Freitag, 6. März 2026

6.3.2026: Kik bleibt, Tedi zieht um, Euroshop geht – und Hilden fragt sich: Wer zieht als Nächstes ein?

Hilden hat gerade so eine Phase, in der man beim Stadtbummel nicht mehr „Oh, guck mal, was Neues!“ sagt, sondern eher „Oh… guck mal, schon wieder *nichts*.“ Besonders „Am Kronengarten“ fühlt es sich an, als hätte jemand im Einzelhandel Monopoly gespielt und plötzlich beschlossen: „Ich kauf jetzt nichts mehr, ich park nur noch auf Feldern.“ Da ist erst Kodi weg, dann Tedi umgezogen, das alte Tedi-Lokal steht rum wie ein vergessenes Überraschungsei ohne Überraschung – und jetzt schwappt die Nachricht rein, dass Kik europaweit 50 Filialen schließen will. In Hilden löst das ungefähr den gleichen Reflex aus wie wenn dein Handy auf 3% fällt und du *plötzlich* feststellst, wie sehr du es liebst.

Die gute Nachricht: Der Kik am Kronengarten gehört laut Aussage aus dem Laden offenbar nicht zu den Kandidaten fürs große Stühlerücken. „Wir gehören nicht dazu“, heißt es sinngemäß – was in Hilden gerade vermutlich als offizielles Gütesiegel durchgeht. So nach dem Motto: „Noch da? Super! Dann bist du quasi schon Standortfaktor.“ Und die Zentrale in Bönen gibt sich diplomatisch: Man könne aktuell nicht auf einzelne Standorte eingehen. Das ist die Kommunikationsvariante von „Wir haben die Liste, aber wir halten sie wie ein Zauberer seinen Hut: Bitte nicht reingucken.“ Gleichzeitig wird beruhigt, Mitarbeitende müssten sich keine Sorgen machen, weil man sie im dichten Filialnetz oft weiterbeschäftigen könne. Klingt ein bisschen wie: „Wenn dein Bus ausfällt, kommt bestimmt irgendwann ein anderer. Vielleicht. Irgendwo.“

Und doch hängt über allem diese Frage, die früher nur in Luxusmagazinen vorkam und jetzt in der Discounter-Realität angekommen ist: Sind die fetten Jahre vorbei? Diese Non-Food-Ketten wurden ja lange belächelt, bis man plötzlich merkte, dass sie in vielen Innenstädten die letzten Läden sind, in denen man noch *tatsächlich* reingeht, statt nur vorbeizugehen und „Ach, schade“ zu murmeln. Erst verschwanden die inhabergeführten Geschäfte, dann kamen die Frequenzbringer – und jetzt merken auch die Frequenzbringer, dass Frequenz allein keine Miete bezahlt. Inflation, Kaufzurückhaltung, Lieferketten, Wettbewerb – die ganze Bingo-Karte der Gegenwart. Kik formuliert das sogar fast philosophisch und erklärt, man demokratisiere Konsum und ermögliche gesellschaftliche Teilhabe durch günstige, robuste Produkte. Das ist im Kern: „Wir verkaufen Sachen, die sich viele leisten können“ – nur eben mit einem Unterton von „Wir sind auch ein bisschen Sozialpolitik, nur mit Socken und Deko-Hirschen.“

Währenddessen passiert im Rathaus-Center das, was in sozialen Medien zuverlässig für kollektives Stirnrunzeln sorgt: Der Euroshop ist geschlossen. Das ehemalige Volksbank-Lokal steht leer, und die Suche nach einem Nachnutzer klingt nach einem Hildener Casting-Format: Man wünscht sich etwas Hochwertiges, vielleicht Second-Hand mit Stil oder ein Outlet – aber auf der Bühne stehen vor allem Döner-Läden und Barber-Shops und winken enthusiastisch. „Nicht unbedingt die Traum-Kandidaten“, heißt es. Was höflich ist und gleichzeitig sehr nach: „Wir würden gern ‘Das perfekte Geschäft’ drehen, aber gerade bewirbt sich ‘Deutschland sucht den nächsten Drehspieß’.“ Gastronomie ginge auch, aber dann kommen Umbaukosten, und plötzlich merkt man: Eine leere Fläche ist billig, ein belebter Traum ist teuer.

Und weil Hilden natürlich nicht nur Abschiede kann, sondern auch Wünsche, wird regelmäßig ein Name beschworen wie ein Einzelhandels-Mantra: Action. In den sozialen Medien wird Action so herbeigesehnt, als würde dort nicht Non-Food verkauft, sondern Hoffnung in Aktionswochen. Action antwortet allerdings typisch seriös: aktuell keine Filiale in Hilden geplant, aber man suche immer geeignete Standorte. Übersetzt: „Sag niemals nie, aber bitte schick uns erst mal 700 Quadratmeter auf einer Ebene, gute Erreichbarkeit und Parkplätze, als wären wir ein Freizeitpark.“ Und da wird’s spannend, denn selbst der größte aktuelle Leerstand in der Innenstadt – das ehemalige Depot an der Mittelstraße – hat mit gut 453 Quadratmetern so ungefähr die Ausstrahlung von: „Ich bin groß, aber nicht *Action-groß*.“ Zum Vergleich: Der neue Tedi-Standort am Kronengarten hat über 1500 Quadratmeter. Da kannst du dich drin verlaufen und am Ende mit drei Kerzen, einem Teppich und einem Schwangerschaftstest wieder rauskommen, ohne zu wissen, wie das passiert ist.

Apropos Kronengarten: Dort steht das alte Tedi-Lokal mit rund 370 Quadratmetern weiter leer, aber immerhin gibt es Gespräche mit mehreren Interessenten. Der Eigentümer hat den Kreis bewusst ausgeweitet – was nach „Wir nehmen jetzt auch Dinge, die nicht nach Deko-Regal aussehen“ klingt. Genannt werden Mode und Versicherungen. Das ist eine Kombination, die irgendwie perfekt zu Leerständen passt: Erst kleidest du dich für die Innenstadt, dann versicherst du dich gegen ihre Entwicklung. Umbauarbeiten seien wohl nötig, deswegen könne man keinen Zeitpunkt nennen. Das ist die klassische Innenstadt-Uhr: Sie tickt nicht in Tagen, sondern in „sobald wir was Belastbares sagen können“.

Unterm Strich wirkt Hilden gerade wie eine Stadt, die sich in Echtzeit neu sortiert – zwischen dem Wunsch nach Vielfalt und der Realität von Quadratmetern, Parkplätzen und Umbaukosten. Kik bleibt erst mal, Action bleibt vorerst ein Wunschzettelpunkt, Euroshop ist weg, und jede leere Fläche ist eine offene Frage. Und wenn man ganz ehrlich ist: Vielleicht sind die fetten Jahre nicht vorbei – sie haben nur den Laden gewechselt und stehen jetzt irgendwo in Haan im Schlussverkauf.

Donnerstag, 5. März 2026

5.3.2026: Kaffee mit Presslufthammer – Hildens Alter Markt macht sich weihnachtsfest (im März!)

Man stellt sich das ja romantisch vor: Blauer Himmel, die Sonne macht auf „Frühling deluxe“, und man sitzt auf dem Alten Markt in Hilden mit einem Kaffee, als wäre man Statist in einer Wohlfühlwerbung für Milchschaum. Und dann – *Rrrrrratterratter* – rollt die Realität in Form von Baumaschinen direkt zwischen die Außenterrassen. Wer jetzt denkt, „Aha, Hilden baut wieder an der großen Untergrund-U-Bahn zum Elbsee“, liegt knapp daneben. Der wahre Grund ist viel bodenständiger – und gleichzeitig maximal deutsch: Es geht um Strom. Und zwar für Weihnachten.

Ja, richtig gelesen. Während andere Städte im März höchstens den ersten Spargel feiern oder sich darüber streiten, ob das jetzt noch Jackenwetter ist, denkt Hilden bereits an den Weihnachtsbaum. Denn die Stadt lässt an der öffentlichen Beleuchtung arbeiten, damit es für den Weihnachtsbaum (und die „Alte Eiche“, die offenbar ebenfalls einen sehr ernstzunehmenden Lichtbedarf hat) eine *dauerhafte und verkehrssichere Stromversorgung* gibt. Verkehrssicher! Damit niemand im Advent im Dunkeln aus Versehen in den Glühwein stolpert oder der Weihnachtsbaum plötzlich auf „Kerzenlicht-Analogbetrieb“ umschalten muss.

Und weil das alles natürlich nicht einfach mit einem Verlängerungskabel aus dem nächsten Café erledigt werden darf (wir sind hier schließlich nicht beim Festivalaufbau), wird gebuddelt. Tiefbau, Anschlussarbeiten, das volle Programm. Allerdings nicht irgendwann, sondern jetzt, Anfang März – witterungsbedingt. Übersetzt heißt das: Der Boden ist endlich in einem Zustand, in dem man ihn fachgerecht aufreißen kann, ohne dass er sich beleidigt zurückzieht oder wieder zufriert, sobald jemand „Schacht“ sagt. Das Timing ist also weniger „Wir sprengen die Terrasse“, sondern eher „Jetzt geht’s technisch, bevor der Boden wieder meint, er sei Beton“.

Die gute Nachricht: Das Ganze soll voraussichtlich ein bis maximal zwei Wochen dauern. Also ungefähr so lange, wie man braucht, um sich an das neue Geräuschprofil seines Lieblingsplatzes zu gewöhnen: Espresso, Vogelgezwitscher, Baggerpiepsen. Und man muss es auch positiv sehen: Wo sonst bekommt man zum Cappuccino eine Live-Vorführung in kommunaler Infrastrukturpflege? Andere zahlen Eintritt fürs Technikmuseum – in Hilden sitzt man einfach draußen und schaut zu, wie Weihnachten vorbereitet wird, während der Frühling noch versucht, seine Jacke auszuziehen.

Am Ende ist es doch irgendwie tröstlich: Da wird nicht gebaut, weil irgendwer „mal eben“ was verschlimmbessern will, sondern damit der Weihnachtsbaum später geschniegelt und strahlend dasteht, ohne dass irgendwo ein Kabel quer über den Markt liegt wie ein schlecht gelaunter Christbaumschmuck. Hilden macht das, was Hilden kann: früh dran sein, solide, mit Plan – und dabei ganz nebenbei den schönsten Kaffeeplatz der Stadt für kurze Zeit in eine Mischung aus Outdoor-Lounge und Baustellen-Safari verwandeln.

Also: Wer jetzt auf dem Alten Markt sitzt, kann sich beruhigt zurücklehnen. Das ist kein Dauerzustand, das ist Weihnachtsvorfreude mit Bagger. Und wenn im Dezember dann alles leuchtet, kann man sagen: „Ich war dabei. Damals, als Weihnachten in Hilden im März angefangen hat.“

Mittwoch, 4. März 2026

4.3.2026: Bahnsteig-Bingo in Hilden, Haan und Gruiten: „Ordentlich“, „Verbesserungswürdig“ und einmal „Bitte wenden!“

Es gibt Dinge, die kommen verlässlich wieder: der Frühling, die Mücken, die erste Person im Freundeskreis, die „Dieses Jahr mache ich wirklich mehr Sport“ sagt – und der VRR-Stationsbericht. Zum 19. Mal zieht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr los, schaut sich 296 Bahnhöfe an und verteilt Noten wie ein strenger Klassenlehrer mit Klemmbrett und leichtem Stirnrunzeln. Und während Hilden, Hilden Süd und Haan so durch den Alltag wackeln wie ein Einkaufswagen mit schiefem Rad („läuft schon irgendwie“), hat Gruiten offenbar beschlossen, beim Wettbewerb „Wie viele Baustellen braucht ein Bahnhof für ein echtes Abenteuergefühl?“ ganz vorne mitzumischen.

Fangen wir mit der Gesamtbewertung an, denn die liest sich wie ein Familienfest, bei dem alle irgendwie durchkommen – außer Onkel Gruiten, der nach dem dritten Schnaps anfängt, die Tischdecke anzuzünden. Hilden Süd bekommt ein „ordentlich“, Hilden und Haan ein „verbesserungswürdig“ (das ist die freundliche Version von „da ist Luft, und zwar viel“), aber Gruiten wird von den Testern kurzerhand als „nicht tolerierbar“ eingestuft. Nicht tolerierbar! Das ist die Note, bei der man nicht mehr sagt „Da muss man mal ran“, sondern „Wer hat hier eigentlich das Licht ausgemacht – und warum fehlt die Barrierefreiheit gleich mit?“

Apropos Licht: Der Bericht hat extra in der dunkleren Jahreszeit (Oktober bis Dezember) auf die Beleuchtung geschaut, also genau dann, wenn Bahnhöfe wahlweise „romantisch“ oder „Thriller-Vorspann“ wirken können. Bei Hilden, Hilden Süd und Haan: keine besonderen Einträge. Man könnte sagen, dort leuchtet es zumindest so, dass man nicht versehentlich seinen eigenen Schatten wegen Herumlungerns melden muss. Gruiten dagegen kommt mit dem herrlich beruhigenden Satz daher: „zehn defekte Beleuchtungskörper auf den Bahnsteigen“. Zehn. Das ist nicht „eine Lampe flackert“, das ist „hier spielt gleich jemand Verstecken mit Sicherheitsgefühl – und gewinnt“.

Und trotzdem: Gruiten ist offenbar beliebt. Denn bei den Fahrgastzahlen liegt Hilden zwar knapp vorne (2732), aber Gruiten klebt dicht dahinter (2677). Das bedeutet im Klartext: Viele Menschen haben täglich das Bedürfnis, genau dort ein- oder auszusteigen – trotz „nicht tolerierbar“, trotz Baustellencharme, trotz Lampensterben. Das ist rheinische Treue. Oder der Beweis, dass Pendler eine ganz eigene Form von Resilienz entwickelt haben: „Ja, es ist dunkel, ja, es ist unerquicklich, aber die Bahn fährt… manchmal… und außerdem bin ich Gewohnheitstier.“

Die Aufenthaltsqualität ist übrigens bei allen vier Stationen „verbesserungswürdig“. Das klingt erst mal fair, weil sich niemand ausgeschlossen fühlt – wie ein Trostpreis auf dem Schützenfest. Dabei steckt in dieser Kategorie alles drin, was Bahnhöfe so besonders macht: Graffiti, Müll, Verschmutzung, Gerüche, Feuchtigkeit, Pfützen, Schäden und sogar herumliegendes Herbstlaub. Herbstlaub! Das ist das Bahnsteig-Äquivalent zu „Da liegt noch die Weihnachtsdeko von 2018“. Man weiß nicht, ob man schmunzeln oder direkt einen Laubbläser bei der DB abgeben soll.

Spannend ist auch die Methodik: Der VRR bewertet „ganzheitlich“. Das ist ein schönes Wort, weil es klingt, als würden Bahnhöfe Yoga machen und zu sich selbst finden. Bedeutet aber schlicht: Es ist egal, wer zuständig ist – kaputt ist kaputt, und der Bahnhof bekommt die Note. Ob der Fahrkartenautomat dem Vertriebspartner gehört, die Wand der Stadt oder die Pfütze einer höheren Macht: Im Bericht landet alles im selben Topf. Und ganz ehrlich: Das ist auch irgendwie tröstlich. Endlich mal ein Dokument, das sagt: „Eure Ausreden interessieren uns nicht. Wir sehen nur: nass, dreckig, dunkel.“

Bei der Barrierefreiheit gibt es dann die nächste kleine Notenrevue. Die beiden Hildener Stationen schaffen immerhin „zufriedenstellend“ – das ist die Schulnote, bei der Eltern sagen: „Hauptsache versetzt.“ Haan landet in dieser Kategorie unten bei „nicht tolerierbar“, also quasi: „Rollstuhl? Kinderwagen? Viel Glück und möge der Gleisgeist mit dir sein.“ Und Gruiten… nun ja, Gruiten ist in dieser Geschichte ohnehin der Charakter, der in jedem Kapitel neue Probleme aus dem Hut zaubert.

Immerhin gibt es auch Positives: Bei den Fahrgastinformationen holen sich Hilden Süd und Haan ein „hervorragend“. Das heißt: Während man vielleicht noch über Pfützen hüpft oder an Herbstlaub vorbeischleicht, wird man dabei zumindest hervorragend darüber informiert, dass der Zug Verspätung hat. Das ist Service auf deutschem Spitzenniveau: Die Realität ist schwierig, aber die Durchsage ist kristallklar.

Und dann ist da noch der Elefant im Wartehäuschen: die Baustellen. Die Umbauarbeiten in Haan und Gruiten haben endlich begonnen. Endlich! Wie lange hat man darauf gewartet? So lange, dass man in Gruiten vermutlich schon Traditionen entwickelt hat wie „jährliches Lampenausfall-Fest“ oder „Barrierefreiheits-Phantasietage“. Dazu passt, dass der VRR wegen der Streckensperrung der S1 (Düsseldorf-Oberbilk bis Solingen Hbf, Mai bis November 2025) Hilden und Hilden Süd zeitweise nicht bewertet hat. Was auch irgendwie nett ist: Wenn man nicht hingucken kann, sieht alles gleich besser aus.

Unterm Strich bleibt: Hilden, Hilden Süd und Haan sind die Bahnhöfe, bei denen man sagt „Da könnte man mal was machen“, Gruiten ist der Bahnhof, bei dem man sagt „Wir machen jetzt was – sofort – und bringen gleich noch zehn Glühbirnen mit.“ Und wenn der nächste Stationsbericht erscheint, wird er zeigen, ob aus „nicht tolerierbar“ vielleicht ein „verbesserungswürdig“ geworden ist. Und das wäre in Bahnhofs-Deutsch schon fast „Weltklasse“.

Dienstag, 3. März 2026

3.3.2026: Wenn Hilden zum größten Chor ohne Proben wird

Manchmal passieren in Nordrhein-Westfalen Dinge, die klingen erst wie ein Tippfehler und entpuppen sich dann als Kulturgut: RUDELSINGEN kommt nach Hilden. Ja, richtig gelesen. Nicht „Rudelgucken“, nicht „Rudelgrillen“, nicht „Rudelparken-im-Haltestellenbereich“, sondern SINGEN. Gemeinsam. Mit anderen Menschen. In einem Raum. Und das Ganze sogar ohne, dass vorher jemand eine WhatsApp-Gruppe mit 47 Nachrichten pro Minute eröffnet.

Das „Original RUDELSINGEN“ – seit 2011 unterwegs, geboren in Münster, also quasi mit amtlich beglaubigtem NRW-Charme – zieht endlich in die Stadthalle Hilden ein. Und das Prinzip ist so herrlich simpel, dass man sich fragt, warum wir das nicht längst überall machen: Zwei Musiker:innen begleiten live, die Texte werden per Beamer an die Wand geworfen, und plötzlich verwandelt sich ein ganz normaler Mittwochabend in ein Konzert, bei dem das Publikum gleichzeitig Headliner ist. Das ist wie Karaoke, nur ohne die stille Panik, dass gleich jemand filmt, und ohne den einen Kollegen, der „Wonderwall“ für einen Persönlichkeitstest hält.

Das Repertoire ist dabei so bunt gemischt, dass man sich innerlich schon mal warm anziehen kann: Schlager, Rock, aktuelle Radiohits, Evergreens – quasi die musikalische Version von „Wir nehmen einmal alles“. Und weil jeder Abend „einzigartig“ ist, darf man sich vorstellen, wie in einem Moment Robbie Williams durch den Raum schwebt, im nächsten Herbert Grönemeyer die Emotionen sortiert und danach Die Toten Hosen und Die Ärzte gemeinsam dafür sorgen, dass plötzlich alle sehr überzeugt „das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ wirken – selbst wenn man eigentlich nur „irgendwas mit Oh-oh-oh“ mitsingt.

Besonders schön: Das Ganze ist nicht irgendein Termin, sondern die *Premiere* – das 1. Hildener RUDELSINGEN. Premiere bedeutet bekanntlich: Alle sind ein bisschen aufgeregt, keiner weiß genau, wie laut man sein darf, und am Ende erzählt jede Person, sie hätte „eigentlich gar nicht so eine Singstimme“, während sie schon beim Rausgehen die nächste Strophe anstimmt. Das ist Gesetz.

Stattfinden soll das Spektakel in der Stadthalle Hilden am Fritz-Gressard-Platz 1, am 18.03.2026 um 19:30 Uhr. Ticketpreis ab 15 Euro – also ungefähr der Betrag, den man sonst für einen Abend ausgibt, an dem man „nur kurz“ was trinken geht und dann plötzlich mit einer Quittung nach Hause kommt, die aussieht wie ein kleines Buchprojekt. Hier bekommt man für sein Geld immerhin ein Konzerterlebnis, bei dem man selbst Teil des Chors ist – ohne Proben, ohne Noten, ohne jemanden, der „von vorne!“ ruft, wenn man gerade endlich im Flow war.

Und wenn man sich jetzt fragt, ob das was für einen ist: Ja. Wahrscheinlich schon. Denn RUDELSINGEN ist im Kern das, was wir alle heimlich brauchen: eine Gelegenheit, laut mitzusingen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ein Abend, an dem man ganz offiziell das tun darf, was man sonst nur im Auto macht, wenn die Ampel rot ist und man kurz hofft, dass niemand rüberschaut. In Hilden wird das jetzt zur Veranstaltung – und das ist irgendwie tröstlich. Fast so, als hätte das Leben gesagt: „Komm, wir machen’s heute mal leicht. Du musst nur auftauchen und den Rest übernimmt das Rudel.“

Also: Stimme ölen, Lieblings-Evergreen innerlich bereitlegen, und bitte nicht wundern, wenn man danach merkt, dass man gar nicht heiser ist – sondern einfach nur glücklich.

Montag, 2. März 2026

2.3.2026: Hilden, Haan und der Februar: Wenn Zahlen plötzlich gute Laune haben

Februar ist ja traditionell der Monat, in dem der Himmel so grau ist, dass selbst die Tauben leise um Entschuldigung gurren, und man morgens beim Blick aus dem Fenster kurz überlegt, ob man nicht einfach im Bett bleiben und „wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ murmeln sollte, bis es wieder März ist. Und genau in diese Jahreszeit platzt nun der neue Arbeitsmarktbericht wie ein unerwartet freundlicher Nachbar, der nicht nur „Moin“ sagt, sondern auch noch die Mülltonne reinholt: Kreisweit stagniert die Arbeitslosigkeit – aber Hilden und Haan? Die machen einfach mal das Gegenteil und sinken. Einfach so. Als hätten die Zahlen beschlossen, ein bisschen rheinischen Frohsinn zu üben.

Während der Kreis Mettmann bei 7,3 Prozent bleibt und damit so unbeweglich wirkt wie ein Wartezimmerstuhl, zeigt Hilden eine Quote von 6,4 Prozent – und Haan sogar 6,2 Prozent. Das sind Werte, bei denen man fast erwartet, dass jemand auf dem Marktplatz Konfetti verteilt und ruft: „Leute, wir sind offiziell besser als der Durchschnitt!“ (Was im Rheinland ja ohnehin eine Art Volkssport ist: „Besser als der Kreis“ klingt ungefähr so zufrieden wie „Parkplatz direkt vor der Bäckerei“.)

Natürlich kommt so ein Bericht nicht ohne die obligatorische Portion Realität: Der Chef der Arbeitsagentur, Karl Tymister, sagt, der Arbeitsmarkt sei trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stabil. Das ist die amtliche Formulierung für: „Es ist nicht alles super, aber es brennt auch nicht.“ Besonders charmant ist dabei der Februar-Klassiker: Jugendarbeitslosigkeit steigt. Nicht, weil plötzlich alle jungen Menschen kollektiv beschlossen hätten, lieber professionelle Sofa-Tester zu werden, sondern weil viele Ausbildungen enden und nicht alle sofort übernommen werden. Dann meldet man sich eben kurz arbeitslos – so eine Art Zwischenstopp, wie wenn man beim Umsteigen am Düsseldorfer Hauptbahnhof steht und sich fragt, ob man jemals wieder Tageslicht sehen wird.

Gleichzeitig bleibt die Dynamik hoch: Rund 1000 Menschen pro Monat finden aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder eine Beschäftigung. Das ist eine Zahl, die man sich bildlich vorstellen muss: ein ständiges Kommen und Gehen, als wäre der Arbeitsmarkt eine große Drehtür, nur dass drinnen nicht „Bitte nicht drängeln“ steht, sondern „Fachkräfte gesucht“. Denn ja: Besonders im Gesundheitsbereich fehlen Leute. 286 offene Stellen, 6,7 Prozent mehr als im Vormonat – das klingt, als hätte jemand die „Wir brauchen dringend Verstärkung“-Taste aus Versehen auf Dauerbetrieb gestellt. Und irgendwo sitzt eine Pflegekraft, schaut auf diese Zahl und denkt: „Aha. Interessant. Ich hätte da eine Idee, wie man das löst: mehr Menschen, weniger Burnout, danke.“

Und wie sieht’s konkret vor Ort aus? In Hilden sind aktuell 2006 Menschen arbeitslos – drei mehr als im Januar, aber 100 weniger als vor einem Jahr. Drei mehr ist so eine Veränderung, die man sonst eher bei Keksdosen bemerkt („Huch, waren da nicht gestern noch drei drin?“). Haan steht bei 1012 Arbeitslosen, zehn weniger als im Januar und 76 weniger als vor einem Jahr. Das ist schon eher die Sorte Zahl, bei der man kurz nickt und sagt: „Läuft.“ Außerdem meldeten die Arbeitgeber aus Haan und Hilden im Februar 115 neue Arbeitsstellen. Insgesamt sind in der Geschäftsstelle Hilden 507 freie Stellen gemeldet. Und jetzt kommt die rheinische Pointe: Im Vergleich zum Vorjahr sind das gerade mal vier Stellen weniger. Vier! Das ist keine Veränderung, das ist ein Zahlenschnipsel, der vom Wind verweht werden könnte.

Am Ende bleibt das Gefühl: Der Februar kann nicht nur Nieselregen, sondern auch Stabilität mit leichtem Aufwärtsschwung. Hilden und Haan stehen ein bisschen besser da als der Rest des Kreises, der Fachkräftemangel winkt freundlich (und etwas verzweifelt) aus dem Gesundheitswesen, und die jungen Menschen stolpern nach Ausbildungsende kurz durch die Statistik, bevor sie hoffentlich wieder festen Boden unter den Füßen haben. Und wenn wir dem Bericht etwas Poetisches abgewinnen wollen, dann vielleicht das: Manchmal ist „stagnieren“ schon eine gute Nachricht – und manchmal sind 6,2 Prozent einfach ein kleiner Lichtstrahl im Grau. Rheinisch eben: nicht übertreiben, aber auch nicht schlechtreden.

Sonntag, 1. März 2026

1.3.2026: Hilden, wir müssen reden: Wird der Stadtmarketing-Verein im Rathaus in den Pausenmodus geschaltet?

Man kennt das ja: Da will man gemeinsam „Zukunft gestalten“ – und am Ende gestaltet einer die Zukunft, während der andere draußen steht und sich fragt, ob die Einladung vielleicht in den falschen Briefkasten gefallen ist. Genau dieses Gefühl scheint gerade durch Hilden zu wehen wie ein etwas zu ambitionierter Citymarketing-Flyer bei Windstärke 6: Der Stadtmarketing-Verein fühlt sich vom Rathaus ausgebremst. Und wenn man sich die Geschichte anschaut, versteht man, warum da im Vorstand nicht nur der Kaffee kalt geworden ist, sondern auch die Laune.

Die große Idee klang zunächst richtig schick: Modernisierung! Seit 2024 sind die Aufgaben der früheren Stadtmarketing-GmbH komplett in die Stadtverwaltung gewandert. Citymanagement heißt das Kind jetzt, sitzt organisatorisch bei der Wirtschaftsförderung und soll alles bündeln, was Innenstädte heutzutage eben so brauchen: Veranstaltungen, Netzwerke, Leerstandsmanagement, ein bisschen Innenstadtentwicklung – quasi das Schweizer Taschenmesser der Fußgängerzone. Offiziell: kürzere Wege, bessere Ressourcennutzung, strategischer arbeiten. Inoffiziell klingt es ein bisschen wie: „Wir machen das jetzt mal professionell.“ Und genau da fängt es an zu knirschen, denn der Stadtmarketing-Verein existiert weiterhin – nur eben eher wie ein engagierter Beifahrer, dem man regelmäßig sagt: „Danke, aber ans Lenkrad fasse ich.“

Richtig symbolträchtig wurde es beim Zukunfts-Workshop am 22. März 2025. Der Titel: „Stadtmarketing Hilden – Zukunft gestalten“. Allein diese Formulierung hat etwas sehr Verlockendes – wie ein Buffet, zu dem man unbedingt will, weil es nach Aufbruch und Käsehäppchen riecht. Moderiert wurde das Ganze sogar vom Institut für Handelsforschung aus Köln, also von Leuten, die Innenstädte nicht nur anschauen, sondern auch ausmessen, katalogisieren und wahrscheinlich nachts von Frequenzzählungen träumen. Politikvertreter waren da, Verwaltungsleute waren da, Beiräte waren da – nur der Vorstand des Stadtmarketing-Vereins: nicht. Keine Einladung. Nada. Nicht mal ein „Wir streamen das auf Wunsch“. Und wenn man schon „Zukunft gestalten“ will, ist es unglücklich, einen Teil der Gestalter draußen im Flur warten zu lassen, als hätte man aus Versehen den falschen Doodle-Link verschickt.

Die Stadt erklärte damals sinngemäß: Das sei ein verwaltungs-politischer Strategieworkshop gewesen, erstmal intern, als Arbeitsgrundlage. Kann man so machen. Aber „intern“ ist ein dehnbarer Begriff, wenn gefühlt halb Hilden am Tisch sitzt – nur eben nicht die ehrenamtlichen Wirtschaftsvertreter, die seit Jahren genau an diesen Themen mitschrauben. Für den Verein muss sich das angefühlt haben wie ein Mannschaftsfoto, bei dem man hinterher merkt: Moment, wer hält eigentlich das Trikot?

Inhaltlich kam beim Workshop offenbar einiges heraus: vier Leitlinien für die Innenstadt, von „Bewährtes sichern“ bis „neue Formate für Jüngere und Familien“ – was in der Praxis meist bedeutet: weniger „Wir hängen ein Banner auf“ und mehr „Wir müssen Leuten einen Grund geben, überhaupt noch freiwillig in die Innenstadt zu kommen, ohne nur Pakete abzuholen“. Dazu: Aufenthaltsqualität erhöhen, Gemeinschaftsgefühl stärken. Also kurz gesagt: Hilden soll schöner werden, lebendiger, ein bisschen mehr „Ich bleib noch auf einen Kaffee“ und ein bisschen weniger „Ich war nur kurz beim Drogeriemarkt und bin dann sofort wieder ins Auto geflüchtet“.

Und die Stadt sagt auch: Es passiert ja schon was. Street-Food-Festival (mit Ausweitung), „Hilden tanzt“, Kneipentour fürs jüngere Publikum, Social-Media-Kampagnen für Handel und Wochenmarkt, digitale Angebote für Händler, Adventskalender – da ist wirklich Bewegung drin. Man könnte sagen: Es wird nicht nur geredet, es wird getanzt. Mindestens in Hilden.

Der Verein wiederum scheint nicht grundsätzlich dagegen zu sein – im Gegenteil: Vieles wird begrüßt. Aber die große Frage bleibt: Warum nicht gemeinsam? Wenn beide Seiten auf dieselben Ziele einzahlen wollen, warum läuft es dann wie zwei parallele Stadtführungen, die sich nur zufällig am Eiscafé begegnen? Besonders pikant ist dabei der Ehrenamtsfaktor. Während Citymanagement-Mitarbeiter hauptamtlich arbeiten, opfern Unternehmer Freizeit, Abende, Nerven und wahrscheinlich auch das eine oder andere Familienessen, um sich „für die Stadt“ zu engagieren. Wenn dann die Rückmeldung aus dem Rathaus nach dem Motto „Danke, wir melden uns… irgendwann“ wirkt, ist das nicht nur organisatorisch unerquicklich, sondern emotional ein echter Stimmungskiller. Wertschätzung ist eben nicht nur ein Wort aus PowerPoint-Folien, sondern das Öl im Getriebe – ohne wird’s laut, ruckelig und irgendwann bleibt man stehen.

Und da sind wir beim Kern: Stadtmarketing ist kein Projekt mit Enddatum, bei dem man am Schluss ein Band durchschneidet und alle klatschen. Es ist Dauerbetrieb. Onlinehandel, verändertes Freizeitverhalten, demografischer Wandel – die üblichen Verdächtigen, die bundesweit Innenstädte beschäftigen, sitzen auch in Hilden in der ersten Reihe und knabbern an der Laufkundschaft. Genau deshalb wäre „vereinte Kräfte“ nicht nur eine hübsche Floskel, sondern praktisch überlebenswichtig. Denn wenn Verwaltung und Wirtschaft nebeneinander her arbeiten, entstehen schnell doppelte Wege, doppelte Frustration und am Ende doppelte Presseartikel – was zwar für Content gut ist, aber für die Innenstadt weniger.

Der Bericht zur Workshop-Reihe soll am 4. März 2026 im Wirtschaftsausschuss präsentiert werden. Das ist ein Datum, das nach „Jetzt wird’s offiziell“ klingt. Vielleicht ist das auch die Chance, die Sache zu drehen: weniger „Ihr dürft gerne mitmachen, wenn wir fertig sind“ und mehr „Kommt ran, wir bauen das zusammen“. Denn wenn man schon Zukunft gestalten will, wäre es schade, wenn am Ende die Zukunft zwar hübsch beschriftet ist – aber keiner mehr Lust hat, sie gemeinsam zu betreten.

Und Hilden? Hilden sitzt wie immer dazwischen, mit dem Wunsch nach einer lebendigen Innenstadt, einem Wochenmarkt, der mehr ist als Einkaufsroutine, Events, die nicht nur stattfinden, sondern auch hängen bleiben, und einem Stadtimage, das nicht klingt wie „Ganz nett hier“. Es wäre doch ein Traum, wenn die Stadt am Ende nicht zwei Teams hätte, die sich gegenseitig die Luft aus den Fahrradreifen lassen, sondern eine Gruppe, die gemeinsam anschiebt. Im Idealfall mit dem gleichen Ziel – und diesmal sogar mit Einladungsliste, die diesen Namen verdient.

Samstag, 28. Februar 2026

28.2.2026: Freie Fahrt auf der Hochdahler Straße: Hilden erlebt das achte Weltwunder (mit Asphalt)

Es gibt Nachrichten, die klingen in Hilden ungefähr so realistisch wie ein Einhorn auf dem Wochenmarkt: **Die Baustelle an der Hochdahler Straße ist fertig. Vorzeitig.** Ja, richtig gelesen. Nicht “fast fertig”, nicht “wir sind in einem sehr guten Prozess”, nicht “die Restarbeiten dauern nur noch bis… 2039”, sondern: **fertig**. Seit September 2024 hatten Pendler und Anwohner dort das tägliche Ritual: losfahren, bremsen, seufzen, im Stau über das eigene Leben nachdenken, wieder anfahren, wieder bremsen – und irgendwann ankommen, als hätte man nebenbei noch ein Fernstudium in Geduld abgeschlossen.

Die Hochdahler Straße ist ja nicht irgendein Sträßchen, auf dem man mal kurz einen Kinderwagen schiebt und dabei freundlich “Morgen!” sagt. Sie ist eine dieser lebenswichtigen Hildener Schlagadern Richtung A46 und A3 – also die Straße, auf der sich morgens das komplette Umland trifft, um gemeinsam zu üben, wie man in Schrittgeschwindigkeit den Radioverkehrsservice auswendig lernt. Und nun soll plötzlich “freie Fahrt” herrschen. **Freie Fahrt!** In Deutschland! Im Februar! Das ist ungefähr die Kombination, bei der selbst Navigationsgeräte kurz nervös lachen.

Die Stadtwerke Hilden geben sich dabei bemerkenswert bodenständig. Kein Konfetti, keine Blaskapelle, kein feierlicher Moment, in dem ein Bürgermeister mit goldener Schaufel ein letztes Stück Schotter streichelt. Stattdessen ganz rheinisch-pragmatisch: Sabine Müller, Sprecherin der Stadtwerke, sagt sinngemäß: Wir hatten sogar Winterpuffer eingeplant – aber den brauchten wir nicht. **Winterpuffer nicht benötigt** ist übrigens auch ein Satz, der normalerweise nur in Märchen vorkommt, gleich nach “und dann war die Bahn pünktlich”.

Was war überhaupt los? Leitungsrohre für den Netzausbau, abschnittweise verlegt. Eine sogenannte Wanderbaustelle – also diese mobile Lebensform, die man morgens auf Höhe “da, wo gestern noch frei war” antrifft und die sich offenbar von Hupe, Warnbake und dem leisen Weinen gestresster Autofahrer ernährt. Und jetzt ist sie weg. Einfach so. Die Baken sind verschwunden, die Schilder stehen nicht mehr wie moderne Kunst am Straßenrand, und man fährt plötzlich durch, ohne vorher dreimal die Spur zu wechseln und innerlich Abschied von der Kupplung zu nehmen.

Natürlich wird Hilden damit kurzzeitig in einen Zustand kollektiver Verunsicherung fallen. Man kennt das: Wenn etwas jahrelang (gefühlt) gesperrt ist, wird die Baustelle Teil der eigenen Orientierung. “Wo wohnst du?” – “Hinter dem zweiten Baustellenkegel links, kurz vor dem Stau.” Und wenn das weg ist, muss man wieder echte Landmarken benutzen. Bäume. Häuser. Himmel. Das ist ungewohnt.

Aber gut: Freie Fahrt ist freie Fahrt. Und vielleicht, nur vielleicht, darf man sich für einen winzigen Moment vorstellen, wie es ist, morgens über die Hochdahler Straße zu gleiten, ohne Stop-and-Go, ohne Baustellenampel, ohne das Gefühl, man würde auf einer Teststrecke für Stoßdämpfer-Forschung fahren. Einfach rollen. Wie im Werbespot. Nur mit mehr Thermosbecher.

Also: Herzlichen Glückwunsch, Hochdahler Straße. Du hast es geschafft. Und an alle, die jetzt reflexartig nach der nächsten Umleitung suchen: Keine Sorge. In NRW geht nichts wirklich verloren. Es verlagert sich nur.