Sonntag, 12. April 2026

12.4.2026: Hilden rennt – aber die Bahn macht schlapp

In Hilden gibt es eine Laufbahn, die schon vieles gesehen hat: ehrgeizige Sportabzeichen-Aspiranten, fliegende Hildanuslauf-Schuhe, Schulklassen in unterschiedlichen Motivationszuständen und wahrscheinlich auch so manchen Menschen, der sich beim ersten Sprint fest vorgenommen hat, ab sofort „wieder regelmäßig was zu machen“. Die Tartanbahn am Bandsbusch ist also nicht irgendein roter Kreis mit Linien, sondern ein echtes Arbeitstier des Hildener Sports. Genau das ist nun allerdings auch ihr Problem: Wer jahrzehntelang zuverlässig für alle da ist, sieht irgendwann eben nicht mehr taufrisch aus. Und so hat die Stadt jetzt offiziell festgestellt, was vermutlich jeder geübte Blick längst ahnte: Die Bahn ist stark beschädigt, die Entwässerung unzureichend und normgerecht ist das Ganze auch nicht mehr. Anders gesagt: Selbst die Laufbahn hätte inzwischen wohl gute Gründe, sich mal krankzumelden.

Dabei begann alles einst mit einem kleinen sportästhetischen Traum. Der frühere Sportdezernent Reinhard Gatzke stellte sich für das Stadion am Bandsbusch eine blaue Laufbahn vor, inspiriert vom Berliner Olympiastadion. Man merkt: Auch in der Kommunalpolitik gibt es gelegentlich Momente, in denen das Herz kurz vor dem Taschenrechner gewinnt. Am Ende setzte sich dann aber doch die sachliche Lösung durch, was sehr deutsch ist und in diesem Fall wohl auch günstiger. So wurde die Bezirkssportanlage zum sportlichen Mittelpunkt in Hilden, unter anderem als Leistungsstützpunkt der LG Hilden. Heute steht weniger die Farbe im Mittelpunkt als vielmehr die Tatsache, dass die Bahn inzwischen so deutlich in die Jahre gekommen ist, dass man fast erwarten könnte, sie erzählt beim Vorbeilaufen von früher.

Genutzt wird sie jedenfalls reichlich. Schul- und Vereinssport, Leichtathletik-Wettbewerbe, Sportfeste der Förderschulen, Hildanuslauf, Sportabzeichen und sogar das „Laufen unter Flutlicht“ – diese Bahn ist im Grunde die Mehrzweckhalle unter den Freiluftanlagen. Dazu kommen noch Bürgerinnen und Bürger, die sie einfach fürs informelle Sporttreiben nutzen. Allein dieses Wort ist wunderbar. Informelles Sporttreiben klingt ein bisschen so, als würde man geschniegelt mit Stoppuhr und Clipboard erscheinen, meint aber im Grunde: Menschen laufen dort einfach, weil sie Lust haben, fitter zu sein oder sich nach dem dritten Stück Kuchen kurz selbst beeindrucken möchten.

Nun soll also 2027 die komplette Erneuerung kommen. Und komplett heißt hier wirklich komplett: Belag, Einfassungen, Barrieren und eine normgerechte Entwässerung. Die Bahn bekommt damit gewissermaßen keine Schönheitskur, sondern eine Rundum-Verjüngung, wie man sie sonst nur von Prominenten oder Altbauküchen kennt. Veranschlagt werden dafür rund 1,5 Millionen Euro. Das ist die Art Summe, bei der man als normaler Mensch kurz innehält und denkt, dass man für deutlich weniger Geld schon sehr viele Sportschuhe kaufen könnte. Aber gut, die halten dann auch keine ganze Stadt aus.

Ursprünglich sollte in einem Aufwasch auch noch das angrenzende Kleinspielfeld saniert werden, für rund 316.000 Euro. Doch nun soll der Rat erst einmal nur über die Tartanbahn entscheiden. Auch das wirkt vertraut: Wenn es ernst wird, muss man Prioritäten setzen. Erst die Laufbahn, dann der Rest. Ausschreibung im zweiten Quartal 2026, Umsetzung im ersten Halbjahr 2027 – wetterabhängig natürlich, denn selbst bei bester Planung bleibt der deutsche Baukalender in einer komplizierten Beziehung zum Himmel.

Immerhin bleibt die Anlage in diesem Jahr durchgehend nutzbar. Das ist die gute Nachricht für alle, die weiterhin Runden drehen, Punkte fürs Sportabzeichen sammeln oder beim Hildanuslauf nicht nur mitlaufen, sondern auch ankommen möchten. Und vielleicht gibt es ja sogar Fördergeld. Die Sanierung wurde für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gemeldet, bei dem der Bund sich mit bis zu 45 Prozent beteiligen kann. Der Rest bleibt bei der Kommune, was in etwa der finanzpolitischen Version von „Wir helfen gern, aber ganz allein machen wir’s auch nicht“ entspricht.

Am Ende ist diese Geschichte eigentlich sehr Hilden: eine viel genutzte Sportanlage, eine marode Bahn, ein millionenschweres Sanierungsprojekt und die Hoffnung, dass am Schluss wieder alles rund läuft – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tartanbahn am Bandsbusch bekommt also bald ihre zweite Luft. Und das ist auch gut so. Denn wenn in einer Stadt schon alle immer wieder zum Laufen motiviert werden, sollte wenigstens der Untergrund nicht aussehen, als hätte er selbst gerade keine Kraft mehr.

Samstag, 11. April 2026

11.4.2026: Hilden liest vor – und zwar nicht mit halber Stimme

In Hilden wird es wieder spannend, und zwar nicht mit Elfmeter, Startschuss oder Castingshow-Fieber, sondern mit Büchern, Betonung und ziemlich beeindruckenden Grundschulkindern. Am 20. April treten in der Stadtbibliothek Hilden die besten Vorleserinnen und Vorleser der dritten und vierten Klassen gegeneinander an, um den Stadtentscheid des Lesewettbewerbs unter sich auszumachen. Beginn ist um 15 Uhr, Einlass ab 14.45 Uhr, der Eintritt ist frei – was sehr praktisch ist, denn gute Geschichten kosten im besten Fall nur Aufmerksamkeit und ein bisschen Bewunderung.

Schon der Ort passt perfekt: die Stadtbibliothek. Dort, wo sonst leise umgeblättert wird und Bücherregale still Würde ausstrahlen, wird an diesem Nachmittag gezeigt, dass Lesen weit mehr ist als nur Wörter von links nach rechts zu transportieren. Hier geht es um Können, Ausdruck und vermutlich auch um die noble Kunst, trotz Publikum nicht plötzlich an einem schwierigen Wort zu verzweifeln, das man zu Hause noch mit heldenhafter Selbstsicherheit gemeistert hat.

Besonders schön ist, dass dieser Wettbewerb in Hilden bereits zum siebten Mal stattfindet. Dahinter steckt die Initiative von Roswitha Konnerth, der ehemaligen Schulleiterin des Schulverbundes Kalstert. Das allein zeigt schon: Gute Ideen verschwinden nicht einfach, sondern kommen wieder – so wie Lieblingsbücher, nur ohne Eselsohren. Und der Wettbewerb ist eben nicht nur ein klassisches „Wer liest am hübschesten vor?“, sondern deutlich raffinierter angelegt. Denn in Hilden reicht es nicht, nur gekonnt vorzulesen, man soll auch wirklich verstehen, was man da liest. Ein ziemlich kluger Gedanke, wenn man bedenkt, dass es auch im Erwachsenenleben erstaunlich viele Menschen gibt, die Texte lesen, ohne ihren Sinn vollständig mitzunehmen.

Deshalb gehört zum Wettbewerb nicht nur das öffentliche Vorlesen, sondern auch ein Test zum sinnentnehmenden Lesen. Das klingt ein bisschen nach Schule, ist aber im Grunde der Beweis, dass Lesen eben mehr ist als hübsche Aussprache und der dramatische Einsatz an der richtigen Stelle. Die Kinder müssen Texte selbstständig erfassen, Fragen beantworten, Zusammenhänge erkennen, Wortbedeutungen aus dem Kontext ableiten und grammatische Strukturen verstehen. Also all das, bei dem manche Erwachsene innerlich schon langsam Richtung Kaffeemaschine abbiegen würden. Die erreichten Punkte aus diesem Test fließen dann in die Gesamtbewertung ein. Anders gesagt: In Hilden wird nicht nur vorgelesen, hier wird mit Inhalt geliefert.

Das macht den Wettbewerb besonders sympathisch. Es geht nicht bloß darum, wer am schönsten betont oder am souveränsten durch Absätze gleitet, sondern darum, wer wirklich zeigt, dass Lesen Kopf und Stimme gleichzeitig braucht. Das hat Stil, Sinn und sendet ganz nebenbei eine erfreuliche Botschaft aus: Bildung darf ruhig auch mal öffentlich gefeiert werden. Statt Lampenfieber für Playback oder Tanzschritte gibt es hier Aufregung wegen Textverständnis und Lesestimme – und mal ehrlich, das ist doch eigentlich ziemlich großartig.

So wird die Stadtbibliothek am 20. April zum Schauplatz eines Wettbewerbs, bei dem keine Pokale aus Gold funkeln müssen, weil schon das Format selbst glänzt. Kinder zeigen ihr Können, Bücher bekommen eine Bühne, und Hilden beweist erneut, dass eine Stadt nicht nur dann lebendig ist, wenn irgendwo ein Straßenfest läuft, sondern auch dann, wenn junge Leserinnen und Leser einen Text zum Leben erwecken. Wer hingeht, erlebt vielleicht keinen Krimi im eigentlichen Sinne – aber ganz sicher Spannung, Talent und den sehr angenehmen Beweis, dass Lesen alles andere als langweilig ist.

Freitag, 10. April 2026

10.4.2026: Hilden, Haan und die brutale Wahrheit vom Traumhaus mit Preisschild

Es gibt Nachrichten, die lesen sich wie ein sanfter Realitätscheck mit dem nassen Waschlappen. Der neue Grundstücksmarktbericht für den Kreis Mettmann gehört eindeutig in diese Kategorie. Wer sich also in Hilden oder Haan in den Kopf gesetzt hat, ein Haus zu bauen oder zu kaufen, sollte vorher tief durchatmen, den Kontostand anschauen und sich vielleicht vorsorglich irgendwo hinsetzen. Denn Neubauten kosten inzwischen mehr als eine halbe Million Euro – und das ist noch die freundliche Formulierung.

Konkret sieht die Lage so aus: Neubauten von Ein- und Zweifamilienhäusern lagen im Berichtszeitraum zwischen 517.000 und 972.000 Euro, im Durchschnitt bei 660.000 Euro. Anders gesagt: Selbst das „günstigere“ neue Eigenheim ist inzwischen preislich ungefähr dort angekommen, wo früher die Kategorie „Wow, das muss aber eine Villa sein“ begann. Wer beim Wort Neubau noch romantisch an frische Wände, unbenutzte Badezimmerfliesen und den Duft neuer Fensterrahmen denkt, bekommt nun direkt den passenden Kassenbon dazu.

Aber auch gebrauchte Immobilien lassen keinen echten Schnäppchenalarm aufkommen. Sie kosteten zwischen 125.000 Euro und 2,12 Millionen Euro, im Durchschnitt 490.000 Euro. Da zeigt sich der Immobilienmarkt von seiner kreativen Seite: Zwischen „renovierungsbedürftige Hoffnung mit Charme“ und „hier residiert vermutlich ein Zahnarzt mit Weinkeller“ scheint alles dabei zu sein. Der Durchschnittspreis von knapp einer halben Million ist dabei die elegante Art des Marktes zu sagen: Ein bisschen Wahnsinn gehört inzwischen einfach dazu.

Immerhin gibt es auch eine Zahl, die auf den ersten Blick fast optimistisch klingt: Im Berichtszeitraum vom 16. November 2024 bis zum 31. Dezember 2025 wurden im Kreis Mettmann 3237 Kaufverträge abgeschlossen. Das ist ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt lebt also. Oder anders gesagt: Es gibt tatsächlich noch Menschen, die bei diesen Preisen nicht nur nervös lachen, sondern wirklich unterschreiben. Alle Verträge zusammen hatten ein Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro. Das ist die Art Summe, bei der man selbst beim Lesen automatisch etwas gerader sitzt.

Der Grundstücksmarktbericht beantwortet übrigens genau die Fragen, die man sich als angehender Immobilienmensch früher oder später stellt: Wie hoch ist der Bodenrichtwert in meiner Straße? Was kostet ein Quadratmeter Neubau? Und wie teuer ist eigentlich der Traum vom Eigenheim, bevor man die Küche, die Garage und die Diskussion um Fußbodenheizung überhaupt mitgerechnet hat? Erstellt wird der Bericht vom Gutachterausschuss, der sämtliche Kaufverträge auswertet. Das heißt: Diese Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern kommen direkt aus der echten Welt – also aus jener Welt, in der Erwachsene plötzlich Sätze sagen wie: „Für das Geld bekommt man ja nicht mal mehr was Vernünftiges mit Garten.“

Wer es ganz genau wissen will, kann auf der Seite von Boris NRW nachsehen und dort Adresse oder Kommune eingeben. Das klingt erst mal sachlich und hilfreich, ist emotional aber ein bisschen wie freiwillig den Taschenrechner mit ins eigene Wunschleben zu nehmen. Trotzdem ist es natürlich nützlich. Besser, man schaut sich die Richtwerte vorher an, als später überrascht festzustellen, dass schon das Grundstück preislich ungefähr auf dem Niveau eines kleineren Lottogewinns liegt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Traum vom Haus lebt in Hilden und Haan weiter – er trägt nur inzwischen einen ziemlich exklusiven Maßanzug. Eigentum ist nach wie vor möglich, aber offenbar bevorzugt der Markt mittlerweile Menschen mit guter Finanzierung, starken Nerven und einer sehr stabilen Beziehung zu ihrem Bankberater.

Mittwoch, 8. April 2026

8.4.2026: Hilden tritt in die Pedale – und der innere Schweinehund rennt keuchend hinterher

Es ist wieder so weit: Hilden macht ernst mit dem Klimaschutz, ölt gedanklich schon mal die Fahrradkette und ruft zum „Stadtradeln 2026“ auf. Vom 17. Mai bis zum 6. Juni darf wieder kräftig gestrampelt, geschwitzt und mit leicht stolzgeschwellter Brust auf den Kilometerzähler geschielt werden. Gemeinsam mit den neun Nachbarkommunen aus dem Kreis Mettmann zeigt die Stadt, dass man für eine bessere Umwelt nicht immer gleich einen Wald pflanzen muss – manchmal reicht es schon, den Autoschlüssel beleidigt in die Schublade zu werfen und stattdessen aufs Rad zu steigen.

Das Schöne dabei: Mitmachen kann praktisch jeder, der in Hilden lebt, arbeitet, zur Schule geht oder irgendwo Mitglied ist – also ungefähr alle außer vielleicht der Goldfisch im Wohnzimmer. Die Teilnahmebedingungen sind herrlich überschaubar: Man braucht ein Fahrrad und sollte sich anmelden. Das ist schon alles. Keine Alpenüberquerung, kein Eignungstest, kein Motivationsseminar mit PowerPoint. Einfach bei „Hilden im Kreis Mettmann“ einloggen, Team aussuchen oder selbst eins gründen und dann losradeln, als gäbe es an jeder Ecke Gratis-Eis.

Besonders charmant ist ja die Sache mit den Teams. Man kann sich einem bestehenden Team anschließen oder mit Kollegium, Freundeskreis oder Familie eine eigene Mannschaft gründen. Endlich ein Anlass, bei dem man Oma, den Nachbarn und den Kollegen aus dem Controlling in eine Gruppe werfen kann, ohne dass es gleich awkward wird. Und plötzlich entstehen ganz neue Dynamiken: Menschen, die sonst schon bei drei Treppenstufen „sportlich genug für heute“ murmeln, diskutieren auf einmal ernsthaft über Reifenluftdruck, Sattelhöhe und die Frage, ob der Weg zum Bäcker wirklich nicht auch als Training zählt. Natürlich zählt er. Jeder Kilometer zählt. Selbst der zum Kiosk. Vor allem der zum Kiosk.

Die Stadt Hilden wirbt völlig zu Recht damit, dass Radfahren gut für Gesundheit, Motivation und Umwelt ist. Ein echter Dreierpack also – quasi das Überraschungsei für Erwachsene, nur ohne Schokolade und mit mehr Muskelkater. Bürgermeister Claus Pommer formuliert es diplomatisch und motivierend, aber im Kern läuft es auf Folgendes hinaus: Wer öfter aufs Fahrrad steigt, tut sich selbst etwas Gutes, der Stadt auch, und nebenbei freut sich vermutlich sogar das schlechte Gewissen, das sich sonst immer meldet, wenn man für zwei Kilometer das Auto startet. In Hilden sind viele Wege ja nur zwei bis drei Kilometer lang. Das ist keine Distanz, das ist eine freundliche Einladung vom Universum, endlich mal wieder in die Pedale zu treten statt im Stau auf den Rückspiegel des Vordermanns zu starren.

Und dann diese Zahlen: 26 Quadratkilometer Stadtfläche, über 100 Kilometer Radverkehrsnetz. Das ist im Grunde Hildens charmante Art zu sagen: „Ausreden sind heute leider ausverkauft.“ Die Bedingungen sind hervorragend, der Aufruf ist da, die Anmeldung ist einfach – jetzt fehlt eigentlich nur noch der Moment, in dem man das Fahrrad aus dem Keller holt und feststellt, dass es dort seit letztem Sommer mehr Spinnweben gesammelt hat als Kilometer. Aber auch dafür ist Stadtradeln da: als freundlicher Tritt in die Motivation, ganz ohne unfreundlich zu wirken.

Wer ganz technikaffin ist, trägt seine Kilometer online oder per App ein. Und weil wir in modernen Zeiten leben, werden die erfassten Daten sogar anonymisiert und von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich ausgewertet. Das heißt: Während man gemütlich oder weniger gemütlich durch Hilden radelt, wird im Hintergrund auch noch geforscht. Man fährt also nicht nur fürs Klima, sondern irgendwie auch ein kleines bisschen für die Wissenschaft. Da fühlt sich selbst der Weg zum Supermarkt plötzlich verdächtig bedeutend an.

Am Ende ist „Stadtradeln“ genau die Art von Aktion, die zeigt, dass Klimaschutz nicht immer nach Verzicht klingen muss. Man kann dabei frische Luft schnappen, sich bewegen, Mitstreiter finden und ganz nebenbei die Stadt ein Stück lebenswerter machen. Und mal ehrlich: Es hat doch auch etwas herrlich Befriedigendes, an parkenden Autos vorbeizuradeln und innerlich zu denken: Heute läuft’s. Oder besser gesagt: Heute rollt’s.

Montag, 6. April 2026

6.4.2026: Wenn der Aufstieg am Zaun hängen bleibt

Es gibt Fußballgeschichten, die schreien geradezu nach Pathos: Schweiß, Leidenschaft, Kabinenansprachen mit heiserer Stimme und der große Traum von der Regionalliga. Und dann gibt es Hilden. Dort hängt der Traum vom Aufstieg offenbar nicht an den Nerven der Spieler, nicht an der Taktik des Trainers und nicht einmal am Torverhältnis – sondern an einem Zaun. Ja, richtig gelesen: an einem Zaun. Nicht metaphorisch, nicht poetisch überhöht, sondern ganz handfest, verschraubt, ordnungsgemäß verbaut und bitte nicht als billiger Bauzaun aus dem Baumarkt.

Der VfB 03 Hilden hat nämlich mutig die Regionalliga-Lizenz beantragt, was grundsätzlich erst einmal nach Aufbruch, Ambition und sportlicher Zukunft klingt. Doch während man sich andernorts fragt, ob der Kader stark genug ist, ob das Pressing funktioniert und ob man in der neuen Liga bestehen kann, lautet die alles entscheidende Frage in Hilden: Wer bezahlt eigentlich den Gästezaun? Willkommen im deutschen Fußball, wo zwischen Kreidetafelromantik und Verwaltungsrealität oft nur ein Kostenvoranschlag liegt.

Das Bandsbusch-Stadion erfüllt fast alle Anforderungen. Fast. Dieses kleine Wort ist im Behörden-Deutsch ungefähr so bedrohlich wie „Wir müssen reden“ in einer Beziehung. Fast alles passt, nur eben nicht alles. Der Gästebereich braucht eine feste Umzäunung für rund 800 Zuschauer. Und nein, es reicht nicht, da zwei Ordner streng zu gucken und drei Flatterbänder zu spannen. Es muss etwas Solides her, etwas mit Schrauben, Bodenverankerung und vermutlich dem Charisma eines mittelgroßen Hochsicherheitstrakts. Ein Zaun, der sagt: „Willkommen in der Regionalliga – bitte benehmt euch.“

Besonders schön ist dabei die finanzielle Dimension. Ein sechsstelliger Betrag steht im Raum. Für einen Zaun! Andere kaufen dafür Eigentumswohnungen auf dem Land, in Hilden trennt man damit Gästefans von der restlichen Welt. Natürlich hofft der Verein, dass man irgendwie doch im fünfstelligen Bereich bleibt. Was absolut nachvollziehbar ist. Sechsstellig klingt nach Infrastrukturprojekt, fünfstellig immerhin noch nach „unangenehm, aber vielleicht mit viel Kaffee, Sponsorenliebe und gutem Zureden machbar“.

Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Da rennen elf Spieler Woche für Woche, grätschen, kämpfen, köpfen sich in Richtung Aufstieg, und im Hintergrund sitzt irgendwo ein Mensch mit Klemmbrett und murmelt: „Ja, sportlich beeindruckend, aber wie steht es um die Verschraubung des Gästewegs?“ Das ist die vielleicht deutscheste Pointe, die der Fußball zu bieten hat. Nicht der Gegner ist die größte Hürde, sondern die Baumaßnahme. Der eigentliche Endgegner trägt keinen Vereinswimpel, sondern vermutlich Sicherheitsschuhe.

Der Zeitdruck macht die Sache natürlich erst richtig rund. Bis zum 30. April muss glaubhaft gemacht werden, dass die Auflagen erfüllt werden können. Gleichzeitig muss der Stadtrat entscheiden, ob die Maßnahme durchgeführt wird und wer sie finanziert. Das klingt weniger nach Fußballmärchen und mehr nach einer Mischung aus Politthriller, Bauamt-Sitcom und öffentlicher Ausschreibung. Man wartet also nicht auf den erlösenden Siegtreffer in der Nachspielzeit, sondern auf Sitzungstermine, Beschlüsse und ein möglichst freundliches Nicken in Richtung Finanzierung.

Und irgendwo darin steckt auch etwas herrlich Tragikomisches: Der „Gästezaun“ ist derzeit quasi die Eintrittskarte ins Abenteuer Regionalliga. Nicht etwa mehr Tore, nicht der schönere Fußball, nicht die größere Fanliebe – nein, ein Zaun. Falls es jemals zu einem Vereinslied über diese Saison kommen sollte, müsste die erste Zeile eigentlich lauten: „Wir wollten hoch hinaus, doch erst musste einer einen Zaun bezahlen.“

Trotzdem hat die ganze Sache auch etwas Sympathisches. Der VfB 03 Hilden wirkt nicht wie ein Verein, der größenwahnsinnig nach den Sternen greift, sondern eher wie jemand, der voller Euphorie zur Party eingeladen wurde und dann an der Tür erfährt, dass nur mit festem Schuhwerk eingelassen wird. Man will rein, man ist bereit, aber irgendwer muss eben noch kurz zum Schuster. Oder in diesem Fall zum Zaunbauer.

So bleibt festzuhalten: Der moderne Fußball ist ein wunderbares Schauspiel. Er lebt von Emotionen, Aufstiegsfantasien und großem Einsatz. Aber manchmal entscheidet am Ende eben nicht der Sturm, sondern der Stahl. Und während in Hilden alle vom Sprung in die Regionalliga träumen, sitzt irgendwo vielleicht schon ein Zaunbauer, der gar nicht ahnt, dass er gerade der wichtigste Mann im gesamten Verein sein könnte.

Freitag, 3. April 2026

3.4.2026: Hilden hängt an alten Slogans – und bald auch wieder an der Mittelstraße

In Hilden gibt es wieder diese ganz besondere Sorte Lokalnachricht, bei der man sich denkt: Natürlich. Natürlich dauert in Deutschland selbst das Wiederaufhängen eines Leuchtschilds länger als seine Reparatur. Aber immerhin: Es gibt Fortschritte. Das legendäre Schild mit dem Slogan „Hilden – was liegt näher…“ ist restauriert und glänzt nun schneller als erwartet in neuem alten Ruhm. Das allein ist schon fast eine kleine Sensation, denn normalerweise kennt man solche Projekte eher unter dem Arbeitstitel „Wird geprüft“ oder „Ist Gegenstand weiterer Abstimmungen“.

Während Stadt und Politik noch darüber nachdenken, wie Hilden sich künftig selbst bewerben möchte und welcher neue Slogan denn nun gleichzeitig modern, identitätsstiftend und möglichst nicht peinlich sein soll, hat der Stadtmarketing e.V. einfach gemacht. Nicht zu verwechseln mit dem Stadtmarketing-Citymanagement im Rathaus, was in sich schon wieder so herrlich deutsch ist, dass man fast ein zweites Leuchtschild bräuchte mit der Aufschrift: „Achtung, es gibt mehrere Zuständigkeiten.“ Jedenfalls wurde die kaputte Anlage auf eigene Kosten repariert, und zwar nicht irgendwann, sondern schneller als geplant. In Hilden ist das ungefähr die kommunalpolitische Version eines Formel-1-Boxenstopps.

Nun ist das Schild also fertig, aber natürlich noch nicht wieder aufgehängt. Denn bevor in Deutschland etwas leuchten darf, müssen erst noch Anschlagpunkte geprüft, Seile kontrolliert, vertragliche Regelungen geklärt und entstehende Kosten besprochen werden. Mit anderen Worten: Die eigentliche Reparatur war der leichte Teil. Die wahre Herausforderung ist, wie immer, das organisatorische Ballett aus Sicherheitsprüfung, Abstimmung und Zuständigkeitsgymnastik. Man kann sich direkt vorstellen, wie irgendwo ein Ordner mit dem Titel „Leuchtschild Mittelstraße – Aufhängung“ angelegt wurde, in dem jetzt ganz feierlich Menschen E-Mails schreiben, damit ein Schild wieder da hängt, wo es früher schon einmal hing.

Besonders charmant ist dabei, dass der Slogan selbst offiziell schon als veraltet und nicht mehr zeitgemäß gilt. Das Schild ist also im Grunde eine leuchtende Übergangslösung mit Nostalgiefaktor. Es darf noch einmal strahlen, bis der Stadt ein neuer Werbespruch einfällt. Hilden gönnt sich damit gewissermaßen ein sentimentales Best-of seiner Eigenwerbung. Frei nach dem Motto: Der Claim mag alt sein, aber solange wir keinen besseren haben, darf er noch einmal an die frische Luft. Das ist ein bisschen so, als würde man den Pullover aus den 90ern nochmal tragen, weil man noch nicht weiß, was man stattdessen anziehen soll.

Und weil ein leuchtender Slogan allein noch keine Innenstadt aufhübscht, will der Stadtmarketing e.V. von Ende April bis Ende Oktober auch noch Blumenampeln aufhängen. Hilden setzt also 2026 auf die große Kombination aus Licht und Geranie. Das ist keine Stadtverschönerung mehr, das ist fast schon ein Moodboard. Man bekommt direkt das Bild einer Fußgängerzone, die sagen will: „Ja, wir hatten harte Jahre, aber schaut mal – wir blühen wieder auf. Und wir können sogar wieder leuchten.“

Überhaupt steckt in dieser Nachricht etwas wunderbar Tröstliches. Während andernorts große Visionen verkündet und dann vergessen werden, arbeitet man sich in Hilden ganz pragmatisch an den echten Symbolen der Stadtidentität ab: ein altes Leuchtschild, sichere Seile, geklärte Kosten, Blumenampeln für die warme Jahreszeit. Das hat nichts von Glamour, aber sehr viel von ehrlicher Innenstadtromantik. Und vielleicht ist genau das die wahre Botschaft: Nicht jeder Fortschritt kommt mit Pomp und Pathos daher. Manchmal beginnt er einfach damit, dass ein alter Slogan geschniegelt wird und die Stadt hofft, ihn bald wieder irgendwo dranhängen zu dürfen.

Es gibt also tatsächlich Lichtblicke für die Hildener Fußgängerzone. Im wörtlichen Sinne sogar. Jetzt muss nur noch geklärt werden, wer was wann wie befestigt, bezahlt und vertraglich absichert. Dann könnte das gute Stück schon bald wieder über der Mittelstraße hängen und allen zurufen: „Hilden – was liegt näher…“ Die ehrliche Antwort lautet derzeit vermutlich: eine Sicherheitsprüfung.

Donnerstag, 2. April 2026

2.4.2026: Wenn der Bahnhof plötzlich bessere Laune hat

In Hilden gibt es Neuigkeiten, die ungefähr so deutsch sind wie ein korrekt getrenntes Müllsystem und eine hitzige Ausschusssitzung über Bodenfarbe: Vor dem Bahnhof ist jetzt ein Regenbogen-Streifen fertig. Ja, wirklich. Nicht nur beschlossen, nicht nur diskutiert, nicht nur in fünf Sitzungen zerredet, sondern tatsächlich aufgemalt. Man möchte der Stadt fast gratulieren, dass zwischen Antrag, Widerspruch, Haushaltsdebatte, Winterpause und vermutlich 17 zuständigen Stellen am Ende doch noch echte Farbe auf echtem Pflaster gelandet ist.

Der Bahnhofsvorplatz trägt nun also bunt. Und zwar nicht irgendwie bunt, sondern offiziell bunt: als sichtbares Zeichen für Toleranz, Vielfalt und respektvolles Miteinander. Das klingt natürlich sehr feierlich, ist aber im Kern auch einfach eine schöne Nachricht, denn Bahnhöfe sind ja sonst eher Orte, an denen man mit leerem Blick auf eine Anzeigetafel starrt und hofft, dass der Bus nicht schon wieder „in Kürze“ kommt. Jetzt kann man das immerhin in freundlicheren Farben tun.

Besonders rheinisch wird die Sache dadurch, dass selbst ein Regenbogen-Streifen nicht einfach nur ein Regenbogen-Streifen sein darf, sondern selbstverständlich vorher politisch umstritten war. Zustimmung hier, Widerspruch da, die AfD dagegen, die CDU irgendwo zwischen früher dagegen und später enthalten, die Grünen dafür, und am Ende liegt da nun ein farbiger Fächer auf dem Boden, der wahrscheinlich entspannter wirkt als die gesamte Debatte zusammen. 3000 Euro hat das Ganze gekostet, was im politischen Streit offenbar eine Summe ist, bei der manche so tun, als hätte Hilden spontan den Kölner Dom in Pastell kaufen wollen. Dabei bekommt man heutzutage für 3000 Euro anderswo kaum noch ein mittelgroßes Schlagloch mit emotionaler Begleitung.

Sehr schön ist auch die offizielle Beschreibung, dass die fächerförmige Anordnung an Sonnenstrahlen erinnern soll. Das ist eine Formulierung, die sofort Bilder erzeugt: Der Hildener Bahnhofsvorplatz als Ort der Offenheit, des Lichts und vielleicht sogar der minimal besseren Stimmung am Montagmorgen um 7.12 Uhr. Wer dort künftig aus dem Bus steigt, wird also nicht nur begrüßt von Verkehrsknotenpunktromantik und dem Duft urbaner Mobilität, sondern auch von einem Symbol für Hoffnung und Frieden. Das muss man erst mal schaffen.

Dass die Umsetzung so lange gedauert hat, erklärt die Stadt damit, dass zunächst Markierungen Vorrang hatten, die unmittelbar der Verkehrssicherheit dienen. Auch das ist auf eine sehr eigene Weise beruhigend. Man erfährt damit indirekt, dass es in Hilden offenbar eine Prioritätenliste für Farbe auf Asphalt gibt, und ganz oben stehen Dinge wie „Autos sollen nicht ineinanderfahren“, bevor weiter unten „Bahnhof soll freundlicher aussehen“ abgearbeitet wird. Klingt vernünftig, auch wenn man sich kurz eine riesige städtische Excel-Tabelle vorstellen muss mit Kategorien wie Zebrastreifen, Parkflächen, Pfeile, Linien und ganz am Ende: Regenbogen, aber erst nach dem Winter.

So steht Hilden nun also da mit seinem neuen bunten Streifen vor dem Bahnhof und beweist, dass Kommunalpolitik manchmal ein bisschen ist wie das Zusammenbauen eines Gartenhauses: Es dauert länger als gedacht, es gibt Diskussionen über die Kosten, irgendwer hat grundsätzlich Einwände und am Ende sind trotzdem alle da und schauen sich an, was nun geworden ist. In diesem Fall eben kein Gartenhaus, sondern ein farbenfrohes Zeichen, das sagt: Hier ist Platz für Vielfalt. Und ganz ehrlich, wenn eine Stadt es schafft, aus einem Stück bemaltem Boden gleichzeitig Symbolpolitik, Lokalstreit, Hoffnung, Haushaltsdebatte und Sonnenstrahl-Ästhetik zu machen, dann ist das nicht nur Verwaltungshandwerk, sondern fast schon Kleinkunst.