Sonntag, 6. September 2026

6.9.2026: Wer einen Baum fällt, soll einen neuen pflanzen

Bäume haben es in der Politik eigentlich ganz gut. Sie reden nicht dazwischen, stellen keine Anträge und beschweren sich auch nicht über zu lange Ausschusssitzungen. Trotzdem schaffen sie es in Hilden regelmäßig auf die politische Tagesordnung. Diesmal geht es um eine ziemlich grundsätzliche Frage: Was passiert eigentlich, wenn ein geschützter Baum gefällt werden muss, weil er krank ist?

Die Antwort soll künftig ziemlich einfach lauten: Dann muss ein neuer her.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Klima hat die Verwaltung am 3. September beauftragt, die Hildener Baumschutzsatzung entsprechend zu überarbeiten. Ausgangspunkt war ein Antrag der Grünen. Die entscheidende Neuerung: Auch wenn ein Baum wegen Krankheit, Schädlingsbefall oder einer nicht mehr umkehrbaren Vitalitätsschwäche entfernt werden muss, soll künftig grundsätzlich eine Ersatzpflanzung vorgeschrieben werden. Und zwar nicht nur auf städtischen Flächen, sondern auch auf Privatgrundstücken.

Das klingt zunächst nach einer ziemlich nachvollziehbaren Rechnung: ein Baum weg, ein Baum neu. Doch wie so häufig steckt die kommunalpolitische Wahrheit irgendwo zwischen Stamm und Krone.

Denn ursprünglich wollten die Grünen noch weiter gehen. Unter anderem sollten eine fachliche Baubegleitung durch Gutachter und ein nachsorgendes Pflegemanagement verpflichtend werden. Die Verwaltung sah hier allerdings rechtliche Grenzen, insbesondere wegen des Eingriffs in die Eigentumsfreiheit privater Grundstücksbesitzer. Diese Forderungen wurden deshalb aus dem Antrag gestrichen.

Übrig geblieben ist der politische Auftrag, für jeden entsprechend gefällten Baum mindestens einen klimaresilienten Ersatzbaum vorzusehen. CDU und SPD konnten diesen Weg mitgehen, lediglich AfD und FDP stimmten gegen den Antrag.

Interessant wird es allerdings bei der Frage, was eigentlich ein angemessener Ersatz ist. Schließlich ist Baum nicht gleich Baum. Wer eine jahrzehntealte, stattliche Krone verliert und dafür einen jungen Baum von überschaubarer Größe in die Erde setzt, hat zwar mathematisch wieder die Zahl eins erreicht – ökologisch aber natürlich noch lange nicht den vorherigen Zustand.

Deshalb soll sich die Auswahl des Ersatzbaumes möglichst an der ungefähren späteren Höhe und Kronenbreite des gefällten Baumes orientieren. Wenn das nicht sinnvoll oder möglich ist, könnten alternativ mehrere klimaresiliente Bäume gepflanzt werden.

Und genau an dieser Stelle wird aus der scheinbar einfachen Regel „einer raus, einer rein“ eine interessante Aufgabe für die Verwaltung. Denn ein alter Baum lässt sich nicht einfach ersetzen wie eine kaputte Straßenlaterne. Bis aus einem jungen Ersatzbaum wieder ein großer Schattenspender wird, vergehen viele Jahre. Gleichzeitig muss eine Baumschutzsatzung praktikabel bleiben. Nicht jeder Garten bietet Platz für einen Baum, der irgendwann zwanzig Meter hoch wird und eine entsprechend große Krone entwickelt.

Die Verwaltung darf deshalb jetzt aus den politischen Vorgaben einen rechtssicheren und praktikablen Satzungstext machen. Ein Vorschlag soll in einer der kommenden Sitzungen vorgestellt werden. Dann entscheidet die Politik erneut.

Grundsätzlich ist die Idee sympathisch. Hilden ist eine dicht bebaute Stadt, und große Bäume sind längst mehr als hübsche Dekoration. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, bieten Lebensraum und prägen ganze Straßen. Gerade in heißen Sommern merkt man schnell, welchen Unterschied eine ausgewachsene Baumkrone machen kann.

Trotzdem sollte die neue Regel mit Augenmaß formuliert werden. Baumschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn Grundstückseigentümer die Vorgaben nachvollziehen können und Ersatzpflanzungen auch tatsächlich zu den jeweiligen Standorten passen. Ein klimaresistenter Baum am richtigen Platz dürfte der Stadt mehr bringen als eine besonders ambitionierte Vorschrift, die in der Praxis kaum vernünftig umzusetzen ist.

Hilden schlägt beim Baumschutz also neue Wurzeln. Ob daraus am Ende eine gute Regelung wächst, entscheidet sich erst, wenn die Verwaltung ihren Satzungsentwurf vorlegt.

Bis dahin gilt immerhin schon einmal eine politische Grundidee, die man sich leicht merken kann:

Wer einen Baum verliert, sollte dafür sorgen, dass irgendwo ein neuer wachsen kann.

Samstag, 5. September 2026

5.9.2026: Freie Fahrt für alle? Hildens Fußgängerzone und die Sache mit der Rücksicht

Eigentlich steckt die wichtigste Information schon im Namen: Fußgängerzone. Also eine Zone für Fußgänger. In Hilden scheint diese sprachliche Feinheit allerdings gelegentlich etwas großzügiger interpretiert zu werden. Wer durch die Innenstadt läuft, begegnet dort nicht nur Menschen mit Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Kaffeebechern, sondern bisweilen auch Fahrrädern und E-Scootern. Und die bewegen sich naturgemäß etwas schneller als der durchschnittliche Einkaufsbummler.

Inzwischen gibt es offenbar so viele Beschwerden, dass sich auch die Stadt zu Wort meldet. Hinweise aus der Bevölkerung und eigene Beobachtungen zeigten, dass die Fußgängerzone zunehmend von Radfahrenden und E-Scootern befahren werde, erklärt Peter Stuhlträger, Hildens Dezernent für Bau und Umwelt. Auch an anderer Stelle gibt es Probleme. Auf der Pungshausstraße sollen einzelne Radfahrer auf den Gehweg ausweichen, um Fahrbahnanhebungen zu umgehen. Praktisch für den Radfahrer vielleicht – weniger praktisch für den Fußgänger, der an einer Grundstücksausfahrt plötzlich Gesellschaft bekommt.

Die Stadt setzt zunächst auf einen Begriff, der im Straßenverkehr gelegentlich etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint: Rücksichtnahme.

Das klingt vernünftig. Eine Stadt funktioniert schließlich nur, wenn Autofahrer, Radfahrer, E-Scooter-Nutzer und Fußgänger akzeptieren, dass der öffentliche Raum nicht exklusiv für sie reserviert wurde. Gerade dort, wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, braucht es nicht für jede Begegnung eine neue Vorschrift. Manchmal würde es schon helfen, Geschwindigkeit herauszunehmen und den anderen überhaupt wahrzunehmen.

Ganz ohne Regeln geht es allerdings auch nicht. Gehwege sind grundsätzlich Fußgängern vorbehalten. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen dort Fahrrad fahren, ebenso eine begleitende Aufsichtsperson. Für andere Radfahrer und für E-Scooter gilt: Auf den Gehweg dürfen sie nur, wenn dieser ausdrücklich dafür freigegeben ist.

So weit, so eindeutig.

Interessanter wird die Frage, was passiert, wenn sich jemand nicht daran hält. Denn während die Stadt ausführlich an die gegenseitige Rücksichtnahme appelliert, bleibt offen, ob der Kommunale Ordnungsdienst künftig häufiger kontrollieren oder Verstöße sanktionieren soll. Dabei können beispielsweise für das Fahren mit einem E-Scooter auf einer unzulässigen Verkehrsfläche 15 Euro Bußgeld fällig werden.

Und genau hier beginnt die eigentlich spannende Hildener Diskussion.

Reicht ein Appell?

Wer versehentlich ein paar Meter in einen Bereich fährt, in dem er nicht fahren darf, braucht sicherlich nicht sofort die volle Härte der öffentlichen Ordnung zu spüren. Wer aber regelmäßig durch eine volle Fußgängerzone fährt und erwartet, dass die Fußgänger gefälligst Platz machen, hat den Sinn einer Fußgängerzone möglicherweise nicht vollständig verstanden.

Dabei ist das Problem keineswegs ein Kampf „Fußgänger gegen Radfahrer“ oder „Hilden gegen E-Scooter“. Fahrräder und E-Scooter gehören längst zur Mobilität einer modernen Stadt. Sie können Autofahrten ersetzen, brauchen wenig Platz und sind für kurze Strecken ausgesprochen praktisch. Gerade deshalb sollte man aber darauf achten, dass ihre Akzeptanz nicht durch diejenigen beschädigt wird, die Verkehrsregeln eher als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Vielleicht braucht Hilden also gar keine große neue Verkehrsdebatte. Vielleicht reicht eine ziemlich einfache Vereinbarung: Auf der Straße achten Autofahrer auf Radfahrer und E-Scooter. Auf gemeinsamen Wegen achten alle aufeinander. Und dort, wo Fußgänger Vorrang haben, bekommen sie diesen Vorrang tatsächlich.

Das wäre vermutlich die günstigste Verkehrssicherheitsmaßnahme, die Hilden in diesem Jahr einführen könnte.

Sie kostet exakt null Euro.

Nur ein bisschen Rücksicht.

Freitag, 4. September 2026

4.9.2026: Im September wird der Weg nach Düsseldorf zum kleinen Abenteuer

Wer aus Hilden regelmäßig nach Düsseldorf fährt, kennt das Spiel inzwischen: Man schaut morgens nicht mehr nur auf die Uhr, sondern vorsichtshalber auch noch auf die Verkehrsmeldungen. Im September lohnt sich dieser zusätzliche Blick ganz besonders. Rund um das Werstener Kreuz wird gebaut – und das betrifft uns Hildener gleich doppelt. Sowohl die Busse der Rheinbahn als auch Autofahrer müssen sich zeitweise neue Wege suchen.

Grund sind Gleisbauarbeiten der Rheinbahn im Bereich des Werstener Kreuzes. Vom 7. September um 4 Uhr bis zum 21. September um 4 Uhr wird dort gearbeitet. Für Hilden besonders wichtig: Die Buslinien 782 und 785 sind betroffen. Wer regelmäßig mit einer dieser Linien Richtung Düsseldorf fährt, sollte also etwas mehr Zeit einplanen.

Stadtauswärts fahren die Busse ab der Haltestelle „Uni-Kliniken“ eine Umleitung. Die Haltestelle „Werstener Dorfstraße“ entfällt während der Bauarbeiten. In Richtung Düsseldorf beginnt die Umleitung bereits ab der Autobahnabfahrt Wersten. Auch der Schnellbus SB50 nach Haan ist von den Änderungen betroffen.

Nun könnte man natürlich sagen: Dann fahre ich eben mit dem Auto.

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Denn die Arbeiten haben auch erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr rund um das Werstener Kreuz und die A46. Mehrere Fahrbeziehungen sind zeitweise nicht möglich. Wer vom Südpark über die Werstener Straße kommt, kann beispielsweise nur in Richtung Wuppertal auf die A46 fahren. Die Zufahrt zum Werstener Kreuz ist gesperrt. Auch an anderen Stellen sind Auf- und Abfahrten beziehungsweise Abbiegeverbindungen nicht nutzbar.

Das klingt schon beim Lesen kompliziert und dürfte sich im Berufsverkehr noch ein wenig komplizierter anfühlen. Für uns Hildener bedeutet das vor allem: Wer normalerweise über die A46 nach Düsseldorf fährt, sollte vor der Abfahrt prüfen, welche Route gerade sinnvoll ist. Die offiziellen Umleitungen werden ausgeschildert, aber vermutlich werden auch die beliebten Schleichwege in diesen zwei Wochen deutlich stärker belastet sein.

Und weil eine Baustelle allein offenbar noch nicht reicht, gibt es im September noch eine kleine Zugabe. Vom 12. bis zum 14. September wird zusätzlich der Werstener Tunnel auf der A46 in beiden Fahrtrichtungen wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Spätestens an diesem Wochenende dürfte der Satz „Ich fahre mal eben nach Düsseldorf“ etwas optimistisch klingen.

Überhaupt entwickelt sich der Verkehr rund um Hilden derzeit zu einer Art strategischem Brettspiel. A3, A46, A59, Bahnstrecken, Brücken und diverse Baustellen – irgendwo wird eigentlich immer gebaut. Natürlich müssen Straßen, Schienen und Brücken irgendwann saniert werden. Trotzdem ist die Gleichzeitigkeit für Pendler zunehmend eine Herausforderung.

Gerade die Verbindung zwischen Hilden und Düsseldorf ist für viele Menschen tägliche Routine. Arbeit, Universität, Arzttermine, Einkaufen, Veranstaltungen oder einfach ein Abend in der Düsseldorfer Innenstadt – die Strecke gehört zum Alltag. Und deshalb sind solche vermeintlich Düsseldorfer Baustellen eben auch Hildener Geschichten.

Immerhin ist diesmal ziemlich genau bekannt, wann der Spuk vorbei sein soll. Am 21. September um 4 Uhr sollen die Umleitungen der Rheinbahn enden.

Bis dahin gilt für alle Hildener mit Ziel Düsseldorf: ein bisschen früher losfahren, Verkehrsmeldungen anschauen und nicht unbedingt darauf vertrauen, dass der Weg, den man seit zwanzig Jahren fährt, an diesem Morgen auch tatsächlich funktioniert.

Und vielleicht ist das ja inzwischen die wichtigste Verkehrsregel rund um Hilden:

Wenn das Navi plötzlich sagt „Route wird neu berechnet“, hat es wahrscheinlich recht.

Donnerstag, 3. September 2026

3.9.2026: Otto auf Abwegen – plötzlich liegt eine Königspython in einem Hildener Garten

Es gibt diese Momente, in denen man im Garten mit vielem rechnet. Mit Schnecken. Mit Wespen. Vielleicht mit der Nachbarskatze, die wieder einmal so tut, als gehöre ihr das Grundstück. Womit man in Hilden eher nicht rechnet: einer Königspython. Genau das passierte jetzt Anwohnern an der Poststraße. Am Sonntagabend entdeckten sie in einem Garten eine Würgeschlange. Und damit hatte Hilden für ein paar Stunden seinen ganz eigenen kleinen Schlangenalarm.

Die Feuerwehr wurde gerufen, außerdem kam ein Reptilienexperte hinzu. Denn bei aller Neugier ist eine Python nun einmal kein Tier, bei dem man erst einmal mit dem Besen nachschaut, ob sie vielleicht freiwillig wieder verschwindet. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um den ungewöhnlichen Gast. Weil der Aquazoo in Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war, führte der Weg schließlich ins Tierheim Hilden.

Dort war man offenbar besser auf solche Überraschungsgäste vorbereitet, als man vielleicht vermuten würde. Es gibt ein Übergangsterrarium, und so bekam die Königspython zunächst eine vorübergehende Unterkunft. Und wie es sich für eine ordentliche Hildener Geschichte gehört, bekam das Tier natürlich auch einen Namen: Otto.

Otto scheint seine kleine Reise durch Hilden gesundheitlich gut überstanden zu haben. Nach Angaben des Tierheims befand sich die Schlange in einem guten Zustand. Noch wichtiger: Die Geschichte hat inzwischen ein Happy End. Über die sozialen Medien konnte der Besitzer gefunden werden, und Otto wurde mittlerweile wieder abgeholt.

Damit endet der Hildener Schlangenausflug deutlich unspektakulärer, als er begonnen hat. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Ganz ohne größeren Zusammenhang steht der Fund allerdings nicht da. Im Rheinland sorgten zuletzt mehrfach ausgesetzte oder entlaufene Würgeschlangen für Aufsehen. In Krefeld wurde beispielsweise innerhalb weniger Wochen gleich zweimal eine Boa Constrictor gefunden. Eine davon war rund zweieinhalb Meter lang und sieben Kilogramm schwer. Bei der zweiten Boa handelte es sich um ein jüngeres Tier von ungefähr 1,50 Meter Länge. Diese Schlange war am Schwanz verletzt und musste tierärztlich behandelt werden.

Obwohl solche Meldungen spektakulär klingen, zeigt Ottos Geschichte vor allem etwas anderes: wie viele unterschiedliche Aufgaben bei Feuerwehr und Tierheim landen. Normalerweise denken wir bei einem Feuerwehreinsatz an Brände, Verkehrsunfälle oder technische Hilfeleistungen. Manchmal besteht der Einsatz eben darin, eine Königspython aus einem Hildener Garten zu holen.

Und auch unser Tierheim kümmert sich offensichtlich nicht ausschließlich um Hund, Katze und Kaninchen. Wenn plötzlich ein exotischer Gast vor der Tür steht, braucht es einen geeigneten Platz, Erfahrung und im Zweifel zusätzliche fachliche Unterstützung. Dass dafür sogar ein Übergangsterrarium vorhanden ist, hätte ich jedenfalls nicht unbedingt erwartet.

Bleibt natürlich die Frage, wie Otto überhaupt in den Garten an der Poststraße gekommen ist. Darüber erfahren wir leider nichts. Vielleicht hat er eine Gelegenheit zur Flucht genutzt, vielleicht war irgendwo eine Tür oder ein Terrarium nicht richtig geschlossen. Entscheidend ist am Ende: Besitzer gefunden, Schlange gesund, niemand verletzt.

Und Otto?

Der dürfte seinen Ausflug vermutlich weniger spektakulär gefunden haben als die Menschen, die ihn entdeckt haben.

Für die wiederum gilt künftig vielleicht eine neue Hildener Gartenregel: Bevor man barfuß durch das Blumenbeet läuft, schaut man lieber zweimal hin.

Denn zwischen Geranien, Gartenzwerg und Gießkanne könnte neuerdings auch mal eine Königspython liegen.

Mittwoch, 2. September 2026

2.9.2026: Topf sucht Deckel – und die Itterbühne sucht Männer

Es gibt Dinge, die gehören einfach zum lokalen Kulturleben. Man muss nicht jedes Jahr hingehen, man muss nicht jeden Schauspieler persönlich kennen und man muss auch nicht bei jeder Pointe vom Stuhl fallen. Aber wenn eine Theatergruppe seit 30 Jahren dafür sorgt, dass Menschen aus Hilden und Haan gemeinsam auf der Bühne stehen und andere zum Lachen bringen, dann ist das schon eine kleine Institution. Genau das ist die Itterbühne – und Anfang Oktober steht die nächste Premiere an.

„Topf sucht Deckel“ heißt das neue Stück, und bereits der Titel lässt erahnen, dass wir uns nicht unbedingt auf einen Abend mit schwerer gesellschaftspolitischer Dramatik einstellen müssen. Im Mittelpunkt steht Gottlieb, ungefähr 40 Jahre alt, Bundesbahnangestellter, ziemlich einfältig, ein wenig trottelig und bei Frauen offenbar nicht gerade mit übermäßigem Talent gesegnet. Dazu ist er ein ausgeprägtes Mama-Kind. Beste Voraussetzungen also für einen Mann, den seine Stammtischfreunde unbedingt verkuppeln wollen.

Die Handlung spielt in einer Kneipe, und dort treffen gleich zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite sitzt der klassische Jäger-Stammtisch samt Gottlieb, auf der anderen Seite die von Regisseur Karlheinz Best augenzwinkernd als „Botox-Mädels“ bezeichneten Beauty-Girls. Dass diese Kombination nicht in einem stillen und harmonischen Kneipenabend endet, dürfte niemanden überraschen. Es gibt Wortgefechte, reichlich Klischees und offenbar jede Menge Pointen. Schon beim ersten gemeinsamen Lesen des Stücks soll sich das Ensemble beinahe „flachgelegt“ haben. Das ist für eine Komödie wahrscheinlich kein schlechtes Auswahlkriterium.

Ich mag an solchen Amateurtheatern gerade diese Mischung aus Spaß und erstaunlich viel Arbeit. Denn für uns Zuschauer beginnt der Theaterabend mit dem Öffnen des Vorhangs. Für die Menschen auf und hinter der Bühne beginnt er Monate vorher. Texte müssen gelernt, Szenen geprobt, Kostüme organisiert und Kulissen gebaut werden. Für „Topf sucht Deckel“ entsteht beispielsweise eigens eine Schankanlage. Weil im Originalstück Dias vorgesehen sind, die technisch nicht gezeigt werden können, hat die Itterbühne große Bilder drucken lassen. Der Hintergrund der Bühnenkneipe mit Flaschen und Gläsern wird diesmal sogar mithilfe künstlicher Intelligenz gestaltet. KI bei der Itterbühne – auch das Jahr 2026 hinterlässt also im Hildener Amateurtheater seine Spuren.

Zum ersten Mal greift die Gruppe außerdem auf einen professionellen Kostümverleih aus Köln zurück. Karlheinz Best bringt die dahinterstehende Philosophie schön auf den Punkt: „Die Leute sollen was fürs Auge haben.“ Und warum eigentlich nicht? Amateurtheater bedeutet schließlich nicht, dass die Gardine aus dem heimischen Wohnzimmer zwangsläufig als Bühnenvorhang herhalten muss.

Die Premiere findet am Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr im Alten Helmholtz statt. Weitere Hildener Vorstellungen folgen am 3. Oktober um 18 Uhr und am 4. Oktober um 15.30 Uhr. Danach zieht die Itterbühne weiter nach Haan. Die Karten kosten 15 Euro.

Hinter der Vorfreude steckt allerdings auch ein ernstes Thema. Denn ausgerechnet die Spielstätte in Haan hat möglicherweise keine Zukunft. Das dortige CVJM-Heim soll von der evangelischen Landeskirche abgegeben werden. Für die Itterbühne könnte damit der große Saal verloren gehen. Das wäre nicht nur ein Problem für eine Theatergruppe, sondern zeigt ein grundsätzliches Thema, das viele Städte kennen: Kultur und Gemeinschaft brauchen Räume. Man kann Vereine, Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement wunderbar loben – aber irgendwann benötigen die Menschen eben einen Saal, eine Bühne, einen Probenraum oder einfach einen Ort, an dem sie zusammenkommen können.

Und noch ein Problem hat die Itterbühne. Eines, das sich möglicherweise leichter lösen lässt als die Immobilienfrage: Es fehlen Männer. Von den derzeit acht Schauspielern sind gerade einmal zwei männlich. Männerrollen müssen deshalb immer wieder von Frauen übernommen werden. Wer also schon immer einmal auf einer Bühne stehen wollte, sich bislang aber erfolgreich mit der Behauptung herausgeredet hat, es habe ihn niemand gefragt: Diese Ausrede gilt ab sofort nicht mehr.

Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere Hildener dabei ungeahnte Talente. Und wenn es mit der großen Schauspielkarriere nicht klappt, dürfte zumindest eines sicher sein: Bei einer Theatergruppe, die sich bereits beim ersten Lesen ihres neuen Stücks beinahe flachlegt, scheinen die Probenabende ziemlich unterhaltsam zu sein.

Ich finde jedenfalls, dass genau solche Gruppen zum Leben einer Stadt dazugehören. Große Kulturhäuser und professionelle Bühnen sind wichtig. Aber lokale Kultur entsteht eben auch dort, wo Menschen nach Feierabend Texte lernen, Kulissen zusammenschrauben, Kostüme anprobieren und wochenlang proben, damit wir anschließend für zwei Stunden lachen können.

Am 2. Oktober heißt es im Alten Helmholtz also: Vorhang auf für „Topf sucht Deckel“.

Und vielleicht gilt danach nicht nur für Gottlieb: Irgendwann findet jeder Topf seinen Deckel.

Dienstag, 1. September 2026

1.9.2026: Kleine Künstler ganz groß – warum mir dieses Hildener Angebot gefällt

Manchmal sind es die eher kleinen Nachrichten aus Hilden, bei denen ich hängen bleibe. Keine neue Großbaustelle, keine politische Grundsatzdiskussion und auch kein Ereignis, das tagelang die Schlagzeilen beherrscht. Stattdessen geht es diesmal um Kinder, ein paar Farben, Holz, Pappe, Speckstein und ziemlich viel Fantasie. Das Kulturamt der Stadt Hilden startet nach den Sommerferien wieder seine Kinderkunstkurse im Alten Helmholtz – und für die im September beginnenden Angebote gibt es noch freie Plätze.

Ich finde solche Angebote für eine Stadt wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Natürlich können Kinder heute auf dem Tablet malen, am Computer irgendwelche Welten bauen oder sich stundenlang Videos anschauen, in denen andere Menschen kreativ sind. Aber es ist eben doch etwas anderes, selbst ein Stück Holz in die Hand zu nehmen, mit Acrylfarbe zu experimentieren oder aus Pappe und Stäben etwas zu bauen, das vorher nur im eigenen Kopf existiert hat. Und genau darum geht es bei den vier Kursen, die jetzt im Alten Helmholtz angeboten werden.

Am Donnerstag, 10. September, beginnt „Achtung Kunst!“. Kinder ab sechs Jahren schauen zunächst einmal, wo ihnen Kunst eigentlich im Alltag und in der Natur begegnet. Danach wird selbst losgelegt: mit Kreiden, Acrylfarben, Drucktechniken und sogar Speckstein. Ebenfalls am 10. September startet für Kinder ab acht Jahren „Fantasiehäuser auf Bäumen“. Aus Holz, Pappe, Stäben, Folien und anderen Materialien entstehen dreidimensionale Baumhäuser. Ich vermute, dass dabei Konstruktionen herauskommen werden, bei denen der eine oder andere Erwachsene neidisch feststellen muss, dass das eigene Gartenhaus gestalterisch noch erhebliches Verbesserungspotenzial besitzt.

Montags geht es ab dem 14. September weiter. Beim Kurs „GlücksKIND“ beschäftigen sich Kinder ab sieben Jahren kreativ mit Glückssymbolen. Und direkt danach dürfen die etwas jüngeren Teilnehmer bei „Kinder entdecken Kunstgeschichten“ auf Reisen gehen – zumindest mit ihrer Fantasie. Abenteuer, Tiere, Zoo, Paradiesvögel und Fantasiewesen liefern den Stoff für eigene Bilder, Bücher und Leporellos. Ein Skizzenheft begleitet die Kinder dabei durch die zehn Wochen.

Gerade diese Mischung gefällt mir. Es geht nicht darum, dass am Ende zehn kleine Picassos aus dem Alten Helmholtz marschieren. Es geht ums Ausprobieren. Darum, eine Idee zu haben und zu schauen, was daraus wird. Vielleicht funktioniert sie. Vielleicht auch überhaupt nicht. Dann nimmt man eben ein neues Blatt Papier, ein anderes Stück Pappe oder noch ein bisschen Farbe. Eigentlich eine ziemlich gute Lektion fürs Leben – ganz ohne dass jemand sie als solche ankündigen muss.

Alle vier Kurse umfassen zehn Termine von jeweils 90 Minuten und finden im Alten Helmholtz an der Gerresheimer Straße 20 statt. Pro Kurs werden 70 Euro fällig. Sieben Euro für anderthalb Stunden betreutes Malen, Bauen, Gestalten und Entdecken finde ich durchaus fair. Vor allem, wenn man sich anschaut, welche Preise inzwischen für manche Freizeitaktivitäten aufgerufen werden.

Ich mag außerdem, dass das Alte Helmholtz damit einmal mehr zeigt, welche Rolle solche Orte mitten in einer Stadt spielen können. Hilden braucht nicht nur Geschäfte, Wohnungen, Straßen und Parkplätze. Eine Stadt lebt auch davon, dass es Räume gibt, in denen Kinder etwas ausprobieren können, Jugendliche zusammenkommen, Kultur entsteht und Menschen Dinge tun, die zunächst einmal keinen anderen Zweck haben müssen, als Spaß zu machen.

Vielleicht sitzt also im September irgendwo im Alten Helmholtz tatsächlich die nächste große Hildener Künstlerin oder der nächste große Hildener Künstler und weiß es nur noch nicht. Vielleicht entstehen dort aber auch einfach zehn etwas schiefe Baumhäuser, ein paar wilde Paradiesvögel und Bilder, bei denen Mama und Papa anschließend sehr überzeugend sagen müssen: „Das ist aber toll geworden!“

Beides wäre für mich vollkommen in Ordnung.

Denn Kreativität beginnt schließlich nicht mit Perfektion. Sondern meistens mit einem leeren Blatt und der Frage: Was mache ich jetzt daraus?

Montag, 31. August 2026

31.8.2026: Einschulung in Hilden: Wenn die Schultüte zum zweiten Weihnachten wird

Es gab einmal eine Zeit, da war die Sache mit der Einschulung vergleichsweise übersichtlich. Man bekam einen Schulranzen, eine Schultüte, ein paar Buntstifte und ausreichend Süßigkeiten, um den ersten Schultag zumindest ernährungsphysiologisch komplett aus dem Ruder laufen zu lassen. Heute ist das etwas komplizierter. Wer in diesen Tagen durch Hilden läuft und Eltern oder Großeltern beim Einkauf für die Einschulung beobachtet, könnte meinen, Weihnachten sei überraschend auf Anfang September verlegt worden. Ganz falsch ist dieser Eindruck offenbar nicht. Die Einschulung sei heutzutage „wie ein zweites Weihnachten“, sagt Andrea Mettlicki vom Hildener Spielwarengeschäft SpielPlus. 

Und wie es sich für Weihnachten gehört, gibt es natürlich Dinge, die unbedingt unter den Baum – Entschuldigung: in die Schultüte – müssen. 2026 heißen sie unter anderem Squishies und Dumplings. Squishies sind bunte Figuren aus einem schaumstoffartigen Kunststoff, die nach Herzenslust geknautscht werden können. Dumplings funktionieren ähnlich, kommen allerdings in Boxen, bei denen man vorher nicht weiß, welche Variante darin steckt. Überraschung plus Sammeltrieb – aus Sicht der Hersteller vermutlich eine ziemlich geniale Kombination. Besonders begehrt sind glitzernde Varianten. Und offenbar haben die kleinen Knautschfiguren sogar pädagogisches Potenzial: An manchen Schulen sind sie im Unterricht erlaubt, weil das Knautschen beruhigend wirken kann. 

Wer jetzt glaubt, damit sei die Einkaufsliste abgearbeitet, unterschätzt die moderne Einschulung erheblich. Auch Legami-Stifte gehören weiterhin zum Pflichtprogramm auf vielen Wunschlisten. Besonders Sondereditionen sind schnell vergriffen. Dazu kommen Kknekki-Haargummis, die gleichzeitig als Armband getragen werden können. Einmal produzierte Farben werden nicht wieder aufgelegt, weshalb sich offenbar eine richtige Sammlerszene entwickelt hat.  Früher sammelten Kinder Panini-Bilder. Heute stehen Erwachsene möglicherweise vor dem Regal und diskutieren darüber, ob ihnen noch Kknekki „Pastell-Rosa-Sommer-Edition“ fehlt. Fortschritt ist eben nicht immer leicht zu definieren.

Erfreulicherweise besteht eine Schultüte aber nicht ausschließlich aus Dingen, deren Namen Großeltern erst einmal googeln müssen. In Hilden gibt es auch Lesezeichen, Bücher für Erstleser, reflektierende Armbänder, leuchtende Anhänger, Wecker, Portemonnaies, Abakusse und IQ-Lernspiele. Besonders die Lernspiele werden für Grundschüler empfohlen.  Das klingt schon eher nach Schule – wobei sich natürlich die Frage stellt, ob sich ein sechsjähriges Kind beim Öffnen seiner Schultüte tatsächlich über einen Abakus genauso freut wie über einen glitzernden Squishy. Pädagogisch dürfte die Antwort eindeutig sein. Praktisch vermutlich auch.

Und natürlich gibt es weiterhin Lego, Playmobil und Süßigkeiten. Denn irgendwo muss bei aller pädagogischen Vernunft auch noch ein bisschen Einschulung bleiben. Die Zahnärztekammer Nordrhein hat gegen den einzelnen Schokoriegel in der Schultüte auch gar nichts einzuwenden. Entscheidend sei vielmehr, was anschließend im Schulalltag zur Gewohnheit werde. Ein gesundes Pausenbrot sei eine gute Grundlage. 

Beim Getränk fällt die Empfehlung noch eindeutiger aus: Wasser. Saft und Softdrinks sorgen bei regelmäßigem Trinken dafür, dass die Zähne immer wieder mit Zucker und Säure in Kontakt kommen. Deshalb sollte Saft eher die Ausnahme bleiben. Selbst beim grundsätzlich gesunden Apfel lautet der Rat, ihn lieber innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu essen, statt über Stunden daran herumzuknabbern. 

Mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt von Schultüte und Brotbox ist allerdings etwas, das man nicht kaufen kann: ein sicherer Schulweg. Der ADAC empfiehlt, den Weg vorher gemeinsam zu üben – und zwar möglichst zu den Zeiten, zu denen später tatsächlich Schulverkehr herrscht. Kreuzungen, Einfahrten und Straßenüberquerungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. In den ersten Schulwochen sollten Eltern ihre Kinder außerdem begleiten; Reflektoren an Kleidung und Schulranzen erhöhen bei Dunkelheit die Sichtbarkeit. 

Vielleicht ist das am Ende die schönste Erkenntnis rund um die Einschulung. Natürlich darf die Schultüte groß sein. Natürlich darf ein Squishy hinein. Ein Dumpling meinetwegen auch, selbst wenn wahrscheinlich die Hälfte der Erwachsenen nicht erklären kann, warum ein Spielzeug genauso heißt wie eine asiatische Teigtasche. Ein bisschen Schokolade schadet ebenfalls nicht. Und wenn Oma und Opa noch ein Buch hineinstecken wollen, ist das vermutlich auch keine schlechte Idee.

Denn bei allem Aufwand bleibt dieser erste Schultag etwas Besonderes. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt – und für die Eltern möglicherweise ebenfalls. Ab jetzt gibt es Stundenpläne, Elternabende, Hausaufgaben, verschwundene Radiergummis und morgens die berühmte Frage: „Wo ist eigentlich meine Sporttasche?“

Vielleicht hat Andrea Mettlicki deshalb mit ihrem Vergleich vom zweiten Weihnachten sogar noch mehr recht, als sie dachte.

Nur dass Weihnachten wenigstens jedes Jahr am selben Datum stattfindet.