In Hilden wird Politik jetzt offenbar dort gemacht, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen: zwischen Cappuccino-Schaum, Weinglas und Tresengespräch. Bürgermeister Claus Pommer lädt zum „Gastro-Talk“ – und allein der Name klingt schon wie eine Mischung aus Stadtratssitzung und Kabel-1-Doku über Restauranttester. Endlich dürfen Bürger ihre Sorgen nicht mehr nur im Rathaus vortragen, sondern ganz stilvoll bei einem Flat White oder einem kühlen Pils.
Der erste Termin steigt in der „Röstzeit“ auf der Mittelstraße. Ein clever gewählter Ort, denn wenn irgendwo in Deutschland hitzige Diskussionen entstehen, dann bekanntlich in Cafés mit Industrie-Lampen und handgerösteten Bohnen. Dort sollen die Hildener nun direkt mit ihrem Bürgermeister plaudern können. Ganz locker. Ganz unkompliziert. Also ungefähr so unkompliziert wie ein Gespräch mit dem Finanzamt – nur mit besserem Kuchenangebot.
Besonders schön ist die Vorstellung, dass Bürger schon vorab Postkarten mit Fragen hinterlassen können. Das klingt herrlich nostalgisch. Während andere Städte Bürger-Apps entwickeln und digitale Beteiligungsplattformen bauen, setzt Hilden auf das gute alte „Schreib’s auf eine Karte und leg’s neben die Kaffeemaschine“. Vielleicht stehen dort bald Fragen wie: „Warum sind die Schlaglöcher tiefer als mein Vertrauen in Baustellenpläne?“ oder „Kann man die Parkplatzsuche in der Innenstadt als Extremsport anerkennen lassen?“
Natürlich betont Claus Pommer, dass in entspannter Atmosphäre oft die besten Ideen entstehen. Das stimmt vermutlich. Viele große Entscheidungen der Menschheitsgeschichte wurden wahrscheinlich ebenfalls nach dem zweiten Getränk getroffen. Und immerhin: Wenn jemand nach einem Glas Wein plötzlich die perfekte Lösung für den Verkehr in Hilden findet, hätte sich der „Gastro-Talk“ schon gelohnt.
Die weiteren Termine wirken ebenfalls sorgfältig ausgesucht. Erst die Weinbar „Mon Coeur“ – ein Name, bei dem man automatisch französisch nuschelt und plötzlich Verständnis für Radwege entwickelt. Danach geht’s zu „Manis Ponystall“. Allein dieser Name klingt so, als könne dort jederzeit ein Country-Sänger auftreten oder jemand versuchen, den Bürgermeister beim Dart zu schlagen.
Man muss allerdings anerkennen: Die Idee hat Charme. Bürgernähe wird hier wörtlich genommen. Statt steriler Mikrofone im Sitzungssaal gibt es lockere Gespräche zwischen Espressotasse und Bierdeckel. Vielleicht ist genau das die Zukunft der Kommunalpolitik. Heute Gastro-Talk, morgen Bürgerbeteiligung beim Döner, übermorgen Stadtrat im Biergarten.
Und ehrlich gesagt: Wenn politische Diskussionen künftig grundsätzlich mit Kaffee und Snacks kombiniert werden, steigen die Chancen auf friedliche Debatten enorm. Niemand schreit laut herum, wenn er gleichzeitig versucht, ein Stück Käsekuchen elegant zu essen.
Hildener Geschichten
Mittwoch, 20. Mai 2026
20.5.2026: Bürgermeister, Bier und Bürgernähe – Hilden entdeckt das politische Frühschoppen 2.0
Dienstag, 19. Mai 2026
19.5.2026: Hilden bekommt neuen Asphalt – und die Schlaglöcher müssen jetzt ganz stark sein
In Hilden wird wieder saniert. Ab Montag, 18. Mai, rückt die Stadt mehreren Straßen mit frischem Asphalt zu Leibe. Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Nachricht aus dem Bereich „Tiefbau- und Grünflächenamt“, ist aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ungefähr so relevant wie die Frage, ob der Kaffee morgens noch durchläuft. Denn wenn die eigene Straße plötzlich Halteverbotsschilder trägt, der Lieblingsparkplatz verschwindet und die Grundstückszufahrt zeitweise nicht erreichbar ist, wird aus kommunaler Unterhaltung ganz schnell ein kleines Abenteuer mit Baustellencharme.
Neun Straßenabschnitte sind betroffen, darunter die Hoffeldstraße zwischen Wendehammer und Augustastraße, der Neumarkt bis zum Wendehammer, die Felix-Mendelssohn-Straße, die Beethovenstraße, Kleef, Meide, Steinauer Straße, Herderstraße und der Birkenweg. Wer jetzt beim Lesen innerlich seine Route zur Arbeit, zum Bäcker oder zur Schwiegermutter neu berechnet, ist vermutlich direkt betroffen. Alle anderen dürfen erleichtert nicken und trotzdem vorsichtshalber schon einmal schauen, ob das eigene Auto nicht aus Gewohnheit genau dort steht, wo demnächst ein temporäres Halteverbot mit amtlicher Entschlossenheit auftaucht.
Insgesamt lässt die Stadt rund 7.500 Quadratmeter neue Dünnschichtdecken aufbringen. Dünnschichtdecke klingt ein bisschen wie etwas, das man im Schlafzimmer bei plötzlichem Wetterumschwung aus dem Schrank holt, ist aber tatsächlich Asphalt. Und zwar für Straßen, die obenrum wieder hübsch gemacht werden. Kostenpunkt: voraussichtlich 270.000 Euro. Dafür bekommt Hilden keine neue Stadtautobahn, aber immerhin deutlich weniger Geruckel, Geklapper und jene Geräusche, bei denen Autofahrer kurz überlegen, ob gerade das Fahrwerk oder nur die eigene Geduld gebrochen ist.
Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund vier Wochen. „Voraussichtlich“ ist bei Straßenbauarbeiten natürlich ein wichtiges Wort. Es bedeutet: Wenn das Wetter mitspielt, der Asphalt sich benimmt und der Regen nicht beschließt, ausgerechnet jetzt eine Nebenrolle in Hilden zu übernehmen. Denn der Einbau der Asphaltschicht ist wetterabhängig. Bei Regen kann sich also alles verschieben. Das ist für Baustellen ungefähr das, was „Wir melden uns“ für Bewerbungsgespräche ist: Man hofft das Beste und beobachtet die Lage.
Bevor die Straßen ihre neue Oberfläche bekommen, werden zunächst Schachtdeckel, Straßenabläufe sowie Wasser- und Gaskappen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Das klingt nach Kleinkram, ist aber wichtig. Niemand möchte später über einen Schachtdeckel fahren, der sich benimmt wie ein versteckter Bordstein. Danach kommt die neue, dünne Asphaltschicht in zwei Arbeitsschritten auf die Fahrbahn. Dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. Selbst Asphalt braucht offenbar Erholung. Wenige Stunden nach dem Auftragen sind die Straßen wieder befahrbar, was beruhigend ist, aber nicht verhindern wird, dass mindestens ein Mensch im Viertel sagt: „Früher ging das alles schneller.“ Vermutlich stand dieser Mensch früher selbst im Stau und hat es nur verdrängt.
Für die Anwohner bedeutet das: Schilder beachten, Autos rechtzeitig umparken und sich seelisch darauf einstellen, dass die Zufahrt zum eigenen Grundstück zeitweise nicht erreichbar sein kann. Das ist lästig, aber immerhin zeitlich begrenzt. Wer sein Auto während der Arbeiten trotzdem im Baustellenbereich abstellt, darf vermutlich erleben, wie schnell ein harmloser Montagmorgen zu einer Schnitzeljagd nach dem eigenen Wagen werden kann.
Nicht saniert wird vorerst die Walder Straße. Und damit ist die Straße gemeint, bei der manche Hildenerinnen und Hildener wahrscheinlich schon beim bloßen Namen reflexartig an Schlaglöcher, Fahrbahnschäden und Stoßdämpfer denken. Die Sanierung ist laut Straßen.NRW zwar eingeplant, muss aber warten, weil zunächst eine Kanalsanierung der Stadt ansteht. Immerhin sollen die Schadstellen in diesem Jahr großflächig mit Heißasphalt instandgesetzt werden. Das ist so etwas wie ein Pflaster auf dem Knie, nur für eine Landesstraße und mit deutlich mehr Gerätschaften.
Am Ende bleibt: Hilden bekommt frischen Asphalt, einige Straßen bekommen vorübergehend Baustellenprogramm, und Autofahrerinnen und Autofahrer bekommen die Gelegenheit, ihre Geduld, Ortskenntnis und Parkkreativität zu trainieren. Vier Wochen lang wird gefräst, angepasst, gesperrt und asphaltiert. Danach dürfte es an mehreren Stellen wieder glatter laufen. Und das ist doch auch mal schön: eine Nachricht, bei der am Ende nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas auf die Straße gebracht wird.
Montag, 18. Mai 2026
18.5.2026: Die S1 macht ab 2028 wieder Diät: weniger Strecke, mehr Umstieg, maximale Pendler-Yoga-Erfahrung
Manche Nachrichten liest man und spürt sofort, wie irgendwo zwischen Hilden Süd und Düsseldorf Hauptbahnhof ein Coffee-to-go-Becher leise zu zittern beginnt. Die S1, diese treue, manchmal eigenwillige, aber im Grunde doch vertraute Lebensader für alle, die morgens Richtung Düsseldorf und abends wieder zurück ins echte Leben wollen, soll ab 2028 für etwa zweieinhalb Jahre nicht mehr bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren. Zweieinhalb Jahre. Das ist nicht mehr „kurz mal Bauarbeiten“, das ist eine Beziehungspause mit gemeinsamem Mietvertrag.
Der Grund klingt zunächst groß und wichtig: Gleisbauarbeiten, Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express, perspektivisch ein 15-Minuten-Takt, sechs Gleise zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hauptbahnhof. Das klingt nach Zukunft, Tempo und Infrastruktur mit Krawatte. Für Pendler bedeutet es aber erst einmal: Die S1 kommt von Süden nur noch bis Düsseldorf-Eller Mitte. Dort heißt es dann aussteigen, umsteigen, neu orientieren und innerlich den Satz sprechen, der im Nahverkehr längst zur rheinischen Meditation geworden ist: „Et kütt, wie et kütt.“
Ab Eller Mitte soll es mit der U75 weitergehen. Die S-Bahn braucht für die Strecke zum Hauptbahnhof normalerweise sieben Minuten, die Stadtbahn dreizehn. Das klingt auf dem Papier nach sechs Minuten Unterschied, also nach nichts, was man nicht mit einem kräftigen Seufzer ausgleichen könnte. In der Realität kommen aber Wartezeit, Umsteigezeit, Menschenmengen und die berühmte Frage dazu, ob man noch in die Bahn passt oder schon Teil der Türdichtung ist. Denn die Rheinbahn sagt offenbar selbst, dass die U75 die zusätzlichen Fahrgastströme allein nicht vollständig aufnehmen kann. Das ist ungefähr so beruhigend wie ein Restaurant, das sagt: „Wir freuen uns auf Ihre Hochzeitsgesellschaft, haben aber nur drei Stühle.“
Besonders pikant: Viele Pendler erinnern sich noch an die Sperrung der S1 im Jahr 2025. Damals war die Strecke zwischen Mai und November dicht, und wer das überstanden hat, trägt seither vermutlich eine unsichtbare Auszeichnung am Revers: „Ich war dabei, als Schienenersatzverkehr noch Charakterbildung hieß.“ Nun also der nächste große Akt. Die Bahn erklärt, dass man die Arbeiten nicht einfach zusammenlegen konnte, weil es 2025 vor allem um Stellwerkstechnik in Solingen ging und der kommende Umbau andere Bereiche betrifft. Das mag technisch völlig nachvollziehbar sein. Emotional klingt es für den durchschnittlichen Pendler trotzdem wie: „Ihre Waschmaschine ist repariert, aber 2028 bauen wir Ihnen noch kurz das Badezimmer aus.“
Damit die S1 in Düsseldorf-Eller Mitte überhaupt enden kann, muss sie dort auch wenden können. Denn Züge, so lernt man, können nicht einfach auf freier Strecke umdrehen wie ein genervter Autofahrer an einer Baustellenampel. Deshalb sollen Signaltechnik angepasst und eine neue Weichenverbindung eingebaut werden. Man ahnt: Bevor die große Sperrung kommt, braucht es erst einmal Bauarbeiten für die Bauarbeiten. Der deutsche Nahverkehr ist eben ein sehr gründliches Ökosystem. Selbst die Umleitung hat eine Vorbesprechung.
Und als wäre das alles noch nicht genug, stehen schon vor 2028 weitere Vollsperrungen im Kalender. Vom 30. Oktober bis 27. November 2026 zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Oberbilk, vom 14. Mai bis 9. Juli 2027 zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Solingen Hauptbahnhof und dann noch einmal vom 21. Juli bis 13. Oktober 2028 auf derselben Strecke. Wer also dachte, die S1 gönne sich bis zur großen Sperrung erst einmal Ruhe, hat den Humor der Infrastruktur unterschätzt. Sie wärmt sich nur auf.
Für Hilden ist das natürlich mehr als eine Randnotiz. Die S1 ist für viele nicht irgendeine Linie, sondern der tägliche Taktgeber zwischen Arbeit, Schule, Terminen, Arztbesuchen, Altbiernähe und Heimweg. Wenn diese Verbindung wackelt, wackelt ein Stück Alltag mit. Plötzlich wird aus „Ich fahre eben nach Düsseldorf“ eine kleine Expedition mit Umstieg, Geduldstest und der Frage, ob man besser schon am Vorabend losgeht. Vielleicht entstehen bis dahin neue Pendler-Rituale: gemeinsames U75-Dehnen in Eller Mitte, Tauschbörsen für Sitzplätze oder Selbsthilfegruppen mit dem Titel „Ich wollte nur zum Hauptbahnhof“.
Natürlich soll am Ende alles besser werden. Mehr Gleise, mehr Kapazität, schnellerer RRX, modernerer Verkehr. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht ist, dass der Weg dorthin offenbar über Eller Mitte führt. Und zwar länger, als manche Ehen halten, aber hoffentlich kürzer als die Baugeschichte mancher deutscher Großprojekte.
Bis dahin bleibt den Hildener Pendlern nur, sich mental vorzubereiten. Vielleicht mit Humor, vielleicht mit einem besonders großen Thermobecher, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man im Rheinland schon immer zwei Dinge gebraucht hat: Geduld und einen Plan B. Ab 2028 kommt noch ein drittes dazu: sportliche Umsteigefähigkeit in Düsseldorf-Eller Mitte.
Sonntag, 17. Mai 2026
17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen
Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.
Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.
Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.
Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.
Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.
Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.
Samstag, 16. Mai 2026
16.5.2026: 500 Moorschnucken und ein Halleluja in der Hildener Heide
Es gibt Nachrichten, die kommen leise daher, und dann gibt es Nachrichten mit 500 Schafen und 20 Ziegen. Hilden hat sich eindeutig für Variante zwei entschieden. Ab dem 15. Mai ist in der Hildener Heide wieder tierisch was los, denn die Moorschnucken sind da. Nicht etwa als Betriebsausflug, nicht als Woll-Pop-up-Store und auch nicht, weil sie sich bei Google Maps verlaufen haben, sondern aus beruflichen Gründen: Landschaftspflege.
Während wir Menschen bei Gartenarbeit schon nach drei Brennnesseln und einem widerspenstigen Löwenzahn dramatisch Richtung Liegestuhl taumeln, erledigen die Moorschnucken ihren Job mit stoischer Gelassenheit. Sträucher? Weg. Kräuter? Her damit. Junge Triebe? Snack. Heidekraut? Haute Cuisine. Was für uns nach anstrengendem Naturschutz klingt, ist für die Schafe offenbar ein gut sortiertes Buffet mit Frischluftgarantie.
Die Heideflächen rund um den Hildener Sandberg sind im Kreis Mettmann etwas ganz Besonderes. Ohne Pflege würden sie langsam zuwachsen, und dann hätten Moorlilie, Feld-Sandlaufkäfer und andere Fans offener Landschaften irgendwann ein echtes Immobilienproblem. Die Moorschnucken verhindern das, indem sie genau das tun, was Schafe eben tun: fressen, weitergehen, wieder fressen und dabei aussehen, als hätten sie den Sinn des Lebens längst verstanden.
Besonders sympathisch ist ja, dass die Moorschnucke eine eher kleine, hornlose Schafrasse ist. Also gewissermaßen die freundliche Kompaktklasse unter den Schafen. Robust, genügsam und bestens geeignet für karge Moorlandschaften und Magerwiesen. Während andere vielleicht nach Cappuccinohafer und Dinkelheu fragen würden, nimmt die Moorschnucke, was da ist: Heidekraut, Moorgräser, Moose, Pilze, Beerensträucher und junge Birken. Regional, saisonal, konsequent nachhaltig. Da kann jeder hippe Foodblog einpacken.
Dass es in Deutschland nur noch rund 3000 Moorschnucken gibt und die Rasse als gefährdet gilt, macht ihren Besuch in Hilden noch besonderer. Man könnte also sagen: Da zieht nicht einfach irgendeine Schafherde durch die Heide, sondern ein wolliger Kulturschatz auf vier Beinen. Begleitet wird die Truppe von Ziegen, was vermutlich daran liegt, dass jede gute Reisegruppe ein paar Charakterköpfe braucht.
Weniger lustig ist allerdings das Thema frei laufende Hunde. In den vergangenen Jahren kam es offenbar immer wieder zu Vorfällen, bei denen Schafe verletzt oder gerissen wurden. Und so sehr man Hunde liebt: Eine Moorschnucke ist kein Spielkamerad, kein Quietscheball und auch kein bewegliches Trainingsgerät für den Jagdinstinkt. Deshalb werden während der Beweidung einzelne Wege gesperrt, und an bestimmten Stellen gilt Leinenpflicht. Die grünen und roten Hundeplaketten zeigen, wo Bello frei laufen darf und wo er bitte auf dem Weg bleiben soll. Man könnte sagen: Ampelsystem für Vierbeiner, nur ohne Hupkonzert.
Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger ist der Besuch der Herde trotzdem ein kleines Naturschauspiel. Wo sonst bekommt man schon 500 professionelle Landschaftspfleger mit eingebauter Wolljacke zu sehen? Die Tiere sind ungefähr eine Woche in der Hildener Heide unterwegs, bevor sie weiter in die Ohligser Heide ziehen. Ein bisschen wie eine Tournee, nur ohne Merchandisingstand. Wobei: Moorschnucken-T-Shirts hätten vermutlich Potenzial.
Also: Wer in den nächsten Tagen durch die Hildener Heide spaziert, darf sich freuen. Auf Heide, auf Natur, auf Ziegen mit vermutlich eigener Meinung und auf eine Schafherde, die ganz nebenbei zeigt, dass Naturschutz manchmal weder laut noch kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, wenn 500 Moorschnucken auftauchen und sagen: „Mäh. Wir übernehmen das.“
Freitag, 15. Mai 2026
15.5.2026: Grundsteuer in Hilden: Wenn alle zuständig sind, aber keiner den Kassenbon haben will
In Hilden geht es mal wieder um die Grundsteuer. Das ist dieses Thema, bei dem viele Menschen schon beim ersten Satz innerlich aussteigen, aber spätestens beim Steuerbescheid wieder hellwach werden. Denn Grundsteuer klingt zwar nach Verwaltung, Hebesatz und kommunaler Finanzmechanik, fühlt sich am Ende aber sehr praktisch an: im Portemonnaie.
Ludger Reffgen, Fraktionsvorsitzender der BA/Piraten im Hildener Stadtrat, sieht sich nun durch den Deutschen Städtetag bestätigt. Der fordert in der verfahrenen Lage Unterstützung vom Land. Und Reffgen sagt sinngemäß: Genau das habe man doch kommen sehen. Hilden und andere Städte hätten sich bei der Festsetzung der Grundsteuer mit differenzierten Hebesätzen für Wohnen und Nichtwohnen auf Empfehlungen des Landes eingelassen. Dann gab es vor Gericht eine Schlappe. Und jetzt stehe die Kommune da wie jemand, der nach Navi gefahren ist, im Feldweg steckt und vom Navi hört: „Bitte wenden, wenn möglich.“
Die Sache ist deshalb so heikel, weil die Grundsteuer jeden betrifft. Eigentümer zahlen sie direkt, Mieter meistens indirekt über die Nebenkosten. Sie ist also keine abstrakte Rechenübung für Menschen mit Aktentasche und Tabellenliebe, sondern eine dieser Abgaben, die am Ende erstaunlich zuverlässig ihren Weg in fast jeden Haushalt findet. Man kann sie ignorieren wie den Stapel Papier auf dem Küchentisch, aber irgendwann liegt sie ganz oben.
Reffgen findet, das Land dürfe sich nun nicht einfach aus der Verantwortung schleichen. Das Bild ist hübsch: Das Land, wie es mit hochgezogenem Kragen, Sonnenbrille und unauffälligem Schritt Richtung Ausgang geht, während die Städte mit den Steuerbescheiden in der Hand zurückbleiben. „War was?“ fragt das Land möglicherweise noch, während im Rathaus jemand hektisch nach der juristisch haltbaren Lösung sucht.
Besonders ärgert Reffgen offenbar, dass der Hildener Stadtrat sich nicht einmal darauf verständigen konnte, den Bürgermeister damit zu beauftragen, dem Finanzminister die Erwartungshaltung der Stadt klarzumachen. Das klingt nach einem Satz, der in seiner ganzen kommunalpolitischen Schönheit nur in deutschen Rathäusern entstehen kann. Übersetzt heißt es ungefähr: Man hätte gemeinsam sagen können, dass Düsseldorf sich bitte bewegen soll. Stattdessen bewegte sich wohl vor allem die parteipolitische Grundsortierung.
Und genau da wird es typisch lokalpolitisch. Denn wenn es kompliziert wird, entdecken alle Seiten plötzlich sehr sorgfältig, was aus ihrer jeweiligen Perspektive „sachlich geboten“ ist. Die einen wollen Druck aufs Land machen, die anderen sind vorsichtig, wieder andere prüfen, vertagen oder schauen so ernst, dass man fast glaubt, irgendwo müsse gleich ein Flipchart erscheinen. Währenddessen fragen sich Bürgerinnen und Bürger, ob am Ende wieder sie diejenigen sind, die für das politische Durcheinander zahlen. Spoiler: Diese Sorge ist im Zusammenhang mit Steuern selten völlig aus der Luft gegriffen.
Dabei wäre es durchaus verständlich, wenn die Stadt beim Land anklopft. Wenn Kommunen einer Empfehlung folgen und anschließend juristisch im Regen stehen, darf man schon erwarten, dass der Schirm nicht plötzlich „leider nicht zuständig“ sagt. Natürlich ist Verwaltung selten so einfach wie ein kaputter Wasserkocher mit Garantiebeleg. Aber wer politische Leitplanken aufstellt, sollte nachher nicht überrascht tun, wenn jemand gegen eine davon gefahren ist.
Die Grundsteuer bleibt damit ein Thema, das niemand besonders liebt, aber alle betrifft. In Hilden steht nun die Frage im Raum, wer die Verantwortung übernimmt, wer Druck macht und wer am Ende nur bedauernd nickt. Reffgen jedenfalls will das Land nicht aus der Nummer entlassen. Und man kann ihm zumindest in einem Punkt schwer widersprechen: Schulterzucken ist keine Finanzpolitik. Es ist höchstens Gymnastik für Menschen, die keine Rechnung bezahlen möchten.
Donnerstag, 14. Mai 2026
14.5.2026: Hildens Fahrradboxen: Graue Container mit großem Sicherheitsbedürfnis
In Hilden stehen sie herum wie kleine Garagen für Zweiräder, nur ohne Rasenteppich und ohne Gartenzwerg: die Fahrradboxen an den beiden S-Bahnhöfen. Insgesamt 181 Stück hat die Stadt dort aufgestellt, damit Pendlerinnen und Pendler ihr Rad nicht einfach dem Schicksal, dem Wetter oder besonders kreativen Gelegenheitsdieben überlassen müssen. Man könnte auch sagen: Hilden bietet betreutes Wohnen fürs Fahrrad.
Im Jahr 2025 waren 90 dieser 181 Boxen belegt. Das klingt zunächst nach einer sehr ordentlichen Zahl, bis man merkt: Das ist knapp die Hälfte. Also stehen ungefähr genauso viele Boxen leer, wie belegt sind. Hilden hat damit nicht nur Fahrradboxen, sondern auch stille Reservekapazitäten für eine mögliche Zweirad-Invasion. Sollte also eines Tages halb Düsseldorf beschließen, mit dem Rad nach Hilden zu kommen und von dort die S-Bahn zu nehmen: Wir wären vorbereitet.
Besonders beliebt ist offenbar der S-Bahnhof Hilden Süd. Dort stehen 113 Boxen, also der Löwenanteil der grauen Mini-Bunker. Im Jahr 2025 waren davon 68 belegt, was einer Auslastung von 60 Prozent entspricht. In diesem Jahr sind es bisher 60 Boxen, also 53 Prozent. Das ist zwar etwas weniger, aber immer noch deutlich mehr Betrieb als an manchem Montagmorgen im heimischen Kopf. Am S-Bahnhof Hilden selbst sieht es dagegen gemütlicher aus. Dort gibt es 67 Fahrradboxen, 2025 waren davon 22 belegt. Eine Auslastung von 32 Prozent. In diesem Jahr sind es immerhin 30 belegte Boxen, also 45 Prozent. Der Bahnhof Hilden holt also auf. Langsam, aber entschlossen. So wie jemand, der sein Fahrrad aus dem Keller trägt und dabei feststellt, dass beide Reifen platt sind.
Preislich ist das Angebot durchaus charmant. Eine Fahrradbox kostet 40 Euro im Jahr oder 3,50 Euro im Monat. Das ist weniger als viele Menschen inzwischen für einen Kaffee bezahlen, wenn sie aus Versehen „Hafermilch“, „extra Shot“ und „irgendwas mit Karamell“ sagen. Dazu kommt einmalig eine Kaution von 50 Euro. Dafür bekommt das Fahrrad ein eigenes kleines Zuhause am Bahnhof. Sicher, trocken und vermutlich mit mehr Privatsphäre als manche Großstadtwohnung.
Die Idee dahinter ist natürlich sinnvoll: Wer mit dem Rad zum Bahnhof fährt und dann mit der S-Bahn weiterpendelt, möchte sein Fahrrad am Abend möglichst vollständig wiederfinden. Also mit Sattel, Rädern und dem guten Gefühl, dass der Tag wenigstens in dieser Hinsicht keine Überraschung bereithält. Fahrradboxen sind da die bodenständige Antwort auf die große Frage moderner Mobilität: Wie komme ich umweltfreundlich zur Bahn, ohne mein Rad anschließend in mehreren Einzelteilen bei Kleinanzeigen wiederzuerkennen?
Dass die Auslastung zwischen den beiden Bahnhöfen so unterschiedlich ist, zeigt: Auch Fahrradboxen haben offenbar Lage, Lage, Lage. Hilden Süd scheint für viele Radpendler der attraktivere Standort zu sein. Vielleicht liegt es an den Wegen, vielleicht an den Gewohnheiten, vielleicht auch daran, dass manche Menschen zu ihrem Bahnhof eine Beziehung pflegen wie andere zu ihrem Lieblingsbäcker. Man geht eben dahin, wo man sich auskennt. Und wo das Rad nachts nicht frieren muss.
Wer nun Lust bekommen hat, seinem Fahrrad ein eigenes abschließbares Appartement zu gönnen, kann sich an das Bürgerbüro der Stadt Hilden wenden. Dort wartet vermutlich kein Makler mit Exposé und Grundriss, aber immerhin eine praktische Lösung für alle, die ihr Rad sicher unterbringen möchten. Und seien wir ehrlich: Für 40 Euro im Jahr findet man in Hilden sonst kaum noch etwas mit Tür, Dach und Bahnhofsnähe.