Dienstag, 2. Juni 2026

2.6.2026: Gastro Talk in Hilden: Kaffee, Kritik und kommunale Kassenakrobatik

Es gibt Formate, die klingen nach Flipchart, Sitzungssaal und lauwarmem Mineralwasser. Und dann gibt es den „Gastro Talk“: Bürgermeister Claus Pommer setzt sich ins Café, Bürgerinnen und Bürger kommen vorbei, bestellen vermutlich etwas mit Milchschaum und sprechen über alles, was in Hilden drückt, klemmt, klappert oder einfach mal gesagt werden muss. Beim ersten Termin im Café Röstzeit zeigte sich: Kommunalpolitik geht offenbar auch mit Koffein. Und seien wir ehrlich: Manche Themen lassen sich mit einem Kaffee in der Hand deutlich besser ertragen als mit einem Aktenordner auf dem Schoß. 

Die Idee ist charmant: Wer keine Lust auf klassische Beteiligungsformate hat, kann einfach vorbeikommen, Platz nehmen und loswerden, was zwischen Fahrradweg, Stadtpark und Schwimmbadöffnung so auf der Seele liegt. Barrierearm nennt man das offiziell. Inoffiziell könnte man sagen: Demokratie mit Getränkekarte. Pommer erklärte, er mache bereits viele Formate, etwa Spaziergänge mit Bürgerinnen und Bürgern. Nun also Sitzen statt Gehen. Das ist nur konsequent, denn manche Hildener Probleme sind so langlebig, dass man sie besser im Sitzen bespricht.

Und die Themen kamen schnell auf den Tisch. Mehr Angebote für Studierende wurden gewünscht, damit junge Menschen in Hilden nicht nur dann sichtbar werden, wenn Weinfest ist. Pommer verwies auf das Bürgerfestival und darauf, dass nicht jedes Jahr dieselben Bands in derselben Reihenfolge auftreten sollten. Eine beruhigende Nachricht für alle, die schon beim Aufbau der Bühne ahnen können, wann der Gitarrist sein Solo macht. Auch der Stadtpark bekam ein kleines Lobpflänzchen: Minigolfanlage wieder in Schuss, Büdchen als Anlaufstelle, Tangoabende als Sonderaktion. Hilden tanzt also wieder, zumindest stellenweise und hoffentlich ohne Stolperkante.

Apropos Stolperkante: Die Fahrradwege durften natürlich nicht fehlen. Eine Bürgerin berichtete von engen Stellen zwischen Hilden-West und Innenstadt, besonders dort, wo parkende Autos und fehlende Markierungen aus einer Radfahrt eine Art kommunales Geschicklichkeitsspiel machen. Ein Fahrradangebotsstreifen wurde ins Gespräch gebracht. Das klingt zwar ein bisschen wie „Wir bieten Ihnen hiermit offiziell etwas Platz an, können aber für nichts garantieren“, könnte Autofahrende aber immerhin daran erinnern, dass Radfahrer nicht bloß dekorative Randerscheinungen des Straßenverkehrs sind.

Richtig deutlich wurde es dann bei der gefühlten Bürgerbilanz: immer einzahlen, kein Benefit, keine saubere Ecke, kaputte Fahrradwege, verkürzte Schwimmbadzeiten. Das ist ungefähr der Moment, in dem Kommunalpolitik vom Cappuccino in den doppelten Espresso wechselt. Pommer hielt dagegen und zählte auf, was Hilden sich leistet: Stadthalle, Waldschwimmbad, Bibliothek, Musikschule. Also durchaus Benefits, nur eben manchmal etwas versteckt zwischen Schlagloch, Haushaltsloch und Öffnungszeitenzettel.

Der große Elefant am Café-Tisch war die finanzielle Lage. Sozialausgaben, besonders in der Jugendhilfe, sind hoch, und die Stadt bekommt Einnahmen und Ausgaben nicht mehr sauber zusammen. Das klingt trocken, ist aber im Alltag ziemlich konkret: Wer Geld nur einmal ausgeben kann, muss entscheiden, ob es in Straßen, Schwimmbad, Kultur, Jugendhilfe oder die nächste dringende Reparatur fließt. Kurz gesagt: Der städtische Geldbeutel hat keine Zaubernaht. Und selbst wenn man ihn kräftig schüttelt, fällt höchstens eine alte Parkquittung heraus.

Am Ende war der erste „Gastro Talk“ aber offenbar genau das, was er sein sollte: ein Gesprächsort. Menschen kamen, sprachen mit dem Bürgermeister, brachten Ärger, Ideen und Wünsche mit und gingen mit dem Gefühl, gehört worden zu sein. Das löst noch keinen Fahrradweg, füllt keine Stadtkasse und verlängert keine Schwimmbadöffnung per Milchschaum-Magie. Aber es ist ein Anfang. Und vielleicht ist das in einer Stadt manchmal schon eine Menge: ein Tisch, ein Getränk, ein offenes Ohr und die Erkenntnis, dass Hilden zwar nicht alle Probleme sofort wegmoderieren kann, sie aber wenigstens nicht allein im Kreisverkehr stehen lässt.