Sonntag, 27. September 2026

27.9.2026: CO₂ unter Hilden – oder: Jetzt bekommt sogar die A3 eine Unterführung

An der A3 sind wir Hildener einiges gewohnt. Stau, Baustellen, Lärm – und demnächst vielleicht noch eine CO₂-Pipeline. Die geplante Leitung des „Delta Rhine Corridor“ soll nach den bisherigen Planungen in Hilden entlang der Autobahn verlaufen. Und wenn in Hilden die Wörter „Großprojekt“ und „Trassenführung“ gemeinsam auftauchen, lohnt es sich erfahrungsgemäß, genauer hinzuschauen.

Genau das können die Hildener jetzt tun. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist gestartet, die Planungsunterlagen sind einsehbar und bis zum 26. Oktober können Stellungnahmen abgegeben werden. Geplant wird die rund 200 Kilometer lange Rohrfernleitung von Open Grid Europe. Sie soll CO₂, das bei bestimmten industriellen Produktionsprozessen abgeschieden wird, in die Niederlande und von dort weiter zu Speicherstätten in der Nordsee transportieren.

Auf der Karte wirkt die Sache zunächst vergleichsweise ordentlich. In Hilden soll die Leitung parallel zur Autobahn verlaufen. Nur ist dort bereits ein weiteres Großprojekt geplant: der Ausbau der A3. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie beide Vorhaben zusammenpassen und was sie gemeinsam für das Stadtgebiet bedeuten.

Die Stadt sieht die Planung kritisch. Bürgermeister Claus Pommer fragt unter anderem, weshalb eine linksrheinische Alternative offenbar nicht ernsthaft weiterverfolgt werde und warum die Leitung durch einen dicht besiedelten Raum wie Hilden führen solle. Außerdem sei bislang nicht nachvollziehbar dargelegt worden, wie Pipeline und Autobahnausbau miteinander vereinbar sind.

Das sind Fragen, die sich auch ohne grundsätzliche Position zur CO₂-Speicherung stellen lassen. Denn über Sinn und Notwendigkeit einer solchen Infrastruktur kann man ausführlich diskutieren – die konkrete Trasse ist eine andere Frage. Und für uns Hildener ist am Ende ziemlich entscheidend, wo gebuddelt wird, wie lange gebuddelt wird und was danach noch alles gebuddelt werden muss.

Immerhin befinden wir uns noch nicht an dem Punkt, an dem jemand mit dem Bagger vor der Tür steht. Die konkrete Trassenführung soll erst in einem späteren Zulassungsverfahren festgelegt werden. Wer Hinweise, Anregungen oder Bedenken hat, kann sie jetzt offiziell einbringen – also besser, bevor irgendwann Markierungspfähle auftauchen und in der Hildener Facebook-Gruppe die erste Frage gestellt wird: „Weiß jemand, was die da schon wieder machen?“

So bekommt Hilden möglicherweise ein weiteres Infrastrukturprojekt, das auf einer Karte zunächst nur wie eine Linie aussieht. Vor Ort wird aus solchen Linien erfahrungsgemäß schnell etwas deutlich Konkreteres.

Über eine Trasse diskutiert es sich am besten, bevor sie vor der eigenen Haustür liegt.

Samstag, 26. September 2026

26.9.2026: Die Hoppedine kommt nach Hause – oder: Hilden darf wieder draußen jeck sein

Ich finde, der Hildener Karneval gehört am 11.11. auf den Alten Markt. Nicht weil dort zwingend die besten Bedingungen herrschen, sondern weil Karneval gesehen werden muss. Zwei Jahre lang erwachte die Hoppedine in der Stadthalle, jetzt holt das Carnevals Comitee Hilden sie zurück ins Herz der Innenstadt. Am 11. November um 16.30 Uhr geht es los – und wer eigentlich nur durch die Mittelstraße wollte, könnte plötzlich mitten in der neuen Session stehen.

Genau das ist gewollt. Das CCH möchte ausdrücklich nicht nur die überzeugten Karnevalisten erreichen, sondern auch diejenigen, die zufällig vorbeikommen, stehen bleiben und vielleicht doch ein bisschen mitfeiern. Das gefällt mir. Karneval funktioniert schließlich besser, wenn er sich nicht hinter Türen versteckt. Auf dem Alten Markt kann man schlecht behaupten, man habe von der Sessionseröffnung nichts mitbekommen.

Dabei stand vor wenigen Monaten noch gar nicht fest, ob in Hilden überhaupt alles wie gewohnt weitergeht. Der bisherige CCH-Vorstand trat nicht mehr zur Wiederwahl an, erst nach mehreren Anläufen fand sich eine neue Mannschaft. Seit Ende Juni führen Präsidentin Miriam Ksionzek, Geschäftsführerin Sonja Lange-Sangiorgi und ihre Mitstreiter das CCH. Viel Zeit zum gemütlichen Einarbeiten blieb ihnen nicht. Während andere neue Vorstände vermutlich erst einmal Passwörter ändern und Ordner sortieren, mussten sie praktisch sofort den Hildener Karneval retten.

Am 11.11. stehen nun wieder die Hoppedine, die CCH-Flöhe, die Musketiere und die Tanzgarde der Großen Hildener KG auf dem Programm, dazu legt DJ Frank auf. Clever ist auch die Uhrzeit. Früher nahm man sich für den 11.11. offenbar noch frei, heute kollidiert der Karneval mit etwas ausgesprochen Unnärrischem: dem normalen Arbeitstag. Deshalb beginnt das Programm erst am späten Nachmittag. Auch die Kinder sollen nicht früher aus der Schule geholt werden. Selbst der Hildener Karneval muss inzwischen Work-Life-Balance können.

Besonders gespannt darf man wieder auf Stephanie „Fanni“ Pook sein. Die Hildener Hoppeditz-Figur ist bekanntlich weiblich, also Hoppedine, und Fanni übernimmt die Rolle erneut. Sie gilt als jemand, der in seiner Rede lokale Themen gerne dort anfasst, wo es ein bisschen wehtut. Stoff dürfte vorhanden sein. Tempo 30 allein könnte vermutlich für eine komplette Büttenrede reichen. Und wenn das nicht genügt, gibt es in Hilden bekanntlich jederzeit Nachschub aus Rathaus, Verkehr und Kommentarspalten.

Drei Tage später geht es bereits in der Stadthalle weiter. Am 14. November werden Prinz Hildanus Eugen I. und Prinzessin Hildania Julia I. sowie das Kinderprinzenpaar Finja und Till vorgestellt. Besonders ist die Session auch deshalb, weil Finja und Till das 55. Hildener Kinderprinzenpaar bilden und die Große Hildener KG ihren 7x11. Geburtstag feiert. Wer mit karnevalistischer Mathematik nicht vertraut ist: 7x11 ist selbstverständlich bedeutender als 77. In diesen Dingen sollte man dem Rheinland einfach vertrauen.

Hinter der ganzen Fröhlichkeit steckt allerdings viel Arbeit – und zunehmend viel Geld. Das CCH kämpft mit steigenden Kosten für Sicherheitsauflagen und Wurfmaterial, während Zuschüsse keineswegs selbstverständlich sind. Ob und in welchem Umfang die Stadt den Karneval 2027 unterstützen kann, ist angesichts der angespannten Haushaltslage noch offen. Das Sessionsheft mit seinen Sponsoreneinnahmen wird deshalb wichtiger, um unter anderem den Rosenmontagszug zu finanzieren. Und wer sich anschließend in sozialen Medien darüber beschwert, dass beim Zug zu wenig oder nicht die richtigen Kamelle geworfen wurden, sollte vielleicht daran denken: Das Zeug fällt tatsächlich nicht vom Himmel. Bezahlt wird vieles von den Menschen auf den Wagen selbst.

Vielleicht ist genau das der Teil des Karnevals, den man als Zuschauer leicht übersieht. Wir sehen Musik, Kostüme, Tanzgruppen, Prinzenpaar und Rosenmontagszug. Dahinter stehen Menschen, die ehrenamtlich organisieren, Sponsoren suchen, Sicherheitsauflagen erfüllen, Wurfmaterial kaufen und dafür sorgen, dass am Ende überhaupt etwas stattfinden kann. Der neue CCH-Vorstand ist dafür in diesem Jahr ziemlich kurzfristig ins kalte Wasser gesprungen.

Umso schöner, dass die neue Session dort beginnt, wo Hildener Stadtleben hingehört: mitten in der Innenstadt. Man muss nicht einmal überzeugter Jeck sein. Einfach am 11.11. gegen halb fünf über den Alten Markt gehen und schauen, was passiert.
 

Und wenn Fanni dann noch Tempo 30 aufs Korn nimmt, hat Hilden endgültig alles zusammen, was es für einen gelungenen Nachmittag braucht: Karneval, Innenstadt und eine Verkehrsdiskussion. Helau.

Freitag, 25. September 2026

25.9.2026: Drei Monate Pause – oder: Hilden spart jetzt mit unbesetzten Schreibtischen

Bei der Stadt Hilden arbeiten viele Menschen. Sehr viele sogar. Zum 30. Juni waren es 1.182, wobei 74 ehrenamtliche Kräfte mitgezählt werden. Ohne sie bleiben 1.108 Beschäftigte. Gleichzeitig ist ungefähr jede zwanzigste vorgesehene Stelle unbesetzt. Normalerweise würde man an dieser Stelle über Fachkräftemangel sprechen. In Hilden bekommt die freie Stelle derzeit allerdings noch eine zweite Funktion: Sie hilft beim Sparen.

Denn seit Mitte März gilt grundsätzlich eine dreimonatige Wiederbesetzungssperre. Wird eine Stelle frei, kommt nicht sofort jemand Neues. Erst einmal wartet Hilden. Ausgenommen sind verständlicherweise Bereiche, in denen längeres Warten keine besonders gute Idee wäre: Feuerwehr und Rettungsdienst, Kinderbetreuung und Kinderschutz. Beim Rest lautet die neue Personalstrategie vereinfacht: Bevor wir jemanden einstellen, schauen wir drei Monate lang, ob es vielleicht auch so geht.

Finanziell funktioniert das zunächst tatsächlich. Die Stadt hatte bei den Personalkosten eine Überschreitung des Haushaltsansatzes von rund 671.000 Euro erwartet. Durch die verzögerte Wiederbesetzung konnte diese Prognose auf etwa 290.000 Euro gedrückt werden. Rechnerisch sind das rund 381.000 Euro weniger. Angesichts der Hildener Haushaltslage ist das kein Kleingeld. Die Personalausgaben werden inzwischen sogar monatlich statt nur quartalsweise kontrolliert. Wenn Hilden irgendwo konsequent beschleunigt, dann derzeit offenbar beim Blick auf die Kosten.

Allerdings hat diese Rechnung eine zweite Seite. Eine unbesetzte Stelle kostet zwar kein Gehalt, erledigt aber auch keine Arbeit. Die verschwindet schließlich nicht automatisch zusammen mit dem Namen auf dem Türschild. Entweder sie bleibt liegen, wird später erledigt oder landet bei den Kolleginnen und Kollegen. Drei Monate Wiederbesetzungssperre sind deshalb nicht einfach drei Monate Einsparung, sondern möglicherweise auch drei Monate zusätzliche Belastung an anderer Stelle. Spätestens wenn Bürger länger auf eine Antwort, einen Termin oder eine Bearbeitung warten, bekommt die Personalpolitik ein Gesicht.

Interessant ist auch die Struktur der Stadtverwaltung. Der Stellenplan umfasst rechnerisch 902 Vollzeitstellen, tatsächlich arbeiten deutlich mehr Menschen für die Stadt, weil viele Stellen geteilt werden. 44 Prozent der Beschäftigten auf Planstellen arbeiten in Teilzeit. Das liegt nicht nur an persönlichen Arbeitszeitmodellen, sondern auch daran, dass etwa im Offenen Ganztag, in Küchen oder an der Musikschule Tätigkeiten von vornherein als Teilzeitstellen vorgesehen sind. Hinzu kommen 59 Ausbildungs-, Praktikums- und Freiwilligendienstverhältnisse. Nachwuchs gibt es also weiterhin, wenn auch weniger als im Vorjahr.

Und während Hilden versucht, mit dreimonatigen Stellenpausen einige Hunderttausend Euro einzusparen, wartet im Hintergrund möglicherweise eine ganz andere Hausnummer. Sollte Nordrhein-Westfalen die Beamtenbesoldung infolge der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts anpassen, rechnet die Stadt mit zusätzlichen Belastungen von bis zu zwei Millionen Euro jährlich. Das wäre kommunale Finanzmathematik in ihrer schönsten Form: Vorne spart man 381.000 Euro durch später besetzte Stellen, während hinten möglicherweise zwei Millionen Euro zusätzliche Kosten durch die Tür kommen.

Genau darin liegt das eigentliche Problem. Personalkosten lassen sich kurzfristig bremsen, eine Verwaltung lässt sich aber nicht beliebig verkleinern, ohne dass es irgendwann im Alltag bemerkbar wird. Hilden braucht schließlich weiterhin Erzieher, Feuerwehrleute, Verwaltungsmitarbeiter, Sozialarbeiter, Ingenieure und all die anderen Menschen, die dafür sorgen, dass eine Stadt funktioniert. Sparen durch Nichtbesetzen kann deshalb ein Instrument sein. Ein dauerhaftes Personalkonzept ist es nicht.

Für uns Hildener wird am Ende ohnehin eine andere Frage entscheidend sein: Merken wir etwas davon? Solange Anträge bearbeitet, Kitas betrieben, Straßen geplant und Dienstleistungen erbracht werden, bleibt die Wiederbesetzungssperre vor allem eine Zahl im Personalbericht. Wenn die Wartezeiten steigen, wird aus dieser Zahl ziemlich schnell eine Alltagserfahrung.

Und damit hat Hilden eine bemerkenswert einfache Sparmethode entdeckt: Die günstigste Stelle im Rathaus ist momentan die, auf der drei Monate lang niemand sitzt.

Donnerstag, 24. September 2026

24.9.2026: Hilden hat sich bewegt – oder: 1.600-mal runter vom Sofa

Ich gebe zu: Wenn ich im Sommer durch Hilden fahre und irgendwo im Park Menschen auf Matten liegen, denke ich nicht automatisch an Sport. Manchmal sieht es eher nach sehr organisiertem Entspannen aus. Aber Yoga zählt natürlich, genauso wie Qi Gong, Boule, Rückenschule, Bodyweight-Training und After-Work-Fitness. Zwölf Wochen lang hat sich Hilden bei „Sport im Park“ bewegt – und offenbar ziemlich gerne.

Mehr als 1.600 Teilnahmen wurden bei insgesamt 71 kostenlosen Angeboten gezählt. Im vergangenen Jahr waren es 1.526. Das klingt zunächst nach einer dieser Zahlen, die Verwaltungen gerne in Pressemitteilungen schreiben. Aber dahinter steckt eine einfache und ziemlich erfreuliche Erkenntnis: Wenn Sport unkompliziert, kostenlos und direkt vor der Haustür angeboten wird, machen die Leute mit.

Rund 1.300 Teilnahmen entfielen auf die regelmäßigen Kurse, weitere 300 auf Aktionen für Kinder und Jugendliche wie Fahrradparcours und DFB-Fußball-Abzeichen. Besonders gefällt mir die Bandbreite. Der eine versucht beim Yoga herauszufinden, ob die eigenen Knie tatsächlich noch für diese Position vorgesehen sind, der nächste spielt Boule und wieder andere trainieren für das Deutsche Sportabzeichen. Hilden bewegt sich – jeder nach seinen Möglichkeiten.

Das Schöne an „Sport im Park“ ist für mich gerade das Unkomplizierte. Kein langfristiger Vertrag, keine Aufnahmegebühr, kein neues Sportoutfit, das nach drei Wochen im Schrank verschwindet. Man geht hin und macht mit. Und wer feststellt, dass Bodyweight-Training doch anstrengender ist, als der harmlose Name vermuten lässt, kann beim nächsten Mal vielleicht Boule ausprobieren.

Dass das funktioniert, liegt natürlich auch an den Vereinen und Anbietern, die das Programm tragen. Sportmühle Hilden, Hilden Sport, Boule-Club Fanny Hilden, Fuel for Move, Stadtsportverband, Core-Fit, Sportvereinigung 05/06 und SV Hilden-Ost waren unter anderem beteiligt. Stadtwerke Hilden und Bergische Krankenkasse unterstützten die Reihe. Ohne solche Partner bleiben aus 71 Angeboten schnell deutlich weniger.

2027 soll „Sport im Park“ deshalb weitergehen. Bis dahin muss Hilden übrigens nicht vollständig zurück aufs Sofa. Von November bis Februar gibt es unter anderem den Open Sunday und „Laufen unter Flutlicht“. Gerade Letzteres klingt nach einem Angebot für Menschen, die im Winter morgens im Dunkeln zur Arbeit fahren und abends im Dunkeln zurückkommen – und zwischendurch offenbar trotzdem noch freiwillig laufen wollen. Respekt.

Mir gefällt an der ganzen Sache vor allem, dass hier einmal niemand lange erklären muss, warum etwas schwierig ist. Keine Baustelle, keine Parkplatzdiskussion, kein neues Verkehrsschild und keine jahrelange Planung. Matte hinlegen, Sportschuhe anziehen und anfangen.

Vielleicht ist das die einfachste Hildener Erfolgsformel überhaupt: kostenlos, draußen und möglichst ohne Ausschusssitzung vorher.

Mittwoch, 23. September 2026

23.9.2026: Paradies war gestern – oder: Hilden grillt jetzt selbst

Wer regelmäßig über den Fritz-Gressard-Platz läuft, kennt das: In der Hildener Gastronomie muss man gelegentlich genau hinschauen, ob hinter einer neuen Fassade wirklich etwas Neues steckt. Beim früheren „China Paradies“ ist die Antwort diesmal: ja und nein. Die Familie Jin ist geblieben, das Restaurant heißt seit dem 12. September „Ikigaii – Koreanisches BBQ Restaurant“ – und am Tisch wird jetzt selbst gegrillt.

Das hat durchaus seinen Reiz. Chinesische Buffets gibt es rund um Hilden schließlich einige. Also versucht die Familie Jin etwas anderes: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte kommen vom Buffet, anschließend übernimmt der Gast am Tischgrill. Damit erreicht auch Hilden einen interessanten Punkt gastronomischer Entwicklung: Wir gehen ins Restaurant, bezahlen fürs Essen – und dürfen es anschließend selbst zubereiten. Früher hätte man das Arbeit genannt, heute heißt es Erlebnisgastronomie.

Ganz verschwunden ist das alte China Paradies allerdings nicht. Chinesische Gerichte bleiben auf der Karte und beim Mittagsbuffet, das montags bis samstags von 11.30 bis 14.30 Uhr für 12,90 Euro angeboten wird. Abends wird es koreanischer: Das BBQ-Buffet kostet 35,90 Euro und enthält Bier, Softdrinks, Säfte und Tee. Wein und Cocktails muss man extra bestellen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Konzept in Hilden funktioniert. Denn wir Hildener beschäftigen uns bekanntlich gerne selbst mit den Dingen. Wir begutachten neue Straßenmarkierungen, zählen Parkplätze, prüfen Baustellenfortschritte und wissen meistens ziemlich genau, wo gerade wieder ein Schild aufgestellt wurde. Da sollte es uns nicht überfordern, zusätzlich die Verantwortung für ein Stück Fleisch auf einem Tischgrill zu übernehmen.

Der große Vorteil: Beim koreanischen BBQ sind die Zuständigkeiten wenigstens eindeutig. Ist das Fleisch zu roh, muss es länger auf den Grill. Ist es schwarz, lag es zu lange drauf. Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung, welcher Fachbereich zuständig ist, dürfte sich damit erübrigen.

Interessant ist auch, wie international ein einzelnes Restaurant am Fritz-Gressard-Platz inzwischen daherkommt. Das frühere China Paradies bietet weiterhin chinesisches Mittagessen, setzt abends auf koreanisches Barbecue und trägt mit „Ikigaii“ einen Namen, der an den japanischen Begriff „Ikigai“ erinnert. Man muss Hilden für eine kleine kulinarische Asienreise also nicht einmal verlassen. Es reicht, in die Innenstadt zu fahren und einen Parkplatz zu finden – womit wir dann doch wieder bei einer typisch Hildener Herausforderung wären.

Mir gefällt vor allem, dass hier nicht einfach nur das Schild ausgetauscht wurde. Die Betreiber probieren etwas Neues aus, ohne alles Alte über Bord zu werfen. Gerade in einer Innenstadt, in der über Leerstände und Gastronomie regelmäßig gesprochen wird, ist das erst einmal eine erfreuliche Bewegung: Ein bestehendes Restaurant entwickelt sich weiter und versucht, den Gästen einen Grund zu geben, wiederzukommen.

Und vielleicht ist das koreanische BBQ sogar genau das richtige Restaurantkonzept für Hilden. Jeder bekommt seinen eigenen Grill, jeder darf selbst entscheiden – und anschließend kann am Tisch ausführlich darüber diskutiert werden, ob die anderen es richtig gemacht haben.

Dienstag, 22. September 2026

22.9.2026: Ferien ohne Langeweile – oder: Hilden beschäftigt den Nachwuchs

Wenn ich an Herbstferien denke, denke ich zuerst an zwei Wochen ohne Schule. Für Eltern beginnt an dieser Stelle allerdings häufig der anspruchsvollere Teil: Was machen wir eigentlich mit dem Nachwuchs? Hilden hat darauf in diesem Jahr eine ziemlich ausführliche Antwort. Malen, Programmieren, Kochen, Kürbisse schnitzen, Mario Kart, Koreanisch, Movie Park und Halloween – wer sich in diesen Ferien langweilt, muss sich schon ein bisschen Mühe geben.

Kreativ wird es bei der Kinder- und Jugendkunstschule KuKuK. Unter dem schönen Motto „Keine Angst vorm weißen Blatt“ können Kinder ab sieben Jahren vom 19. bis 23. Oktober im Wilhelm-Fabry-Museum malen und gestalten. In der zweiten Ferienwoche folgen ein Krimidinner und „Drachen und Fabeltiere“. Die fünftägigen Kurse kosten jeweils 85 Euro. Damit dürfte zumindest die klassische Ferienfrage „Was soll ich denn machen?“ für einige Stunden am Tag beantwortet sein.

Wer mit Pinsel und Farbe weniger anfangen kann, findet in der Stadtbibliothek das digitale Gegenprogramm. Dort können Neun- bis Zwölfjährige mit OctoStudio eigene Geschichten, Spiele oder kleine Apps entwickeln, etwas Ältere programmieren mit Scratch. Vorkenntnisse braucht es nicht, beide Angebote sind kostenlos. Dazu kommen Mario-Kart, Nintendo Switch und sogar Koreanisch für Grundschüler. Die Stadtbibliothek meiner Kindheit bestand vor allem aus Büchern und der freundlichen Aufforderung, leise zu sein. Heute wird programmiert, gezockt und Koreanisch gelernt. Irgendetwas haben wir damals offenbar verpasst.

Noch unkomplizierter geht es in den Jugendtreffs zu. Die Campus OT bietet für Acht- bis 13-Jährige unter anderem Kürbisschnitzen, Kochen, Kreativangebote und einen Überraschungsausflug. In der zweiten Woche folgen am Weidenweg Herbstbasteln, Filmabend und Halloweenparty. Die Angebote sind kostenlos und können ohne Anmeldung besucht werden. Im Area 51 gibt es für Jugendliche und junge Erwachsene ebenfalls Kochen, Kürbisschnitzen, Film und Halloween – plus einen Ausflug in den Movie Park mit Anmeldung und 20 Euro Eigenanteil. Wer sich lieber bewegt, kann außerdem bei den „Bewegungseinsätzen“ am Weidenweg und am Area 51 vorbeischauen.

Und dann wäre da noch der talentCAMPus der VHS Hilden-Haan. Unter dem bemerkenswerten Titel „Märchenhafte Bilder mit Natur & blauem Wunder“ können Zehn- bis 14-Jährige fünf Tage lang kreativ arbeiten – kostenlos und jeweils von 10 bis 17 Uhr. Das ist nicht nur ein ordentliches Ferienprogramm, sondern dürfte bei manchen Eltern spontan ebenfalls für märchenhafte Gefühle sorgen.

Natürlich muss man bei einigen Angeboten rechtzeitig planen. Kurse haben Altersgrenzen, manche kosten Geld und teilweise ist eine Anmeldung erforderlich. Die Stadt hat deshalb Termine, Preise und Anmeldemöglichkeiten auf ihrer Ferienseite gebündelt. Ein kurzer Blick vorab dürfte sinnvoller sein, als am ersten Ferientag mit erwartungsvollem Kind vor einer bereits ausgebuchten Tür zu stehen.

Was mir an dem Programm gefällt, ist die Mischung. Nicht jedes Kind möchte basteln, nicht jeder Jugendliche programmieren und nicht jeder verbringt seine Ferien freiwillig mit Bewegung. Deshalb gibt es Kunst genauso wie Gaming, Kochen genauso wie Ausflüge und feste Workshops genauso wie offene Treffs. Ferienprogramm muss schließlich nicht bedeuten, Kinder zwei Wochen lang von einem pädagogisch wertvollen Termin zum nächsten zu chauffieren.

Und falls trotz all dieser Möglichkeiten irgendwann doch der berühmte Satz fällt: „Mir ist langweilig“, können Hildener Eltern diesmal ziemlich entspannt reagieren.

Denn an fehlenden Angeboten liegt es in diesen Herbstferien nun wirklich nicht.

Montag, 21. September 2026

21.9.2026: Jetzt wird der Kürbis bunt – oder: Hilden malt den Herbst an

Ich mag den Hildener Wochenmarkt. Ein bisschen schauen, ein bisschen kaufen, irgendwo jemanden treffen – und meistens nimmt man mehr mit nach Hause, als ursprünglich geplant. Am 10. Oktober könnte noch etwas dazukommen: ein bunt bemalter Kürbis. Denn von 10 bis 13 Uhr dürfen Kinder und Jugendliche auf dem Wochenmarkt zu Pinseln und Acrylfarben greifen.

Und nein, diesmal geht es ausnahmsweise nicht darum, den Kürbis möglichst gruselig auszuhöhlen. Halloween ist schließlich noch ein paar Wochen entfernt. Statt Messer und Teelicht gibt es Farbe und Fantasie. Unter Anleitung von Dorothee Wengenroth, Kunstpädagogin am Wilhelm-Fabry-Museum und an der Kinder- und Jugendkunstschule KuKuK, sollen aus gewöhnlichen Kürbissen kleine Kunstwerke werden.

Eigentlich eine ziemlich schöne Idee. Während die Erwachsenen zwischen Kartoffeln, Käse, Blumen und der Frage unterwegs sind, ob man wirklich noch etwas braucht, können die Kinder den Herbst etwas bunter machen. Und vermutlich werden am Ende einige Eltern mit einem Kürbis nach Hause gehen, der selbstverständlich einen Ehrenplatz bekommen muss. Wegwerfen nach der Saison? Schwierig. Das Kind hat ihn schließlich selbst bemalt. So beginnt möglicherweise die Weihnachtsdekoration 2026 mit einem orangefarbenen Kunstwerk vom Hildener Wochenmarkt.

Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings sind die Plätze begrenzt und eine vorherige Anmeldung über die Stadt erforderlich. Das sollte man nicht überlesen. Einfach mit Kind, Pinsel und der Erwartung auf einen freien Kürbisplatz aufzutauchen, könnte sonst enttäuschend enden.

Nebenbei läuft natürlich auch der normale Wochenmarkt weiter. Von 7 bis 13.30 Uhr bieten die Händler ihre Waren an, passend zur Jahreszeit mit zusätzlichen Herbstangeboten. Man kann den Nachwuchs also kreativ beschäftigen und anschließend noch die Einkäufe erledigen – wobei ich nicht ausschließen würde, dass der bemalte Kürbis am Ende wichtiger ist als alles, was ursprünglich auf dem Einkaufszettel stand.

Ich mag solche Aktionen gerade deshalb, weil sie nicht größer gemacht werden, als sie sind. Kein Festival, keine Großveranstaltung, kein kompliziertes Programm. Ein Samstagvormittag auf dem Wochenmarkt, ein paar Kürbisse, Farbe und Kinder, die daraus machen dürfen, was ihnen einfällt. Manchmal braucht eine Innenstadt genau solche kleinen Ideen.

Und vielleicht entdecken wir dabei sogar eine völlig neue Hildener Kunstform. Schließlich diskutieren wir sonst ausdauernd über Schilder, Fassaden, Straßenmarkierungen und die richtige Gestaltung des öffentlichen Raums. Diesmal dürfen einfach die Kinder gestalten.

Und sollte ein Kürbis am Ende besonders wild aussehen, gilt immerhin: Dafür braucht es weder eine Baugenehmigung noch einen Ausschussbeschluss.