In Hilden wird bekanntlich gerne geprüft. Straßenmarkierungen, Baustellenfortschritte, Ampelschaltungen und gelegentlich auch die Geduld der Autofahrer. Jetzt sind wieder die jüngsten Hildener an der Reihe: Die Schuleingangsuntersuchungen für die künftigen Erstklässler haben begonnen. Allerdings gibt es dabei eine Besonderheit, die manchen ehrgeizigen Eltern vermutlich schwerfällt: Ausgerechnet auf diese Untersuchung soll man seine Kinder nicht vorbereiten. Jedenfalls nicht mit gezieltem Üben.
Mehr als 5.000 Vorschulkinder wurden im vergangenen Schuljahr im Kreis Mettmann untersucht. Das Team des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes schaut sich dabei an, wie weit die Kinder in ihrer Entwicklung sind. Sprache, Zahlenverständnis, Aufmerksamkeit, Zeichnen, Motorik und logisches Denken gehören dazu. Das Ganze dauert einschließlich einer Spielpause rund 90 Minuten. Und damit die Aufregung nicht zu groß wird, gibt es eine wichtige Information gleich vorweg: Spritzen kommen bei dieser Untersuchung nicht zum Einsatz.
Die zuständige Ärztin Birgit Hunstig betont ausdrücklich, dass es nicht um eine Prüfung geht, die man bestehen oder nicht bestehen kann. Die Kinder sollen zeigen, was sie tatsächlich können. Wer vorher fleißig Aufgaben trainiert, erreicht möglicherweise genau das Gegenteil des eigentlichen Ziels: Das Gesundheitsamt bekommt ein geschöntes Bild und erkennt womöglich nicht, wo Unterstützung sinnvoll wäre. Für Eltern, die sonst gerne alles optimal vorbereiten, ist das eine durchaus ungewohnte Botschaft. Einfach mal nichts einstudieren und das eigene Kind machen lassen.
Interessant finde ich vor allem, worauf inzwischen besonders geachtet wird. Neben Sprache und Zahlen geht es auch um ziemlich alltägliche Fähigkeiten. Kann ein Kind einfache Anweisungen verstehen? Drei Teller aus dem Schrank holen? Einen Löffel über einen Teller legen? Sich selbst an- und ausziehen? Das klingt zunächst wenig spektakulär. Wer allerdings schon einmal morgens mit einem Kind unter Zeitdruck das Haus verlassen wollte, weiß, dass selbstständiges Anziehen durchaus eine anspruchsvolle Disziplin sein kann.
Und dann ist da noch das Thema Medienkonsum. Hunstig beobachtet, dass manche Vorschulkinder inzwischen besser Englisch als Deutsch sprechen. Das klingt zunächst nach beeindruckender Frühförderung, hat nach ihren Erfahrungen aber teilweise einen weniger erfreulichen Hintergrund: stundenlanges, unbegleitetes Anschauen englischsprachiger YouTube-Videos. Englischkenntnisse sind natürlich nichts Schlechtes. Problematisch wird es, wenn Bildschirmzeit das gemeinsame Sprechen, Spielen und Erleben verdrängt. Die Ärztin empfiehlt deshalb für Kinder dieses Alters höchstens 30 Minuten Medienkonsum täglich und auch das nur in Begleitung.
Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Kind kennt möglicherweise schon die englischen Bezeichnungen für sämtliche Dinosaurier, Fahrzeuge und Superhelden, hat aber Schwierigkeiten, eine einfache Anweisung auf Deutsch umzusetzen. Das ist kein Vorwurf an das Kind. Es zeigt vielmehr, dass ein Bildschirm zwar erstaunlich viele Wörter liefern kann, aber kein Gespräch ersetzt. YouTube erklärt vielleicht, wie ein Tyrannosaurus heißt. Ob der eigene Turnbeutel gepackt ist, interessiert den Algorithmus dagegen herzlich wenig.
Dabei sind die Empfehlungen der Fachleute erfreulich unkompliziert. Vorlesen, miteinander sprechen, kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen lassen und Kindern etwas zutrauen. Dafür braucht es weder eine Lern-App noch einen pädagogisch wertvollen Wochenplan. Auch eine festgestellte Schwierigkeit bedeutet übrigens nicht automatisch, dass ein Kind später eingeschult werden muss. Die Untersuchung soll vielmehr helfen, rechtzeitig passende Förderung zu finden. Das gilt ausdrücklich auch für Kinder, die ihren Altersgenossen in bestimmten Bereichen bereits weit voraus sind.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis für die Hildener Eltern künftiger Erstklässler: Die Schuleingangsuntersuchung ist keine Generalprobe für eine möglichst perfekte Einschulung. Sie soll zeigen, wo ein Kind tatsächlich steht. Und während wir Erwachsenen gerne jede Entwicklung messen, vergleichen und optimieren, dürfen die Kinder ruhig noch etwas tun, das in solchen Diskussionen gelegentlich zu kurz kommt: einfach Kinder sein.
Vielleicht beginnt gute Schulvorbereitung deshalb nicht mit der nächsten Lern-App, sondern damit, das Tablet wegzulegen, gemeinsam ein Buch aufzuschlagen – und die Schuhe anschließend selbst anziehen zu lassen.
Hildener Geschichten
Samstag, 10. Oktober 2026
10.10.2026: Englisch von YouTube, Schuhe noch von Mama – oder: Hilden übt den Schulstart
Freitag, 9. Oktober 2026
9.10.2026: Zwei Buslinien auf Abwegen – oder: Hilden verlegt jetzt auch die Haltestellen
In Hilden reicht es offenbar nicht mehr, dass Autofahrer wegen der Baustellen neue Wege suchen müssen. Ab Montag, 12. Oktober, dürfen auch die Fahrgäste der Rheinbahn ihre Ortskenntnisse auffrischen. Weil die Gerresheimer Straße zwischen Stockhausstraße und Schalbruch eine neue Fahrbahndecke bekommt, werden die Buslinien 781 und 782 umgeleitet. Bis zum 29. Oktober wird damit nicht nur der Straßenverkehr neu sortiert, sondern gleich ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs.
Das ist die logische Fortsetzung unserer Hildener Baustellensaison. Erst wird eine Straße zur Einbahnstraße, anschließend vollständig gesperrt, und jetzt erfahren wir, dass auch die Busse nicht einfach dort weiterfahren können, wo sie immer gefahren sind. Immerhin hat die Rheinbahn rechtzeitig mitgeteilt, welche Umwege geplant sind. Wer allerdings die verschiedenen Fahrtrichtungen, Haltestellen und Zeiträume auf Anhieb versteht, dürfte auch mit komplizierteren Verkehrsführungen wenig Schwierigkeiten haben.
Die Linie 781 fährt Richtung Erika-Siedlung über den Schalbruch statt auf ihrem gewohnten Weg. Bei der Linie 782 geht es Richtung Solingen über Richard-Wagner-Straße und Hochdahler Straße. Besonders wichtig: Die Haltestelle Johann-Sebastian-Bach-Straße entfällt in dieser Fahrtrichtung, während die Richard-Wagner-Straße je nach Linie und Richtung an andere Haltepositionen verlegt wird. Ab dem 26. Oktober kommen wegen der vollständigen Straßensperrung zusätzliche Umleitungen in den Gegenrichtungen hinzu.
Man merkt: Die Hildener Komponisten haben es in diesen Wochen nicht leicht. Mozartstraße, Richard-Wagner-Straße, Beethovenstraße und Johann-Sebastian-Bach-Straße – ausgerechnet in unserem musikalisch benannten Straßennetz wird kräftig umdirigiert. Nur dass diesmal nicht der Dirigent den Takt vorgibt, sondern die Straßenbaustelle.
Für regelmäßige Fahrgäste ist das allerdings weniger unterhaltsam, als es auf dem Papier klingt. Wer morgens zur Arbeit, zur Schule oder zu einem Termin muss, möchte vor allem wissen, ob der Bus an der gewohnten Stelle hält. Besonders ärgerlich sind solche Änderungen für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder auf eine bestimmte Haltestelle angewiesen sind. Eine Ersatzhaltestelle ein paar Meter weiter mag für manche belanglos sein, für andere kann sie den täglichen Weg deutlich komplizierter machen.
Hinzu kommt, dass die zusätzlichen Umleitungen erst am 26. Oktober beginnen. Fahrgäste müssen sich also möglicherweise zweimal umstellen: zunächst auf die erste Baustellenregelung und zwei Wochen später auf die nächste. Die Rheinbahn nennt als Zeitraum insgesamt Montag, 12. Oktober, 4 Uhr, bis Donnerstag, 29. Oktober, 4 Uhr.
Natürlich muss eine Straße irgendwann saniert werden, und Busse können nicht durch frisch eingebauten Asphalt fahren. Entscheidend ist deshalb, dass die Ersatzhaltestellen gut erkennbar sind, die Fahrgastinformationen stimmen und die Anschlüsse trotz der Umwege möglichst funktionieren. Gerade bei einer Baustelle, deren Ablauf in mehreren Phasen geplant ist, kommt es auf solche praktischen Details an.
Immerhin ist die Einschränkung überschaubar. Wenn alles nach Plan läuft, können die Busse Ende Oktober wieder ihre gewohnten Strecken bedienen. Bis dahin empfiehlt sich vor jeder Fahrt ein genauer Blick auf die Haltestelle und die aktuellen Fahrgastinformationen.
Denn in Hilden muss man derzeit nicht nur wissen, wann der Bus kommt. Man sollte vorsichtshalber auch prüfen, wo er überhaupt noch hält.
Donnerstag, 8. Oktober 2026
8.10.2026: Drei Märkte, ein Platz – oder: Hilden macht aus dem Alten Markt ein Winter-Abo
In Hilden reicht ein Weihnachtsmarkt offenbar nicht mehr. Jetzt bekommen wir gleich drei Veranstaltungen hintereinander: Sankt-Martins-Markt, Winterdorf und Neujahrsmarkt. Vom 4. November bis zum 24. Januar wird der Alte Markt damit, abgesehen von einigen Unterbrechungen, zur winterlichen Dauerveranstaltung. Was früher ein paar gemütliche Adventswochen waren, entwickelt sich langsam zu einer eigenen Saison. Fehlt eigentlich nur noch die Dauerkarte für den Glühweinstand.
Den Auftakt macht vom 4. bis 11. November der neue Sankt-Martins-Markt mit Karussell, Bühne, Imbiss und Getränken. Veranstalter Plenkers&Mey arbeitet dafür mit dem Sankt-Martins-Verein Hilden-Süd zusammen. Vom 18. November bis zum 22. Dezember folgt das eigentliche Winterdorf, das diesmal den gesamten Alten Markt einnehmen soll. Hütten, Weihnachtsbaum, beleuchtete Eiche, Musik, Nikolaus und gemeinsames Singen – das klingt nach allem, was man für eine stimmungsvolle Innenstadt braucht. Und nach ziemlich viel Betrieb auf einem Platz, der außerhalb solcher Veranstaltungen auch noch andere Aufgaben hat.
Denn so schön ich den Alten Markt mit seinen Lichtern und Buden finde: Er ist eben nicht ausschließlich eine Veranstaltungsfläche. Er gehört zum alltäglichen Leben unserer Innenstadt. Menschen treffen sich dort, besuchen die Gastronomie oder genießen einfach den Platz vor der Reformationskirche. Wenn dieser Bereich über Wochen mit Hütten und Aufbauten belegt wird, darf man durchaus nach den Auswirkungen auf die übrige Nutzung fragen. Gerade in Hilden, wo wir sonst über jeden weggefallenen Parkplatz und jede neue Straßenmarkierung diskutieren, sollte diese Frage nicht ausgerechnet beim Winterdorf unter den Glühweintisch fallen.
Neu sind auch zwei überdachte Eisstockschießbahnen und zwei mietbare Holzfässer. Das dürfte besonders für Freundeskreise, Vereine und Firmen interessant sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich solche buchbaren Angebote mit dem offenen Charakter eines öffentlichen Treffpunkts verbinden lassen. Ein lebendiger Alter Markt sollte schließlich nicht nur für diejenigen attraktiv sein, die vorher eine Stunde reserviert haben.
Besonders gespannt bin ich auf die Verlängerung nach Weihnachten. Vom 28. Dezember bis zum 24. Januar 2027 soll ein verkleinerter Neujahrsmarkt stattfinden. Die Eisstockbahnen bleiben, das gastronomische Angebot wird reduziert und das Geschehen konzentriert sich auf den Bereich vor der Reformationskirche. Das hat durchaus Charme. Der Januar ist in Hilden schließlich nicht gerade für sein überwältigendes Freizeitangebot unter freiem Himmel bekannt. Allerdings ist ein gut besuchtes Winterdorf im Advent noch kein Beweis dafür, dass Ende Januar bei Nieselregen dieselbe Begeisterung herrscht. Dafür braucht es mehr als Buden, die einfach ein paar Wochen länger stehen bleiben.
Die angekündigten Öffnungszeiten sind großzügig: montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, samstags bis 21 Uhr und sonntags von 11.30 bis 20 Uhr. Am Totensonntag, dem 22. November, bleibt geschlossen. Informationen zu Preisen und Reservierungen gibt es bereits auf der Internetseite des Winterdorfs.
Ich wünsche mir durchaus, dass das Konzept aufgeht. Gerade der Alte Markt mit der Reformationskirche und der alten Eiche hat das Potenzial, im Winter ein besonders schöner Treffpunkt zu sein. Eine belebte Innenstadt ist allemal erfreulicher als eine, in der abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Entscheidend wird sein, ob die drei Märkte tatsächlich zusätzliche Besucher anziehen, ohne dass der Platz seinen Charakter als öffentliches Zentrum verliert.
Vielleicht gelingt den Veranstaltern ja genau diese Mischung. Dann hätte Hilden etwas gewonnen. Wenn allerdings aus jeder freien Woche auf dem Alten Markt automatisch die nächste Veranstaltung werden soll, müsste man irgendwann auch darüber sprechen, wann der Platz einfach wieder Platz sein darf.
Denn der Alte Markt ist das Wohnzimmer unserer Innenstadt. Und auch im schönsten Wohnzimmer möchte man nicht drei Monate lang zwischen Glühweinbude und Eisstockbahn wohnen.
Mittwoch, 7. Oktober 2026
7.10.2026: Frischer Asphalt fürs Aldi-Ei – oder: Hilden macht die Gerresheimer Straße dicht
Wer in Hilden geglaubt hat, der Herbst werde verkehrstechnisch gemütlich, hat die Rechnung ohne das Tiefbau- und Grünflächenamt gemacht. Ab dem 12. Oktober bekommt die Gerresheimer Straße ihre nächste Schönheitskur. Zwischen dem Kreisverkehr am liebevoll „Aldi-Ei“ genannten Knoten Stockshausstraße und dem Kreisverkehr Schalbruch wird die Fahrbahndecke erneuert. Bis zum 29. Oktober heißt es deshalb: neue Wege suchen, etwas mehr Zeit einplanen und dem Navigationsgerät nicht blind vertrauen.
Immerhin wird nicht sofort alles gesperrt. In der ersten Bauphase bis voraussichtlich Montagabend, 26. Oktober, bleibt die Gerresheimer Straße in Richtung Westring befahrbar. In Richtung Innenstadt ist sie dagegen gesperrt. Die Beethovenstraße bleibt zunächst erreichbar, wird aber in die Einbahnstraßenregelung eingebunden. Je nach Baufortschritt wandert die Verkehrsführung abschnittsweise mit. Wer dort wohnt, sollte außerdem damit rechnen, dass das eigene Grundstück zeitweise mit dem Auto schlechter erreichbar ist.
Und es wird nicht nur ein bisschen Asphalt über die alte Straße gegossen. Die vorhandene Deckschicht wird abgefräst, Schächte, Schieberkappen und Straßenabläufe werden reguliert, die Rinne saniert und anschließend eine neue Asphaltdeckschicht eingebaut. Dazu kommen neue Randfugen. Kurz gesagt: Wenn Hilden schon aufmacht, dann richtig.
Besonders interessant dürften die Fräsarbeiten werden. Dabei kann es auch auf der verbliebenen Fahrspur zu längeren Wartezeiten kommen. Zusätzlich werden die seitlichen Parkstreifen mit Halteverboten versehen. Die Gerresheimer Straße bietet damit für einige Tage das komplette Hildener Baustellenpaket: weniger Fahrspuren, weniger Parkplätze und mehr Gelegenheit, die Umgebung einmal ausgiebig aus dem stehenden Auto zu betrachten.
Richtig ernst wird es dann ab Montagabend, 26. Oktober. Bis zum 29. Oktober soll der Abschnitt vollständig gesperrt werden, dann auch an der Kreuzung Beethovenstraße. Der Grund ist nicht die in Hilden gelegentlich vermutete Freude am Aufstellen von Absperrbaken, sondern der Asphalt selbst. Vor dem Einbau muss die Fahrbahn mit Haftkleber vorbereitet werden, anschließend braucht auch die neue Deckschicht ihre Ruhe. Autos und frischer Asphalt vertragen sich in dieser Phase ungefähr so gut wie Hildener Autofahrer und eine überraschend aufgestellte Baustellenampel.
Der eigentliche Asphalteinbau ist für den 27. oder 28. Oktober vorgesehen. Danach muss die Fahrbahn ausreichend abkühlen, bevor sie wieder freigegeben werden kann. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Spuk am 29. Oktober vorbei sein. Für eine grundhafte Straßensanierung ist das ein überschaubarer Zeitraum – für jemanden, der diese Strecke täglich fährt, können zweieinhalb Wochen allerdings eine erstaunlich lange Beziehung zu einer Umleitung begründen.
Und natürlich kommt die Maßnahme in einer Zeit, in der wir rund um Hilden ohnehin schon intensiv über Umleitungen und gesperrte Verkehrswege sprechen. Die A59 ist Richtung Düsseldorf für Monate dicht, nun wird auch auf der Gerresheimer Straße gearbeitet. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, der Oktober stehe in Hilden unter dem Motto: Wer seinen üblichen Weg kennt, bekommt einen neuen.
Am Ende bleibt immerhin etwas Sichtbares zurück: eine frisch sanierte Straße. Das unterscheidet diese Baustelle wohltuend von mancher Hildener Diskussion, bei der nach drei Wochen vor allem neue Fragen entstanden sind.
Und falls es unterwegs doch einmal länger dauert: Nicht ärgern. Einfach daran denken, dass irgendwo zwischen Aldi-Ei und Schalbruch gerade unsere Steuergelder schön glattgewalzt werden.
Dienstag, 6. Oktober 2026
6.10.2026: Aus 4.000 werden 1.700 Quadratmeter – oder: Auch der liebe Gott muss in Hilden Fläche sparen
Wenn in Hilden über knappe Flächen gesprochen wird, geht es meistens um Wohnungen, Kitas, Parkplätze oder Grün. Jetzt beschäftigt die Quadratmeterfrage auch die evangelische Kirchengemeinde. Sie nutzt derzeit knapp 4.000 Quadratmeter, bis 2035 sollen daraus rund 1.700 werden. Mehr als die Hälfte muss also weg. Und plötzlich geht es nicht nur um Zahlen, sondern um drei Gebäude, mit denen viele Hildener Erinnerungen verbinden: Reformationskirche, Friedenskirche und Erlöserkirche.
Der Grund ist nüchtern: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, die Kirchensteuereinnahmen gehen zurück und große Gebäude kosten Geld – besonders, wenn energetische Sanierungen anstehen. Die Gemeinde zählt derzeit rund 11.700 Mitglieder und hat vier Pfarrstellen, wobei sich auch deren Zahl perspektivisch verändern dürfte. Eine Gebäudebedarfsanalyse soll nun zeigen, was künftig noch finanzierbar ist.
Eine Kirche steht dabei offenbar nicht zur Disposition: die denkmalgeschützte Reformationskirche mitten in der Stadt. Bei Friedenskirche im Norden und Erlöserkirche im Süden ist dagegen alles offen. Vermieten, anders nutzen, verkleinern oder möglicherweise einen Standort aufgeben – Vorentscheidungen gebe es laut Presbyterium noch nicht.
Besonders im Hildener Süden sorgt das für Unruhe. Dort wird befürchtet, die Erlöserkirche könnte irgendwann entwidmet werden. Der Bürgerverein Hilden-Süd hat bereits eine Alternative vorgeschlagen: Sollte der Standort tatsächlich frei werden, könnte die Stadt über eine Nutzung als Großkita nachdenken, statt die geplante fünfgruppige Kita am Salzmannweg/Bruchhauser Straße zu bauen. Noch ist das lediglich ein Vorschlag, zeigt aber, wie schnell aus einer kirchlichen Immobilienfrage eine Hildener Standortdebatte wird.
Die eigentliche Entscheidung dürfte ohnehin schwieriger werden als die reine Quadratmeterrechnung. Kirchen sind keine beliebigen Immobilien. Menschen wurden dort getauft, konfirmiert und getraut, haben Abschied genommen oder jahrzehntelang ihren Gottesdienst besucht. Für sie geht es nicht nur um Heizkosten und Nutzflächen, sondern um persönliche Geschichte.
Gleichzeitig lässt sich die wirtschaftliche Realität nicht ausblenden. Wenn weniger Mitglieder große Gebäude finanzieren müssen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viel Geld in deren Erhalt fließen kann und wie viel für die eigentliche Gemeindearbeit übrigbleiben soll. Genau darauf verweist die Vorsitzende des Presbyteriums Brunhilde Seitzer: Leere Räume bringen der Gemeinde wenig, und das vorhandene Vermögen für Gebäudesanierungen aufzubrauchen wäre keine nachhaltige Lösung.
Damit geht es letztlich um mehr als die Frage, welche Kirche bleibt. Die Gemeinde muss kleiner werden, ohne dass ihr Angebot im gleichen Maße schrumpft. Als mögliches Vorbild nennt das Presbyterium das „Langenfelder Modell“ mit einem kleineren multifunktionalen Raum, der auch für Gottesdienste genutzt werden kann. Denn auch Gottesdienstformen und Gemeindearbeit verändern sich.
Anfang kommenden Jahres soll es konkret werden. Für Januar oder Februar werden Beschlüsse erwartet, vorher soll eine Gemeindeversammlung stattfinden. Dann wird sich zeigen, was aus den 4.000 Quadratmetern tatsächlich wird – und welche Rolle Friedens- und Erlöserkirche künftig spielen.
Denn eine Kirche kann man in Quadratmetern messen. Was sie einem Stadtteil bedeutet, passt in keine Gebäudebedarfsanalyse.
Freitag, 2. Oktober 2026
2.10.2026: 37 Wohnungen gegen eine grüne Wiese – oder: Hilden muss sich entscheiden
Manche Hildener Geschichten brauchen ein paar Jahre, mehrere Ausschüsse, Proteste und vermutlich einen ziemlich dicken Aktenordner, bevor tatsächlich eine Entscheidung fällt. Die Bebauung an der Hofstraße 150 gehört eindeutig dazu. Jetzt hat der Stadtrat entschieden: Gebaut wird. Vier Mehrfamilienhäuser, drei Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser sollen entstehen, insgesamt 37 neue Wohneinheiten. CDU und SPD stimmten dafür, Grüne, FDP, BA/Piraten und AfD dagegen. Vor der Sitzung hatte der BUND mit einer Mahnwache für den Erhalt von Frischluftschneisen demonstriert.
Man kann es sich bei dieser Entscheidung leicht machen. Man kann sagen: Hilden braucht dringend Wohnungen, also muss gebaut werden. Oder: Hilden ist bereits dicht genug bebaut, also muss Grün erhalten bleiben. Das Problem ist nur, dass beide Argumente einen ziemlich realen Hintergrund haben.
Auf der einen Seite steht der Wohnungsdruck. Alle Wohnungen in den geplanten Mehrfamilienhäusern sollen öffentlich gefördert vermietet werden. Nach Angaben der CDU haben sich 210 Familien bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gemeldet, die dringend eine Wohnung suchen. Vorgesehen sind Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, außerdem sollen Werkswohnungen für Beschäftigte in der Gesundheitsversorgung entstehen. Wer deshalb für das Projekt stimmt, kann darauf verweisen, dass bezahlbarer Wohnraum nicht allein dadurch entsteht, dass man seinen Mangel beklagt. Irgendwo muss er gebaut werden.
Auf der anderen Seite steht eine Stadt, deren Fläche sich ebenfalls nicht vermehren lässt. Wer gegen die Bebauung stimmt, kann darauf verweisen, dass zusätzliche Wohnungen eben nicht auf einem weißen Blatt Papier entstehen. Fläche wird versiegelt, Grün geht verloren, und gerade in einer ohnehin dicht besiedelten Stadt bekommt jeder weitere Eingriff besonderes Gewicht. Auch das ist kein theoretisches Argument.
Besonders deutlich wird dieser Konflikt an der Streuobstwiese zwischen Hofstraße und Bahnstraße. Sie wurde erst 2023 angelegt, finanziert unter anderem durch rund 8.400 Euro an Spenden sowie etwa 1.600 Euro von der Stadt. Nun wird die Fläche über das sogenannte Ökokonto als Kompensation für den Verlust der Grünfläche an der Hofstraße angerechnet.
Das sorgt bei Nabu, BUND und Bürgerverein Hilden-Süd für erheblichen Ärger. Der Nabu weist darauf hin, dass die Menschen für die Streuobstwiese aus Liebe zur Natur gespendet hätten und nicht, um damit später indirekt die Erschließung einer anderen Fläche zu ermöglichen. Auch der Bürgerverein erklärt, für diesen Zweck wäre nicht gespendet worden. Planerisch mag ein Ökokonto ein etabliertes Instrument sein. Aus Sicht eines Spenders kann dieselbe Rechnung trotzdem ganz anders aussehen.
Genau deshalb taugt die Hofstraße schlecht für einfache Sieger-und-Verlierer-Erzählungen. 37 zusätzliche Wohnungen werden den Hildener Wohnungsmarkt nicht lösen. Für die Menschen, die dort einmal wohnen, sind sie trotzdem alles andere als unbedeutend. Umgekehrt entscheidet der Erhalt einer einzelnen Grünfläche nicht über das gesamte Hildener Stadtklima. Eine einmal bebaute Fläche bleibt aber bebaut.
Der Rat musste also zwei nachvollziehbare Interessen gegeneinander abwägen: zusätzlichen und teilweise öffentlich geförderten Wohnraum auf der einen, den Schutz knapper Freiflächen auf der anderen Seite. Die Mehrheit hat sich für das Bauprojekt entschieden. Die Minderheit hat andere Prioritäten gesetzt. Gerade weil beide Seiten auf reale Probleme verweisen können, dürfte die Diskussion mit dem Ratsbeschluss politisch entschieden, aber gesellschaftlich kaum beendet sein.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Hildener Geschichte hinter der Hofstraße. In einer dicht besiedelten Stadt wird die Frage künftig immer häufiger nicht lauten, ob wir Wohnungen oder Grün brauchen. Wir brauchen beides. Die schwierigere Frage lautet, was geschieht, wenn beides denselben Quadratmeter beansprucht.
Hilden fehlt an der Hofstraße nicht das gute Argument. Hilden fehlt der Platz, um allen guten Argumenten gleichzeitig gerecht zu werden.
Mittwoch, 30. September 2026
30.9.2026: Weniger Arbeitslose, weniger Jobs – oder: Hilden hat zwei Zahlen zum Freuen und Grübeln
Es gibt Statistiken, bei denen man nach der ersten Zahl zufrieden nickt und nach der zweiten gleich wieder etwas vorsichtiger wird. Der Hildener Arbeitsmarkt liefert im September genau so einen Fall. In unserer Stadt sind aktuell 1.919 Menschen arbeitslos – 103 weniger als noch im August und sogar 83 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist von 6,6 auf 6,2 Prozent gesunken. Das ist erst einmal eine gute Nachricht.
Ganz so eindeutig ist das Bild allerdings nicht. Denn während weniger Menschen arbeitslos sind, gibt es gleichzeitig auch weniger offene Stellen. Für Hilden und Haan zusammen sind derzeit 441 freie Arbeitsplätze gemeldet. Das sind 76 weniger als vor einem Jahr. Im September kamen 102 neue Stellenangebote hinzu, ebenfalls weniger als im Vorjahresmonat. Der Arbeitsmarkt bewegt sich also in eine Richtung, die auf den ersten Blick etwas widersprüchlich wirkt: weniger Arbeitslose, aber eben auch weniger Auswahl für diejenigen, die gerade einen neuen Job suchen.
Die Agentur für Arbeit bewertet den Rückgang trotzdem als ermutigendes Signal. Ein Teil davon ist saisonal üblich, besonders erfreulich sei aber die Entwicklung bei jungen Menschen. Viele finden nach ihrer Ausbildung offenbar schnell eine Anschlussbeschäftigung. Für Hilden selbst fällt die Septemberbilanz dabei sogar besser aus als für die Nachbarstadt. Während hier 103 Menschen weniger arbeitslos gemeldet sind als im August, stieg die Zahl in Haan leicht um fünf. Interessanterweise landen beide Städte trotzdem bei derselben Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.
Für Hilden bedeutet das: Die Lage hat sich verbessert, von einem Arbeitsmarkt im großen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. Gerade die geringere Zahl gemeldeter Stellen zeigt, dass die Unternehmen weiterhin vorsichtig sind. Wer derzeit Arbeit sucht, trifft zwar auf einen stabileren Arbeitsmarkt, aber nicht unbedingt auf ein wachsendes Angebot.
Und Zahlen erzählen ohnehin immer nur einen Teil der Geschichte. Hinter den 1.919 Arbeitslosen stehen Menschen, für die eine sinkende Quote ziemlich nebensächlich ist, solange der eigene Arbeitsvertrag fehlt. Umgekehrt sind 441 offene Stellen für Hilden und Haan nicht automatisch 441 passende Stellen. Ein freier Arbeitsplatz hilft schließlich wenig, wenn Qualifikation, Arbeitszeit oder Beruf nicht zusammenpassen.
Trotzdem darf man sich über die Septemberzahlen freuen. 103 Hildener weniger in Arbeitslosigkeit innerhalb eines Monats sind eine Entwicklung in die richtige Richtung. Und vielleicht ist das diesmal eine jener seltenen lokalen Statistiken, bei denen wir nicht sofort nach Baustelle, Haushaltsloch oder neuem Verkehrsschild suchen müssen.
Ganz ohne Hildener Aber geht es natürlich trotzdem nicht: Die Arbeitslosenquote sinkt, gleichzeitig schrumpft das Stellenangebot.
Oder anders gesagt: In Hilden haben gerade mehr Menschen Arbeit – nur die Auswahl für die Nächsten wird kleiner.