Samstag, 17. Oktober 2026

17.10.2026: Vier Wochen ohne S1 – oder: Hilden steigt mal wieder in den Bus

Wer von Hilden nach Düsseldorf will, sollte demnächst vielleicht über ein Fahrrad, ein Pferd oder einen längeren Urlaub nachdenken. Die A59 ist dicht, die S6 fährt nicht und jetzt verabschiedet sich auch noch die S1 für vier Wochen. Ich frage mich langsam, ob Düsseldorf überhaupt noch erreicht werden soll oder ob man uns Hildener einfach davon abhalten möchte, die Stadt zu verlassen. Immerhin bleibt der Schienenersatzverkehr. Der heißt vermutlich nur deshalb noch so, weil „Dauerzustand“ im Fahrplan nicht besonders gut aussieht.

Vom 30. Oktober um 21 Uhr bis zum 27. November um 5 Uhr fahren zwischen Düsseldorf und Solingen weder die S1 noch der RE47. Grund sind Gleisarbeiten zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Eller sowie der Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express. Das ist sicherlich notwendig. Nur hilft diese Erkenntnis den Pendlern wenig, die morgens pünktlich zur Arbeit müssen. Für die S1 fahren Ersatzbusse mit allen Halten, für den RE47 Schnellbusse ohne Zwischenstopp zwischen Düsseldorf und Solingen. Nachts gibt es zusätzliche Schnellbusse mit Halt in Hilden.

Besonders ärgerlich finde ich das Timing. Die S6 zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf fällt ebenfalls noch bis Anfang Dezember aus. Und seit Anfang Oktober ist auch die A59 Richtung Düsseldorf gesperrt. Wer aus Hilden in die Landeshauptstadt möchte, kann sich also aussuchen, auf welcher Umleitung er seine Geduld trainiert. Bahn und Autobahn gleichzeitig lahmzulegen, ist jedenfalls keine besonders überzeugende Werbung für die Mobilitätswende.

Dabei ist die nächste Sperrung bereits angekündigt: Vom 4. bis 12. Dezember wird erneut gebaut. Und auch für 2027 und 2028 stehen längere Unterbrechungen im Kalender. Besonders bitter für Fahrgäste des RE47: Die Linie war erst im Juli nach drei Jahren Ersatzverkehr zurückgekehrt. Viel Zeit, sich wieder an einen richtigen Zug zu gewöhnen, blieb also nicht.

Natürlich müssen Gleise erneuert und Strecken modernisiert werden. Dagegen habe ich überhaupt nichts. Aber bei der Häufung der Sperrungen darf man schon fragen, ob die verschiedenen Bauvorhaben ausreichend aufeinander abgestimmt werden. Für Pendler zählt schließlich nicht, welche Behörde oder welcher Betreiber gerade zuständig ist. Sie wollen einfach zuverlässig ankommen.

In Hilden braucht man für die Fahrt nach Düsseldorf inzwischen weniger einen Fahrplan als einen Bauzeitenkalender. Und wer morgens tatsächlich pünktlich ankommt, hat sich eigentlich schon eine kleine Urkunde verdient.

Freitag, 16. Oktober 2026

16.10.2026: Ameisen, Mief und alte Container – oder: Hildens Schulkinder müssen weiter warten

An der Hildener Beethovenschule gibt es offenbar ein ziemlich ungewöhnliches Nachmittagsprogramm: Ameisen beobachten und herausfinden, woher dieser merkwürdige Geruch kommt. Leider handelt es sich dabei nicht um ein pädagogisches Projekt, sondern um den Alltag in den alten Containern der Offenen Ganztagsschule. Und ich finde, da hört der Spaß langsam auf.

Die Gemeinschaftsgrundschule mit ihren 15 Klassen platzt aus allen Nähten. Deshalb findet ein Teil der Nachmittagsbetreuung in einer Containeranlage statt, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat. Im Sommer gab es massiven Ameisenbefall, dazu kommt ein unangenehmer Geruch, der schon seit Jahren auffällt. Eine Untersuchung der Raumluft ergab 2025 immerhin keine gesundheitlich relevante Belastung. Angenehmer macht das den Aufenthalt allerdings nicht.

Bemerkenswert finde ich die Einschätzung aus dem Rathaus. Bürgermeister Claus Pommer bestätigt, dass die Container wegen ihres Alters und baulichen Zustands als langfristige Lösung „nicht mehr haltbar“ seien. Ein kurzfristiger Ersatz sei aber weder wirtschaftlich noch notwendig. Schließlich würden die Räume hauptsächlich nach dem Unterricht genutzt.

Da muss ich schon schlucken. Denn für die Kinder, die dort ihren Nachmittag verbringen, macht es wenig Unterschied, ob sie vormittags oder nachmittags in einem muffigen Container sitzen. Natürlich kann die Stadt nicht mal eben einen Neubau aus dem Boden stampfen. Und angesichts der angespannten Haushaltslage ist es nachvollziehbar, keine teure Zwischenlösung zu finanzieren, wenn ohnehin ein dauerhaftes Gebäude entstehen soll. Nur sollte aus einer wirtschaftlich verständlichen Entscheidung kein jahrelanger Dauerzustand werden.

Ursprünglich war mit dem „Haus des Lernens“ ein großer Neubau geplant. Der wurde aus Kostengründen gestrichen. Nun soll eine kleinere Lösung entstehen, deren Planungsleistungen erst ausgeschrieben werden müssen. Ein konkreter Fertigstellungstermin ist damit noch nicht in Sicht. Immerhin steht die Schulleiterin Denise Steinküller nach eigenen Angaben in gutem Austausch mit der Stadt. Auch Eltern loben die Arbeit von Schule und OGS. Das zeigt, wie viel Engagement vor Ort vorhanden ist – trotz der schwierigen Bedingungen.

Gerade deshalb wünsche ich mir, dass die Stadt beim Neubau jetzt Tempo macht und die bestehenden Räume bis dahin sorgfältig im Blick behält. Denn gute Betreuung braucht nicht nur motivierte Menschen, sondern auch vernünftige Räume.

Die Kinder finden die Ameisen vielleicht noch spannend. Ich finde spannender, wann Hilden endlich eine Lösung liefert. Denn eine Grundschule sollte ein Ort zum Lernen und Wohlfühlen sein – und kein Dauerprovisorium mit eingebautem Insektenprogramm.

Donnerstag, 15. Oktober 2026

15.10.2026: Ärger am Alten Markt – oder: Hilden erklärt den Tauben das Fütterungsverbot

Auf dem Alten Markt kann man gemütlich einen Kaffee trinken, die Reformationskirche betrachten und das Hildener Treiben beobachten. Manchmal bekommt man allerdings Gesellschaft, die niemand eingeladen hat: Tauben. Und die haben offenbar längst verstanden, dass in unserer Innenstadt nicht nur die Außengastronomie gut funktioniert, sondern gelegentlich auch die kostenlose Verpflegung.

Die Ratsfraktion Bürgeraktion | Piraten hat das Thema jetzt aufgegriffen. Ihr stellvertretender Vorsitzender Andreas Benoit berichtet von Beschwerden aus der Gastronomie. Menschen würden trotz Verbots Tauben füttern, die sich anschließend verstärkt auf dem Platz versammeln. Das sorgt für Ärger bei Gästen und Wirten. Vorgeschlagen werden deshalb Hinweisschilder, häufigere Kontrollen und sogar Raubvogelattrappen.

Die Stadt reagiert erfreulich pragmatisch. Das Füttern wildlebender Tiere ist in Hilden bereits verboten und kann mit 20 Euro Verwarngeld geahndet werden. Der Kommunale Ordnungsdienst soll künftig genauer hinschauen, insbesondere zu den üblichen Fütterungszeiten. Außerdem prüft die Verwaltung zusätzliche Hinweisschilder. Auf künstliche Raubvögel möchte man dagegen verzichten, weil diese nicht die eigentliche Ursache beseitigen: Menschen, die Futter verteilen.

Das finde ich durchaus vernünftig. Schließlich können die Tauben nichts dafür, dass ihnen regelmäßig jemand ein kostenloses Buffet serviert. Und ob eine Plastik-Eule auf dem Alten Markt tatsächlich für nachhaltigen Respekt unter Hildener Stadttauben sorgen würde, darf man bezweifeln.

Interessant finde ich allerdings, dass wir auch hier wieder über die Durchsetzung einer längst bestehenden Regel sprechen. Das Verbot ist da, das Verwarngeld ebenfalls. Jetzt muss nur noch jemand darauf achten, dass sich die Menschen daran halten. Immerhin kündigt die Stadt diesmal konkrete Schritte an, statt lediglich auf die geltende Verordnung zu verweisen.

Ich hoffe, dass man dabei mit Augenmaß vorgeht. Niemand braucht einen Alten Markt voller Verbotsschilder oder einen Ordnungsdienst, der jeden Brotkrümel untersucht. Aber wer gezielt Tauben füttert und damit andere belästigt, darf ruhig darauf hingewiesen werden, dass der öffentliche Platz kein privater Vogelpark ist.

Am Ende ist die Sache ziemlich einfach: Die Tauben können keine Verordnung lesen. Die Menschen schon. Und wenn das allein nicht hilft, sind 20 Euro vielleicht die überzeugendere Botschaft als eine Plastik-Eule auf dem Kirchendach.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

14.10.2026: Hilden wählt den Nachwuchs – oder: Endlich mal Leute, die etwas bewegen wollen

In Hilden wird wieder gewählt. Diesmal dürfen rund 4.000 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren entscheiden, wer sie künftig im Jugendparlament vertritt. Noch bis zum 16. Oktober läuft die Wahl. Und ich gebe zu: Wenn ich sehe, mit wie viel Engagement die Jugendlichen ihre Stadt verbessern wollen, werde ich fast ein bisschen neidisch. So viel Tatendrang würde ich mir gelegentlich auch von der großen Hildener Kommunalpolitik wünschen.

„Hilden soll wieder jugendfreundlicher werden“, sagt die 18-jährige Kira Alida Kanditt, die gemeinsam mit der 16-jährigen Hayat Bouchihan das Jugendparlament leitet. Besonders das Wort „wieder“ finde ich bemerkenswert. Offenbar haben die Jugendlichen durchaus das Gefühl, dass ihre Stadt mehr für sie tun könnte. Gewünscht werden sichere Treffpunkte, bessere Freizeitangebote und ein Calisthenics-Park. Also ein Platz, an dem man kostenlos trainieren kann. Eigentlich keine revolutionären Forderungen. Aber in Hilden kann bekanntlich schon eine zusätzliche Sitzbank eine längere Diskussion auslösen.

Dabei hat das Jugendparlament längst bewiesen, dass es nicht nur Forderungen stellt. Es engagierte sich für den Erhalt des Area 51, organisierte einen Umweltflohmarkt und brachte die kostenlose Beratungs-App „Between the Lines“ nach Hilden. Außerdem sitzen seine Mitglieder in drei städtischen Fachausschüssen und dürfen dort Anträge stellen. Ich finde das klasse. Während sich manche Erwachsene lieber darüber beschweren, dass sich nichts verändert, versuchen diese Jugendlichen wenigstens, selbst etwas anzustoßen.

Natürlich wartet auch auf sie die klassische Hildener Spaßbremse: der Haushalt. Wie viel Geld 2027 für Projekte zur Verfügung steht, ist noch offen. Die Stadt verspricht immerhin ein Budget. Ich hoffe nur, dass aus den guten Ideen nicht irgendwann die übliche Rathausantwort wird: tolle Anregung, leider derzeit nicht finanzierbar. Wer junge Menschen zur Beteiligung einlädt, sollte ihnen auch echte Gestaltungsmöglichkeiten geben.

Besonders sympathisch finde ich, dass das Jugendparlament auch das derzeit fehlende Kinderparlament wiederbeleben möchte. Wer schon früh erlebt, dass die eigene Meinung zählt, bleibt vielleicht auch später politisch interessiert. Und davon könnte Hilden wirklich mehr gebrauchen.

Am 18. November treffen sich die neu gewählten Mitglieder erstmals im Ratssaal. Ich wünsche ihnen viele gute Ideen, eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit und Erwachsene, die auch mal zuhören können.

Denn ganz persönlich bin ich inzwischen ein ziemlicher Fan dieses Jugendparlaments. Nicht weil die Jugendlichen auf alles eine Antwort hätten, sondern weil sie etwas verändern wollen. Und wenn sie dabei gelegentlich die Erwachsenen im Rathaus nerven, dann machen sie vermutlich einiges richtig.

Dienstag, 13. Oktober 2026

13.10.2026: 40.000 Kippen, zwölf Bußgelder – oder: Hilden sucht noch nach dem richtigen Mittel

Wer durch die Hildener Mittelstraße läuft, findet zwischen Pflastersteinen und Abfallbehältern eine erstaunlich zuverlässige Konstante: Zigarettenkippen. Wie groß das Problem ist, zeigte das Itter Clean Team bereits vor einigen Jahren. 16 Ehrenamtliche sammelten innerhalb von zwei Wochen rund 40.000 Kippen. Wenige Tage später sah es nach ihren Angaben schon wieder ähnlich aus. Die einen räumten auf, die anderen sorgten für Nachschub.

Nun hat anzeiger24.de bei der Stadt nachgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gezielte Kontrollen gibt es nicht. Die Begründung ist allerdings nachvollziehbar: Sobald der Kommunale Ordnungsdienst in Uniform auftaucht, entsorgen Raucher ihre Kippen ordnungsgemäß. Verstöße lassen sich deshalb nur schwer feststellen. Allerdings könnte man daraus auch schließen, dass sichtbare Kontrollen durchaus eine Wirkung haben. In Leverkusen setzt man inzwischen sogar auf Kontrollen in Zivil.

Die Hildener Bilanz: fünf geahndete Verstöße 2024, sieben im Jahr 2025. Zusammen zwölf Fälle und 966 Euro an festgesetzten Geldzahlungen. Natürlich sind diese Zahlen nicht unmittelbar mit den 40.000 gesammelten Kippen vergleichbar. Sie zeigen aber, dass das Wegwerfen von Zigarettenresten nur selten geahndet wird.

Die Stadt verweist auf vorhandene Abfallbehälter und erklärt, ihr seien keine wiederkehrenden Beschwerden bekannt. Beides ist durchaus relevant. Nur lösen ausreichend Aschenbecher das Problem nicht, wenn sie nicht benutzt werden. Und fehlende Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass die Innenstadt sauber ist. Schade finde ich außerdem, dass die Vorschläge des Itter Clean Teams zu Aufklärung und direkter Ansprache nach Darstellung des Berichts bislang nicht aufgegriffen wurden.

Natürlich sind in erster Linie diejenigen verantwortlich, die ihre Kippen achtlos wegwerfen. Die Stadt kann schließlich nicht hinter jedem Raucher stehen. Aber vielleicht wäre eine Kombination aus Aufklärung, gelegentlichen gezielten Kontrollen und Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen einen Versuch wert. Nicht jede Maßnahme muss sofort funktionieren. Entscheidend wäre, überhaupt auszuprobieren, was die Situation verbessern könnte.

40.000 Kippen gesammelt, zwölf Verstöße in zwei Jahren geahndet. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber zwei Seiten desselben Problems: Die Ehrenamtlichen leisten beeindruckende Arbeit, die Stadt setzt bislang vor allem auf vorhandene Entsorgungsmöglichkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, beides stärker miteinander zu verbinden. Denn die nächste Kippe liegt vermutlich schon wieder auf der Mittelstraße.

Montag, 12. Oktober 2026

12.10.2026: 7 Euro für gute Taten – oder: Hilden bekommt einen Adventskalender mit QR-Code

In Hilden kann man sich im Advent bekanntlich auf einiges verlassen: Die Mittelstraße wird beleuchtet, auf dem Alten Markt gibt es Glühwein und der Lions Club verkauft seinen Adventskalender. In diesem Jahr sogar zum 20. Mal. Und weil ein rundes Jubiläum nach etwas Besonderem verlangt, gibt es mehr Kalender, mehr Preise und eine technische Neuerung. Ausgerechnet ein Adventskalender, dessen Erlös unter anderem Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt schützen soll, wird jetzt selbst digitaler. Das hat durchaus einen gewissen Hildener Charme.

5.000 Exemplare lässt der Lions Club diesmal drucken, 500 mehr als im vergangenen Jahr. Der Preis bleibt bei sieben Euro. Dafür gibt es zwar keine Schokolade, aber die Chance auf einen von 459 Geld- und Sachpreisen im Gesamtwert von mehr als 27.400 Euro. Der Hauptgewinn von 1.500 Euro wartet an Heiligabend. Gestiftet wurden die Preise von Unternehmen und Einzelhändlern aus Hilden und der Region. Eine schöne Verbindung zwischen örtlicher Wirtschaft, ehrenamtlichem Engagement und der Hoffnung, dass sich hinter dem nächsten Türchen vielleicht doch mehr verbirgt als eine weihnachtliche Überraschung.

Das eigentlich Interessante ist allerdings, wohin das Geld fließt. Unter dem Motto „Schulen stärken für starke Kinder“ unterstützt der Lions Club zwei Präventionsprojekte an den sieben Hildener Grundschulen. Die Viertklässler sollen beim Digitaltraining lernen, Gefahren im Internet besser einzuschätzen. Für die Drittklässler kommt erstmals das Projekt „Fair bleiben in Hilden“ hinzu, bei dem es um Gewaltprävention, Selbstbewusstsein und den Umgang mit Konflikten geht. Auch das Friedensdorf International in Oberhausen, das kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten medizinisch versorgt, erhält wieder einen Teil des Erlöses.

Gerade das Digitaltraining trifft einen Nerv. Unsere Grundschulen sind technisch gut ausgestattet, aber ein Tablet im Klassenzimmer macht noch niemanden automatisch medienkompetent. Kinder bewegen sich heute in digitalen Welten, deren Mechanismen selbst viele Erwachsene kaum durchschauen. Und während wir uns in Hilden gerne über die richtige Nutzung öffentlicher Plätze oder die nächste Verkehrsregelung streiten, finden die ersten großen Konflikte vieler Kinder längst auf Bildschirmen statt. Dass beim Training auch Eltern informiert werden, ist deshalb mindestens so wichtig wie die Schulstunden selbst.

Besonders treffend finde ich eine Beobachtung des Konflikttrainers Ronnie Wellnitz. Früher habe er Kindern geraten, lieber persönlich miteinander zu reden, statt zu telefonieren. Heute lautet seine Empfehlung sinngemäß: Telefoniert wenigstens noch miteinander. Das sagt einiges darüber aus, wie sich Kommunikation verändert hat. Wo früher ein Streit auf dem Schulhof ausgetragen wurde, reichen heute ein paar Nachrichten in einer Klassengruppe, um aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit ein größeres Problem zu machen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Kinder im Training nicht nur theoretisch über Konflikte sprechen, sondern ganz praktisch ausprobieren, wie sie auf Beleidigungen reagieren können.

Eine kleine Ironie liefert der Adventskalender selbst. Hinter den Türchen verstecken sich erstmals QR-Codes, über die sich die jeweiligen Preise online aufrufen lassen. Die Gewinnnummer steht auf der Rückseite des Kalenders, die Gewinner werden außerdem im Internet und in der Rheinischen Post veröffentlicht. Der gute alte Papierkalender bekommt also gewissermaßen eine digitale Schnittstelle. Man könnte sagen: Wer Hildener Kinder fit für die digitale Welt machen möchte, fängt am besten beim eigenen Adventskalender an.

Natürlich kann man fragen, ob wirklich jede bewährte Sache noch einen QR-Code braucht. Gerade ein Adventskalender lebt schließlich davon, morgens ein Türchen zu öffnen und sich überraschen zu lassen. Andererseits ist die technische Neuerung kein Grund, die eigentliche Idee kleinzureden. Der Kalender verbindet die Aussicht auf einen Gewinn mit der Finanzierung konkreter Projekte, von denen viele Hildener Kinder profitieren können. Und dass sich dafür Jahr für Jahr zahlreiche örtliche Unternehmen engagieren, ist keineswegs selbstverständlich.

Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Modehaus von Gehlen auf der Mittelstraße, bei Lotto Schneider im Itter-Karree, bei Hilden Sport am Holterhöfchen und bei Edeka Breidohr an der Walder Straße. Man muss also nicht erst eine digitale Plattform bemühen, um einen zu bekommen. Das funktioniert erfreulicherweise noch ganz analog.

Ich finde, das ist eine dieser Aktionen, die unserer Stadt guttun. Sie kommt ohne große kommunalpolitische Debatte aus, braucht keine neue Arbeitsgruppe und muss nicht erst durch drei Ausschüsse. Menschen engagieren sich, örtliche Unternehmen unterstützen sie, und am Ende profitieren Kinder davon. So einfach kann es manchmal sein.

Und wenn der Lions Club es mit seinem Adventskalender schafft, dass Hildener Kinder künftig weniger streiten, besser miteinander reden und vielleicht sogar wieder zum Telefon greifen, dann sind die sieben Euro gut angelegt. Selbst wenn hinter allen 24 Türchen am Ende nur ein QR-Code wartet.

Sonntag, 11. Oktober 2026

11.10.2026: Das Aldi-Ei bleibt offen – oder: Hilden erklärt, warum die Tankstelle nichts wissen musste

In Hilden muss man offenbar erst die Zeitung lesen, um zu erfahren, dass vor der eigenen Tankstelle eine größere Baustelle beginnt. Genau das ist den Betreibern der Aral-Tankstelle am Aldi-Ei passiert. Sie erfuhren von den Arbeiten auf der Gerresheimer Straße durch ihre Vermieterin, die wiederum einen Zeitungsartikel gelesen hatte. Vier Tage vor Baubeginn. Man könnte meinen, die Stadt hätte bei einer solchen Maßnahme auch die umliegenden Gewerbebetriebe direkt informiert. Aber offenbar gibt es im Rathaus eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wer eine Information verdient – und wer sich selbst darum kümmern muss.

Ab Montag, 12. Oktober, bekommt die Gerresheimer Straße zwischen Aldi-Ei und Schalbruch eine neue Asphaltdecke. Bis voraussichtlich 29. Oktober wird gebaut, zunächst mit einer Einbahnstraßenregelung, anschließend mit einer vollständigen Sperrung des betroffenen Straßenabschnitts. Immerhin hat die Stadt inzwischen klargestellt, dass der Kreisverkehr am Aldi-Ei selbst befahrbar bleibt. Die Verbindungen zur Mozartstraße, Stockshausstraße, zur Straße Auf dem Sand und in Richtung Innenstadt sollen durchgehend funktionieren. Auch die Ausfahrt Richtung Norden und A46 bleibt zunächst offen. Erst vom Abend des 26. bis zum 29. Oktober wird diese Verbindung gesperrt.

Das ist eine wichtige Information. Nur hätte sie eigentlich schon in die ursprüngliche Baustellenankündigung gehört. Wer eine derart zentrale Straße sperrt, sollte nicht darauf warten, dass eine Zeitung nachfragt, ob der angrenzende Kreisverkehr überhaupt noch funktioniert. Gerade das Aldi-Ei ist schließlich kein abgelegener Feldweg, sondern ein Verkehrsknotenpunkt, dessen Bedeutung jeder kennt, der regelmäßig durch Hilden fährt. Dass die Stadt erst auf Nachfrage präzisiert, welche Verbindungen offenbleiben, ist kein Ruhmesblatt für ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Noch bemerkenswerter finde ich allerdings die Reaktion auf die Kritik der Tankstellen-Vermieterin Karin Lotze. Sie bemängelt, dass die Betreiber nicht direkt informiert wurden, obwohl die veränderte Verkehrsführung wirtschaftliche Folgen haben könnte. Hildens Beigeordneter Peter Stuhlträger weist den Vorwurf zurück: Schriftlich informiert worden seien alle Anlieger, deren Grundstückszufahrt durch die Arbeiten eingeschränkt werde. Da die Tankstelle weiterhin erreichbar bleibt, gehörte sie offenbar nicht dazu.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Für die Stadt ist entscheidend, ob die Zufahrt offen bleibt. Für die Tankstelle zählt dagegen, ob ihre Kunden noch auf dem gewohnten Weg vorbeikommen. Ob tatsächlich Umsatzeinbußen entstehen, ist offen. Dass ein Betrieb mit solch unmittelbarer Abhängigkeit vom Straßenverkehr frühzeitig informiert werden möchte, sollte allerdings selbstverständlich sein.

Hier zeigt sich eine Haltung, die mich an der Hildener Verwaltung immer wieder stört: Statt zu fragen, ob die Kommunikation ausreichend war, wird erklärt, warum man formal alles richtig gemacht hat. Dabei hätte eine kurze Information an die umliegenden Geschäfte vermutlich genügt. Eine E-Mail, ein Anruf oder ein Informationsblatt wären bei einer lange geplanten Baustelle keine organisatorische Meisterleistung gewesen.

Niemand verlangt, dass das Rathaus jedem Autofahrer einen persönlichen Brief schreibt. Aber gute Bürgerinformation sollte sich nicht allein an einer verwaltungsinternen Verteilerliste orientieren. Entscheidend ist, wer von einer Maßnahme betroffen sein könnte und welche Informationen für die Planung benötigt werden. Gerade Gewerbebetriebe sollten dabei nicht erst durch die Zeitung erfahren, dass sich vor ihrer Tür die Verkehrsführung ändert.

Umso unverständlicher finde ich, dass die Stadt auf die Kritik vor allem mit einer Rechtfertigung reagiert. Ein einfacher Satz wie „Wir werden künftig auch angrenzende Gewerbebetriebe frühzeitig informieren“ hätte vermutlich mehr Vertrauen geschaffen als die Erklärung, warum die Tankstelle keinen Brief bekommen hat. Man muss nicht jeden Fehler eingestehen, um aus einer berechtigten Beschwerde etwas zu lernen.

Ich habe überhaupt nichts gegen die Sanierung der Gerresheimer Straße. Im Gegenteil: Eine ordentliche Fahrbahndecke ist eine sinnvolle Investition. Aber wer Baustellen plant, muss eben nicht nur Asphalt, Verkehrszeichen und Sperrbaken organisieren. Er muss auch an die Menschen denken, deren Alltag und Geschäft davon beeinflusst werden.

Das Aldi-Ei bleibt also offen. Nur beim Informationsfluss aus dem Rathaus scheint es eine Vollsperrung gegeben zu haben. Und statt die Umleitung zu erklären, versichert die Stadt, dass der Empfänger ohnehin nicht auf der Verteilerliste stand.