Dienstag, 24. Februar 2026

24.2.2026: Wenn der Bus dich fragt, wie er künftig fahren soll

Es gibt Nachrichten, die klingen erst mal so, als hätte sie ein sehr pflichtbewusster Aktenordner geschrieben – und dann merkt man plötzlich: Moment, das betrifft ja mein echtes Leben. Genau so eine ist die Sache mit dem neuen Nahverkehrsplan im Kreis Mettmann. Der ÖPNV soll „weiterentwickelt“ werden, und diesmal heißt das nicht nur: „Wir haben das Wort *Mobilitätswende* in ein PDF gedruckt“, sondern: Bürgerinnen und Bürger aus Hilden, Haan und dem ganzen Kreis dürfen wirklich mitreden. Ja, richtig gelesen: Du, ich, die Person, die morgens um 07:12 Uhr mit einem Blick, der zwischen Hoffnung und Resignation pendelt, an der Haltestelle steht – wir alle dürfen sagen, was uns am Busverkehr nervt, fehlt oder träumen lässt.

Das Ganze läuft über eine Onlinebeteiligung auf einer interaktiven Karte. Das ist im Grunde wie Google Maps, nur mit dem Feature „Hier wäre ein Bus nett“. Man kann Hinweise und Anregungen eintragen – wahrscheinlich sowas wie: „Bitte eine Verbindung, die nicht nur existiert, wenn Merkur rückläufig ist“ oder „Diese Haltestelle könnte mehr sein als ein schiefer Pfosten und ein Schild, das aussieht, als hätte es seit 1998 niemand mehr angefasst“. Wer schon mal versucht hat, in der App herauszufinden, ob der Bus *wirklich* kommt oder nur *philosophisch* existiert, wird sich freuen: Jetzt ist die Zeit, das freundlich, aber bestimmt zu thematisieren.

Mitmachen kann man bis einschließlich 31. März. Das ist dieses herrliche Zeitfenster, in dem man sich vornimmt, „morgen“ etwas einzutragen – und dann am 31. März um 23:48 Uhr panisch die Karte öffnet, während man sich denkt: *Wenn ich jetzt nichts sage, fährt der Bus 2028 immer noch nur jeden zweiten Dienstag.* Denn ja: Der Nahverkehrsplan soll 2028 fertig werden. 2028! Das ist ungefähr die Zeitspanne, in der andere Menschen ein Tiny House bauen, ein Studium abschließen und nebenbei noch lernen, Sauerteig am Leben zu halten. Beim ÖPNV heißt das: Wir denken gründlich nach. Sehr gründlich. Auf „ich zieh erst mal eine Jacke an“-Niveau gründlich. Aber fair: So ein Plan legt auch fest, welche Linien es gibt, wie oft sie fahren, wann, wie Umstiege funktionieren und wie barrierefrei das System wird. Also quasi die Frage, ob man mobil ist – oder nur sportlich im Sprint auf den Anschluss.

Die Beiträge aus der Karte werden gesichtet, bewertet und mit anderen Anregungen verglichen. Das klingt ein bisschen wie ein großes Casting: „Und jetzt bitte alle Wünsche einmal vortanzen. Danke. Wir melden uns.“ Danach werden Schwerpunkte abgeleitet und, wenn möglich, zu Maßnahmen weiterentwickelt. Dieses „wenn möglich“ ist der Satz, der in Deutschland immer mit einem milden Lächeln ausgesprochen wird, während im Hintergrund ein Taschenrechner leise weint. Denn natürlich spielen auch Wirtschaftlichkeit und finanzielle Spielräume eine Rolle. Übersetzt heißt das: „Ja, wir hätten auch gern überall alle fünf Minuten einen Bus mit beheizten Sitzen und kostenloser Suppenstation, aber…“

Trotzdem: Es ist selten, dass Verwaltung und Alltag so direkt Händchen halten dürfen. Und ganz ehrlich – wenn wir schon jahrelang an Haltestellen über das Universum, die Zeit und die Unzuverlässigkeit von Fahrplänen philosophieren, können wir auch einmal offiziell sagen: „Hier drückt der Schuh. Und zwar der mit der durchgelaufenen Sohle.“ Vielleicht wird am Ende nicht jeder Wunsch erfüllt, aber jede Rückmeldung ist ein kleiner Zettel am Kühlschrank der Planung: *Denk an die Menschen, nicht nur an die Tabellen.*

Also: Wer in Hilden, Haan oder sonstwo im Kreis Mettmann unterwegs ist und sich schon mal dachte „Das geht doch besser“, darf jetzt genau das eintragen – auf der Karte, mit Gefühl, mit Fakten, mit einem Hauch Humor, wenn’s hilft. Und wer weiß: Vielleicht fährt der Bus 2028 nicht nur – sondern sogar so, wie wir es brauchen. Und falls nicht, haben wir es wenigstens schriftlich versucht. Das ist im Rheinland ja auch schon fast Tradition.

Sonntag, 22. Februar 2026

22.2.2026: Wer räumt eigentlich das Granulat wieder weg? (Oder: Die Steinzeit kehrt zurück)

Es gibt Dinge, die kommen im Winter ganz selbstverständlich mit ins Haus: nasse Jacken, klamme Socken, diese eine Mütze, die nach drei Minuten aussieht wie ein zerknülltes Pausenbrot. Und dann gibt es Granulat. Dieses unscheinbare, hartnütige „Ich war nur kurz draußen“-Souvenir, das sich nicht einfach an die Garderobe hängt, sondern direkt den Weg in die Wohnung sucht – bevorzugt in Rudelbildung und mit Vorliebe für Parkett.

Dabei fing alles so vernünftig an. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen großzügig gestreut, um uns alle vor dem großen Winterklassiker „Ausrutschen, elegant rudern, würdevoll fallen“ zu bewahren. Haltestellen, Bahnhofsbereich, viel begangene Wege – überall lag dieses kleine Sicherheitsversprechen aus Steinchen, das uns signalisierte: Heute nicht, Knochenbruch, heute nicht.

Jetzt ist die Frostperiode vorbei. Die Eiszeit hat sich verabschiedet, Schnee und Glätte sind nur noch eine ferne Erinnerung, und wir könnten uns eigentlich wieder entspannt dem Frühjahrsprogramm widmen: Fenster auf, Sonne rein, gute Laune an. Wäre da nicht das Granulat. Es ist geblieben. Wie ein Besuch, der nach dem letzten Kaffee sagt: „Ach, ich bleib noch ein bisschen sitzen“, und dann drei Wochen später anfängt, deine Pflanzen zu gießen.

Denn diese kleinen Körner haben Talente. Sie setzen sich in Schuhsohlen fest, als hätten sie dort einen Mietvertrag. Man tritt einmal kurz an der Haltestelle auf und zack – hat man eine mobile Kiesgrube dabei. Und wer nicht aufpasst, verteilt das Zeug über Hausflur, Teppich und Wohnzimmer, bis es klingt, als würde man in der Wohnung eine sehr kleine Baustelle betreiben. Besonders fies: empfindliche Böden wie Parkett reagieren auf die scharfkantigen Steinchen ungefähr so begeistert wie ein Smartphone auf einen Badewannen-Ausflug.

Und jetzt die Frage, die in Hilden offenbar gerade viele beschäftigt: Wer räumt das eigentlich weg?

Die Stadt lässt sinngemäß wissen: Das Granulat könne „noch eine Zeit lang liegen bleiben“. Es verschwinde nicht automatisch, sondern werde durch Regen, Wind und den täglichen Fußgängerverkehr nach und nach… nun ja… „verteilt“. Das ist eine herrlich beruhigende Formulierung, die klingt, als würde sich das Problem irgendwann von selbst lösen – so wie ein Puzzle, das sich nachts heimlich zusammensetzt. In der Praxis bedeutet „verteilt“ allerdings meistens: Es ist überall. Auch da, wo es vorher nicht war. Vor allem da.

Gleichzeitig heißt es, das Entfernen sei grundsätzlich Teil der regulären Reinigungspflicht. Und da wird’s richtig spannend, denn laut Straßenreinigungssatzung sind oft die angrenzenden Grundstückseigentümer zuständig – also die Anlieger. Mit anderen Worten: Sobald keine Glättegefahr mehr besteht, darf man nicht nur innerlich den Frühling begrüßen, sondern auch äußerlich den Besen.

Das Problem: Besonders auffällig liegt das Granulat gerade auf Flächen, die für viele erst mal nach „öffentlich“ aussehen – Bushaltestellen, Bürgersteige an Schulen, Bereiche, bei denen man instinktiv denkt: „Da kommt bestimmt gleich jemand mit so einer großen Kehrmaschine und macht zack-zack.“ Doch auch hier der Hinweis: Häufig seien diese Bereiche Teil der regulären Gehwegreinigung und damit in der Zuständigkeit der jeweiligen Anlieger. Und ob und wann die Stadt selbst tätig wird, hänge vom Standort und den geltenden Zuständigkeiten ab.

Das ist ungefähr so klar wie die Bedienungsanleitung eines neuen Druckers. Für Bürgerinnen und Bürger ist kaum nachvollziehbar, wer konkret handeln muss und wann. Und genau da entsteht diese besondere Mischung aus Ratlosigkeit und leichtem Ärger, die man sonst nur kennt, wenn man versucht, einen Karton zusammenzufalten, der „leicht zu öffnen“ sein soll.

Natürlich: Sicherheit im Winter ist wichtig. Niemand wünscht sich eine Stadt voller unfreiwilliger Eislauf-Kürprogramme. Aber wenn das Eis weg ist, wäre es schon charmant, wenn auch die Hinterlassenschaften der Eiszeit nicht mehr monatelang als städtische Dauerdekoration liegen bleiben. Eine klare, transparente Regelung – am besten in einer Sprache, die nicht nach „Interpretationsspielraum“ klingt – würde helfen. Denn wenn Zuständigkeiten so formuliert sind, dass sich im Zweifel niemand eindeutig verantwortlich fühlt, bleibt am Ende vor allem eines zurück: Granulat. Und das Gefühl, dass Hilden heimlich zum Freilichtmuseum der Kieselsteine wird.

Bis dahin gilt: Schuhe ausklopfen, Fußmatte ernst nehmen, Besen bereithalten – und beim nächsten Spaziergang einfach mal freundlich zurückgrüßen, wenn es unter den Sohlen knirscht. Es könnte sein, dass das Granulat dich längst als Familienmitglied betrachtet.

Samstag, 21. Februar 2026

21.2.2026: Hilden hebt ab: Wenn zwei Sportvereine „Ja“ sagen (und 5000 Mitglieder schon mal das Konfetti zählen)

In Hilden passiert gerade das, was sonst nur in romantischen Komödien oder bei besonders ambitionierten Vereinsfesten vorkommt: Zwei Schwergewichte der Itterstadt – der TuS Hilden und die Hildener AT (HAT) – schauen sich tief in die Augen, räuspern sich kurz und sagen sinngemäß: „Du… wollen wir das wirklich zusammen durchziehen?“ Zehn Monate Projektarbeit später ist die Antwort überraschend oft: „Ja, wir haben mehr gemeinsam, als wir dachten.“ Und jetzt wird’s ernst: finale Fusionsphase. Das klingt ein bisschen nach „Endgegner“, ist aber vermutlich eher „Level 10: Satzungsrecht und Gefühle“.

Die Ausgangslage ist schon filmreif: Im April letzten Jahres haben die Mitglieder beider Vereine ihren Vorständen offiziell den Auftrag gegeben, über eine mögliche Fusion zu sprechen. Nicht so ein unverbindliches „Wir müssen mal einen Kaffee trinken“, sondern richtig mit Mandat, Protokoll und dem unausgesprochenen Vereinsmotto: „Wenn wir das machen, dann ordentlich.“ Das Ziel: ein Großverein mit rund 5000 Mitgliedern. Der TuS bringt 1450 Sportbegeisterte mit, die HAT 3700 – zusammen also eine Größenordnung, bei der man in Hilden vermutlich schon beim Bäcker einen eigenen Warteschlangenmanager braucht.

Und weil Tradition im Sportverein ungefähr so wichtig ist wie Tape im Erste-Hilfe-Kasten, werden auch die Lebensläufe der beiden Kandidaten nicht versteckt, sondern stolz auf den Tisch gelegt: Der TuS, gegründet 1896, wird gerade 130 Jahre alt – praktisch ein Verein im besten Alter, der immer noch locker aus dem Stand den Spagat zwischen „damals“ und „jetzt“ hinbekommt. Die HAT ist sogar noch ein bisschen älter und bringt 162 Jahre Sportgeschichte mit – da hat man schon so manchen Modetrend und vermutlich auch einige Frisurenkrisen im Turnen überlebt. Beide haben also genug Vergangenheit, um beim Vereinsabend Anekdoten bis nach Mitternacht zu liefern.

Der Grund für das Ganze ist dabei erstaunlich unromantisch und genau deshalb so nachvollziehbar: Größe ist attraktiv. Für Übungsleiter, für Sponsoren, fürs Standing in der Stadt. Frei nach dem Prinzip „Je größer der Verein, desto eher ruft jemand zurück.“ TuS-Chef Michael Wegmann bringt es auf die Formel „Je größer, desto interessanter“, und HAT-Vorsitzender Sven Reuter sieht vor allem das Potenzial, Hilden sportlich wieder ein Stückchen mehr auf die Landkarte zu setzen. Eine Fusion wäre also nicht nur eine neue Satzung, sondern auch eine Art sportpolitischer Verstärker: mehr Gewicht, mehr Sichtbarkeit, mehr „Hallo, wir sind auch noch da!“.

Jetzt kommt der Teil, den man von außen gerne unterschätzt: Fusion ist nicht nur Excel, sondern auch Emotion. Zehn Monate lang haben Projektgruppen Vereinsstrukturen, Sportangebote, Finanzen, Ehrenamt und wahrscheinlich auch die große Frage „Wie nennen wir das Kind eigentlich?“ durchgekaut. Das Ergebnis: gemeinsame Werte, ähnliche Ziele, viel Wille, den Sport in Hilden „zukunftssicher, vielfältig und attraktiv“ zu machen. Wenn zwei Vereine nach zehn Monaten Workshops nicht komplett entnervt auseinanderlaufen, ist das im Grunde schon ein olympisches Zeichen.

Inzwischen haben beim TuS Vorstand und Abteilungsleiter grünes Licht gegeben, bei der HAT hat das Präsidium einstimmig zugestimmt. Das ist der Moment, in dem man merkt: Das ist kein loses Gedankenspiel mehr, das ist die Sorte Plan, bei der irgendwann jemand wirklich einen Vertrag ausdruckt. Genau da sind sie jetzt: Satzungsrechtliche Fragen werden geprüft, der Landessportbund berät, und irgendwann wird ein Fusionsvertrag geschrieben. Wer bei „satzungsrechtliche Fragen“ schon gähnt, hat noch nie erlebt, wie leidenschaftlich Menschen über Formulierungen wie „Der Vorstand besteht aus…“ diskutieren können. Vereinsrecht ist die Bundesliga des Detailstreits, nur mit mehr Kaffee und weniger Pyrotechnik.

Auch organisatorisch ist das Ganze spannend: Die HAT hat ein ehrenamtliches Präsidium und dazu drei hauptamtliche Vorstandsmitglieder – klingt ein bisschen nach „Wir haben einen Maschinenraum und eine Brücke“. Beim TuS arbeitet der Vorstand ehrenamtlich – klassisch, bodenständig, viel Herzblut. Wenn diese Systeme zusammenfinden, entsteht entweder ein wunderbar effizientes Hybridmodell oder der erste Verein, der gleichzeitig „Bitte füllt das Formular aus“ und „Ach, komm, wir regeln das schnell so“ in seine DNA schreibt. Wobei: In Wahrheit werden sie das natürlich sauber zusammenführen. Hoffentlich. Also… vermutlich. Also: mit Projektgruppe.

Damit niemand später sagt „Davon hab ich ja gar nichts gewusst!“, gibt’s am 20. März eine gemeinsame Informationsveranstaltung. Der Termin ist praktisch das große Vereins-Äquivalent zum Familienrat, bei dem alle Fragen auf den Tisch dürfen: Sorgen, Nöte, Befürchtungen – und natürlich Ideen. Denn am Ende entscheiden nicht Vorstände, sondern Mitglieder, und zwar in einer separaten Mitgliederversammlung, die noch geplant wird. Man spürt förmlich, wie im Hintergrund bereits Stühle gezählt, Mikrofone getestet und die klassische Frage vorbereitet wird: „Kann man das vielleicht auch so machen, dass…?“ (Spoiler: Man kann. Irgendwie. Mit Arbeitskreis.)

Parallel läuft schon die leise, aber entscheidende Arbeit: Vorstandsmitglieder und Abteilungsleiter bringen Volleyballer, Schwimmer, Leichtathleten und Turner zusammen – eine Art sportliche Kennenlernparty, nur ohne peinliche Namensschilder, dafür mit sehr ernsten Gesprächen über Ziele, Ambitionen und die Frage, ob man künftig beim Sommerfest dieselbe Wurstbude teilt. Und weil Transparenz heutzutage das Zauberwort ist, betonen beide Vereine den „transparenten Dialog“ als Kernbestandteil des Prozesses. Übersetzt heißt das: Bitte sprecht mit uns, bevor ihr euch im Flurfunk eine eigene Netflix-Serie daraus macht.

Wenn alles gut läuft, beginnt am 1. Juli 2026 eine neue sportliche Ära in Hilden. Das ist ein Satz, der nach Feuerwerk klingt – aber in Vereinen bedeutet er vor allem: neue Logos, neue Abläufe, neue Zuständigkeiten, neue E-Mail-Verteiler und mindestens drei Menschen, die nachts um halb zwei denken: „Wo war nochmal diese Datei mit der Beitragsordnung?“ Gleichzeitig ist es aber auch eine echte Chance: mehr Schlagkraft, breiteres Angebot, bessere Möglichkeiten für Ehrenamt und Hauptamt, und vielleicht sogar ein Verein, der groß genug ist, um gleichzeitig Tradition zu leben und modern zu wirken, ohne dass jemand „Früher war alles besser“ ruft – na gut, das wird trotzdem jemand rufen. Aber dann eben in einem Verein mit 5000 Leuten, und das Echo ist entsprechend beeindruckend.

Und irgendwo zwischen all dem steht als Symbolbild die Tanzformation IndepenDance – passend, denn genau darum geht’s: unabhängig bleiben, aber gemeinsam stärker werden. Zwei Vereine, zwei Geschichten, ein möglicher neuer Name, der vermutlich noch nicht verraten wird, weil sonst sofort 47 Vorschläge und 48 Gegenargumente eintreffen. Doch egal, wie das Kind am Ende heißt: Wenn TuS und HAT wirklich fusionieren, wird das nicht nur ein Zusammenschluss – das wird ein Hildener Heimspiel mit Ansage.

Freitag, 20. Februar 2026

20.2.2026: Mit dem Auto ins Wasser: Wenn der Parkplatz mehr schluckt als du

Es gibt ja so Orte, die versprechen dir sofortige Entspannung: ein See, ein Schwimmbad, irgendwo plätschert es, irgendwo schreit ein Kind „Maaaamaaa, der ist gemein!“, und irgendwo sitzt jemand mit Pommes in der Sonne und hat das Leben verstanden. Und dann gibt es den Parkplatz davor. Der Parkplatz ist nämlich nicht Entspannung. Der Parkplatz ist das Bewerbungsgespräch fürs Naherholungsgebiet: „Guten Tag, was können Sie?“ – „Ich kann stehen.“ – „Sehr gut, das kostet dann aber auch.“

Am Unterbacher See war das früher so eine Art romantischer Kompromiss zwischen Mensch und Schranke: erste Stunde frei, ab der zweiten zwei Euro fürs Tagesticket. Das klang nach: „Komm, geh ruhig eine Runde, atme durch, du bist willkommen.“ Und irgendwo im Hintergrund stand schon der Satz in Stein gemeißelt, den man in Deutschland auf jedes Parkscheinautomaten-Display drucken könnte: Wenn man die Parkgebühr einmal hat, ist es eine wunderbare Sache, an der Preisschraube zu drehen. Tja. Preisschraube gedreht. Seit dem 1. Januar sind’s vier Euro ab der zweiten Stunde. Vier Euro! Das ist der Moment, in dem dein Spaziergang plötzlich nicht mehr nach Wald riecht, sondern nach Excel-Tabelle.

Natürlich gibt es dafür Gründe, und die sind sogar vernünftig: Investitionsstau, Pflege, Grün zurückschneiden, Schlaglöcher, Beschilderung – kurz: Dinge, die niemand sieht, wenn sie funktionieren, aber jeder fotografiert, wenn sie nicht funktionieren. „Das kostet Geld“, heißt es. Stimmt. Und trotzdem fühlt es sich für viele an, als würde man beim Eintritt in die Naherholung eine kleine Luxusschranke überwinden müssen. Besonders, wenn man fürs Rund-um-den-See-Programm mindestens 75 Minuten braucht und dann nach dem Zurückkommen feststellt: Du bist jetzt offiziell zu lange glücklich gewesen.

Die Reaktion? Deutschlandtypisch herrlich: Empörung, Unterschriften, Petition. „Faire Parkgebühren am Unterbacher See“ – das klingt so, als könnte man dem Parkplatz jetzt endlich mal beibringen, dass er nicht der eigentliche Hauptdarsteller ist. Fast 1200 Unterschriften, und irgendwo da draußen sitzt jemand, der wahrscheinlich nur mal kurz „eine Runde drehen“ wollte und jetzt in einer Bewegung gelandet ist. Naherholung als gesellschaftliches Großprojekt. Wenn das so weitergeht, gibt’s demnächst Diskussionsabende im Klappstuhlkreis: „Parkschein und Demokratie – wer parkt hier eigentlich wen?“

Und während am See die Parkgebühr wächst wie ein ambitionierter Liguster, schaut man sich natürlich um: Wie ist das denn bei uns in Hilden, Haan und Umgebung? Spoiler: Es gibt noch Oasen der Hoffnung. Das Hildorado zum Beispiel – du kannst da parken, und wenn du wirklich schwimmen gehst (also nicht nur aus Versehen die Rutsche fotografierst und wieder fährst), wird dein Ticket freigeschaltet und du kommst gratis raus. Das ist wie ein kleines Vertrauensmodell: „Beweise, dass du Wasser gesehen hast, dann lassen wir dich ziehen.“ Ich stelle mir das vor wie im Märchen: Wer wirklich gebadet hat, darf ohne Tribut das Land verlassen.

Auch das Waldbad Hilden ist so ein sympathischer Ort: Parkplätze kostenfrei, aber begrenzt. Das ist die klassische Freibad-Philosophie: Geld nehmen wir nicht, aber du musst kämpfen. Entweder gegen die Parkplatzknappheit oder gegen den inneren Schweinehund, der dir zuflüstert: „Fahr doch nochmal im Kreis, vielleicht tut sich was.“ Und das Bad sagt ganz lieb: Kommt am besten mit Fahrrad oder ÖPNV. Übersetzung: „Wenn ihr alle mit dem Auto kommt, wird’s hier ein Waldbad mit Waldparkplatz-Survival.“

In Haan wird’s dann urbaner: Hallenbad, komfortable Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage – und Tiefgaragen sind ja die Orte, an denen deine Orientierung stirbt, aber wenigstens geregelt. Bis 20 Minuten 50 Cent, bis 40 Minuten 1 Euro, bis eine Stunde 1,50 – jede weitere Stunde wieder 1,50, Tageskarte 8 Euro. Acht Euro! Da überlegst du dir beim Bahnenziehen plötzlich ganz genau, ob du wirklich noch „zum Auslockern“ zehn Minuten im Whirlpool brauchst oder ob das nicht auch Zuhause im Badezimmer geht, mit dem Duschkopf auf Massagestrahl und einer sehr optimistischen Fantasie.

Ganz anders das Vabali Spa: Pauschal 1,50 Euro fürs Parken, egal wie lange du bleibst. Das ist die Wellness-Version von: „Leg dich hin, vergiss die Zeit, wir machen das schon.“ Ich finde das konsequent. Wer schon freiwillig Entspannung bucht, sollte nicht zusätzlich auf dem Parkplatz die Pulsuhr kalibrieren müssen.

Im Badehaus Benrath wird’s dann wieder sehr deutsch und sehr fair: Parken kostet nach Zeit, aber wenn du die Quittung vorlegst, bekommst du einen Teil beim Eintritt zurück – maximal 1 Euro. Das ist ein bisschen wie: „Wir nehmen’s dir ab, aber nicht komplett, du sollst ja auch was lernen.“ Erziehung durch Teilerstattung. Man geht als besserer Mensch raus. Oder zumindest als Mensch mit einem Beleg, den man nicht verlieren darf, weil sonst aus dem Badetag ein Rechenfehler wird.

Und dann gibt’s die Helden der Übersicht: Neanderbad kostenfrei. Heidebad Solingen – ausgewiesene Parkplätze gratis. Stadtbad Langenfeld – großer Parkplatz gratis, nur bei Sommerwetter manchmal voll. Mona Mare Monheim – kostenfrei. Das sind die Orte, an denen du beim Aussteigen kurz innehältst und denkst: „Moment… niemand will Geld von mir? Ist das… erlaubt?“ Und dann gehst du schnell rein, bevor es jemand merkt.

Unterm Strich zeigt sich: Parken rund ums Schwimmen ist inzwischen ein eigenes Freizeitprogramm. Mal gratis mit Freischaltung, mal gratis mit „viel Glück“, mal Tiefgarage mit Stundentarif und Tageskarte, mal Pauschal-Entspannung, mal See mit Preisschraube und Petition. Und irgendwie passt das: Wasser fließt, Preise steigen, und der Mensch sucht weiterhin verzweifelt nach dem Ort, an dem er einfach nur planschen kann, ohne dass sein Auto in der Zwischenzeit eine kleine Mieteinnahme wird.

Vielleicht ist das die moderne Definition von Naherholung: Du fährst hin, parkst, zahlst oder nicht, regst dich kurz auf oder freust dich kurz, und dann gehst du schwimmen, um wieder runterzukommen. Ein perfekter Kreislauf. Fast so rund wie eine Seerunde – nur eben mit Schranke.

Donnerstag, 19. Februar 2026

19.2.2026: Große Ostereiersuche im Stadtpark: Wenn der Osterhase Schichtdienst hat

Es gibt ja Städte, die machen zu Ostern ein bisschen Deko ans Rathaus, stellen drei Tulpen auf und nennen das dann „Frühlingszauber“. Und dann gibt es Hilden. Hilden sagt: „Wir machen das ordentlich.“ Am Ostermontag, dem **6. April**, wird im Stadtpark nämlich wieder die **große Ostereiersuche** veranstaltet – und zwar nicht irgendwie, sondern **zum dritten Mal**. Das klingt schon fast nach einer Tradition mit Zertifikat, Stempel und einem kleinen Verwaltungsakt, der irgendwo leise applaudiert.

Eingeladen sind **Kinder bis 6 Jahre** – also genau das Alter, in dem man Ostern noch für eine seriöse Angelegenheit hält und nicht für „Schokolade im Gebüsch, naja“. Und weil Hilden nicht kleckert, sondern nestet, stehen gleich zwei Promis bereit: **Bürgermeister Claus Pommer** höchstpersönlich und – Trommelwirbel – **der Osterhase**. Ich finde ja, das ist eine wunderbare Kombination: Der Bürgermeister für die feierliche Ansprache („Wir füllen den Park mit Kinderlachen!“) und der Hase fürs operative Geschäft („Ich hab da hinten noch ein Ei in die Hecke gedrückt, viel Glück!“).

Damit das Ganze nicht im klassischen „Alle gleichzeitig losrennen, Eltern filmen, Kind verschwindet im Rhododendron“-Modus endet, wird in **drei Zeitfenstern** gesucht. Der Osterhase arbeitet also quasi mit **Terminplan**:

* **11:00 – 12:00 Uhr**
* **12:30 – 13:30 Uhr**
* **14:00 – 15:00 Uhr**

Man sieht ihn schon förmlich mit Klemmbrett und Pausenbrot: „So, Kindergruppe 1 war sehr motiviert, Gruppe 2 hatte gute Nest-Dichte, Gruppe 3 bitte nicht alle gleichzeitig ins Gebüsch, danke.“ Und in jedem Zeitraum gibt’s nicht nur viele Eier und Nester, sondern auch **jeweils ein goldenes Ei**. Ein goldenes Ei! Das ist die Art von Objekt, bei dem Kinder sofort eine Mischung aus Schatzjäger, Detektiv und professionellem Gebüschscanner werden. Man kann praktisch zusehen, wie sich die Augen auf „Eiersuche: Expert Level“ umstellen.

Der Bürgermeister sagt, es sei eine tolle Gelegenheit, gemeinsam Zeit zu verbringen und den Park mit fröhlichem Kinderlachen zu füllen. Das ist wirklich schön – und zugleich die diplomatische Umschreibung für: „Es wird laut, es wird wuselig, und irgendwo wird jemand sehr überzeugt rufen: *ICH HAB WAS!!!*“

Wichtig ist allerdings: **Ohne Anmeldung läuft nichts.** Wirklich nichts. Nicht mal ein kleines Probeeierschauen. Die **Teilnehmendenzahl ist begrenzt**, und deshalb ist die **vorherige Anmeldung zwingend erforderlich**. Los geht’s **ab Montag, 16. Februar**, online über die Ostereiersuche-Seite der Stadt. Dort wählt man auch den gewünschten Zeitraum aus, und wenn ein Zeitraum voll ist, ist er voll – Hilden ist an der Stelle überraschend hasenharte Realität: **Keine Anmeldung, keine Teilnahme.** Wer spontan mit „Wir gucken mal“ kommt, guckt dann eben – aber eher den Stadtpark von außen an.

Unterstützt wird das Ganze von Sponsoren, die sich sehr passend lesen: **Selgros**, **Geflügelhof Engel** und der **Snackpoint im Stadtpark**. Ich mag diese Zusammenstellung sehr, weil sie klingt wie die perfekte Dreifaltigkeit für Familien-Events: Versorgung, gute Laune und irgendwo mindestens ein Snack, der in Sekunden verschwindet.

Unterm Strich: Hilden macht Ostern so, wie man es sich als Kind wünscht – mit echter Suche, echten Nestern, echter Aufregung und einem goldenen Ei, das vermutlich für exakt 3,7 Sekunden „unfassbar“ ist, bevor jemand ruft: „Mama! Foto!“. Und ganz ehrlich: Wenn ein Stadtpark an einem Ostermontag voller kleiner Osterhasen ist, dann ist das vielleicht die beste Art von Stadtmarketing, die es gibt.

Dienstag, 17. Februar 2026

17.2.2026: Itter Itter Helau – und wer hat bitte den Himmel auf „Duschgel“ gestellt?

Hilden hat es wieder getan. Rosenmontag, die City geschniegelt, gebügelt und in Kostüme geworfen – und dann macht das Wetter diesen klassischen Move: erst so tun, als sei es nur ein bisschen „rheinische Frische“, und ab 13.30 Uhr plötzlich auf „Dauerregen Deluxe“ umschalten. Man konnte förmlich hören, wie irgendwo ein Wolkenbeauftragter kichernd den Regler nach rechts schiebt. Und mitten drin zwei Jecken, die die einzig logische Frage stellen: „Hast du das schlechte Wetter bestellt?“ – „Nein, ich nicht, du?“ Am Ende ist klar: In Hilden wird nicht nur Kamelle gesucht, sondern auch der Verantwortliche. Fahndung läuft. Vermutlich versteckt er sich unter der Brücke zwischen Lindenplatz und Hagelkreuz, weil da eh alle standen, die trocken bleiben wollten – wie in einem sehr fröhlichen, sehr bunten Survivalkurs.

Denn wenn man in Hilden etwas kann, dann ist es „trotzdem“. Trotzdem Regen. Trotzdem Wind. Trotzdem Frisuren, die nach fünf Minuten aussehen wie „vorher/nachher“-Fotos aus einer Shampoowerbung, nur in umgekehrt. Trotzdem 10.000, 12.000, gefühlt 11.998 Menschen (plus zwei, die den Wetter-Account sperren wollten), die sich nicht abhalten lassen, den Zoch zu gucken. 50 Startnummern, 18 Festwagen – und ungefähr 18.000 Regenponchos, die plötzlich in allen Farben des Karnevals leuchten, als hätte jemand einen Einhorn-Schirmständer explodieren lassen.

Und dann, pünktlich um 14.11 Uhr – als hätte der Himmel kurz auf die Uhr geguckt und gesagt: „Okay, Tradition ist Tradition“ – setzt sich der Zug vom Lindenplatz aus in Bewegung Richtung Mittelstraße, Ziel Fritz-Gressard-Platz. Und was passiert kurz danach? Der Regen lässt nach. Natürlich. Das ist dieses meteorologische Prinzip: Wenn alle einmal komplett durch sind, darf’s kurz freundlich werden, damit die Kostüme zur Geltung kommen und man nicht nur „nasser Panda mit Hut“ erkennt, sondern wirklich Eisbär, Cowboy, Rentier, Batman-Harlekin und „Michael Jackson, aber mit Zombies vorne und hinten“ – ein Outfit, das man auch erstmal technisch stabil hinbekommen muss, während man im Regen Moonwalkt. „Moonwalk in the Rain“ ist übrigens ein Satz, den man nur in Hilden so selbstverständlich sagen kann, ohne dass jemand fragt, ob das eine neue Sportart ist.

Apropos stabil: Besonders stabil wirkten diesmal die kreativen Schutzmaßnahmen. Regenschirme, Wohneingänge, selbstgebaute Zelte – und Wagen mit Dach galten plötzlich als Luxus wie First Class im Jecken-Express. Doppelt nützlich waren Schirme sowieso: oben Regen, unten Kamelle. Und während die Musikgruppen trommeln, als wollten sie die Wolken wegmassieren, gibt’s Samba im Hildener Regenwetter – brasilianische Klänge, rheinische Nässe, perfekte Fusion: „Copacabana trifft Hagelkreuz“.

Inhaltlich war der Zug auch wieder sehr Hilden: städtische Musikschule dabei, DRK mit 125-jährigem Jubiläum (Respekt – die haben vermutlich schon Rosenmontage erlebt, da war Regen noch mit Kohle befeuert), Stadtwerke mit einem riesigen Sonnenwagen – was eine fantastische Form von passiv-aggressiver Wetter-Kommunikation ist: „Wenn du schon nicht scheinst, dann fahren wir dich halt spazieren.“ Dazu Gruppen aus Unterbach, ein Caterer-Wagen, der Frischgemüse thematisiert (nichts schreit Karneval so wie… Vitamine im Konfettiregen), und als krönender Abschluss: das Prinzenpaar Prinz Hildanus Peter III und Prinzessin Hildania Silvia I, strahlend gegen den Regen, als hätten sie eine eingebaute LED-Laune. Und weil Hilden es ernst meint mit dem „Alle sind jeck“: Kinderprinzenpaar (Lotta und Malte) und Inklusionsprinzenpaar (Anna und Jannik) mit eigenen Wagen. Das ist nicht nur schön – das ist Rosenmontag, wie er sein soll: laut, bunt, herzlich und ein bisschen verrückt.

Die wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis des Tages kam allerdings aus der Kamelle-Forschung: Besonders beliebt waren Chips, Süßigkeiten und Popcorn. Popcorn! Das ist genial, weil man beim Fangen automatisch dieses Kino-Feeling hat: „Heute im Programm: Der Zoch – Teil 2026, mit starker Regen-Action und dramatischen Poncho-Momenten.“ Und laut CCH gingen pro Wagen etwa 700 bis 800 Kilo Wurfmasse raus. Das ist keine Menge, das ist ein logistisches Konzept. Da wird nicht geworfen, da wird verteilt – in Form von fliegenden Karamell-Riegeln und Doppel-Keksen, die jeden Diätplan kurz in den Winterschlaf schicken.

Ganz oben am Bürgerhaus stand Bürgermeister Claus Pommer und hatte die beste Aussicht – entmachtet an Altweiber, aber offensichtlich weiterhin balkonberechtigt. Das ist auch so ein rheinisches Ding: Man nimmt dir die Macht, aber nicht den Schlüssel zum besten Platz. Von dort regnete es nicht nur himmlisch, sondern auch amtlich: Kamelle runter, Moderation dazu – und zwischendurch stand der als Gottheit kostümierte Bürgermeister sogar in der Sonne. Ein Bild, das man sich einrahmen möchte: Krone, silberne Lockenpracht, Wetter macht kurz Frieden, und unten denken alle: „Okay, vielleicht hat er doch noch Einfluss.“

Spoiler: es währte nicht ewig. Gegen Ende waren wieder die im Vorteil, die aufs alltagsnahe Kostüm gesetzt hatten – Achim und Bine als regendichte Jungboomer in neongelben E-Bike-Jacken. Das ist nicht nur Kostüm, das ist ein Statement: „Wir sind bereit, wir sind sichtbar, und wir könnten notfalls auch noch schnell zum Baumarkt fahren.“ Achim mit Seppelhut, Bine mit vom Wind zerzaustem Haar und dem Satz, der den Tag perfekt zusammenfasst: „Die Scheibenwischer für die Brille hab ich auch vergessen.“ Da fühlte sich jeder Brillenträger kurz gesehen – und ein bisschen blind.

Und dann diese Szene, die man bitte jedes Jahr genau so wieder aufbauen sollte: die Currywurst-Truppe vor der Goldquelle. Seit 25 Jahren, immer Rosenmontag, immer dieselbe Stelle – früher Kohle, heute Gasgrill, sonst alles gleich. Das ist gelebte Tradition, ein Denkmal aus Senf und Standhaftigkeit. „Möchtest du ’ne Wurst?“ ist in dem Moment keine Frage, sondern ein rheinischer Friedensvertrag. Ein paar Schritte weiter ein selbstgezimmertes Piratenschiff, das Seifenblasen und Nebel ausstößt. Auf die Frage „Ist das seetauglich?“ kommt die einzig richtige Antwort: „Wenn man genug getrunken hat: Ja.“ Nautik nach rheinischer Methode.

Am Ende bleibt: Hilden kann Wetter. Nicht im Sinne von „es ist gut“, sondern im Sinne von „es ist da – und wir feiern trotzdem“. Der Rosenmontagszug 2026 war nass, laut, kreativ und voller Sonne im Herzen, wenn schon nicht am Himmel. Und irgendwo läuft immer noch die Suche nach der Person, die den Regen bestellt hat. Ich tippe ja auf jemanden, der heimlich „Schottland-Wetter“ im Kostümfundus gefunden hat und dachte: „Passt schon.“ Itter Itter Helau!

Montag, 16. Februar 2026

16.2.2026: Rosenmontag in Hilden: Regen? Egal. Hauptsache, die Chips fliegen!

Hilden ist seit Altweiber fest in Narrenhand – und wer glaubt, dass ein bisschen Wasser von oben daran irgendetwas ändert, hat offensichtlich noch nie gesehen, wie entschlossen ein Hildener Jeck Richtung Mittelstraße watschelt, wenn irgendwo „Kamelle!“ in der Luft liegt. Rosenmontag 2026 steht vor der Tür, und während die Wettervorhersage schon mal vorsorglich den Regenmantel aus dem Schrank zieht, ziehen die Hildener einfach den Glitzer drüber. Prioritäten müssen schließlich sitzen.

Los geht’s um 14.11 Uhr – weil Karneval ohne eine Uhrzeit, die klingt wie ein geheimer Freimaurer-Code, einfach nur ein Umzug wäre. Start ist am Lindenplatz, dann wird sich in bester Tradition über Richrather Straße, Südstraße, Kolpingstraße und Kirchhofstraße Richtung Mittelstraße geschlängelt, bis am Fritz-Gressard-Platz der jecke Akku leergefeiert ist. Dazwischen wartet das Bürgerhaus, wo Bürgermeister Claus Pommer vom Balkon aus den Laden zusammenhält: moderieren, begrüßen, Kamelle regnen lassen – quasi die Dreifaltigkeit des Rosenmontags. Und wichtig für alle, die am Ende gern noch etwas „für später“ in der Jackentasche finden: Ab dem Penny-Markt ist Kamelle-Wurfstopp. Nicht, weil plötzlich Vernunft einkehrt, sondern weil man einen reibungslosen Ablauf will. Karneval kann Ordnung, wenn er muss. Widerwillig, aber er kann.

Apropos Wurfmaterial: Dieses Jahr wird’s kulinarisch ambitioniert. Früher waren es Bonbons, heute sind es Chips, Popcorn, Karamellriegel und Doppelkekse – Hilden wirft quasi den Inhalt eines gut sortierten Kiosks in die Menge. Und weil man im Rheinland nichts halb macht, rechnet man pro Wagen mit ungefähr 700 bis 800 Kilo Wurfmasse. Das ist kein Umzug, das ist eine fliegende Snack-Offensive. Wer danach noch hungrig ist, hat entweder zu weit hinten gestanden oder hat aus Versehen konsequent „Nein danke“ gesagt.

Mitmachen wollen dieses Mal 50 Startnummern, darunter 18 Festwagen. Zuschauerzahlen? Im letzten Jahr sprach man von 18.000 bis 20.000 – perfektes Wetter hilft eben. Dieses Jahr hilft vermutlich: Trotz Regen kommen. Und wer jetzt denkt „Och nö, Regen…“, dem sei gesagt: Der Zugleiter Michael Kewersun hat bereits die meteorologische Geheimwaffe parat. Sein Plan, um das Wetter kurzfristig zu drehen, ist herrlich rheinisch-pragmatisch: brav die Teller aufessen. Das ist keine Wetterstrategie, das ist ein Lebensgefühl. Und falls es nicht klappt, hat man wenigstens aufgegessen.

Natürlich gibt’s auch Sicherheit – und zwar so, dass man merkt: Karneval ist Spaß, aber nicht kopflos. Ab 12 Uhr sind Fahrzeugbarrieren vorgesehen, die Stadt wird dann gesperrt, und „ein paar Hundert Leute“ sind im Einsatz: Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei, Rotes Kreuz – die komplette Truppe, damit wir alle sorgenlos schunkeln können. Details verrät man nicht, was im Karnevalskontext übrigens sehr gut passt: Ein bisschen Geheimnis muss sein. Sonst könnte man ja auch gleich eine PowerPoint draus machen.

Schön ist auch: Es gibt wieder einen VIP-Bereich für Menschen mit Behinderung – auf Höhe der Sparkasse in der Mittelstraße, ab 12.30 Uhr für rund 50 Personen plus Begleitung. Das ist echte Inklusion und genau die Sorte Karneval, bei der man merkt: Jecksein heißt auch, aneinander zu denken – und nicht nur an die nächste Tüte Popcorn, die einem gleich aus drei Metern Entfernung elegant ins Gesicht segelt.

Neuigkeiten? Die „üblichen Verdächtigen“ sind zwar wieder dabei (Karneval ohne Stammgäste wäre wie Kölsch ohne Glas), aber es gibt frische Gesichter: Eine Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes ist anlässlich des 125. Geburtstags dabei, außerdem feiert eine Fußgruppe der MVZ Hildental von der Mittelstraße ihr Debüt. Und das Inklusionsprinzenpaar fährt dieses Jahr mit neu dekoriertem Wagen – inklusive „Familie Feuerstein“-Optik. Willkommen in Hilden, wo man nicht nur jeck ist, sondern im Zweifel auch ein bisschen steinzeitlich stylisch.

Und wo steht man am besten? Wenn du Luft zum Atmen willst: eher vorne, Richrather Straße oder Südstraße – da sind die Werfer allerdings oft noch im „Warm-up-Modus“, sprich: Die Kamelle fliegen, aber eher mit angezogener Handbremse. Der erste richtige Party-Hotspot ist das Hagelkreuz, dann wird’s kurz entspannter, bevor ab Polizeiwache Kirchhofstraße die Stimmung wieder anzieht und an der Gabelung ihren Höhepunkt erreicht – und zwar so nachhaltig, dass es bis zum Ende der Mittelstraße durchzieht. Wer es strategisch mag, macht das jecke „Doppelschauen“: erst Südstraße, dann flott über Schulstraße zur Mittelstraße und den Zug am Ende nochmal mitnehmen. Das ist wie ein Konzert mit Zugabe – nur dass die Zugabe Kekse wirft.

Einschränkungen gibt’s natürlich auch: Straßen- und Busverkehr werden am 16. Februar von 12 bis voraussichtlich 18 Uhr großräumig umgeleitet, Sperrbereich, Halteverbote, Abschleppen – die Klassiker. Wer nach 12 Uhr noch wegfahren will, stellt sein Auto besser vorher raus, sonst hat es am Ende ein Solo-Abenteuer mit dem Ordnungsamt.

Und weil Rosenmontag in Hilden nicht einfach „Ende“ kennt: After-Zoch-Party! Ab 15 Uhr Open Air am Alten Markt. Also: erst Kamelle fangen, dann weiterfeiern. Regen hin oder her – notfalls tanzt man sich eben trocken. In Hilden gilt schließlich die alte Karnevalsregel: Das Wetter kommt und geht. Der Zoch kommt auf jeden Fall.