In Hilden wird wieder gebaggert. Und bevor jetzt jemand genervt die Augen verdreht: Diesmal finde ich die Baustelle tatsächlich richtig gut. Denn während wir uns bei manchen städtischen Bauprojekten fragen, ob sie jemals fertig werden, geht es am Hoxbach um etwas ziemlich Sinnvolles. Das Regenwasser soll künftig sauberer und langsamer in den Bach fließen. Eine gute Nachricht für den Hoxbach und alle, die bei Starkregen lieber trockene Füße behalten möchten.
Zwischen Westring, Menzelsee und dem ehemaligen Vion-Gelände entsteht seit August eine neue Anlage zur Reinigung und Rückhaltung von Regenwasser. Bislang gelangte das Wasser von Dächern und Straßen aus einem rund 17 Hektar großen Gebiet ungeklärt in den Hoxbach. Künftig wird es zunächst gereinigt, zwischengespeichert und anschließend kontrolliert abgegeben.
Zusätzlich erweitert die Stadt das bestehende Regenrückhaltebecken am Westring um rund 13.400 Quadratmeter. Das ist eine ordentliche Fläche. Und ausnahmsweise wird in Hilden einmal zusätzlicher Platz geschaffen, ohne dass anschließend jemand darüber diskutieren muss, wie viele Wohnungen darauf passen.
Das Ganze kostet nach aktueller Planung 3,85 Millionen Euro und soll im November 2027 fertig sein. Natürlich ist das viel Geld. Aber ich finde, dass Investitionen in den Gewässerschutz und die Anpassung an Starkregen gut angelegt sind. Schließlich dürfte uns das Thema in den kommenden Jahren eher häufiger als seltener beschäftigen.
Ganz ohne Ärger geht es allerdings nicht. Spaziergänger und Radfahrer müssen während der Bauzeit auf gewohnte Wege südlich des Hoxbachs verzichten. Als Alternative empfiehlt die Stadt unter anderem den Wirtschaftsweg südlich des Menzelsees. Das ist lästig, gerade wenn man dort regelmäßig unterwegs ist. Aber eine vorübergehende Umleitung lässt sich leichter akzeptieren, wenn dahinter ein nachvollziehbarer Nutzen steht.
Positiv finde ich auch, dass Hilden beim Starkregenschutz inzwischen breiter aufgestellt ist: mit Gefahrenkarten, Notstrommöglichkeiten, zusätzlicher Ausrüstung für die Feuerwehr und einem ausgebauten Sirenennetz. Allerdings sollte niemand glauben, dass die neue Anlage künftig jede Überschwemmung verhindert. Sie soll vor allem den Unterlauf des Hoxbachs entlasten. Bei extremem Starkregen bleiben Risiken bestehen.
Und genau deshalb halte ich solche Projekte für wichtig. Lieber heute Geld in Vorsorge investieren, als nach dem nächsten Unwetter über vermeidbare Schäden diskutieren.
Mein einziger Wunsch ans Rathaus: Bitte den Zeitplan und die Kosten im Griff behalten. Denn wenn Hilden schon Millionen ausgibt, um das Wasser zu bremsen, sollte wenigstens der Baufortschritt nicht gleich mitgebremst werden.
Hildener Geschichten
Montag, 19. Oktober 2026
19.10.2026: Hilden bremst das Regenwasser – oder: Endlich mal eine Baustelle, die Sinn ergibt
Sonntag, 18. Oktober 2026
18.10.2026: # Hotel Anna zum Schnäppchenpreis – oder: Hilden hätte fast 8,2 Millionen bezahlt
Manchmal lohnt es sich, in Hilden zwei Jahre zu warten. Zumindest beim Immobilienkauf. Das Hotel Anna an der Giesenheide steht für 4,9 Millionen Euro zum Verkauf. Im September 2024 hatte die Stadt noch über einen Kauf für 8,2 Millionen Euro nachgedacht. Macht einen Unterschied von 3,3 Millionen Euro. Da kann man schon mal kurz überlegen, wie viele Schlaglöcher, Schultoiletten oder andere Hildener Baustellen sich damit finanzieren ließen.
Damals suchte die Stadt dringend Unterkünfte für Geflüchtete. Das Hotel mit seinen 43 Zimmern und 101 Betten schien eine mögliche Lösung. Doch Bürgermeister Claus Pommer zog die entsprechende Verwaltungsvorlage kurzfristig zurück. Angesichts veränderter politischer Rahmenbedingungen und der angespannten Haushaltslage wollte er zunächst abwarten. Eine Entscheidung, die damals durchaus Diskussionen auslöste.
Heute erscheint der Verzicht zumindest aus finanzieller Sicht in einem anderen Licht. Denn der aktuelle Angebotspreis liegt rund 40 Prozent unter der damals diskutierten Summe. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Stadt seinerzeit 3,3 Millionen Euro zu viel bezahlt hätte. Immobilienpreise hängen von vielen Faktoren ab, und ein Inserat ist noch kein tatsächlich erzielter Verkaufspreis. Trotzdem ist der Unterschied bemerkenswert.
Zumal das Hotel keineswegs leer steht. Das 2015 errichtete Gebäude verfügt über rund 2.676 Quadratmeter Fläche, eine Penthouse-Wohnung, Terrassen und Parkplätze. Laut Verkaufsanzeige ist es bis Oktober 2040 verpachtet, mit einer monatlichen Pacht von 27.965 Euro. Wer die Immobilie kauft, übernimmt also zunächst ein langfristig vermietetes Hotel und nicht einfach ein frei verfügbares Gebäude.
Besonders interessant finde ich rückblickend die damalige politische Diskussion. 8,2 Millionen Euro für eine Flüchtlingsunterkunft waren angesichts der Hildener Haushaltslage eine gewaltige Summe. Dass die Stadt den Kauf letztlich nicht weiterverfolgte, könnte sich finanziell als glückliche Entscheidung erweisen. Ob das heutige Angebot überhaupt mit den damaligen Kaufbedingungen vergleichbar ist, müsste allerdings genauer geprüft werden.
Ich bin jedenfalls gespannt, wer am Ende zugreift. Vielleicht ein Investor, vielleicht ein Hotelunternehmen. Die Stadt dürfte angesichts ihrer Finanzprobleme eher andere Prioritäten haben.
Fest steht: Das Hotel Anna ist innerhalb von zwei Jahren auf dem Papier 3,3 Millionen Euro günstiger geworden. In Hilden ist das fast schon eine Sensation. Normalerweise werden bei uns vor allem Bauprojekte teurer, je länger man darüber nachdenkt.
Samstag, 17. Oktober 2026
17.10.2026: Vier Wochen ohne S1 – oder: Hilden steigt mal wieder in den Bus
Wer von Hilden nach Düsseldorf will, sollte demnächst vielleicht über ein Fahrrad, ein Pferd oder einen längeren Urlaub nachdenken. Die A59 ist dicht, die S6 fährt nicht und jetzt verabschiedet sich auch noch die S1 für vier Wochen. Ich frage mich langsam, ob Düsseldorf überhaupt noch erreicht werden soll oder ob man uns Hildener einfach davon abhalten möchte, die Stadt zu verlassen. Immerhin bleibt der Schienenersatzverkehr. Der heißt vermutlich nur deshalb noch so, weil „Dauerzustand“ im Fahrplan nicht besonders gut aussieht.
Vom 30. Oktober um 21 Uhr bis zum 27. November um 5 Uhr fahren zwischen Düsseldorf und Solingen weder die S1 noch der RE47. Grund sind Gleisarbeiten zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Eller sowie der Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express. Das ist sicherlich notwendig. Nur hilft diese Erkenntnis den Pendlern wenig, die morgens pünktlich zur Arbeit müssen. Für die S1 fahren Ersatzbusse mit allen Halten, für den RE47 Schnellbusse ohne Zwischenstopp zwischen Düsseldorf und Solingen. Nachts gibt es zusätzliche Schnellbusse mit Halt in Hilden.
Besonders ärgerlich finde ich das Timing. Die S6 zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf fällt ebenfalls noch bis Anfang Dezember aus. Und seit Anfang Oktober ist auch die A59 Richtung Düsseldorf gesperrt. Wer aus Hilden in die Landeshauptstadt möchte, kann sich also aussuchen, auf welcher Umleitung er seine Geduld trainiert. Bahn und Autobahn gleichzeitig lahmzulegen, ist jedenfalls keine besonders überzeugende Werbung für die Mobilitätswende.
Dabei ist die nächste Sperrung bereits angekündigt: Vom 4. bis 12. Dezember wird erneut gebaut. Und auch für 2027 und 2028 stehen längere Unterbrechungen im Kalender. Besonders bitter für Fahrgäste des RE47: Die Linie war erst im Juli nach drei Jahren Ersatzverkehr zurückgekehrt. Viel Zeit, sich wieder an einen richtigen Zug zu gewöhnen, blieb also nicht.
Natürlich müssen Gleise erneuert und Strecken modernisiert werden. Dagegen habe ich überhaupt nichts. Aber bei der Häufung der Sperrungen darf man schon fragen, ob die verschiedenen Bauvorhaben ausreichend aufeinander abgestimmt werden. Für Pendler zählt schließlich nicht, welche Behörde oder welcher Betreiber gerade zuständig ist. Sie wollen einfach zuverlässig ankommen.
In Hilden braucht man für die Fahrt nach Düsseldorf inzwischen weniger einen Fahrplan als einen Bauzeitenkalender. Und wer morgens tatsächlich pünktlich ankommt, hat sich eigentlich schon eine kleine Urkunde verdient.
Freitag, 16. Oktober 2026
16.10.2026: Ameisen, Mief und alte Container – oder: Hildens Schulkinder müssen weiter warten
An der Hildener Beethovenschule gibt es offenbar ein ziemlich ungewöhnliches Nachmittagsprogramm: Ameisen beobachten und herausfinden, woher dieser merkwürdige Geruch kommt. Leider handelt es sich dabei nicht um ein pädagogisches Projekt, sondern um den Alltag in den alten Containern der Offenen Ganztagsschule. Und ich finde, da hört der Spaß langsam auf.
Die Gemeinschaftsgrundschule mit ihren 15 Klassen platzt aus allen Nähten. Deshalb findet ein Teil der Nachmittagsbetreuung in einer Containeranlage statt, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat. Im Sommer gab es massiven Ameisenbefall, dazu kommt ein unangenehmer Geruch, der schon seit Jahren auffällt. Eine Untersuchung der Raumluft ergab 2025 immerhin keine gesundheitlich relevante Belastung. Angenehmer macht das den Aufenthalt allerdings nicht.
Bemerkenswert finde ich die Einschätzung aus dem Rathaus. Bürgermeister Claus Pommer bestätigt, dass die Container wegen ihres Alters und baulichen Zustands als langfristige Lösung „nicht mehr haltbar“ seien. Ein kurzfristiger Ersatz sei aber weder wirtschaftlich noch notwendig. Schließlich würden die Räume hauptsächlich nach dem Unterricht genutzt.
Da muss ich schon schlucken. Denn für die Kinder, die dort ihren Nachmittag verbringen, macht es wenig Unterschied, ob sie vormittags oder nachmittags in einem muffigen Container sitzen. Natürlich kann die Stadt nicht mal eben einen Neubau aus dem Boden stampfen. Und angesichts der angespannten Haushaltslage ist es nachvollziehbar, keine teure Zwischenlösung zu finanzieren, wenn ohnehin ein dauerhaftes Gebäude entstehen soll. Nur sollte aus einer wirtschaftlich verständlichen Entscheidung kein jahrelanger Dauerzustand werden.
Ursprünglich war mit dem „Haus des Lernens“ ein großer Neubau geplant. Der wurde aus Kostengründen gestrichen. Nun soll eine kleinere Lösung entstehen, deren Planungsleistungen erst ausgeschrieben werden müssen. Ein konkreter Fertigstellungstermin ist damit noch nicht in Sicht. Immerhin steht die Schulleiterin Denise Steinküller nach eigenen Angaben in gutem Austausch mit der Stadt. Auch Eltern loben die Arbeit von Schule und OGS. Das zeigt, wie viel Engagement vor Ort vorhanden ist – trotz der schwierigen Bedingungen.
Gerade deshalb wünsche ich mir, dass die Stadt beim Neubau jetzt Tempo macht und die bestehenden Räume bis dahin sorgfältig im Blick behält. Denn gute Betreuung braucht nicht nur motivierte Menschen, sondern auch vernünftige Räume.
Die Kinder finden die Ameisen vielleicht noch spannend. Ich finde spannender, wann Hilden endlich eine Lösung liefert. Denn eine Grundschule sollte ein Ort zum Lernen und Wohlfühlen sein – und kein Dauerprovisorium mit eingebautem Insektenprogramm.
Donnerstag, 15. Oktober 2026
15.10.2026: Ärger am Alten Markt – oder: Hilden erklärt den Tauben das Fütterungsverbot
Auf dem Alten Markt kann man gemütlich einen Kaffee trinken, die Reformationskirche betrachten und das Hildener Treiben beobachten. Manchmal bekommt man allerdings Gesellschaft, die niemand eingeladen hat: Tauben. Und die haben offenbar längst verstanden, dass in unserer Innenstadt nicht nur die Außengastronomie gut funktioniert, sondern gelegentlich auch die kostenlose Verpflegung.
Die Ratsfraktion Bürgeraktion | Piraten hat das Thema jetzt aufgegriffen. Ihr stellvertretender Vorsitzender Andreas Benoit berichtet von Beschwerden aus der Gastronomie. Menschen würden trotz Verbots Tauben füttern, die sich anschließend verstärkt auf dem Platz versammeln. Das sorgt für Ärger bei Gästen und Wirten. Vorgeschlagen werden deshalb Hinweisschilder, häufigere Kontrollen und sogar Raubvogelattrappen.
Die Stadt reagiert erfreulich pragmatisch. Das Füttern wildlebender Tiere ist in Hilden bereits verboten und kann mit 20 Euro Verwarngeld geahndet werden. Der Kommunale Ordnungsdienst soll künftig genauer hinschauen, insbesondere zu den üblichen Fütterungszeiten. Außerdem prüft die Verwaltung zusätzliche Hinweisschilder. Auf künstliche Raubvögel möchte man dagegen verzichten, weil diese nicht die eigentliche Ursache beseitigen: Menschen, die Futter verteilen.
Das finde ich durchaus vernünftig. Schließlich können die Tauben nichts dafür, dass ihnen regelmäßig jemand ein kostenloses Buffet serviert. Und ob eine Plastik-Eule auf dem Alten Markt tatsächlich für nachhaltigen Respekt unter Hildener Stadttauben sorgen würde, darf man bezweifeln.
Interessant finde ich allerdings, dass wir auch hier wieder über die Durchsetzung einer längst bestehenden Regel sprechen. Das Verbot ist da, das Verwarngeld ebenfalls. Jetzt muss nur noch jemand darauf achten, dass sich die Menschen daran halten. Immerhin kündigt die Stadt diesmal konkrete Schritte an, statt lediglich auf die geltende Verordnung zu verweisen.
Ich hoffe, dass man dabei mit Augenmaß vorgeht. Niemand braucht einen Alten Markt voller Verbotsschilder oder einen Ordnungsdienst, der jeden Brotkrümel untersucht. Aber wer gezielt Tauben füttert und damit andere belästigt, darf ruhig darauf hingewiesen werden, dass der öffentliche Platz kein privater Vogelpark ist.
Am Ende ist die Sache ziemlich einfach: Die Tauben können keine Verordnung lesen. Die Menschen schon. Und wenn das allein nicht hilft, sind 20 Euro vielleicht die überzeugendere Botschaft als eine Plastik-Eule auf dem Kirchendach.
Mittwoch, 14. Oktober 2026
14.10.2026: Hilden wählt den Nachwuchs – oder: Endlich mal Leute, die etwas bewegen wollen
In Hilden wird wieder gewählt. Diesmal dürfen rund 4.000 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren entscheiden, wer sie künftig im Jugendparlament vertritt. Noch bis zum 16. Oktober läuft die Wahl. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, mit wie viel Engagement die Jugendlichen ihre Stadt verbessern wollen, werde ich fast ein bisschen neidisch. So viel Tatendrang würde ich mir gelegentlich auch von der großen Hildener Kommunalpolitik wünschen.
„Hilden soll wieder jugendfreundlicher werden“, sagt die 18-jährige Kira Alida Kanditt, die gemeinsam mit der 16-jährigen Hayat Bouchihan das Jugendparlament leitet. Besonders das Wort „wieder“ finde ich bemerkenswert. Offenbar haben die Jugendlichen durchaus das Gefühl, dass ihre Stadt mehr für sie tun könnte. Gewünscht werden sichere Treffpunkte, bessere Freizeitangebote und ein Calisthenics-Park. Also ein Platz, an dem man kostenlos trainieren kann. Eigentlich keine revolutionären Forderungen. Aber in Hilden kann bekanntlich schon eine zusätzliche Sitzbank eine längere Diskussion auslösen.
Dabei hat das Jugendparlament längst bewiesen, dass es nicht nur Forderungen stellt. Es engagierte sich für den Erhalt des Area 51, organisierte einen Umweltflohmarkt und brachte die kostenlose Beratungs-App „Between the Lines“ nach Hilden. Außerdem sitzen seine Mitglieder in drei städtischen Fachausschüssen und dürfen dort Anträge stellen. Ich finde das klasse. Während sich manche Erwachsene lieber darüber beschweren, dass sich nichts verändert, versuchen diese Jugendlichen wenigstens, selbst etwas anzustoßen.
Natürlich wartet auch auf sie die klassische Hildener Spaßbremse: der Haushalt. Wie viel Geld 2027 für Projekte zur Verfügung steht, ist noch offen. Die Stadt verspricht immerhin ein Budget. Ich hoffe nur, dass aus den guten Ideen nicht irgendwann die übliche Rathausantwort wird: tolle Anregung, leider derzeit nicht finanzierbar. Wer junge Menschen zur Beteiligung einlädt, sollte ihnen auch echte Gestaltungsmöglichkeiten geben.
Besonders sympathisch finde ich, dass das Jugendparlament auch das derzeit fehlende Kinderparlament wiederbeleben möchte. Wer schon früh erlebt, dass die eigene Meinung zählt, bleibt vielleicht auch später politisch interessiert. Und davon könnte Hilden wirklich mehr gebrauchen.
Am 18. November treffen sich die neu gewählten Mitglieder erstmals im Ratssaal. Ich wünsche ihnen viele gute Ideen, eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit und Erwachsene, die auch mal zuhören können.
Denn ganz persönlich bin ich inzwischen ein ziemlicher Fan dieses Jugendparlaments. Nicht weil die Jugendlichen auf alles eine Antwort hätten, sondern weil sie etwas verändern wollen. Und wenn sie dabei gelegentlich die Erwachsenen im Rathaus nerven, dann machen sie vermutlich einiges richtig.
Dienstag, 13. Oktober 2026
13.10.2026: 40.000 Kippen, zwölf Bußgelder – oder: Hilden sucht noch nach dem richtigen Mittel
Wer durch die Hildener Mittelstraße läuft, findet zwischen Pflastersteinen und Abfallbehältern eine erstaunlich zuverlässige Konstante: Zigarettenkippen. Wie groß das Problem ist, zeigte das Itter Clean Team bereits vor einigen Jahren. 16 Ehrenamtliche sammelten innerhalb von zwei Wochen rund 40.000 Kippen. Wenige Tage später sah es nach ihren Angaben schon wieder ähnlich aus. Die einen räumten auf, die anderen sorgten für Nachschub.
Nun hat anzeiger24.de bei der Stadt nachgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gezielte Kontrollen gibt es nicht. Die Begründung ist allerdings nachvollziehbar: Sobald der Kommunale Ordnungsdienst in Uniform auftaucht, entsorgen Raucher ihre Kippen ordnungsgemäß. Verstöße lassen sich deshalb nur schwer feststellen. Allerdings könnte man daraus auch schließen, dass sichtbare Kontrollen durchaus eine Wirkung haben. In Leverkusen setzt man inzwischen sogar auf Kontrollen in Zivil.
Die Hildener Bilanz: fünf geahndete Verstöße 2024, sieben im Jahr 2025. Zusammen zwölf Fälle und 966 Euro an festgesetzten Geldzahlungen. Natürlich sind diese Zahlen nicht unmittelbar mit den 40.000 gesammelten Kippen vergleichbar. Sie zeigen aber, dass das Wegwerfen von Zigarettenresten nur selten geahndet wird.
Die Stadt verweist auf vorhandene Abfallbehälter und erklärt, ihr seien keine wiederkehrenden Beschwerden bekannt. Beides ist durchaus relevant. Nur lösen ausreichend Aschenbecher das Problem nicht, wenn sie nicht benutzt werden. Und fehlende Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass die Innenstadt sauber ist. Schade finde ich außerdem, dass die Vorschläge des Itter Clean Teams zu Aufklärung und direkter Ansprache nach Darstellung des Berichts bislang nicht aufgegriffen wurden.
Natürlich sind in erster Linie diejenigen verantwortlich, die ihre Kippen achtlos wegwerfen. Die Stadt kann schließlich nicht hinter jedem Raucher stehen. Aber vielleicht wäre eine Kombination aus Aufklärung, gelegentlichen gezielten Kontrollen und Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen einen Versuch wert. Nicht jede Maßnahme muss sofort funktionieren. Entscheidend wäre, überhaupt auszuprobieren, was die Situation verbessern könnte.
40.000 Kippen gesammelt, zwölf Verstöße in zwei Jahren geahndet. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber zwei Seiten desselben Problems: Die Ehrenamtlichen leisten beeindruckende Arbeit, die Stadt setzt bislang vor allem auf vorhandene Entsorgungsmöglichkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, beides stärker miteinander zu verbinden. Denn die nächste Kippe liegt vermutlich schon wieder auf der Mittelstraße.