Samstag, 24. Oktober 2026

24.10.2026: Parken am Mühlenhof – oder: Wenn die Karte nicht will, muss der Autofahrer gehen

In Hilden ist Parken inzwischen auch eine Frage der technischen Ausstattung. Wer am Mühlenhof sein Ticket bezahlen möchte, braucht eine kontaktlos funktionierende Bankkarte oder ein entsprechend eingerichtetes Smartphone. Bargeld? Fehlanzeige. PIN-Eingabe? Ebenfalls nicht vorgesehen. Und wenn der Automat „declined“ meldet, empfiehlt die Stadt sinngemäß: Suchen Sie sich einen anderen Parkplatz. Willkommen in der digitalen Servicewüste!

Dabei bin ich durchaus ein Freund moderner Technik. Kontaktlos bezahlen ist bequem, schnell und längst Alltag. Aber Digitalisierung sollte den Menschen das Leben erleichtern und nicht aus einem simplen Parkticket eine technische Aufnahmeprüfung machen.

Vor zwei Jahren beschloss der Stadtrat, die Barzahlung an städtischen Parkautomaten schrittweise abzuschaffen. Mehr als 38.000 Euro jährlich sollen dadurch langfristig eingespart werden. Angesichts der Hildener Haushaltslage ein nachvollziehbares Argument.

Doch am Mühlenhof häuften sich Beschwerden, insbesondere von älteren Autofahrern. Bankkarten wurden abgelehnt, obwohl sie anderswo funktionierten. Die Stadt ließ den Automaten überprüfen, fand keine technischen Fehler und berichtet, seit Mitte Juli keine weiteren Beschwerden erhalten zu haben.

Nur bedeutet ein fehlerfreier Automat nicht automatisch, dass das Bezahlsystem alltagstauglich ist. Verlangt eine Bank nach mehreren kontaktlosen Zahlungen eine erneute PIN-Bestätigung, kann der Bezahlvorgang scheitern. Weil die Hildener Geräte weder Kartenschlitz noch PIN-Eingabe besitzen, gibt es dann keine Ausweichmöglichkeit am Automaten.

Besonders ärgert mich die Haltung des Rathauses: Wer keine der angebotenen Zahlungsmöglichkeiten nutzen kann, muss eben woanders parken.

Da verrutscht mir die Hildener Fanbrille gewaltig. Natürlich muss die Stadt sparen. Aber Bürgerfreundlichkeit sollte nicht an der Kontaktlosfunktion einer Bankkarte enden. Gerade ältere Menschen dürfen nicht zu Verlierern einer Digitalisierung werden, die eigentlich allen helfen soll.

Eine zusätzliche Bezahlmöglichkeit an besonders stark genutzten Parkplätzen wäre zumindest eine Überlegung wert. Schließlich sollte sich eine Stadt fragen, wie ihre Angebote für möglichst viele Menschen funktionieren – und nicht nur, wie viel sie dabei spart.

38.000 Euro jährlich weniger Kosten sind schön. Aber wenn ein zahlungswilliger Bürger am Automaten scheitert und vom Rathaus praktisch zu hören bekommt „Dann parken Sie eben woanders“, ist das keine gelungene Digitalisierung. Das ist Kundenabwehr mit NFC-Technik.

Freitag, 23. Oktober 2026

23.10.2026: Itterfest in Hilden – oder: Viel Herz, volle Teller und immer weniger Vereine

Wenn in Hilden das Itterfest beginnt, bin ich zuverlässig in meinem Element. Mittelstraße voller Menschen, Musik auf dem Alten Markt, Autoscooter auf dem Nove-Mesto-Platz und der Duft von Reibekuchen in der Luft. Ich liebe dieses Gewusel. Für mich gehört das Itterfest zu Hilden wie die Itter selbst. Nur eines macht mir zunehmend Sorgen: Unser Stadtfest wird voller Buden, aber offenbar ärmer an Hildener Beteiligung.

Vom 23. bis 26. Oktober steigt die 42. Auflage mit rund 60 Ausstellern. Neben den üblichen Leckereien gibt es diesmal brasilianisches Fingerfood und Nudeln aus dem Käselaib. Dazu kommen Kirmes, Musik, Trödelmarkt und am Sonntag ein verkaufsoffener Nachmittag. Ich freue mich darauf, auch wenn ich nach einem Rundgang vermutlich wieder mehr gegessen als ursprünglich geplant habe.

Aber mal ehrlich: Ein Stadtfest ist für mich mehr als eine Gelegenheit, Geld auszugeben. Natürlich gehören Verkaufsstände, Fahrgeschäfte und Gastronomie dazu. Doch das Besondere am Itterfest waren immer auch die Hildener Vereine, die sich präsentieren, miteinander ins Gespräch kommen und zeigen, was unsere Stadt jenseits der Einkaufsstraße ausmacht.

Genau dort wird es dünner. Organisatorin Katrin Schmitz berichtet, dass immer weniger Vereine mitmachen. Nicht unbedingt, weil sie keine Lust hätten, sondern weil Menschen fehlen, die einen Stand betreuen. Selbst ein Kita-Förderverein hätte gerne teilgenommen, fand aber offenbar nicht genügend Helfer. Das ist schade und sollte uns zu denken geben.

Ich möchte da gar nicht bequem vom Spielfeldrand aus über fehlendes Ehrenamt schimpfen. Wer schon einmal ein Vereinsfest organisiert hat, weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Und wer sich das ganze Jahr engagiert, muss nicht auch noch ein komplettes Oktoberwochenende opfern. Umso wichtiger finde ich Schmitz' Angebot, auch kürzere Einsätze zu ermöglichen.

Trotzdem wünsche ich mir, dass wir Hildener unsere eigenen Vereine wieder stärker auf solchen Festen sehen. Denn wenn irgendwann nur noch professionelle Anbieter übrig bleiben, haben wir zwar immer noch eine gut besuchte Festmeile, aber ein Stück Stadtgemeinschaft verloren.

Ich werde das Itterfest selbstverständlich besuchen, Bekannte treffen, etwas Leckeres essen und wahrscheinlich wieder länger bleiben als geplant. Die Fanbrille sitzt also fest. Aber gerade weil mir dieses Fest am Herzen liegt, möchte ich nicht, dass sein ursprünglicher Charakter schleichend verschwindet.

Nudeln aus dem Käselaib sind eine schöne Neuerung. Aber das eigentliche Herz des Itterfestes kommt nicht aus dem Käselaib, sondern aus Hilden. Und das sollten wir bei aller Freude über volle Teller und volle Kassen nicht vergessen.

Donnerstag, 22. Oktober 2026

22.10.2026: Nebel über Hilden – oder: Wenn das Rathaus mal ordentlich Dampf macht

Wer am Freitag durch die Hildener Innenstadt läuft und plötzlich Rauch aus einem Gully aufsteigen sieht, muss nicht gleich an einen unterirdischen Vulkanausbruch denken. Auch die Hildener Kanalisation hat nicht beschlossen, neuerdings Spezialeffekte anzubieten. Es ist schlicht die Stadtverwaltung, die ausnahmsweise ganz offiziell Nebel produziert. Und das sogar mit Ankündigung.

Am 23. Oktober werden zwischen 7 und voraussichtlich 17 Uhr im Bereich Schwanenstraße und Marktstraße Kanal- und Hausanschlüsse untersucht. Falls sich die Leitungen nicht anders zuordnen lassen, kommt eine sogenannte Nebelprüfung zum Einsatz. Dabei wird gesundheitlich ungefährlicher künstlicher Nebel in die Kanalisation geleitet, um Fehlanschlüsse und undichte Stellen aufzuspüren.

Das klingt zunächst nach einer ziemlich originellen Methode, ist aber technisch durchaus sinnvoll. Der Nebel kann anschließend aus Gullys, Dachrinnen oder sogar aus trockenen Siphons in Gebäuden aufsteigen. Wer also plötzlich eine kleine Nebelmaschine im Badezimmer entdeckt, muss nicht sofort die Feuerwehr alarmieren, sofern sich die Erscheinung eindeutig den angekündigten Arbeiten zuordnen lässt. Die Einsatzkräfte sind ohnehin vorab informiert.

Hintergrund ist der geplante Neubau der Brücke an der Schwanenstraße über die Itter. Bevor dort gebaut werden kann, muss offenbar erst einmal geklärt werden, was unter der Erde eigentlich wohin führt. Das finde ich vernünftig. Lieber vorher die Leitungen untersuchen, als später beim Brückenbau unangenehme Überraschungen erleben.

Ein bisschen schmunzeln muss ich trotzdem. In Hilden wird schließlich häufig darüber diskutiert, warum bei Bauprojekten manches im Nebel liegt. Diesmal nutzt die Stadt den Nebel tatsächlich, um Klarheit zu schaffen. Das hat fast schon symbolischen Charakter.

Ich hoffe jedenfalls, dass die Untersuchung reibungslos verläuft und die Planungen für die neue Brücke dadurch vorankommen. Denn funktionierende Infrastruktur ist mir deutlich wichtiger als spektakuläre Rauchzeichen aus der Kanalisation.

Und sollte am Freitag tatsächlich Nebel aus den Gullys steigen, wissen wir wenigstens eines: In Hilden gibt es endlich mal eine städtische Aktion, bei der ausdrücklich erwünscht ist, dass sich etwas in Luft auflöst.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

21.10.2026: A59: Jetzt wird auch die Gegenrichtung gesperrt – oder: Hilden bleibt im Stau vereint

Ich habe langsam den Verdacht, dass die Autobahn GmbH ein geheimes Ziel verfolgt: Kein Autofahrer soll den Großraum Hilden verlassen, ohne vorher mindestens eine Umleitung kennengelernt zu haben. Die A59 Richtung Düsseldorf ist seit Anfang Oktober dicht, die Ausweichstrecken sind überlastet und die Nerven vieler Pendler liegen blank. Und jetzt gibt es zur Abwechslung auch noch eine Sperrung in Richtung Leverkusen. Man möchte fast fragen: Geht eigentlich noch irgendetwas?

Vom 26. bis voraussichtlich 30. Oktober wird im Autobahndreieck Düsseldorf-Süd die Überfahrt von der A46 aus Wuppertal auf die A59 Richtung Leverkusen gesperrt. Wohlgemerkt: nicht die gesamte A59 in Richtung Leverkusen, sondern diese Verbindung. Grund sind Arbeiten an den Schutzeinrichtungen. Die Umleitung führt über Düsseldorf-Eller und ist mit einem roten Punkt ausgeschildert. Immerhin eine Farbe, die inzwischen ganz gut zur Verkehrslage passt.

Natürlich muss die A59 saniert werden. Die alte Betonfahrbahn ist in einem miserablen Zustand. Bis zum Sommer 2027 sollen auf rund zwölf Kilometern Fahrbahnen erneuert, Brücken instandgesetzt und Entwässerungsanlagen modernisiert werden. Das ist notwendig und auf lange Sicht sinnvoll. Darüber brauchen wir nicht zu streiten.

Was mich allerdings zunehmend ärgert, ist die Summe der Einschränkungen. Der Verkehr der gesperrten Fahrtrichtung Düsseldorf quält sich ohnehin schon über die A3, A46 und A542 oder durch Hilden, Langenfeld und die südlichen Düsseldorfer Stadtteile. Dazu kommen Staus und Ampelschaltungen, die offenbar nicht überall optimal auf die zusätzliche Belastung abgestimmt sind.

Und als wäre das nicht genug, fallen demnächst auch noch S1 und RE47 für mehrere Wochen aus. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen möchte, landet also möglicherweise ebenfalls im Ersatzverkehr. Eine besonders unglückliche Kombination.

Ich erwarte gar nicht, dass eine Grundsanierung ohne Behinderungen funktioniert. Aber ich erwarte, dass die Verantwortlichen die Auswirkungen auf die gesamte Region im Blick behalten und Umleitungen möglichst leistungsfähig gestalten. Denn für die Menschen, die täglich zur Arbeit fahren müssen, sind die Sperrungen keine theoretische Verkehrsplanung, sondern verlorene Lebenszeit.

Mein Vorschlag: Hilden sollte an seinen Ortseingängen künftig Schilder aufstellen: „Willkommen in Hilden – Sie erreichen uns über jede Umleitung.“ Und wer tatsächlich ohne Stau durchkommt, darf sich am Rathaus eine Urkunde abholen.

Dienstag, 20. Oktober 2026

20.10.2026: Fünf Minuten Rot am Lindenplatz – oder: Hilden übt sich in Geduld

Wer morgens am Hildener Lindenplatz vor einer roten Ampel steht, kann neuerdings ganz entspannt den Wetterbericht lesen, seine Einkaufsliste schreiben oder schon mal überlegen, was es abends zu essen gibt. Denn die Ampel gönnt sich offenbar gelegentlich eine längere Auszeit. Mehr als fünf Minuten Rot – und zwar in alle Richtungen. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Seit Anfang der Woche gibt es Probleme mit der Ampelschaltung. Besonders im morgendlichen Berufsverkehr macht sich die Störung bemerkbar. Autofahrer warten, obwohl niemand fahren darf. Eine bemerkenswert konsequente Form der Verkehrsberuhigung.

Die Stadt kennt das Problem seit Dienstag, dem 13. Oktober. Selbst beheben kann sie es allerdings nicht. Die zuständige Signalbaufirma wurde informiert und soll sich darum kümmern. Wann die Störung genau auftritt und wie häufig, kann die Verwaltung bislang nicht sagen.

Natürlich kann Technik kaputtgehen. Das passiert überall, und nicht jede defekte Ampel ist gleich ein kommunalpolitischer Skandal. Trotzdem frage ich mich, warum es offenbar so schwierig ist, eine Störung zu beseitigen, die ausgerechnet im Berufsverkehr für unnötige Wartezeiten sorgt. Zumal fünf Minuten Rot an einer Kreuzung nicht nur lästig sind, sondern irgendwann auch die Geduld der Verkehrsteilnehmer strapazieren.

Ich hoffe jedenfalls, dass die Fachfirma das Problem schnell in den Griff bekommt. Denn Verkehrsampeln sollen den Verkehr regeln und nicht sämtliche Beteiligten gleichzeitig zum Stillstand bringen.

Vielleicht hat die Ampel am Lindenplatz aber auch einfach die Hildener Verkehrspolitik perfekt verstanden: Wenn ohnehin überall gebaut, gesperrt und umgeleitet wird, kann man den Rest auch gleich auf Rot stellen.

Montag, 19. Oktober 2026

19.10.2026: Hilden bremst das Regenwasser – oder: Endlich mal eine Baustelle, die Sinn ergibt

In Hilden wird wieder gebaggert. Und bevor jetzt jemand genervt die Augen verdreht: Diesmal finde ich die Baustelle tatsächlich richtig gut. Denn während wir uns bei manchen städtischen Bauprojekten fragen, ob sie jemals fertig werden, geht es am Hoxbach um etwas ziemlich Sinnvolles. Das Regenwasser soll künftig sauberer und langsamer in den Bach fließen. Eine gute Nachricht für den Hoxbach und alle, die bei Starkregen lieber trockene Füße behalten möchten.

Zwischen Westring, Menzelsee und dem ehemaligen Vion-Gelände entsteht seit August eine neue Anlage zur Reinigung und Rückhaltung von Regenwasser. Bislang gelangte das Wasser von Dächern und Straßen aus einem rund 17 Hektar großen Gebiet ungeklärt in den Hoxbach. Künftig wird es zunächst gereinigt, zwischengespeichert und anschließend kontrolliert abgegeben.

Zusätzlich erweitert die Stadt das bestehende Regenrückhaltebecken am Westring um rund 13.400 Quadratmeter. Das ist eine ordentliche Fläche. Und ausnahmsweise wird in Hilden einmal zusätzlicher Platz geschaffen, ohne dass anschließend jemand darüber diskutieren muss, wie viele Wohnungen darauf passen.

Das Ganze kostet nach aktueller Planung 3,85 Millionen Euro und soll im November 2027 fertig sein. Natürlich ist das viel Geld. Aber ich finde, dass Investitionen in den Gewässerschutz und die Anpassung an Starkregen gut angelegt sind. Schließlich dürfte uns das Thema in den kommenden Jahren eher häufiger als seltener beschäftigen.

Ganz ohne Ärger geht es allerdings nicht. Spaziergänger und Radfahrer müssen während der Bauzeit auf gewohnte Wege südlich des Hoxbachs verzichten. Als Alternative empfiehlt die Stadt unter anderem den Wirtschaftsweg südlich des Menzelsees. Das ist lästig, gerade wenn man dort regelmäßig unterwegs ist. Aber eine vorübergehende Umleitung lässt sich leichter akzeptieren, wenn dahinter ein nachvollziehbarer Nutzen steht.

Positiv finde ich auch, dass Hilden beim Starkregenschutz inzwischen breiter aufgestellt ist: mit Gefahrenkarten, Notstrommöglichkeiten, zusätzlicher Ausrüstung für die Feuerwehr und einem ausgebauten Sirenennetz. Allerdings sollte niemand glauben, dass die neue Anlage künftig jede Überschwemmung verhindert. Sie soll vor allem den Unterlauf des Hoxbachs entlasten. Bei extremem Starkregen bleiben Risiken bestehen.

Und genau deshalb halte ich solche Projekte für wichtig. Lieber heute Geld in Vorsorge investieren, als nach dem nächsten Unwetter über vermeidbare Schäden diskutieren.

Mein einziger Wunsch ans Rathaus: Bitte den Zeitplan und die Kosten im Griff behalten. Denn wenn Hilden schon Millionen ausgibt, um das Wasser zu bremsen, sollte wenigstens der Baufortschritt nicht gleich mitgebremst werden.

Sonntag, 18. Oktober 2026

18.10.2026: # Hotel Anna zum Schnäppchenpreis – oder: Hilden hätte fast 8,2 Millionen bezahlt

Manchmal lohnt es sich, in Hilden zwei Jahre zu warten. Zumindest beim Immobilienkauf. Das Hotel Anna an der Giesenheide steht für 4,9 Millionen Euro zum Verkauf. Im September 2024 hatte die Stadt noch über einen Kauf für 8,2 Millionen Euro nachgedacht. Macht einen Unterschied von 3,3 Millionen Euro. Da kann man schon mal kurz überlegen, wie viele Schlaglöcher, Schultoiletten oder andere Hildener Baustellen sich damit finanzieren ließen.

Damals suchte die Stadt dringend Unterkünfte für Geflüchtete. Das Hotel mit seinen 43 Zimmern und 101 Betten schien eine mögliche Lösung. Doch Bürgermeister Claus Pommer zog die entsprechende Verwaltungsvorlage kurzfristig zurück. Angesichts veränderter politischer Rahmenbedingungen und der angespannten Haushaltslage wollte er zunächst abwarten. Eine Entscheidung, die damals durchaus Diskussionen auslöste.

Heute erscheint der Verzicht zumindest aus finanzieller Sicht in einem anderen Licht. Denn der aktuelle Angebotspreis liegt rund 40 Prozent unter der damals diskutierten Summe. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Stadt seinerzeit 3,3 Millionen Euro zu viel bezahlt hätte. Immobilienpreise hängen von vielen Faktoren ab, und ein Inserat ist noch kein tatsächlich erzielter Verkaufspreis. Trotzdem ist der Unterschied bemerkenswert.

Zumal das Hotel keineswegs leer steht. Das 2015 errichtete Gebäude verfügt über rund 2.676 Quadratmeter Fläche, eine Penthouse-Wohnung, Terrassen und Parkplätze. Laut Verkaufsanzeige ist es bis Oktober 2040 verpachtet, mit einer monatlichen Pacht von 27.965 Euro. Wer die Immobilie kauft, übernimmt also zunächst ein langfristig vermietetes Hotel und nicht einfach ein frei verfügbares Gebäude.

Besonders interessant finde ich rückblickend die damalige politische Diskussion. 8,2 Millionen Euro für eine Flüchtlingsunterkunft waren angesichts der Hildener Haushaltslage eine gewaltige Summe. Dass die Stadt den Kauf letztlich nicht weiterverfolgte, könnte sich finanziell als glückliche Entscheidung erweisen. Ob das heutige Angebot überhaupt mit den damaligen Kaufbedingungen vergleichbar ist, müsste allerdings genauer geprüft werden.

Ich bin jedenfalls gespannt, wer am Ende zugreift. Vielleicht ein Investor, vielleicht ein Hotelunternehmen. Die Stadt dürfte angesichts ihrer Finanzprobleme eher andere Prioritäten haben.

Fest steht: Das Hotel Anna ist innerhalb von zwei Jahren auf dem Papier 3,3 Millionen Euro günstiger geworden. In Hilden ist das fast schon eine Sensation. Normalerweise werden bei uns vor allem Bauprojekte teurer, je länger man darüber nachdenkt.