Sonntag, 19. April 2026

19.4.2026: Wenn der ADAC nach Hilden rollt und dein Auto plötzlich zum Wellness-Wochenende darf

Es gibt diese seltenen Momente im Leben eines Autos, in denen es nicht nur von A nach B geprügelt wird, sondern tatsächlich Aufmerksamkeit bekommt. Nicht bloß ein hastiger Blick aufs Armaturenbrett, begleitet von der optimistischen Einschätzung „wird schon noch gehen“, sondern echte, fürsorgliche Zuwendung. Genau so ein Moment steht Hilden bevor, denn vom 23. bis 28. April macht die Mobile Prüfstation des ADAC auf dem Parkplatz von Hardeck-Möbel an der Ellerstraße 100 Halt. Das ist quasi der Pop-up-Spa-Bereich für Fahrzeuge mit latentem Bremsenproblem, schüchterner Außenbeleuchtung und Stoßdämpfern, die innerlich vielleicht schon aufgegeben haben.

Das Schöne daran: Hier wird niemand wegen seiner Mitgliedskarte an der Schranke abgewiesen. Sowohl ADAC-Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder dürfen vorbeikommen und wichtige Funktionen für die Verkehrssicherheit am eigenen Wagen checken lassen. Ein sehr demokratischer Ansatz, der sagt: Deine Bremsen sind uns wichtig, auch wenn du keinen gelben Schlüsselanhänger besitzt. Mitglieder dürfen gleich zwei Prüfungen kostenlos mitnehmen, Nicht-Mitglieder immerhin eine. Das ist schon mehr Zuwendung, als manche Zimmerpflanze in einem ganzen Jahr erfährt.

Geprüft werden unter anderem Bremsen, Stoßdämpfer – sofern die Außentemperatur mitspielt – und die Außenbeleuchtung. Mit anderen Worten: all die Dinge, bei denen man als Autofahrer gern denkt, dass sie bestimmt tadellos funktionieren, solange nichts laut klappert, blinkt oder raucht. Dabei ist genau das der Zauber solcher Aktionen: Sie holen die Wahrheit ans Licht, im besten Fall sogar im wörtlichen Sinne, wenn die Außenbeleuchtung geprüft wird und sich herausstellt, dass links vorne eher ein müdes Glimmen als echtes Licht stattfindet. Bei modernen Lichtsystemen wie Xenon, LED oder Laser können zusätzliche Kosten für nötige Vorprüfungen entstehen. Hightech ist eben toll, bis sie anfängt, Rechnungen zu schreiben.

Wer seinem Auto noch etwas mehr gönnen möchte, bekommt laut ADAC auch zusätzliche Angebote, etwa einen Sicherheitscheck, Urlaubscheck oder Gebrauchtwagencheck sowie die Wartung von Klimaanlagen mit Kältemittelfüllung R134a. Das klingt alles sehr vernünftig, aber auch ein bisschen so, als könnte man sein Auto dort mit den Worten abgeben: „Mach bitte einmal alles, was bei mir in den letzten drei Jahren unter ‚später‘ gelandet ist.“

Wichtig ist nur: Einfach spontan mit dem Wagen auftauchen und hoffen, dass schon jemand Zeit hat, klappt nicht. Vorher muss ein Termin vereinbart werden, und zwar telefonisch unter 0221/4727633 oder 0221/472791807. Das ist vermutlich auch besser so, denn nichts wäre trauriger, als wenn halb Hilden gleichzeitig mit nervös hustenden Kleinwagen und würdevoll alternden Kombis auf dem Parkplatz steht und darauf wartet, dass endlich jemand bestätigt, dass dieses seltsame Geräusch beim Bremsen vielleicht doch nicht „normal“ ist.

Die Zeiten sind dabei angenehm verteilt: Donnerstag, 23. April, von 13 bis 18 Uhr, Freitag, 24. April, von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, Samstag, 25. April, von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, Montag, 27. April, von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie Dienstag, 28. April, von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Genug Gelegenheit also, dem eigenen Fahrzeug einmal die Bühne zu geben, die es sich nach all den Einkaufsfahrten, Baustellenumleitungen und heroischen Parkplatzmanövern vor dem Supermarkt vielleicht verdient hat.

Unterm Strich ist diese Aktion eine jener seltenen Veranstaltungen, bei denen man mit einem guten Gefühl hingeht und im Idealfall mit einem noch besseren wieder wegfährt. Vielleicht mit der beruhigenden Nachricht, dass alles in Ordnung ist. Vielleicht mit dem dezenten Hinweis, dass die Stoßdämpfer nicht mehr ganz frisch sind. Und vielleicht auch mit der Erkenntnis, dass Verkehrssicherheit deutlich angenehmer klingt, wenn sie kostenlos ist. Hilden bekommt also im April nicht nur eine mobile Prüfstation, sondern auch eine kleine Erinnerung daran, dass Autos zwar vieles aushalten, aber gelegentlich doch ganz gern mal von Profis angeschaut werden.

Freitag, 17. April 2026

17.4.2026: Hilden hebt ab – leider nur bei den Steuern

Es gibt Städte, die bauen Seilbahnen, pflanzen Palmen auf den Marktplatz oder leisten sich wenigstens einen Kreisverkehr mit ambitionierter Beleuchtung. Und dann gibt es Hilden. Hilden hat beschlossen, in schwierigen Zeiten dort kreativ zu werden, wo es richtig wehtut: beim Blick auf den Steuerbescheid. Der Stadtrat hat nach einer langen Sitzung nämlich das getan, was Kommunalpolitik am besten kann, wenn das Konto klingt wie eine leere Keksdose: Er hat an Hebesätzen geschraubt, als gäbe es dafür Bonuspunkte im Verwaltungsolymp.

Besonders unterhaltsam war dabei das Drama um die Grundsteuer. Wer dachte, Zahlen seien emotionslos, hat offenbar noch nie einer Ratssitzung zugehört, in der 650, 750, 760, 800 oder 860 Prozentpunkte in den Ring geworfen werden wie Kandidaten bei einer Casting-Show namens „Germany’s Next Top Hebesatz“. Am Ende kehrt Hilden nun zurück zum einheitlichen Satz bei der Grundsteuer B, und zwar mit stattlichen 800. Das klingt nicht wie eine Steuer, das klingt wie der Endgegner in einem sehr trockenen Videospiel: „Sie betreten Level 800 – Angriff des Hebesatzes.“ Davor hatte die Stadt noch differenzierte Sätze für Wohn- und Nichtwohngrundstücke, was zwar kompliziert war, aber immerhin das Gefühl vermittelte, dass Bürokratie noch Ehrgeiz besitzt. Nun also wieder Einheit – wahrscheinlich auch, weil man sich auf irgendetwas einigen musste, bevor die Sitzung in eine mehrteilige Netflix-Doku umbenannt wird.

Die Diskussion selbst hatte alles, was große Unterhaltung braucht: harte Fronten, Sitzungspause, überraschende Wendungen und die Erkenntnis, dass in der Kommunalpolitik schon ein Vorschlag von 750 Punkten als beinahe rebellisch gilt. Die CDU wollte lieber weiter splitten, die SPD sah sich bestätigt, die Bürgeraktion und Piraten wollten es neutraler, die Grünen kamen nach der Pause mit einem neuen Kompromiss zurück, die FDP warnte, und am Ende einigte man sich auf 800. Das ist im Grunde wie ein Familienurlaub mit acht Leuten, bei dem am Ende alle nach Holland fahren, obwohl keiner ursprünglich nach Holland wollte.

Auch bei der Gewerbesteuer zeigte Hilden, dass man Zahlen nicht einfach nur erhöht, sondern sie zuvor gründlich politisch massiert. Die Verwaltung wollte von 400 auf 450. Die CDU sagte 430. Die Grünen nickten, die SPD ebenso, die FDP stemmte sich mit flammender Rede dagegen, und die Linke dachte sich vermutlich: Wenn schon, denn schon, und schlug 480 vor. Durchgesetzt hat sich schließlich die 430. Das hat den Charme eines Kompromisses, bei dem alle sagen können, sie hätten Schlimmeres verhindert, obwohl das Loch im Haushalt trotzdem weiter freundlich zurückwinkt. Denn der Haken ist natürlich: Im Haushaltsentwurf war schon mit 450 gerechnet worden. Jetzt fehlen laut Kämmerer zwei Millionen Euro pro Jahr. Mit anderen Worten: Hilden hat sich für die etwas kleinere Schmerztablette entschieden und stellt nun fest, dass das Fieber leider noch da ist.

Und genau da wird die ganze Sache erst richtig kommunalpoetisch. Der Haushalt für 2026 wurde zwar mehrheitlich beschlossen, weist aber trotzdem ein Defizit von mehr als 26 Millionen Euro aus. Das ist die Art von Zahl, bei der man als normaler Mensch kurz innehält und überlegt, ob man vielleicht doch wieder anfangen sollte, Pfandflaschen nach Farben zu sortieren. Gleichzeitig klingt in den Reden alles sehr entschlossen, verantwortungsvoll und generationengerecht, was ja auch richtig ist – nur hat man bei solchen Formulierungen immer ein bisschen das Gefühl, der Haushalt sei kein Zahlenwerk, sondern ein störrischer Patient, der mit ernster Miene stabilisiert werden muss.

Man muss Hilden aber eines lassen: Die Stadt macht aus finanzieller Not wenigstens ein spannendes Schauspiel. Da wird beraten, pausiert, zurückgezogen, neu vorgeschlagen, wieder verworfen und am Ende doch beschlossen. Es ist ein bisschen wie Improvisationstheater im Bürgerhaus, nur mit mehr Prozentpunkten und weniger Applaus. Und während Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen nun ausrechnen dürfen, was das alles konkret für sie bedeutet, bleibt vor allem die Erkenntnis: Auch ohne Karneval versteht man es im Rheinland, aus ernsten Lagen eine Form von Unterhaltung zu machen. Leider ist es diesmal die Sorte Unterhaltung, bei der am Ende alle zahlen müssen.

Donnerstag, 16. April 2026

16.4.2026: Hilden tritt in die Pedale – und das offenbar mit göttlichem Beistand

In Hilden ist es wieder so weit: Das Stadtradeln steht vor der Tür, und plötzlich klingt die Stadt, als hätte jemand gleichzeitig eine Klimakonferenz, ein Sportfest und den Titelwettbewerb für die besten Vereinsnamen eröffnet. Schon jetzt haben sich 116 Menschen in 26 Teams angemeldet, was einerseits solide klingt und andererseits auch ein bisschen nach „Da geht noch was, Hilden!“ riecht. Die Stadt hofft jedenfalls auf mehr Beteiligung, schließlich sollen vom 17. Mai bis 6. Juni nicht nur Reifen rollen, sondern am besten auch gleich die guten Vorsätze der gesamten Bürgerschaft.

Besonders schön ist, dass in Hilden offenbar niemand einfach nur Rad fährt. Nein, hier wird mit Haltung gestrampelt. Mit dabei sind Schulen, Feuerwehr, Kirchen, DLRG, Unternehmen, Stadtverwaltung und sogar Teile des Stadtrats. Allein das klingt schon nach einer sehr deutschen Version der Tour de France, nur mit mehr Warnwesten, Excel-Tabellen und wahrscheinlich jemandem, der fragt, ob für die Strecke auch ein Protokoll geführt wird. Die stärkste Gruppe heißt bislang „Evangelisches Hilden radelt mit“, was sympathisch bodenständig ist. Andere Teams greifen sprachlich allerdings deutlich beherzter ins Lenkrad: „Kettenquäler“, „Kilometerfresser“ und mein persönlicher Favorit „Pedal Sakral“. Spätestens bei diesem Namen ist klar: In Hilden wird nicht einfach Rad gefahren, hier wird missioniert – notfalls auf zwei Rädern.

Das Prinzip hinter dem Stadtradeln ist schnell erklärt: weniger Auto, mehr Fahrrad, weniger CO2, mehr Wadenkrampf. Jeder geradelte Kilometer zählt, und am Ende wird zusammengerechnet, wie viel Klimaschaden man der Welt diesmal erspart hat. Bürgermeister Claus Pommer bringt das erwartungsgemäß staatsmännisch auf den Punkt und verweist auf Gesundheit, Teamgeist und eine lebenswerte Zukunft. Das klingt vernünftig, ist aber auch die höfliche Umschreibung dafür, dass man ruhig mal das Auto stehen lassen und herausfinden könnte, ob die Strecke zum Bäcker tatsächlich nicht ausschließlich mit vier Rädern zu bewältigen ist.

Im vergangenen Jahr kamen bereits rund 150.000 Kilometer zusammen. Das ist eine Zahl, bei der man kurz schluckt und sich fragt, ob Hilden heimlich schon eine eigene Radnation ist. Diesen Erfolg will man jetzt übertreffen. Der Ehrgeiz ist also da, und Ehrgeiz ist beim Stadtradeln bekanntlich eine gefährliche Sache. Erst fährt man ein bisschen fürs Klima, dann schaut man heimlich aufs Kilometerkonto des Nachbarteams, und plötzlich wird der spontane Umweg über Erkrath zur persönlichen Charakterfrage. Irgendwo wird mit Sicherheit schon jetzt jemand überlegen, ob man den Weg zum Briefkasten korrekt als Trainingsrunde dokumentieren kann.

Wer mitmachen will, kann sich online registrieren oder den Vorjahresaccount nutzen, was sehr komfortabel ist, weil man sich so direkt wieder in den freundlichen Wettbewerb um Ruhm, Ehre und vermutlich leicht verspannte Oberschenkel stürzen kann. Außerdem lädt der Bürgermeister zu einer Feierabendtour ein. Das klingt herrlich harmlos, ist aber erfahrungsgemäß genau die Art Veranstaltung, bei der man am Anfang noch plaudernd losfährt und sich zwanzig Minuten später fragt, warum alle plötzlich so sportlich gucken.

Unterm Strich bleibt: Hilden meint es ernst mit dem Radeln, aber zum Glück nicht humorlos. Wer Städte an ihrer Fantasie misst, ist bei Teamnamen wie „Pedal Sakral“ ohnehin in guten Händen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass sich bis zum Start noch ein paar weitere Teams anmelden. Vorschläge hätte ich genug: „Die Speichen des Zorns“, „Tour de Amtsschimmel“ oder „Gangschaltung ins Glück“. Hilden, übernehmen Sie.

Mittwoch, 15. April 2026

15.4.2026: Schaufenster-Drama auf der Mittelstraße: Wenn Hilden kurz den Atem anhält und Ernsting’s Family nur einmal umräumt

In Hilden reicht manchmal schon ein leeres Schaufenster, damit die Fußgängerzone kurz den Puls einer mittelgroßen Streaming-Serie bekommt. Da schiebt eine junge Familie entspannt den Kinderwagen über die Mittelstraße, will vielleicht einfach nur Besorgungen machen, ein bisschen gucken, ein bisschen schlendern – und dann das: Ernsting’s Family wirkt plötzlich so, als hätte der Laden über Nacht beschlossen, sich in Luft aufzulösen. Leere Schaufenster, Handwerker im Inneren, keine erklärenden Schilder, keine beruhigende Botschaft wie „Keine Panik, wir sind nur kurz schöner“. Stattdessen: maximale Raum für Spekulationen. Man kann förmlich sehen, wie in den Köpfen der Passanten sofort der Hildener Krisenstab zusammentritt.

Denn leere Schaufenster in einer Innenstadt sind heute ungefähr das städtische Pendant zu einem Arzt, der mit ernster Miene sagt: „Wir müssen reden.“ Sofort denkt jeder an Leerstand, Niedergang und die nächste traurige Entwicklung im Einzelhandel. Besonders, wenn direkt daneben auch noch ein schon länger leer stehendes Ladenlokal lauert, in diesem Fall das ehemalige Depot. Das ist dann atmosphärisch ungefähr so beruhigend wie ein Zahnarztbesuch neben einer geschlossenen Apotheke. Kein Wunder also, dass die Menschen stutzen, stehen bleiben, in die Scheiben spähen und sich mit diesem ganz speziellen Blick anschauen, der sagen soll: „Ich will nichts dramatisieren, aber natürlich dramatisiere ich innerlich bereits alles.“

Dabei ist die Wahrheit hier erfreulich unspektakulär – und genau deshalb irgendwie schön. Es droht offenbar eben kein Leerstand. Im Gegenteil. Das Ladenlokal wird nicht zum nächsten Mahnmal des Innenstadtwandels, sondern bekommt offenbar schlicht eine Frischekur. Das ist die vielleicht deutscheste Form guter Nachrichten: Niemand hängt es groß an die Glocke, keine Ballons, keine Fanfaren, keine freundliche Tafel mit „Freut euch, wir bauen nur um“. Stattdessen wird einfach gearbeitet, während draußen die Gerüchteküche auf kleiner bis mittlerer Flamme köchelt. In deutschen Innenstädten ist das vermutlich die Version von Spannung, die man sich erlaubt.

Überhaupt haben Umbauten im Einzelhandel etwas wunderbar Eigenartiges. Von außen sieht alles nach Krise aus, innen wird aber gebohrt, gehämmert und wahrscheinlich irgendwo sehr entschlossen über Regalsysteme diskutiert. Vielleicht wird alles moderner, heller, freundlicher, praktischer. Vielleicht bekommt der Laden am Ende diesen Look, bei dem man gar nicht genau sagen kann, was anders ist, aber plötzlich wirkt alles so, als hätte jemand den Begriff „zeitgemäß“ einmal gründlich durchgewischt. Und irgendwo steht sicher ein Mensch mit Klemmbrett und nickt professionell.

Für Hilden ist die eigentliche Pointe ohnehin eine andere: Nicht nur bei Ernsting’s Family scheint sich etwas zum Guten zu wenden, auch anderswo gibt es Anzeichen, dass nicht jede Veränderung automatisch ein Abgesang sein muss. Das ist in Zeiten, in denen man Innenstädte gern schon halb zu Freilichtmuseen erklärt, fast schon eine kleine Sensation. Vielleicht ist die Mittelstraße also gar nicht Schauplatz eines weiteren Kapitels mit dem Titel „Ach nee, nicht schon wieder“, sondern eher einer freundlich bodenständigen Geschichte namens „Wird gerade renoviert, danke der Nachfrage“.

Und so bleibt als Zwischenfazit: Die leeren Schaufenster von Ernsting’s Family sind kein Grund zur Panik, sondern eher ein klassischer Fall von Hildener Kurzzeitaufregung. Ein bisschen Verwirrung, ein bisschen Stirnrunzeln, ein paar spontane Theorien zwischen Kinderwagen und Einkaufsbeutel – und am Ende wahrscheinlich einfach ein Laden, der bald geschniegelt und geschniegelt wieder dasteht, als wäre nie etwas gewesen. Außer natürlich in den Erzählungen der Passanten. Dort war es kurz vor knapp vermutlich schon beinahe eine Zeitenwende.

Dienstag, 14. April 2026

14.4.2026: Waldbad auf Diät: Hilden startet mit halber Kraft, aber vollem Chlorgefühl in die Saison

Es gibt in Hilden derzeit genau zwei Arten von Menschen: diejenigen, die beim Anblick von blauem Wasser sofort an Sommer, Pommes und Freibadpominenz denken, und diejenigen, die rote Absperrungen sehen und innerlich schon wieder „typisch“ murmeln. Im Hildener Waldbad treffen gerade beide Gefühlslagen charmant aufeinander. Das Wasser ist bereits da, frisch, blau und derart verführerisch, dass man am liebsten im Vorbeigehen Badehose und Würde abwerfen und direkt losschwimmen würde. Leider funkt die Realität dazwischen – in Form von Absperrungen, Renovierungsarbeiten und einem Fachkräftemangel, der inzwischen offenbar sogar dem Freibad die Laune verdirbt.

Am 11. Mai soll die Saison losgehen, was erstmal nach einer guten Nachricht klingt. Endlich wieder Freibad, endlich wieder das kollektive Gefühl, dass 19 Grad Außentemperatur völlig ausreichen, um so zu tun, als sei man in Rimini. Doch bevor der erste elegante Kopfsprung die Wasseroberfläche küsst und der erste Vater in Badeschlappen seine Familie militärisch Richtung Liegewiese kommandiert, wird im Waldbad noch ordentlich gewerkelt. Petar Dimovski verfugt frisch gelegte Fliesen, und allein dieses Wort – „verfugen“ – klingt schon so, als würde hier mit größter deutscher Gründlichkeit der Sommer zusammengebaut. Zweieinhalb Monate dauert die „Auswinterung“ des Freibads, was ungefähr so romantisch klingt wie Frühjahrsputz im Kühlhaus, aber offenbar nötig ist, damit später alle wieder mit nassen Füßen über perfekt instand gesetzte Flächen tapsen können.

Das Problem ist nur: Ein schönes Bad allein reicht nicht, wenn niemand da ist, der aufpasst, dass Kevin nicht mit einer Arschbombe aus drei Metern den halben Beckenrand flutet. Es fehlt an Personal, und zwar nicht zu knapp. Rettungsschwimmer und Fachkräfte werden händeringend gesucht. Man stellt sich dieses „händeringend“ automatisch sehr dramatisch vor: irgendwo am Beckenrand steht jemand mit Trillerpfeife, blickt gen Himmel und ruft: „Gibt es denn niemanden mehr, der Bronze, Silber und Autorität besitzt?“ Offenbar ist genau das die Lage. Das Waldbad muss deshalb mit verkürzten Öffnungszeiten in die Saison starten. Der Sommer in Hilden wird also ein bisschen wie ein guter Serienstart mit zu wenigen Folgen: viel Vorfreude, schönes Setting, aber man hätte gern etwas mehr davon.

Trotzdem sollte man die Sache positiv sehen. Erstens: Das Sprungbecken ist schon fertig, was beweist, dass in Hilden zumindest theoretisch bald wieder Menschen sehr mutig wirken können, bevor sie beim Eintritt ins Wasser alle Eleganz verlieren. Zweitens: Das Bad öffnet überhaupt. In Zeiten, in denen man bei jeder Nachricht aus Infrastruktur und öffentlichem Leben mit einem leichten Zucken reagiert, ist das schon fast Grund zum Feiern. Und drittens: Vielleicht führt der Personalmangel ja zu ganz neuen Freibad-Disziplinen. „Synchronisiertes Früherschließen“ etwa. Oder „100 Meter Kraulen, bevor der Laden wieder zumacht“.

Das Hildener Waldbad bleibt damit ein wunderbares Symbol für den deutschen Sommer 2026: alles ist grundsätzlich da – Wasser, Fliesen, Hoffnung –, aber irgendwo fehlt noch Personal, Zeit oder beides. Doch genau das macht Freibäder ja so liebenswert. Sie sind nie perfekt, aber immer ein Versprechen. Auf Chlor in den Haaren, Pommes in der Pappschale und dieses ganz besondere Gefühl, dass ein freier Nachmittag im Freibad immer ein kleines bisschen nach Ferien schmeckt. Hilden muss sich also noch ein wenig gedulden. Aber wenn die Saison dann losgeht, werden die ersten Bahnen vermutlich mit einer Mischung aus Freude, Triumph und leichter Genervtheit geschwommen. Also eigentlich ganz normal.

Montag, 13. April 2026

13.4.2026: Hilden auf Crashkurs – leider nicht nur im übertragenen Sinne

Es gibt Städte, die führen bei Kultur, Lebensqualität oder Eisdielen-Dichte. Und dann gibt es Hilden, das aktuell im Kreis Mettmann bei einer Kategorie vorne liegt, auf die wirklich niemand stolz sein möchte: der Verunglücktenhäufigkeitszahl. Die klingt schon so unerquicklich, wie sie ist, und noch unerquicklich­er wird es, wenn man liest, dass sie in Hilden im Vergleich zum Vorjahr um satte 31,7 Prozent auf 490 gestiegen ist. Anders gesagt: Hilden hat sich im Ranking der Unfälle nicht gerade mit angezogener Handbremse nach oben gearbeitet.

Besonders unerquicklich ist dabei, dass auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 22 Prozent gestiegen ist. Das ist keine kleine statistische Delle, das ist eine ziemlich deutliche Warnblinkanlage in Zahlenform. Während man sich an anderer Stelle gern mit Rekorden schmückt, wäre dies nun wirklich der Moment, in dem die Stadt kollektiv sagen dürfte: Danke, darauf hätten wir verzichten können.

Auffällig ist außerdem, dass in Hilden Senioren die größte Altersgruppe der Verunglückten bilden. Das macht die Sache noch ernster, denn hier geht es eben nicht nur um Blech, Kratzer und genervte Versicherungsformulare, sondern um Menschen, die im Straßenverkehr besonders verletzlich sein können. In Haan wiederum sind es die Kinder, die als besonders gefährdet genannt werden. Das liest sich wie eine kleine regionale Aufteilung des schlechten Gewissens: hier die Älteren, dort die Jüngeren – und dazwischen die bittere Erkenntnis, dass im Verkehr offenbar sehr viel weniger Rücksicht unterwegs ist, als man sich wünschen würde.

Natürlich sind Zahlen allein noch keine vollständige Geschichte. Sie sagen nicht, ob es an dichtem Verkehr liegt, an Unachtsamkeit, an riskanten Kreuzungen, an zu wenig Übersicht oder daran, dass manche Menschen ein Auto immer noch für eine Mischung aus Fortbewegungsmittel und persönlichem Vorfahrtsanspruch halten. Aber die Entwicklung zeigt klar: In Hilden ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Und wenn eine Stadt im Kreis plötzlich als Unfallschwerpunkt heraussticht, dann ist das ungefähr der denkbar unerquicklichste Weg, auf sich aufmerksam zu machen.

Man kann nur hoffen, dass diese Statistik nicht einfach als unschöne Zahlensammlung abgeheftet wird, sondern als deutlicher Hinweis verstanden wird. Denn Verkehrssicherheit ist ja keine trockene Verwaltungsvokabel, sondern am Ende genau das, was darüber entscheidet, ob Menschen sicher zu Fuß, mit dem Rad, im Auto oder mit dem Rollator durch den Alltag kommen. Oder eben nicht.

Hilden steht damit unfreiwillig an der Spitze – und zwar in einer Disziplin, bei der wirklich jeder lieber Letzter wäre.

Sonntag, 12. April 2026

12.4.2026: Hilden rennt – aber die Bahn macht schlapp

In Hilden gibt es eine Laufbahn, die schon vieles gesehen hat: ehrgeizige Sportabzeichen-Aspiranten, fliegende Hildanuslauf-Schuhe, Schulklassen in unterschiedlichen Motivationszuständen und wahrscheinlich auch so manchen Menschen, der sich beim ersten Sprint fest vorgenommen hat, ab sofort „wieder regelmäßig was zu machen“. Die Tartanbahn am Bandsbusch ist also nicht irgendein roter Kreis mit Linien, sondern ein echtes Arbeitstier des Hildener Sports. Genau das ist nun allerdings auch ihr Problem: Wer jahrzehntelang zuverlässig für alle da ist, sieht irgendwann eben nicht mehr taufrisch aus. Und so hat die Stadt jetzt offiziell festgestellt, was vermutlich jeder geübte Blick längst ahnte: Die Bahn ist stark beschädigt, die Entwässerung unzureichend und normgerecht ist das Ganze auch nicht mehr. Anders gesagt: Selbst die Laufbahn hätte inzwischen wohl gute Gründe, sich mal krankzumelden.

Dabei begann alles einst mit einem kleinen sportästhetischen Traum. Der frühere Sportdezernent Reinhard Gatzke stellte sich für das Stadion am Bandsbusch eine blaue Laufbahn vor, inspiriert vom Berliner Olympiastadion. Man merkt: Auch in der Kommunalpolitik gibt es gelegentlich Momente, in denen das Herz kurz vor dem Taschenrechner gewinnt. Am Ende setzte sich dann aber doch die sachliche Lösung durch, was sehr deutsch ist und in diesem Fall wohl auch günstiger. So wurde die Bezirkssportanlage zum sportlichen Mittelpunkt in Hilden, unter anderem als Leistungsstützpunkt der LG Hilden. Heute steht weniger die Farbe im Mittelpunkt als vielmehr die Tatsache, dass die Bahn inzwischen so deutlich in die Jahre gekommen ist, dass man fast erwarten könnte, sie erzählt beim Vorbeilaufen von früher.

Genutzt wird sie jedenfalls reichlich. Schul- und Vereinssport, Leichtathletik-Wettbewerbe, Sportfeste der Förderschulen, Hildanuslauf, Sportabzeichen und sogar das „Laufen unter Flutlicht“ – diese Bahn ist im Grunde die Mehrzweckhalle unter den Freiluftanlagen. Dazu kommen noch Bürgerinnen und Bürger, die sie einfach fürs informelle Sporttreiben nutzen. Allein dieses Wort ist wunderbar. Informelles Sporttreiben klingt ein bisschen so, als würde man geschniegelt mit Stoppuhr und Clipboard erscheinen, meint aber im Grunde: Menschen laufen dort einfach, weil sie Lust haben, fitter zu sein oder sich nach dem dritten Stück Kuchen kurz selbst beeindrucken möchten.

Nun soll also 2027 die komplette Erneuerung kommen. Und komplett heißt hier wirklich komplett: Belag, Einfassungen, Barrieren und eine normgerechte Entwässerung. Die Bahn bekommt damit gewissermaßen keine Schönheitskur, sondern eine Rundum-Verjüngung, wie man sie sonst nur von Prominenten oder Altbauküchen kennt. Veranschlagt werden dafür rund 1,5 Millionen Euro. Das ist die Art Summe, bei der man als normaler Mensch kurz innehält und denkt, dass man für deutlich weniger Geld schon sehr viele Sportschuhe kaufen könnte. Aber gut, die halten dann auch keine ganze Stadt aus.

Ursprünglich sollte in einem Aufwasch auch noch das angrenzende Kleinspielfeld saniert werden, für rund 316.000 Euro. Doch nun soll der Rat erst einmal nur über die Tartanbahn entscheiden. Auch das wirkt vertraut: Wenn es ernst wird, muss man Prioritäten setzen. Erst die Laufbahn, dann der Rest. Ausschreibung im zweiten Quartal 2026, Umsetzung im ersten Halbjahr 2027 – wetterabhängig natürlich, denn selbst bei bester Planung bleibt der deutsche Baukalender in einer komplizierten Beziehung zum Himmel.

Immerhin bleibt die Anlage in diesem Jahr durchgehend nutzbar. Das ist die gute Nachricht für alle, die weiterhin Runden drehen, Punkte fürs Sportabzeichen sammeln oder beim Hildanuslauf nicht nur mitlaufen, sondern auch ankommen möchten. Und vielleicht gibt es ja sogar Fördergeld. Die Sanierung wurde für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gemeldet, bei dem der Bund sich mit bis zu 45 Prozent beteiligen kann. Der Rest bleibt bei der Kommune, was in etwa der finanzpolitischen Version von „Wir helfen gern, aber ganz allein machen wir’s auch nicht“ entspricht.

Am Ende ist diese Geschichte eigentlich sehr Hilden: eine viel genutzte Sportanlage, eine marode Bahn, ein millionenschweres Sanierungsprojekt und die Hoffnung, dass am Schluss wieder alles rund läuft – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tartanbahn am Bandsbusch bekommt also bald ihre zweite Luft. Und das ist auch gut so. Denn wenn in einer Stadt schon alle immer wieder zum Laufen motiviert werden, sollte wenigstens der Untergrund nicht aussehen, als hätte er selbst gerade keine Kraft mehr.