Sonntag, 31. Mai 2026

31.5.2026: Hildener Bürgerfestival: Wenn die Profiband plötzlich mitfeiert

In Hilden wird wieder Bürgerfestival gefeiert, und eigentlich klingt das erst einmal nach einer sehr friedlichen Angelegenheit: Hildener Gruppen, Hildener Kultur, Hildener Publikum, Hildener Bühne – vermutlich sogar mit Hildener Wetter, das sich zwischen „ganz nett“ und „wir stellen vorsichtshalber doch mal einen Pavillon auf“ einpendelt. Doch nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Denn beim Bürgerfestival am Wochenende des 11. und 12. Juli soll am Samstagabend auf Wunsch von Bürgermeister Claus Pommer eine professionelle Band auftreten. Und zwar nicht irgendein spontaner Zusammenschluss von Nachbarn mit Cajón, Blockflöte und großem Selbstvertrauen, sondern eine externe Profiband. Zack, da war sie, die kommunalpolitische Bassdrum. 

Die SPD fragt nun, ob das noch zum Charakter des Bürgerfestivals passt. Schließlich soll dieses Fest traditionell eine Bühne für Hildener Bürgerinnen, Bürger und Kulturschaffende sein. Man könnte sagen: Das Bürgerfestival ist eigentlich der Ort, an dem lokale Talente glänzen dürfen, ohne dass von außen jemand mit Nebelmaschine, Tourbus und Gagenvorstellung auf den Alten Markt rollt. Die Sozialdemokraten möchten deshalb wissen, ob der Auftritt einer externen Band nicht eine Art musikalischer Fremdkörper ist – oder zumindest ein sehr gut bezahlter Gast auf einer Party, zu der ursprünglich die Nachbarschaft eingeladen war.

Das Rathaus wiederum sieht die Sache entspannter. Die Idee sei, mit dem erweiterten Angebot auch neue Festivalbesucher zu erreichen. Übersetzt heißt das ungefähr: Vielleicht kommt ja jemand, der bislang dachte, Bürgerfestival sei nur etwas für Menschen, die Klappstühle besitzen und jeden Programmpunkt persönlich kennen. Dass Nicht-Hildener auch Gage verlangen, nimmt man dabei in Kauf. Eine bemerkenswerte Erkenntnis: Profimusiker leben offenbar nicht ausschließlich von Applaus, Dankesworten und einem Getränkebon für die Pause.

Insgesamt sollen Gagen in Höhe von 4175 Euro gezahlt werden, gedeckt durch die vorhandenen Haushaltsmittel. Nun ist Geld in der Kommunalpolitik bekanntlich nie einfach nur Geld. Es ist immer auch ein Signal, ein Prüfstein, ein Reizwort und gelegentlich ein Grund, warum in Ausschüssen Menschen sehr langsam ihre Brille absetzen. SPD-Ratsmitglied Steffen Kirchhoff hält die Ausgabe angesichts der angespannten Haushaltslage für problematisch. Zumal es ja auch Hildener Bands gebe, die man hätte engagieren können. Und tatsächlich: Wer ein Fest der lokalen Kultur veranstaltet, könnte auf die Idee kommen, erst einmal lokal zu suchen. So wie man beim Bäcker nebenan Brötchen kauft und nicht extra einen Croissant-Experten aus Lyon einfliegen lässt.

Andererseits hat auch die Rathaus-Logik ihren Reiz. Ein Bürgerfestival darf natürlich wachsen, sich verändern und vielleicht auch mal neue Besucher anlocken. Die spannende Frage ist nur: Wie viel „neu“ verträgt ein Fest, bevor die alte Idee darunter ein bisschen ins Schwitzen gerät? Eine externe Profiband kann ein Höhepunkt sein. Sie kann aber auch wirken wie der entfernte Cousin, der auf der Familienfeier plötzlich die Musikanlage übernimmt und sagt: „Ich hab da mal was vorbereitet.“

Am Ende bleibt Hilden also eine Frage, die größer ist als zwei Stunden Musik am Samstagabend: Wem gehört die Bühne beim Bürgerfestival? Den lokalen Gruppen, die das Fest mit Leben füllen? Einer Stadt, die mehr Publikum erreichen will? Oder allen zusammen, sofern niemand beim Soundcheck die kommunale Harmonie übersteuert?

Vielleicht wird der Auftritt ja ein voller Erfolg. Vielleicht tanzt der Alte Markt, die SPD wippt heimlich mit dem Fuß, und am Ende sagt jemand: „War doch gar nicht so schlimm.“ Vielleicht steht aber auch irgendwo ein Hildener Musiker mit Gitarre und denkt: „Für 4175 Euro hätte ich sogar noch die Zugabe selbst moderiert.“

Sicher ist nur: Das Bürgerfestival hat schon vor dem ersten Akkord seinen ersten großen Programmpunkt geliefert. Nicht auf der Bühne, sondern in der Debatte. Und das ist irgendwie auch sehr Hilden: Erst wird diskutiert, dann gefeiert – und zwischendurch fragt jemand ganz sachlich, ob dafür eigentlich Haushaltsmittel vorgesehen sind.

Samstag, 30. Mai 2026

30.5.2026: Funkstille mit Zukunft: Hilden bekommt eine neue Datenautobahn

In Hilden wird gebaut. Nicht an einer Straße, nicht an einem Kreisverkehr und auch nicht an einer dieser Baustellen, bei denen man nach drei Wochen nur sicher weiß, dass irgendwo ein Loch ist. Nein, diesmal geht es um etwas viel Unsichtbareres, aber für viele mindestens genauso Lebenswichtiges: das Mobilfunknetz. Vodafone modernisiert vom 1. bis voraussichtlich 8. Juni 2026 eine örtliche Mobilfunkstation in Hilden. Das klingt erst einmal nach Technik, Schraubenschlüssel und Menschen in Warnwesten, bedeutet für einige Kundinnen und Kunden aber vor allem: Das Handy könnte zwischendurch beleidigt „Kein Empfang“ melden. 

Der Plan dahinter ist durchaus löblich. Vodafone baut zusätzliche Breitbandantennen ein und möchte damit eine neue mobile Datenautobahn schaffen. Das ist ein schönes Bild, denn wer schon einmal versucht hat, in der Schlange beim Bäcker ein Video zu laden, kennt das Gefühl einer digitalen Landstraße mit Traktor vor einem. Künftig soll es also flotter gehen: mehr Kapazität, mehr Tempo, mehr Zukunft. Kurz gesagt: Erst ruckelt es, dann zuckelt es nicht mehr.

Natürlich kommt der Fortschritt nicht ganz ohne Nebenwirkungen. Während der Bauarbeiten steht die betroffene Station nicht zur Verfügung. Der Mobilfunkverkehr wird zwar möglichst über umliegende Stationen geleitet, aber ganz vermeiden lassen sich Einschränkungen nicht. Für manche heißt das vielleicht nur ein schwächeres Netz. Für andere könnte es bedeuten, dass das Smartphone plötzlich wieder zu dem wird, was es vor vielen Jahren einmal war: ein Gegenstand, den man einfach in der Tasche mit sich herumträgt, ohne alle sieben Sekunden draufzuschauen.

Besonders dramatisch wird es für alle, die gewohnt sind, unterwegs HD-Videos zu streamen, Nachrichten zu lesen, Fußball live zu verfolgen oder beruflich erreichbar zu sein. Also praktisch für alle, die ein Handy nicht nur besitzen, sondern auch benutzen. Der mobile Datenverkehr im Kreis Mettmann wächst laut Vodafone jährlich um mehr als 30 Prozent. Das ist ungefähr so, als würde die ganze Region gleichzeitig beschließen: „Festnetz? Schön und gut, aber ich möchte meine Serien jetzt bitte im Park, im Bus und an der Ampel schauen.“

Immerhin: Notrufe an die 112 sind nicht betroffen. Auch der Standort wird bei Handy-Notrufen weiterhin automatisch an die Rettungsleitstelle übermittelt. Das ist wichtig und beruhigend. Man kann also festhalten: Das Katzenvideo lädt vielleicht nicht, aber im Ernstfall funktioniert das Entscheidende.

Vodafone bittet um Verständnis und Entschuldigung für die vorübergehenden Unannehmlichkeiten. Das ist höflich formuliert für: „Wir wissen, dass Funklöcher ungefähr so beliebt sind wie kalter Kaffee, aber danach wird es besser.“ Und tatsächlich sind solche Arbeiten nötig, denn wer ständig mehr Daten durch die Luft schickt, braucht irgendwann eben auch mehr digitale Leitplanken, Spuren und Auffahrten.

Hilden steht also Anfang Juni eine kleine Mobilfunk-Durststrecke bevor. Vielleicht ist das sogar eine Gelegenheit, mal wieder Dinge zu tun, die ohne stabiles Netz funktionieren: ein Buch lesen, aus dem Fenster schauen, mit Menschen sprechen oder das Handy hochhalten und dabei langsam durch die Wohnung wandern wie ein Wünschelrutengänger des 21. Jahrhunderts. Und wenn ab dem 8. Juni alles nach Plan läuft, heißt es dann: Die Funkpause ist vorbei, die Datenautobahn eröffnet – bitte rechts fahren, nicht drängeln und beim Streamen den Sicherheitsabstand einhalten.

Freitag, 29. Mai 2026

29.5.2026: Nachspielzeit für die Nachtruhe: Public Viewing im Kreis Mettmann

Die Fußball-WM 2026 steht vor der Tür, und im Kreis Mettmann herrscht eine Stimmung, die man irgendwo zwischen „Sommermärchen“ und „Wecker stellen fürs Achtelfinale“ einordnen kann. Früher war Public Viewing einfach: Trikot an, Nachbarn einsammeln, ab zur Leinwand, spätestens nach der Nationalhymne war irgendwer heiser. Dieses Jahr allerdings hat der Spielplan offenbar beschlossen, die Fans nicht nur sportlich, sondern auch schlaftechnisch herauszufordern. Anstoßzeiten um 22 Uhr oder womöglich mitten in der Nacht sind eben nichts für Menschen, die am nächsten Morgen wieder so tun müssen, als seien sie funktionierende Mitglieder der Gesellschaft.

In Ratingen zeigt man sich tapfer und stellt wieder den Marktplatz in den Dienst des runden Leders. Dort werden die deutschen Gruppenspiele gezeigt, und falls die Mannschaft weiterkommt, darf der Marktplatz möglicherweise bis zum Finale am 19. Juli weiterzittern. Das ist konsequent: Wenn schon Schlafmangel, dann bitte mit Bratwurst, Gemeinschaftsgefühl und der realistischen Chance, dass jemand beim Elfmeterschießen seinen Getränkebecher zerdrückt.

Heiligenhaus geht die Sache etwas gemütlicher an. Unter freiem Himmel liegen keine klassischen Public-Viewing-Anträge vor, aber im Kultur- und Freizeitzentrum „Der Club“ sollen die Deutschland-Spiele laufen. Dort ist bei 199 Personen Schluss, was praktisch ist: Mehr Menschen passen vermutlich ohnehin nicht in einen Raum, wenn alle gleichzeitig erklären, warum der Bundestrainer endlich auf sie hören sollte. Auch das Bürgerhaus Dorfkirche Isenbügel möchte seinen Veranstaltungsraum wieder zur Fußball-Arena machen. Bei gutem Wetter sogar draußen unter dem Vordach – ein Ort, der vermutlich wie geschaffen ist für Menschen, die Fußball lieben, aber Regenwolken misstrauen.

In Velbert wird ebenfalls geplant, allerdings mit einem Hauch von „mal sehen, ob Deutschland überhaupt so lange mitmacht“. Public Viewing soll es bei der Sonnenwendfeier in Tönisheide und beim Tropical Beats Festival geben. Das klingt nach einer Mischung aus Fußball, Sommer, Musik und organisatorischem Optimismus. Allerdings sind die Veranstaltungen grundsätzlich nur bis Mitternacht genehmigt. Sollte also ein Spiel später beginnen, könnte die Leinwand schwarz bleiben – was je nach Turnierverlauf vielleicht sogar die nervenschonendere Variante ist.

Mettmann setzt auf Bürgervereine. In Metzkausen soll das Spiel gegen die Elfenbeinküste auf dem Parkplatz vor dem Vereinsheim gezeigt werden, während Obschwarzbach gleich alle drei Gruppenspiele im Bürgerhaus anbietet. Einlass jeweils eine Stunde vor Anpfiff – genug Zeit also, um sich einen Platz zu sichern, taktische Fehlentscheidungen vorab zu besprechen und innerlich schon einmal auf „Wir müssen mehr über die Flügel kommen“ umzuschalten.

In Wülfrath möchte die Leiterrunde der Kirchengemeinde St. Maximin bei allen deutschen Spielen zum gemeinsamen Schauen einladen. Noch fehlt allerdings die endgültige Genehmigung, weil späte Spiele, Sonntage und Wochentage eine Kombination ergeben, bei der jede Lärmschutzverordnung nervös mit dem Textmarker wedelt. Man kann es verstehen: Jubel um 23.47 Uhr klingt für Fans nach Emotion, für schlafende Anwohner aber eher nach „Wer hat da gerade den Rasenmäher mit Vuvuzela verwechselt?“

Und Hilden? Hilden macht es auf seine ganz eigene Art. Während es in der Stadthalle anders als 2024 kein Public Viewing geben wird, fällt das erste Deutschland-Spiel am 14. Juni mitten ins Schützenfest der St. Seb. Schützenbruderschaft. Also wird auf dem Alten Markt gemeinsam geschaut. Das ist vermutlich die rheinischste Lösung überhaupt: Wenn die WM schon spät kommt, dann bitte wenigstens mit Schützenfestkulisse. Der VfB Hilden dagegen verzichtet in diesem Jahr bewusst auf ein eigenes Public Viewing, vor allem wegen der späten Anstoßzeiten und der schwer kalkulierbaren Besucherzahlen. Schließlich ist es eine Sache, um 22 Uhr noch „Deutschland vor!“ zu rufen, und eine andere, um 2.18 Uhr morgens zu überlegen, ob man noch nach Hause geht oder direkt zur Arbeit.

So zeigt sich im Kreis Mettmann: Die WM 2026 wird nicht nur ein Turnier der Nationen, sondern auch ein Belastungstest für Koffein, Nachbarschaftsfrieden und die Frage, wie viel Fußballbegeisterung in eine mitteleuropäische Schlafroutine passt. Public Viewing gibt es weiterhin – nur eben dosierter, vorsichtiger und mit deutlich mehr Blick auf die Uhr. Früher hieß es: „Wir sehen uns auf dem Platz.“ 2026 heißt es eher: „Wir sehen uns auf dem Platz – aber bitte nur, wenn der Anpfiff noch vor der Tiefschlafphase liegt.“ 

Donnerstag, 28. Mai 2026

28.5.2026: Hilden bremst – und zwar mit Ansage

In Hilden wird es demnächst etwas gemütlicher auf den Straßen. Nicht, weil plötzlich alle Autofahrenden beschlossen hätten, innerlich zur Ruhe zu kommen, sondern weil die Stadt neue Tempo-30-Bereiche einrichtet. Man könnte sagen: Hilden legt den Verkehr auf Entspannungsmodus. Wo früher noch mit 50 Sachen der Alltag vorbeirauschte, soll künftig etwas mehr Gelassenheit einkehren. Und das nicht nur für Menschen hinter dem Steuer, sondern vor allem für diejenigen, die an den Straßen wohnen, zu Fuß unterwegs sind, mit dem Rad fahren oder morgens als Schülerinnen und Schüler versuchen, heil durch den Verkehrsdschungel zu kommen.

Betroffen sind zunächst die Hochdahler Straße, die Gerresheimer Straße sowie der Straßenzug Lindenstraße, An den Linden, Erikaweg und Lehmkuhler Weg. Dort wird in diesen Tagen beschildert, was das Zeug hält. Sobald die neuen Verkehrszeichen stehen, gilt Tempo 30. Das ist dann nicht mehr nur ein freundlicher Vorschlag mit Blechrahmen, sondern verbindlich. Wer also demnächst auf der Gerresheimer Straße fährt und sich fragt, warum alle plötzlich so zivilisiert unterwegs sind: Es liegt nicht am Vollmond, sondern an der neuen Regelung.

Der Hintergrund ist dabei durchaus ernst: Weniger Verkehrslärm, bessere Luft und mehr Sicherheit. Gerade Anwohnerinnen und Anwohner dürften sich freuen, wenn der tägliche Soundtrack aus Motorengeräuschen, Reifenrauschen und gelegentlichem „Ich-schaffe-die-Ampel-noch“-Beschleunigen etwas leiser wird. Tempo 30 klingt erst einmal nach Schneckentempo, ist aber in Wahrheit eher die verkehrspolitische Variante von „Mach mal halblang“. Und seien wir ehrlich: In einer Stadt kommt man selten deshalb zu spät, weil man nur 30 statt 50 fährt. Meistens ist es doch eher die rote Ampel, der Lieferwagen in zweiter Reihe oder die eigene optimistische Einschätzung, dass man „in fünf Minuten da“ sei.

Auch für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger ist die Erweiterung ein Gewinn. Bei Tempo 30 fühlt sich eine Straße oft weniger wie eine Mutprobe und mehr wie ein öffentlicher Raum an. Kinder auf dem Schulweg, ältere Menschen am Zebrastreifen und Menschen mit Kinderwagen werden es danken. Der Verkehr verliert ein wenig von seinem „Achtung, ich komme!“-Charakter und bekommt hoffentlich mehr „Wir teilen uns das hier irgendwie vernünftig“-Atmosphäre.

Noch nicht ganz so schnell, beziehungsweise langsam, geht es bei anderen Straßenabschnitten. Für die Ellerstraße, Benrather Straße, Klotzstraße sowie die Kirchhofstraße ist nämlich Straßen.NRW zuständig. Die Stadt Hilden hat die entsprechende Anordnung bereits im April 2026 an den Landesbetrieb geschickt. Nun heißt es dort offenbar: Der Antrag ist auf Reisen. Vielleicht sitzt er schon in einem Aktenordner mit Aussicht, vielleicht wartet er auf ein amtliches Nicken. Verwaltung ist schließlich auch eine Art Verkehrssystem – nur mit weniger Kreisverkehren und mehr Eingangsstempeln.

Am Ende zeigt die Maßnahme: Hilden nimmt Lärm, Sicherheit und Lebensqualität ernst. Das ist gut so. Natürlich wird es Menschen geben, die bei Tempo 30 sofort an verlorene Lebenszeit denken. Aber vielleicht gewinnen wir ja etwas anderes: ruhigere Straßen, entspanntere Wege, bessere Luft und das wunderbare Gefühl, dass die Stadt nicht nur für Autos gebaut ist, sondern auch für Menschen. Und wer weiß: Vielleicht entdeckt man bei Tempo 30 sogar Dinge, an denen man früher einfach vorbeigerauscht ist. Eine schöne Fassade. Einen Baum. Oder den eigenen Blinker.

Mittwoch, 27. Mai 2026

27.5.2026: Die Kugel rollt – und Hilden schleckt mit

Es gibt sichere Zeichen dafür, dass der Sommer in Hilden und Haan angekommen ist. Erstens: Menschen sagen wieder Sätze wie „Heute ist es aber drückend“. Zweitens: Niemand weiß mehr, ob man die Jacke mitnehmen soll. Und drittens: Vor den Eisdielen bilden sich Schlangen, die man sonst nur vom Bürgerbüro, beliebten Bäckereien oder der einen Kasse im Supermarkt kennt, die natürlich wieder nicht besetzt ist.

Die Rheinische Post hat sich nun einer Frage gewidmet, die in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung kaum zu überschätzen ist: Was kostet eigentlich eine Kugel Eis in Hilden und Haan? Und noch wichtiger: Gibt es sie irgendwo noch für unter 1,50 Euro? Denn während früher eine Kugel Eis fast schon beiläufig gekauft wurde, prüft man heute kurz den Kontostand, überlegt, ob es wirklich drei Sorten sein müssen, und fragt sich, ob Pistazie eigentlich schon als Wertanlage gilt.

Mit dem sommerlichen Wetter ist die Eissaison endgültig eröffnet. Vanille, Schokolade, Cookies und Co. wandern wieder über die Theken, in Becher, Waffeln und gelegentlich auf Kinderhände, T-Shirts oder direkt auf den Bürgersteig. Das gehört dazu. Ein Eis, das nicht mindestens einmal gefährlich kippt, wurde vermutlich nicht richtig genossen.

Besonders spannend ist natürlich die Frage nach den beliebtesten Sorten. Vanille bleibt der solide Klassiker, quasi der VW Golf unter den Eissorten: zuverlässig, vertraut, immer da. Schokolade ist für alle, die sagen: „Ich nehme nur eine Kugel“, aber eigentlich Dessert, Trostpflaster und Lebensentscheidung meinen. Cookies klingt nach Jugend, Abenteuer und der Hoffnung, dass knusprige Stückchen jede Alltagssorge lösen können. Und Pistazie? Pistazie ist längst nicht mehr nur eine Eissorte, sondern ein Statement. Wer Pistazie bestellt, sagt: „Ich habe Geschmack, Mut und bin bereit, dafür eventuell etwas mehr zu bezahlen.“

Ob die Kugel nun die Zwei-Euro-Marke knackt, ist dabei mehr als eine Preisfrage. Es ist ein emotionaler Moment. Denn zwei Euro für eine Kugel Eis fühlen sich nicht einfach wie Inflation an, sondern wie das Ende einer Ära. Man erinnert sich plötzlich an Zeiten, in denen man mit Kleingeld in der Tasche loszog und zurückkam wie ein König: zwei Kugeln, Streusel, vielleicht sogar Sahne. Heute steht man vor der Eistheke und führt innere Haushaltsverhandlungen.

Trotzdem: Die Menschen stehen Schlange. Denn Eis ist stärker als Vernunft. Eis sagt: Der Tag war lang, aber hier ist Stracciatella. Eis sagt: Ja, es ist warm, aber Zitrone regelt das. Eis sagt: Du wolltest eigentlich nur bummeln, jetzt hast du Haselnuss am Kinn und bist glücklicher als vorher.

Hilden und Haan dürfen sich also auf volle Eisdielen, klebrige Finger und intensive Grundsatzdebatten freuen. Becher oder Waffel? Eine Kugel oder zwei? Klassiker oder Experiment? Und vor allem: Darf man bei Spaghetti-Eis eigentlich behaupten, man habe „nur eine Kleinigkeit“ gegessen?

Am Ende ist die Antwort wie so oft im Sommer ganz einfach: Hauptsache kalt, cremig und schnell genug gegessen, bevor die Sonne daraus Suppe macht.

Dienstag, 26. Mai 2026

26.5.2026: Der große Hildener Blumen-Krimi: Wenn Geranien plötzlich Beine bekommen

In Hilden ist etwas passiert, das man sonst eher aus besonders dramatischen Gartenzwerg-Dokumentationen kennt: Kaum hatten neun Mitarbeiter des Zentralen Bauhofs mit Liebe, Mühe und wahrscheinlich einer ordentlichen Portion Rückenmuskelkater 5.200 Sommerblumen und Hochstämme im Stadtgebiet gepflanzt, waren einige davon auch schon wieder verschwunden. Einfach ausgegraben. Mitgenommen. Entführt. Vermutlich ohne Lösegeldforderung, aber mit klarer botanischer Dreistigkeit. 

Betroffen waren unter anderem Kübel an der Hagelkreuzstraße und Kirchhofstraße. Dort hatten Geranien, Begonien, Fuchsien und Verbenen offenbar gerade erst begonnen, sich mental auf ein sonniges Leben im öffentlichen Dienst einzustellen, als sie bereits von unbekannten Pflanzenfreunden mit sehr flexiblem Eigentumsverständnis aus dem Beet geholt wurden. Man muss sich das vorstellen: Die Blumen waren frisch gepflanzt, hatten noch nicht einmal Gelegenheit, sich über Hundeblicke, Taubenbesuch oder die erste Hitzewelle zu beschweren – und schon ging es ab in unbekannte Vorgärten.

Die Stadt Hilden zeigte sich verständlicherweise wenig amüsiert. Schließlich waren die Blumen nicht als „Selbstbedienungs-Buffet für Balkonkästen“ gedacht, sondern sollten das Stadtbild verschönern und allen Menschen zugutekommen. Genau darin liegt ja der kleine, aber feine Unterschied zwischen öffentlicher Bepflanzung und einem Gartencenter mit sehr schlechtem Kassensystem. Beigeordneter Peter Stuhlträger stellte klar, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um Diebstahl. Anzeige wurde erstattet. Die Pflanzenfahndung läuft also, zumindest moralisch, auf Hochtouren.

Besonders bitter: Ersatz kann vorerst nicht gepflanzt werden. Die entstandenen Lücken bleiben also erst einmal sichtbar – als kleine Mahnmale des floralen Fehlverhaltens. Vielleicht sollte man künftig Schilder aufstellen: „Diese Begonie ist städtisches Eigentum und hat Familie.“ Oder: „Bitte nicht ausgraben, sie arbeitet hier.“ Denkbar wäre auch ein Bonusprogramm: Wer eine Blume einfach nur anschaut, darf sich innerlich daran erfreuen. Ganz kostenlos. Ohne Spaten.

Dabei war der Zeitpunkt der Pflanzaktion sorgfältig gewählt. Nach den Eisheiligen dürfen Sommerblumen endlich ins Freie, ohne dass ihnen der nächste Frost die Laune verhagelt. Und weil Temperaturen bis zu 30 Grad angekündigt waren, wollte die Stadt die neuen Pflanzungen zusätzlich bewässern. Man stelle sich die Fürsorge vor: erst liebevoll einpflanzen, dann gießen, dann bestaunen – und dann kommt jemand mit der Einstellung: „Die passt bestimmt gut zu meinen Gartenmöbeln.“

Natürlich bleibt die große Frage: Wer macht so etwas? Sind es organisierte Blumenbanden? Ein geheimer Untergrundzirkel namens „Operation Fuchsie“? Menschen, die beim Spaziergang plötzlich denken: „Ach, diese städtische Verschönerung würde mein Privatgrundstück aber auch enorm bereichern“? Man weiß es nicht. Sicher ist nur: Hilden hat jetzt einen Fall, der irgendwo zwischen Kleinkriminalität, Gartenleidenschaft und kompletter Kopfschüttel-Romantik liegt.

Bleibt zu hoffen, dass die entwendeten Pflanzen wenigstens gut behandelt werden. Vielleicht sitzen sie nun in fremden Kübeln, blicken sehnsüchtig Richtung Innenstadt und erzählen den Petunien nebenan von ihrer kurzen, aber aufregenden Karriere im öffentlichen Raum. Und vielleicht denkt der eine oder andere beim nächsten Anblick einer städtischen Blume daran: Die ist nicht herrenlos. Die ist für alle da. Auch ohne Mitnahme.

Montag, 25. Mai 2026

25.5.2026: Hilden bekommt Zuwachs: Johanniter bauen Halle, damit Einsatzfahrzeuge endlich ein Dach über dem Blaulicht haben

In Hilden wird gebaut – und diesmal nicht, weil irgendwo ein Kreisverkehr beschlossen wurde, den niemand bestellt hat. Die Johanniter in Hilden haben den ersten Spatenstich für eine neue Fahrzeuggarage mit Lagerhalle an ihrer Dienststelle in der Otto-Hahn-Straße gesetzt. Mit dabei waren Landesvorstandsmitglieder, Regionalvorstand und Ortsbeauftragter, also genug offizielle Spatenprominenz, um dem Boden klarzumachen: Jetzt wird es ernst. 

Die neue Halle soll knapp 800 Quadratmeter groß werden. Das ist viel Platz. Genug, damit Einsatzfahrzeuge, Anhänger und weiteres Material künftig nicht mehr so wirken, als hätten sie beim Tetris-Spielen verloren. Wer schon einmal versucht hat, Vereinsmaterial, Fahrzeuge, Ausrüstung und gute Laune gleichzeitig ordentlich unterzubringen, weiß: Irgendwann braucht man entweder eine Halle oder sehr, sehr kreative Stapeltechniken. Die Johanniter haben sich erfreulicherweise für die Halle entschieden.

Seit dem Umzug in die Otto-Hahn-Straße vor zwei Jahren scheint man dort ohnehin ziemlich zufrieden zu sein. Mehr Platz, bessere Möglichkeiten, ein Gelände mit Entwicklungspotenzial – das klingt fast wie eine Immobilienanzeige, nur mit mehr Sanitätsdienst und weniger „lichtdurchfluteter Wohntraum“. Am Standort werden Erste-Hilfe-Kurse angeboten, der Hausnotruf ist dort in Bereitschaft, die Verwaltung sitzt ebenfalls dort, und Ehrenamtliche aus Bevölkerungsschutz, Sanitätsdienst und Johanniter-Jugend treffen sich regelmäßig zu Dienstabenden und Übungen. Kurz gesagt: Da ist ordentlich Betrieb. Eine neue Halle ist also nicht Luxus, sondern ungefähr so sinnvoll wie Pflaster im Erste-Hilfe-Kasten.

Besonders modern wird es auch noch: Auf das Dach soll eine Photovoltaikanlage, die künftig den Energiebedarf der Dienststelle decken soll. Dazu sind Ladestationen für Elektrofahrzeuge geplant. Das bedeutet: Während unten Fahrzeuge für Einsätze bereitstehen, arbeitet oben die Sonne mit. Man könnte sagen, die Halle bekommt nicht nur ein Dach, sondern gleich einen Nebenjob als kleines Kraftwerk. Nachhaltig, praktisch und deutlich eleganter als ein Verlängerungskabel quer über den Hof.

Für die Ehrenamtlichen ist das Projekt ein echter Gewinn. Fahrzeuge und Material können künftig wetterunabhängig gepflegt werden. Kein Herumhantieren mehr bei Regen, Wind oder dieser typischen niederrheinischen Wetterlage, bei der der Himmel aussieht, als hätte er den Montag erfunden. Auch Übungen und Ausbildungen lassen sich dann besser durchführen. Das Wort „Quantensprung“ fiel sogar – und wenn Ehrenamtliche bei einer Lagerhalle von einem Quantensprung sprechen, dann weiß man: Vorher war vermutlich einiges mehr Abenteuer, als es in der Einsatzvorbereitung nötig ist.

Am Ende geht es aber um mehr als Quadratmeter, Dachfläche und Lademöglichkeiten. Es geht um Menschen, die sich freiwillig engagieren, die Zeit investieren, helfen, ausbilden, üben, ausrücken und im Zweifel dann da sind, wenn andere sie brauchen. Eine neue Halle klingt zunächst nach Beton, Toren und Lagerregalen. Tatsächlich ist sie aber ein ziemlich handfester Beitrag dazu, dass Ehrenamt in Hilden besser funktionieren kann. Und das ist doch eine schöne Nachricht: Während anderswo noch über Platzmangel geklagt wird, greifen die Johanniter zum Spaten – und bauen sich die Zukunft einfach selbst.

Sonntag, 24. Mai 2026

24.5.2026: Wenn das Ticketing plötzlich erwachsen wird

Bei den Stadtwerken Hilden wollte man eigentlich nur ein neues Ticketing-System. Also etwas, das Kundenanfragen sortiert, weiterleitet und im Idealfall nicht schon beim Wort „Zählernummer“ nervös flackert. Doch wie das bei Digitalisierungsprojekten manchmal so ist: Man geht los, um ein Regal zu kaufen, und kommt mit einer komplett neuen Einbauküche zurück. In Hilden heißt diese Einbauküche nun Lime CRM.

Aus der ursprünglichen Suche nach einer Ticketing-Lösung wurde nämlich ziemlich schnell die Erkenntnis: Moment mal, warum nur Tickets verwalten, wenn man gleich Kundenservice, Vertrieb und Marketing auf eine gemeinsame Plattform heben kann? Das ist ungefähr so, als würde man feststellen, dass der alte Werkzeugkasten zwar noch funktioniert, aber ein voll ausgestatteter Maschinenpark im Keller auch nicht schlecht wäre.

Das neue CRM-System soll künftig dafür sorgen, dass bei den Stadtwerken Hilden nicht jede Abteilung ihre eigene kleine Dateninsel pflegt, auf der einsame Excel-Tabellen Kokosnüsse zählen. Stattdessen sollen Informationen zentral zusammenlaufen, automatisch mit dem Abrechnungs- und ERP-System ausgetauscht werden und allen Beteiligten einen besseren Überblick über die Kundenkommunikation geben. Oder einfacher gesagt: Wenn Kundin Müller anruft, muss niemand mehr erst eine kleine Expedition durch fünf Programme, drei Postfächer und eine Notiz von 2019 starten.

Ende März fiel der offizielle Startschuss für das Projekt, und am 30. April trafen sich rund 25 Mitarbeitende der Stadtwerke Hilden mit dem Projektteam von Lime Technologies zum Kickoff. Das klingt zunächst nach Besprechungsraum, Kaffee und Flipchart, ist aber in Wahrheit der Moment, in dem Digitalisierung sagt: „So, jetzt wird’s ernst.“ Natürlich freundlich. Aber bestimmt.

Besonders charmant ist, dass der Einstieg über das Ticketing laut Lime Technologies zu einer echten Transformation des gesamten Kundenprozesses geworden ist. Das Ticketing war also gewissermaßen der harmlose Türöffner, der sagte: „Ich bringe nur kurz ein Paket vorbei“, und plötzlich steht das CRM mit Umzugskartons im Flur.

Für die Stadtwerke Hilden bedeutet das: weniger Insellösungen, mehr Überblick und eine Kundenkommunikation, die nicht mehr wirkt wie ein Gruppenchat ohne Administrator. Für Lime Technologies wiederum ist Hilden ein weiterer Schritt beim Ausbau der Aktivitäten in Deutschland, insbesondere in der Energiewirtschaft. Und für alle, die schon einmal versucht haben, Kundenservice, Vertrieb, Marketing, Abrechnung und gute Laune unter einen Hut zu bringen, ist es ein schönes Beispiel dafür, dass Digitalisierung manchmal klein anfängt – und dann sehr schnell ein Namensschild auf dem Konferenztisch bekommt. 

Samstag, 23. Mai 2026

23.5.2026: Hilden schwimmt sich frei – mit Regen, Rettung und Rückenwind

Das Hildener Waldbad ist in die neue Freibadsaison gestartet – und zwar ganz klassisch rheinisch: mit vereinzelten Regenschauern, bewölktem Himmel und der festen Überzeugung einiger Schwimmerinnen und Schwimmer, dass Freibad nicht zwingend etwas mit Sonne zu tun haben muss. Wer am Mittwoch, 20. Mai, seine ersten Bahnen zog, bewies damit nicht nur sportlichen Ehrgeiz, sondern auch eine gewisse Wetterresistenz, wie man sie sonst eher von Grillmeistern im April kennt.

Immerhin: Kalt wurde es im Wasser wohl niemandem. Die beiden Becken sind beheizt und bringen es laut Bäderleiter Dirk Bremermann auf rund 23 Grad. Das ist zwar noch nicht „Karibik mit Chlor“, aber deutlich angenehmer als „Mutprobe im Bergsee“. Während also von oben der Regen grüßte, sagte das Wasser unten: Komm rein, ich bin gar nicht so schlimm.

Besonders erfreulich ist, dass auch die Sicherheit im Waldbad weiter gewährleistet werden soll. Weil Rettungsschwimmer bekanntlich nicht einfach wie Pommesbuden an jeder Ecke stehen, springen nun auch Polizisten und Feuerwehrleute bei der Wasseraufsicht ein. Vorher haben sie selbstverständlich eine entsprechende Übung absolviert. Man kann sich also beruhigt vorstellen: Wer sonst Brände löscht oder für Ordnung sorgt, passt nun zusätzlich darauf auf, dass im Becken alles in geordneten Bahnen läuft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Außerdem wurden zwei zusätzliche Rettungsschwimmer gefunden. Das klingt zunächst nach einer kleinen Personalnotiz, ist für Freibadfans aber ungefähr so bedeutend wie die Nachricht, dass die Pommesfritteuse funktioniert und das Eisfach gefüllt ist. Denn damit rückt das Ziel näher, das Waldbad bald an sieben Tagen in der Woche öffnen zu können. Für alle, die ihre Sommerplanung bereits zwischen Liegewiese, Schwimmbrille und Sonnencreme organisieren, ist das eine Nachricht mit Handtuch-Ausbreit-Potenzial.

Und das Timing könnte kaum besser sein: Während der Saisonstart noch etwas nach „November mit Badehose“ aussah, sollen am Wochenende bereits Temperaturen über 30 Grad folgen. Dann dürfte aus dem tapferen Anschwimmen schnell ein kollektives Hineinhechten werden. Hilden ist also bereit: Das Wasser ist warm, die Aufsicht steht, und selbst der Regen hat zum Auftakt nur kurz vorbeigeschaut, vermutlich um sich auch eine Dauerkarte zu sichern.

Freitag, 22. Mai 2026

22.5.2026: Fast 50 Jahre Abenteuer, Stockbrot und ganz viel Kindheitsnostalgie

Es gibt Orte, die riechen sofort nach Kindheit. Nach Lagerfeuerrauch, nassen Turnschuhen und diesem einen Stockbrot, das außen verbrannt und innen trotzdem noch komplett roh ist. Genau so ein Ort ist der Abenteuerspielplatz in Hilden — oder einfach „Abi“, wie ihn gefühlt jeder nennt, der dort irgendwann mal seine Nachmittage verbracht hat. Jetzt wird dieser legendäre Ort fast 50 Jahre alt und feiert das natürlich nicht still und leise mit einem trockenen Empfang und Käsewürfeln, sondern mit einem großen Generationenfest. Und ehrlich gesagt klingt das Ganze wie der absolute Endgegner deutscher Familienfeste. 

Denn was dort angekündigt wird, liest sich ein bisschen so, als hätte jemand alle Kindheitserinnerungen der letzten vier Jahrzehnte in einen Mixer geworfen: Lagerfeuer, Hüpfburg, Feuerwehrübungen, Tiergehege, Holzwerkstatt, Kinderschminken und natürlich Stockbrot. Es fehlt eigentlich nur noch ein leicht überforderter Vater mit einer Digitalkamera aus dem Jahr 2007 und ein Kind, das nach exakt drei Minuten Zuckerwatte komplett eskaliert. 

Besonders schön ist dabei, dass der Abi offenbar generationsübergreifend funktioniert. Die heutigen Kinder freuen sich auf die Hüpfburg, während die Eltern vermutlich alle fünf Minuten sagen werden: „Hier habe ich mir damals das Knie aufgeschlagen.“ Und irgendwo steht garantiert jemand Mitte 40 vor der Holzwerkstatt und murmelt mit glasigem Blick: „Das hier war früher viel größer.“ Nostalgie funktioniert auf Abenteuerspielplätzen schließlich ähnlich zuverlässig wie Sonnenbrand beim ersten warmen Wochenende des Jahres. 

Das Bühnenprogramm wird offiziell von Bürgermeister Claus Pommer und Awo-Vertretern eröffnet. Ein Moment, bei dem Erwachsene höflich klatschen, während Kinder sich innerlich nur fragen, wann endlich Popcorn und Hüpfburg freigegeben werden. Wirklich spannend wird es dann bei der Tanzaufführung der Abi-Kinder. Solche Aufführungen haben nämlich immer dieselbe Magie: Einige Kinder tanzen voller Begeisterung, andere winken dauerhaft ihren Eltern zu und mindestens eins steht komplett regungslos da und verarbeitet vermutlich einfach die Gesamtsituation. 

Kulinarisch fährt das Fest ebenfalls alles auf, was ein gelungenes Familienevent braucht: Grillgut, Kuchenbuffet, Popcorn, Zuckerwatte, Flammkuchen und Eiswagen. Anders gesagt: eine perfekte Gelegenheit, innerhalb von zweieinhalb Stunden gleichzeitig satt, glücklich und leicht überzuckert zu werden. Eltern kennen diesen Zustand traditionell als „Samstag“. 

Besonders sympathisch ist, wie liebevoll über den Abenteuerspielplatz gesprochen wird. Seit 1978 ist er ein Ort für Begegnungen, Erlebnisse und Erinnerungen. Und genau das merkt man solchen Einrichtungen an. Irgendwie hat fast jeder Hildener eine Geschichte vom Abi. Vom ersten Lagerfeuer. Vom wilden Herumtoben. Von einem Sommernachmittag, der viel länger dauerte, als er eigentlich hätte dürfen. Oder von der Erkenntnis, dass man beim Kinderschminken als Tiger deutlich cooler aussah als als Schmetterling. 

Und so wird dieses „fast 50-jährige“ Jubiläum wahrscheinlich genau das, was ein gutes Generationenfest sein soll: laut, chaotisch, klebrig, herzlich und voller Menschen, die für ein paar Stunden einfach wieder Kind sein dürfen. Nur diesmal mit Rückenschmerzen beim Aufstehen von der Bierbank.

Donnerstag, 21. Mai 2026

21.5.2026: Wenn der Ehrgeiz kickt und plötzlich alle freiwillig 6,7 Kilometer pro Stunde laufen

In Hilden gibt es Freundesgruppen, die treffen sich zum Grillen, zum Fußballschauen oder auf ein Feierabendbier. Und dann gibt es Linus Messerschmidt und Mats Möcking. Die beiden dachten sich offenbar: „Wie können wir Pfingsten maximal unvernünftig gestalten?“ — und kamen auf die Idee, einen Backyard Ultra Marathon zu veranstalten. Also jene faszinierende Sportart, bei der man jede Stunde exakt 6,7 Kilometer läuft, bis am Ende nur noch eine Person übrig ist, die geistig und körperlich noch halbwegs weiß, wo vorne ist. 

Das Schöne daran: Niemand weiß vorher so genau, wann Schluss ist. Vielleicht nach drei Runden. Vielleicht nach zwölf. Vielleicht wacht man irgendwann nachts um vier im Feldweg-Nirwana auf und diskutiert mit einem Reh über Elektrolyte. Genau diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Gruppendynamik und leichtem Kontrollverlust scheint die jungen Hildener magisch anzuziehen. Während andere Influencer-Videos schauen und danach kurz motiviert ins Fitnessstudio gehen, dachten sich die beiden Organisatoren einfach: „Ja komm, machen wir selbst.“ Ein klassischer Fall von Social Media in seiner gefährlichsten Form. 

Besonders beeindruckend ist dabei die Zielsetzung. Mats möchte erstmal überhaupt die Marathonmarke knacken. Sehr sympathisch. Linus dagegen sagt Sätze wie: „Ich hoffe schon auf eine zweistellige Stundenzahl.“ Menschen, die so etwas sagen, besitzen entweder enorme mentale Stärke oder haben beim Thema Selbstschutz irgendwann versehentlich auf „überspringen“ geklickt. 

Trainiert wird selbstverständlich professionell. Also halb professionell. Man läuft langsamer, gewöhnt sich an mehrere Einheiten am Tag und sammelt 30 bis 50 Wochenkilometer. Dazu kommen vermutlich noch intensive wissenschaftliche Studien darüber, welche Snacks nachts um zwei Uhr auf einem Feldweg emotional stabilisieren. Denn jeder erfahrene Ausdauersportler weiß: Der wahre Gegner ist nicht die Strecke, sondern die Frage, ob man nach acht Stunden noch Bananen sehen kann, ohne aggressiv zu werden. 

Die Strecke selbst führt über Feldwege östlich der Erika-Siedlung, inklusive Basislager mit Pavillon, Lichtstrahlern und Stühlen. Im Grunde klingt das wie ein Festival — nur ohne Musik und mit deutlich mehr Wadenkrämpfen. Besonders romantisch wird es dann abends im Dunkeln, wenn die Läufer weiter ihre 6,7 Kilometer abspulen und irgendwo im Hintergrund wahrscheinlich jemand mit glasigem Blick murmelt: „Nur noch eine Runde.“ 

Natürlich gibt es auch Sicherheitsmaßnahmen. Jeder soll sein Handy dabeihaben, später fährt jemand mit dem Fahrrad hinterher und sobald gesundheitliche Probleme auftreten, soll Schluss sein. Das klingt vernünftig — bis man bedenkt, dass die gleiche Gruppe gleichzeitig beschlossen hat, freiwillig stundenlang im Kreis zu laufen. Aber immerhin: Verantwortung und Wahnsinn halten sich hier ungefähr die Waage. 

Das vielleicht Beste am ganzen Event ist allerdings die „Finisher-Glocke“. Sobald jemand ausscheidet, wird geläutet. Das hat etwas herrlich Dramatisches. Man stellt sich vor, wie ein Läufer nach Runde sieben völlig erschöpft ins Lager taumelt und irgendwo feierlich *BONG* ertönt. Dazu bekommt fast jeder ein Hufeisen mit „DNF“ — „Did Not Finish“. Im normalen Leben wäre das deprimierend. Beim Backyard Ultra scheint es eher eine Art Ehrenorden für kontrollierte Selbstzerstörung zu sein. Nur der Gewinner erhält das legendäre „Winner“-Hufeisen und wahrscheinlich lebenslange Knieprobleme gratis dazu. 

Am Ende muss man diese Aktion einfach bewundern. Nicht unbedingt wegen der sportlichen Vernunft, sondern wegen dieser wunderbar absurden Mischung aus Freundschaft, Ehrgeiz und der festen Überzeugung, dass ein langes Wochenende die perfekte Gelegenheit ist, sich freiwillig an die Grenze der Belastbarkeit zu bringen. Andere fahren an Pfingsten in den Kurzurlaub. In Hilden läuft man lieber so lange 6,7-Kilometer-Runden, bis jemand eine Glocke läutet.

Mittwoch, 20. Mai 2026

20.5.2026: Bürgermeister, Bier und Bürgernähe – Hilden entdeckt das politische Frühschoppen 2.0

In Hilden wird Politik jetzt offenbar dort gemacht, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen: zwischen Cappuccino-Schaum, Weinglas und Tresengespräch. Bürgermeister Claus Pommer lädt zum „Gastro-Talk“ – und allein der Name klingt schon wie eine Mischung aus Stadtratssitzung und Kabel-1-Doku über Restauranttester. Endlich dürfen Bürger ihre Sorgen nicht mehr nur im Rathaus vortragen, sondern ganz stilvoll bei einem Flat White oder einem kühlen Pils.

Der erste Termin steigt in der „Röstzeit“ auf der Mittelstraße. Ein clever gewählter Ort, denn wenn irgendwo in Deutschland hitzige Diskussionen entstehen, dann bekanntlich in Cafés mit Industrie-Lampen und handgerösteten Bohnen. Dort sollen die Hildener nun direkt mit ihrem Bürgermeister plaudern können. Ganz locker. Ganz unkompliziert. Also ungefähr so unkompliziert wie ein Gespräch mit dem Finanzamt – nur mit besserem Kuchenangebot.

Besonders schön ist die Vorstellung, dass Bürger schon vorab Postkarten mit Fragen hinterlassen können. Das klingt herrlich nostalgisch. Während andere Städte Bürger-Apps entwickeln und digitale Beteiligungsplattformen bauen, setzt Hilden auf das gute alte „Schreib’s auf eine Karte und leg’s neben die Kaffeemaschine“. Vielleicht stehen dort bald Fragen wie: „Warum sind die Schlaglöcher tiefer als mein Vertrauen in Baustellenpläne?“ oder „Kann man die Parkplatzsuche in der Innenstadt als Extremsport anerkennen lassen?“

Natürlich betont Claus Pommer, dass in entspannter Atmosphäre oft die besten Ideen entstehen. Das stimmt vermutlich. Viele große Entscheidungen der Menschheitsgeschichte wurden wahrscheinlich ebenfalls nach dem zweiten Getränk getroffen. Und immerhin: Wenn jemand nach einem Glas Wein plötzlich die perfekte Lösung für den Verkehr in Hilden findet, hätte sich der „Gastro-Talk“ schon gelohnt.

Die weiteren Termine wirken ebenfalls sorgfältig ausgesucht. Erst die Weinbar „Mon Coeur“ – ein Name, bei dem man automatisch französisch nuschelt und plötzlich Verständnis für Radwege entwickelt. Danach geht’s zu „Manis Ponystall“. Allein dieser Name klingt so, als könne dort jederzeit ein Country-Sänger auftreten oder jemand versuchen, den Bürgermeister beim Dart zu schlagen.

Man muss allerdings anerkennen: Die Idee hat Charme. Bürgernähe wird hier wörtlich genommen. Statt steriler Mikrofone im Sitzungssaal gibt es lockere Gespräche zwischen Espressotasse und Bierdeckel. Vielleicht ist genau das die Zukunft der Kommunalpolitik. Heute Gastro-Talk, morgen Bürgerbeteiligung beim Döner, übermorgen Stadtrat im Biergarten.

Und ehrlich gesagt: Wenn politische Diskussionen künftig grundsätzlich mit Kaffee und Snacks kombiniert werden, steigen die Chancen auf friedliche Debatten enorm. Niemand schreit laut herum, wenn er gleichzeitig versucht, ein Stück Käsekuchen elegant zu essen.

Dienstag, 19. Mai 2026

19.5.2026: Hilden bekommt neuen Asphalt – und die Schlaglöcher müssen jetzt ganz stark sein

In Hilden wird wieder saniert. Ab Montag, 18. Mai, rückt die Stadt mehreren Straßen mit frischem Asphalt zu Leibe. Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Nachricht aus dem Bereich „Tiefbau- und Grünflächenamt“, ist aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ungefähr so relevant wie die Frage, ob der Kaffee morgens noch durchläuft. Denn wenn die eigene Straße plötzlich Halteverbotsschilder trägt, der Lieblingsparkplatz verschwindet und die Grundstückszufahrt zeitweise nicht erreichbar ist, wird aus kommunaler Unterhaltung ganz schnell ein kleines Abenteuer mit Baustellencharme.

Neun Straßenabschnitte sind betroffen, darunter die Hoffeldstraße zwischen Wendehammer und Augustastraße, der Neumarkt bis zum Wendehammer, die Felix-Mendelssohn-Straße, die Beethovenstraße, Kleef, Meide, Steinauer Straße, Herderstraße und der Birkenweg. Wer jetzt beim Lesen innerlich seine Route zur Arbeit, zum Bäcker oder zur Schwiegermutter neu berechnet, ist vermutlich direkt betroffen. Alle anderen dürfen erleichtert nicken und trotzdem vorsichtshalber schon einmal schauen, ob das eigene Auto nicht aus Gewohnheit genau dort steht, wo demnächst ein temporäres Halteverbot mit amtlicher Entschlossenheit auftaucht.

Insgesamt lässt die Stadt rund 7.500 Quadratmeter neue Dünnschichtdecken aufbringen. Dünnschichtdecke klingt ein bisschen wie etwas, das man im Schlafzimmer bei plötzlichem Wetterumschwung aus dem Schrank holt, ist aber tatsächlich Asphalt. Und zwar für Straßen, die obenrum wieder hübsch gemacht werden. Kostenpunkt: voraussichtlich 270.000 Euro. Dafür bekommt Hilden keine neue Stadtautobahn, aber immerhin deutlich weniger Geruckel, Geklapper und jene Geräusche, bei denen Autofahrer kurz überlegen, ob gerade das Fahrwerk oder nur die eigene Geduld gebrochen ist.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund vier Wochen. „Voraussichtlich“ ist bei Straßenbauarbeiten natürlich ein wichtiges Wort. Es bedeutet: Wenn das Wetter mitspielt, der Asphalt sich benimmt und der Regen nicht beschließt, ausgerechnet jetzt eine Nebenrolle in Hilden zu übernehmen. Denn der Einbau der Asphaltschicht ist wetterabhängig. Bei Regen kann sich also alles verschieben. Das ist für Baustellen ungefähr das, was „Wir melden uns“ für Bewerbungsgespräche ist: Man hofft das Beste und beobachtet die Lage.

Bevor die Straßen ihre neue Oberfläche bekommen, werden zunächst Schachtdeckel, Straßenabläufe sowie Wasser- und Gaskappen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Das klingt nach Kleinkram, ist aber wichtig. Niemand möchte später über einen Schachtdeckel fahren, der sich benimmt wie ein versteckter Bordstein. Danach kommt die neue, dünne Asphaltschicht in zwei Arbeitsschritten auf die Fahrbahn. Dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. Selbst Asphalt braucht offenbar Erholung. Wenige Stunden nach dem Auftragen sind die Straßen wieder befahrbar, was beruhigend ist, aber nicht verhindern wird, dass mindestens ein Mensch im Viertel sagt: „Früher ging das alles schneller.“ Vermutlich stand dieser Mensch früher selbst im Stau und hat es nur verdrängt.

Für die Anwohner bedeutet das: Schilder beachten, Autos rechtzeitig umparken und sich seelisch darauf einstellen, dass die Zufahrt zum eigenen Grundstück zeitweise nicht erreichbar sein kann. Das ist lästig, aber immerhin zeitlich begrenzt. Wer sein Auto während der Arbeiten trotzdem im Baustellenbereich abstellt, darf vermutlich erleben, wie schnell ein harmloser Montagmorgen zu einer Schnitzeljagd nach dem eigenen Wagen werden kann.

Nicht saniert wird vorerst die Walder Straße. Und damit ist die Straße gemeint, bei der manche Hildenerinnen und Hildener wahrscheinlich schon beim bloßen Namen reflexartig an Schlaglöcher, Fahrbahnschäden und Stoßdämpfer denken. Die Sanierung ist laut Straßen.NRW zwar eingeplant, muss aber warten, weil zunächst eine Kanalsanierung der Stadt ansteht. Immerhin sollen die Schadstellen in diesem Jahr großflächig mit Heißasphalt instandgesetzt werden. Das ist so etwas wie ein Pflaster auf dem Knie, nur für eine Landesstraße und mit deutlich mehr Gerätschaften.

Am Ende bleibt: Hilden bekommt frischen Asphalt, einige Straßen bekommen vorübergehend Baustellenprogramm, und Autofahrerinnen und Autofahrer bekommen die Gelegenheit, ihre Geduld, Ortskenntnis und Parkkreativität zu trainieren. Vier Wochen lang wird gefräst, angepasst, gesperrt und asphaltiert. Danach dürfte es an mehreren Stellen wieder glatter laufen. Und das ist doch auch mal schön: eine Nachricht, bei der am Ende nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas auf die Straße gebracht wird.

Montag, 18. Mai 2026

18.5.2026: Die S1 macht ab 2028 wieder Diät: weniger Strecke, mehr Umstieg, maximale Pendler-Yoga-Erfahrung

Manche Nachrichten liest man und spürt sofort, wie irgendwo zwischen Hilden Süd und Düsseldorf Hauptbahnhof ein Coffee-to-go-Becher leise zu zittern beginnt. Die S1, diese treue, manchmal eigenwillige, aber im Grunde doch vertraute Lebensader für alle, die morgens Richtung Düsseldorf und abends wieder zurück ins echte Leben wollen, soll ab 2028 für etwa zweieinhalb Jahre nicht mehr bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren. Zweieinhalb Jahre. Das ist nicht mehr „kurz mal Bauarbeiten“, das ist eine Beziehungspause mit gemeinsamem Mietvertrag.

Der Grund klingt zunächst groß und wichtig: Gleisbauarbeiten, Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express, perspektivisch ein 15-Minuten-Takt, sechs Gleise zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hauptbahnhof. Das klingt nach Zukunft, Tempo und Infrastruktur mit Krawatte. Für Pendler bedeutet es aber erst einmal: Die S1 kommt von Süden nur noch bis Düsseldorf-Eller Mitte. Dort heißt es dann aussteigen, umsteigen, neu orientieren und innerlich den Satz sprechen, der im Nahverkehr längst zur rheinischen Meditation geworden ist: „Et kütt, wie et kütt.“

Ab Eller Mitte soll es mit der U75 weitergehen. Die S-Bahn braucht für die Strecke zum Hauptbahnhof normalerweise sieben Minuten, die Stadtbahn dreizehn. Das klingt auf dem Papier nach sechs Minuten Unterschied, also nach nichts, was man nicht mit einem kräftigen Seufzer ausgleichen könnte. In der Realität kommen aber Wartezeit, Umsteigezeit, Menschenmengen und die berühmte Frage dazu, ob man noch in die Bahn passt oder schon Teil der Türdichtung ist. Denn die Rheinbahn sagt offenbar selbst, dass die U75 die zusätzlichen Fahrgastströme allein nicht vollständig aufnehmen kann. Das ist ungefähr so beruhigend wie ein Restaurant, das sagt: „Wir freuen uns auf Ihre Hochzeitsgesellschaft, haben aber nur drei Stühle.“

Besonders pikant: Viele Pendler erinnern sich noch an die Sperrung der S1 im Jahr 2025. Damals war die Strecke zwischen Mai und November dicht, und wer das überstanden hat, trägt seither vermutlich eine unsichtbare Auszeichnung am Revers: „Ich war dabei, als Schienenersatzverkehr noch Charakterbildung hieß.“ Nun also der nächste große Akt. Die Bahn erklärt, dass man die Arbeiten nicht einfach zusammenlegen konnte, weil es 2025 vor allem um Stellwerkstechnik in Solingen ging und der kommende Umbau andere Bereiche betrifft. Das mag technisch völlig nachvollziehbar sein. Emotional klingt es für den durchschnittlichen Pendler trotzdem wie: „Ihre Waschmaschine ist repariert, aber 2028 bauen wir Ihnen noch kurz das Badezimmer aus.“

Damit die S1 in Düsseldorf-Eller Mitte überhaupt enden kann, muss sie dort auch wenden können. Denn Züge, so lernt man, können nicht einfach auf freier Strecke umdrehen wie ein genervter Autofahrer an einer Baustellenampel. Deshalb sollen Signaltechnik angepasst und eine neue Weichenverbindung eingebaut werden. Man ahnt: Bevor die große Sperrung kommt, braucht es erst einmal Bauarbeiten für die Bauarbeiten. Der deutsche Nahverkehr ist eben ein sehr gründliches Ökosystem. Selbst die Umleitung hat eine Vorbesprechung.

Und als wäre das alles noch nicht genug, stehen schon vor 2028 weitere Vollsperrungen im Kalender. Vom 30. Oktober bis 27. November 2026 zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Oberbilk, vom 14. Mai bis 9. Juli 2027 zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Solingen Hauptbahnhof und dann noch einmal vom 21. Juli bis 13. Oktober 2028 auf derselben Strecke. Wer also dachte, die S1 gönne sich bis zur großen Sperrung erst einmal Ruhe, hat den Humor der Infrastruktur unterschätzt. Sie wärmt sich nur auf.

Für Hilden ist das natürlich mehr als eine Randnotiz. Die S1 ist für viele nicht irgendeine Linie, sondern der tägliche Taktgeber zwischen Arbeit, Schule, Terminen, Arztbesuchen, Altbiernähe und Heimweg. Wenn diese Verbindung wackelt, wackelt ein Stück Alltag mit. Plötzlich wird aus „Ich fahre eben nach Düsseldorf“ eine kleine Expedition mit Umstieg, Geduldstest und der Frage, ob man besser schon am Vorabend losgeht. Vielleicht entstehen bis dahin neue Pendler-Rituale: gemeinsames U75-Dehnen in Eller Mitte, Tauschbörsen für Sitzplätze oder Selbsthilfegruppen mit dem Titel „Ich wollte nur zum Hauptbahnhof“.

Natürlich soll am Ende alles besser werden. Mehr Gleise, mehr Kapazität, schnellerer RRX, modernerer Verkehr. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht ist, dass der Weg dorthin offenbar über Eller Mitte führt. Und zwar länger, als manche Ehen halten, aber hoffentlich kürzer als die Baugeschichte mancher deutscher Großprojekte.

Bis dahin bleibt den Hildener Pendlern nur, sich mental vorzubereiten. Vielleicht mit Humor, vielleicht mit einem besonders großen Thermobecher, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man im Rheinland schon immer zwei Dinge gebraucht hat: Geduld und einen Plan B. Ab 2028 kommt noch ein drittes dazu: sportliche Umsteigefähigkeit in Düsseldorf-Eller Mitte.

Sonntag, 17. Mai 2026

17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen

Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.

Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.

Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.

Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.

Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.

Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.

Samstag, 16. Mai 2026

16.5.2026: 500 Moorschnucken und ein Halleluja in der Hildener Heide

Es gibt Nachrichten, die kommen leise daher, und dann gibt es Nachrichten mit 500 Schafen und 20 Ziegen. Hilden hat sich eindeutig für Variante zwei entschieden. Ab dem 15. Mai ist in der Hildener Heide wieder tierisch was los, denn die Moorschnucken sind da. Nicht etwa als Betriebsausflug, nicht als Woll-Pop-up-Store und auch nicht, weil sie sich bei Google Maps verlaufen haben, sondern aus beruflichen Gründen: Landschaftspflege.

Während wir Menschen bei Gartenarbeit schon nach drei Brennnesseln und einem widerspenstigen Löwenzahn dramatisch Richtung Liegestuhl taumeln, erledigen die Moorschnucken ihren Job mit stoischer Gelassenheit. Sträucher? Weg. Kräuter? Her damit. Junge Triebe? Snack. Heidekraut? Haute Cuisine. Was für uns nach anstrengendem Naturschutz klingt, ist für die Schafe offenbar ein gut sortiertes Buffet mit Frischluftgarantie.

Die Heideflächen rund um den Hildener Sandberg sind im Kreis Mettmann etwas ganz Besonderes. Ohne Pflege würden sie langsam zuwachsen, und dann hätten Moorlilie, Feld-Sandlaufkäfer und andere Fans offener Landschaften irgendwann ein echtes Immobilienproblem. Die Moorschnucken verhindern das, indem sie genau das tun, was Schafe eben tun: fressen, weitergehen, wieder fressen und dabei aussehen, als hätten sie den Sinn des Lebens längst verstanden.

Besonders sympathisch ist ja, dass die Moorschnucke eine eher kleine, hornlose Schafrasse ist. Also gewissermaßen die freundliche Kompaktklasse unter den Schafen. Robust, genügsam und bestens geeignet für karge Moorlandschaften und Magerwiesen. Während andere vielleicht nach Cappuccinohafer und Dinkelheu fragen würden, nimmt die Moorschnucke, was da ist: Heidekraut, Moorgräser, Moose, Pilze, Beerensträucher und junge Birken. Regional, saisonal, konsequent nachhaltig. Da kann jeder hippe Foodblog einpacken.

Dass es in Deutschland nur noch rund 3000 Moorschnucken gibt und die Rasse als gefährdet gilt, macht ihren Besuch in Hilden noch besonderer. Man könnte also sagen: Da zieht nicht einfach irgendeine Schafherde durch die Heide, sondern ein wolliger Kulturschatz auf vier Beinen. Begleitet wird die Truppe von Ziegen, was vermutlich daran liegt, dass jede gute Reisegruppe ein paar Charakterköpfe braucht.

Weniger lustig ist allerdings das Thema frei laufende Hunde. In den vergangenen Jahren kam es offenbar immer wieder zu Vorfällen, bei denen Schafe verletzt oder gerissen wurden. Und so sehr man Hunde liebt: Eine Moorschnucke ist kein Spielkamerad, kein Quietscheball und auch kein bewegliches Trainingsgerät für den Jagdinstinkt. Deshalb werden während der Beweidung einzelne Wege gesperrt, und an bestimmten Stellen gilt Leinenpflicht. Die grünen und roten Hundeplaketten zeigen, wo Bello frei laufen darf und wo er bitte auf dem Weg bleiben soll. Man könnte sagen: Ampelsystem für Vierbeiner, nur ohne Hupkonzert.

Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger ist der Besuch der Herde trotzdem ein kleines Naturschauspiel. Wo sonst bekommt man schon 500 professionelle Landschaftspfleger mit eingebauter Wolljacke zu sehen? Die Tiere sind ungefähr eine Woche in der Hildener Heide unterwegs, bevor sie weiter in die Ohligser Heide ziehen. Ein bisschen wie eine Tournee, nur ohne Merchandisingstand. Wobei: Moorschnucken-T-Shirts hätten vermutlich Potenzial.

Also: Wer in den nächsten Tagen durch die Hildener Heide spaziert, darf sich freuen. Auf Heide, auf Natur, auf Ziegen mit vermutlich eigener Meinung und auf eine Schafherde, die ganz nebenbei zeigt, dass Naturschutz manchmal weder laut noch kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, wenn 500 Moorschnucken auftauchen und sagen: „Mäh. Wir übernehmen das.“

Freitag, 15. Mai 2026

15.5.2026: Grundsteuer in Hilden: Wenn alle zuständig sind, aber keiner den Kassenbon haben will

In Hilden geht es mal wieder um die Grundsteuer. Das ist dieses Thema, bei dem viele Menschen schon beim ersten Satz innerlich aussteigen, aber spätestens beim Steuerbescheid wieder hellwach werden. Denn Grundsteuer klingt zwar nach Verwaltung, Hebesatz und kommunaler Finanzmechanik, fühlt sich am Ende aber sehr praktisch an: im Portemonnaie.

Ludger Reffgen, Fraktionsvorsitzender der BA/Piraten im Hildener Stadtrat, sieht sich nun durch den Deutschen Städtetag bestätigt. Der fordert in der verfahrenen Lage Unterstützung vom Land. Und Reffgen sagt sinngemäß: Genau das habe man doch kommen sehen. Hilden und andere Städte hätten sich bei der Festsetzung der Grundsteuer mit differenzierten Hebesätzen für Wohnen und Nichtwohnen auf Empfehlungen des Landes eingelassen. Dann gab es vor Gericht eine Schlappe. Und jetzt stehe die Kommune da wie jemand, der nach Navi gefahren ist, im Feldweg steckt und vom Navi hört: „Bitte wenden, wenn möglich.“

Die Sache ist deshalb so heikel, weil die Grundsteuer jeden betrifft. Eigentümer zahlen sie direkt, Mieter meistens indirekt über die Nebenkosten. Sie ist also keine abstrakte Rechenübung für Menschen mit Aktentasche und Tabellenliebe, sondern eine dieser Abgaben, die am Ende erstaunlich zuverlässig ihren Weg in fast jeden Haushalt findet. Man kann sie ignorieren wie den Stapel Papier auf dem Küchentisch, aber irgendwann liegt sie ganz oben.

Reffgen findet, das Land dürfe sich nun nicht einfach aus der Verantwortung schleichen. Das Bild ist hübsch: Das Land, wie es mit hochgezogenem Kragen, Sonnenbrille und unauffälligem Schritt Richtung Ausgang geht, während die Städte mit den Steuerbescheiden in der Hand zurückbleiben. „War was?“ fragt das Land möglicherweise noch, während im Rathaus jemand hektisch nach der juristisch haltbaren Lösung sucht.

Besonders ärgert Reffgen offenbar, dass der Hildener Stadtrat sich nicht einmal darauf verständigen konnte, den Bürgermeister damit zu beauftragen, dem Finanzminister die Erwartungshaltung der Stadt klarzumachen. Das klingt nach einem Satz, der in seiner ganzen kommunalpolitischen Schönheit nur in deutschen Rathäusern entstehen kann. Übersetzt heißt es ungefähr: Man hätte gemeinsam sagen können, dass Düsseldorf sich bitte bewegen soll. Stattdessen bewegte sich wohl vor allem die parteipolitische Grundsortierung.

Und genau da wird es typisch lokalpolitisch. Denn wenn es kompliziert wird, entdecken alle Seiten plötzlich sehr sorgfältig, was aus ihrer jeweiligen Perspektive „sachlich geboten“ ist. Die einen wollen Druck aufs Land machen, die anderen sind vorsichtig, wieder andere prüfen, vertagen oder schauen so ernst, dass man fast glaubt, irgendwo müsse gleich ein Flipchart erscheinen. Währenddessen fragen sich Bürgerinnen und Bürger, ob am Ende wieder sie diejenigen sind, die für das politische Durcheinander zahlen. Spoiler: Diese Sorge ist im Zusammenhang mit Steuern selten völlig aus der Luft gegriffen.

Dabei wäre es durchaus verständlich, wenn die Stadt beim Land anklopft. Wenn Kommunen einer Empfehlung folgen und anschließend juristisch im Regen stehen, darf man schon erwarten, dass der Schirm nicht plötzlich „leider nicht zuständig“ sagt. Natürlich ist Verwaltung selten so einfach wie ein kaputter Wasserkocher mit Garantiebeleg. Aber wer politische Leitplanken aufstellt, sollte nachher nicht überrascht tun, wenn jemand gegen eine davon gefahren ist.

Die Grundsteuer bleibt damit ein Thema, das niemand besonders liebt, aber alle betrifft. In Hilden steht nun die Frage im Raum, wer die Verantwortung übernimmt, wer Druck macht und wer am Ende nur bedauernd nickt. Reffgen jedenfalls will das Land nicht aus der Nummer entlassen. Und man kann ihm zumindest in einem Punkt schwer widersprechen: Schulterzucken ist keine Finanzpolitik. Es ist höchstens Gymnastik für Menschen, die keine Rechnung bezahlen möchten.

Donnerstag, 14. Mai 2026

14.5.2026: Hildens Fahrradboxen: Graue Container mit großem Sicherheitsbedürfnis

In Hilden stehen sie herum wie kleine Garagen für Zweiräder, nur ohne Rasenteppich und ohne Gartenzwerg: die Fahrradboxen an den beiden S-Bahnhöfen. Insgesamt 181 Stück hat die Stadt dort aufgestellt, damit Pendlerinnen und Pendler ihr Rad nicht einfach dem Schicksal, dem Wetter oder besonders kreativen Gelegenheitsdieben überlassen müssen. Man könnte auch sagen: Hilden bietet betreutes Wohnen fürs Fahrrad.

Im Jahr 2025 waren 90 dieser 181 Boxen belegt. Das klingt zunächst nach einer sehr ordentlichen Zahl, bis man merkt: Das ist knapp die Hälfte. Also stehen ungefähr genauso viele Boxen leer, wie belegt sind. Hilden hat damit nicht nur Fahrradboxen, sondern auch stille Reservekapazitäten für eine mögliche Zweirad-Invasion. Sollte also eines Tages halb Düsseldorf beschließen, mit dem Rad nach Hilden zu kommen und von dort die S-Bahn zu nehmen: Wir wären vorbereitet.

Besonders beliebt ist offenbar der S-Bahnhof Hilden Süd. Dort stehen 113 Boxen, also der Löwenanteil der grauen Mini-Bunker. Im Jahr 2025 waren davon 68 belegt, was einer Auslastung von 60 Prozent entspricht. In diesem Jahr sind es bisher 60 Boxen, also 53 Prozent. Das ist zwar etwas weniger, aber immer noch deutlich mehr Betrieb als an manchem Montagmorgen im heimischen Kopf. Am S-Bahnhof Hilden selbst sieht es dagegen gemütlicher aus. Dort gibt es 67 Fahrradboxen, 2025 waren davon 22 belegt. Eine Auslastung von 32 Prozent. In diesem Jahr sind es immerhin 30 belegte Boxen, also 45 Prozent. Der Bahnhof Hilden holt also auf. Langsam, aber entschlossen. So wie jemand, der sein Fahrrad aus dem Keller trägt und dabei feststellt, dass beide Reifen platt sind.

Preislich ist das Angebot durchaus charmant. Eine Fahrradbox kostet 40 Euro im Jahr oder 3,50 Euro im Monat. Das ist weniger als viele Menschen inzwischen für einen Kaffee bezahlen, wenn sie aus Versehen „Hafermilch“, „extra Shot“ und „irgendwas mit Karamell“ sagen. Dazu kommt einmalig eine Kaution von 50 Euro. Dafür bekommt das Fahrrad ein eigenes kleines Zuhause am Bahnhof. Sicher, trocken und vermutlich mit mehr Privatsphäre als manche Großstadtwohnung.

Die Idee dahinter ist natürlich sinnvoll: Wer mit dem Rad zum Bahnhof fährt und dann mit der S-Bahn weiterpendelt, möchte sein Fahrrad am Abend möglichst vollständig wiederfinden. Also mit Sattel, Rädern und dem guten Gefühl, dass der Tag wenigstens in dieser Hinsicht keine Überraschung bereithält. Fahrradboxen sind da die bodenständige Antwort auf die große Frage moderner Mobilität: Wie komme ich umweltfreundlich zur Bahn, ohne mein Rad anschließend in mehreren Einzelteilen bei Kleinanzeigen wiederzuerkennen?

Dass die Auslastung zwischen den beiden Bahnhöfen so unterschiedlich ist, zeigt: Auch Fahrradboxen haben offenbar Lage, Lage, Lage. Hilden Süd scheint für viele Radpendler der attraktivere Standort zu sein. Vielleicht liegt es an den Wegen, vielleicht an den Gewohnheiten, vielleicht auch daran, dass manche Menschen zu ihrem Bahnhof eine Beziehung pflegen wie andere zu ihrem Lieblingsbäcker. Man geht eben dahin, wo man sich auskennt. Und wo das Rad nachts nicht frieren muss.

Wer nun Lust bekommen hat, seinem Fahrrad ein eigenes abschließbares Appartement zu gönnen, kann sich an das Bürgerbüro der Stadt Hilden wenden. Dort wartet vermutlich kein Makler mit Exposé und Grundriss, aber immerhin eine praktische Lösung für alle, die ihr Rad sicher unterbringen möchten. Und seien wir ehrlich: Für 40 Euro im Jahr findet man in Hilden sonst kaum noch etwas mit Tür, Dach und Bahnhofsnähe.

Mittwoch, 13. Mai 2026

13.5.2026: Hilden spielt Schach, rettet Brötchen und nebenbei die Demokratie

Es gibt Tage, da möchte man eigentlich nur kurz zum Friseur. Ein bisschen Spitzen schneiden, vielleicht einmal fragen, ob „nur die Seiten“ wirklich noch als Frisur durchgeht, und dann wieder nach Hause. Und dann steht man plötzlich mitten in Hilden auf einem Aktionstag des Ehrenamts, das Kind baut beim Imkerstand ein Holzhäuschen, schießt beim Schützenverein, spielt zwanzig Minuten hochkonzentriert Schach und kommt mit einem Aktionspass voller Stempel zurück. So schnell kann aus „Wir gehen mal eben Haare schneiden“ ein kommunalpolitisch wertvoller Familienausflug werden.

Adrian, zehn Jahre alt, war eines dieser Kinder, die an solchen Tagen beweisen, dass Neugier in Hilden offenbar nicht ausgestorben ist. Beim Schachverein 1922 Hilden setzte er sich ans Brett und spielte gegen Christine Woodford, die seit drei Jahren als Trainerin dabei ist. Nach der Partie bekam er nicht etwa ein trockenes „Gut gemacht“, sondern ein Lob mit pädagogischer Eleganz: Er habe richtig toll gespielt und hätte sicher gewonnen, wenn er alle Grundregeln gekannt hätte. Das ist ungefähr die charmanteste Art, jemandem zu sagen: „Du warst super, aber der Turm zieht leider nicht wie ein besonders entschlossener Staubsauger.“

Adrian nahm es sportlich. Schach gefiel ihm, besonders die Strategie. Dass er bereits Schlagzeug spielt und Fußball macht, zeigt allerdings: Sein Terminkalender ist vermutlich voller als der mancher Erwachsener, die schon überfordert sind, wenn Müllabfuhr und Zahnarzt in dieselbe Woche fallen. Vater Michael zeigte sich offen dafür, die neue Freizeitaktivität irgendwie unterzubringen. Man kennt das: Montag Fußball, Mittwoch Schlagzeug, Freitag Schach, Samstag Turnier, Sonntag Eltern in stabiler Seitenlage.

Beim Hildener Schachverein gibt es rund 100 Mitglieder, allerdings noch immer zu wenige Mädchen. Das bedauerten Peter Krause, der seit 1969 als Trainer und Pressewart aktiv ist, und Cordula Hinrichs, Mannschaftsführerin im Verein. Dabei ist Schach eigentlich ideal: Alter und Geschlecht sind egal, Hauptsache, man kann sich konzentrieren und verwechselt den König nicht mit einer besonders eitlen Dame. Ab sechs Jahren könne man anfangen, vorher seien Kinder oft noch zu verspielt. Wobei man fairerweise sagen muss: Auch Erwachsene sind gelegentlich verspielt, nur nennen sie es dann „Taktikbesprechung“ oder „Ich habe den Zug genau so geplant“.

Gleich nebenan wurde nicht nur geistige Nahrung geboten, sondern auch echte. Beim Foodsharing-Stand durfte sich jeder bedienen: Obst, Gemüse, Backwaren, Süßigkeiten. Also im Grunde das Paradies, nur ohne Schlange an der Supermarktkasse und ohne die eine Person, die beim Bezahlen erst nach der Kundenkarte sucht, als hätte sie sie zuletzt 2007 in einer Berghütte gesehen. Die Initiative macht deutlich, dass Lebensmittel nicht automatisch Müll sind, nur weil ein Mindesthaltbarkeitsdatum beleidigt abgelaufen ist. Vieles ist noch genießbar, landet aber trotzdem in der Tonne. Foodsharing Hilden will genau das verhindern.

Hinter dem Rathaus steht normalerweise ein Fahrrad mit Boxen, in die noch gute Lebensmittel gelegt und aus denen handelsübliche Mengen mitgenommen werden können. Und wichtig: Das Angebot richtet sich nicht nur an Bedürftige, sondern an alle, die Essen retten möchten. Miriam Wildermann erklärte, dass Foodsharing eng mit der Tafel zusammenarbeitet und nur Lebensmittel rettet, für die dort kein Bedarf besteht. Niemandem wird etwas weggenommen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade in Zeiten, in denen manche schon beim letzten Laugenbrötchen im Bäckerkorb gesellschaftliche Verteilungskämpfe wittern.

Rund 22 Betriebe in Hilden und weitere in der Region machen bereits mit, darunter Bäckereien und Supermärkte. Sie geben Waren ab, die zu viel bestellt wurden, kurz vor oder schon nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder aus dem Sortiment verschwinden, weil die nächste Angebotswelle anrollt. Man könnte sagen: Foodsharing ist die zweite Chance für Brote, Bananen und Müsliriegel. Und manchmal auch für Menschen, die beim Anblick kostenloser Backwaren plötzlich sehr demütig werden.

Doch der Aktionstag hatte nicht nur Schachzüge und gerettete Teilchen zu bieten, sondern auch klare Haltung. Die „Omas gegen Rechts“ waren ebenfalls vertreten. Seit acht Jahren setzen sie sich für Demokratie und Menschenrechte ein. Susanne Leupold-Zekorn berichtete von einer überparteilichen Gruppe mit etwa 25 Aktiven, darunter auch einige Männer. Jeden zweiten Montag im Monat wird beraten, geplant und vermutlich auch gelegentlich sehr entschieden festgestellt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern eher wie ein Schrebergarten: Wenn man sich nicht kümmert, wächst irgendwann etwas, das man ganz sicher nicht gepflanzt hat.

Die „Omas gegen Rechts“ demonstrieren regelmäßig, unter anderem vor dem Landtag in Düsseldorf. Sie zeigen, dass politisches Engagement keine Altersgrenze kennt und dass man mit Erfahrung, Ausdauer und klarer Kante ziemlich viel bewegen kann. Wer beim Wort „Oma“ nur an Häkeldeckchen denkt, hat offensichtlich noch nie erlebt, wie entschlossen Menschen sein können, die schon mehrere Jahrzehnte Familienfeiern, Behördenformulare und Diskussionen über Kartoffelsalat überstanden haben.

Am Ende zeigte der Aktionstag vor allem eines: Ehrenamt in Hilden ist kein verstaubtes Vereinsheim mit lauwarmem Filterkaffee, sondern bunt, lebendig und erstaunlich vielseitig. Da wird gedacht, gebaut, gerettet, diskutiert, gestempelt und gelobt. Kinder entdecken neue Hobbys, Erwachsene neue Initiativen und Lebensmittel neue Hoffnung. Und irgendwo zwischen Schachbrett, Foodsharing-Kiste und Demokratieschild merkt man: Eine Stadt funktioniert nicht nur durch Verwaltung, Straßenlaternen und pünktliche Müllabfuhr. Sie funktioniert durch Menschen, die sagen: „Ich mach da mit.“

Das Problem bleibt natürlich: Ehrenamt braucht Leute. Nicht nur die, die schon immer da sind und vermutlich selbst dann noch den Stand aufbauen würden, wenn ihnen ein Orkan quer über den Ellenbogen pustet. Es braucht neue Gesichter, neue Hände, neue Ideen. Mädchen im Schachverein, Foodsaver mit Fahrradtaschen, Demokratiefreunde mit wetterfester Jacke und Menschen, die beim Satz „Da müsste mal jemand…“ nicht sofort verschwinden, sondern vielleicht fragen: „Wann geht’s los?“

Hilden hat an diesem Tag gezeigt, dass Engagement nicht trocken sein muss. Es kann strategisch sein wie Schach, nachhaltig wie Foodsharing und unbequem wichtig wie eine Demo gegen Rechts. Und manchmal beginnt es eben ganz harmlos mit einem Friseurbesuch. Man geht los, um die Haare schneiden zu lassen, und kommt zurück mit einem gebastelten Häuschen, zwei Stempeln, neuen Ideen und der Erkenntnis: Diese Stadt hat mehr Ehrenamt, als man zwischen Pony und Dauerwelle erwartet hätte.

Dienstag, 12. Mai 2026

12.5.2026: Neues Wohngebiet in Hilden: Wenn 90 Wohnungen auf 35 sehr entschlossene Nachbarn treffen

In Hilden wird geplant, diskutiert und offenbar auch schon innerlich sehr kräftig mit dem Kopf geschüttelt. Die Stadt möchte am östlichen Rand des Zentrums ein neues Wohngebiet ermöglichen – doch bei der Bürger-Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan „165 A“ im Hildener Bürgersaal zeigte sich schnell: Zwischen städtebaulichem Konzept und nachbarschaftlicher Begeisterung liegt ungefähr so viel Platz wie zwischen zwei Autos in einer viel zu engen Parklücke.

Gut 35 Grundstücksbesitzer, Mieter und Anwohner waren gekommen, um sich anzuhören, was die Stadt im Bereich Walder Straße und Kirchhofstraße vorhat. Dort, wo heute unter anderem ein Garagenhof, eine Autowerkstatt und ein altes, eingezäuntes Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft Hilden stehen, könnten nach den Vorstellungen der Stadt künftig fünf Mehrfamilienhäuser, vier Doppelhäuser und drei Einzelhäuser entstehen. Insgesamt hält Hilden 70 bis 90 Wohneinheiten für möglich. Das klingt nach dringend benötigtem Wohnraum, nach Nachverdichtung im Innenbereich und nach der schönen Vorstellung, dass man die Fußgängerzone tatsächlich zu Fuß erreichen kann. Es klingt aber für manche Anwohner offenbar auch nach: Hilfe, wo soll ich dann parken?

Die Stimmung im Saal war entsprechend wenig „Willkommen im neuen Quartier“ und eher „Bitte treten Sie langsam vom Bebauungsplan zurück“. Technischer Beigeordneter Peter Stuhlträger hatte wohl schon geahnt, dass die Veranstaltung kein gemütlicher Städtebau-Kaffeeklatsch wird. Doch die Wucht der Ablehnung dürfte selbst erfahrene Planungsmenschen daran erinnert haben, dass PowerPoint-Folien zwar vieles können, aber keine Parkplatzsorgen wegzaubern.

Einer der größten Kritikpunkte war genau das: die Parkplatznot. Viele Anwohner sehen schon heute kaum noch Platz für ihre Autos. Wenn dann auch noch der vorhandene Garagenhof verschwindet und gleichzeitig neue Bewohnerinnen und Bewohner einziehen, wird aus Sicht der Kritiker aus dem Wohngebiet schnell ein Suchgebiet. Ein Anwohner fragte sinngemäß, ob man demnächst einen Kilometer entfernt von der eigenen Haustür parken müsse. Die Antwort der Stadt, 300 Meter seien durchaus zumutbar, dürfte im Saal vermutlich nicht zu spontanen Dankesbekundungen geführt haben. In Hilden ist 300 Meter schließlich nicht nur eine Strecke, sondern je nach Einkaufstasche, Regenlage und Laune eine kleine Expedition.

Auch der Inhaber der dort ansässigen Autowerkstatt machte deutlich, dass er seine Zukunft nicht unbedingt in einem Umzugskarton sieht. „Ich will hier nicht weg“, lautete seine klare Botschaft. Und manchmal ist Stadtplanung eben auch genau das: ein großes Konzept trifft auf einen Menschen, der sagt, dass sein Betrieb kein verschiebbarer Legostein ist.

Dabei ist das Vorhaben noch lange nicht spruchreif. Einen Investor gibt es nicht, eigene Grundstücke besitzt die Stadt im Plangebiet ebenfalls nicht. Nur einige wenige Flächen gehören der Wohnungsbaugesellschaft Hilden. Damit tatsächlich gebaut werden kann, braucht es also die Zustimmung oder Verkaufsbereitschaft der heutigen Eigentümer. Und die scheint derzeit ungefähr so ausgeprägt zu sein wie die Lust, samstags freiwillig ins Bürgerbüro zu gehen, wenn man auch auf dem Sofa liegen könnte.

Trotzdem möchte die Stadt mit dem Bebauungsplan einen Rahmen schaffen. Peter Stuhlträger erklärte, der Plan sei ein Angebot – nicht unbedingt für morgen, sondern vielleicht auch für die Kinder oder Enkel der heutigen Eigentümer, falls diese in zehn oder 20 Jahren doch verkaufen wollen. Das klingt ein bisschen nach Stadtplanung mit Langzeitgedächtnis: Heute wird gestritten, übermorgen wird geprüft, und irgendwann entscheidet vielleicht jemand, dass der alte Garagenhof nun doch ein Wohnhaus werden darf.

Zwischendurch stand sogar das Wort Enteignung im Raum, das bei Bürgerveranstaltungen ungefähr dieselbe beruhigende Wirkung hat wie „technischer Defekt“ kurz vor dem Abflug. Planungsamtsleiter Martin Barnat erklärte jedoch, er könne sich an kein vergleichbares Projekt erinnern, bei dem tatsächlich jemand enteignet worden sei. Das dürfte zumindest etwas Druck aus dem Kessel genommen haben, auch wenn der Satz „Lassen Sie die Leute doch in Frieden“ aus dem Publikum wohl ziemlich gut zusammenfasst, wie groß die Skepsis weiterhin ist.

Geplant ist die Erschließung des möglichen neuen Wohngebiets über eine Planstraße von der Walder Straße aus sowie eine neue Stichstraße an der Kirchhofstraße. Vorgesehen sind außerdem 97 Pkw-Stellplätze, die meisten oberirdisch, einige in einer Tiefgarage. Ob diese Zahl die Parkplatzseele der Nachbarschaft beruhigt, darf allerdings bezweifelt werden. Denn wer schon heute das Gefühl hat, jeden Abend an einer urbanen Version von „Reise nach Jerusalem“ teilzunehmen, wird bei zusätzlichen Wohnungen vermutlich nicht spontan in Jubel ausbrechen.

Noch können Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung einbringen. Die Unterlagen sind seit dem 7. Mai online unter hilden.de/bplan165A einsehbar. Nach der Informationsveranstaltung besteht 14 Tage lang die Möglichkeit, Stellungnahmen und Anregungen einzureichen, entweder per E-Mail an [planung@hilden.de](mailto:planung@hilden.de) oder per Brief an das Planungs- und Vermessungsamt der Stadt Hilden, Am Rathaus 1, 40721 Hilden, mit dem Stichwort BP165A. Danach werden die Eingaben geprüft und gegebenenfalls in die Planung aufgenommen. Anschließend folgt eine weitere öffentliche Auslegung. Wer also dachte, ein Bebauungsplan sei eine schnelle Sache, lernt hier: In der Stadtplanung ist selbst „demnächst“ ein dehnbarer Begriff.

Bis der Stadtrat am Ende tatsächlich über den Plan entscheidet, dürften laut Planungsamt mindestens zweieinhalb Jahre vergehen. Es bleibt also genug Zeit für weitere Diskussionen, neue Stellungnahmen, alte Sorgen, frische Argumente und vermutlich noch einige Gespräche darüber, ob 300 Meter Fußweg wirklich zumutbar sind. Sicher ist nur: In Hilden wird nicht einfach gebaut. In Hilden wird vorher gründlich gerungen, gerechnet, protestiert und geplant. Und manchmal reicht schon die Aussicht auf 90 neue Wohnungen, damit ein Garagenhof plötzlich zum emotionalen Mittelpunkt der Stadtentwicklung wird.

Montag, 11. Mai 2026

11.5.2026: Hilden holt die Kunst aus dem Versteck: Wenn Buddha, Hirsch und goldener Hase Ausgang bekommen

In Hilden passiert gerade etwas, das man sonst eher aus Familienkellern kennt: Dinge, die lange irgendwo schlummerten, werden endlich wieder ans Licht geholt. Nur geht es diesmal nicht um alte Campingstühle, Weihnachtsdeko von 1998 oder das mysteriöse Kabel, von dem niemand mehr weiß, wozu es gehört. Nein, die Stadt Hilden zeigt verborgene Schätze aus ihrer eigenen Kunstsammlung – und die können sich deutlich besser sehen lassen als ein Karton mit der Aufschrift „Vielleicht noch wichtig“.

Unter dem Titel „Kunst für alle – rausgeholt“ präsentiert die Städtische Galerie im Bürgerhaus eine Auswahl aus dem städtischen Kunstbesitz. Und gleich vorweg: Es handelt sich nicht um vergessene Staubfänger, die man beim Aufräumen hinter dem Kopierer gefunden hat. Vielmehr möchte die Ausstellung zeigen, wie vielfältig das künstlerische Schaffen in Hilden und darüber hinaus ist. Die Stadt besitzt nämlich mehrere Hundert Werke: Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien und sogar einige Skulpturen. Kurz gesagt: Hilden hat mehr Kunst im Haus, als manche Menschen Tassen im Küchenschrank – und das will etwas heißen.

Kuratorin Sandra Abend, im Hildener Kulturamt für Bildende Kunst zuständig, hat für die Ausstellung Werke ausgewählt, die sie besonders inspirierend fand. Dabei geht es nicht nur darum, Bilder an die Wand zu hängen und dann ehrfürchtig davor zu stehen, während man versucht, klug zu gucken. Die Arbeiten werden in einen spannenden Zusammenhang gesetzt und erzählen etwas über die Kunstgeschichte der Stadt, über Künstlerinnen und Künstler, die Hilden geprägt haben, und über die Frage, was eigentlich alles in einer kommunalen Sammlung stecken kann.

Und da steckt einiges drin. Zur Ausstellung lädt symbolisch ein freundlicher grüner Buddha des japanischen Künstlers Tetsuya Ishida ein, der 1998 in Hilden ausgestellt hat. Wer also bislang dachte, Buddha sei vor allem für innere Ruhe zuständig, lernt hier: Er kann auch sehr höflich zur Kunstbetrachtung bitten. Ebenfalls mit von der Partie ist ein Hirsch von Günter Kuschmann, der sonst im Büro von Bürgermeister Claus Pommer seine Magie verbreitet. Ein erleuchteter Hirsch im Bürgermeisterbüro – das klingt fast so, als würde er still darüber wachen, dass in Sitzungen niemand den Überblick verliert.

Die Sammlung ist über viele Jahre gewachsen, früher auch durch Ankäufe, später durch Schenkungen und Nachlässe. Angesichts der aktuellen Finanzlage der Stadt ist für neue Kunstkäufe allerdings kaum noch Spielraum. Umso erfreulicher ist es, dass der Düsseldorfer Fotokünstler Stephan Kaluza der Hildener Sammlung in diesem Jahr drei Fotografien aus seinem Rheinprojekt „Von der Quelle bis zur Mündung“ zur Verfügung gestellt hat. Das ist nicht nur großzügig, sondern passt auch gut ins Rheinland: Wenn schon kein Geldfluss, dann wenigstens Rheinfluss.

In der Ausstellung begegnet man bekannten Namen wie Otto Piene, K.O. Götz, Hans-Joachim Uthke oder Albert Engstfeld. Aber auch Künstlerinnen und Künstler mit enger Verbindung zur Hildener Kunstszene sind vertreten, darunter Karin Dörre, Dominik Hebestreit, Mehrdad Rashidi, Werner Reuber oder Christiane Strzyzewski-Stals. Hildens Kunstgeschichte wurde dabei nicht nur von Einzelpersonen geprägt, sondern auch von Künstlervereinen wie Art-Ig und H6 sowie vom Austausch mit Prager Künstlern. Man merkt: In Hilden wurde nicht nur gesammelt, sondern offenbar auch fleißig vernetzt, geschaffen und ausgestellt.

Besonders charmant klingt auch der goldene Hase von Ottmar Hörl, der zugleich an Albrecht Dürer und Joseph Beuys erinnert. Ein goldener Hase mit kunsthistorischem Doppelauftrag – das muss man erst einmal hinbekommen. Und dann wäre da noch Charles Wilp, dessen „Werbebild“ von Mel Ramos inspiriert ist. Im Treppenaufgang des alten Rathauses wartet außerdem „Spacy Lucy“ auf neugierige Blicke. Schon der Name klingt so, als könne man beim Vorbeigehen kurz vergessen, dass man eigentlich nur einen Verwaltungsflur entlangläuft.

Neben den ausgestellten Werken gibt es auch einen interaktiven Teil, der auf Kunst im öffentlichen Raum in Hilden aufmerksam macht. Denn Kunst steht nicht nur in Galerien, hängt nicht nur in Büros und schlummert nicht nur in Depots. Manchmal begegnet sie einem draußen, mitten in der Stadt, ganz ohne Eintrittskarte und ohne dass jemand flüstert: „Bitte nicht anfassen.“

Die Idee zu „Kunst für alle“ geht auf eine Anregung der Bürgeraktion zurück, die bereits vor einigen Jahren im Kulturausschuss aufgegriffen wurde. Ziel war es, Werke aus der stadteigenen Sammlung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nun ist es so weit: Die häufig in Depots aufbewahrten Arbeiten dürfen raus, und die Hildenerinnen und Hildener dürfen sehen, was ihre Stadt da eigentlich alles besitzt.

Die Ausstellung wurde am Donnerstag, 7. Mai, in der Städtischen Galerie im Bürgerhaus eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 13. Juni, und zwar dienstags, mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr, donnerstags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 15 Uhr. Montags, sonntags und an Feiertagen bleibt die Galerie geschlossen – auch Kunst braucht schließlich mal Pause.

„Kunst für alle – rausgeholt“ ist damit eine schöne Gelegenheit, Hilden einmal von seiner künstlerischen Seite kennenzulernen. Und wer weiß: Vielleicht schaut man danach auch auf städtische Flure, Wandbilder und Skulpturen mit anderen Augen. Denn manchmal liegen die Schätze gar nicht weit weg. Man muss sie nur aus dem Depot holen. Oder im Fall des Hirsches: kurz aus dem Bürgermeisterbüro entlassen.

Sonntag, 10. Mai 2026

10.5.2026: Reisepass abgelaufen? Hilden empfiehlt den großen Urlaubs-Check, bevor der Koffer schon beleidigt im Flur steht

Die Sommerferien in NRW nähern sich mit großen Schritten, und während viele Hildenerinnen und Hildener gedanklich schon am Strand liegen, im Hotelbuffet-Rhythmus leben oder überlegen, ob fünf Paar Schuhe wirklich zu viel für eine Woche Urlaub sind, meldet sich das Hildener Bürgerbüro mit einem eher bodenständigen, aber sehr wichtigen Hinweis: Bitte einmal den Reisepass prüfen. Ja, genau den. Den, der irgendwo zwischen alten Flugtickets, Impfpass, Bedienungsanleitungen und der mysteriösen Schublade „Sonstiges“ liegt.

Am 20. Juli starten die Sommerferien in NRW und damit auch die Hauptreisezeit. Wer dann am Flughafen oder an der Grenze feststellen muss, dass der Reisepass seit Monaten abgelaufen ist, erlebt zwar ebenfalls ein Abenteuer – nur vermutlich nicht das, das im Reiseprospekt versprochen wurde. Statt Meeresrauschen gibt es dann Diskussionen am Schalter, statt Sonnenuntergang vielleicht den Heimweg mit schlechter Laune. Deshalb rät das Hildener Bürgerbüro, die Gültigkeit von Reisepässen und Ausweisen rechtzeitig zu kontrollieren.

Der Grund ist einfach: Ausweise und Reisepässe werden von der Bundesdruckerei in Berlin produziert. Nach dem Antrag im Bürgerbüro muss deshalb mit einer Produktions- und Lieferzeit von rund vier bis sechs Wochen gerechnet werden. Das ist ungefähr die Zeitspanne, in der man noch schnell Sonnencreme kauft, den Koffer entstaubt, die Nachbarn zum Blumengießen überredet und dreimal vergisst, wo die Reiseunterlagen liegen. Wer also erst kurz vor Abflug merkt, dass das Dokument abgelaufen ist, braucht gute Nerven – und im Zweifel sehr überzeugende Nachweise, denn vorläufige Reisepässe werden nur im nachgewiesenen Eilfall ausgestellt.

Zusätzlich gilt: Reisepass ist nicht gleich Reisepass, zumindest nicht aus Sicht mancher Reiseziele. Je nach Land müssen Dokumente noch eine bestimmte Zeit über den Aufenthalt hinaus gültig sein. Wer also denkt „Der Pass läuft doch erst kurz nach dem Urlaub ab, das passt schon“, könnte je nach Ziel unangenehm überrascht werden. Die zuständige Beigeordnete für den Bürgerservice, Mona Wolke-Ertel, verweist deshalb auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Dort lassen sich die Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes nachlesen – weniger romantisch als Urlaubsfotos, aber deutlich hilfreicher vor dem Abflug.

Das Bürgerbüro Hilden bietet nach eigenen Angaben ausreichend Termine an. Gebucht werden können Termine für den laufenden Tag oder bis zu vier Wochen im Voraus. Das aktuelle Terminangebot ist online unter hilden.de/terminvergabe abrufbar. Wer also noch verreisen möchte, sollte nicht erst dann nach dem Pass suchen, wenn der Koffer schon zugeht und die Zahnbürste wie immer noch fehlt.

Kurz gesagt: Bevor in Hilden die große Ferienfreude ausbricht, lohnt sich ein kleiner Blick auf die Reisedokumente. Das dauert meist weniger lang als die Entscheidung, ob man am ersten Urlaubstag wirklich schon um 6 Uhr morgens eine Liege reservieren möchte. Und es kann verhindern, dass der schönste Ort der Reise am Ende nicht Mallorca, Italien oder Griechenland heißt, sondern „Schalter 4 im Terminal mit wachsender Nervosität“.

Samstag, 9. Mai 2026

9.5.2026: Café Fresko eröffnet in Hilden-Nord: Dolce Vita zwischen Obstsalat, Gelato und Kaffeeduft

Der Hildener Norden hat Zuwachs bekommen – und zwar einen ziemlich süßen. An der Johann-Sebastian-Bach-Straße 3 hat das Café Fresko eröffnet und bringt genau das ins Viertel, was man an manchen Tagen dringend braucht: italienisches Flair, guten Kaffee und genügend Versuchungen, um jeden noch so tapferen Vorsatz freundlich zum Schmelzen zu bringen.

Schon beim Blick auf das Angebot wird klar: Hier wird nicht einfach nur „ein Kaffee getrunken“. Nein, hier wird genossen, kombiniert, gelöffelt, geschlürft und vermutlich auch ein bisschen geseufzt. Das Café Fresko verbindet traditionelle italienische Backkunst mit einem modernen Café-Ambiente und lädt dazu ein, dem Alltag für einen Moment die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Draußen wartet der Terminkalender, drinnen warten Gebäck, Kuchen, Desserts und Gelato. Eine schwierige Entscheidung ist das nicht.

Besonders spannend sind die individuell kombinierbaren Obstsalate. Obstsalat klingt zunächst vernünftig, fast sportlich, beinahe nach „Ich tue heute etwas für mich“. Doch im Café Fresko darf das Ganze mit Lotus-Creme, Nutella oder knusprigem Crunch verfeinert werden. Damit wird aus der gesunden Schüssel ganz schnell ein kleines Dessert mit Alibi-Apfel. Und seien wir ehrlich: Genau diese Art von Kompromiss lieben wir doch.

Auch Eisfreunde dürfen sich freuen, denn im Café Fresko gibt es original italienisches Gelato. Dazu kommen kreative Desserts, Waffeln und Crêpes, die zusammen vermutlich dafür sorgen, dass man nur kurz auf einen Kaffee vorbeischauen wollte und plötzlich mit einem Löffel in der Hand das Leben neu bewertet. Dolce Vita funktioniert eben auch in Hilden-Nord – man braucht dafür nicht zwingend eine Vespa, eine Sonnenbrille und Meerblick, obwohl das natürlich nie schadet.

Die Getränkekarte zeigt ebenfalls, dass Kaffee hier nicht einfach Kaffee ist. Neben Klassikern wie Espresso, Cappuccino und verschiedenen Kaffeespezialitäten gibt es auch modernere Kreationen wie Spanische Latte, Karamell Macchiato, Erdbeer Latte, Mokka Latte oder Matcha Latte. Wer seinen Kaffee lieber kalt genießt, findet viele Varianten auch als erfrischende Eiscafé-Version. Das ist besonders praktisch für alle, die im Sommer so tun möchten, als sei Koffein ein Erfrischungsgetränk.

Und weil ein guter Treffpunkt nicht nur von Kaffee und Kuchen lebt – obwohl das schon ein ziemlich überzeugendes Fundament wäre – gibt es außerdem Milchshakes, Eistees in Sorten wie Pfirsich, Blaubeere, Zitrone, Erdbeere und Mango, alkoholfreie Cocktails sowie fruchtige Säfte. Damit ist das Café Fresko nicht nur ein Ort für Espresso-Fans mit Italien-Sehnsucht, sondern auch für Familien, Freundesrunden und alle, die sich gerne einmal quer durch eine Getränkekarte probieren.

Mit seiner Neueröffnung bringt das Café Fresko ein Stück Italien in den Hildener Norden und bereichert die lokale Gastronomieszene um eine Adresse, an der süße Spezialitäten, hochwertige Kaffees und entspannte Genussmomente zusammenkommen. Kurz gesagt: Wer in Hilden-Nord künftig behauptet, es gebe keinen schönen Ort für eine kleine kulinarische Auszeit, hat vermutlich einfach noch nicht an der Johann-Sebastian-Bach-Straße 3 vorbeigeschaut.

Freitag, 8. Mai 2026

8.5.2026: Kabelsalat mit Kupfergeschmack: Wenn Ladesäulen plötzlich oben ohne dastehen

Es gibt Bilder, die möchte man als moderne Stadt eigentlich nicht sehen: frisch installierte Schnellladesäulen, die stolz in die elektrische Zukunft zeigen sollen, aus denen aber nur noch traurige Kabelstummel hängen. So ähnlich muss sich ein Toaster ohne Kabel fühlen. Oder ein Dackel ohne Leine. In Haan ist genau das passiert: An der Landstraße 64 machten sich Unbekannte an einer Schnellladesäule der Stadtwerke zu schaffen und schnitten beide Ladekabel ab. Die Säule war erst im September 2024 in Betrieb genommen worden, also noch jung, motiviert und vermutlich voller beruflicher Pläne.

Der Schaden: rund 7000 Euro. Und da reden wir nicht nur von ein bisschen Kupfer und „einmal neu bitte“. Nein, im deutschen Alltag hängt an so einem Kabel natürlich noch ein ganzer Verwaltungsschwanz: Montage, Wiederinbetriebnahme, vorgeschriebene Eichungen und vermutlich irgendwo ein Formular, das nur bei Vollmond in dreifacher Ausfertigung gültig ist. Die Stadtwerke Haan hatten jedenfalls wenig Grund zur Freude. Man investiere kontinuierlich in Elektromobilität, sagte Projektleiter Peter Roth sinngemäß, und dann kommt jemand mit der Kneifzange vorbei und macht aus Zukunftstechnologie Altmetall mit Anschlussverlust.

Haan ist damit leider nicht allein. In Düsseldorf wurden innerhalb weniger Wochen 16 Ladesäulen Opfer von Kabeldieben. Gesamtschaden: mehr als 200.000 Euro. Für diesen Betrag bekommt man wahlweise sehr viele Ladekabel, einen ordentlichen Schreck oder eine neue Lebensphilosophie: Vertrauen ist gut, Dyneema ist besser. Denn die Stadtwerke Düsseldorf rüsten bereits auf. Einige Kabel bekommen eine besonders robuste Kunstfaser-Ummantelung, die auch in der Schifffahrt genutzt wird. Dazu kommt eine Sirene mit 117 Dezibel. Das ist ungefähr die Lautstärke, bei der selbst hartgesottene Kupferdiebe kurz überlegen, ob ein ehrlicher Beruf vielleicht doch entspannter wäre.

Auch der ADAC Nordrhein sieht im Klau von Ladekabeln ein wachsendes Problem. Die Diebe haben es auf Kupfer abgesehen, die Betreiber bleiben auf Materialkosten, Reparaturen und Ausfällen sitzen, und E-Auto-Fahrer stehen davor wie früher Menschen an Telefonzellen ohne Kleingeld. Als mögliche Schutzmaßnahmen werden GPS-Tracker, Videoüberwachung, Farbpatronen in der Kabelhülle und bessere Ummantelungen genannt. Farbpatronen klingen besonders schön: Wer das Kabel klaut, sieht danach aus wie ein gescheiterter Bankräuber aus einer Verkehrserziehungsbroschüre.

Und dann ist da noch das Mess- und Eichgesetz, dieses deutsche Naturgesetz neben Schwerkraft und Sonntagsruhe. Nach Reparaturen kann unter Umständen eine neue Eichung nötig werden. Der ADAC möchte hier Erleichterungen, damit der Austausch eines Kabels nicht gleich zur bürokratischen Pilgerreise wird. Denn wenn eine Ladesäule wegen eines Diebstahls ausfällt, ist das schon ärgerlich genug. Wenn sie danach noch auf den Segen der Eich-Bürokratie warten muss, fühlt sich Elektromobilität plötzlich wieder sehr nach Faxgerät an.

Westenergie, auch für Hilden und Haan zuständig, bestätigt ebenfalls Schäden durch Kupferdiebe an eigenen Ladesäulen. Zahlen nennt das Unternehmen nicht, aber jeder Diebstahl werde konsequent angezeigt. Das ist auch richtig so, denn Kabelklau ist kein Lausbubenstreich. Es ist nicht „Ach, der Kevin sammelt wieder Rohstoffe“, sondern Sachbeschädigung, Diebstahl und ein ziemlich direkter Angriff auf Infrastruktur, die eigentlich allen nützen soll.

Besonders spannend wird es am Autobahnkreuz Hilden. Dort steht mit „Seed & Greet“ Europas größter Schnellladepark, betrieben von Bäckerei-Unternehmer und E-Auto-Pionier Roland Schüren. Ein Ort, an dem Strom, Kaffee, Brötchen und Ladepunkte friedlich zusammenleben. Tesla, Fastned, NIO Power Swap, Cafeteria, Bäckerei – es klingt ein bisschen wie das Disneyland der Kilowattstunden, nur mit besseren Croissants und weniger Mausohren.

Und ausgerechnet dieser große Ladepark blieb bislang offenbar verschont. Warum? Nicht wegen Laserfallen, Drohnenstaffeln oder einem dressierten Schäferhund namens Ampère. Sondern weil dort fast immer jemand ist. Menschen laden, essen, trinken Kaffee, holen Brötchen, fahren weiter, kommen an, bleiben kurz stehen. Dazu stehen gelegentlich Wohnmobilfahrer über Nacht auf dem Gelände und halten die Augen offen. Man könnte sagen: Der Park schützt sich selbst. Oder anders: Nichts schreckt Kupferdiebe so sehr ab wie ein wacher Camper mit Thermobecher und dem Blick eines Mannes, der schon um 5.30 Uhr seine Chemietoilette entleert hat.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Lehre dieser ganzen Geschichte. Die Zukunft braucht nicht nur Ladepunkte, Schnellstrom und schlaue Technik. Sie braucht auch Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit und Menschen, die sagen: „Moment mal, warum trägt der Herr da gerade ein Ladekabel wie eine erlegte Anakonda davon?“ Videoüberwachung, Sirenen und Spezialfasern sind wichtig. Aber manchmal ist der beste Diebstahlschutz tatsächlich eine gut besuchte Bäckerei, ein paar E-Auto-Fahrer mit Restreichweitenangst und ein Wohnmobilist, der sowieso nicht schlafen kann.

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass die Kabeldiebe irgendwann merken: Kupfer ist zwar wertvoll, aber ein funktionierender Ladepark ist es auch. Und wer unbedingt etwas abschneiden möchte, der darf sich gerne beim Bäcker ein Stück Streuselkuchen teilen lassen. Das ist legal, macht weniger Lärm und muss hinterher nicht neu geeicht werden.

Donnerstag, 7. Mai 2026

7.5.2026: Wenn Laternen in Hilden wackeln, wird das Musikantenviertel kurz unplugged

In Hilden wird es ernst: Einige Laternenmasten sind nicht mehr standsicher. Das klingt zunächst nach einer Nachricht aus der Kategorie „Dinge, über die man sich normalerweise erst Gedanken macht, wenn sie schief neben dem Gehweg stehen“. Doch die Stadt hat hingeschaut, gemessen und festgestellt: Neun Masten haben offenbar beschlossen, dass aufrechtes Stehen auf Dauer auch überschätzt wird.

Betroffen sind unter anderem das Musikantenviertel und die Hochdahler Straße. Besonders im Musikantenviertel passt die Lage natürlich dramaturgisch perfekt: In der Richard-Wagner-Straße, der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg wird nun an der Straßenbeleuchtung gearbeitet. Man könnte sagen: Die große Hildener Nachtmusik bekommt vorübergehend eine technische Pause. Wagner hätte vermutlich ein dreistündiges Vorspiel daraus gemacht, Haydn hätte höflich genickt, und Johann Strauß hätte versucht, den Mast im Dreivierteltakt wieder gerade zu walzen.

Aufgefallen ist das Ganze bei einer turnusmäßigen messtechnischen Überprüfung. Das klingt herrlich amtlich und beruhigend zugleich. Kein Nachbar musste also nachts im Schlafanzug rufen: „Die Laterne guckt mich komisch an!“ Stattdessen kamen Fachleute mit Messgeräten, prüften die Standsicherheit und entschieden: Diese Masten brauchen nicht nur gutes Zureden, sondern einen Austausch. Einige wurden bereits gesichert und gekürzt. Gekürzte Laternenmasten sind vermutlich die Kurzgeschichten unter den Straßenleuchten: weniger hoch, aber immer noch mit ernstem Auftrag.

Seit dem 30. April läuft der Austausch, und bis Mitte Mai kann es in den betroffenen Bereichen zeitweise zu Ausfällen der Straßenbeleuchtung kommen. Das heißt: Hilden erlebt an einigen Stellen möglicherweise eine kleine Renaissance der Taschenlampe. Wer also abends durch die Richard-Wagner-Straße geht, sollte nicht erschrecken, wenn die Beleuchtung kurz mehr Bayreuther Bühnennebel als Innenstadtkomfort bietet. Romantisch könnte man es auch nennen. Oder praktisch: Endlich sieht niemand, wenn man im Dunkeln versucht, die Biotonne des Nachbarn für die eigene zu halten.

Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zwar ein bisschen so, als hätte jemand beim Scrabble nur vier Buchstaben übrig gehabt, hat aber tatsächlich große Geschichte: französische Wurzeln, gegründet im Jahr 1900, einst an der Elektrifizierung der Pariser Metro beteiligt. Von Paris nach Hilden also. Vom Glanz der Métro zur Laterne vor Hausnummer 7. Das ist kein Abstieg, das ist gelebte europäische Infrastrukturfreundschaft.

Geprüft wurde die Standfestigkeit durch die Fachfirma Rei-Lux. Auch dieser Name passt natürlich wunderbar ins Licht-Milieu. Rei-Lux klingt wie eine Figur aus einem Science-Fiction-Film, die mit einem Laserpointer defekte Masten erkennt. Tatsächlich geht es aber um etwas sehr Bodenständiges: Sicherheit. Denn so eine Laterne soll vieles können. Leuchten, Orientierung geben, Gehwege erhellen, gelegentlich Hunde anziehen. Was sie nicht soll: spontan in die Horizontale wechseln.

Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden frühzeitig entdeckt, gesichert und werden ausgetauscht. Das ist genau die Art von Verwaltungsmeldung, die im Alltag unspektakulär klingt, aber wichtig ist. Denn Straßenbeleuchtung gehört zu den Dingen, die man erst bemerkt, wenn sie nicht funktioniert. Wie WLAN, Heizung oder der eine Kugelschreiber, der im ganzen Haushalt tatsächlich schreibt.

Fünf Standorte liegen allein an der Richard-Wagner-Straße. Das ist viel Wagner auf einmal, aber Kenner wissen: Bei Wagner dauert ohnehin alles etwas länger. Zwei Masten stehen an der Hochdahler Straße auf der Austauschliste, dazu je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Hilden hat also keinen Blackout, sondern eher ein kleines Best-of der klassischen Musik mit temporärer Beleuchtungspause.

Bis Mitte Mai soll der Spuk erledigt sein. Dann stehen neue Masten dort, wo alte nicht mehr ganz überzeugend Haltung bewiesen haben. Die Stadt sorgt für Verkehrssicherheit, die Fachfirmen kümmern sich um Licht und Stabilität, und die Anwohner können bald wieder ohne Improvisation durch ihre Straßen gehen.

Bis dahin gilt: Taschenlampe laden, Handy-Akku nicht bei drei Prozent herumtragen und im Musikantenviertel nicht wundern, wenn es abends kurz etwas gedämpfter wirkt. Hilden macht eben nicht nur Kultur, Sport und Baustellenromantik, sondern auch Laternenpflege mit internationalem Flair. Und wenn die neuen Masten stehen, darf man ihnen ruhig kurz anerkennend zunicken. Schließlich ist Haltung heutzutage keine Selbstverständlichkeit – nicht einmal bei Straßenlaternen.