue Sankt-Martins-Markt mit Karussell, Bühne, Imbiss und Getränken. Veranstalter Plenkers&Mey arbeitet dafür mit dem Sankt-Martins-Verein Hilden-Süd zusammen. Vom 18. November bis zum 22. Dezember folgt das eigentliche Winterdorf, das diesmal den gesamten Alten Markt einnehmen soll. Hütten, Weihnachtsbaum, beleuchtete Eiche, Musik, Nikolaus und gemeinsames Singen – das klingt nach allem, was man für eine stimmungsvolle Innenstadt braucht. Und nach ziemlich viel Betrieb auf einem Platz, der außerhalb solcher Veranstaltungen auch noch andere Aufgaben hat.
Denn so schön ich den Alten Markt mit seinen Lichtern und Buden finde: Er ist eben nicht ausschließlich eine Veranstaltungsfläche. Er gehört zum alltäglichen Leben unserer Innenstadt. Menschen treffen sich dort, besuchen die Gastronomie oder genießen einfach den Platz vor der Reformationskirche. Wenn dieser Bereich über Wochen mit Hütten und Aufbauten belegt wird, darf man durchaus nach den Auswirkungen auf die übrige Nutzung fragen. Gerade in Hilden, wo wir sonst über jeden weggefallenen Parkplatz und jede neue Straßenmarkierung diskutieren, sollte diese Frage nicht ausgerechnet beim Winterdorf unter den Glühweintisch fallen.
Neu sind auch zwei überdachte Eisstockschießbahnen und zwei mietbare Holzfässer. Das dürfte besonders für Freundeskreise, Vereine und Firmen interessant sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich solche buchbaren Angebote mit dem offenen Charakter eines öffentlichen Treffpunkts verbinden lassen. Ein lebendiger Alter Markt sollte schließlich nicht nur für diejenigen attraktiv sein, die vorher eine Stunde reserviert haben.
Besonders gespannt bin ich auf die Verlängerung nach Weihnachten. Vom 28. Dezember bis zum 24. Januar 2027 soll ein verkleinerter Neujahrsmarkt stattfinden. Die Eisstockbahnen bleiben, das gastronomische Angebot wird reduziert und das Geschehen konzentriert sich auf den Bereich vor der Reformationskirche. Das hat durchaus Charme. Der Januar ist in Hilden schließlich nicht gerade für sein überwältigendes Freizeitangebot unter freiem Himmel bekannt. Allerdings ist ein gut besuchtes Winterdorf im Advent noch kein Beweis dafür, dass Ende Januar bei Nieselregen dieselbe Begeisterung herrscht. Dafür braucht es mehr als Buden, die einfach ein paar Wochen länger stehen bleiben.
Die angekündigten Öffnungszeiten sind großzügig: montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, samstags bis 21 Uhr und sonntags von 11.30 bis 20 Uhr. Am Totensonntag, dem 22. November, bleibt geschlossen. Informationen zu Preisen und Reservierungen gibt es bereits auf der Internetseite des Winterdorfs.
Ich wünsche mir durchaus, dass das Konzept aufgeht. Gerade der Alte Markt mit der Reformationskirche und der alten Eiche hat das Potenzial, im Winter ein besonders schöner Treffpunkt zu sein. Eine belebte Innenstadt ist allemal erfreulicher als eine, in der abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Entscheidend wird sein, ob die drei Märkte tatsächlich zusätzliche Besucher anziehen, ohne dass der Platz seinen Charakter als öffentliches Zentrum verliert.
Vielleicht gelingt den Veranstaltern ja genau diese Mischung. Dann hätte Hilden etwas gewonnen. Wenn allerdings aus jeder freien Woche auf dem Alten Markt automatisch die nächste Veranstaltung werden soll, müsste man irgendwann auch darüber sprechen, wann der Platz einfach wieder Platz sein darf.
Denn der Alte Markt ist das Wohnzimmer unserer Innenstadt. Und auch im schönsten Wohnzimmer möchte man nicht drei Monate lang zwischen Glühweinbude und Eisstockbahn wohnen.