Es gibt diese Momente, in denen man im Garten mit vielem rechnet. Mit Schnecken. Mit Wespen. Vielleicht mit der Nachbarskatze, die wieder einmal so tut, als gehöre ihr das Grundstück. Womit man in Hilden eher nicht rechnet: einer Königspython. Genau das passierte jetzt Anwohnern an der Poststraße. Am Sonntagabend entdeckten sie in einem Garten eine Würgeschlange. Und damit hatte Hilden für ein paar Stunden seinen ganz eigenen kleinen Schlangenalarm.
Die Feuerwehr wurde gerufen, außerdem kam ein Reptilienexperte hinzu. Denn bei aller Neugier ist eine Python nun einmal kein Tier, bei dem man erst einmal mit dem Besen nachschaut, ob sie vielleicht freiwillig wieder verschwindet. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um den ungewöhnlichen Gast. Weil der Aquazoo in Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war, führte der Weg schließlich ins Tierheim Hilden.
Dort war man offenbar besser auf solche Überraschungsgäste vorbereitet, als man vielleicht vermuten würde. Es gibt ein Übergangsterrarium, und so bekam die Königspython zunächst eine vorübergehende Unterkunft. Und wie es sich für eine ordentliche Hildener Geschichte gehört, bekam das Tier natürlich auch einen Namen: Otto.
Otto scheint seine kleine Reise durch Hilden gesundheitlich gut überstanden zu haben. Nach Angaben des Tierheims befand sich die Schlange in einem guten Zustand. Noch wichtiger: Die Geschichte hat inzwischen ein Happy End. Über die sozialen Medien konnte der Besitzer gefunden werden, und Otto wurde mittlerweile wieder abgeholt.
Damit endet der Hildener Schlangenausflug deutlich unspektakulärer, als er begonnen hat. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.
Ganz ohne größeren Zusammenhang steht der Fund allerdings nicht da. Im Rheinland sorgten zuletzt mehrfach ausgesetzte oder entlaufene Würgeschlangen für Aufsehen. In Krefeld wurde beispielsweise innerhalb weniger Wochen gleich zweimal eine Boa Constrictor gefunden. Eine davon war rund zweieinhalb Meter lang und sieben Kilogramm schwer. Bei der zweiten Boa handelte es sich um ein jüngeres Tier von ungefähr 1,50 Meter Länge. Diese Schlange war am Schwanz verletzt und musste tierärztlich behandelt werden.
Obwohl solche Meldungen spektakulär klingen, zeigt Ottos Geschichte vor allem etwas anderes: wie viele unterschiedliche Aufgaben bei Feuerwehr und Tierheim landen. Normalerweise denken wir bei einem Feuerwehreinsatz an Brände, Verkehrsunfälle oder technische Hilfeleistungen. Manchmal besteht der Einsatz eben darin, eine Königspython aus einem Hildener Garten zu holen.
Und auch unser Tierheim kümmert sich offensichtlich nicht ausschließlich um Hund, Katze und Kaninchen. Wenn plötzlich ein exotischer Gast vor der Tür steht, braucht es einen geeigneten Platz, Erfahrung und im Zweifel zusätzliche fachliche Unterstützung. Dass dafür sogar ein Übergangsterrarium vorhanden ist, hätte ich jedenfalls nicht unbedingt erwartet.
Bleibt natürlich die Frage, wie Otto überhaupt in den Garten an der Poststraße gekommen ist. Darüber erfahren wir leider nichts. Vielleicht hat er eine Gelegenheit zur Flucht genutzt, vielleicht war irgendwo eine Tür oder ein Terrarium nicht richtig geschlossen. Entscheidend ist am Ende: Besitzer gefunden, Schlange gesund, niemand verletzt.
Und Otto?
Der dürfte seinen Ausflug vermutlich weniger spektakulär gefunden haben als die Menschen, die ihn entdeckt haben.
Für die wiederum gilt künftig vielleicht eine neue Hildener Gartenregel: Bevor man barfuß durch das Blumenbeet läuft, schaut man lieber zweimal hin.
Denn zwischen Geranien, Gartenzwerg und Gießkanne könnte neuerdings auch mal eine Königspython liegen.
Hildener Geschichten
Donnerstag, 3. September 2026
3.9.2026: Otto auf Abwegen – plötzlich liegt eine Königspython in einem Hildener Garten
Mittwoch, 2. September 2026
2.9.2026: Topf sucht Deckel – und die Itterbühne sucht Männer
Es gibt Dinge, die gehören einfach zum lokalen Kulturleben. Man muss nicht jedes Jahr hingehen, man muss nicht jeden Schauspieler persönlich kennen und man muss auch nicht bei jeder Pointe vom Stuhl fallen. Aber wenn eine Theatergruppe seit 30 Jahren dafür sorgt, dass Menschen aus Hilden und Haan gemeinsam auf der Bühne stehen und andere zum Lachen bringen, dann ist das schon eine kleine Institution. Genau das ist die Itterbühne – und Anfang Oktober steht die nächste Premiere an.
„Topf sucht Deckel“ heißt das neue Stück, und bereits der Titel lässt erahnen, dass wir uns nicht unbedingt auf einen Abend mit schwerer gesellschaftspolitischer Dramatik einstellen müssen. Im Mittelpunkt steht Gottlieb, ungefähr 40 Jahre alt, Bundesbahnangestellter, ziemlich einfältig, ein wenig trottelig und bei Frauen offenbar nicht gerade mit übermäßigem Talent gesegnet. Dazu ist er ein ausgeprägtes Mama-Kind. Beste Voraussetzungen also für einen Mann, den seine Stammtischfreunde unbedingt verkuppeln wollen.
Die Handlung spielt in einer Kneipe, und dort treffen gleich zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite sitzt der klassische Jäger-Stammtisch samt Gottlieb, auf der anderen Seite die von Regisseur Karlheinz Best augenzwinkernd als „Botox-Mädels“ bezeichneten Beauty-Girls. Dass diese Kombination nicht in einem stillen und harmonischen Kneipenabend endet, dürfte niemanden überraschen. Es gibt Wortgefechte, reichlich Klischees und offenbar jede Menge Pointen. Schon beim ersten gemeinsamen Lesen des Stücks soll sich das Ensemble beinahe „flachgelegt“ haben. Das ist für eine Komödie wahrscheinlich kein schlechtes Auswahlkriterium.
Ich mag an solchen Amateurtheatern gerade diese Mischung aus Spaß und erstaunlich viel Arbeit. Denn für uns Zuschauer beginnt der Theaterabend mit dem Öffnen des Vorhangs. Für die Menschen auf und hinter der Bühne beginnt er Monate vorher. Texte müssen gelernt, Szenen geprobt, Kostüme organisiert und Kulissen gebaut werden. Für „Topf sucht Deckel“ entsteht beispielsweise eigens eine Schankanlage. Weil im Originalstück Dias vorgesehen sind, die technisch nicht gezeigt werden können, hat die Itterbühne große Bilder drucken lassen. Der Hintergrund der Bühnenkneipe mit Flaschen und Gläsern wird diesmal sogar mithilfe künstlicher Intelligenz gestaltet. KI bei der Itterbühne – auch das Jahr 2026 hinterlässt also im Hildener Amateurtheater seine Spuren.
Zum ersten Mal greift die Gruppe außerdem auf einen professionellen Kostümverleih aus Köln zurück. Karlheinz Best bringt die dahinterstehende Philosophie schön auf den Punkt: „Die Leute sollen was fürs Auge haben.“ Und warum eigentlich nicht? Amateurtheater bedeutet schließlich nicht, dass die Gardine aus dem heimischen Wohnzimmer zwangsläufig als Bühnenvorhang herhalten muss.
Die Premiere findet am Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr im Alten Helmholtz statt. Weitere Hildener Vorstellungen folgen am 3. Oktober um 18 Uhr und am 4. Oktober um 15.30 Uhr. Danach zieht die Itterbühne weiter nach Haan. Die Karten kosten 15 Euro.
Hinter der Vorfreude steckt allerdings auch ein ernstes Thema. Denn ausgerechnet die Spielstätte in Haan hat möglicherweise keine Zukunft. Das dortige CVJM-Heim soll von der evangelischen Landeskirche abgegeben werden. Für die Itterbühne könnte damit der große Saal verloren gehen. Das wäre nicht nur ein Problem für eine Theatergruppe, sondern zeigt ein grundsätzliches Thema, das viele Städte kennen: Kultur und Gemeinschaft brauchen Räume. Man kann Vereine, Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement wunderbar loben – aber irgendwann benötigen die Menschen eben einen Saal, eine Bühne, einen Probenraum oder einfach einen Ort, an dem sie zusammenkommen können.
Und noch ein Problem hat die Itterbühne. Eines, das sich möglicherweise leichter lösen lässt als die Immobilienfrage: Es fehlen Männer. Von den derzeit acht Schauspielern sind gerade einmal zwei männlich. Männerrollen müssen deshalb immer wieder von Frauen übernommen werden. Wer also schon immer einmal auf einer Bühne stehen wollte, sich bislang aber erfolgreich mit der Behauptung herausgeredet hat, es habe ihn niemand gefragt: Diese Ausrede gilt ab sofort nicht mehr.
Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere Hildener dabei ungeahnte Talente. Und wenn es mit der großen Schauspielkarriere nicht klappt, dürfte zumindest eines sicher sein: Bei einer Theatergruppe, die sich bereits beim ersten Lesen ihres neuen Stücks beinahe flachlegt, scheinen die Probenabende ziemlich unterhaltsam zu sein.
Ich finde jedenfalls, dass genau solche Gruppen zum Leben einer Stadt dazugehören. Große Kulturhäuser und professionelle Bühnen sind wichtig. Aber lokale Kultur entsteht eben auch dort, wo Menschen nach Feierabend Texte lernen, Kulissen zusammenschrauben, Kostüme anprobieren und wochenlang proben, damit wir anschließend für zwei Stunden lachen können.
Am 2. Oktober heißt es im Alten Helmholtz also: Vorhang auf für „Topf sucht Deckel“.
Und vielleicht gilt danach nicht nur für Gottlieb: Irgendwann findet jeder Topf seinen Deckel.
Dienstag, 1. September 2026
1.9.2026: Kleine Künstler ganz groß – warum mir dieses Hildener Angebot gefällt
Manchmal sind es die eher kleinen Nachrichten aus Hilden, bei denen ich hängen bleibe. Keine neue Großbaustelle, keine politische Grundsatzdiskussion und auch kein Ereignis, das tagelang die Schlagzeilen beherrscht. Stattdessen geht es diesmal um Kinder, ein paar Farben, Holz, Pappe, Speckstein und ziemlich viel Fantasie. Das Kulturamt der Stadt Hilden startet nach den Sommerferien wieder seine Kinderkunstkurse im Alten Helmholtz – und für die im September beginnenden Angebote gibt es noch freie Plätze.
Ich finde solche Angebote für eine Stadt wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Natürlich können Kinder heute auf dem Tablet malen, am Computer irgendwelche Welten bauen oder sich stundenlang Videos anschauen, in denen andere Menschen kreativ sind. Aber es ist eben doch etwas anderes, selbst ein Stück Holz in die Hand zu nehmen, mit Acrylfarbe zu experimentieren oder aus Pappe und Stäben etwas zu bauen, das vorher nur im eigenen Kopf existiert hat. Und genau darum geht es bei den vier Kursen, die jetzt im Alten Helmholtz angeboten werden.
Am Donnerstag, 10. September, beginnt „Achtung Kunst!“. Kinder ab sechs Jahren schauen zunächst einmal, wo ihnen Kunst eigentlich im Alltag und in der Natur begegnet. Danach wird selbst losgelegt: mit Kreiden, Acrylfarben, Drucktechniken und sogar Speckstein. Ebenfalls am 10. September startet für Kinder ab acht Jahren „Fantasiehäuser auf Bäumen“. Aus Holz, Pappe, Stäben, Folien und anderen Materialien entstehen dreidimensionale Baumhäuser. Ich vermute, dass dabei Konstruktionen herauskommen werden, bei denen der eine oder andere Erwachsene neidisch feststellen muss, dass das eigene Gartenhaus gestalterisch noch erhebliches Verbesserungspotenzial besitzt.
Montags geht es ab dem 14. September weiter. Beim Kurs „GlücksKIND“ beschäftigen sich Kinder ab sieben Jahren kreativ mit Glückssymbolen. Und direkt danach dürfen die etwas jüngeren Teilnehmer bei „Kinder entdecken Kunstgeschichten“ auf Reisen gehen – zumindest mit ihrer Fantasie. Abenteuer, Tiere, Zoo, Paradiesvögel und Fantasiewesen liefern den Stoff für eigene Bilder, Bücher und Leporellos. Ein Skizzenheft begleitet die Kinder dabei durch die zehn Wochen.
Gerade diese Mischung gefällt mir. Es geht nicht darum, dass am Ende zehn kleine Picassos aus dem Alten Helmholtz marschieren. Es geht ums Ausprobieren. Darum, eine Idee zu haben und zu schauen, was daraus wird. Vielleicht funktioniert sie. Vielleicht auch überhaupt nicht. Dann nimmt man eben ein neues Blatt Papier, ein anderes Stück Pappe oder noch ein bisschen Farbe. Eigentlich eine ziemlich gute Lektion fürs Leben – ganz ohne dass jemand sie als solche ankündigen muss.
Alle vier Kurse umfassen zehn Termine von jeweils 90 Minuten und finden im Alten Helmholtz an der Gerresheimer Straße 20 statt. Pro Kurs werden 70 Euro fällig. Sieben Euro für anderthalb Stunden betreutes Malen, Bauen, Gestalten und Entdecken finde ich durchaus fair. Vor allem, wenn man sich anschaut, welche Preise inzwischen für manche Freizeitaktivitäten aufgerufen werden.
Ich mag außerdem, dass das Alte Helmholtz damit einmal mehr zeigt, welche Rolle solche Orte mitten in einer Stadt spielen können. Hilden braucht nicht nur Geschäfte, Wohnungen, Straßen und Parkplätze. Eine Stadt lebt auch davon, dass es Räume gibt, in denen Kinder etwas ausprobieren können, Jugendliche zusammenkommen, Kultur entsteht und Menschen Dinge tun, die zunächst einmal keinen anderen Zweck haben müssen, als Spaß zu machen.
Vielleicht sitzt also im September irgendwo im Alten Helmholtz tatsächlich die nächste große Hildener Künstlerin oder der nächste große Hildener Künstler und weiß es nur noch nicht. Vielleicht entstehen dort aber auch einfach zehn etwas schiefe Baumhäuser, ein paar wilde Paradiesvögel und Bilder, bei denen Mama und Papa anschließend sehr überzeugend sagen müssen: „Das ist aber toll geworden!“
Beides wäre für mich vollkommen in Ordnung.
Denn Kreativität beginnt schließlich nicht mit Perfektion. Sondern meistens mit einem leeren Blatt und der Frage: Was mache ich jetzt daraus?
Montag, 31. August 2026
31.8.2026: Einschulung in Hilden: Wenn die Schultüte zum zweiten Weihnachten wird
Es gab einmal eine Zeit, da war die Sache mit der Einschulung vergleichsweise übersichtlich. Man bekam einen Schulranzen, eine Schultüte, ein paar Buntstifte und ausreichend Süßigkeiten, um den ersten Schultag zumindest ernährungsphysiologisch komplett aus dem Ruder laufen zu lassen. Heute ist das etwas komplizierter. Wer in diesen Tagen durch Hilden läuft und Eltern oder Großeltern beim Einkauf für die Einschulung beobachtet, könnte meinen, Weihnachten sei überraschend auf Anfang September verlegt worden. Ganz falsch ist dieser Eindruck offenbar nicht. Die Einschulung sei heutzutage „wie ein zweites Weihnachten“, sagt Andrea Mettlicki vom Hildener Spielwarengeschäft SpielPlus.
Und wie es sich für Weihnachten gehört, gibt es natürlich Dinge, die unbedingt unter den Baum – Entschuldigung: in die Schultüte – müssen. 2026 heißen sie unter anderem Squishies und Dumplings. Squishies sind bunte Figuren aus einem schaumstoffartigen Kunststoff, die nach Herzenslust geknautscht werden können. Dumplings funktionieren ähnlich, kommen allerdings in Boxen, bei denen man vorher nicht weiß, welche Variante darin steckt. Überraschung plus Sammeltrieb – aus Sicht der Hersteller vermutlich eine ziemlich geniale Kombination. Besonders begehrt sind glitzernde Varianten. Und offenbar haben die kleinen Knautschfiguren sogar pädagogisches Potenzial: An manchen Schulen sind sie im Unterricht erlaubt, weil das Knautschen beruhigend wirken kann.
Wer jetzt glaubt, damit sei die Einkaufsliste abgearbeitet, unterschätzt die moderne Einschulung erheblich. Auch Legami-Stifte gehören weiterhin zum Pflichtprogramm auf vielen Wunschlisten. Besonders Sondereditionen sind schnell vergriffen. Dazu kommen Kknekki-Haargummis, die gleichzeitig als Armband getragen werden können. Einmal produzierte Farben werden nicht wieder aufgelegt, weshalb sich offenbar eine richtige Sammlerszene entwickelt hat. Früher sammelten Kinder Panini-Bilder. Heute stehen Erwachsene möglicherweise vor dem Regal und diskutieren darüber, ob ihnen noch Kknekki „Pastell-Rosa-Sommer-Edition“ fehlt. Fortschritt ist eben nicht immer leicht zu definieren.
Erfreulicherweise besteht eine Schultüte aber nicht ausschließlich aus Dingen, deren Namen Großeltern erst einmal googeln müssen. In Hilden gibt es auch Lesezeichen, Bücher für Erstleser, reflektierende Armbänder, leuchtende Anhänger, Wecker, Portemonnaies, Abakusse und IQ-Lernspiele. Besonders die Lernspiele werden für Grundschüler empfohlen. Das klingt schon eher nach Schule – wobei sich natürlich die Frage stellt, ob sich ein sechsjähriges Kind beim Öffnen seiner Schultüte tatsächlich über einen Abakus genauso freut wie über einen glitzernden Squishy. Pädagogisch dürfte die Antwort eindeutig sein. Praktisch vermutlich auch.
Und natürlich gibt es weiterhin Lego, Playmobil und Süßigkeiten. Denn irgendwo muss bei aller pädagogischen Vernunft auch noch ein bisschen Einschulung bleiben. Die Zahnärztekammer Nordrhein hat gegen den einzelnen Schokoriegel in der Schultüte auch gar nichts einzuwenden. Entscheidend sei vielmehr, was anschließend im Schulalltag zur Gewohnheit werde. Ein gesundes Pausenbrot sei eine gute Grundlage.
Beim Getränk fällt die Empfehlung noch eindeutiger aus: Wasser. Saft und Softdrinks sorgen bei regelmäßigem Trinken dafür, dass die Zähne immer wieder mit Zucker und Säure in Kontakt kommen. Deshalb sollte Saft eher die Ausnahme bleiben. Selbst beim grundsätzlich gesunden Apfel lautet der Rat, ihn lieber innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu essen, statt über Stunden daran herumzuknabbern.
Mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt von Schultüte und Brotbox ist allerdings etwas, das man nicht kaufen kann: ein sicherer Schulweg. Der ADAC empfiehlt, den Weg vorher gemeinsam zu üben – und zwar möglichst zu den Zeiten, zu denen später tatsächlich Schulverkehr herrscht. Kreuzungen, Einfahrten und Straßenüberquerungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. In den ersten Schulwochen sollten Eltern ihre Kinder außerdem begleiten; Reflektoren an Kleidung und Schulranzen erhöhen bei Dunkelheit die Sichtbarkeit.
Vielleicht ist das am Ende die schönste Erkenntnis rund um die Einschulung. Natürlich darf die Schultüte groß sein. Natürlich darf ein Squishy hinein. Ein Dumpling meinetwegen auch, selbst wenn wahrscheinlich die Hälfte der Erwachsenen nicht erklären kann, warum ein Spielzeug genauso heißt wie eine asiatische Teigtasche. Ein bisschen Schokolade schadet ebenfalls nicht. Und wenn Oma und Opa noch ein Buch hineinstecken wollen, ist das vermutlich auch keine schlechte Idee.
Denn bei allem Aufwand bleibt dieser erste Schultag etwas Besonderes. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt – und für die Eltern möglicherweise ebenfalls. Ab jetzt gibt es Stundenpläne, Elternabende, Hausaufgaben, verschwundene Radiergummis und morgens die berühmte Frage: „Wo ist eigentlich meine Sporttasche?“
Vielleicht hat Andrea Mettlicki deshalb mit ihrem Vergleich vom zweiten Weihnachten sogar noch mehr recht, als sie dachte.
Nur dass Weihnachten wenigstens jedes Jahr am selben Datum stattfindet.
Sonntag, 30. August 2026
30.8.2026: Zurück in den Beruf – Hilden hilft beim Neustart zwischen Lebenslauf und Lebenswirklichkeit
Es gibt Fragen, die klingen zunächst harmlos und entwickeln sich dann innerhalb weniger Minuten zu einem kompletten Lebensprojekt. „Soll ich wieder arbeiten gehen?“ gehört ziemlich eindeutig dazu. Denn wer nach einer Familienphase oder nach der Pflege von Angehörigen zurück in den Beruf möchte, stellt schnell fest: Es geht nicht nur darum, irgendeine Stellenanzeige anzuklicken. Plötzlich tauchen Kinderbetreuung, Arbeitszeiten, Weiterbildung, Bewerbungsunterlagen, Teilzeitmodelle und die Frage auf, ob der eigene Lebenslauf eigentlich noch in die heutige Zeit passt. Genau dabei soll in Hilden eine offene Sprechstunde helfen. Am Dienstag, 1. September, können Interessierte von 10 bis 12 Uhr ins Stellwerk im Bürgerhaus an der Mittelstraße kommen und sich beraten lassen. Ohne Anmeldung. Das allein ist schon bemerkenswert. In Deutschland etwas mit Arbeitsmarkt, Behörde und Beratung zu tun zu haben, ohne vorher ein Formular auszufüllen, fühlt sich beinahe revolutionär an.
Das Angebot richtet sich an Frauen und Männer, die nach einer Familien- oder Pflegezeit wieder beruflich einsteigen wollen. Und das ist ein Thema, das wesentlich komplizierter ist, als der Satz „Dann geh doch wieder arbeiten“ vermuten lässt. Wer mehrere Jahre nicht im klassischen Berufsleben war, merkt schnell, dass sich da draußen einiges verändert hat. Bewerbungen laufen digital, Vorstellungsgespräche finden per Video statt, Stellenangebote werden über Portale, Netzwerke und Plattformen ausgespielt und irgendwo hat inzwischen vermutlich auch noch eine künstliche Intelligenz die Bewerbung gelesen, bevor überhaupt ein Mensch sie gesehen hat. Wer da nach Jahren wieder einsteigt, darf durchaus einmal fragen, wie das heute eigentlich funktioniert.
Noch schwieriger ist allerdings etwas anderes: die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Denn Familien- und Pflegezeiten haben im klassischen Lebenslauf manchmal den Charme eines weißen Flecks. Dabei müsste man viele dieser Jahre eigentlich genau andersherum lesen. Wer morgens Frühstück organisiert, Kinder zur Schule bringt, Arzttermine koordiniert, gleichzeitig einen Handwerker erwartet, die Pflege eines Angehörigen organisiert, nebenbei die Steuerunterlagen zusammensucht und abends noch weiß, wo der Turnbeutel liegt, hat vermutlich mehr Projektmanagement betrieben als manche Führungskraft in einem ganzen Quartal. Nur steht im Lebenslauf meistens nicht „Leitung eines hochkomplexen Mehrpersonen-Haushalts mit permanent wechselnden Prioritäten“, sondern schlicht „Familienphase“.
Vielleicht sollte man genau das einmal ändern. „Belastbar“ muss man nicht mehr hinschreiben, wenn man mehrere Jahre Kinder großgezogen hat. „Organisationstalent“ dürfte als nachgewiesen gelten, sobald morgens drei Menschen gleichzeitig aus dem Haus müssen. Und wer Angehörige gepflegt hat, weiß sehr viel über Verantwortung, Geduld, Krisenmanagement und die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn der ursprüngliche Tagesplan längst Geschichte ist. Das Problem ist nur: Viele Menschen nehmen diese Fähigkeiten selbst gar nicht als beruflich relevante Kompetenzen wahr.
Genau deshalb ist es sinnvoll, wenn die Beratung nicht nur bei der klassischen Frage „Wo finde ich eine Stelle?“ beginnt. Es geht auch um Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Weiterbildung und sogar Teilzeitausbildungen. Denn der Wiedereinstieg muss nicht bedeuten, dass man am Montagmorgen sofort wieder 40 Stunden arbeitet und so tut, als wären die vergangenen Jahre nie passiert. Vielleicht passt Teilzeit besser. Vielleicht ist eine Weiterbildung nötig. Vielleicht lässt sich an eine frühere Tätigkeit anknüpfen. Oder vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, beruflich noch einmal etwas völlig anderes zu machen.
Und dann wäre da noch der Lebenslauf. Dieses seltsame Dokument, das unser komplettes berufliches Leben möglichst lückenlos auf zwei Seiten erklären soll. Wer nach längerer Pause wieder einsteigt, schaut darauf manchmal etwas nervös. Dabei dürfte die größere Herausforderung häufig gar nicht die vermeintliche Lücke sein, sondern die Frage, wie man erklärt, was man eigentlich kann. Dafür kann ein Gespräch mit Menschen, die sich auf beruflichen Wiedereinstieg spezialisiert haben, tatsächlich hilfreich sein.
Vielleicht ist das überhaupt das Wichtigste an dieser Sprechstunde: Niemand muss bereits mit einem fertigen Plan kommen. Man darf auch einfach sagen: Ich möchte wieder etwas machen, weiß aber noch nicht genau was. Das ist schließlich keine schlechte Ausgangslage. Im Gegenteil. Der Arbeitsmarkt sucht in vielen Bereichen Personal, und gleichzeitig gibt es viele Menschen, die gerne wieder einsteigen würden, aber nicht wissen, welcher Weg für sie funktioniert.
Dass die Beratung mitten in Hilden stattfindet und keine Anmeldung nötig ist, macht die Sache angenehm unkompliziert. Man muss also weder ein Bewerbungsschreiben verfassen noch einen Termin beantragen oder vorher seine berufliche Zukunft in einer Excel-Tabelle modellieren. Einfach hingehen, fragen und sich orientieren.
Und vielleicht stellt sich am Ende heraus, dass der Wiedereinstieg gar nicht mit der perfekten Bewerbung beginnt.
Sondern mit einem ziemlich einfachen Satz:
„Ich würde gerne wieder anfangen.“
Samstag, 29. August 2026
29.8.2026: Acht Monate A59-Sperrung – Hilden bekommt wieder das große Umleitungsabenteuer
Es gibt Nachrichten, bei denen man als Autofahrer kurz innehält, tief durchatmet und sich fragt, ob das Navigationsgerät eigentlich auch psychologische Betreuung anbietet. Die nächste dieser Nachrichten ist da: Ab Freitag, 2. Oktober, wird die A59 zwischen Monheim und dem Autobahndreieck Düsseldorf-Süd in Fahrtrichtung Düsseldorf komplett gesperrt. Acht Monate soll die Sanierung dauern. Acht Monate. Das ist ungefähr lang genug, um eine Fremdsprache zu lernen, einen Hundewelpen großzuziehen oder sämtliche Schleichwege zwischen Hilden, Langenfeld und Düsseldorf persönlich kennenzulernen.
Die eigentlichen Arbeiten beginnen am 5. Oktober. Danach wird die Fahrbahn saniert, nachdem zuvor bereits die Gegenrichtung Richtung Leverkusen an der Reihe war. Man könnte also sagen: Die A59 wird Stück für Stück schöner. Für diejenigen, die sie täglich brauchen, fühlt sich dieser Schönheitsschlaf allerdings eher nach Vollnarkose an.
Die offizielle Umleitung führt über A542, A3 und A46. Das klingt auf der Karte erstaunlich übersichtlich. Man fährt einfach ein bisschen außen herum. Wer allerdings regelmäßig auf diesen Autobahnen unterwegs ist, weiß, dass „ein bisschen außen herum“ in der Hauptverkehrszeit schnell eine sehr philosophische Zeitangabe werden kann. Deshalb werden zusätzlich 14 Bedarfsampeln aufgestellt, elf davon von Straßen.NRW und drei von der Autobahn GmbH. Vierzehn Ampeln nur für den Ausnahmezustand – das zeigt schon, dass niemand ernsthaft damit rechnet, dass sich der Verkehr einfach höflich auf die Umleitung verteilt und dort geräuschlos verschwindet.
Für Hilden ist das Ganze besonders interessant, weil wir mit solchen Situationen inzwischen fast schon Erfahrung haben. Bedarfsampeln gehören bei größeren Verkehrseingriffen mittlerweile zum Stadtbild wie die Mittelstraße und die Frage, wo eigentlich gerade Tempo 30 gilt. Die mobilen Signalanlagen sollen den zusätzlichen Verkehr auf den Ausweichstrecken möglichst vernünftig lenken. „Möglichst“ ist dabei vermutlich das entscheidende Wort.
Zusätzlich gibt es Stauwarnanlagen. Autofahrer sollen bereits frühzeitig erfahren, dass es weiter vorne ungemütlich wird. Das ist grundsätzlich eine gute Idee. Man weiß dann immerhin rechtzeitig, dass man zu spät kommen wird. Ob das die Situation verbessert, ist eine andere Frage, aber Vorbereitung ist bekanntlich alles. Wer künftig auf A59, A542, A3 oder A1 unterwegs ist, bekommt also möglicherweise schon weit vor Hilden den freundlichen Hinweis, dass der Verkehr irgendwo in der Region beschlossen hat, sich nicht mehr zu bewegen.
Damit das Ganze nicht zu einfach wird, gibt es parallel noch weitere Baustellen. Die Knipprather Straße in Langenfeld ist wegen eines Brückenneubaus ohnehin gesperrt. Im September soll zudem die A59 Richtung Leverkusen für etwa eine Woche nur einspurig befahrbar sein, weil mobile Schutzwände ausgetauscht werden. Man bekommt langsam den Eindruck, dass derzeit sämtliche Verkehrswege zwischen Köln und Düsseldorf in einer großen gemeinsamen WhatsApp-Gruppe sind und sich abgesprochen haben, gleichzeitig renoviert zu werden.
Der eigentliche Höhepunkt ist allerdings die Kombination mit der Bahn. Auch die S-Bahn-Strecke der Linien S6 und S68 zwischen Düsseldorf und Köln ist zeitweise gesperrt. Wer also angesichts der Autobahnsperrung denkt: „Dann fahre ich eben Bahn“, erhält von der Infrastruktur ein freundliches „Nette Idee“. Bis Anfang Dezember gibt es dort ebenfalls erhebliche Einschränkungen. Autofahrer und Bahnpendler erleben damit eine seltene Form völliger Gleichberechtigung: Niemand soll sich benachteiligt fühlen.
Natürlich gab es deshalb Forderungen, die A59-Sanierung zu verschieben. Die Autobahn GmbH sagt jedoch, dass dies wegen des schlechten Zustands der Betonplatten nicht möglich sei. Das ist verständlich. Wenn eine Autobahn dringend saniert werden muss, kann man sie nicht einfach weitere Jahre kaputtfahren, nur weil der Zeitpunkt gerade ausgesprochen ungünstig ist. Andererseits fragt man sich schon, ob es bei Infrastrukturprojekten irgendeine geheime Regel gibt, nach der möglichst viele Baustellen gleichzeitig stattfinden müssen.
Auch eine andere Idee wurde geprüft: Man hätte auf der bereits sanierten Gegenfahrbahn zwei Spuren Richtung Düsseldorf führen können. Das hätte zumindest eine komplette Sperrung verhindert. Allerdings hätten dafür sämtliche Anschlussstellen zwischen Monheim-Süd und Düsseldorf-Süd geschlossen werden müssen. Außerdem hätte es Probleme für Rettungsdienste gegeben. Also bleibt auch diese Lösung im Ordner „Klang zunächst besser als sie war“.
Was bedeutet das für uns in Hilden? Vor allem: Geduld. Viel Geduld. Die Ausweichverkehre werden sich nicht ausschließlich brav über die Autobahnen bewegen. Ein Teil wird selbstverständlich versuchen, durch die Städte abzukürzen. Navigationssysteme sind schließlich hervorragende Geräte, die Autofahrer zuverlässig auf dieselbe vermeintliche Geheimroute schicken. Wenn Google Maps morgens plötzlich behauptet, die schnellste Verbindung nach Düsseldorf führe über eine Straße, die man seit zwanzig Jahren kennt und noch nie freiwillig benutzt hat, kann man davon ausgehen, dass dort bereits 500 andere dieselbe Idee hatten.
Positiv betrachtet: Irgendwann ist die A59 saniert. Dann haben wir eine erneuerte Autobahn, bessere Fahrbahnen und vermutlich für einige Zeit Ruhe. Der Weg dahin wird nur ein wenig anstrengend.
Oder genauer gesagt: rund acht Monate.
Bis dahin bekommt der Satz „Ich fahre mal eben nach Düsseldorf“ ab Oktober wieder eine ganz neue humoristische Qualität.
Freitag, 28. August 2026
28.8.2026: Wärmebild statt Bauchgefühl – Hilden bekommt den Energie-Check fürs Eigenheim
Wer ein Haus besitzt, kennt diese besondere Form häuslicher Unsicherheit: Irgendwo verschwindet die Wärme, aber niemand weiß so recht, wohin. Durchs Fenster? Durchs Dach? Durch die Wand? Oder vielleicht einfach gemeinsam mit dem Geld vom Konto? Gerade bei steigenden Energiepreisen wird aus dieser Frage schnell ein ziemlich teures Ratespiel. Im Kreis Mettmann soll damit nun Schluss sein. Für Hilden, Haan und Monheim gibt es ab September individuelle Energieberichte auf Basis von Thermografieaufnahmen. Anders gesagt: Das eigene Haus bekommt ein Wärmebild – und damit möglicherweise erstmals schonungslos gezeigt, wo es energetisch zieht.
Die Grundlage dafür wurde bereits im Winter 2024 gelegt. Damals ließ der Kreis professionelle Thermografieaufnahmen erstellen. Nun werden diese Bilder ausgewertet und in verständliche Berichte übersetzt. Das Prinzip ist einfach: Wo auf dem Wärmebild bestimmte Bereiche besonders auffällig leuchten, geht möglicherweise mehr Heizenergie verloren als nötig. Schlecht gedämmte Außenwände, undichte Fenster oder andere Wärmebrücken können auf diese Weise sichtbar werden. Das Haus bekommt damit gewissermaßen eine energetische Untersuchung – nur ohne Wartezimmer, Überweisung und die Frage, ob man nüchtern erscheinen muss.
Für Hauseigentümer ist das durchaus interessant. Schließlich stellt sich bei älteren Gebäuden irgendwann zwangsläufig die Frage, wo eine Sanierung wirklich sinnvoll ist. Neue Fenster? Dach dämmen? Fassade anfassen? Heizung austauschen? Wer sich mit diesen Themen beschäftigt, merkt schnell: Es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten, sehr viel Geld auszugeben. Ein Thermografiebericht ersetzt zwar keine ausführliche Energieberatung, kann aber einen ersten Hinweis geben, wo die größten Schwachstellen liegen. Das ist allemal besser, als auf Verdacht die halbe Immobilie einzupacken.
Los geht es am 8. September mit einem Informationsabend im Bürgersaal des Bürgerhauses an der Mittelstraße. Beginn ist um 18 Uhr, teilnehmen kann man kostenlos – entweder vor Ort oder online. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das ist schon fast verdächtig unkompliziert. Normalerweise benötigt man bei kommunalen Angeboten mindestens ein Formular, zwei Passwörter und irgendwo noch die Steuernummer. Hier darf man offenbar einfach erscheinen und zuhören.
Der eigentliche Energiebericht kostet 59,50 Euro pro Gebäude. Wer an der Informationsveranstaltung teilnimmt, erhält 25 Prozent Rabatt. Das ist vermutlich eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen Zuhören bares Geld spart. Im Bericht werden die vorhandenen Thermografieaufnahmen ausgewertet und mögliche Wärmeverluste erläutert. Damit bekommt man zumindest eine erste Orientierung, bevor man sich mit Handwerkern, Förderprogrammen und jener wunderbaren Welt beschäftigt, in der Begriffe wie Wärmedurchgangskoeffizient plötzlich Bestandteil normaler Abendgespräche werden.
Zusätzlich werden weitere Beratungen angeboten. Zwischen Anfang Oktober und Ende November können Eigentümer für 40 Euro eine unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale in Anspruch nehmen. Das erscheint sinnvoll, denn ein buntes Wärmebild allein beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Was macht man jetzt damit? Eine rote Außenwand kann schließlich interessant aussehen, wird aber durch bloßes Betrachten nicht besser gedämmt.
Gerade in Hilden dürfte das Thema viele Menschen interessieren. Die Stadt hat zahlreiche ältere Wohnhäuser, bei denen energetische Sanierung längst ein Thema ist oder irgendwann eines werden dürfte. Gleichzeitig sind die Investitionen häufig erheblich. Wer Fenster austauscht, eine Fassade dämmt oder die Heiztechnik verändert, spricht schnell über fünfstellige Beträge. Da ist jede zusätzliche Information willkommen, bevor der erste Handwerker den Satz sagt: „Wenn wir schon einmal dabei sind, könnten wir eigentlich auch noch …“
Spannend finde ich vor allem, dass die Daten bereits vorhanden sind. Die Häuser wurden im Winter 2024 thermografisch erfasst, und jetzt können Eigentümer daraus einen konkreten Bericht bestellen. Damit bekommt Digitalisierung einmal eine ausgesprochen praktische Bedeutung. Nicht irgendeine neue App sagt uns, wann wir die Heizung herunterdrehen sollen, sondern ein tatsächliches Bild zeigt, wo das Haus möglicherweise Energie nach draußen schickt.
Natürlich sollte niemand erwarten, dass ein Energiebericht für 59,50 Euro plötzlich das komplette Sanierungskonzept für die nächsten zwanzig Jahre liefert. Aber als Einstieg ist das Angebot durchaus interessant. Es macht Schwachstellen sichtbar und kann helfen, Fragen gezielter zu stellen. Vielleicht stellt sich heraus, dass das Wohnzimmerfenster gar nicht das Hauptproblem ist. Vielleicht ist es die Außenwand. Vielleicht das Dach. Und vielleicht entdeckt man am Ende auch, dass das eigene Haus energetisch besser dasteht als gedacht.
In jedem Fall ist es vermutlich angenehmer, die Schwachstellen des Hauses auf einem Wärmebild zu entdecken, als auf der nächsten Heizkostenabrechnung.
Denn dort sind die Farben zwar weniger bunt – dafür die Zahlen meistens deutlich unangenehmer.