Ich habe langsam den Verdacht, dass die Autobahn GmbH ein geheimes Ziel verfolgt: Kein Autofahrer soll den Großraum Hilden verlassen, ohne vorher mindestens eine Umleitung kennengelernt zu haben. Die A59 Richtung Düsseldorf ist seit Anfang Oktober dicht, die Ausweichstrecken sind überlastet und die Nerven vieler Pendler liegen blank. Und jetzt gibt es zur Abwechslung auch noch eine Sperrung in Richtung Leverkusen. Man möchte fast fragen: Geht eigentlich noch irgendetwas?
Vom 26. bis voraussichtlich 30. Oktober wird im Autobahndreieck Düsseldorf-Süd die Überfahrt von der A46 aus Wuppertal auf die A59 Richtung Leverkusen gesperrt. Wohlgemerkt: nicht die gesamte A59 in Richtung Leverkusen, sondern diese Verbindung. Grund sind Arbeiten an den Schutzeinrichtungen. Die Umleitung führt über Düsseldorf-Eller und ist mit einem roten Punkt ausgeschildert. Immerhin eine Farbe, die inzwischen ganz gut zur Verkehrslage passt.
Natürlich muss die A59 saniert werden. Die alte Betonfahrbahn ist in einem miserablen Zustand. Bis zum Sommer 2027 sollen auf rund zwölf Kilometern Fahrbahnen erneuert, Brücken instandgesetzt und Entwässerungsanlagen modernisiert werden. Das ist notwendig und auf lange Sicht sinnvoll. Darüber brauchen wir nicht zu streiten.
Was mich allerdings zunehmend ärgert, ist die Summe der Einschränkungen. Der Verkehr der gesperrten Fahrtrichtung Düsseldorf quält sich ohnehin schon über die A3, A46 und A542 oder durch Hilden, Langenfeld und die südlichen Düsseldorfer Stadtteile. Dazu kommen Staus und Ampelschaltungen, die offenbar nicht überall optimal auf die zusätzliche Belastung abgestimmt sind.
Und als wäre das nicht genug, fallen demnächst auch noch S1 und RE47 für mehrere Wochen aus. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen möchte, landet also möglicherweise ebenfalls im Ersatzverkehr. Eine besonders unglückliche Kombination.
Ich erwarte gar nicht, dass eine Grundsanierung ohne Behinderungen funktioniert. Aber ich erwarte, dass die Verantwortlichen die Auswirkungen auf die gesamte Region im Blick behalten und Umleitungen möglichst leistungsfähig gestalten. Denn für die Menschen, die täglich zur Arbeit fahren müssen, sind die Sperrungen keine theoretische Verkehrsplanung, sondern verlorene Lebenszeit.
Mein Vorschlag: Hilden sollte an seinen Ortseingängen künftig Schilder aufstellen: „Willkommen in Hilden – Sie erreichen uns über jede Umleitung.“ Und wer tatsächlich ohne Stau durchkommt, darf sich am Rathaus eine Urkunde abholen.
Hildener Geschichten
Mittwoch, 21. Oktober 2026
21.10.2026: A59: Jetzt wird auch die Gegenrichtung gesperrt – oder: Hilden bleibt im Stau vereint
Dienstag, 20. Oktober 2026
20.10.2026: Fünf Minuten Rot am Lindenplatz – oder: Hilden übt sich in Geduld
Wer morgens am Hildener Lindenplatz vor einer roten Ampel steht, kann neuerdings ganz entspannt den Wetterbericht lesen, seine Einkaufsliste schreiben oder schon mal überlegen, was es abends zu essen gibt. Denn die Ampel gönnt sich offenbar gelegentlich eine längere Auszeit. Mehr als fünf Minuten Rot – und zwar in alle Richtungen. Das muss man auch erst einmal schaffen.
Seit Anfang der Woche gibt es Probleme mit der Ampelschaltung. Besonders im morgendlichen Berufsverkehr macht sich die Störung bemerkbar. Autofahrer warten, obwohl niemand fahren darf. Eine bemerkenswert konsequente Form der Verkehrsberuhigung.
Die Stadt kennt das Problem seit Dienstag, dem 13. Oktober. Selbst beheben kann sie es allerdings nicht. Die zuständige Signalbaufirma wurde informiert und soll sich darum kümmern. Wann die Störung genau auftritt und wie häufig, kann die Verwaltung bislang nicht sagen.
Natürlich kann Technik kaputtgehen. Das passiert überall, und nicht jede defekte Ampel ist gleich ein kommunalpolitischer Skandal. Trotzdem frage ich mich, warum es offenbar so schwierig ist, eine Störung zu beseitigen, die ausgerechnet im Berufsverkehr für unnötige Wartezeiten sorgt. Zumal fünf Minuten Rot an einer Kreuzung nicht nur lästig sind, sondern irgendwann auch die Geduld der Verkehrsteilnehmer strapazieren.
Ich hoffe jedenfalls, dass die Fachfirma das Problem schnell in den Griff bekommt. Denn Verkehrsampeln sollen den Verkehr regeln und nicht sämtliche Beteiligten gleichzeitig zum Stillstand bringen.
Vielleicht hat die Ampel am Lindenplatz aber auch einfach die Hildener Verkehrspolitik perfekt verstanden: Wenn ohnehin überall gebaut, gesperrt und umgeleitet wird, kann man den Rest auch gleich auf Rot stellen.
Montag, 19. Oktober 2026
19.10.2026: Hilden bremst das Regenwasser – oder: Endlich mal eine Baustelle, die Sinn ergibt
In Hilden wird wieder gebaggert. Und bevor jetzt jemand genervt die Augen verdreht: Diesmal finde ich die Baustelle tatsächlich richtig gut. Denn während wir uns bei manchen städtischen Bauprojekten fragen, ob sie jemals fertig werden, geht es am Hoxbach um etwas ziemlich Sinnvolles. Das Regenwasser soll künftig sauberer und langsamer in den Bach fließen. Eine gute Nachricht für den Hoxbach und alle, die bei Starkregen lieber trockene Füße behalten möchten.
Zwischen Westring, Menzelsee und dem ehemaligen Vion-Gelände entsteht seit August eine neue Anlage zur Reinigung und Rückhaltung von Regenwasser. Bislang gelangte das Wasser von Dächern und Straßen aus einem rund 17 Hektar großen Gebiet ungeklärt in den Hoxbach. Künftig wird es zunächst gereinigt, zwischengespeichert und anschließend kontrolliert abgegeben.
Zusätzlich erweitert die Stadt das bestehende Regenrückhaltebecken am Westring um rund 13.400 Quadratmeter. Das ist eine ordentliche Fläche. Und ausnahmsweise wird in Hilden einmal zusätzlicher Platz geschaffen, ohne dass anschließend jemand darüber diskutieren muss, wie viele Wohnungen darauf passen.
Das Ganze kostet nach aktueller Planung 3,85 Millionen Euro und soll im November 2027 fertig sein. Natürlich ist das viel Geld. Aber ich finde, dass Investitionen in den Gewässerschutz und die Anpassung an Starkregen gut angelegt sind. Schließlich dürfte uns das Thema in den kommenden Jahren eher häufiger als seltener beschäftigen.
Ganz ohne Ärger geht es allerdings nicht. Spaziergänger und Radfahrer müssen während der Bauzeit auf gewohnte Wege südlich des Hoxbachs verzichten. Als Alternative empfiehlt die Stadt unter anderem den Wirtschaftsweg südlich des Menzelsees. Das ist lästig, gerade wenn man dort regelmäßig unterwegs ist. Aber eine vorübergehende Umleitung lässt sich leichter akzeptieren, wenn dahinter ein nachvollziehbarer Nutzen steht.
Positiv finde ich auch, dass Hilden beim Starkregenschutz inzwischen breiter aufgestellt ist: mit Gefahrenkarten, Notstrommöglichkeiten, zusätzlicher Ausrüstung für die Feuerwehr und einem ausgebauten Sirenennetz. Allerdings sollte niemand glauben, dass die neue Anlage künftig jede Überschwemmung verhindert. Sie soll vor allem den Unterlauf des Hoxbachs entlasten. Bei extremem Starkregen bleiben Risiken bestehen.
Und genau deshalb halte ich solche Projekte für wichtig. Lieber heute Geld in Vorsorge investieren, als nach dem nächsten Unwetter über vermeidbare Schäden diskutieren.
Mein einziger Wunsch ans Rathaus: Bitte den Zeitplan und die Kosten im Griff behalten. Denn wenn Hilden schon Millionen ausgibt, um das Wasser zu bremsen, sollte wenigstens der Baufortschritt nicht gleich mitgebremst werden.
Sonntag, 18. Oktober 2026
18.10.2026: # Hotel Anna zum Schnäppchenpreis – oder: Hilden hätte fast 8,2 Millionen bezahlt
Manchmal lohnt es sich, in Hilden zwei Jahre zu warten. Zumindest beim Immobilienkauf. Das Hotel Anna an der Giesenheide steht für 4,9 Millionen Euro zum Verkauf. Im September 2024 hatte die Stadt noch über einen Kauf für 8,2 Millionen Euro nachgedacht. Macht einen Unterschied von 3,3 Millionen Euro. Da kann man schon mal kurz überlegen, wie viele Schlaglöcher, Schultoiletten oder andere Hildener Baustellen sich damit finanzieren ließen.
Damals suchte die Stadt dringend Unterkünfte für Geflüchtete. Das Hotel mit seinen 43 Zimmern und 101 Betten schien eine mögliche Lösung. Doch Bürgermeister Claus Pommer zog die entsprechende Verwaltungsvorlage kurzfristig zurück. Angesichts veränderter politischer Rahmenbedingungen und der angespannten Haushaltslage wollte er zunächst abwarten. Eine Entscheidung, die damals durchaus Diskussionen auslöste.
Heute erscheint der Verzicht zumindest aus finanzieller Sicht in einem anderen Licht. Denn der aktuelle Angebotspreis liegt rund 40 Prozent unter der damals diskutierten Summe. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Stadt seinerzeit 3,3 Millionen Euro zu viel bezahlt hätte. Immobilienpreise hängen von vielen Faktoren ab, und ein Inserat ist noch kein tatsächlich erzielter Verkaufspreis. Trotzdem ist der Unterschied bemerkenswert.
Zumal das Hotel keineswegs leer steht. Das 2015 errichtete Gebäude verfügt über rund 2.676 Quadratmeter Fläche, eine Penthouse-Wohnung, Terrassen und Parkplätze. Laut Verkaufsanzeige ist es bis Oktober 2040 verpachtet, mit einer monatlichen Pacht von 27.965 Euro. Wer die Immobilie kauft, übernimmt also zunächst ein langfristig vermietetes Hotel und nicht einfach ein frei verfügbares Gebäude.
Besonders interessant finde ich rückblickend die damalige politische Diskussion. 8,2 Millionen Euro für eine Flüchtlingsunterkunft waren angesichts der Hildener Haushaltslage eine gewaltige Summe. Dass die Stadt den Kauf letztlich nicht weiterverfolgte, könnte sich finanziell als glückliche Entscheidung erweisen. Ob das heutige Angebot überhaupt mit den damaligen Kaufbedingungen vergleichbar ist, müsste allerdings genauer geprüft werden.
Ich bin jedenfalls gespannt, wer am Ende zugreift. Vielleicht ein Investor, vielleicht ein Hotelunternehmen. Die Stadt dürfte angesichts ihrer Finanzprobleme eher andere Prioritäten haben.
Fest steht: Das Hotel Anna ist innerhalb von zwei Jahren auf dem Papier 3,3 Millionen Euro günstiger geworden. In Hilden ist das fast schon eine Sensation. Normalerweise werden bei uns vor allem Bauprojekte teurer, je länger man darüber nachdenkt.
Samstag, 17. Oktober 2026
17.10.2026: Vier Wochen ohne S1 – oder: Hilden steigt mal wieder in den Bus
Wer von Hilden nach Düsseldorf will, sollte demnächst vielleicht über ein Fahrrad, ein Pferd oder einen längeren Urlaub nachdenken. Die A59 ist dicht, die S6 fährt nicht und jetzt verabschiedet sich auch noch die S1 für vier Wochen. Ich frage mich langsam, ob Düsseldorf überhaupt noch erreicht werden soll oder ob man uns Hildener einfach davon abhalten möchte, die Stadt zu verlassen. Immerhin bleibt der Schienenersatzverkehr. Der heißt vermutlich nur deshalb noch so, weil „Dauerzustand“ im Fahrplan nicht besonders gut aussieht.
Vom 30. Oktober um 21 Uhr bis zum 27. November um 5 Uhr fahren zwischen Düsseldorf und Solingen weder die S1 noch der RE47. Grund sind Gleisarbeiten zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Eller sowie der Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express. Das ist sicherlich notwendig. Nur hilft diese Erkenntnis den Pendlern wenig, die morgens pünktlich zur Arbeit müssen. Für die S1 fahren Ersatzbusse mit allen Halten, für den RE47 Schnellbusse ohne Zwischenstopp zwischen Düsseldorf und Solingen. Nachts gibt es zusätzliche Schnellbusse mit Halt in Hilden.
Besonders ärgerlich finde ich das Timing. Die S6 zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf fällt ebenfalls noch bis Anfang Dezember aus. Und seit Anfang Oktober ist auch die A59 Richtung Düsseldorf gesperrt. Wer aus Hilden in die Landeshauptstadt möchte, kann sich also aussuchen, auf welcher Umleitung er seine Geduld trainiert. Bahn und Autobahn gleichzeitig lahmzulegen, ist jedenfalls keine besonders überzeugende Werbung für die Mobilitätswende.
Dabei ist die nächste Sperrung bereits angekündigt: Vom 4. bis 12. Dezember wird erneut gebaut. Und auch für 2027 und 2028 stehen längere Unterbrechungen im Kalender. Besonders bitter für Fahrgäste des RE47: Die Linie war erst im Juli nach drei Jahren Ersatzverkehr zurückgekehrt. Viel Zeit, sich wieder an einen richtigen Zug zu gewöhnen, blieb also nicht.
Natürlich müssen Gleise erneuert und Strecken modernisiert werden. Dagegen habe ich überhaupt nichts. Aber bei der Häufung der Sperrungen darf man schon fragen, ob die verschiedenen Bauvorhaben ausreichend aufeinander abgestimmt werden. Für Pendler zählt schließlich nicht, welche Behörde oder welcher Betreiber gerade zuständig ist. Sie wollen einfach zuverlässig ankommen.
In Hilden braucht man für die Fahrt nach Düsseldorf inzwischen weniger einen Fahrplan als einen Bauzeitenkalender. Und wer morgens tatsächlich pünktlich ankommt, hat sich eigentlich schon eine kleine Urkunde verdient.
Freitag, 16. Oktober 2026
16.10.2026: Ameisen, Mief und alte Container – oder: Hildens Schulkinder müssen weiter warten
An der Hildener Beethovenschule gibt es offenbar ein ziemlich ungewöhnliches Nachmittagsprogramm: Ameisen beobachten und herausfinden, woher dieser merkwürdige Geruch kommt. Leider handelt es sich dabei nicht um ein pädagogisches Projekt, sondern um den Alltag in den alten Containern der Offenen Ganztagsschule. Und ich finde, da hört der Spaß langsam auf.
Die Gemeinschaftsgrundschule mit ihren 15 Klassen platzt aus allen Nähten. Deshalb findet ein Teil der Nachmittagsbetreuung in einer Containeranlage statt, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat. Im Sommer gab es massiven Ameisenbefall, dazu kommt ein unangenehmer Geruch, der schon seit Jahren auffällt. Eine Untersuchung der Raumluft ergab 2025 immerhin keine gesundheitlich relevante Belastung. Angenehmer macht das den Aufenthalt allerdings nicht.
Bemerkenswert finde ich die Einschätzung aus dem Rathaus. Bürgermeister Claus Pommer bestätigt, dass die Container wegen ihres Alters und baulichen Zustands als langfristige Lösung „nicht mehr haltbar“ seien. Ein kurzfristiger Ersatz sei aber weder wirtschaftlich noch notwendig. Schließlich würden die Räume hauptsächlich nach dem Unterricht genutzt.
Da muss ich schon schlucken. Denn für die Kinder, die dort ihren Nachmittag verbringen, macht es wenig Unterschied, ob sie vormittags oder nachmittags in einem muffigen Container sitzen. Natürlich kann die Stadt nicht mal eben einen Neubau aus dem Boden stampfen. Und angesichts der angespannten Haushaltslage ist es nachvollziehbar, keine teure Zwischenlösung zu finanzieren, wenn ohnehin ein dauerhaftes Gebäude entstehen soll. Nur sollte aus einer wirtschaftlich verständlichen Entscheidung kein jahrelanger Dauerzustand werden.
Ursprünglich war mit dem „Haus des Lernens“ ein großer Neubau geplant. Der wurde aus Kostengründen gestrichen. Nun soll eine kleinere Lösung entstehen, deren Planungsleistungen erst ausgeschrieben werden müssen. Ein konkreter Fertigstellungstermin ist damit noch nicht in Sicht. Immerhin steht die Schulleiterin Denise Steinküller nach eigenen Angaben in gutem Austausch mit der Stadt. Auch Eltern loben die Arbeit von Schule und OGS. Das zeigt, wie viel Engagement vor Ort vorhanden ist – trotz der schwierigen Bedingungen.
Gerade deshalb wünsche ich mir, dass die Stadt beim Neubau jetzt Tempo macht und die bestehenden Räume bis dahin sorgfältig im Blick behält. Denn gute Betreuung braucht nicht nur motivierte Menschen, sondern auch vernünftige Räume.
Die Kinder finden die Ameisen vielleicht noch spannend. Ich finde spannender, wann Hilden endlich eine Lösung liefert. Denn eine Grundschule sollte ein Ort zum Lernen und Wohlfühlen sein – und kein Dauerprovisorium mit eingebautem Insektenprogramm.
Donnerstag, 15. Oktober 2026
15.10.2026: Ärger am Alten Markt – oder: Hilden erklärt den Tauben das Fütterungsverbot
Auf dem Alten Markt kann man gemütlich einen Kaffee trinken, die Reformationskirche betrachten und das Hildener Treiben beobachten. Manchmal bekommt man allerdings Gesellschaft, die niemand eingeladen hat: Tauben. Und die haben offenbar längst verstanden, dass in unserer Innenstadt nicht nur die Außengastronomie gut funktioniert, sondern gelegentlich auch die kostenlose Verpflegung.
Die Ratsfraktion Bürgeraktion | Piraten hat das Thema jetzt aufgegriffen. Ihr stellvertretender Vorsitzender Andreas Benoit berichtet von Beschwerden aus der Gastronomie. Menschen würden trotz Verbots Tauben füttern, die sich anschließend verstärkt auf dem Platz versammeln. Das sorgt für Ärger bei Gästen und Wirten. Vorgeschlagen werden deshalb Hinweisschilder, häufigere Kontrollen und sogar Raubvogelattrappen.
Die Stadt reagiert erfreulich pragmatisch. Das Füttern wildlebender Tiere ist in Hilden bereits verboten und kann mit 20 Euro Verwarngeld geahndet werden. Der Kommunale Ordnungsdienst soll künftig genauer hinschauen, insbesondere zu den üblichen Fütterungszeiten. Außerdem prüft die Verwaltung zusätzliche Hinweisschilder. Auf künstliche Raubvögel möchte man dagegen verzichten, weil diese nicht die eigentliche Ursache beseitigen: Menschen, die Futter verteilen.
Das finde ich durchaus vernünftig. Schließlich können die Tauben nichts dafür, dass ihnen regelmäßig jemand ein kostenloses Buffet serviert. Und ob eine Plastik-Eule auf dem Alten Markt tatsächlich für nachhaltigen Respekt unter Hildener Stadttauben sorgen würde, darf man bezweifeln.
Interessant finde ich allerdings, dass wir auch hier wieder über die Durchsetzung einer längst bestehenden Regel sprechen. Das Verbot ist da, das Verwarngeld ebenfalls. Jetzt muss nur noch jemand darauf achten, dass sich die Menschen daran halten. Immerhin kündigt die Stadt diesmal konkrete Schritte an, statt lediglich auf die geltende Verordnung zu verweisen.
Ich hoffe, dass man dabei mit Augenmaß vorgeht. Niemand braucht einen Alten Markt voller Verbotsschilder oder einen Ordnungsdienst, der jeden Brotkrümel untersucht. Aber wer gezielt Tauben füttert und damit andere belästigt, darf ruhig darauf hingewiesen werden, dass der öffentliche Platz kein privater Vogelpark ist.
Am Ende ist die Sache ziemlich einfach: Die Tauben können keine Verordnung lesen. Die Menschen schon. Und wenn das allein nicht hilft, sind 20 Euro vielleicht die überzeugendere Botschaft als eine Plastik-Eule auf dem Kirchendach.