Montag, 8. Juni 2026

8.6.2026: Hilden und die Millionäre: Wo sind sie denn alle hin?

Hilden hat vieles. Eine Innenstadt, in der man garantiert jemanden trifft, den man eigentlich nur kurz grüßen wollte. Kreisverkehre, die gefühlt eigene Persönlichkeiten entwickelt haben. Menschen, die sehr genau wissen, wo es die besten Brötchen gibt. Und natürlich eine stabile Portion Lokalstolz. Was Hilden offenbar nicht im Überfluss hat: Einkommensmillionäre.

Zumindest sagt das die aktuelle Statistik des Statistischen Landesamtes NRW für das Jahr 2022. Im Kreis Mettmann wurden insgesamt 218 Menschen gezählt, die in einem Kalenderjahr mindestens eine Million Euro verdient haben. Wohlgemerkt: verdient. Nicht geerbt, nicht im Sparstrumpf versteckt, nicht als Immobilienwert auf dem Papier herumliegen gehabt. Es geht um Einkommen. Also um das, was am Jahresende auf dem Steuerzettel so aussieht, als hätte der Taschenrechner kurz übertrieben.

Und da steht Hilden nun mit 14 Einkommensmillionären da. Nicht allein auf dem letzten Platz, denn Heiligenhaus hat ebenfalls 14. Man könnte also sagen: Hilden ist nicht Schlusslicht, sondern teilt sich charmant die rote Laterne. Das klingt gleich viel netter. Ein bisschen wie „Wir sind nicht Letzter, wir sind Co-Minimalist“.

Ganz vorne liegt Ratingen mit 65 Einkommensmillionären. Das ist schon eine andere Hausnummer. Da fragt man sich unweigerlich, ob dort beim Bäcker morgens mit Goldkarte bezahlt wird oder ob die Millionäre einfach besonders geschickt darin sind, sich statistisch bemerkbar zu machen. Danach folgen Velbert mit 31, Haan mit 28, Langenfeld mit 23, Erkrath mit 19 und Mettmann mit 15. Hilden kommt dann mit 14 und schaut freundlich hinterher.

Besonders pikant ist der Vergleich mit Haan. Haan hat deutlich weniger Einwohner als Hilden, aber doppelt so viele Einkommensmillionäre. Die Gartenstadt wird damit quasi zur Champagnerstadt des Kreises Mettmann, zumindest statistisch betrachtet. Während Hilden noch überlegt, ob ein Cappuccino für 4,20 Euro schon Luxus ist, zählt Haan offenbar diskret die Einkommensmillionäre im Vorgarten durch.

Aber bevor jetzt jemand in Hilden nervös durch die Nachbarschaft läuft und prüft, wer sich auffällig oft neue Gartenmöbel kauft: Diese Statistik zeigt nicht, wie reich eine Stadt wirklich ist. Sie verrät nur, wer in einem Jahr mindestens eine Million Euro Einkünfte erzielt hat. Wer also ein großes Vermögen besitzt, aber gerade kein entsprechendes Jahreseinkommen hat, bleibt unsichtbar. Der klassische „Ich habe zwar drei Häuser, aber statistisch bin ich unauffällig“-Typ taucht hier nicht auf.

Hilden muss sich also keine Sorgen machen. Reichtum zeigt sich hier vielleicht einfach anders. In einem freien Parkplatz zur richtigen Zeit. In einem Handwerkertermin, der tatsächlich eingehalten wird. In der Fähigkeit, samstags durch die Innenstadt zu gehen, ohne fünf Bekannte zu treffen. Oder in dem seltenen Glück, beim Stadtfest noch einen Sitzplatz zu ergattern.

Landesweit steigt die Zahl der Einkommensmillionäre übrigens weiter. In Nordrhein-Westfalen wurden für 2022 insgesamt 8.123 Einkommensmillionäre gezählt. Das entspricht rund 4,5 Millionären je 10.000 Einwohner. Es gibt sie also, die Menschen mit sehr hohen Jahreseinkommen. Nur in Hilden scheinen sie sich eher rar zu machen. Vielleicht sind sie besonders bescheiden. Vielleicht wohnen sie inkognito. Vielleicht stehen sie gerade ganz normal an der Kasse und diskutieren, ob die Bonuspunkte richtig verbucht wurden.

Am Ende bleibt festzuhalten: Hilden hat vielleicht nicht die meisten Einkommensmillionäre im Kreis Mettmann. Aber dafür hat es Charakter, kurze Wege, starke Meinungen und Menschen, die auch ohne Millionen ziemlich genau wissen, was ihre Stadt wert ist. Und das ist zwar nicht steuerpflichtig, aber unbezahlbar.

Sonntag, 7. Juni 2026

7.6.2026: Hilden und die große Kippen-Kapitulation

Es gibt Dinge, die gehören in Hilden offenbar zum Stadtbild wie der Itterbach, die Mittelstraße und die Frage, warum ausgerechnet an der Bushaltestelle schon wieder jemand seine Zigarette elegant mit dem Zeigefinger in Richtung Bordstein schnippt. Die Zigarettenkippe, dieses kleine, graue Symbol kommunaler Ratlosigkeit, hat sich in vielen Ecken der Stadt häuslich eingerichtet. An Haltestellen, auf Parkplätzen, in Baumbeeten, neben Sitzbänken und auf Gehwegen liegt sie herum, als hätte sie dort einen Mietvertrag unterschrieben.

Während andere Städte versuchen, dem Problem mit Kontrollen, Bußgeldern und einer gewissen Portion Entschlossenheit zu begegnen, wirkt Hilden in dieser Frage ein bisschen so, als habe man den Kippen-Schnippern bereits die weiße Fahne gereicht. Nicht offiziell natürlich. Offiziell ist alles unter Kontrolle, nur eben ohne besondere Kontrollen.

Ein Blick nach Leverkusen zeigt, dass es auch anders geht. Dort wurden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes in Zivil losgeschickt, um Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen. Und siehe da: Kaum schaut mal jemand hin, schon werden Verstöße festgestellt. 75 Stück innerhalb weniger Tage. Das ist ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass es im Sommer warm werden kann oder dass ein Brötchen beim Bäcker inzwischen nicht mehr mit Kleingeld, sondern eher mit Finanzierungsplan bezahlt wird.

Die Botschaft aus Leverkusen ist simpel: Wer kontrolliert, findet auch etwas. Wer nicht kontrolliert, kann sich anschließend wunderbar darüber freuen, dass es kaum Verstöße gibt. Das ist ein bisschen wie beim Aufräumen im Kinderzimmer: Wenn man die Tür geschlossen hält, sieht es von außen völlig ordentlich aus.

Hilden hingegen möchte von solchen Zivilkontrollen derzeit nichts wissen. Die Ordnungskräfte sollen für Bürger jederzeit erkennbar bleiben. Das klingt zunächst sympathisch transparent, hat aber einen kleinen Haken: Wer wirft seine Kippe schon demonstrativ vor den Füßen eines sichtbaren Ordnungsamtsmitarbeiters auf den Boden? Selbst der ambitionierteste Kippen-Schnipper dürfte in diesem Moment kurzzeitig zum Musterbürger mutieren, die Zigarette schuldbewusst ausdrücken und sich verhalten, als hätte er noch nie in seinem Leben etwas anderes benutzt als einen Taschenaschenbecher aus fair gehandeltem Edelstahl.

Die Stadt verweist außerdem auf den Mängelmelder. Ein schönes Instrument, keine Frage. Schlagloch? Foto machen. Defekte Laterne? Melden. Umgestürztes Schild? Zack, digital erfasst. Aber ein Raucher, der seine Kippe auf den Boden wirft und drei Sekunden später in der Fußgängerzone verschwindet? Da wird es schwierig. Bis das Handy entsperrt, die App geöffnet, der Standort geladen und der Vorgang beschrieben ist, sitzt der Täter vermutlich schon im Bus nach Benrath und fühlt sich unauffällig.

Auch der Hinweis, Bürger könnten entsprechende Beobachtungen melden, klingt in der Theorie nett. In der Praxis stellt man sich das etwas komplizierter vor. „Guten Tag, ich möchte einen Mann melden, etwa mittelgroß, Jacke, Hose, hat geraucht.“ Das dürfte ermittlungstechnisch ungefähr so präzise sein wie „Ich suche ein Auto, es hatte Räder“.

Besonders spannend ist die Begründung, Verstöße könnten meist nur geahndet werden, wenn jemand auf frischer Tat ertappt werde. Genau. Und genau deshalb ist Leverkusen ja auf die Idee gekommen, Menschen gezielt beim Wegwerfen zu beobachten. Hilden scheint aus derselben Erkenntnis eher den Schluss zu ziehen: Wenn es schwierig ist, lassen wir es lieber. Das ist ungefähr so, als würde die Feuerwehr sagen, Brände seien leider oft heiß, weshalb man sich vorerst auf das Beobachten von Rauchwolken beschränke.

Die Zahlen machen die Sache nicht gerade weniger kurios. Im gesamten Jahr 2025 wurden in Hilden 42 Verfahren wegen illegaler Müllentsorgung oder Verunreinigung öffentlicher Flächen geführt. Daraus entstanden 15 Verwarnungen und 16 Bußgelder. Also 31 Ahndungen in einem ganzen Jahr. Leverkusen kam bei einer einzigen Aktion in wenigen Tagen auf 75 Verstöße. Natürlich ist Leverkusen größer als Hilden. Aber selbst wenn man die Einwohnerzahlen in kommunalmathematische Watte packt, bleibt der Eindruck: Dort, wo hingeschaut wird, passiert mehr als dort, wo man hofft, dass der Mängelmelder schon irgendwie Bescheid sagt.

Erstaunlich ist auch die Aussage, besondere Müll-Hotspots seien in Hilden nicht erkennbar. Viele Hildenerinnen und Hildener dürften sich beim Lesen kurz an ihrem Kaffee verschlucken. Denn wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, sieht die Kippen nicht nur an einem Ort, sondern an vielen. Sie liegen an Bushaltestellen, in Baumscheiben, vor Geschäften, auf Parkplätzen und in Grünanlagen. Manchmal wirkt es fast, als hätten sie sich abgesprochen: „Du nimmst die Bank, ich den Gully, Karl-Heinz macht den Bereich vor dem Supermarkt.“

Dabei sind Zigarettenkippen kein kleines ästhetisches Ärgernis, das man mit einem Schulterzucken abtun sollte. Sie enthalten Schadstoffe, werden vom Regen ausgewaschen und landen am Ende dort, wo sie nun wirklich niemand haben möchte: in Böden, Gewässern und im kommunalen Reinigungsetat. Die Kippe ist also nicht nur hässlich, sondern auch ziemlich unangenehm für Umwelt und Stadtkasse. Ein echtes Multitalent des Ärgernisses.

Natürlich kann keine Stadt an jeder Ecke eine Ordnungskraft hinter einem Blumenkübel verstecken. Niemand erwartet, dass Hilden zur bundesweiten Spezialeinheit gegen Filterreste aufrüstet. Aber zwischen Totalüberwachung und „Wir sehen keine Hotspots“ gibt es ja vielleicht noch ein paar Zwischentöne. Schwerpunktkontrollen an bekannten Stellen, gelegentliche Aktionen, sichtbare Bußgelder, Aufklärung und der klare Eindruck, dass Wegwerfen eben nicht folgenlos bleibt.

Im Moment entsteht jedoch ein anderer Eindruck: Die Kippen-Schnipper müssen in Hilden offenbar nicht besonders nervös sein. Solange sie ihre Zigarette nicht direkt vor einem erkennbaren Mitarbeiter des Ordnungsamtes fallen lassen, stehen die Chancen gut, dass der Filterrest seine Reise auf dem Gehweg ganz unbehelligt antreten darf.

Hat Hilden also vor den Kippen-Schnippern kapituliert? Vielleicht nicht offiziell. Aber wenn eine Stadt erklärt, dass Kontrollen grundsätzlich möglich wären, sie aber nicht plant, keine besonderen Brennpunkte sieht und auf einen Mängelmelder verweist, der flüchtige Raucher kaum einfangen kann, dann klingt das zumindest nach sehr entspannter Verteidigungshaltung.

Und so bleibt Hilden vorerst eine Stadt, in der man vieles findet: nette Ecken, engagierte Bürger, lebendige Diskussionen und leider auch jede Menge Zigarettenkippen. Vielleicht braucht es gar keine große Revolution. Vielleicht würde schon ein bisschen mehr Leverkusen reichen. Weniger Wegschauen, mehr Hinschauen. Weniger „schwierig“, mehr „wir probieren es“. Denn eine saubere Stadt entsteht selten dadurch, dass man hofft, der nächste Windstoß erledigt die Arbeit.

Samstag, 6. Juni 2026

6.6.2026. Hilden Sport: Wenn Hellblau und Rosa plötzlich Beere werden

Es gibt Momente, da merkt man: Jetzt wird es historisch. In Hilden war so ein Moment am 2. Juni 2026 in der Aula des Helmholtz-Gymnasiums. Rund 300 Mitglieder von TuS 96 Hilden und Hildener AT 64 kamen zusammen, um über etwas abzustimmen, das größer war als jede Jahreshauptversammlung, emotionaler als jede Trikotdiskussion und vermutlich länger als so manche Kreisliga-Nachspielzeit: die Fusion der beiden Traditionsvereine zu Hilden Sport e.V.

Drei Stunden dauerte die Sitzung. Drei Stunden! Das ist kein Vereinsabend, das ist Ausdauertraining mit Stimmkarten. Je nach Vereinszugehörigkeit wurden hellblaue oder rosafarbene Karten gehoben, und irgendwo zwischen Verschmelzungsvertrag, neuer Satzung und Präsidiumsbesetzung dürfte manch einer gedacht haben: „Hätte ich doch vorher noch eine Banane gegessen.“ Aber die Mitglieder hielten durch. Schließlich ging es nicht um Kleinigkeiten wie neue Ballpumpen oder die Frage, wer nach dem Training die Leibchen wäscht. Es ging um die Zukunft des Hildener Sports.

Ab dem 1. Juli 2026 verschmelzen TuS 96 und HAT 64 offiziell zu einem Großverein mit rund 5000 Mitgliedern. Das klingt nicht nur beeindruckend, das klingt fast so, als müsste Hilden demnächst eigene Olympische Spiele anmelden. Zwei Vereine mit mächtig Tradition unter einem Dach: Die HAT mit Wurzeln aus dem Jahr 1864, als turnbegeisterte junge Hildener vermutlich noch ohne Funktionsshirt, Fitnessuhr und isotonisches Getränk unterwegs waren. Und der TuS, gegründet 1896, also ebenfalls zu einer Zeit, in der Sport noch nicht mit einer App begann, sondern mit echtem Vereinsgeist.

Natürlich war dieser Schritt kein spontaner Einfall nach dem Motto: „Ach komm, wir fusionieren mal eben vor dem Wochenende.“ Über ein Jahr wurde geprüft, gesprochen, abgewogen, erklärt und vermutlich auch innerlich tief durchgeatmet. Die Vorstände hatten den Auftrag bekommen, die Sache ernsthaft anzugehen, und genau das taten sie. Am Ende stand eine überwiegend harmonische Versammlung, was bei Vereinsfragen allein schon als sportliche Spitzenleistung gelten darf. Geleitet wurde das Ganze fachkundig von Karin Schulze-Kersting vom Landessportbund, unterstützt von Notar Niklas Mairose. Denn wenn zwei Traditionsvereine heiraten, braucht es eben nicht nur Blumen, sondern auch Paragrafen.

Damit auch wirklich alle spürten, dass hier nicht einfach nur zwei Vereinsregistereinträge zusammenrücken, gab es ein Einleitungsvideo mit bekannten Hildener Persönlichkeiten. Bürgermeister Claus Pommer freute sich über neue Chancen für den Hildener Sport, Ex-Sportdezernent Reinhard Gatzke sah die Möglichkeit, die Sportstadt Hilden weiter nach vorne zu bringen. Auch erfolgreiche Sportlerinnen wie Lena Schmidt und Sanaa Koubaa-Schretzmair unterstützten den Zusammenschluss. Und Sven Lorig, seit Kindesbeinen im TuS, brachte es sinngemäß auf den Punkt: Rivalität ist schön, gemeinsam stärker sein aber auch nicht verkehrt.

Das ist vermutlich die eigentliche Kunst dieser Fusion: aus zwei Vereinsseelen ein neues Wir zu machen, ohne dass dabei jemand sein altes Wir in der Umkleide vergisst. Denn natürlich hängen Herzen an Wappen, Farben, Namen und Erinnerungen. Wer jahrzehntelang blau-gelb gedacht oder mit der HAT gefiebert hat, der legt diese Gefühle nicht einfach ab wie verschwitzte Sportsocken. Deshalb war auch die Wahl des neuen Logos ein emotionaler Endspurt. Aus den Ursprungsfarben entstand ein Beerenton. Ja, Beere. Hilden Sport trägt künftig also eine Farbe, die irgendwo zwischen Tradition, Moderne und sehr selbstbewusstem Smoothie liegt.

Doch genau das passt vielleicht ganz gut. Denn dieser neue Verein soll nicht einfach größer sein, sondern moderner, stabiler und stärker. Alexander Kiel vom Freiburger Kreis erklärte, dass Größe allein zwar nicht alles sei, aber Chancen eröffne. Finanzielle Schwankungen lassen sich besser auffangen, personelle Ausfälle bringen nicht gleich das ganze Vereinsleben ins Wanken, und ein Großverein bleibt trotzdem eine Solidargemeinschaft. Übersetzt in Vereinssprache: Wenn mal jemand den Schlüssel zur Halle vergisst, bricht nicht sofort das Abendland zusammen.

Hilden Sport startet nun mit einem zehnköpfigen Präsidium, in dem zunächst jeweils fünf Vertreter aus beiden Vereinen sitzen. Das klingt nach Ausgleich, Fairness und vermutlich nach Sitzungen, in denen sehr genau darauf geachtet wird, dass niemand zu früh „früher bei uns“ sagt. Aber genau darin liegt auch die Chance. Zwei Geschichten, zwei Kulturen, zwei Vereinsfamilien wachsen zusammen. Und ja, vielleicht wird es am Anfang noch den einen oder anderen Moment geben, in dem jemand aus alter Gewohnheit „TuS“ oder „HAT“ ruft. Das ist erlaubt. Tradition verschwindet nicht, sie bekommt nur ein neues Trikot.

Am Ende ist diese Fusion mehr als ein Verwaltungsakt. Sie ist ein sportlicher Handschlag über Vereinsgrenzen hinweg. Ein ziemlich großer sogar. Hilden bekommt mit Hilden Sport einen Verein, der viel vorhat und dabei auf einem Fundament steht, das über Generationen gewachsen ist. Man könnte sagen: Der TuS und die HAT haben sich getraut. Nicht heimlich, nicht leise, sondern mit Stimmkarten, Notar, Video, Logoauswahl und allem, was zu einer ordentlichen Hildener Sporthochzeit dazugehört.

Und wenn am 1. Juli 2026 aus zwei großen Namen offiziell einer wird, darf Hilden ruhig ein bisschen stolz sein. Denn wo sonst wird aus hellblau und rosa nicht Streit, sondern Beere?

Donnerstag, 4. Juni 2026

4.6.2026: Hilden dreht den Sommer auf: Kunst, Curry und kollektives Mitwippen

Hilden hat offenbar beschlossen, den Sommer 2026 nicht einfach nur stattfinden zu lassen, sondern ihn mit beiden Händen zu packen, ordentlich durchzuschütteln und dann mitten in die Innenstadt zu stellen. Zwischen Stadtpark, Bürgerhaus, Altem Markt, Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz und Fußgängerzone wird gefeiert, geschlendert, gestaunt und gegessen, als hätte jemand im Rathaus gesagt: „Ein normales Wochenende? Nicht mit uns.“

Los geht es kulinarisch am Freitag, 19. Juni, wenn das Street Food Festival auf dem Ellen-Wiederhold-Platz von 17 bis 22 Uhr die feine Kunst des Entscheidungsstresses zelebriert. Denn wer schon einmal vor internationalen Spezialitäten stand, weiß: Der Mensch ist evolutionär nicht darauf vorbereitet, gleichzeitig Hunger, Neugier und nur zwei Hände zu haben. Am Samstag und Sonntag gesellt sich dann der Hildener Künstlermarkt dazu, der am 20. und 21. Juni jeweils von 11 bis 18 Uhr die Innenstadt in eine Open-Air-Galerie verwandelt. 66 Künstlerinnen und Künstler präsentieren dort ihre Werke – von Malerei über Fotografie und Keramik bis hin zu Skulpturen. Besonders spannend: Maori-Kunst als Tätowierung wird ebenfalls vorgestellt, wobei vor Ort nicht tätowiert wird. Sehr beruhigend für alle, die nur „mal eben gucken“ wollten und sonst versehentlich mit einem kunsthistorisch bedeutsamen Oberarm nach Hause gegangen wären. 

Dass Street Food und Kunst erstmals gleichzeitig auftreten, ist natürlich ein mutiger Schritt. Denn nun muss Hilden klären, was stärker ist: die emotionale Wirkung eines Acrylbildes oder der Duft von etwas Frittiertem mit exotischer Soße. Vermutlich endet es wie immer diplomatisch: Man kauft ein kleines Kunstwerk, isst etwas Großes aus Pappe und erklärt beides zum kulturellen Erlebnis.

Doch damit nicht genug. Am 11. und 12. Juli folgt das vierte Bürgerfestival, bei dem sich die Innenstadt erneut in eine Bühne für Begegnung, Kultur und gemeinsames Feiern verwandeln soll. Zwei Bühnen auf dem Alten Markt und dem Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz bieten Musik, Tanz, Mitmachaktionen und Beiträge aus dem Hildener Vereins- und Kulturleben. Kurz gesagt: Hilden zeigt, was es kann – und zwar gleichzeitig, laut, herzlich und vermutlich mit mindestens einem Mikrofon, das kurz pfeift.

Das Schöne daran: Diese Veranstaltungen klingen nicht nach steifem Pflichtprogramm, sondern nach echtem Stadtleben. Nach zufälligen Gesprächen, nach Kindern mit klebrigen Fingern, nach Menschen, die „nur kurz bleiben“ wollten und drei Stunden später noch immer irgendwo zwischen Salsa-Workshop, Holzskulptur und Falafel stehen. Hilden macht den Sommer nicht größer als nötig, aber genau lebendig genug, um daran erinnert zu werden, dass Innenstadt mehr sein kann als Erledigungen, Parkscheinautomaten und die Frage, wo man jetzt schon wieder den Einkaufszettel gelassen hat.

Kurzum: Wer im Juni und Juli in Hilden nichts vorhat, hat spätestens jetzt etwas vor. Und wer schon etwas vorhat, sollte prüfen, ob es wirklich wichtiger ist als Kunst unter freiem Himmel, Street Food mit Urlaubsgefühl und ein Bürgerfestival, bei dem die Stadt sich selbst feiert, ohne dabei zu vergessen, alle anderen gleich mitzufeiern.

Mittwoch, 3. Juni 2026

3.6.2026: Hilden unter Wasser: Wenn der Sommer kurz mal die Kanalisation testet

Dienstagnachmittag in Hilden, 16.20 Uhr: Eigentlich eine Uhrzeit, zu der man überlegt, ob man noch schnell einkaufen geht, den Hund ausführt oder einfach so tut, als hätte man den Feierabend schon verdient. Doch dann schoben sich schwarze Wolken über die Stadt, als hätte jemand am Himmel versehentlich den „Drama“-Filter aktiviert. Kurz darauf öffnete sich die himmlische Badewanne, und Hilden bekam eine Gratis-Dusche der eher entschlossenen Sorte.

Zehn Minuten lang regnete es so heftig, dass einige Straßen offenbar kurz darüber nachdachten, eine Zweitkarriere als Nebenarm des Rheins zu beginnen. Ellerstraße, Kirchhofstraße und andere Bereiche im Stadtgebiet standen zeitweise unter Wasser. Die Kanalisation gab sich Mühe, aber man merkte ihr an: Auf so viel Wasser auf einmal war sie ungefähr so vorbereitet wie ein Mensch auf Montagmorgen vor dem ersten Kaffee.

Auch Blitz und Donner waren mit von der Partie, denn wenn schon Unwetter, dann bitte mit kompletter Geräuschkulisse. Passanten auf der Schulstraße waren mit Regenschirmen unterwegs, wobei man bei Starkregen ja nie genau weiß, ob ein Schirm schützt oder nur symbolisch mitteilt: „Ich habe es versucht.“

Die Feuerwehr rückte zu vier kleineren Einsätzen aus. Vorsorglich waren alle drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert worden, insgesamt 36 Kräfte waren im Einsatz. Am Ende konnten sie vielerorts allerdings wieder abrücken, ohne eingreifen zu müssen, weil das Wasser inzwischen von selbst abgelaufen war. Man könnte sagen: Die Feuerwehr kam, sah – und das Wasser hatte sich bereits verdrückt. Vermutlich hatte es einen wichtigen Termin in Richtung Osten, denn genauso schnell wie das Gewitter gekommen war, zog es auch wieder weiter.

Im Kreis Mettmann gab es ebenfalls mehrere Einsätze wegen überfluteter Straßen, besonders viele Anrufe kamen aus Erkrath. In Haan hagelte es zwar, aber offenbar blieb das Unwetter dort vergleichsweise zahm. Hilden dagegen durfte kurz erleben, wie es ist, wenn der Himmel sagt: „Ich mach nur zehn Minuten, aber die richtig.“

Zurück bleibt die Erkenntnis: In Hilden braucht es manchmal keinen See, um Wasserblick zu bekommen. Ein Gewitter reicht völlig. Und wer am Dienstag trockene Füße behalten hat, darf sich offiziell zu den wetterfesten Glückspilzen zählen.

Dienstag, 2. Juni 2026

2.6.2026: Gastro Talk in Hilden: Kaffee, Kritik und kommunale Kassenakrobatik

Es gibt Formate, die klingen nach Flipchart, Sitzungssaal und lauwarmem Mineralwasser. Und dann gibt es den „Gastro Talk“: Bürgermeister Claus Pommer setzt sich ins Café, Bürgerinnen und Bürger kommen vorbei, bestellen vermutlich etwas mit Milchschaum und sprechen über alles, was in Hilden drückt, klemmt, klappert oder einfach mal gesagt werden muss. Beim ersten Termin im Café Röstzeit zeigte sich: Kommunalpolitik geht offenbar auch mit Koffein. Und seien wir ehrlich: Manche Themen lassen sich mit einem Kaffee in der Hand deutlich besser ertragen als mit einem Aktenordner auf dem Schoß. 

Die Idee ist charmant: Wer keine Lust auf klassische Beteiligungsformate hat, kann einfach vorbeikommen, Platz nehmen und loswerden, was zwischen Fahrradweg, Stadtpark und Schwimmbadöffnung so auf der Seele liegt. Barrierearm nennt man das offiziell. Inoffiziell könnte man sagen: Demokratie mit Getränkekarte. Pommer erklärte, er mache bereits viele Formate, etwa Spaziergänge mit Bürgerinnen und Bürgern. Nun also Sitzen statt Gehen. Das ist nur konsequent, denn manche Hildener Probleme sind so langlebig, dass man sie besser im Sitzen bespricht.

Und die Themen kamen schnell auf den Tisch. Mehr Angebote für Studierende wurden gewünscht, damit junge Menschen in Hilden nicht nur dann sichtbar werden, wenn Weinfest ist. Pommer verwies auf das Bürgerfestival und darauf, dass nicht jedes Jahr dieselben Bands in derselben Reihenfolge auftreten sollten. Eine beruhigende Nachricht für alle, die schon beim Aufbau der Bühne ahnen können, wann der Gitarrist sein Solo macht. Auch der Stadtpark bekam ein kleines Lobpflänzchen: Minigolfanlage wieder in Schuss, Büdchen als Anlaufstelle, Tangoabende als Sonderaktion. Hilden tanzt also wieder, zumindest stellenweise und hoffentlich ohne Stolperkante.

Apropos Stolperkante: Die Fahrradwege durften natürlich nicht fehlen. Eine Bürgerin berichtete von engen Stellen zwischen Hilden-West und Innenstadt, besonders dort, wo parkende Autos und fehlende Markierungen aus einer Radfahrt eine Art kommunales Geschicklichkeitsspiel machen. Ein Fahrradangebotsstreifen wurde ins Gespräch gebracht. Das klingt zwar ein bisschen wie „Wir bieten Ihnen hiermit offiziell etwas Platz an, können aber für nichts garantieren“, könnte Autofahrende aber immerhin daran erinnern, dass Radfahrer nicht bloß dekorative Randerscheinungen des Straßenverkehrs sind.

Richtig deutlich wurde es dann bei der gefühlten Bürgerbilanz: immer einzahlen, kein Benefit, keine saubere Ecke, kaputte Fahrradwege, verkürzte Schwimmbadzeiten. Das ist ungefähr der Moment, in dem Kommunalpolitik vom Cappuccino in den doppelten Espresso wechselt. Pommer hielt dagegen und zählte auf, was Hilden sich leistet: Stadthalle, Waldschwimmbad, Bibliothek, Musikschule. Also durchaus Benefits, nur eben manchmal etwas versteckt zwischen Schlagloch, Haushaltsloch und Öffnungszeitenzettel.

Der große Elefant am Café-Tisch war die finanzielle Lage. Sozialausgaben, besonders in der Jugendhilfe, sind hoch, und die Stadt bekommt Einnahmen und Ausgaben nicht mehr sauber zusammen. Das klingt trocken, ist aber im Alltag ziemlich konkret: Wer Geld nur einmal ausgeben kann, muss entscheiden, ob es in Straßen, Schwimmbad, Kultur, Jugendhilfe oder die nächste dringende Reparatur fließt. Kurz gesagt: Der städtische Geldbeutel hat keine Zaubernaht. Und selbst wenn man ihn kräftig schüttelt, fällt höchstens eine alte Parkquittung heraus.

Am Ende war der erste „Gastro Talk“ aber offenbar genau das, was er sein sollte: ein Gesprächsort. Menschen kamen, sprachen mit dem Bürgermeister, brachten Ärger, Ideen und Wünsche mit und gingen mit dem Gefühl, gehört worden zu sein. Das löst noch keinen Fahrradweg, füllt keine Stadtkasse und verlängert keine Schwimmbadöffnung per Milchschaum-Magie. Aber es ist ein Anfang. Und vielleicht ist das in einer Stadt manchmal schon eine Menge: ein Tisch, ein Getränk, ein offenes Ohr und die Erkenntnis, dass Hilden zwar nicht alle Probleme sofort wegmoderieren kann, sie aber wenigstens nicht allein im Kreisverkehr stehen lässt.

Sonntag, 31. Mai 2026

31.5.2026: Hildener Bürgerfestival: Wenn die Profiband plötzlich mitfeiert

In Hilden wird wieder Bürgerfestival gefeiert, und eigentlich klingt das erst einmal nach einer sehr friedlichen Angelegenheit: Hildener Gruppen, Hildener Kultur, Hildener Publikum, Hildener Bühne – vermutlich sogar mit Hildener Wetter, das sich zwischen „ganz nett“ und „wir stellen vorsichtshalber doch mal einen Pavillon auf“ einpendelt. Doch nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Denn beim Bürgerfestival am Wochenende des 11. und 12. Juli soll am Samstagabend auf Wunsch von Bürgermeister Claus Pommer eine professionelle Band auftreten. Und zwar nicht irgendein spontaner Zusammenschluss von Nachbarn mit Cajón, Blockflöte und großem Selbstvertrauen, sondern eine externe Profiband. Zack, da war sie, die kommunalpolitische Bassdrum. 

Die SPD fragt nun, ob das noch zum Charakter des Bürgerfestivals passt. Schließlich soll dieses Fest traditionell eine Bühne für Hildener Bürgerinnen, Bürger und Kulturschaffende sein. Man könnte sagen: Das Bürgerfestival ist eigentlich der Ort, an dem lokale Talente glänzen dürfen, ohne dass von außen jemand mit Nebelmaschine, Tourbus und Gagenvorstellung auf den Alten Markt rollt. Die Sozialdemokraten möchten deshalb wissen, ob der Auftritt einer externen Band nicht eine Art musikalischer Fremdkörper ist – oder zumindest ein sehr gut bezahlter Gast auf einer Party, zu der ursprünglich die Nachbarschaft eingeladen war.

Das Rathaus wiederum sieht die Sache entspannter. Die Idee sei, mit dem erweiterten Angebot auch neue Festivalbesucher zu erreichen. Übersetzt heißt das ungefähr: Vielleicht kommt ja jemand, der bislang dachte, Bürgerfestival sei nur etwas für Menschen, die Klappstühle besitzen und jeden Programmpunkt persönlich kennen. Dass Nicht-Hildener auch Gage verlangen, nimmt man dabei in Kauf. Eine bemerkenswerte Erkenntnis: Profimusiker leben offenbar nicht ausschließlich von Applaus, Dankesworten und einem Getränkebon für die Pause.

Insgesamt sollen Gagen in Höhe von 4175 Euro gezahlt werden, gedeckt durch die vorhandenen Haushaltsmittel. Nun ist Geld in der Kommunalpolitik bekanntlich nie einfach nur Geld. Es ist immer auch ein Signal, ein Prüfstein, ein Reizwort und gelegentlich ein Grund, warum in Ausschüssen Menschen sehr langsam ihre Brille absetzen. SPD-Ratsmitglied Steffen Kirchhoff hält die Ausgabe angesichts der angespannten Haushaltslage für problematisch. Zumal es ja auch Hildener Bands gebe, die man hätte engagieren können. Und tatsächlich: Wer ein Fest der lokalen Kultur veranstaltet, könnte auf die Idee kommen, erst einmal lokal zu suchen. So wie man beim Bäcker nebenan Brötchen kauft und nicht extra einen Croissant-Experten aus Lyon einfliegen lässt.

Andererseits hat auch die Rathaus-Logik ihren Reiz. Ein Bürgerfestival darf natürlich wachsen, sich verändern und vielleicht auch mal neue Besucher anlocken. Die spannende Frage ist nur: Wie viel „neu“ verträgt ein Fest, bevor die alte Idee darunter ein bisschen ins Schwitzen gerät? Eine externe Profiband kann ein Höhepunkt sein. Sie kann aber auch wirken wie der entfernte Cousin, der auf der Familienfeier plötzlich die Musikanlage übernimmt und sagt: „Ich hab da mal was vorbereitet.“

Am Ende bleibt Hilden also eine Frage, die größer ist als zwei Stunden Musik am Samstagabend: Wem gehört die Bühne beim Bürgerfestival? Den lokalen Gruppen, die das Fest mit Leben füllen? Einer Stadt, die mehr Publikum erreichen will? Oder allen zusammen, sofern niemand beim Soundcheck die kommunale Harmonie übersteuert?

Vielleicht wird der Auftritt ja ein voller Erfolg. Vielleicht tanzt der Alte Markt, die SPD wippt heimlich mit dem Fuß, und am Ende sagt jemand: „War doch gar nicht so schlimm.“ Vielleicht steht aber auch irgendwo ein Hildener Musiker mit Gitarre und denkt: „Für 4175 Euro hätte ich sogar noch die Zugabe selbst moderiert.“

Sicher ist nur: Das Bürgerfestival hat schon vor dem ersten Akkord seinen ersten großen Programmpunkt geliefert. Nicht auf der Bühne, sondern in der Debatte. Und das ist irgendwie auch sehr Hilden: Erst wird diskutiert, dann gefeiert – und zwischendurch fragt jemand ganz sachlich, ob dafür eigentlich Haushaltsmittel vorgesehen sind.