Manchmal sind es die eher kleinen Nachrichten aus Hilden, bei denen ich hängen bleibe. Keine neue Großbaustelle, keine politische Grundsatzdiskussion und auch kein Ereignis, das tagelang die Schlagzeilen beherrscht. Stattdessen geht es diesmal um Kinder, ein paar Farben, Holz, Pappe, Speckstein und ziemlich viel Fantasie. Das Kulturamt der Stadt Hilden startet nach den Sommerferien wieder seine Kinderkunstkurse im Alten Helmholtz – und für die im September beginnenden Angebote gibt es noch freie Plätze.
Ich finde solche Angebote für eine Stadt wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Natürlich können Kinder heute auf dem Tablet malen, am Computer irgendwelche Welten bauen oder sich stundenlang Videos anschauen, in denen andere Menschen kreativ sind. Aber es ist eben doch etwas anderes, selbst ein Stück Holz in die Hand zu nehmen, mit Acrylfarbe zu experimentieren oder aus Pappe und Stäben etwas zu bauen, das vorher nur im eigenen Kopf existiert hat. Und genau darum geht es bei den vier Kursen, die jetzt im Alten Helmholtz angeboten werden.
Am Donnerstag, 10. September, beginnt „Achtung Kunst!“. Kinder ab sechs Jahren schauen zunächst einmal, wo ihnen Kunst eigentlich im Alltag und in der Natur begegnet. Danach wird selbst losgelegt: mit Kreiden, Acrylfarben, Drucktechniken und sogar Speckstein. Ebenfalls am 10. September startet für Kinder ab acht Jahren „Fantasiehäuser auf Bäumen“. Aus Holz, Pappe, Stäben, Folien und anderen Materialien entstehen dreidimensionale Baumhäuser. Ich vermute, dass dabei Konstruktionen herauskommen werden, bei denen der eine oder andere Erwachsene neidisch feststellen muss, dass das eigene Gartenhaus gestalterisch noch erhebliches Verbesserungspotenzial besitzt.
Montags geht es ab dem 14. September weiter. Beim Kurs „GlücksKIND“ beschäftigen sich Kinder ab sieben Jahren kreativ mit Glückssymbolen. Und direkt danach dürfen die etwas jüngeren Teilnehmer bei „Kinder entdecken Kunstgeschichten“ auf Reisen gehen – zumindest mit ihrer Fantasie. Abenteuer, Tiere, Zoo, Paradiesvögel und Fantasiewesen liefern den Stoff für eigene Bilder, Bücher und Leporellos. Ein Skizzenheft begleitet die Kinder dabei durch die zehn Wochen.
Gerade diese Mischung gefällt mir. Es geht nicht darum, dass am Ende zehn kleine Picassos aus dem Alten Helmholtz marschieren. Es geht ums Ausprobieren. Darum, eine Idee zu haben und zu schauen, was daraus wird. Vielleicht funktioniert sie. Vielleicht auch überhaupt nicht. Dann nimmt man eben ein neues Blatt Papier, ein anderes Stück Pappe oder noch ein bisschen Farbe. Eigentlich eine ziemlich gute Lektion fürs Leben – ganz ohne dass jemand sie als solche ankündigen muss.
Alle vier Kurse umfassen zehn Termine von jeweils 90 Minuten und finden im Alten Helmholtz an der Gerresheimer Straße 20 statt. Pro Kurs werden 70 Euro fällig. Sieben Euro für anderthalb Stunden betreutes Malen, Bauen, Gestalten und Entdecken finde ich durchaus fair. Vor allem, wenn man sich anschaut, welche Preise inzwischen für manche Freizeitaktivitäten aufgerufen werden.
Ich mag außerdem, dass das Alte Helmholtz damit einmal mehr zeigt, welche Rolle solche Orte mitten in einer Stadt spielen können. Hilden braucht nicht nur Geschäfte, Wohnungen, Straßen und Parkplätze. Eine Stadt lebt auch davon, dass es Räume gibt, in denen Kinder etwas ausprobieren können, Jugendliche zusammenkommen, Kultur entsteht und Menschen Dinge tun, die zunächst einmal keinen anderen Zweck haben müssen, als Spaß zu machen.
Vielleicht sitzt also im September irgendwo im Alten Helmholtz tatsächlich die nächste große Hildener Künstlerin oder der nächste große Hildener Künstler und weiß es nur noch nicht. Vielleicht entstehen dort aber auch einfach zehn etwas schiefe Baumhäuser, ein paar wilde Paradiesvögel und Bilder, bei denen Mama und Papa anschließend sehr überzeugend sagen müssen: „Das ist aber toll geworden!“
Beides wäre für mich vollkommen in Ordnung.
Denn Kreativität beginnt schließlich nicht mit Perfektion. Sondern meistens mit einem leeren Blatt und der Frage: Was mache ich jetzt daraus?
Dienstag, 1. September 2026
1.9.2026: Kleine Künstler ganz groß – warum mir dieses Hildener Angebot gefällt
Abonnieren
Posts (Atom)