Donnerstag, 26. März 2026

26.3.2026: Wenn selbst die NachtExpress-Linie verschläft

Es gibt Nachrichten, die klingen so deutsch, dass man beim Lesen automatisch einen Fahrplan, einen Thermobecher und leichte innere Unruhe vor sich sieht: Die Sommerzeit kommt – und mit ihr die Erkenntnis, dass nicht nur Menschen, sondern auch Busse und Bahnen ein ernsthaftes Problem damit haben, wenn plötzlich eine Stunde einfach eingesammelt wird. In der Nacht zu Sonntag, dem 29. März, wird nämlich um 2 Uhr kurzerhand auf 3 Uhr vorgespult. Zack, weg ist sie, die Stunde. Einfach aus dem Verkehr gezogen. Und weil in Nordrhein-Westfalen natürlich nichts allein leidet, ist auch der Fahrplan der Rheinbahn betroffen. Die gute Nachricht: Niemand ist persönlich schuld. Die schlechte: Wer nachts unterwegs ist, sollte besser nicht davon ausgehen, dass die Linie seines Vertrauens ebenfalls spontan zum Zeitphilosophen wird.

Betroffen sind gleich reihenweise bekannte Nachtschwärmer des Nahverkehrs: alle NachtExpress-Linien von NE1 bis NE8, mehrere DiscoLinien, diverse U-Bahn-Linien und eine Busflotte, die klingt, als hätte jemand im Depot einmal mit dem Finger über die Tastatur gerollt: O1, SB50, 722, 730, 738, 746, 754, 761, 770, 778, 784, 785, 830 und 839. Man kann also sagen: Die Sommerzeit greift nicht kleckrig ein, sondern mit der Eleganz eines Umzugsunternehmens, das nachts heimlich Möbel verrückt. Besonders tückisch ist dabei die Faustregel der Rheinbahn. Sie lautet sinngemäß: Alles, was vor 2 Uhr Winterzeit losfährt, fährt normal. Alles, was nach 2 Uhr Winterzeit starten würde, fällt aus oder wird durch das ersetzt, was nach 3 Uhr Sommerzeit sowieso geplant war. Mit anderen Worten: Wer vor zwei losfährt, hat Glück. Wer um halb drei los will, hat vor allem Fragen.

Das ist ohnehin das Faszinierende an der Zeitumstellung: Zweimal im Jahr tun wir kollektiv so, als sei es völlig normal, an einer Uhr zu drehen und zu erwarten, dass Menschen, Tiere, technische Systeme und Partygänger das einfach sportlich wegmoderieren. Die einen freuen sich auf längere Abende, die anderen stehen am Bahnsteig und rechnen plötzlich in Winterzeit, Sommerzeit und gefühlter Verzweiflung. Irgendwo in Hilden schaut vermutlich jemand um 2.17 Uhr auf sein Handy, dann auf die Anzeigetafel, dann wieder aufs Handy und kommt zu dem Schluss, dass entweder die Rheinbahn oder das Universum einen kleinen Wackler hat.

Eigentlich steckt in dieser Meldung aber auch eine tröstliche Wahrheit: Selbst ein durchgetaktetes Verkehrssystem muss kapitulieren, wenn die Menschheit beschließt, der Nacht eine Stunde zu stehlen. Das hat fast etwas Rührendes. Da planen Menschen Linien, Abfahrten und Anschlüsse bis ins kleinste Detail, und dann kommt einmal im Frühjahr diese absurde Nacht, in der die Zeit sagt: „Ich wäre dann mal weg.“ Vielleicht sollten wir deshalb etwas gnädiger sein – mit der Rheinbahn, mit unseren Weckern und vor allem mit uns selbst. Wer an diesem Wochenende unterwegs ist, sollte einfach so tun, als sei er auf einer kleinen Expedition durch ein temporäres Raum-Zeit-Loch mit Tarifzone. Und wer pünktlich ankommt, darf sich fühlen wie ein Held.

Mittwoch, 25. März 2026

25.3.2026: Wenn der Parkplatz plötzlich Basilikum trägt

Es gibt Nachrichten, bei denen man unwillkürlich denkt: Endlich kümmert sich mal jemand um die wirklich wichtigen Dinge. Nicht um Weltpolitik, nicht um künstliche Intelligenz, nicht um die Frage, warum in jedem Büro genau ein Drucker steht, der grundsätzlich beleidigt ist – sondern um Gewerbegebiete. Genauer gesagt: um deren Verwandlung von „praktisch, aber traurig“ zu „nachhaltig, hübsch und vermutlich deutlich angenehmer in der Mittagspause“. In Hilden läuft nämlich der Wettbewerb „Aus Grau wird Grün“, und allein dieser Titel klingt schon so, als hätte ein besonders motivierter Gärtner den Endgegner Asphalt herausgefordert.

Die Idee ist herrlich bodenständig und gleichzeitig überraschend revolutionär: Unternehmen sollen ihre versiegelten Flächen entsiegeln und daraus grüne Oasen machen. Also Schluss mit der romantischen Vorstellung, dass ein Gewerbehof nur aus Beton, Lieferwagen und einem einsamen, vom Wind schief gewehten Zigarettenstummel bestehen darf. Stattdessen sind plötzlich Naschgärten gefragt, begrünte Pausenflächen und Rasengittersteine, wo vorher vermutlich nur Hitzeflimmern und die stille Verzweiflung parkender Autos herrschten. Man stellt sich direkt vor, wie irgendwo zwischen Lagerhalle und Laderampe künftig Minze wächst und ein Mitarbeiter in Warnweste fachmännisch erklärt: „Die Erdbeeren links bitte noch nicht pflücken, die sind fürs Betriebsklima.“

Besonders schön ist, dass ausdrücklich auch kleine Maßnahmen willkommen sind. Das ist sehr beruhigend für alle Firmen, die gerade nicht sofort einen kompletten Stadtwald neben dem Containerplatz anlegen können. Es muss also nicht gleich der tropische Firmencampus mit Wasserfall, Schmetterlingswiese und philosophisch angelegtem Barfußpfad sein. Schon eine clever begrünte Ecke kann offenbar reichen, um aus „hinter dem Gebäude“ ein „hier trinkt man gerne seinen Kaffee“ zu machen. Das ist in deutschen Gewerbegebieten ungefähr so sensationell wie ein pünktlicher Handwerkertermin.

Die Teilnahmebedingungen klingen dabei angenehm konkret: Vorher-/Nachher-Fotos, ein Lageplan mit Flächenbilanz, fertig. Fast wie eine Garten-Transformation im Reality-TV, nur mit weniger Drama und deutlich mehr Rasengitterstein. Die Jury schaut dann darauf, wie groß der entsiegelte Anteil im Verhältnis zur Gesamtfläche ist. Es geht also nicht nur um hübsche Petunien fürs Image, sondern um echte Fläche. Der Asphalt muss weichen, und zwar messbar. Man könnte sagen: Hier wird nicht gekleckert, hier wird mit Quadratmetern argumentiert.

Dass die besten drei Projekte auch noch Preisgelder bekommen, macht die Sache zusätzlich spannend. 5.000 Euro für Platz eins, 2.500 Euro für Platz zwei und 1.000 Euro für Platz drei – das ist ein finanzieller Anreiz, bei dem selbst der grauste Parkplatz kurz darüber nachdenken dürfte, ob er nicht doch lieber ein Kräuterbeet werden möchte. Und selbst wer nicht gewinnt, wird immerhin auf der Website der Stadt vorgestellt. Das ist in der Welt kommunaler Wettbewerbe vermutlich der Moment, in dem eine entsiegelte Fläche endgültig zur kleinen Berühmtheit wird.

Am schönsten an der ganzen Sache ist aber vielleicht, dass hier mal ganz praktisch gezeigt wird, wie Klimaschutz aussehen kann, ohne dass sofort jemand mit 87 PowerPoint-Folien und dem Wort „Transformationsprozess“ um die Ecke kommen muss. Weniger Beton, mehr Grün, besseres Mikroklima, angenehmere Pausenplätze – das versteht jeder. Sogar der eine Kollege, der Pflanzen bisher vor allem aus dem Kantinensalat kannte. Hilden beweist damit, dass Fortschritt manchmal ganz unspektakulär beginnt: mit einer Fläche, die vorher nichts konnte, außer heiß werden, und danach plötzlich Schatten spendet, Insekten erfreut und im besten Fall sogar Himbeeren produziert. Und ehrlich gesagt: Wenn schon Wettbewerb, dann doch bitte einer, bei dem am Ende weniger Grau und mehr Grün herauskommt. Das ist selten, sinnvoll und sieht auch noch besser aus als jede frisch geteerte Parkbucht.

Dienstag, 24. März 2026

24.3.2026: Zwischen Blubber-Flasche und Broadway-Gefühl: Wie Greta aus Hilden mal eben Mrs. Doubtfires Tochter wurde

In Hilden gibt es Kinder, die nachmittags Hausaufgaben machen, vielleicht zum Sport gehen und sich dann irgendwann beschweren, dass sie bitte auf gar keinen Fall vor dem Abendessen schlafen möchten. Und dann gibt es Greta, neun Jahre alt, die denselben Satz vermutlich auch sagt – nur mit dem kleinen Unterschied, dass ihr Mittagsschlaf inzwischen Teil einer ziemlich beeindruckenden Karriereplanung ist. Denn wer einmal pro Woche im Capitol-Theater in Düsseldorf vor bis zu 1200 Menschen auf der Bühne steht, elfmal das Kostüm wechselt und dabei so tut, als sei das alles völlig normal, der lebt nicht mehr im gewöhnlichen Drittklässler-Modus. Der lebt irgendwo zwischen Pausenbrot und Premierenflair.

Greta aus Hilden spielt in „Mrs. Doubtfire“ die jüngste Tochter Natalie, und schon dieser Satz klingt so, als hätte jemand ein Kinderzimmer, eine Tanzschule und das West End einmal kräftig im Mixer geschüttelt. Während andere Kinder vielleicht ihre Trinkflasche für die Schule packen, hantiert Greta mit einer „Blubber-Flasche“ zur Stimmbandmassage. Allein dieses Detail ist großartig. Mit neun hatte man früher vielleicht ein Mäppchen mit Glitzerstiften, aber sicher kein Zubehör, das klingt, als würde man sich damit auf ein Celine-Dion-Comeback vorbereiten.

Das Beste an der ganzen Geschichte ist allerdings Gretas lässige Haltung. „Aufgeregt bin ich eigentlich nicht“, sagt sie. Natürlich nicht. Warum auch? Andere Erwachsene bekommen schon Schweißausbrüche, wenn sie beim Bäcker hinter drei Leuten in der Schlange laut „Mit Karte bitte“ sagen müssen. Greta dagegen marschiert offenbar seelenruhig in eine Show mit Gesang, Tanz, Dialogen und Publikum in vierstelliger Größe und denkt sich: Na gut, ich mach dann mal mein Ding. Diese Coolness muss man erst mal haben. Vermutlich ist sie die einzige Person im ganzen Theater, die wirklich entspannt ist.

Überhaupt ist das Bild herrlich: Da sitzt eine Neunjährige in der Kinderdarsteller-Ecke der Capitol-Kantine, umgeben von Mutter, Theatermitarbeiterinnen und einer Aufsichtskraft der Bezirksregierung, weil Kinderarbeit in Deutschland nun mal nicht einfach so durchgewunken wird. Und während im Hintergrund streng auf Arbeitszeiten, Vorschriften und Zweitbesetzungen geachtet wird, sitzt da Greta mit Schneehasen-Ohrwärmern und wirkt wahrscheinlich so, als würde sie gleich eher auf einen Kindergeburtstag gehen als auf eine große Musicalbühne. Deutschland in einem Bild: erst Formular, dann Vorhang auf.

Auch die Rolle passt offenbar wie angegossen. Natalie ist die Jüngste in der Mrs.-Doubtfire-Familie, frech, offen, herzlich – und wer als ersten prägenden Satz auf der Bühne „Hier riecht es irgendwie nach Pups“ sagen darf, hat ohnehin schon gewonnen. Das ist keine Nebenrolle, das ist kulturelle Schwerstarbeit im Dienste der Unterhaltung. Während andere sich mühsam an elaborierten Bühnenmonologen versuchen, eröffnet Greta mit Pups-Detektor-Energie. Das ist Timing, das ist Präsenz, das ist letztlich große Kunst mit kindlicher Präzision.

Dass „Mrs. Doubtfire“ selbst eine ziemlich wilde Mischung aus Herz, Chaos, Trennungsschmerz und Familienwahnsinn ist, macht die Sache nur noch schöner. Da verkleidet sich ein geschiedener Vater als Kindermädchen, um seinen Kindern nahezusein, und mitten in diesem emotionalen und komödiantischen Schleudergang steht ein Mädchen aus Hilden und macht das alles zu einem ganz normalen Wochentag. Nicht jeder kann von sich behaupten, regelmäßig in die Arme eines Musical-Papas zu springen, zwischen Smartphone-Sucht, Schuldgefühlen und Tanzeinlagen mitzuwirken und anschließend vermutlich trotzdem noch zu Hause zu hören: „Hast du morgen an deine Schulsachen gedacht?“

Besonders sympathisch wird die Geschichte, wenn man merkt, dass Greta bei allem Bühnenzauber eben doch einfach Greta ist. Sie geht auf eine Waldorfschule, mag Eurythmie – was sie sehr sachlich mit „Das ist was mit Bewegung“ erklärt – und trainiert Ballett in der Orangerie-Ballettschule. Allein diese Kombination ist schon fast literarisch: ein aufgewecktes Kind aus Hilden, Eurythmie-Fan, Ballettschülerin, Musicaldarstellerin. Da fehlt eigentlich nur noch, dass sie nebenbei auch noch souverän französische Macarons backt oder in der Pause locker einen Spagat auf dem Theaterflur macht.

Und dann sind da noch die Gene. Die Oma im Laientheater, die Mutter im Rock-’n’-Roll-Tanz – man möchte sagen: In dieser Familie wurde die Bühne nicht entdeckt, sie lauerte wahrscheinlich schon seit Generationen im Wohnzimmer. Andere Familien vererben Kaffeeservices oder Werkzeugkoffer, hier offenbar Bühnenpräsenz. Da überrascht es fast nur noch mittelmäßig, dass die Mutter den Film „Mrs. Doubtfire“ früher auf Video gesehen hat. Natürlich auf Video. Diese Geschichte wäre auch einfach nicht halb so charmant, wenn sie mit einem Streaming-Algorithmus begonnen hätte. Nein, hier gehört eine VHS-Vergangenheit hinein, damit sich der Kreis schön nostalgisch schließt.

Am rührendsten ist vielleicht, dass Greta selbst das Publikum kaum wahrnimmt, weil es im Dunkeln sitzt. Ein wunderbarer Gedanke eigentlich: Während bis zu 1200 Menschen gebannt nach vorne schauen, denkt sich das Kind auf der Bühne sinngemäß: Ach, so richtig sieht man euch ja eh nicht. Eine beneidenswert praktische Sicht aufs Rampenlicht. Vielleicht ist genau das das Geheimnis. Nicht zu viel nachdenken, nicht beeindrucken lassen, einfach rausgehen und spielen. Während Erwachsene ihr ganzes Leben damit verbringen, innere Blockaden zu therapieren, hat Greta das Prinzip längst verstanden.

So wird aus einer Geschichte über ein Musicalkind schnell eine kleine Hymne auf Talent ohne Allüren. Greta wirkt nicht wie eine geschniegelt-gepushte Mini-Karrieristin, sondern wie ein Kind mit Temperament, Freude und erstaunlicher Selbstverständlichkeit. Eine, die elf Kostümwechsel hinnimmt wie andere Kinder einen Stundenplan. Eine, die vor der Show noch interviewt wird und kurz später geschniegelt durchs Backstage huscht, vorbei an einem riesigen Styropor-Oscar, als wäre das die normalste Route der Welt.

Hilden kann jedenfalls stolz sein. Nicht jeden Tag schickt eine Stadt eine Neunjährige ins Capitol-Theater, die dort mit Zöpfen, Tanzschritten und Pups-Satz das Publikum verzaubert. Und während „Mrs. Doubtfire“ auf der Bühne versucht, eine Familie zusammenzuhalten, zeigt Greta ganz nebenbei, dass zwischen Schulalltag, Ballett und Bühnenlicht manchmal genau die schönsten Geschichten entstehen. Vor allem dann, wenn ein Kind so wirkt, als wäre all das große Theater für sie ungefähr so anstrengend wie für andere das Auspacken der Brotdose.

Montag, 23. März 2026

23.3.2026: Hilden baut Zukunft – erstmal auf dem Papier

In Hilden ist man wieder einen großen Schritt nach vorn gekommen – jedenfalls in der sehr deutschen Disziplin „geordnetes Voranplanen von Dingen, die vielleicht irgendwann passieren“. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität wurde nämlich besprochen, wo in der Stadt künftig gebaut werden soll, welche Projekte Vorrang haben und warum das alles leider trotzdem nicht bedeutet, dass morgen schon der erste Bagger anrollt. Mit anderen Worten: Hilden bekommt neue Wohngebiete, eine Kita und eine frische Runde kommunaler Hoffnungspflege.

Die gute Nachricht lautet: Es soll mehr Wohnraum geben. Die noch bessere Nachricht lautet: Man weiß sogar schon ungefähr, wo. Auf dem Gelände der ehemaligen Schule an der Furtwänglerstraße soll ein neues Wohngebiet entstehen, an der Gerresheimer Straße sind Reihenhäuser geplant, dazu kommen Vorhaben an der Hofstraße sowie im Bereich Walder Straße und Kirchhofstraße. Auch rund um die Kirchhofstraße selbst soll weiterer Wohnraum in zentraler Lage geschaffen werden. Zentral heißt in Städten ja immer: theoretisch praktisch, praktisch kompliziert und in der Realität erstmal Gegenstand mehrerer Sitzungen mit PowerPoint.

Damit das Ganze nicht wie ein reines Betonfestival wirkt, wird auch an die soziale Infrastruktur gedacht. Am Salzmannweg ist eine neue Kita geplant. Das ist in einer Stadtentwicklungsmeldung ungefähr der Moment, in dem alle kollektiv nicken und sagen: Ja gut, wenigstens einer denkt hier an die Kinder, während die Erwachsenen noch versuchen herauszufinden, was genau „bevorzugt weiterverfolgen“ in Monaten, Jahren und Wahlperioden gerechnet bedeutet.

Besonders charmant ist wie immer die Frage, wer das alles eigentlich baut. Die Stadt selbst jedenfalls meistens nicht. Sie macht eher das, was Städte am liebsten tun: den Rahmen setzen, Regeln festlegen, priorisieren, begleiten, abstimmen und vermutlich Formulierungen erarbeiten, in denen das Wort „Prozess“ auffällig oft vorkommt. Gebaut wird dann eher von privaten Investoren oder Wohnungsunternehmen. Die klassische Rollenverteilung also: Die Stadt malt die Linien aufs Spielfeld, und private Akteure dürfen später versuchen, ohne personelle Engpässe, Kostensteigerungen und Baugrundüberraschungen bis zum Tor durchzukommen.

Und genau da kommt auch schon der Haken, der in solchen Meldungen zuverlässig hinter jeder optimistischen Überschrift lauert. Denn obwohl vieles geplant ist, dauert es wie so oft länger. Schuld sind zurückhaltende Investoren, fehlende Fachkräfte in Planungsbüros und umfangreiche Gutachten. Anders gesagt: Selbst wenn Einigkeit besteht, dass Wohnraum gebraucht wird, muss man erst noch prüfen, rechnen, bewerten, abwägen und wahrscheinlich herausfinden, ob irgendwo eine seltene Maus wohnt, die mit den Reihenhäusern noch nicht vollständig versöhnt ist. Stadtentwicklung ist eben kein Sprint, sondern ein Hindernislauf in Sicherheitsschuhen.

Der vielleicht wichtigste Satz steckt ohnehin in der unscheinbaren Klarstellung, dass noch gar kein Bauprojekt beschlossen wurde. Beschlossen wurde nur, welche Planungen im Jahr 2026 Vorrang haben. Das ist ein bisschen wie im Januar eine Fitnessstudio-Mitgliedschaft abzuschließen und zu sagen: Der Wille zum Sixpack ist offiziell priorisiert. Gebaut wird also noch nicht, es wird erstmal bevorzugt weiterverfolgt. Das klingt sachlich, vernünftig und leider auch nach einer Formulierung, die Menschen in Hilden in fünf Jahren noch auswendig zitieren könnten, wenn sie an der gleichen Freifläche vorbeigehen und sagen: Ach ja, hier sollte doch mal was entstehen.

Trotzdem ist die Nachricht natürlich nicht nichts. In einer Zeit, in der Wohnraum knapp ist und jede Stadt fieberhaft nach Flächen, Lösungen und halbwegs bezahlbaren Konzepten sucht, ist es immerhin ein Zeichen, dass Hilden mehrere Projekte gleichzeitig auf dem Zettel hat. Die Stadt will Wohnungen schaffen, Infrastruktur ergänzen und die Entwicklung nicht einfach dem Zufall überlassen. Das ist löblich. Nur klingt kommunale Dynamik eben selten nach Actionfilm. Eher nach: „Top 3 der priorisierten Bebauungspläne in fortgeschrittener verwaltungsinterner Betrachtung.“

So bleibt am Ende das typisch kommunale Spannungsfeld zwischen Aufbruch und Aktenlage. Hilden will wachsen, bauen und Wohnraum schaffen. Das klingt nach Zukunft, Fortschritt und Bewegung. Im Alltag heißt das aber erstmal: Ausschuss, Überblick, Priorisierung, Verfahren. Die Bagger stehen also noch nicht im Stadtbild, aber immerhin schon sehr selbstbewusst in der gedanklichen Warteschleife. Und das ist in der Welt der Stadtplanung bekanntlich fast schon so etwas wie der erste Spatenstich.

Sonntag, 22. März 2026

22.3.2026: Wenn in Hilden das Schicksal Schulleiter spielt

Es gibt Dramen, die beginnen mit einem Donnerschlag. Und es gibt Dramen, die beginnen in Hilden mit einem Infoabend und dem beruhigenden Satz: „Es gibt mehr als genug Plätze für alle.“ Das ist in etwa der pädagogische Bruder von „Wir müssen nur ganz kurz in diese eine Baustelle rein, dann sind wir sofort da“. Wenig später stellte sich nämlich heraus: Doch, es gibt ein Problem. Und zwar nicht zu knapp. Am Helmholtz-Gymnasium war der Andrang so groß, dass am Ende nicht Wissen, Talent oder die schönste Heftführung entschieden, sondern das Los. Fortuna übernahm kurz die Schulverwaltung.

Für die betroffenen Familien muss sich das angefühlt haben wie eine Castingshow für Elfjährige, nur ohne Konfetti und mit deutlich schlechterem Catering. Da sitzt man als Grundschulkind mit Gymnasialempfehlung, frisch geschniegelt, emotional bereit für den nächsten Lebensabschnitt – und dann erfährt man, dass der Wechsel auf die Wunschschule leider an der Kugel im Lostopf scheitert. Nicht Mathe war das Problem, nicht Deutsch, nicht die Frage, ob man „Helmholtz“ überhaupt fehlerfrei schreiben kann. Nein, am Ende war es das Prinzip Jahrmarkt. Einmal drehen, bitte nicht die Niete.

Besonders bitter ist das natürlich für Kinder, die schon im Geiste die große Freundeskarawane Richtung Gymnasium marschieren sahen. Alle Freundinnen gehen dahin, nur man selbst steht plötzlich da wie die eine Socke, die nach dem Waschgang übrig bleibt. Der Vater einer betroffenen Schülerin kritisiert das Verfahren deshalb als „Brachiallösung“ – und ganz ehrlich: Das Wort sitzt. Es klingt nach Verwaltungsdeutsch mit Vorschlaghammer. Statt erst Hildener Kinder oder Kinder mit eindeutiger Empfehlung vorzuziehen, wurde gelost. Zack, fertig, nächster Umschlag. Die Stadt sagt: rechtlich zulässig. Die Eltern sagen: emotional unerquicklich. Und irgendwo dazwischen sitzt wahrscheinlich ein Kind und fragt sich, warum das Erwachsenenleben schon vor der fünften Klasse so kompliziert ist.

Überhaupt ist diese ganze Nummer ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Zuständigkeiten im öffentlichen Raum gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben können. Die Schule entscheidet. Die Stadt erklärt. Die Eltern verzweifeln. Alle reichen einander den Ball weiter wie bei einem sehr unlustigen Tischtennisturnier der Bürokratie. „Ping-Pong“ nennt es der Vater – und man hat sofort das Bild vor Augen: Auf der einen Seite Verwaltung, auf der anderen Schulleitung, in der Mitte ein nervös hüpfender Zelluloidball namens Katharina.

Dabei klingt die rechnerische Lage auf dem Papier zunächst so beruhigend, wie es nur Tabellen können. Für Hildener Kinder mit gymnasialer Perspektive gebe es doch insgesamt mehr als 300 Plätze, heißt es. Das Problem ist nur: Kinder bewerben sich nicht auf „irgendeinen ungefähr passenden Platz im System“, sondern auf eine Schule. Mit Freunden. Mit Hoffnung. Mit dem festen Gefühl, dass der Ort, an dem man sich beim Tag der offenen Tür schon mal die zukünftige Brotdose ausgemalt hat, jetzt bitte auch der echte werden soll. Statistik tröstet da ungefähr so gut wie der Hinweis, dass es im Nachbarort bestimmt auch nette Bushaltestellen gibt.

Am Bonhoeffer-Gymnasium sieht es übrigens nicht viel rosiger aus. Dort konnten 48 Kinder nicht aufgenommen werden. 48! Das ist keine Randnotiz mehr, das ist fast schon eine eigene Klasse der Enttäuschung. Wenn man die Zahlen liest, fragt man sich unweigerlich, ob Hilden heimlich einen Boom an hochmotivierten Viertklässlern erlebt oder ob Gymnasien inzwischen den Status von Konzerttickets für eine ausverkaufte Reunion-Tour haben. „Leider keine Aufnahmezusage“ klingt jedenfalls wie „Leider sind nur noch Stehplätze hinter der Säule verfügbar“.

Die Stadt verweist darauf, dass am Ende alle Kinder unterkommen können, notfalls an Gesamt- oder Sekundarschulen, teilweise auch in Nachbarstädten. Das ist sachlich sicher korrekt, emotional aber ungefähr so elegant wie jemandem nach einer abgesagten Traumreise zu sagen: „Der Campingplatz an der Bundesstraße hat aber auch seinen Charme.“ Natürlich geht es nicht darum, dass andere Schulen schlecht wären. Es geht darum, dass Wunschschulen eben Wunschschulen heißen, weil Wünsche selten mit dem Satz enden: „Ach, Hauptsache irgendwo mit Bildungsgang.“

Besonders hübsch wird es beim Blick über die Stadtgrenze. In Haan gibt es nämlich offenbar die Regel: Erst die eigenen Kinder, dann die von außerhalb. Eine Art „Haaner first“, nur ohne Wahlplakate. In Hilden hat man sich dagegen bislang für Offenheit entschieden, wohl auch aus Sorge, dass Nachbarstädte sonst im Gegenzug ebenfalls die Zugbrücken hochziehen. Das ist nachvollziehbar und irgendwie rührend diplomatisch. Schulpolitik als Rheinland-Version europäischer Außenbeziehungen: Wenn wir unsere Türen schließen, machen Solingen und Langenfeld womöglich auch dicht, und plötzlich steht man mit einem Zeugnis und schlechter Laune an der Stadtgrenze.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Schulanmeldungen heute nichts mehr mit dem zu tun haben, was viele Eltern noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Früher ging man vermutlich einfach hin, bekam einen Platz, einen Stundenplan und vielleicht einen leicht muffigen Klassenraum mit Overheadprojektor. Heute wirkt das Ganze eher wie eine Mischung aus Verwaltungsakt, Strategieplan und emotionalem Hürdenlauf. Eltern studieren Paragraphen, Schulen zählen Kapazitäten in halben Jahrgängen, und Kinder lernen schon vor dem ersten Schultag, dass das Leben manchmal würfelt.

Man kann der Stadt nicht vorwerfen, dass sie keine Regeln hat. Man kann aber durchaus feststellen, dass Regeln allein noch keine gute Geschichte ergeben. Und aus Sicht der betroffenen Kinder ist diese Geschichte eben unerquicklich: Erst Hoffnung, dann Losverfahren, dann Umverteilung. Ein bisschen wie bei „Reise nach Jerusalem“, nur dass am Ende nicht alle lachen, sondern manche mit einem Platz an einer ganz anderen Schule nach Hause gehen.

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus Hilden: Nicht nur Schulen brauchen genug Plätze, auch Sätze bei Informationsabenden sollten mit Vorsicht dosiert werden. Denn „Es gibt mehr als genug Plätze für alle“ ist im Nachhinein ein Satz mit einer Fallhöhe, gegen die selbst ein schlecht gesicherter Tornister harmlos wirkt. Und irgendwo in Hilden sitzen jetzt vermutlich etliche Eltern mit Kaffeetassen am Küchentisch und denken sich: Schön, dass das Kind für die weiterführende Schule bereit ist. Schade nur, dass die weiterführende Schule noch nicht ganz bereit für das Kind war.

Samstag, 21. März 2026

21.3.2026: Montag dicht, Stimmung offen: Wenn sogar die Apotheke in den Protestmodus geht

Es gibt diese Tage, an denen man morgens nur schnell die Nachrichten checken will und am Ende das Gefühl hat, mitten in einer Mischung aus Verkehrszentrale, Streikleitstelle und kommunalem Abenteuerroman gelandet zu sein. Willkommen im Kreis Mettmann, wo derzeit wirklich alles dabei ist: ÖPNV-Streiks bis Montag, ein schwerer Unfall in Ratingen-Homberg, sportliche Olympia-Vibes in Monheim und dann auch noch Apotheken, die am Montag aus Protest die Tür nur eingeschränkt oder gar nicht öffnen. Fehlt eigentlich nur noch, dass das Wetter mit 14 Grad ebenfalls offiziell die Arbeit niederlegt und sagt: „Heute nur leicht bewölkte Grundversorgung.“

Besonders charmant ist dabei die Gesamtdramaturgie. Erst heißt es: Der Nahverkehr streikt. Dann: Auch am Wochenende kann es Probleme geben. Dann: Freitag, Samstag und Montag wieder Streik. Man bekommt langsam das Gefühl, der Fahrplan wurde durch ein Escape-Room-Konzept ersetzt. Wer es bis zur Haltestelle schafft, ohne den Überblick zu verlieren, hat eigentlich schon gewonnen. Und während man noch überlegt, ob der Bus fährt, nicht fährt oder nur symbolisch vorbeifährt, meldet Monheim fröhlich „Kick-off Olympia“. Natürlich. Wenn schon keiner mehr regulär irgendwo hinkommt, dann bitte wenigstens mit olympischem Geist. Der Ingeborg-Friebe-Platz wird zur sportlichen Bühne, und man stellt sich unweigerlich vor, wie die erste Disziplin „100 Meter Hürdenlauf über ausgefallene Verbindungen“ heißt.

Parallel dazu sorgt ein schwerer Verkehrsunfall auf der Meiersberger Straße für stundenlange Sperrungen. Das ist der Moment, in dem selbst das Navi wahrscheinlich leise seufzt und sagt: „Ganz ehrlich, ich weiß auch nicht mehr.“ Auto schwierig, Bus unzuverlässig, und wer jetzt denkt, dann gehe ich eben noch schnell in die Apotheke, wird mit einem bundesweiten Protesttag begrüßt. Unter dem Motto „Apothekensterben stoppen“ machen auch einige Apotheken im Kreis Mettmann mit und bleiben geschlossen oder öffnen nur eingeschränkt. Das ist inhaltlich natürlich ein ernstes Thema, aber die zeitliche Platzierung hat fast schon kabarettistische Qualität: Gerade wenn alle wegen Streik, Verkehr und allgemeiner Lage hektisch Kopfschmerzen bekommen, steht auf der Apotheke sinngemäß: „Heute leider auch nur im Notdienst emotional verfügbar.“

Immerhin bleibt die wichtigste Nachricht bestehen: Die Notdienst-Apotheken haben geöffnet. Deutschland ist und bleibt eben ein Land, in dem selbst der Protest noch ordentlich organisiert ist. Man darf demonstrieren, klagen, mahnen und deutliche Zeichen setzen – aber bitte mit Plan B, Plan C und einem Schild, auf dem steht, wo man im Notfall trotzdem noch eine Salbe gegen die Symptome der Gegenwart bekommt.

Der Hintergrund des Protests ist dabei unerquicklich nachvollziehbar: steigende Betriebskosten, stagnierende Honorare, wirtschaftlicher Druck. Wenn laut Bericht etwa alle 20 Stunden eine Apotheke dauerhaft schließt, ist das keine Randnotiz mehr, sondern ein Warnsignal mit Rezeptpflicht. Die Wege für Patientinnen und Patienten werden länger, die Versorgung dünner, und die versprochene wirtschaftliche Stärkung aus dem Koalitionsvertrag wirkt aus Sicht vieler vermutlich ungefähr so greifbar wie ein Bus, der „planmäßig in Kürze“ kommen soll.

Und so bleibt dieser Nachrichtentag ein kleines Meisterwerk deutscher Gegenwart: Hier ein Protest, dort ein Streik, da ein Unfall, daneben eine Olympia-Auftaktveranstaltung und darüber das beruhigende Leuchten einer Radioseite, die tapfer 14 Grad meldet, als sei das der eine stabile Wert in einer sonst leicht flatternden Wirklichkeit. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft: Auch wenn alles gleichzeitig passiert, bleibt der Laden irgendwie in Betrieb – nur eben mit Umleitungen, Einschränkungen und dem stillen Wunsch, dass Montag irgendwann wieder ein normaler Montag wird. Bis dahin gilt: genug Zeit einplanen, Medikamente rechtzeitig besorgen und für alle Fälle die innere Goldmedaille im Improvisieren bereithalten.

Freitag, 20. März 2026

20.3.2026: Hilden zündet den Bauturbo – und hofft, dass keiner auf der Bremse parkt

In Hilden wird jetzt aufs Tempo gedrückt. Nicht auf der A3, nicht mit quietschenden Reifen vor dem Rathaus, sondern im Bauamt. Die Stadt hat nämlich beschlossen, Baugenehmigungen künftig schneller durchzuwinken – pardon: zu bearbeiten. Hintergrund ist der sogenannte „Wohnungsbau-Turbo“, eine Reform des Baugesetzbuchs aus dem Jahr 2025, mit der der Bund erreichen will, dass Wohnungen nicht erst fertig sind, wenn ihre ersten Bewohner schon in Rente gehen.

Das Prinzip ist ebenso simpel wie furchteinflößend für Freunde deutscher Gründlichkeit: Künftig können Bauprojekte leichter genehmigt werden, sogar dann, wenn sie nicht haargenau zu den bisherigen Planungen passen. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Der Schrank ist zwar eigentlich für die andere Wand gedacht, aber komm, wir stellen ihn einfach hier hin, wird schon irgendwie gut aussehen.“ Ziel der Sache ist natürlich ernst: mehr Wohnraum, schneller gebaut, weniger Leerlauf zwischen Antrag, Prüfung, Rückfrage, Nachprüfung, erneuter Rückfrage und dem emotionalen Zusammenbruch des Bauherrn.

Damit das alles nicht weiter in den Mühlen der Ausschüsse, Sitzungsunterlagen und Tagesordnungen schmort, hat Hilden seine Zuständigkeitsordnung angepasst. Heißt im Klartext: Die Verwaltung darf jetzt vieles selbst entscheiden, und die Politik muss nur noch ran, wenn es um große oder besonders wichtige Projekte geht. Ein bisschen wie in der Familie: Über den neuen Toaster entscheidet man selbst, aber wenn plötzlich jemand einen Wintergarten mit Dachterrasse und Außensauna plant, wollen dann doch alle einmal draufschauen.

Besonders spannend ist dabei diese neue Frist: Oft bleiben der Stadt nur noch drei Monate, um über einen Bauantrag zu entscheiden. Drei Monate! Für deutsche Verwaltungsverhältnisse ist das praktisch Lichtgeschwindigkeit. Wenn in dieser Zeit nichts entschieden wird, gilt der Antrag automatisch als genehmigt. Das ist ein Satz, bei dem wahrscheinlich in manchen Amtsstuben kollektiv der Kaffeelöffel in die Tasse gefallen ist. Denn jahrzehntelang war man hierzulande eher daran gewöhnt, dass ein Antrag so lange geprüft wird, bis entweder alle Fragen beantwortet sind oder das geplante Gebäude denkmalgeschützt ist, bevor es gebaut wurde.

Für Bauherren klingt das natürlich herrlich. Schnellere Bearbeitung, bessere Planbarkeit, weniger Warterei – fast schon verdächtig vernünftig. Wer bauen will, möchte schließlich nicht drei Jahreszeiten später erfahren, dass auf Seite 17 noch ein Haken bei „sonstiges“ fehlte. Wenn dadurch neue Wohnungen früher entstehen, könnte das den Wohnungsmarkt tatsächlich entlasten. Das ist zumindest der Plan. Und Hilden signalisiert: Wir wollen nicht länger der Ort sein, an dem Bauakten in Zeitlupe reifen wie ein guter Parmesan.

Ganz ohne Nebenwirkungen kommt der Bauturbo aber natürlich nicht daher. Denn sobald Verfahren beschleunigt werden, melden sich zuverlässig die klassischen Sorgen: Was ist mit Nachbarn? Was ist mit Umweltfragen? Was ist mit Projekten, bei denen hinterher alle sagen: „Also überrascht bin ich schon, dass da jetzt ein fünfstöckiger Klotz steht, wo früher mal Sonne war“? Genau da wird sich zeigen, ob schneller am Ende wirklich besser bedeutet – oder nur schneller. Der Charme des Ganzen liegt also irgendwo zwischen effizienter Modernisierung und dem leicht nervösen Gefühl, dass man beim Umbau des Hauses die Wasserwaage nicht ganz aus den Augen verlieren sollte.

So oder so ist die Richtung klar: Hilden will weniger Verwaltungsstau und mehr Bautätigkeit. Das ist mutig, notwendig und ein kleines Stück Revolution im gemütlichen Kosmos kommunaler Abläufe. Vielleicht erleben wir ja bald tatsächlich eine neue Ära, in der Bauanträge nicht mehr in epischer Länge durch Gremien wandern, sondern in echter Rekordzeit entschieden werden. Für deutsche Verhältnisse wäre das ungefähr so spektakulär, als würde jemand beim Bürgeramt sagen: „Sie sind sofort dran.“