In Hilden gibt es ein Parkhaus, das offenbar beschlossen hat, jedes einfahrende Auto musikalisch zu begrüßen. Leider nicht mit Mozart oder Beethoven, sondern mit einem schrillen Reifenquietschen. Im Itter-Karree am Warrington-Platz beginnt das Konzert morgens um sieben. Und wer nebenan wohnt, bekommt die Vorstellung kostenlos – ob er möchte oder nicht.
Seit der Sanierung 2020/2021 sorgt der neue Fahrbahnbelag für unangenehme Geräusche. Besonders bei Wärme oder nassen Reifen wird es laut. Anwohner Wolfgang Köster hat davon gründlich die Nase voll. Und ich kann ihn verstehen. Ein Parkhaus muss nicht flüsterleise sein, aber es sollte auch nicht klingen wie eine permanente Vollbremsung.
Das Bemerkenswerte: Niemand bestreitet das Problem. Selbst Betreiber Contipark bestätigt, dass das Quietschen über das übliche Maß hinausgeht. Der Eigentümer hat eine erneute Sanierung in Aussicht gestellt. Nur einen Termin gibt es bis heute nicht.
Und die Stadt Hilden? Die sieht derzeit keine rechtliche Handhabe. Unter anderem, weil ihr keine nächtlichen Ruhestörungen bekannt sind. Dass das Parkhaus bis 22.30 Uhr geöffnet ist und auch tagsüber Menschen unter dem Lärm leiden, macht diese Argumentation zumindest erklärungsbedürftig.
Da verrutscht mir die kritische Hildener Fanbrille. Natürlich kann das Rathaus einem privaten Eigentümer nicht einfach Vorschriften machen. Aber etwas mehr Nachdruck bei der Suche nach einer Lösung würde ich mir schon wünschen. Schließlich ist das Problem bekannt, die Ursache offenbar identifiziert und eine Sanierung längst angekündigt.
Ich wünsche Wolfgang Köster und seinen Nachbarn jedenfalls, dass endlich etwas passiert. Denn Lebensqualität beginnt nicht erst mit der gesetzlichen Nachtruhe.
In Hilden diskutieren wir über Tempo 30, Verkehrsberuhigung und weniger Lärm. Aber beim Itter-Karree quietscht es munter weiter, während alle auf den Eigentümer warten. Vielleicht sollte man dort einfach ein Schild aufstellen: „Achtung, Dauerkonzert – Sanierungstermin unbekannt.“
Hildener Geschichten
Freitag, 30. Oktober 2026
30.10.2026: Das quietschende Parkhaus – oder: In Hilden hört der Spaß nicht auf
Donnerstag, 29. Oktober 2026
29.10.2026: Hildens Webcam sieht grau – oder: Wenn selbst der Alte Markt offline geht
Wer in den vergangenen Tagen wissen wollte, was auf dem Alten Markt los ist, bekam auf der Internetseite der Stadt Hilden eine ziemlich eindeutige Antwort: nichts. Jedenfalls nichts, was man erkennen konnte. Statt des gewohnten Blicks auf unsere Innenstadt gab es eine graue Fläche. Hilden hatte sich digital gewissermaßen selbst ausgeblendet.
Schuld war allerdings weder schlechtes Wetter noch eine besonders hartnäckige Nebelbank über der Mittelstraße. Eine weltweit bekannt gewordene Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP hatte die Stadt veranlasst, vorsorglich mehrere Serversysteme vom Internet zu trennen. Davon betroffen war auch die Webcam am Bürgerhaus.
Die Kamera liefert seit 2014 alle zwei Minuten ein Standbild vom Alten Markt. Keine bewegten Bilder, keine erkennbaren Gesichter, dafür ein kleiner digitaler Blick ins Hildener Stadtleben. Ich finde das durchaus charmant. Wer nicht vor Ort ist, kann zumindest nachschauen, ob auf der Mittelstraße gerade etwas los ist.
Am Montagmittag war der Dienst wiederhergestellt. Die Stadt hatte die betroffenen Systeme nach Priorität aktualisiert und schrittweise wieder eingeschaltet. Dass dabei die IT-Sicherheit Vorrang vor einem hübschen Blick auf den Alten Markt hatte, halte ich für vollkommen richtig.
Meine kritische Hildener Fanbrille stellt trotzdem eine Frage: Wie abhängig sind unsere digitalen Angebote inzwischen voneinander? Wenn eine Sicherheitsmaßnahme beim Internetdienstleister auch die Webcam lahmlegt, zeigt das zumindest, wie eng manche Systeme miteinander verbunden sind. Bei einer Kamera ist das verschmerzbar. Bei wichtigen Verwaltungsdiensten wäre ein längerer Ausfall deutlich unangenehmer.
Deshalb würde mich interessieren, wie gut die Stadt auf solche Situationen vorbereitet ist und welche Angebote im Ernstfall unabhängig voneinander weiterlaufen können. Denn Digitalisierung bedeutet nicht nur, möglichst viele Dienstleistungen ins Internet zu verlagern. Sie müssen auch zuverlässig und sicher funktionieren.
Immerhin hat Hilden diesmal vernünftig reagiert: lieber vorsorglich abschalten als eine bekannte Sicherheitslücke ignorieren. Das verdient Anerkennung, auch wenn die Kommunikation über solche Ausfälle möglichst transparent sein sollte.
Jetzt zeigt die Webcam wieder den Alten Markt. Und ich bin erleichtert: Endlich können wir wieder alle zwei Minuten überprüfen, ob in Hildens Innenstadt noch alles beim Alten ist. Für die wirklich wichtigen Fragen unserer Stadt braucht es allerdings weiterhin mehr Durchblick als eine Webcam.
Mittwoch, 28. Oktober 2026
28.10.2026: Schulwahl in Hilden – oder: Wenn Viertklässler plötzlich Zukunftspläne brauchen
In Hilden muss man offenbar schon mit zehn Jahren wissen, wohin die berufliche Reise gehen soll. Kaum beherrschen unsere Grundschulkinder das Einmaleins, stehen sie vor einer Entscheidung, über die manche Erwachsene noch mit dreißig grübeln: Welcher Weg ist der richtige? Gymnasium, Realschule, Sekundarschule oder Gesamtschule? Während die Eltern über Bildungswege und Zukunftschancen nachdenken, beschäftigt die Kinder vermutlich eine viel wichtigere Frage: Gehen meine Freunde mit?
Am Donnerstag, 5. November, wollen die Stadt Hilden und die Stadtschulpflegschaft bei einem gemeinsamen Informationsabend helfen. Ab 19 Uhr stellen die Schulleitungen in der Aula des Helmholtz-Gymnasiums die verschiedenen Bildungswege vor, erklären das Anmeldeverfahren und beantworten Fragen.
Ich finde das eine gute Sache. Denn die Entscheidung für eine weiterführende Schule ist wichtig, und nicht jede Familie kennt die Unterschiede zwischen den Schulformen oder weiß, welche Angebote es in Hilden gibt.
Meine kritische Hildener Fanbrille stellt allerdings auch eine Frage: Wie viel echte Orientierung kann ein einzelner Informationsabend bieten? Wenn mehrere Schulen ihre Vorzüge präsentieren, klingt am Ende vermutlich jede nach der richtigen Wahl. Entscheidend ist aber nicht, welche Schule sich am überzeugendsten verkauft, sondern wo sich das jeweilige Kind wohlfühlt und gut entwickeln kann.
Deshalb hoffe ich, dass an diesem Abend nicht nur über Schulformen, Abschlüsse und Anmeldetermine gesprochen wird. Interessant sind auch ganz praktische Fragen: Wie groß sind die Klassen? Welche Unterstützung bekommen Kinder, die Schwierigkeiten haben? Wie sieht der Schulalltag tatsächlich aus? Und wie viel Raum bleibt neben Noten und Leistungsdruck für die persönliche Entwicklung?
Vor allem sollten wir Erwachsenen eines nicht vergessen: Mit neun oder zehn Jahren muss niemand schon seinen kompletten Lebensweg kennen. Eine Schulempfehlung ist keine endgültige Prognose über Begabung oder spätere Karriere.
Ich wünsche den Hildener Familien deshalb einen informativen Abend und vor allem eine Entscheidung, bei der auch die Kinder selbst gehört werden.
Denn die beste Schule ist nicht automatisch die mit dem größten Namen oder den schönsten Informationsbroschüren. Es ist die, in der ein Kind morgens gerne durch die Tür geht. Und das lässt sich leider auf keinem Anmeldeformular ankreuzen.
Dienstag, 27. Oktober 2026
27.10.2026: E-Scooter in Hilden – oder: Wenn das Rathaus gegen Raser postet
Ich liebe unsere Hildener Innenstadt. Durch die Mittelstraße schlendern, Bekannte treffen, einen Kaffee trinken und einfach das Leben genießen. Nur sollte man inzwischen offenbar auch den rückwärtigen Verkehr im Blick behalten. Denn manche E-Scooter-Fahrer verwechseln unsere Fußgängerzone anscheinend mit einer Rennstrecke.
Immer mehr Hildener beschweren sich über rücksichtslose Fahrer. Und ich finde, die Beschwerden verdienen eine ernsthafte Reaktion. Schließlich sollen sich ältere Menschen, Familien mit Kindern und alle anderen Fußgänger sicher durch unsere Innenstadt bewegen können.
Die Stadt hat jetzt Maßnahmen angekündigt: eine Social-Media-Kampagne, zusätzliche Verbotsschilder und Gespräche des Ordnungsamtes mit überwiegend jugendlichen E-Scooter-Fahrern.
Ich musste beim Lesen tatsächlich schmunzeln. Da beschweren sich Bürger über gefährliche Situationen in der Fußgängerzone, und die Antwort lautet erst einmal: Wir posten etwas im Internet und stellen weitere Schilder auf.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Aufklärung ist sinnvoll. Aber wer heute schon ein bestehendes Verbot ignoriert, wird morgen kaum ehrfürchtig vor einem zusätzlichen Schild abbremsen. Und ob ein Instagram-Beitrag jemanden zur Vernunft bringt, der gerade mit dem E-Scooter durch die Mittelstraße flitzt, wage ich zu bezweifeln.
Besonders interessant finde ich den Hinweis auf die Zuständigkeiten. Für den fließenden Verkehr ist die Polizei verantwortlich, erklärt die Stadt. Das stimmt. Nur hilft diese Erklärung einem Fußgänger wenig, der gerade zur Seite springen musste. Zuständigkeiten sind wichtig, aber sie ersetzen keine wirksame Lösung.
Immerhin hat die Polizei bei einem Schwerpunkteinsatz im Oktober 13 Verstöße geahndet. Das ist ein Anfang. Allerdings kostet das unerlaubte Fahren auf entsprechenden Verkehrsflächen gerade einmal 15 Euro. Wer Regeln bewusst ignoriert, dürfte davon kaum nachhaltig beeindruckt sein.
Ich hätte mir deshalb eine konkretere Antwort gewünscht: Wie sollen Stadt und Polizei ihre Kontrollen künftig abstimmen? Wird regelmäßig an den bekannten Problemstellen kontrolliert? Und woran will man erkennen, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich etwas bewirken?
Denn genau daran fehlt es mir. Eine Kampagne lässt sich schnell ankündigen, ein Schild ebenso schnell aufstellen. Ob dadurch weniger Menschen gefährdet werden, ist eine ganz andere Frage.
Ich habe nichts gegen E-Scooter und schon gar nichts gegen Jugendliche. Aber Rücksichtnahme ist keine freiwillige Zusatzfunktion, die man bei Bedarf einschaltet. Sie gehört zum Straßenverkehr dazu.
Meine Hildener Fanbrille bleibt deshalb skeptisch. Ich wünsche mir eine lebendige, moderne Innenstadt – aber keine, in der Fußgänger vor E-Scootern ausweichen müssen, während das Rathaus ihnen auf Instagram erklärt, dass sie eigentlich Vorfahrt haben.
Montag, 26. Oktober 2026
26.10.2026: Halloween trifft Reformation – oder: Hilden feiert jetzt auch mit himmlischem Beistand
Am 31. Oktober ziehen normalerweise kleine Hexen, Vampire und Gespenster durch Hilden und verlangen Süßigkeiten. Dieses Jahr bekommt Halloween allerdings Konkurrenz. In der Reformationskirche steigt die erste Hildener „Churchnight“. Und ich muss sagen: Die Idee gefällt mir.
Ab 18.30 Uhr lädt die evangelische Gemeinde zu einem Abend mit Gottesdienst, Karaoke, Tanz, Spielen und Bastelaktionen ein. Um 19 Uhr geht es zunächst um die Frage, was die evangelische Kirche eigentlich ausmacht. Anschließend wird gefeiert. Getränke und Snacks gibt es ebenfalls. Eine interessante Mischung aus Glauben, Gemeinschaft und Unterhaltung.
Dass der 31. Oktober nicht nur Halloween, sondern auch Reformationstag ist, gerät zwischen Kürbissen, Plastikspinnen und Süßigkeiten leicht in Vergessenheit. Die Kirche möchte daran erinnern und gleichzeitig eine Alternative anbieten. Das finde ich sympathisch. Schließlich muss nicht jede Veranstaltung mit Kunstblut und Gruselmasken beginnen.
Meine Hildener Fanbrille freut sich darüber, dass eine örtliche Gemeinde etwas Neues ausprobiert. Gerade weil Kirchen zunehmend Schwierigkeiten haben, jüngere Menschen zu erreichen, kann ein solches Angebot frischen Wind bringen.
Allerdings bin ich gespannt, ob das Konzept aufgeht. Wer Jugendliche begeistern möchte, braucht mehr als einen Gottesdienst mit anschließendem Unterhaltungsprogramm. Eine Kirchennacht sollte sich nicht wie eine klassische Gemeindeveranstaltung anfühlen, der man lediglich einen englischen Namen gegeben hat.
Entscheidend ist für mich, ob auch Menschen kommen, die sonst selten eine Kirche betreten. Genau darin liegt die Chance: Begegnung statt Abgrenzung und ein offenes Angebot für alle Generationen.
Ich wünsche der ersten Hildener Churchnight jedenfalls viele Besucher und einen gelungenen Auftakt. Vielleicht entsteht daraus sogar eine neue Tradition.
Und sollte am Ende tatsächlich die ganze Kirche Karaoke singen, wäre das doch ein schöner Erfolg. Denn in Hilden muss am 31. Oktober nicht überall der Teufel los sein. Manchmal reicht es schon, wenn in der Kirche richtig Leben herrscht.
Sonntag, 25. Oktober 2026
25.10.2026: 9,6 Milliarden für Qiagen – oder: Wem gehört eigentlich Hildens Erfolgsgeschichte?
9,6 Milliarden Euro. So viel ist dem schwedischen Finanzinvestor EQT eine Übernahme von Qiagen wert. Eine Summe, bei der man als Hildener erst einmal schlucken muss. Während unsere Stadt jeden Euro zweimal umdreht, wird über den Verkauf eines Unternehmens verhandelt, das hier groß geworden ist. Und bei dem viele von uns nicht zuerst an Aktienkurse denken, sondern an Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder.
Denn Qiagen ist für Hilden weit mehr als ein Name im Dax. Rund 1.500 Menschen arbeiten hier an Technologien, die weltweit bei der Diagnose von Krankheiten helfen. Darauf dürfen wir Hildener stolz sein. Zwischen all den Diskussionen über Baustellen, Haushaltslöcher und Parkgebühren vergisst man leicht, dass in unserer Stadt ein Unternehmen von internationaler Bedeutung zu Hause ist.
Deshalb schaue ich auf die geplante Übernahme mit meiner kritischen Fanbrille. Natürlich ist das Milliardenangebot beeindruckend. Aber was bedeutet der Deal konkret für Hilden? Bleiben Forschung, Produktion und Ausbildung langfristig erhalten? Und wird weiterhin in die Zukunft investiert?
Das Management begrüßt die Übernahme, die Mitte 2027 abgeschlossen werden könnte. EQT verspricht langfristige Entwicklung und verweist auf Zusagen für Forschung und Beschäftigte. Die Belegschaft erfuhr allerdings nach Angaben des Betriebsrats erst zeitgleich mit der Öffentlichkeit von den Plänen. Auch die Arbeitnehmervertretung war nicht vorab über die Entscheidung informiert worden. Das mag bei einer solchen Transaktion rechtliche Gründe haben. Ein besonders vertrauensvoller Auftakt ist es trotzdem nicht.
Bürgermeister Claus Pommer gibt sich gelassen und ist überzeugt, dass Hilden das operative Zentrum von Qiagen bleiben wird. Ich wünsche mir, dass er recht behält. Allerdings hätte ich lieber belastbare Zusagen als beruhigende Prognosen. Denn über die Zukunft des Unternehmens entscheidet am Ende nicht unser Rathaus.
Grundsätzlich sehe ich in einem finanzstarken Investor durchaus Chancen. Wenn EQT Qiagen weiterentwickelt und stärkt, kann auch unsere Stadt profitieren. Nur sollte niemand vergessen, dass ein Finanzinvestor vor allem wirtschaftliche Ziele verfolgt. Deshalb ist es richtig, dass der Betriebsrat Transparenz und verlässliche Perspektiven fordert.
Für mich steckt in dieser Nachricht auch ein Stück Hildener Selbstbewusstsein. Wir sind eben nicht nur die Stadt mit der Mittelstraße, dem Alten Markt und gefühlt unendlich vielen Baustellen. Hier wird Spitzentechnologie entwickelt, die weltweit gebraucht wird. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die wir ruhig etwas selbstbewusster erzählen dürfen.
Ich gönne Qiagen jeden wirtschaftlichen Erfolg und Hilden einen starken internationalen Arbeitgeber. Aber bei aller Begeisterung über 9,6 Milliarden Euro gilt für mich: Der wahre Wert von Qiagen steht nicht allein in der Übernahmebilanz. Er zeigt sich daran, ob aus großen Versprechen auch eine gute Zukunft für Hilden wird.
Samstag, 24. Oktober 2026
24.10.2026: Parken am Mühlenhof – oder: Wenn die Karte nicht will, muss der Autofahrer gehen
In Hilden ist Parken inzwischen auch eine Frage der technischen Ausstattung. Wer am Mühlenhof sein Ticket bezahlen möchte, braucht eine kontaktlos funktionierende Bankkarte oder ein entsprechend eingerichtetes Smartphone. Bargeld? Fehlanzeige. PIN-Eingabe? Ebenfalls nicht vorgesehen. Und wenn der Automat „declined“ meldet, empfiehlt die Stadt sinngemäß: Suchen Sie sich einen anderen Parkplatz. Willkommen in der digitalen Servicewüste!
Dabei bin ich durchaus ein Freund moderner Technik. Kontaktlos bezahlen ist bequem, schnell und längst Alltag. Aber Digitalisierung sollte den Menschen das Leben erleichtern und nicht aus einem simplen Parkticket eine technische Aufnahmeprüfung machen.
Vor zwei Jahren beschloss der Stadtrat, die Barzahlung an städtischen Parkautomaten schrittweise abzuschaffen. Mehr als 38.000 Euro jährlich sollen dadurch langfristig eingespart werden. Angesichts der Hildener Haushaltslage ein nachvollziehbares Argument.
Doch am Mühlenhof häuften sich Beschwerden, insbesondere von älteren Autofahrern. Bankkarten wurden abgelehnt, obwohl sie anderswo funktionierten. Die Stadt ließ den Automaten überprüfen, fand keine technischen Fehler und berichtet, seit Mitte Juli keine weiteren Beschwerden erhalten zu haben.
Nur bedeutet ein fehlerfreier Automat nicht automatisch, dass das Bezahlsystem alltagstauglich ist. Verlangt eine Bank nach mehreren kontaktlosen Zahlungen eine erneute PIN-Bestätigung, kann der Bezahlvorgang scheitern. Weil die Hildener Geräte weder Kartenschlitz noch PIN-Eingabe besitzen, gibt es dann keine Ausweichmöglichkeit am Automaten.
Besonders ärgert mich die Haltung des Rathauses: Wer keine der angebotenen Zahlungsmöglichkeiten nutzen kann, muss eben woanders parken.
Da verrutscht mir die Hildener Fanbrille gewaltig. Natürlich muss die Stadt sparen. Aber Bürgerfreundlichkeit sollte nicht an der Kontaktlosfunktion einer Bankkarte enden. Gerade ältere Menschen dürfen nicht zu Verlierern einer Digitalisierung werden, die eigentlich allen helfen soll.
Eine zusätzliche Bezahlmöglichkeit an besonders stark genutzten Parkplätzen wäre zumindest eine Überlegung wert. Schließlich sollte sich eine Stadt fragen, wie ihre Angebote für möglichst viele Menschen funktionieren – und nicht nur, wie viel sie dabei spart.
38.000 Euro jährlich weniger Kosten sind schön. Aber wenn ein zahlungswilliger Bürger am Automaten scheitert und vom Rathaus praktisch zu hören bekommt „Dann parken Sie eben woanders“, ist das keine gelungene Digitalisierung. Das ist Kundenabwehr mit NFC-Technik.