In Hilden wird es an manchen Stellen demnächst ein wenig romantischer, als es der Stadtverwaltung vermutlich lieb ist. Im Musikantenviertel und an der Hochdahler Straße wurden nämlich bei einer Routineprüfung neun Laternenmasten entdeckt, die offenbar beschlossen hatten, ihre Standfestigkeit künftig eher frei zu interpretieren. Was für Menschen nach einem langen Abend beim Weindorf gilt, gilt für Laternenmasten leider nicht: Wer wackelt, muss gestützt, gekürzt oder ausgetauscht werden.
Besonders betroffen ist die Richard-Wagner-Straße, wo gleich fünf Masten aus dem Takt geraten sind. Das passt natürlich irgendwie ins Musikantenviertel. Vielleicht wollten die Laternen einfach dramatischer wirken, ein bisschen „Walkürenritt“ im Straßenbild, nur eben mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Zwei weitere Kandidaten stehen an der Hochdahler Straße, je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Man kann also sagen: Die Stadt hat nicht nur ein Beleuchtungsproblem, sondern auch ein kleines klassisches Ensemble in Schieflage.
Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden bereits gesichert und gekürzt. Die schlechte Nachricht: Bis Mitte Mai kann es zeitweise dunkel werden. Wer dort unterwegs ist, sollte also entweder eine Taschenlampe mitnehmen, sein Handy vorher laden oder sich vertrauensvoll an den Mond wenden, sofern dieser gerade Dienst hat. Für Anwohner bedeutet das: kurzzeitig weniger Straßenbeleuchtung, dafür aber mehr Gelegenheit, die eigene Nachbarschaft einmal ganz neu kennenzulernen. Zum Beispiel durch vorsichtiges Tasten entlang bekannter Hecken.
Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Hildener Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zunächst wie ein Tippfehler kurz vor Feierabend, hat aber französische Wurzeln und steht für „Société Parisienne pour l’Industrie Electrique“. Gegründet wurde das Unternehmen einst, um die Pariser Metro zu elektrifizieren. Von der Pariser Unterwelt zur Hildener Laterne ist es zwar ein weiter Weg, aber offenbar bleibt man dem Licht treu. Nur der Charme von Paris dürfte in der Richard-Wagner-Straße bei ausgeschalteter Beleuchtung vorübergehend eher in Richtung „Krimi-Kulisse mit Mülltonnen“ tendieren.
Dass die Masten überhaupt auffielen, liegt an einer messtechnischen Überprüfung. Das klingt nach einem Vorgang, bei dem Menschen mit ernsten Gesichtern und sehr spezialisierten Geräten an Laternen rütteln, während Passanten überlegen, ob sie fragen sollen, was da los ist. Ergänzt wird das Ganze durch regelmäßige Sichtkontrollen. Man schaut also nicht nur, ob eine Laterne noch wie eine Laterne aussieht, sondern misst auch, ob sie innerlich noch bei sich ist.
Am Ende ist das natürlich eine gute Sache. Niemand möchte, dass ein Laternenmast spontan beschließt, sich der Schwerkraft hinzugeben. Und wenn Hilden schon einmal kurz im Dunkeln liegt, dann wenigstens aus Gründen der Sicherheit und nicht, weil jemand vergessen hat, die Stromrechnung zu bezahlen. Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten dauern. Danach darf das Musikantenviertel wieder leuchten, die Hochdahler Straße wieder strahlen und Hilden insgesamt beruhigt feststellen: Nicht jede Erleuchtung kommt plötzlich, manche wird fachgerecht ausgetauscht.
Hildener Geschichten
Sonntag, 3. Mai 2026
3.5.2026: Hilden steht im Dunkeln – aber immerhin standsicher
Samstag, 2. Mai 2026
2.5.2026: Frühling in Hilden und Haan: Die Arbeitslosigkeit blüht mit
Eigentlich ist der April ja dafür zuständig, Tulpen hervorzubringen, Eisdielen zu füllen und Menschen in Übergangsjacken ratlos vor Kleiderschränken stehen zu lassen. Auf dem Arbeitsmarkt in Hilden und Haan hatte der Monat allerdings eine andere Idee: Statt der üblichen Frühjahrsbelebung gab es diesmal eher ein müdes Gähnen im Vorgarten der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen, und damit zeigt sich: Nicht alles, was im Frühling wächst, ist automatisch erfreulich.
In der Geschäftsstelle Hilden, die Hilden und Haan umfasst, sind aktuell 3007 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 119 mehr als im März. Die Quote steigt von 6,1 auf 6,4 Prozent. Das klingt zunächst nach einer Zahl mit Komma, wie sie in Berichten gern unauffällig zwischen anderen Zahlen herumsteht. Für die Betroffenen ist es aber natürlich kein Komma, sondern Alltag: Bewerbungen schreiben, Rückmeldungen abwarten, Hoffnung sortieren und dabei möglichst nicht zu oft das Wort „zeitnah“ in Stellenanzeigen persönlich nehmen.
Hilden kommt aktuell auf 2005 arbeitslose Menschen. Das sind 78 mehr als im Vormonat. Die Quote steigt dort von 6,2 auf 6,5 Prozent. Haan meldet 1002 arbeitslose Menschen, also 41 mehr als im März, und eine Quote von 6,2 Prozent. Immerhin liegen beide Städte weiterhin unter dem Kreis Mettmann, der bei 7,2 Prozent bleibt. Man könnte also sagen: Es ist nicht gut, aber es gibt noch Luft nach oben. Wobei das vermutlich einer der Sätze ist, die man auf dem Arbeitsmarkt lieber nicht zu laut sagt.
Besonders auffällig ist, dass die sogenannte Frühjahrsbelebung ausbleibt. Normalerweise kommt mit mehr Sonne auch mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Menschen wechseln Jobs, Betriebe stellen ein, irgendwo braucht immer jemand Unterstützung. In diesem April aber wirkt die Belebung ungefähr so dynamisch wie ein Gartenzwerg nach dem Winter: vorhanden, aber nicht unbedingt in Aufbruchsstimmung. Die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen bremsen weiter, und wer schon einmal versucht hat, mit angezogener Handbremse schwungvoll loszufahren, kennt das Geräusch.
Dabei gibt es durchaus freie Stellen. In Hilden und Haan sind aktuell 485 offene Arbeitsplätze gemeldet, im gesamten Kreis sogar 2258. Besonders gesucht wird unter anderem in Kfz-Werkstätten und im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im verarbeitenden Gewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung. Das klingt nach einer bunten Mischung aus Schraubenschlüssel, Pflegekittel, Maschinenhalle und Formularstapel. Oder anders gesagt: Arbeit ist da, aber sie findet offenbar nicht immer genau zu den Menschen, die gerade Arbeit suchen. Der Arbeitsmarkt ist manchmal eben wie ein sehr kompliziertes Puzzle, bei dem ein Teil aus Haan, eins aus Hilden und eins aus der Personalabteilung kommt, aber alle drei behaupten, sie würden eigentlich zusammenpassen.
Im April meldeten sich 652 Personen neu oder erneut arbeitslos, während 531 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Das ist die nüchterne Statistik dahinter. Für die einen beginnt eine unsichere Phase, für die anderen endet sie hoffentlich. In der Summe bleibt aber ein Plus bei der Arbeitslosigkeit. Und so steht der April 2026 in Hilden und Haan weniger für Aufbruch als für eine wirtschaftliche Warteschleife mit Frühlingsdekoration.
Trotzdem lohnt sich der Blick ohne Panik, aber auch ohne Schönfärberei. Im Vergleich zum Vorjahr stehen Hilden und Haan sogar etwas besser da: In Hilden sind es 16 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr, in Haan 45 weniger. Das ist kein Grund für Konfettikanonen im Rathaus, aber immerhin ein kleiner Hinweis darauf, dass nicht alles gleichzeitig bergab rollt. Manchmal ist der Arbeitsmarkt eben kein Sprint, sondern eher ein Stadtlauf mit Baustellen, Gegenwind und jemandem, der am Rand ruft: „Noch fünf Kilometer!“
Für Hilden und Haan bedeutet das: Der Frühling hat auf dem Arbeitsmarkt diesmal keinen großen Auftritt hingelegt. Die Sonne scheint vielleicht, die Bäume werden grün, aber die Konjunktur sitzt offenbar noch mit Schal auf der Parkbank und überlegt, ob sie wirklich schon loslegen möchte. Hoffen wir, dass sie sich bald erhebt. Und zwar standsicherer als manche Laternenmasten.
Freitag, 1. Mai 2026
1.5.2026: Hilden hängt den Frühling an die Laterne
In Hilden ist der Frühling jetzt offiziell nicht mehr zu übersehen. Während andere Städte noch überlegen, ob ein einzelner Blumenkübel vor dem Rathaus schon als Innenstadtverschönerung durchgeht, hat Hilden gleich 102 Blumenampeln entlang der Mittelstraße aufgehängt. Das ist keine Dekoration mehr, das ist florale Entschlossenheit in luftiger Höhe.
Pünktlich zum Frühlingsmarkt zeigt sich die Fußgängerzone also von ihrer farbenfrohen Seite. An den Laternen baumeln wieder bepflanzte Ampeln, die den Passanten freundlich zurufen: „Ja, es ist Frühling. Ja, du darfst jetzt ein Eis essen. Nein, du brauchst die Winterjacke vermutlich trotzdem noch, wir sind schließlich in NRW.“ Wer durch die Innenstadt läuft, bekommt nun nicht nur Schaufenster, Cafés und bekannte Gesichter geboten, sondern auch Blumen über Kopfhöhe. Das ist praktisch, denn so kann niemand versehentlich dagegen treten. Höchstens Tauben könnten sich beschweren, weil ihre bevorzugten Sitzplätze plötzlich aussehen wie eine Gartenschau.
Möglich wird die Aktion durch eine Kooperation des Citymanagements mit dem Verein Stadtmarketing Hilden. Schon zum zweiten Mal ziehen beide gemeinsam an der Gießkanne, um die Innenstadt aufzuwerten. Citymanagerin Tanja de Vries freut sich über die Fortsetzung der Zusammenarbeit, und auch Bastian Mey vom Stadtmarketing blickt zufrieden auf das blühende Projekt. Er kündigt an, dass die Blumen regelmäßig gegossen werden, damit sie bald in voller Blüte stehen. Das klingt unspektakulär, ist aber entscheidend. Denn zwischen „Innenstadtambiente“ und „hängender Trockenstrauß mit schlechtem WLAN“ liegen im Sommer oft nur zwei vergessene Gießrunden.
Für die Bepflanzung war Marktflorist Stefan Hosten zuständig, den viele Hildenerinnen und Hildener von den Wochenmärkten kennen. Das ist beruhigend, denn wer Pflanzen für eine ganze Innenstadt vorbereitet, sollte wissen, was er tut. Bei 102 Blumenampeln reicht es schließlich nicht, einfach irgendwo ein paar Stiefmütterchen hineinzuwinken und auf Regen zu hoffen. Da braucht es Fachwissen, Fingerspitzengefühl und vermutlich eine gewisse Toleranz gegenüber Erde an Orten, an denen man sie nicht erwartet.
Die Blumenampeln sollen die Innenstadt attraktiver machen und Besucherinnen, Besuchern sowie den Hildenerinnen und Hildenern ein schöneres Stadtbild bieten. Und tatsächlich: Eine Fußgängerzone wirkt gleich freundlicher, wenn über einem nicht nur Laternen, Schilder und gelegentlich skeptische Möwen hängen, sondern auch bunte Blüten. Blumen können zwar keine Parkplätze schaffen, keine Baustellen verkürzen und keine Diskussionen über Ladenleerstand lösen. Aber sie können dafür sorgen, dass man beim Stadtbummel kurz denkt: „Ach, schön hier.“ Und manchmal ist das schon ziemlich viel.
So schwebt der Frühling nun wieder über der Mittelstraße. Hilden hat sich herausgeputzt, die Blumenampeln hängen, der Frühlingsmarkt kann kommen. Jetzt müssen nur noch Wetter, Besucher und Gießkanne mitspielen. Und falls jemand fragt, woran man erkennt, dass in Hilden Saisonbeginn ist: Man schaut einfach nach oben. Dort blüht die Antwort.
Donnerstag, 30. April 2026
30.4.2026: Hilden planscht jetzt mit Preisaufschlag
In Hilden wird der Sommer eingeläutet, und zwar mit einem Geräusch, das irgendwo zwischen fröhlichem Wasserplatschen und leisem Münzklimpern liegt. Das Waldbad öffnet am 11. Mai seine Pforten, das Hildorado bleibt natürlich ebenfalls ein Ort für sportliche Bahnenzieher, Planschprofis und Menschen, die nach drei Minuten Whirlpool glauben, sie hätten Wellnessurlaub gemacht. Doch wer künftig ins kühle Nass springen möchte, sollte vorher kurz prüfen, ob die Badehose noch passt und ob das Portemonnaie ebenfalls schwimmfähig ist.
Denn entgegen früherer Ankündigungen werden die Eintrittspreise nun nicht nur im Hildorado, sondern auch im Waldbad erhöht. Das ist ungefähr so, als würde man beim Sprung vom Drei-Meter-Brett erfahren, dass das Wasser inzwischen einen Komfortzuschlag erhebt. Im Hildorado zahlen Erwachsene ab 17 Jahren ab dem 1. Mai für die Tageskarte 8,30 Euro, also 30 Cent mehr als bisher. Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren sind mit 4,70 Euro dabei, was 20 Cent mehr bedeutet. Die Familien- und Gruppenkarte für bis zu vier Personen steigt auf 21 Euro. Am Wochenende kommt weiterhin der bekannte Ein-Euro-Aufschlag hinzu, vermutlich als kleine Erinnerung daran, dass Freizeit am Samstag und Sonntag besonders freizeitlich ist.
Auch die Sauna macht beim Aufwärmen der Preise mit: 50 Cent mehr kostet der Besuch künftig. Immerhin passt das thematisch hervorragend, denn wer in der Sauna sitzt, schwitzt ja ohnehin. Nun eben nicht nur wegen der Hitze, sondern auch ein klein wenig wegen der Kalkulation.
Im Waldbad bleibt es für Kinder und Jugendliche immerhin preislich beim Alten. Erwachsene zahlen künftig 6,70 Euro für das Ganztagesticket, also 20 Cent mehr. Wobei „Ganztag“ in diesem Fall eine leicht poetische Auslegung erfährt, denn wegen Fachkräftemangels bleiben die Öffnungszeiten weiterhin verkürzt: geöffnet ist von 11 bis 18.30 Uhr. Wer also morgens um acht mit Handtuch, Sonnencreme und dem festen Willen zum Frühsport vor dem Eingang steht, darf zunächst noch ein wenig Trockenübung machen.
Die Stadtwerke begründen die Erhöhungen mit hohen Energiekosten, Inflation und Tarifrunden für Beschäftigte. Kurz gesagt: Alles ist teurer geworden, sogar das Wasser, obwohl es optisch weiterhin so tut, als sei es einfach nur Wasser. Man habe Einsparpotenziale ausgeschöpft, ressourcenschonend gewirtschaftet und energetische Maßnahmen umgesetzt. Im Waldbad gibt es nun eine vollautomatisierte, effizientere Betriebssteuerung, im Hildorado wird an der Lüftungsanlage gearbeitet. Das klingt zwar nicht ganz so glamourös wie „neue Riesenrutsche mit Looping und Nebelmaschine“, ist aber vermutlich genau das, was ein Schwimmbad braucht, wenn es nicht irgendwann mit einem Föhn und drei Verlängerungskabeln betrieben werden soll.
Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Wer einen Itterpass besitzt, zahlt fürs Schwimmen weiterhin nur die Hälfte. Außerdem können Badegäste mit der digitalen Geldwertkarte bis zu 17 Prozent sparen. Das klingt nach einem kleinen Lichtblick für alle, die beim Wort „Tarifanpassung“ sonst reflexartig ihre Schwimmbrille beschlägt.
Fast 400.000 Gäste haben die Hildener Bäder im vergangenen Jahr besucht. Das zeigt: Trotz Preisaufschlag, verkürzter Zeiten und wirtschaftlicher Wellenbewegungen bleibt der Wunsch nach Schwimmen, Planschen und Erholung groß. Denn am Ende ist ein Badetag eben mehr als Eintrittspreis plus Pommesbudget. Es ist das Gefühl, nach dem ersten Eintauchen kurz alles zu vergessen: Energiekosten, Inflation, Tarifrunden und die Frage, warum man eigentlich nie daran denkt, ein zweites Handtuch mitzunehmen.
Hilden schwimmt also weiter. Nur eben mit leicht angepasstem Tarif und der Erkenntnis, dass selbst der Sprung ins Wasser heutzutage ein bisschen mehr kostet. Dafür bleibt der unbezahlbare Moment erhalten, wenn jemand am Beckenrand ruft: „Ist gar nicht kalt!“ – und alle wissen: Doch. Ist es.
Dienstag, 28. April 2026
28.4.2026: Walder Straße: Hildens längste Erlebnisstrecke ohne Eintrittskarte
Wer in Hilden derzeit ein kleines Abenteuer sucht, muss nicht in den Freizeitpark fahren, keinen Survival-Kurs buchen und auch nicht mit verbundenen Augen durch den Itterpark joggen. Es reicht völlig, sich ins Auto zu setzen und die Walder Straße entlangzufahren. Dort wartet ein Parcours, der irgendwo zwischen „Verkehrsweg“, „Stoßdämpferteststrecke“ und „kommunalem Geschicklichkeitsspiel“ angesiedelt ist.
Die Walder Straße, sonst bekannt als wichtige Verbindung Richtung Solingen-Wald, hat sich offenbar vorgenommen, ihren Nutzern etwas zu bieten. Einfach nur geradeaus fahren? Wie langweilig. Stattdessen gibt es Schlaglöcher, Bodenwellen, Flicken, Bröselstellen und jene kleinen Überraschungsmomente, bei denen man kurz überlegt, ob das gerade noch ein Geräusch vom Auto war oder schon ein Hilferuf der Vorderachse.
Bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich sollen dort unterwegs sein. Das ist beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass jedes einzelne davon vermutlich nach der Fahrt kurz innehält und denkt: „Wir haben es geschafft.“ Wer die Schlaglöcher elegant umfährt, darf sich beinahe wie bei einer praktischen Führerscheinprüfung für Fortgeschrittene fühlen. Nur ohne Prüfer. Dafür mit deutlich mehr Kaltasphalt.
Der Ärger der Bürger ist verständlich. Wenn eine Straße zur „Erlebnistour“ wird, klingt das zunächst nach touristischem Konzept. Man stellt sich Reisebusse vor, vielleicht mit Durchsage: „Zu Ihrer Linken sehen Sie ein besonders tiefes Exemplar der Gattung Winterschaden, rechts folgt gleich ein historisch gewachsener Asphaltflicken.“ Doch leider handelt es sich nicht um ein bewusst gestaltetes Freizeitangebot, sondern um den Zustand einer viel befahrenen Landesstraße.
Geflickt wurde bereits, und zwar mit Kaltasphalt. Das klingt nach einer pragmatischen Lösung, hat aber offenbar ungefähr die Haltbarkeit eines guten Vorsatzes im Februar. Der Asphalt hält eine Weile, bröselt dann, neue Löcher entstehen, alte Unebenheiten bleiben, und am Ende sieht die Straße aus, als hätte jemand versucht, ein sehr großes Pflaster auf ein sehr schlecht gelauntes Mammut zu kleben.
Zuständig ist Straßen.NRW, denn die Walder Straße ist eine Landesstraße. Die Stadt Hilden wiederum steht mit im Gespräch, denn vorher soll noch eine Kanalsanierung kommen. Und da bei dieser Kanalsanierung ohnehin ein großer Teil der Fahrbahn geöffnet werden müsste, wäre eine komplette Straßensanierung davor ungefähr so sinnvoll wie Fensterputzen während eines Sandsturms.
Also heißt es: erst Kanal, dann Straße. Irgendwann. Geplant ist zwischendurch immerhin eine großflächigere Instandsetzung mit Heißasphalt. Das klingt schon deutlich entschlossener. Heißasphalt hat im Namen wenigstens mehr Drama und Hoffnung als Kaltasphalt. Vielleicht wird aus der Buckelpiste dann zumindest eine lauwarme Übergangslösung.
Langfristig soll die Walder Straße umfassend erneuert werden. Sogar Querschnitt und Radverkehrsführung sollen angepasst werden. Das ist grundsätzlich erfreulich, befindet sich aber noch im Anfangsstadium. Übersetzt für den Alltag bedeutet das: Wer heute über die Walder Straße fährt, sollte weiterhin wachsam bleiben, beide Hände ans Lenkrad legen und sein Fahrzeug innerlich um Verzeihung bitten.
Bis dahin bleibt die Walder Straße ein Ort, an dem man Hildener Geduld, technische Zuständigkeiten und Stoßdämpfer gleichzeitig testen kann. Vielleicht sollte man am Anfang der Straße ein Schild aufstellen: „Willkommen auf der Walder Straße. Bitte sichern Sie lose Gegenstände, beruhigen Sie Ihre Mitfahrenden und genießen Sie die Fahrt.“
Montag, 27. April 2026
27.4.2026: Wenn der Bus länger tanzt als man selbst
In Hilden, Haan und Umgebung darf in der Nacht zum 1. Mai wieder getanzt, gefeiert und anschließend sehr hoffnungsvoll Richtung Haltestelle gewankt werden. Die Rheinbahn hat nämlich ein Herz für Nachtschwärmer, Maibaum-Bewacher, Tanzflächenakrobaten und all jene, die nach Mitternacht plötzlich feststellen, dass der Heimweg doch länger ist als der eigene Atem beim Cha-Cha-Cha.
In der Nacht von Donnerstag, 30. April, auf Freitag, 1. Mai, sowie direkt noch einmal von Freitag auf Samstag fährt die Rheinbahn länger. Nach Mitternacht gilt dann das NachtExpress-Angebot wie sonst am Wochenende. Das bedeutet: Wer sich beim Tanz in den Mai zeitlich ein wenig verschätzt, muss nicht gleich auf einer Parkbank philosophische Gespräche mit einem Döner führen, sondern hat gute Chancen, noch stilvoll mit Bus oder Bahn nach Hause zu kommen.
Besonders erfreulich für Hilden und Haan: Die DiscoLinien sind unterwegs. Allein der Name klingt schon nach Nebelmaschine, Glitzerhemd und jemandem, der um 2.17 Uhr überzeugt ist, noch „einen letzten Song“ zu brauchen. Die DL4 fährt in Erkrath und Hilden bis gegen 4 Uhr, die DL5 in Haan und Hilden bis 2 Uhr. Wer also nach der Maifeier feststellt, dass die Füße zwar gekündigt haben, der Kopf aber noch Vertragsverlängerung fordert, bekommt zumindest verkehrstechnisch Unterstützung.
Auch in Düsseldorf wird ordentlich nachgelegt. Mehrere Stadtbahn- und Buslinien fahren bis tief in die Nacht, teils alle 30 Minuten, teils stündlich. Die U72 verbindet Düsseldorf und Ratingen bis gegen 2 Uhr, während andere Linien sogar bis etwa 4 Uhr im Einsatz sind. Man kann also sagen: Die Rheinbahn macht das, was viele Partygäste auch versuchen – sie hält länger durch als geplant.
Am 1. Mai selbst gilt tagsüber der Sonntagsfahrplan. Das passt, denn nach einer durchtanzten Nacht bewegen sich ohnehin viele Menschen im Sonntagsmodus: langsam, würdevoll und mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen „War schön“ und „Nie wieder, bis nächstes Jahr“ liegt.
Wer ganz genau wissen möchte, wann welche Linie fährt, sollte vorher in die Fahrplanauskunft oder in die Rheinbahn-App schauen. Das ist besonders empfehlenswert, bevor man nachts an der Haltestelle steht und versucht, dem Fahrplan durch intensives Anstarren zusätzliche Busse zu entlocken. Für Fragen gibt es außerdem rund um die Uhr die kostenlose Hotline der Rheinbahn.
Kurz gesagt: Zum Tanz in den Mai darf die Region feiern, ohne dass der Heimweg zur Expedition wird. Die Rheinbahn sorgt dafür, dass Nachtschwärmer aus Hilden, Haan, Erkrath, Mettmann, Ratingen und Düsseldorf auch nach Mitternacht noch mobil bleiben. Und das ist doch beruhigend. Denn wer schon beim Tanzen aus dem Takt kommt, sollte wenigstens beim Heimfahren nicht völlig aus dem Fahrplan fallen.
Sonntag, 26. April 2026
26.4.2026: Hilden gibt Gas – aber bald mit mehr Wumms
In Hilden steht eine große Veränderung bevor, und nein, diesmal geht es nicht um neue Poller, Baustellen oder die Frage, warum man ausgerechnet dann keinen Parkplatz findet, wenn man nur „ganz kurz“ Brötchen holen will. Es geht ums Gas. Genauer gesagt: um die Umstellung von L-Gas auf H-Gas. Klingt erst einmal wie eine neue Diätformel aus dem Internet, ist aber tatsächlich eine ziemlich handfeste technische Angelegenheit.
Bisher kam in Hilden L-Gas aus den Niederlanden durch die Leitungen. Das „L“ steht dabei nicht für „lässig“, „leise“ oder „läuft schon irgendwie“, sondern für „Low Calorific“, also einen geringeren Energiegehalt. H-Gas wiederum steht für „High Calorific“ und hat entsprechend mehr Energie in der Leitung. Man könnte also sagen: Hilden steigt von der gemütlichen Gaskanne auf den kräftigeren Energiedrink um. Nur hoffentlich ohne Herzrasen beim Heizkessel.
Der Grund für die Umstellung ist nicht, dass irgendjemand bei den Stadtwerken morgens aufgewacht ist und dachte: „Ach, heute bringen wir mal 11.200 Haushalte ein bisschen durcheinander.“ Vielmehr liefern die Niederlande künftig kein L-Gas mehr nach Deutschland. Die Förderfelder dort sind nach und nach erschöpft, und ab dem 1. Oktober 2029 ist endgültig Schluss mit dem niederländischen L-Gas. Damit Hilden nicht irgendwann kollektiv im Wollpullover unter der kalten Dusche steht, wird rechtzeitig umgestellt.
Betroffen sind in Hilden rund 14.500 Erdgasgeräte in Haushalten und Unternehmen. Also Heizungen, Warmwasseranlagen und all die technischen Kästen, die meistens irgendwo im Keller hängen und so lange ignoriert werden, bis sie komische Geräusche machen. Damit diese Geräte künftig mit H-Gas klarkommen, müssen sie zunächst erfasst und später angepasst werden. Das passiert nicht per Zauberspruch, sondern durch Monteurinnen und Monteure, die im Auftrag der Stadtwerke unterwegs sein werden.
Jeder betroffene Haushalt bekommt mindestens zweimal Besuch. Beim ersten Termin wird geschaut, was da eigentlich im Keller, Hauswirtschaftsraum oder in der Abstellkammer vor sich hin arbeitet. Gerätetyp, Hersteller und wichtige Daten werden aufgenommen. Beim zweiten Termin wird das Gerät technisch angepasst, zum Beispiel durch den Austausch von Gasdüsen. Das klingt nach Feinarbeit, und genau das ist es auch. Man sollte also nicht selbst mit Schraubenzieher und YouTube-Tutorial loslegen. Der Satz „Ich hab da mal was am Gasgerät probiert“ gehört nämlich zu den Sätzen, bei denen Fachleute sehr schnell sehr blass werden.
Die gute Nachricht: Die Arbeiten sind für die Gasnutzer kostenlos. Niemand muss vor Ort bezahlen, niemand bekommt dafür eine Rechnung, und niemand sollte einem angeblichen Monteur Bargeld in die Hand drücken, nur weil dieser besonders überzeugend „Ich bin vom Gas“ sagt. Die Stadtwerke kündigen alle Termine rechtzeitig per Post an und geben auch Sicherheitshinweise, damit man echte Monteure von falschen unterscheiden kann. In Zeiten, in denen schon Paketboten, Glasfaserberater und angebliche Gewinnspielbeauftragte an der Tür klingeln, ist das durchaus beruhigend.
Los geht es voraussichtlich im Januar 2027 mit der Erhebung der Geräte. Ab Februar 2028 beginnt dann die technische Anpassung. Der große Schalttermin für Hilden ist für den 27. Juni 2028 vorgesehen. Das ist gewissermaßen der Tag, an dem Hilden offiziell auf H-Gas umsteigt. Kein Feiertag, kein Schützenumzug, vermutlich auch kein Feuerwerk, aber technisch betrachtet ein ziemlich bedeutender Moment.
Bis dahin heißt es: Briefe der Stadtwerke lesen, Termine im Blick behalten und dem Heizgerät gelegentlich freundlich zunicken. Es hat schließlich auch Gefühle. Oder zumindest eine Seriennummer. Und wer weiß: Vielleicht wird die Gasumstellung am Ende eines dieser seltenen Großprojekte, bei denen alles funktioniert, niemand panisch wird und Hilden einfach weiter warm duscht. Das wäre doch mal richtig heiß.