Donnerstag, 30. April 2026

30.4.2026: Hilden planscht jetzt mit Preisaufschlag

In Hilden wird der Sommer eingeläutet, und zwar mit einem Geräusch, das irgendwo zwischen fröhlichem Wasserplatschen und leisem Münzklimpern liegt. Das Waldbad öffnet am 11. Mai seine Pforten, das Hildorado bleibt natürlich ebenfalls ein Ort für sportliche Bahnenzieher, Planschprofis und Menschen, die nach drei Minuten Whirlpool glauben, sie hätten Wellnessurlaub gemacht. Doch wer künftig ins kühle Nass springen möchte, sollte vorher kurz prüfen, ob die Badehose noch passt und ob das Portemonnaie ebenfalls schwimmfähig ist.

Denn entgegen früherer Ankündigungen werden die Eintrittspreise nun nicht nur im Hildorado, sondern auch im Waldbad erhöht. Das ist ungefähr so, als würde man beim Sprung vom Drei-Meter-Brett erfahren, dass das Wasser inzwischen einen Komfortzuschlag erhebt. Im Hildorado zahlen Erwachsene ab 17 Jahren ab dem 1. Mai für die Tageskarte 8,30 Euro, also 30 Cent mehr als bisher. Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren sind mit 4,70 Euro dabei, was 20 Cent mehr bedeutet. Die Familien- und Gruppenkarte für bis zu vier Personen steigt auf 21 Euro. Am Wochenende kommt weiterhin der bekannte Ein-Euro-Aufschlag hinzu, vermutlich als kleine Erinnerung daran, dass Freizeit am Samstag und Sonntag besonders freizeitlich ist.

Auch die Sauna macht beim Aufwärmen der Preise mit: 50 Cent mehr kostet der Besuch künftig. Immerhin passt das thematisch hervorragend, denn wer in der Sauna sitzt, schwitzt ja ohnehin. Nun eben nicht nur wegen der Hitze, sondern auch ein klein wenig wegen der Kalkulation.

Im Waldbad bleibt es für Kinder und Jugendliche immerhin preislich beim Alten. Erwachsene zahlen künftig 6,70 Euro für das Ganztagesticket, also 20 Cent mehr. Wobei „Ganztag“ in diesem Fall eine leicht poetische Auslegung erfährt, denn wegen Fachkräftemangels bleiben die Öffnungszeiten weiterhin verkürzt: geöffnet ist von 11 bis 18.30 Uhr. Wer also morgens um acht mit Handtuch, Sonnencreme und dem festen Willen zum Frühsport vor dem Eingang steht, darf zunächst noch ein wenig Trockenübung machen.

Die Stadtwerke begründen die Erhöhungen mit hohen Energiekosten, Inflation und Tarifrunden für Beschäftigte. Kurz gesagt: Alles ist teurer geworden, sogar das Wasser, obwohl es optisch weiterhin so tut, als sei es einfach nur Wasser. Man habe Einsparpotenziale ausgeschöpft, ressourcenschonend gewirtschaftet und energetische Maßnahmen umgesetzt. Im Waldbad gibt es nun eine vollautomatisierte, effizientere Betriebssteuerung, im Hildorado wird an der Lüftungsanlage gearbeitet. Das klingt zwar nicht ganz so glamourös wie „neue Riesenrutsche mit Looping und Nebelmaschine“, ist aber vermutlich genau das, was ein Schwimmbad braucht, wenn es nicht irgendwann mit einem Föhn und drei Verlängerungskabeln betrieben werden soll.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Wer einen Itterpass besitzt, zahlt fürs Schwimmen weiterhin nur die Hälfte. Außerdem können Badegäste mit der digitalen Geldwertkarte bis zu 17 Prozent sparen. Das klingt nach einem kleinen Lichtblick für alle, die beim Wort „Tarifanpassung“ sonst reflexartig ihre Schwimmbrille beschlägt.

Fast 400.000 Gäste haben die Hildener Bäder im vergangenen Jahr besucht. Das zeigt: Trotz Preisaufschlag, verkürzter Zeiten und wirtschaftlicher Wellenbewegungen bleibt der Wunsch nach Schwimmen, Planschen und Erholung groß. Denn am Ende ist ein Badetag eben mehr als Eintrittspreis plus Pommesbudget. Es ist das Gefühl, nach dem ersten Eintauchen kurz alles zu vergessen: Energiekosten, Inflation, Tarifrunden und die Frage, warum man eigentlich nie daran denkt, ein zweites Handtuch mitzunehmen.

Hilden schwimmt also weiter. Nur eben mit leicht angepasstem Tarif und der Erkenntnis, dass selbst der Sprung ins Wasser heutzutage ein bisschen mehr kostet. Dafür bleibt der unbezahlbare Moment erhalten, wenn jemand am Beckenrand ruft: „Ist gar nicht kalt!“ – und alle wissen: Doch. Ist es.

Dienstag, 28. April 2026

28.4.2026: Walder Straße: Hildens längste Erlebnisstrecke ohne Eintrittskarte

Wer in Hilden derzeit ein kleines Abenteuer sucht, muss nicht in den Freizeitpark fahren, keinen Survival-Kurs buchen und auch nicht mit verbundenen Augen durch den Itterpark joggen. Es reicht völlig, sich ins Auto zu setzen und die Walder Straße entlangzufahren. Dort wartet ein Parcours, der irgendwo zwischen „Verkehrsweg“, „Stoßdämpferteststrecke“ und „kommunalem Geschicklichkeitsspiel“ angesiedelt ist.

Die Walder Straße, sonst bekannt als wichtige Verbindung Richtung Solingen-Wald, hat sich offenbar vorgenommen, ihren Nutzern etwas zu bieten. Einfach nur geradeaus fahren? Wie langweilig. Stattdessen gibt es Schlaglöcher, Bodenwellen, Flicken, Bröselstellen und jene kleinen Überraschungsmomente, bei denen man kurz überlegt, ob das gerade noch ein Geräusch vom Auto war oder schon ein Hilferuf der Vorderachse.

Bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich sollen dort unterwegs sein. Das ist beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass jedes einzelne davon vermutlich nach der Fahrt kurz innehält und denkt: „Wir haben es geschafft.“ Wer die Schlaglöcher elegant umfährt, darf sich beinahe wie bei einer praktischen Führerscheinprüfung für Fortgeschrittene fühlen. Nur ohne Prüfer. Dafür mit deutlich mehr Kaltasphalt.

Der Ärger der Bürger ist verständlich. Wenn eine Straße zur „Erlebnistour“ wird, klingt das zunächst nach touristischem Konzept. Man stellt sich Reisebusse vor, vielleicht mit Durchsage: „Zu Ihrer Linken sehen Sie ein besonders tiefes Exemplar der Gattung Winterschaden, rechts folgt gleich ein historisch gewachsener Asphaltflicken.“ Doch leider handelt es sich nicht um ein bewusst gestaltetes Freizeitangebot, sondern um den Zustand einer viel befahrenen Landesstraße.

Geflickt wurde bereits, und zwar mit Kaltasphalt. Das klingt nach einer pragmatischen Lösung, hat aber offenbar ungefähr die Haltbarkeit eines guten Vorsatzes im Februar. Der Asphalt hält eine Weile, bröselt dann, neue Löcher entstehen, alte Unebenheiten bleiben, und am Ende sieht die Straße aus, als hätte jemand versucht, ein sehr großes Pflaster auf ein sehr schlecht gelauntes Mammut zu kleben.

Zuständig ist Straßen.NRW, denn die Walder Straße ist eine Landesstraße. Die Stadt Hilden wiederum steht mit im Gespräch, denn vorher soll noch eine Kanalsanierung kommen. Und da bei dieser Kanalsanierung ohnehin ein großer Teil der Fahrbahn geöffnet werden müsste, wäre eine komplette Straßensanierung davor ungefähr so sinnvoll wie Fensterputzen während eines Sandsturms.

Also heißt es: erst Kanal, dann Straße. Irgendwann. Geplant ist zwischendurch immerhin eine großflächigere Instandsetzung mit Heißasphalt. Das klingt schon deutlich entschlossener. Heißasphalt hat im Namen wenigstens mehr Drama und Hoffnung als Kaltasphalt. Vielleicht wird aus der Buckelpiste dann zumindest eine lauwarme Übergangslösung.

Langfristig soll die Walder Straße umfassend erneuert werden. Sogar Querschnitt und Radverkehrsführung sollen angepasst werden. Das ist grundsätzlich erfreulich, befindet sich aber noch im Anfangsstadium. Übersetzt für den Alltag bedeutet das: Wer heute über die Walder Straße fährt, sollte weiterhin wachsam bleiben, beide Hände ans Lenkrad legen und sein Fahrzeug innerlich um Verzeihung bitten.

Bis dahin bleibt die Walder Straße ein Ort, an dem man Hildener Geduld, technische Zuständigkeiten und Stoßdämpfer gleichzeitig testen kann. Vielleicht sollte man am Anfang der Straße ein Schild aufstellen: „Willkommen auf der Walder Straße. Bitte sichern Sie lose Gegenstände, beruhigen Sie Ihre Mitfahrenden und genießen Sie die Fahrt.“

Montag, 27. April 2026

27.4.2026: Wenn der Bus länger tanzt als man selbst

In Hilden, Haan und Umgebung darf in der Nacht zum 1. Mai wieder getanzt, gefeiert und anschließend sehr hoffnungsvoll Richtung Haltestelle gewankt werden. Die Rheinbahn hat nämlich ein Herz für Nachtschwärmer, Maibaum-Bewacher, Tanzflächenakrobaten und all jene, die nach Mitternacht plötzlich feststellen, dass der Heimweg doch länger ist als der eigene Atem beim Cha-Cha-Cha.

In der Nacht von Donnerstag, 30. April, auf Freitag, 1. Mai, sowie direkt noch einmal von Freitag auf Samstag fährt die Rheinbahn länger. Nach Mitternacht gilt dann das NachtExpress-Angebot wie sonst am Wochenende. Das bedeutet: Wer sich beim Tanz in den Mai zeitlich ein wenig verschätzt, muss nicht gleich auf einer Parkbank philosophische Gespräche mit einem Döner führen, sondern hat gute Chancen, noch stilvoll mit Bus oder Bahn nach Hause zu kommen.

Besonders erfreulich für Hilden und Haan: Die DiscoLinien sind unterwegs. Allein der Name klingt schon nach Nebelmaschine, Glitzerhemd und jemandem, der um 2.17 Uhr überzeugt ist, noch „einen letzten Song“ zu brauchen. Die DL4 fährt in Erkrath und Hilden bis gegen 4 Uhr, die DL5 in Haan und Hilden bis 2 Uhr. Wer also nach der Maifeier feststellt, dass die Füße zwar gekündigt haben, der Kopf aber noch Vertragsverlängerung fordert, bekommt zumindest verkehrstechnisch Unterstützung.

Auch in Düsseldorf wird ordentlich nachgelegt. Mehrere Stadtbahn- und Buslinien fahren bis tief in die Nacht, teils alle 30 Minuten, teils stündlich. Die U72 verbindet Düsseldorf und Ratingen bis gegen 2 Uhr, während andere Linien sogar bis etwa 4 Uhr im Einsatz sind. Man kann also sagen: Die Rheinbahn macht das, was viele Partygäste auch versuchen – sie hält länger durch als geplant.

Am 1. Mai selbst gilt tagsüber der Sonntagsfahrplan. Das passt, denn nach einer durchtanzten Nacht bewegen sich ohnehin viele Menschen im Sonntagsmodus: langsam, würdevoll und mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen „War schön“ und „Nie wieder, bis nächstes Jahr“ liegt.

Wer ganz genau wissen möchte, wann welche Linie fährt, sollte vorher in die Fahrplanauskunft oder in die Rheinbahn-App schauen. Das ist besonders empfehlenswert, bevor man nachts an der Haltestelle steht und versucht, dem Fahrplan durch intensives Anstarren zusätzliche Busse zu entlocken. Für Fragen gibt es außerdem rund um die Uhr die kostenlose Hotline der Rheinbahn.

Kurz gesagt: Zum Tanz in den Mai darf die Region feiern, ohne dass der Heimweg zur Expedition wird. Die Rheinbahn sorgt dafür, dass Nachtschwärmer aus Hilden, Haan, Erkrath, Mettmann, Ratingen und Düsseldorf auch nach Mitternacht noch mobil bleiben. Und das ist doch beruhigend. Denn wer schon beim Tanzen aus dem Takt kommt, sollte wenigstens beim Heimfahren nicht völlig aus dem Fahrplan fallen.

Sonntag, 26. April 2026

26.4.2026: Hilden gibt Gas – aber bald mit mehr Wumms

In Hilden steht eine große Veränderung bevor, und nein, diesmal geht es nicht um neue Poller, Baustellen oder die Frage, warum man ausgerechnet dann keinen Parkplatz findet, wenn man nur „ganz kurz“ Brötchen holen will. Es geht ums Gas. Genauer gesagt: um die Umstellung von L-Gas auf H-Gas. Klingt erst einmal wie eine neue Diätformel aus dem Internet, ist aber tatsächlich eine ziemlich handfeste technische Angelegenheit.

Bisher kam in Hilden L-Gas aus den Niederlanden durch die Leitungen. Das „L“ steht dabei nicht für „lässig“, „leise“ oder „läuft schon irgendwie“, sondern für „Low Calorific“, also einen geringeren Energiegehalt. H-Gas wiederum steht für „High Calorific“ und hat entsprechend mehr Energie in der Leitung. Man könnte also sagen: Hilden steigt von der gemütlichen Gaskanne auf den kräftigeren Energiedrink um. Nur hoffentlich ohne Herzrasen beim Heizkessel.

Der Grund für die Umstellung ist nicht, dass irgendjemand bei den Stadtwerken morgens aufgewacht ist und dachte: „Ach, heute bringen wir mal 11.200 Haushalte ein bisschen durcheinander.“ Vielmehr liefern die Niederlande künftig kein L-Gas mehr nach Deutschland. Die Förderfelder dort sind nach und nach erschöpft, und ab dem 1. Oktober 2029 ist endgültig Schluss mit dem niederländischen L-Gas. Damit Hilden nicht irgendwann kollektiv im Wollpullover unter der kalten Dusche steht, wird rechtzeitig umgestellt.

Betroffen sind in Hilden rund 14.500 Erdgasgeräte in Haushalten und Unternehmen. Also Heizungen, Warmwasseranlagen und all die technischen Kästen, die meistens irgendwo im Keller hängen und so lange ignoriert werden, bis sie komische Geräusche machen. Damit diese Geräte künftig mit H-Gas klarkommen, müssen sie zunächst erfasst und später angepasst werden. Das passiert nicht per Zauberspruch, sondern durch Monteurinnen und Monteure, die im Auftrag der Stadtwerke unterwegs sein werden.

Jeder betroffene Haushalt bekommt mindestens zweimal Besuch. Beim ersten Termin wird geschaut, was da eigentlich im Keller, Hauswirtschaftsraum oder in der Abstellkammer vor sich hin arbeitet. Gerätetyp, Hersteller und wichtige Daten werden aufgenommen. Beim zweiten Termin wird das Gerät technisch angepasst, zum Beispiel durch den Austausch von Gasdüsen. Das klingt nach Feinarbeit, und genau das ist es auch. Man sollte also nicht selbst mit Schraubenzieher und YouTube-Tutorial loslegen. Der Satz „Ich hab da mal was am Gasgerät probiert“ gehört nämlich zu den Sätzen, bei denen Fachleute sehr schnell sehr blass werden.

Die gute Nachricht: Die Arbeiten sind für die Gasnutzer kostenlos. Niemand muss vor Ort bezahlen, niemand bekommt dafür eine Rechnung, und niemand sollte einem angeblichen Monteur Bargeld in die Hand drücken, nur weil dieser besonders überzeugend „Ich bin vom Gas“ sagt. Die Stadtwerke kündigen alle Termine rechtzeitig per Post an und geben auch Sicherheitshinweise, damit man echte Monteure von falschen unterscheiden kann. In Zeiten, in denen schon Paketboten, Glasfaserberater und angebliche Gewinnspielbeauftragte an der Tür klingeln, ist das durchaus beruhigend.

Los geht es voraussichtlich im Januar 2027 mit der Erhebung der Geräte. Ab Februar 2028 beginnt dann die technische Anpassung. Der große Schalttermin für Hilden ist für den 27. Juni 2028 vorgesehen. Das ist gewissermaßen der Tag, an dem Hilden offiziell auf H-Gas umsteigt. Kein Feiertag, kein Schützenumzug, vermutlich auch kein Feuerwerk, aber technisch betrachtet ein ziemlich bedeutender Moment.

Bis dahin heißt es: Briefe der Stadtwerke lesen, Termine im Blick behalten und dem Heizgerät gelegentlich freundlich zunicken. Es hat schließlich auch Gefühle. Oder zumindest eine Seriennummer. Und wer weiß: Vielleicht wird die Gasumstellung am Ende eines dieser seltenen Großprojekte, bei denen alles funktioniert, niemand panisch wird und Hilden einfach weiter warm duscht. Das wäre doch mal richtig heiß.

Samstag, 25. April 2026

25.4.2026: Wenn das Extrablatt mal kurz selbst einen Espresso braucht

Es gibt in jeder Stadt diese Orte, von denen man stillschweigend annimmt, dass sie einfach immer da sind. In Hilden gehört das Cafe Extrablatt ziemlich eindeutig dazu. Man läuft vorbei, sieht Menschen frühstücken, Kaffee trinken, Burger essen oder mit der ernsten Miene großer Weltpolitik über einen Aperol diskutieren, und denkt: Ja, alles ist in Ordnung, die Zivilisation funktioniert noch. Umso härter trifft nun die Nachricht, dass das Cafe Extrablatt an der Mittelstraße vom 4. Mai bis voraussichtlich 20. Juli für rund zweieinhalb Monate schließt. Zweieinhalb Monate! Für manche Stammgäste dürfte das emotional ungefähr auf einer Stufe stehen mit einem Stromausfall, einem WLAN-Abbruch und der Erkenntnis, dass der Lieblingsplatz auf der Terrasse künftig von jemand anderem besetzt sein könnte.

Der Grund für die Schließung ist allerdings kein Drama, sondern ein großer Umbau. Und zwar keiner von der Sorte „Wir stellen mal einen neuen Blumentopf auf“, sondern richtig handfest. Küche und Thekenbereich werden modernisiert, entkernt, neu angeordnet und mit neuen Geräten ausgestattet. Das klingt zunächst unromantisch, ist aber in Wahrheit der Maschinenraum jeder gastronomischen Glückseligkeit. Denn während Gäste meist nur wahrnehmen, dass ihr Getränk angenehm kühl und das Essen überraschend warm ankommt, steckt dahinter offenbar bislang eine kleine Schnitzeljagd für die Mitarbeitenden. Vier verschiedene Orte, um ein Getränk zuzubereiten, sind auf Dauer eben eher ein Hindernisparcours als ein Servicekonzept. Künftig sollen Gläser, Eiswürfel, Getränke und Minze an einem Platz sein. Mit anderen Worten: Mojitos werden bald nicht mehr unter den Bedingungen einer kleinen Expedition hergestellt.

Für die Gäste gibt es derweil Entwarnung. Die Grundatmosphäre soll erhalten bleiben, der bekannte Charme ebenfalls. Das ist eine ausgesprochen beruhigende Formulierung, denn bei Umbauten schwingt ja immer die leise Angst mit, dass hinterher alles aussieht wie eine Mischung aus Flughafenlounge, Zahnarztpraxis und skandinavischem Möbelkatalog. Doch nein: Das Extrablatt bleibt offenbar Extrablatt. Nur eben in praktischer. Ein Geländer verschwindet, eine neue Sitzbank kommt dazu, und auch draußen wird investiert. Neue Schirme, Markisen und Heizstrahler sollen die Aufenthaltsqualität verbessern. Man könnte also sagen: Das Café gönnt sich ein Update, ohne gleich seine Persönlichkeit an der Garderobe abzugeben.

Besonders interessant ist aber die logistische Meisterleistung hinter der Schließung. Rund 25 fest angestellte Mitarbeiter brauchen für diese Zeit Übergangslösungen, und die klingen fast wie der Spielplan einer kleinen Gastro-Wandertheatergruppe. Ausgeholfen wird in Düsseldorf, Monheim, Velbert und sogar bei einer Neueröffnung in Bocholt. Bocholt! Allein diese Option zeigt, wie ernst man es mit der Weiterbeschäftigung meint. Für den langen Arbeitsweg gibt es sogar Übernachtungsmöglichkeiten. Das ist der Moment, in dem der einfache Cafébesucher lernt: Hinter einem Latte Macchiato steckt manchmal mehr Reisebereitschaft, als man je vermutet hätte. Immerhin wird darauf geachtet, dass Mitarbeitende mit familiären Verpflichtungen nicht plötzlich zu Wochenpendlern des Franchise-Systems werden. Und manche im Team haben bereits angekündigt, die Umbauzeit für Urlaub zu nutzen. Verständlich. Wenn dein Arbeitsplatz vorübergehend aus Betonstaub, Handwerkern und entkernten Wänden besteht, klingt Erholung plötzlich sehr vernünftig.

Dass der Umbau ausgerechnet in den umsatzstarken Monaten Mai, Juni und Juli stattfindet, wirkt auf den ersten Blick mutig. Oder wahnsinnig. Oder beides. Der Betriebsleiter sieht darin aber Vor- und Nachteile. Im Sommer wären zwar eigentlich viele Gäste zu erwarten, gleichzeitig lassen sich Mitarbeitende in dieser Zeit besser in anderen Filialen unterbringen. Im Winter wäre das schwieriger gewesen. Das ist diese Art betriebswirtschaftlicher Logik, bei der man kurz innehält und anerkennend nickt, obwohl man innerlich nur denkt: Stimmt, klingt kompliziert, aber vermutlich besser, als im Dezember zwei Terrassen und 25 Mitarbeiter gleichzeitig jonglieren zu müssen.

Natürlich bleiben die Kosten des Umbaus geheim, was dem Ganzen eine gewisse Mystik verleiht. Man weiß also nicht genau, wie teuer es ist, eine Küche komplett zu entkernen, eine Theke neu zuzuschneiden und dem Außenbereich wetterfesten Charme zu verpassen. Aber vermutlich bewegt sich die Summe irgendwo zwischen „hui“ und „deshalb reden wir nicht darüber“. Auch das passt irgendwie in die Gastronomie: Der Gast soll am Ende einfach nur merken, dass alles besser läuft, ohne beim Frühstück nebenbei einen Finanzbericht serviert zu bekommen.

Wenn alles nach Plan läuft, eröffnet das Cafe Extrablatt am 20. Juli wieder. Vielleicht auch zehn Tage früher, vielleicht zehn Tage später. Das ist bei Umbauten bekanntlich die elegante Version von: Wir schauen mal, was die Realität daraus macht. Eine große Wiedereröffnungsaktion ist deshalb noch nicht geplant, aber man darf davon ausgehen, dass in Hilden spätestens an diesem Tag viele Menschen mit der Miene zurückkehren werden, mit der man alte Freunde begrüßt. Bis dahin heißt es für Stammgäste: stark bleiben, neue Frühstücksorte testen und sich daran erinnern, dass wahre Liebe auch eine zweieinhalbmonatige Trennung übersteht. Und wer weiß – vielleicht schmeckt der erste Kaffee nach der Wiedereröffnung dann nicht nur gut, sondern auch ein kleines bisschen nach Triumph.

Freitag, 24. April 2026

24.4.2026: Wenn Autobahn und S-Bahn gleichzeitig Urlaub machen

Es gibt Nachrichten, bei denen man sofort spürt: Das wird nichts mit der entspannten Anreise. Im Kreis Mettmann kündigt sich nämlich ein herbstliches Infrastruktur-Event an, das ungefähr so viel Vorfreude auslöst wie nasse Socken im November. Die A59 Richtung Düsseldorf soll voll gesperrt werden, während gleichzeitig die S6 monatelang ausfällt. Mit anderen Worten: Wer pendelt, darf demnächst wählen, ob er im Auto steht oder im Ersatzverkehr darüber nachdenkt, warum er nicht einfach Förster geworden ist.

Dabei klingt zunächst alles noch halbwegs vernünftig. Die Sanierung der A59 läuft laut Autobahn GmbH im Zeitplan, die erste Teerschicht ist drauf, die maroden Betonplatten aus den 1970er-Jahren verschwinden nach und nach. Man könnte fast meinen, Deutschland habe seine Beziehung zu Großbaustellen inzwischen in den Griff bekommen. Doch dann biegt die Realität wieder geschniegelt um die Ecke und sagt: Schön, dass die eine Fahrtrichtung bald fertig ist – im Herbst wird dann eben die andere gesperrt. Voll. Komplett. Mit Nachdruck.

Besonders charmant wird die Sache dadurch, dass der gefürchtete Verkehrskollaps bislang offenbar ausgeblieben ist. Das ist in etwa so beruhigend wie der Satz eines Zahnarztes: „Bis jetzt sieht es noch ganz ordentlich aus.“ In Langenfeld spricht man von punktuellen Überschreitungen der Leistungsfähigkeitsgrenzen, was nach Ingenieurssprache klingt, aber im Alltag vermutlich bedeutet: Es stockt, hupt und jemand flucht in seinem Kleinwagen auf Höhe der nächsten Ampel. In Hilden wiederum heißt es, viele Pendler hätten inzwischen ihre individuellen Umleitungsrouten gefunden. Ein schöner Ausdruck dafür, dass mittlerweile vermutlich halb NRW geheime Schleichwege kennt, die früher nur Paketboten und sehr ehrgeizige Taxifahrer auf dem Schirm hatten.

Eine Hauptrolle in diesem Drama spielen die Bedarfsampeln. Schon das Wort klingt wie eine höfliche Erfindung für: Wir hoffen, dass diese Dinger uns retten. Mit Videobeobachtung und Fernüberwachung sollen sie den Verkehr lenken. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ampeln selbstständig schlauer werden. Sie beobachten nur brav die Lage, damit irgendwo jemand manuell entscheiden kann, dass Grün vielleicht doch eine gute Idee wäre. Man möchte sich diese Szenerie bildlich vorstellen: Millionen Fahrzeuge, Hunderte genervte Menschen und irgendwo ein Bildschirm, auf dem jemand sagt: „Oh, an der Kreuzung ist ja wieder was los.“

Immerhin wurden in Hilden bereits Anpassungen vorgenommen. An zwei Kreuzungen war die Grünphase zu kurz, was im Straßenverkehr ungefähr die Bedeutung hat wie ein zu kleines Handtuch im Schwimmbad: formal vorhanden, praktisch aber unerquicklich. Also wurde nachjustiert, optimiert, verbessert. Man sieht förmlich den deutschen Verwaltungsapparat in Höchstform: Bürger melden ein Problem, die Stadt nimmt Hinweise auf, die Signalbaufirma aus der Nähe von Hannover verändert die Schaltung. Das ist fast romantisch. Langsam, technisch und mit dem dezenten Duft von Formularen.

Dann aber kommt der eigentliche Höhepunkt dieses Verkehrsromans: Parallel zur Herbstsperrung der A59 fällt von Anfang Juli bis zum 4. Dezember auch noch die S6 beziehungsweise S68 aus. Statt S-Bahn gibt es Schienenersatzverkehr. Und jeder, der dieses Wort kennt, weiß: Es beschreibt kein Verkehrsmittel, sondern einen emotionalen Zustand. Der Bus fährt theoretisch dorthin, wo vorher die Bahn fuhr, braucht aber länger, steht ebenfalls im Stau und vermittelt den Fahrgästen die besondere Erfahrung, gleichzeitig unterwegs und doch irgendwie festzustecken.

So droht also die doppelte Pendlerprüfung: Wer dem Stau auf der Straße entkommen will, landet womöglich im Ersatzbus, der selbst im Stau steht. Das ist die Art von logistischer Eleganz, für die man in anderen Ländern vermutlich Kunstpreise vergeben würde. Die Region bekommt damit ein Mobilitätskonzept, das sich am besten mit „gegenseitiger Behinderung auf hohem Niveau“ beschreiben lässt.

Natürlich gibt es gute Gründe für die Maßnahmen. Die Fahrbahn ist alt, kaputt und den Belastungen nicht mehr gewachsen. Die Bauwerke sind nicht für dauerhaften Zweirichtungsverkehr ausgelegt. Rettungskräfte müssen im Notfall durchkommen. All das ist vernünftig und wichtig. Aber für den normalen Pendler bleibt am Ende vor allem die Erkenntnis: Die Infrastruktur wird zwar fit gemacht, nur leider genau in dem Moment, in dem man sie braucht.

Bis dahin darf man also gespannt beobachten, wie sich Autofahrer durch Hilden, Langenfeld und Monheim tasten, wie Ampeln unter Beobachtung stehen und wie sich der Schienenersatzverkehr bemüht, das Wort „Ersatz“ nicht zu persönlich zu nehmen. Der Herbst 2026 verspricht damit weniger goldene Blätter als rote Bremslichter. Und irgendwo zwischen A59, B8 und Ersatzbus wird wieder einmal deutlich: In Deutschland reist man nicht einfach von A nach B. Man erlebt dabei etwas.

Donnerstag, 23. April 2026

23.4.2026: Hilden zum Mitnehmen

Es gibt Städte, die haben eine Skyline aus Wolkenkratzern, Glasfassaden und Größenwahn. Und dann gibt es Hilden. Hilden hat die „Eilige Einkäuferin“, die Reformationskirche, eine Eiche und das Bürgerhaus – und das ist ehrlich gesagt sehr viel sympathischer. Während andere Orte sich mit protzigen Panoramen schmücken, setzt Hilden auf das, was wirklich zählt: Menschen, Bäume und Gebäude, die nicht so tun, als wären sie Manhattan. Genau diese Silhouette soll jetzt zum Markenzeichen der Stadt werden. Nicht etwa als Riesenplakat am Flughafen, sondern ganz bodenständig auf Taschen, Weingläsern, Coffee-to-go-Bechern und Schürzen. Das ist nicht weniger als der große Aufstieg der Lokalidentität in den Geschenkartikelbereich.

Offenbar kam die kleine Testauflage auf dem Weihnachtsmarkt 2025 gut an. Und wer wollte es den Menschen verdenken? Endlich kann man seine Heimatverbundenheit nicht nur im Herzen tragen, sondern auch unter dem Arm, in der Küche oder beim gemütlichen Weißweinabend. Die Vorstellung, dass jemand künftig mit einer Hilden-Tasche durch die Gegend läuft, aus einem Hilden-Becher trinkt und beim Kochen eine Hilden-Schürze trägt, hat etwas wunderbar Konsequentes. Es fehlt eigentlich nur noch Hildener Bettwäsche, damit man vollständig eingebettet in die kommunale Markenstrategie aufwachen kann.

Besonders schön ist, was diese Skyline überhaupt zeigt. Keine überambitionierte Designerfantasie, kein abstraktes Liniengewirr, das aussieht wie der Herzschlag eines überforderten Grafikbüros, sondern ganz typische Motive aus der Innenstadt. Schlicht, markant, klar gezeichnet. So klar, dass man fast hört, wie irgendwo im Rathaus erleichtert festgestellt wurde: Endlich mal ein Motiv, das nicht erst in einem achtseitigen Konzeptpapier erklärt werden muss. Eine Hildenerin hat der Stadt gleich drei Entwürfe angeboten, und zwar für einen mittleren dreistelligen Betrag. Das klingt nach einer der angenehmsten Verhandlungen der Kommunalgeschichte: keine Millionen, keine Großagentur, kein internationaler Wettbewerb – einfach jemand aus Hilden mit einer Idee und einem Preis, bei dem noch niemand sofort in Ohnmacht fällt.

Allerdings zeigte sich auch hier wieder: Geschmack ist politisch. Während die Skyline gut ankam, fielen zwei andere Motive bei der Politik eher durch. Da war zum einen ein Kreis mit den Buchstaben HLDN, im Uhrzeigersinn verteilt, auf grünem Grund. Das klingt ein bisschen nach Stadtmarketing trifft Brettspielverpackung. Das andere Motiv war ein Umriss des Stadtgebiets mit eingezeichnetem Namen, Nordrhein-Westfalen und dem Zusatz „Est. 985“. Ein Entwurf also, der ein wenig wirkt, als wolle Hilden gleichzeitig Modelabel, Indie-Brauerei und mittelgroße Verwaltungsstadt sein. Offenbar war das der Politik dann doch eine Spur zu experimentell. Man möchte Wiedererkennung, aber bitte nicht so viel, dass am Ende jemand fragt, ob HLDN eine neue Elektropop-Band ist.

Deshalb sollen nun die Bürger beteiligt werden, was in Deutschland fast immer bedeutet, dass es jetzt offiziell wird. Wenn die Politik unsicher ist, ob etwas richtig gut oder nur halbwegs okay ist, ruft sie gern die Bürgerschaft auf den Plan. Das hat Charme, denn wer könnte besser entscheiden, welches Motiv Hilden repräsentiert, als Menschen, die dort leben, einkaufen, parken, meckern und auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein trinken? Gleichzeitig steckt darin die Hoffnung, dass Identifikation nicht einfach von oben verordnet wird, sondern sich entwickelt. Oder, weniger poetisch gesagt: Wenn die Leute beim Motiv mitreden dürfen, kaufen sie später vielleicht auch eher die Tasche.

Auch die Preise für die Produkte stehen schon fest, und sie bewegen sich in einer Zone, die man wohl als „kommunal vernünftig mit leichtem Souvenirflair“ bezeichnen könnte. Die Kochschürze für 7,50 Euro, der Kaffeebecher für 7 Euro, das Weinglas für 5 Euro und die Tasche für 6,50 Euro. Das ist alles so kalkuliert, dass man weder einen Luxuskauf noch einen Ramschartikel vermutet. Es ist das Preisniveau eines Angebots, bei dem man im Vorbeigehen denkt: Ach komm, eine Hilden-Tasse kann man schon mal mitnehmen. Und genau darin liegt vermutlich die eigentliche Genialität. Niemand plant monatelang die Anschaffung eines Skyline-Weinglases. Aber viele Menschen kaufen so etwas spontan, lächeln kurz und stellen es daheim ins Regal, wo es dann zwischen Fernweh und Altglas auf seine große Stunde wartet.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die Nutzung der Skyline ist bislang nur für fünf Jahre vereinbart. Das bedeutet, dass selbst ein Stadtmotiv heute offenbar nicht einfach für die Ewigkeit gedacht ist, sondern zunächst mit einer Art kultureller Probezeit leben muss. Immerhin gibt es schon Gespräche über eine langfristige Nutzung, sogar eine mündliche Zusage für eine unbefristete Zukunft. Das klingt beruhigend, denn nichts wäre trauriger, als wenn die Hildener Skyline nach fünf Jahren wieder aus dem Stadtbild verschwände und irgendwo zwischen Vertragslaufzeit und Nutzungsrecht ihr Dasein fristen müsste. Eine Skyline, die es auf Taschen und Weingläser geschafft hat, sollte schließlich nicht an Bürokratie scheitern.

So betrachtet macht Hilden gerade etwas sehr Modernes und zugleich sehr Rührendes: Die Stadt versucht, aus sich selbst eine kleine Marke zu machen, ohne sich dabei lächerlich zu überhöhen. Kein „urban pulse“, kein „city vibes only“, kein angestrengtes Image-Gerede mit englischen Schlagworten, sondern eine Eiche, eine Kirche, ein Bürgerhaus und eine eilige Einkäuferin. Das ist vielleicht keine Weltstadtästhetik, aber es ist unverkennbar Hilden. Und womöglich ist genau das die beste Werbung: eine Stadt, die weiß, dass sie keine spektakuläre Skyline braucht, solange sie eine hat, die man gern auf eine Tasche druckt.