Wer in Hilden geglaubt hat, der Herbst werde verkehrstechnisch gemütlich, hat die Rechnung ohne das Tiefbau- und Grünflächenamt gemacht. Ab dem 12. Oktober bekommt die Gerresheimer Straße ihre nächste Schönheitskur. Zwischen dem Kreisverkehr am liebevoll „Aldi-Ei“ genannten Knoten Stockshausstraße und dem Kreisverkehr Schalbruch wird die Fahrbahndecke erneuert. Bis zum 29. Oktober heißt es deshalb: neue Wege suchen, etwas mehr Zeit einplanen und dem Navigationsgerät nicht blind vertrauen.
Immerhin wird nicht sofort alles gesperrt. In der ersten Bauphase bis voraussichtlich Montagabend, 26. Oktober, bleibt die Gerresheimer Straße in Richtung Westring befahrbar. In Richtung Innenstadt ist sie dagegen gesperrt. Die Beethovenstraße bleibt zunächst erreichbar, wird aber in die Einbahnstraßenregelung eingebunden. Je nach Baufortschritt wandert die Verkehrsführung abschnittsweise mit. Wer dort wohnt, sollte außerdem damit rechnen, dass das eigene Grundstück zeitweise mit dem Auto schlechter erreichbar ist.
Und es wird nicht nur ein bisschen Asphalt über die alte Straße gegossen. Die vorhandene Deckschicht wird abgefräst, Schächte, Schieberkappen und Straßenabläufe werden reguliert, die Rinne saniert und anschließend eine neue Asphaltdeckschicht eingebaut. Dazu kommen neue Randfugen. Kurz gesagt: Wenn Hilden schon aufmacht, dann richtig.
Besonders interessant dürften die Fräsarbeiten werden. Dabei kann es auch auf der verbliebenen Fahrspur zu längeren Wartezeiten kommen. Zusätzlich werden die seitlichen Parkstreifen mit Halteverboten versehen. Die Gerresheimer Straße bietet damit für einige Tage das komplette Hildener Baustellenpaket: weniger Fahrspuren, weniger Parkplätze und mehr Gelegenheit, die Umgebung einmal ausgiebig aus dem stehenden Auto zu betrachten.
Richtig ernst wird es dann ab Montagabend, 26. Oktober. Bis zum 29. Oktober soll der Abschnitt vollständig gesperrt werden, dann auch an der Kreuzung Beethovenstraße. Der Grund ist nicht die in Hilden gelegentlich vermutete Freude am Aufstellen von Absperrbaken, sondern der Asphalt selbst. Vor dem Einbau muss die Fahrbahn mit Haftkleber vorbereitet werden, anschließend braucht auch die neue Deckschicht ihre Ruhe. Autos und frischer Asphalt vertragen sich in dieser Phase ungefähr so gut wie Hildener Autofahrer und eine überraschend aufgestellte Baustellenampel.
Der eigentliche Asphalteinbau ist für den 27. oder 28. Oktober vorgesehen. Danach muss die Fahrbahn ausreichend abkühlen, bevor sie wieder freigegeben werden kann. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Spuk am 29. Oktober vorbei sein. Für eine grundhafte Straßensanierung ist das ein überschaubarer Zeitraum – für jemanden, der diese Strecke täglich fährt, können zweieinhalb Wochen allerdings eine erstaunlich lange Beziehung zu einer Umleitung begründen.
Und natürlich kommt die Maßnahme in einer Zeit, in der wir rund um Hilden ohnehin schon intensiv über Umleitungen und gesperrte Verkehrswege sprechen. Die A59 ist Richtung Düsseldorf für Monate dicht, nun wird auch auf der Gerresheimer Straße gearbeitet. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, der Oktober stehe in Hilden unter dem Motto: Wer seinen üblichen Weg kennt, bekommt einen neuen.
Am Ende bleibt immerhin etwas Sichtbares zurück: eine frisch sanierte Straße. Das unterscheidet diese Baustelle wohltuend von mancher Hildener Diskussion, bei der nach drei Wochen vor allem neue Fragen entstanden sind.
Und falls es unterwegs doch einmal länger dauert: Nicht ärgern. Einfach daran denken, dass irgendwo zwischen Aldi-Ei und Schalbruch gerade unsere Steuergelder schön glattgewalzt werden.
Hildener Geschichten
Mittwoch, 7. Oktober 2026
7.10.2026: Frischer Asphalt fürs Aldi-Ei – oder: Hilden macht die Gerresheimer Straße dicht
Dienstag, 6. Oktober 2026
6.10.2026: Aus 4.000 werden 1.700 Quadratmeter – oder: Auch der liebe Gott muss in Hilden Fläche sparen
Wenn in Hilden über knappe Flächen gesprochen wird, geht es meistens um Wohnungen, Kitas, Parkplätze oder Grün. Jetzt beschäftigt die Quadratmeterfrage auch die evangelische Kirchengemeinde. Sie nutzt derzeit knapp 4.000 Quadratmeter, bis 2035 sollen daraus rund 1.700 werden. Mehr als die Hälfte muss also weg. Und plötzlich geht es nicht nur um Zahlen, sondern um drei Gebäude, mit denen viele Hildener Erinnerungen verbinden: Reformationskirche, Friedenskirche und Erlöserkirche.
Der Grund ist nüchtern: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, die Kirchensteuereinnahmen gehen zurück und große Gebäude kosten Geld – besonders, wenn energetische Sanierungen anstehen. Die Gemeinde zählt derzeit rund 11.700 Mitglieder und hat vier Pfarrstellen, wobei sich auch deren Zahl perspektivisch verändern dürfte. Eine Gebäudebedarfsanalyse soll nun zeigen, was künftig noch finanzierbar ist.
Eine Kirche steht dabei offenbar nicht zur Disposition: die denkmalgeschützte Reformationskirche mitten in der Stadt. Bei Friedenskirche im Norden und Erlöserkirche im Süden ist dagegen alles offen. Vermieten, anders nutzen, verkleinern oder möglicherweise einen Standort aufgeben – Vorentscheidungen gebe es laut Presbyterium noch nicht.
Besonders im Hildener Süden sorgt das für Unruhe. Dort wird befürchtet, die Erlöserkirche könnte irgendwann entwidmet werden. Der Bürgerverein Hilden-Süd hat bereits eine Alternative vorgeschlagen: Sollte der Standort tatsächlich frei werden, könnte die Stadt über eine Nutzung als Großkita nachdenken, statt die geplante fünfgruppige Kita am Salzmannweg/Bruchhauser Straße zu bauen. Noch ist das lediglich ein Vorschlag, zeigt aber, wie schnell aus einer kirchlichen Immobilienfrage eine Hildener Standortdebatte wird.
Die eigentliche Entscheidung dürfte ohnehin schwieriger werden als die reine Quadratmeterrechnung. Kirchen sind keine beliebigen Immobilien. Menschen wurden dort getauft, konfirmiert und getraut, haben Abschied genommen oder jahrzehntelang ihren Gottesdienst besucht. Für sie geht es nicht nur um Heizkosten und Nutzflächen, sondern um persönliche Geschichte.
Gleichzeitig lässt sich die wirtschaftliche Realität nicht ausblenden. Wenn weniger Mitglieder große Gebäude finanzieren müssen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viel Geld in deren Erhalt fließen kann und wie viel für die eigentliche Gemeindearbeit übrigbleiben soll. Genau darauf verweist die Vorsitzende des Presbyteriums Brunhilde Seitzer: Leere Räume bringen der Gemeinde wenig, und das vorhandene Vermögen für Gebäudesanierungen aufzubrauchen wäre keine nachhaltige Lösung.
Damit geht es letztlich um mehr als die Frage, welche Kirche bleibt. Die Gemeinde muss kleiner werden, ohne dass ihr Angebot im gleichen Maße schrumpft. Als mögliches Vorbild nennt das Presbyterium das „Langenfelder Modell“ mit einem kleineren multifunktionalen Raum, der auch für Gottesdienste genutzt werden kann. Denn auch Gottesdienstformen und Gemeindearbeit verändern sich.
Anfang kommenden Jahres soll es konkret werden. Für Januar oder Februar werden Beschlüsse erwartet, vorher soll eine Gemeindeversammlung stattfinden. Dann wird sich zeigen, was aus den 4.000 Quadratmetern tatsächlich wird – und welche Rolle Friedens- und Erlöserkirche künftig spielen.
Denn eine Kirche kann man in Quadratmetern messen. Was sie einem Stadtteil bedeutet, passt in keine Gebäudebedarfsanalyse.
Freitag, 2. Oktober 2026
2.10.2026: 37 Wohnungen gegen eine grüne Wiese – oder: Hilden muss sich entscheiden
Manche Hildener Geschichten brauchen ein paar Jahre, mehrere Ausschüsse, Proteste und vermutlich einen ziemlich dicken Aktenordner, bevor tatsächlich eine Entscheidung fällt. Die Bebauung an der Hofstraße 150 gehört eindeutig dazu. Jetzt hat der Stadtrat entschieden: Gebaut wird. Vier Mehrfamilienhäuser, drei Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser sollen entstehen, insgesamt 37 neue Wohneinheiten. CDU und SPD stimmten dafür, Grüne, FDP, BA/Piraten und AfD dagegen. Vor der Sitzung hatte der BUND mit einer Mahnwache für den Erhalt von Frischluftschneisen demonstriert.
Man kann es sich bei dieser Entscheidung leicht machen. Man kann sagen: Hilden braucht dringend Wohnungen, also muss gebaut werden. Oder: Hilden ist bereits dicht genug bebaut, also muss Grün erhalten bleiben. Das Problem ist nur, dass beide Argumente einen ziemlich realen Hintergrund haben.
Auf der einen Seite steht der Wohnungsdruck. Alle Wohnungen in den geplanten Mehrfamilienhäusern sollen öffentlich gefördert vermietet werden. Nach Angaben der CDU haben sich 210 Familien bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gemeldet, die dringend eine Wohnung suchen. Vorgesehen sind Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, außerdem sollen Werkswohnungen für Beschäftigte in der Gesundheitsversorgung entstehen. Wer deshalb für das Projekt stimmt, kann darauf verweisen, dass bezahlbarer Wohnraum nicht allein dadurch entsteht, dass man seinen Mangel beklagt. Irgendwo muss er gebaut werden.
Auf der anderen Seite steht eine Stadt, deren Fläche sich ebenfalls nicht vermehren lässt. Wer gegen die Bebauung stimmt, kann darauf verweisen, dass zusätzliche Wohnungen eben nicht auf einem weißen Blatt Papier entstehen. Fläche wird versiegelt, Grün geht verloren, und gerade in einer ohnehin dicht besiedelten Stadt bekommt jeder weitere Eingriff besonderes Gewicht. Auch das ist kein theoretisches Argument.
Besonders deutlich wird dieser Konflikt an der Streuobstwiese zwischen Hofstraße und Bahnstraße. Sie wurde erst 2023 angelegt, finanziert unter anderem durch rund 8.400 Euro an Spenden sowie etwa 1.600 Euro von der Stadt. Nun wird die Fläche über das sogenannte Ökokonto als Kompensation für den Verlust der Grünfläche an der Hofstraße angerechnet.
Das sorgt bei Nabu, BUND und Bürgerverein Hilden-Süd für erheblichen Ärger. Der Nabu weist darauf hin, dass die Menschen für die Streuobstwiese aus Liebe zur Natur gespendet hätten und nicht, um damit später indirekt die Erschließung einer anderen Fläche zu ermöglichen. Auch der Bürgerverein erklärt, für diesen Zweck wäre nicht gespendet worden. Planerisch mag ein Ökokonto ein etabliertes Instrument sein. Aus Sicht eines Spenders kann dieselbe Rechnung trotzdem ganz anders aussehen.
Genau deshalb taugt die Hofstraße schlecht für einfache Sieger-und-Verlierer-Erzählungen. 37 zusätzliche Wohnungen werden den Hildener Wohnungsmarkt nicht lösen. Für die Menschen, die dort einmal wohnen, sind sie trotzdem alles andere als unbedeutend. Umgekehrt entscheidet der Erhalt einer einzelnen Grünfläche nicht über das gesamte Hildener Stadtklima. Eine einmal bebaute Fläche bleibt aber bebaut.
Der Rat musste also zwei nachvollziehbare Interessen gegeneinander abwägen: zusätzlichen und teilweise öffentlich geförderten Wohnraum auf der einen, den Schutz knapper Freiflächen auf der anderen Seite. Die Mehrheit hat sich für das Bauprojekt entschieden. Die Minderheit hat andere Prioritäten gesetzt. Gerade weil beide Seiten auf reale Probleme verweisen können, dürfte die Diskussion mit dem Ratsbeschluss politisch entschieden, aber gesellschaftlich kaum beendet sein.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Hildener Geschichte hinter der Hofstraße. In einer dicht besiedelten Stadt wird die Frage künftig immer häufiger nicht lauten, ob wir Wohnungen oder Grün brauchen. Wir brauchen beides. Die schwierigere Frage lautet, was geschieht, wenn beides denselben Quadratmeter beansprucht.
Hilden fehlt an der Hofstraße nicht das gute Argument. Hilden fehlt der Platz, um allen guten Argumenten gleichzeitig gerecht zu werden.
Mittwoch, 30. September 2026
30.9.2026: Weniger Arbeitslose, weniger Jobs – oder: Hilden hat zwei Zahlen zum Freuen und Grübeln
Es gibt Statistiken, bei denen man nach der ersten Zahl zufrieden nickt und nach der zweiten gleich wieder etwas vorsichtiger wird. Der Hildener Arbeitsmarkt liefert im September genau so einen Fall. In unserer Stadt sind aktuell 1.919 Menschen arbeitslos – 103 weniger als noch im August und sogar 83 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist von 6,6 auf 6,2 Prozent gesunken. Das ist erst einmal eine gute Nachricht.
Ganz so eindeutig ist das Bild allerdings nicht. Denn während weniger Menschen arbeitslos sind, gibt es gleichzeitig auch weniger offene Stellen. Für Hilden und Haan zusammen sind derzeit 441 freie Arbeitsplätze gemeldet. Das sind 76 weniger als vor einem Jahr. Im September kamen 102 neue Stellenangebote hinzu, ebenfalls weniger als im Vorjahresmonat. Der Arbeitsmarkt bewegt sich also in eine Richtung, die auf den ersten Blick etwas widersprüchlich wirkt: weniger Arbeitslose, aber eben auch weniger Auswahl für diejenigen, die gerade einen neuen Job suchen.
Die Agentur für Arbeit bewertet den Rückgang trotzdem als ermutigendes Signal. Ein Teil davon ist saisonal üblich, besonders erfreulich sei aber die Entwicklung bei jungen Menschen. Viele finden nach ihrer Ausbildung offenbar schnell eine Anschlussbeschäftigung. Für Hilden selbst fällt die Septemberbilanz dabei sogar besser aus als für die Nachbarstadt. Während hier 103 Menschen weniger arbeitslos gemeldet sind als im August, stieg die Zahl in Haan leicht um fünf. Interessanterweise landen beide Städte trotzdem bei derselben Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.
Für Hilden bedeutet das: Die Lage hat sich verbessert, von einem Arbeitsmarkt im großen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. Gerade die geringere Zahl gemeldeter Stellen zeigt, dass die Unternehmen weiterhin vorsichtig sind. Wer derzeit Arbeit sucht, trifft zwar auf einen stabileren Arbeitsmarkt, aber nicht unbedingt auf ein wachsendes Angebot.
Und Zahlen erzählen ohnehin immer nur einen Teil der Geschichte. Hinter den 1.919 Arbeitslosen stehen Menschen, für die eine sinkende Quote ziemlich nebensächlich ist, solange der eigene Arbeitsvertrag fehlt. Umgekehrt sind 441 offene Stellen für Hilden und Haan nicht automatisch 441 passende Stellen. Ein freier Arbeitsplatz hilft schließlich wenig, wenn Qualifikation, Arbeitszeit oder Beruf nicht zusammenpassen.
Trotzdem darf man sich über die Septemberzahlen freuen. 103 Hildener weniger in Arbeitslosigkeit innerhalb eines Monats sind eine Entwicklung in die richtige Richtung. Und vielleicht ist das diesmal eine jener seltenen lokalen Statistiken, bei denen wir nicht sofort nach Baustelle, Haushaltsloch oder neuem Verkehrsschild suchen müssen.
Ganz ohne Hildener Aber geht es natürlich trotzdem nicht: Die Arbeitslosenquote sinkt, gleichzeitig schrumpft das Stellenangebot.
Oder anders gesagt: In Hilden haben gerade mehr Menschen Arbeit – nur die Auswahl für die Nächsten wird kleiner.
Dienstag, 29. September 2026
29.9.2026: Acht Monate A59 dicht – oder: Hilden bekommt seine Lieblingsampeln zurück
Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass die A59 Richtung Leverkusen wieder befahrbar ist, wird die andere Richtung zugemacht. Ab Freitag, 2. Oktober, ist zwischen Monheim und dem Autobahndreieck Düsseldorf-Süd Richtung Düsseldorf Schluss. Voraussichtlich acht Monate lang. Für uns Hildener bedeutet das vor allem: Ein Teil der Autofahrer wird sich neue Wege suchen – und manche dieser Wege führen erfahrungsgemäß ziemlich schnell durch unsere Stadt.
Die offizielle Umleitung läuft über A542, A3 und A46. Das klingt auf der Karte wunderbar geordnet. Autobahn gesperrt, drei andere Autobahnen übernehmen, Problem gelöst. Nur besitzen Autofahrer Navigationsgeräte, Ortskenntnis und gelegentlich einen ausgeprägten Ehrgeiz, fünf Minuten schneller zu sein als alle anderen. Deshalb dürfte es auch auf den Straßen rund um Hilden interessanter werden.
Die Stadt ist vorbereitet – und setzt diesmal auf erstaunliche Zurückhaltung. Bei der ersten A59-Sperrung standen an mehreren großen Hildener Kreuzungen zusätzliche Bedarfsampeln. Wer damals durch die Stadt fuhr, konnte zeitweise den Eindruck gewinnen, die provisorische Ampel sei zur neuen Hildener Stadtmöblierung erklärt worden. Diesmal soll es nur eine geben: am Salzmannweg an der Einmündung in die Richrather Straße.
Der Grund dafür ist eigentlich eine gute Nachricht. Die vielen zusätzlichen Ampeln waren beim ersten Bauabschnitt zwar vorhanden, mussten aber gar nicht besonders eingreifen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase lief der Verkehr nach Angaben der Stadt mit den normalen Schaltprogrammen ausreichend leistungsfähig. Deshalb lautet der Plan diesmal sinngemäß: Wir stellen nicht vorsorglich überall Ampeln hin, sondern schauen erst einmal, was passiert.
Für Hilden ist das fast schon ein verkehrspolitisches Experiment.
Einen angenehmen Nebeneffekt hat die reduzierte Ampelpopulation ebenfalls. Die Gehwege an den Kreuzungen bleiben frei von zusätzlichen Masten, Betonfundamenten und Gewichten. Die Stadt will die Verkehrslage beobachten und bei Bedarf die Autobahn GmbH um Nachsteuerung bitten. Besonders im Blick ist die Kreuzung Richrather Straße/Baustraße, wo die Ampelanlage gerade erneuert wird und die Stadt noch Verbesserungspotenzial sieht.
Natürlich bleibt die entscheidende Frage, wie viele Autofahrer tatsächlich durch Hilden ausweichen. Genau das lässt sich vorher kaum seriös vorhersagen. Schon während der ersten Sperrung waren manche befürchteten Auswirkungen geringer als erwartet. Erfahrungsgemäß dauert es einige Tage, bis sich alle ihre persönliche Lieblingsumleitung zusammengesucht haben. Danach verteilt sich der Verkehr – was für den Einzelnen übersetzt bedeutet: Der Geheimweg, den das Navi am Montag entdeckt hat, ist spätestens Mittwoch auch den anderen bekannt.
Warum das Ganze gleich acht Monate dauern muss, erklärt sich durch den Umfang der Arbeiten. Auf rund zwölf Kilometern wird die Fahrbahn grundlegend erneuert. Betonplatten müssen herausgebrochen und abtransportiert, der Untergrund neu aufgebaut, Brücken, Entwässerung und Straßenausstattung bearbeitet werden. Anschließend soll Asphalt statt Beton eingebaut werden. Der Verkehrsexperte Martin Mertens bezeichnet selbst die acht Monate angesichts dieser Arbeiten als „verdammt sportlich“.
Das dürfte bei manchen Pendlern für Verwunderung sorgen. Acht Monate Vollsperrung und „sportlich“ sind schließlich zwei Begriffe, die man morgens im Berufsverkehr nicht automatisch miteinander verbindet.
Hinzu kommt, dass die A59 nicht die einzige Baustelle der Region ist. Parallel gibt es Einschränkungen an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln sowie Arbeiten an der Knipprather Brücke in Langenfeld. Wer in den kommenden Monaten zwischen Hilden, Langenfeld, Düsseldorf und Köln unterwegs ist, könnte deshalb eine Fähigkeit besonders gut trainieren: spontane Routenplanung.
Für Hilden bleibt immerhin eine kleine Erkenntnis aus der ersten Sperrung: Damals kam es offenbar weniger schlimm als befürchtet. Vielleicht funktioniert es auch diesmal. Und sollte es doch irgendwo klemmen, steht zumindest eine alte Bekannte bereit.
Die Hildener Bedarfsampel ist zurück. Diesmal allerdings als Einzelstück.
Sonntag, 27. September 2026
27.9.2026: CO₂ unter Hilden – oder: Jetzt bekommt sogar die A3 eine Unterführung
An der A3 sind wir Hildener einiges gewohnt. Stau, Baustellen, Lärm – und demnächst vielleicht noch eine CO₂-Pipeline. Die geplante Leitung des „Delta Rhine Corridor“ soll nach den bisherigen Planungen in Hilden entlang der Autobahn verlaufen. Und wenn in Hilden die Wörter „Großprojekt“ und „Trassenführung“ gemeinsam auftauchen, lohnt es sich erfahrungsgemäß, genauer hinzuschauen.
Genau das können die Hildener jetzt tun. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist gestartet, die Planungsunterlagen sind einsehbar und bis zum 26. Oktober können Stellungnahmen abgegeben werden. Geplant wird die rund 200 Kilometer lange Rohrfernleitung von Open Grid Europe. Sie soll CO₂, das bei bestimmten industriellen Produktionsprozessen abgeschieden wird, in die Niederlande und von dort weiter zu Speicherstätten in der Nordsee transportieren.
Auf der Karte wirkt die Sache zunächst vergleichsweise ordentlich. In Hilden soll die Leitung parallel zur Autobahn verlaufen. Nur ist dort bereits ein weiteres Großprojekt geplant: der Ausbau der A3. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie beide Vorhaben zusammenpassen und was sie gemeinsam für das Stadtgebiet bedeuten.
Die Stadt sieht die Planung kritisch. Bürgermeister Claus Pommer fragt unter anderem, weshalb eine linksrheinische Alternative offenbar nicht ernsthaft weiterverfolgt werde und warum die Leitung durch einen dicht besiedelten Raum wie Hilden führen solle. Außerdem sei bislang nicht nachvollziehbar dargelegt worden, wie Pipeline und Autobahnausbau miteinander vereinbar sind.
Das sind Fragen, die sich auch ohne grundsätzliche Position zur CO₂-Speicherung stellen lassen. Denn über Sinn und Notwendigkeit einer solchen Infrastruktur kann man ausführlich diskutieren – die konkrete Trasse ist eine andere Frage. Und für uns Hildener ist am Ende ziemlich entscheidend, wo gebuddelt wird, wie lange gebuddelt wird und was danach noch alles gebuddelt werden muss.
Immerhin befinden wir uns noch nicht an dem Punkt, an dem jemand mit dem Bagger vor der Tür steht. Die konkrete Trassenführung soll erst in einem späteren Zulassungsverfahren festgelegt werden. Wer Hinweise, Anregungen oder Bedenken hat, kann sie jetzt offiziell einbringen – also besser, bevor irgendwann Markierungspfähle auftauchen und in der Hildener Facebook-Gruppe die erste Frage gestellt wird: „Weiß jemand, was die da schon wieder machen?“
So bekommt Hilden möglicherweise ein weiteres Infrastrukturprojekt, das auf einer Karte zunächst nur wie eine Linie aussieht. Vor Ort wird aus solchen Linien erfahrungsgemäß schnell etwas deutlich Konkreteres.
Über eine Trasse diskutiert es sich am besten, bevor sie vor der eigenen Haustür liegt.
Samstag, 26. September 2026
26.9.2026: Die Hoppedine kommt nach Hause – oder: Hilden darf wieder draußen jeck sein
Ich finde, der Hildener Karneval gehört am 11.11. auf den Alten Markt. Nicht weil dort zwingend die besten Bedingungen herrschen, sondern weil Karneval gesehen werden muss. Zwei Jahre lang erwachte die Hoppedine in der Stadthalle, jetzt holt das Carnevals Comitee Hilden sie zurück ins Herz der Innenstadt. Am 11. November um 16.30 Uhr geht es los – und wer eigentlich nur durch die Mittelstraße wollte, könnte plötzlich mitten in der neuen Session stehen.
Genau das ist gewollt. Das CCH möchte ausdrücklich nicht nur die überzeugten Karnevalisten erreichen, sondern auch diejenigen, die zufällig vorbeikommen, stehen bleiben und vielleicht doch ein bisschen mitfeiern. Das gefällt mir. Karneval funktioniert schließlich besser, wenn er sich nicht hinter Türen versteckt. Auf dem Alten Markt kann man schlecht behaupten, man habe von der Sessionseröffnung nichts mitbekommen.
Dabei stand vor wenigen Monaten noch gar nicht fest, ob in Hilden überhaupt alles wie gewohnt weitergeht. Der bisherige CCH-Vorstand trat nicht mehr zur Wiederwahl an, erst nach mehreren Anläufen fand sich eine neue Mannschaft. Seit Ende Juni führen Präsidentin Miriam Ksionzek, Geschäftsführerin Sonja Lange-Sangiorgi und ihre Mitstreiter das CCH. Viel Zeit zum gemütlichen Einarbeiten blieb ihnen nicht. Während andere neue Vorstände vermutlich erst einmal Passwörter ändern und Ordner sortieren, mussten sie praktisch sofort den Hildener Karneval retten.
Am 11.11. stehen nun wieder die Hoppedine, die CCH-Flöhe, die Musketiere und die Tanzgarde der Großen Hildener KG auf dem Programm, dazu legt DJ Frank auf. Clever ist auch die Uhrzeit. Früher nahm man sich für den 11.11. offenbar noch frei, heute kollidiert der Karneval mit etwas ausgesprochen Unnärrischem: dem normalen Arbeitstag. Deshalb beginnt das Programm erst am späten Nachmittag. Auch die Kinder sollen nicht früher aus der Schule geholt werden. Selbst der Hildener Karneval muss inzwischen Work-Life-Balance können.
Besonders gespannt darf man wieder auf Stephanie „Fanni“ Pook sein. Die Hildener Hoppeditz-Figur ist bekanntlich weiblich, also Hoppedine, und Fanni übernimmt die Rolle erneut. Sie gilt als jemand, der in seiner Rede lokale Themen gerne dort anfasst, wo es ein bisschen wehtut. Stoff dürfte vorhanden sein. Tempo 30 allein könnte vermutlich für eine komplette Büttenrede reichen. Und wenn das nicht genügt, gibt es in Hilden bekanntlich jederzeit Nachschub aus Rathaus, Verkehr und Kommentarspalten.
Drei Tage später geht es bereits in der Stadthalle weiter. Am 14. November werden Prinz Hildanus Eugen I. und Prinzessin Hildania Julia I. sowie das Kinderprinzenpaar Finja und Till vorgestellt. Besonders ist die Session auch deshalb, weil Finja und Till das 55. Hildener Kinderprinzenpaar bilden und die Große Hildener KG ihren 7x11. Geburtstag feiert. Wer mit karnevalistischer Mathematik nicht vertraut ist: 7x11 ist selbstverständlich bedeutender als 77. In diesen Dingen sollte man dem Rheinland einfach vertrauen.
Hinter der ganzen Fröhlichkeit steckt allerdings viel Arbeit – und zunehmend viel Geld. Das CCH kämpft mit steigenden Kosten für Sicherheitsauflagen und Wurfmaterial, während Zuschüsse keineswegs selbstverständlich sind. Ob und in welchem Umfang die Stadt den Karneval 2027 unterstützen kann, ist angesichts der angespannten Haushaltslage noch offen. Das Sessionsheft mit seinen Sponsoreneinnahmen wird deshalb wichtiger, um unter anderem den Rosenmontagszug zu finanzieren. Und wer sich anschließend in sozialen Medien darüber beschwert, dass beim Zug zu wenig oder nicht die richtigen Kamelle geworfen wurden, sollte vielleicht daran denken: Das Zeug fällt tatsächlich nicht vom Himmel. Bezahlt wird vieles von den Menschen auf den Wagen selbst.
Vielleicht ist genau das der Teil des Karnevals, den man als Zuschauer leicht übersieht. Wir sehen Musik, Kostüme, Tanzgruppen, Prinzenpaar und Rosenmontagszug. Dahinter stehen Menschen, die ehrenamtlich organisieren, Sponsoren suchen, Sicherheitsauflagen erfüllen, Wurfmaterial kaufen und dafür sorgen, dass am Ende überhaupt etwas stattfinden kann. Der neue CCH-Vorstand ist dafür in diesem Jahr ziemlich kurzfristig ins kalte Wasser gesprungen.
Umso schöner, dass die neue Session dort beginnt, wo Hildener Stadtleben hingehört: mitten in der Innenstadt. Man muss nicht einmal überzeugter Jeck sein. Einfach am 11.11. gegen halb fünf über den Alten Markt gehen und schauen, was passiert.
Und wenn Fanni dann noch Tempo 30 aufs Korn nimmt, hat Hilden endgültig alles zusammen, was es für einen gelungenen Nachmittag braucht: Karneval, Innenstadt und eine Verkehrsdiskussion. Helau.