Es gibt Orte, die riechen sofort nach Kindheit. Nach Lagerfeuerrauch, nassen Turnschuhen und diesem einen Stockbrot, das außen verbrannt und innen trotzdem noch komplett roh ist. Genau so ein Ort ist der Abenteuerspielplatz in Hilden — oder einfach „Abi“, wie ihn gefühlt jeder nennt, der dort irgendwann mal seine Nachmittage verbracht hat. Jetzt wird dieser legendäre Ort fast 50 Jahre alt und feiert das natürlich nicht still und leise mit einem trockenen Empfang und Käsewürfeln, sondern mit einem großen Generationenfest. Und ehrlich gesagt klingt das Ganze wie der absolute Endgegner deutscher Familienfeste.
Denn was dort angekündigt wird, liest sich ein bisschen so, als hätte jemand alle Kindheitserinnerungen der letzten vier Jahrzehnte in einen Mixer geworfen: Lagerfeuer, Hüpfburg, Feuerwehrübungen, Tiergehege, Holzwerkstatt, Kinderschminken und natürlich Stockbrot. Es fehlt eigentlich nur noch ein leicht überforderter Vater mit einer Digitalkamera aus dem Jahr 2007 und ein Kind, das nach exakt drei Minuten Zuckerwatte komplett eskaliert.
Besonders schön ist dabei, dass der Abi offenbar generationsübergreifend funktioniert. Die heutigen Kinder freuen sich auf die Hüpfburg, während die Eltern vermutlich alle fünf Minuten sagen werden: „Hier habe ich mir damals das Knie aufgeschlagen.“ Und irgendwo steht garantiert jemand Mitte 40 vor der Holzwerkstatt und murmelt mit glasigem Blick: „Das hier war früher viel größer.“ Nostalgie funktioniert auf Abenteuerspielplätzen schließlich ähnlich zuverlässig wie Sonnenbrand beim ersten warmen Wochenende des Jahres.
Das Bühnenprogramm wird offiziell von Bürgermeister Claus Pommer und Awo-Vertretern eröffnet. Ein Moment, bei dem Erwachsene höflich klatschen, während Kinder sich innerlich nur fragen, wann endlich Popcorn und Hüpfburg freigegeben werden. Wirklich spannend wird es dann bei der Tanzaufführung der Abi-Kinder. Solche Aufführungen haben nämlich immer dieselbe Magie: Einige Kinder tanzen voller Begeisterung, andere winken dauerhaft ihren Eltern zu und mindestens eins steht komplett regungslos da und verarbeitet vermutlich einfach die Gesamtsituation.
Kulinarisch fährt das Fest ebenfalls alles auf, was ein gelungenes Familienevent braucht: Grillgut, Kuchenbuffet, Popcorn, Zuckerwatte, Flammkuchen und Eiswagen. Anders gesagt: eine perfekte Gelegenheit, innerhalb von zweieinhalb Stunden gleichzeitig satt, glücklich und leicht überzuckert zu werden. Eltern kennen diesen Zustand traditionell als „Samstag“.
Besonders sympathisch ist, wie liebevoll über den Abenteuerspielplatz gesprochen wird. Seit 1978 ist er ein Ort für Begegnungen, Erlebnisse und Erinnerungen. Und genau das merkt man solchen Einrichtungen an. Irgendwie hat fast jeder Hildener eine Geschichte vom Abi. Vom ersten Lagerfeuer. Vom wilden Herumtoben. Von einem Sommernachmittag, der viel länger dauerte, als er eigentlich hätte dürfen. Oder von der Erkenntnis, dass man beim Kinderschminken als Tiger deutlich cooler aussah als als Schmetterling.
Und so wird dieses „fast 50-jährige“ Jubiläum wahrscheinlich genau das, was ein gutes Generationenfest sein soll: laut, chaotisch, klebrig, herzlich und voller Menschen, die für ein paar Stunden einfach wieder Kind sein dürfen. Nur diesmal mit Rückenschmerzen beim Aufstehen von der Bierbank.
Freitag, 22. Mai 2026
22.5.2026: Fast 50 Jahre Abenteuer, Stockbrot und ganz viel Kindheitsnostalgie
Donnerstag, 21. Mai 2026
21.5.2026: Wenn der Ehrgeiz kickt und plötzlich alle freiwillig 6,7 Kilometer pro Stunde laufen
In Hilden gibt es Freundesgruppen, die treffen sich zum Grillen, zum Fußballschauen oder auf ein Feierabendbier. Und dann gibt es Linus Messerschmidt und Mats Möcking. Die beiden dachten sich offenbar: „Wie können wir Pfingsten maximal unvernünftig gestalten?“ — und kamen auf die Idee, einen Backyard Ultra Marathon zu veranstalten. Also jene faszinierende Sportart, bei der man jede Stunde exakt 6,7 Kilometer läuft, bis am Ende nur noch eine Person übrig ist, die geistig und körperlich noch halbwegs weiß, wo vorne ist.
Das Schöne daran: Niemand weiß vorher so genau, wann Schluss ist. Vielleicht nach drei Runden. Vielleicht nach zwölf. Vielleicht wacht man irgendwann nachts um vier im Feldweg-Nirwana auf und diskutiert mit einem Reh über Elektrolyte. Genau diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Gruppendynamik und leichtem Kontrollverlust scheint die jungen Hildener magisch anzuziehen. Während andere Influencer-Videos schauen und danach kurz motiviert ins Fitnessstudio gehen, dachten sich die beiden Organisatoren einfach: „Ja komm, machen wir selbst.“ Ein klassischer Fall von Social Media in seiner gefährlichsten Form.
Besonders beeindruckend ist dabei die Zielsetzung. Mats möchte erstmal überhaupt die Marathonmarke knacken. Sehr sympathisch. Linus dagegen sagt Sätze wie: „Ich hoffe schon auf eine zweistellige Stundenzahl.“ Menschen, die so etwas sagen, besitzen entweder enorme mentale Stärke oder haben beim Thema Selbstschutz irgendwann versehentlich auf „überspringen“ geklickt.
Trainiert wird selbstverständlich professionell. Also halb professionell. Man läuft langsamer, gewöhnt sich an mehrere Einheiten am Tag und sammelt 30 bis 50 Wochenkilometer. Dazu kommen vermutlich noch intensive wissenschaftliche Studien darüber, welche Snacks nachts um zwei Uhr auf einem Feldweg emotional stabilisieren. Denn jeder erfahrene Ausdauersportler weiß: Der wahre Gegner ist nicht die Strecke, sondern die Frage, ob man nach acht Stunden noch Bananen sehen kann, ohne aggressiv zu werden.
Die Strecke selbst führt über Feldwege östlich der Erika-Siedlung, inklusive Basislager mit Pavillon, Lichtstrahlern und Stühlen. Im Grunde klingt das wie ein Festival — nur ohne Musik und mit deutlich mehr Wadenkrämpfen. Besonders romantisch wird es dann abends im Dunkeln, wenn die Läufer weiter ihre 6,7 Kilometer abspulen und irgendwo im Hintergrund wahrscheinlich jemand mit glasigem Blick murmelt: „Nur noch eine Runde.“
Natürlich gibt es auch Sicherheitsmaßnahmen. Jeder soll sein Handy dabeihaben, später fährt jemand mit dem Fahrrad hinterher und sobald gesundheitliche Probleme auftreten, soll Schluss sein. Das klingt vernünftig — bis man bedenkt, dass die gleiche Gruppe gleichzeitig beschlossen hat, freiwillig stundenlang im Kreis zu laufen. Aber immerhin: Verantwortung und Wahnsinn halten sich hier ungefähr die Waage.
Das vielleicht Beste am ganzen Event ist allerdings die „Finisher-Glocke“. Sobald jemand ausscheidet, wird geläutet. Das hat etwas herrlich Dramatisches. Man stellt sich vor, wie ein Läufer nach Runde sieben völlig erschöpft ins Lager taumelt und irgendwo feierlich *BONG* ertönt. Dazu bekommt fast jeder ein Hufeisen mit „DNF“ — „Did Not Finish“. Im normalen Leben wäre das deprimierend. Beim Backyard Ultra scheint es eher eine Art Ehrenorden für kontrollierte Selbstzerstörung zu sein. Nur der Gewinner erhält das legendäre „Winner“-Hufeisen und wahrscheinlich lebenslange Knieprobleme gratis dazu.
Am Ende muss man diese Aktion einfach bewundern. Nicht unbedingt wegen der sportlichen Vernunft, sondern wegen dieser wunderbar absurden Mischung aus Freundschaft, Ehrgeiz und der festen Überzeugung, dass ein langes Wochenende die perfekte Gelegenheit ist, sich freiwillig an die Grenze der Belastbarkeit zu bringen. Andere fahren an Pfingsten in den Kurzurlaub. In Hilden läuft man lieber so lange 6,7-Kilometer-Runden, bis jemand eine Glocke läutet.
Mittwoch, 20. Mai 2026
20.5.2026: Bürgermeister, Bier und Bürgernähe – Hilden entdeckt das politische Frühschoppen 2.0
In Hilden wird Politik jetzt offenbar dort gemacht, wo die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen: zwischen Cappuccino-Schaum, Weinglas und Tresengespräch. Bürgermeister Claus Pommer lädt zum „Gastro-Talk“ – und allein der Name klingt schon wie eine Mischung aus Stadtratssitzung und Kabel-1-Doku über Restauranttester. Endlich dürfen Bürger ihre Sorgen nicht mehr nur im Rathaus vortragen, sondern ganz stilvoll bei einem Flat White oder einem kühlen Pils.
Der erste Termin steigt in der „Röstzeit“ auf der Mittelstraße. Ein clever gewählter Ort, denn wenn irgendwo in Deutschland hitzige Diskussionen entstehen, dann bekanntlich in Cafés mit Industrie-Lampen und handgerösteten Bohnen. Dort sollen die Hildener nun direkt mit ihrem Bürgermeister plaudern können. Ganz locker. Ganz unkompliziert. Also ungefähr so unkompliziert wie ein Gespräch mit dem Finanzamt – nur mit besserem Kuchenangebot.
Besonders schön ist die Vorstellung, dass Bürger schon vorab Postkarten mit Fragen hinterlassen können. Das klingt herrlich nostalgisch. Während andere Städte Bürger-Apps entwickeln und digitale Beteiligungsplattformen bauen, setzt Hilden auf das gute alte „Schreib’s auf eine Karte und leg’s neben die Kaffeemaschine“. Vielleicht stehen dort bald Fragen wie: „Warum sind die Schlaglöcher tiefer als mein Vertrauen in Baustellenpläne?“ oder „Kann man die Parkplatzsuche in der Innenstadt als Extremsport anerkennen lassen?“
Natürlich betont Claus Pommer, dass in entspannter Atmosphäre oft die besten Ideen entstehen. Das stimmt vermutlich. Viele große Entscheidungen der Menschheitsgeschichte wurden wahrscheinlich ebenfalls nach dem zweiten Getränk getroffen. Und immerhin: Wenn jemand nach einem Glas Wein plötzlich die perfekte Lösung für den Verkehr in Hilden findet, hätte sich der „Gastro-Talk“ schon gelohnt.
Die weiteren Termine wirken ebenfalls sorgfältig ausgesucht. Erst die Weinbar „Mon Coeur“ – ein Name, bei dem man automatisch französisch nuschelt und plötzlich Verständnis für Radwege entwickelt. Danach geht’s zu „Manis Ponystall“. Allein dieser Name klingt so, als könne dort jederzeit ein Country-Sänger auftreten oder jemand versuchen, den Bürgermeister beim Dart zu schlagen.
Man muss allerdings anerkennen: Die Idee hat Charme. Bürgernähe wird hier wörtlich genommen. Statt steriler Mikrofone im Sitzungssaal gibt es lockere Gespräche zwischen Espressotasse und Bierdeckel. Vielleicht ist genau das die Zukunft der Kommunalpolitik. Heute Gastro-Talk, morgen Bürgerbeteiligung beim Döner, übermorgen Stadtrat im Biergarten.
Und ehrlich gesagt: Wenn politische Diskussionen künftig grundsätzlich mit Kaffee und Snacks kombiniert werden, steigen die Chancen auf friedliche Debatten enorm. Niemand schreit laut herum, wenn er gleichzeitig versucht, ein Stück Käsekuchen elegant zu essen.
Dienstag, 19. Mai 2026
19.5.2026: Hilden bekommt neuen Asphalt – und die Schlaglöcher müssen jetzt ganz stark sein
In Hilden wird wieder saniert. Ab Montag, 18. Mai, rückt die Stadt mehreren Straßen mit frischem Asphalt zu Leibe. Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Nachricht aus dem Bereich „Tiefbau- und Grünflächenamt“, ist aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ungefähr so relevant wie die Frage, ob der Kaffee morgens noch durchläuft. Denn wenn die eigene Straße plötzlich Halteverbotsschilder trägt, der Lieblingsparkplatz verschwindet und die Grundstückszufahrt zeitweise nicht erreichbar ist, wird aus kommunaler Unterhaltung ganz schnell ein kleines Abenteuer mit Baustellencharme.
Neun Straßenabschnitte sind betroffen, darunter die Hoffeldstraße zwischen Wendehammer und Augustastraße, der Neumarkt bis zum Wendehammer, die Felix-Mendelssohn-Straße, die Beethovenstraße, Kleef, Meide, Steinauer Straße, Herderstraße und der Birkenweg. Wer jetzt beim Lesen innerlich seine Route zur Arbeit, zum Bäcker oder zur Schwiegermutter neu berechnet, ist vermutlich direkt betroffen. Alle anderen dürfen erleichtert nicken und trotzdem vorsichtshalber schon einmal schauen, ob das eigene Auto nicht aus Gewohnheit genau dort steht, wo demnächst ein temporäres Halteverbot mit amtlicher Entschlossenheit auftaucht.
Insgesamt lässt die Stadt rund 7.500 Quadratmeter neue Dünnschichtdecken aufbringen. Dünnschichtdecke klingt ein bisschen wie etwas, das man im Schlafzimmer bei plötzlichem Wetterumschwung aus dem Schrank holt, ist aber tatsächlich Asphalt. Und zwar für Straßen, die obenrum wieder hübsch gemacht werden. Kostenpunkt: voraussichtlich 270.000 Euro. Dafür bekommt Hilden keine neue Stadtautobahn, aber immerhin deutlich weniger Geruckel, Geklapper und jene Geräusche, bei denen Autofahrer kurz überlegen, ob gerade das Fahrwerk oder nur die eigene Geduld gebrochen ist.
Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund vier Wochen. „Voraussichtlich“ ist bei Straßenbauarbeiten natürlich ein wichtiges Wort. Es bedeutet: Wenn das Wetter mitspielt, der Asphalt sich benimmt und der Regen nicht beschließt, ausgerechnet jetzt eine Nebenrolle in Hilden zu übernehmen. Denn der Einbau der Asphaltschicht ist wetterabhängig. Bei Regen kann sich also alles verschieben. Das ist für Baustellen ungefähr das, was „Wir melden uns“ für Bewerbungsgespräche ist: Man hofft das Beste und beobachtet die Lage.
Bevor die Straßen ihre neue Oberfläche bekommen, werden zunächst Schachtdeckel, Straßenabläufe sowie Wasser- und Gaskappen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Das klingt nach Kleinkram, ist aber wichtig. Niemand möchte später über einen Schachtdeckel fahren, der sich benimmt wie ein versteckter Bordstein. Danach kommt die neue, dünne Asphaltschicht in zwei Arbeitsschritten auf die Fahrbahn. Dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. Selbst Asphalt braucht offenbar Erholung. Wenige Stunden nach dem Auftragen sind die Straßen wieder befahrbar, was beruhigend ist, aber nicht verhindern wird, dass mindestens ein Mensch im Viertel sagt: „Früher ging das alles schneller.“ Vermutlich stand dieser Mensch früher selbst im Stau und hat es nur verdrängt.
Für die Anwohner bedeutet das: Schilder beachten, Autos rechtzeitig umparken und sich seelisch darauf einstellen, dass die Zufahrt zum eigenen Grundstück zeitweise nicht erreichbar sein kann. Das ist lästig, aber immerhin zeitlich begrenzt. Wer sein Auto während der Arbeiten trotzdem im Baustellenbereich abstellt, darf vermutlich erleben, wie schnell ein harmloser Montagmorgen zu einer Schnitzeljagd nach dem eigenen Wagen werden kann.
Nicht saniert wird vorerst die Walder Straße. Und damit ist die Straße gemeint, bei der manche Hildenerinnen und Hildener wahrscheinlich schon beim bloßen Namen reflexartig an Schlaglöcher, Fahrbahnschäden und Stoßdämpfer denken. Die Sanierung ist laut Straßen.NRW zwar eingeplant, muss aber warten, weil zunächst eine Kanalsanierung der Stadt ansteht. Immerhin sollen die Schadstellen in diesem Jahr großflächig mit Heißasphalt instandgesetzt werden. Das ist so etwas wie ein Pflaster auf dem Knie, nur für eine Landesstraße und mit deutlich mehr Gerätschaften.
Am Ende bleibt: Hilden bekommt frischen Asphalt, einige Straßen bekommen vorübergehend Baustellenprogramm, und Autofahrerinnen und Autofahrer bekommen die Gelegenheit, ihre Geduld, Ortskenntnis und Parkkreativität zu trainieren. Vier Wochen lang wird gefräst, angepasst, gesperrt und asphaltiert. Danach dürfte es an mehreren Stellen wieder glatter laufen. Und das ist doch auch mal schön: eine Nachricht, bei der am Ende nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas auf die Straße gebracht wird.
Montag, 18. Mai 2026
18.5.2026: Die S1 macht ab 2028 wieder Diät: weniger Strecke, mehr Umstieg, maximale Pendler-Yoga-Erfahrung
Manche Nachrichten liest man und spürt sofort, wie irgendwo zwischen Hilden Süd und Düsseldorf Hauptbahnhof ein Coffee-to-go-Becher leise zu zittern beginnt. Die S1, diese treue, manchmal eigenwillige, aber im Grunde doch vertraute Lebensader für alle, die morgens Richtung Düsseldorf und abends wieder zurück ins echte Leben wollen, soll ab 2028 für etwa zweieinhalb Jahre nicht mehr bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren. Zweieinhalb Jahre. Das ist nicht mehr „kurz mal Bauarbeiten“, das ist eine Beziehungspause mit gemeinsamem Mietvertrag.
Der Grund klingt zunächst groß und wichtig: Gleisbauarbeiten, Ausbau für den Rhein-Ruhr-Express, perspektivisch ein 15-Minuten-Takt, sechs Gleise zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hauptbahnhof. Das klingt nach Zukunft, Tempo und Infrastruktur mit Krawatte. Für Pendler bedeutet es aber erst einmal: Die S1 kommt von Süden nur noch bis Düsseldorf-Eller Mitte. Dort heißt es dann aussteigen, umsteigen, neu orientieren und innerlich den Satz sprechen, der im Nahverkehr längst zur rheinischen Meditation geworden ist: „Et kütt, wie et kütt.“
Ab Eller Mitte soll es mit der U75 weitergehen. Die S-Bahn braucht für die Strecke zum Hauptbahnhof normalerweise sieben Minuten, die Stadtbahn dreizehn. Das klingt auf dem Papier nach sechs Minuten Unterschied, also nach nichts, was man nicht mit einem kräftigen Seufzer ausgleichen könnte. In der Realität kommen aber Wartezeit, Umsteigezeit, Menschenmengen und die berühmte Frage dazu, ob man noch in die Bahn passt oder schon Teil der Türdichtung ist. Denn die Rheinbahn sagt offenbar selbst, dass die U75 die zusätzlichen Fahrgastströme allein nicht vollständig aufnehmen kann. Das ist ungefähr so beruhigend wie ein Restaurant, das sagt: „Wir freuen uns auf Ihre Hochzeitsgesellschaft, haben aber nur drei Stühle.“
Besonders pikant: Viele Pendler erinnern sich noch an die Sperrung der S1 im Jahr 2025. Damals war die Strecke zwischen Mai und November dicht, und wer das überstanden hat, trägt seither vermutlich eine unsichtbare Auszeichnung am Revers: „Ich war dabei, als Schienenersatzverkehr noch Charakterbildung hieß.“ Nun also der nächste große Akt. Die Bahn erklärt, dass man die Arbeiten nicht einfach zusammenlegen konnte, weil es 2025 vor allem um Stellwerkstechnik in Solingen ging und der kommende Umbau andere Bereiche betrifft. Das mag technisch völlig nachvollziehbar sein. Emotional klingt es für den durchschnittlichen Pendler trotzdem wie: „Ihre Waschmaschine ist repariert, aber 2028 bauen wir Ihnen noch kurz das Badezimmer aus.“
Damit die S1 in Düsseldorf-Eller Mitte überhaupt enden kann, muss sie dort auch wenden können. Denn Züge, so lernt man, können nicht einfach auf freier Strecke umdrehen wie ein genervter Autofahrer an einer Baustellenampel. Deshalb sollen Signaltechnik angepasst und eine neue Weichenverbindung eingebaut werden. Man ahnt: Bevor die große Sperrung kommt, braucht es erst einmal Bauarbeiten für die Bauarbeiten. Der deutsche Nahverkehr ist eben ein sehr gründliches Ökosystem. Selbst die Umleitung hat eine Vorbesprechung.
Und als wäre das alles noch nicht genug, stehen schon vor 2028 weitere Vollsperrungen im Kalender. Vom 30. Oktober bis 27. November 2026 zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Oberbilk, vom 14. Mai bis 9. Juli 2027 zwischen Düsseldorf-Oberbilk und Solingen Hauptbahnhof und dann noch einmal vom 21. Juli bis 13. Oktober 2028 auf derselben Strecke. Wer also dachte, die S1 gönne sich bis zur großen Sperrung erst einmal Ruhe, hat den Humor der Infrastruktur unterschätzt. Sie wärmt sich nur auf.
Für Hilden ist das natürlich mehr als eine Randnotiz. Die S1 ist für viele nicht irgendeine Linie, sondern der tägliche Taktgeber zwischen Arbeit, Schule, Terminen, Arztbesuchen, Altbiernähe und Heimweg. Wenn diese Verbindung wackelt, wackelt ein Stück Alltag mit. Plötzlich wird aus „Ich fahre eben nach Düsseldorf“ eine kleine Expedition mit Umstieg, Geduldstest und der Frage, ob man besser schon am Vorabend losgeht. Vielleicht entstehen bis dahin neue Pendler-Rituale: gemeinsames U75-Dehnen in Eller Mitte, Tauschbörsen für Sitzplätze oder Selbsthilfegruppen mit dem Titel „Ich wollte nur zum Hauptbahnhof“.
Natürlich soll am Ende alles besser werden. Mehr Gleise, mehr Kapazität, schnellerer RRX, modernerer Verkehr. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht ist, dass der Weg dorthin offenbar über Eller Mitte führt. Und zwar länger, als manche Ehen halten, aber hoffentlich kürzer als die Baugeschichte mancher deutscher Großprojekte.
Bis dahin bleibt den Hildener Pendlern nur, sich mental vorzubereiten. Vielleicht mit Humor, vielleicht mit einem besonders großen Thermobecher, vielleicht mit der Erkenntnis, dass man im Rheinland schon immer zwei Dinge gebraucht hat: Geduld und einen Plan B. Ab 2028 kommt noch ein drittes dazu: sportliche Umsteigefähigkeit in Düsseldorf-Eller Mitte.
Sonntag, 17. Mai 2026
17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen
Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.
Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.
Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.
Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.
Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.
Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.
Samstag, 16. Mai 2026
16.5.2026: 500 Moorschnucken und ein Halleluja in der Hildener Heide
Es gibt Nachrichten, die kommen leise daher, und dann gibt es Nachrichten mit 500 Schafen und 20 Ziegen. Hilden hat sich eindeutig für Variante zwei entschieden. Ab dem 15. Mai ist in der Hildener Heide wieder tierisch was los, denn die Moorschnucken sind da. Nicht etwa als Betriebsausflug, nicht als Woll-Pop-up-Store und auch nicht, weil sie sich bei Google Maps verlaufen haben, sondern aus beruflichen Gründen: Landschaftspflege.
Während wir Menschen bei Gartenarbeit schon nach drei Brennnesseln und einem widerspenstigen Löwenzahn dramatisch Richtung Liegestuhl taumeln, erledigen die Moorschnucken ihren Job mit stoischer Gelassenheit. Sträucher? Weg. Kräuter? Her damit. Junge Triebe? Snack. Heidekraut? Haute Cuisine. Was für uns nach anstrengendem Naturschutz klingt, ist für die Schafe offenbar ein gut sortiertes Buffet mit Frischluftgarantie.
Die Heideflächen rund um den Hildener Sandberg sind im Kreis Mettmann etwas ganz Besonderes. Ohne Pflege würden sie langsam zuwachsen, und dann hätten Moorlilie, Feld-Sandlaufkäfer und andere Fans offener Landschaften irgendwann ein echtes Immobilienproblem. Die Moorschnucken verhindern das, indem sie genau das tun, was Schafe eben tun: fressen, weitergehen, wieder fressen und dabei aussehen, als hätten sie den Sinn des Lebens längst verstanden.
Besonders sympathisch ist ja, dass die Moorschnucke eine eher kleine, hornlose Schafrasse ist. Also gewissermaßen die freundliche Kompaktklasse unter den Schafen. Robust, genügsam und bestens geeignet für karge Moorlandschaften und Magerwiesen. Während andere vielleicht nach Cappuccinohafer und Dinkelheu fragen würden, nimmt die Moorschnucke, was da ist: Heidekraut, Moorgräser, Moose, Pilze, Beerensträucher und junge Birken. Regional, saisonal, konsequent nachhaltig. Da kann jeder hippe Foodblog einpacken.
Dass es in Deutschland nur noch rund 3000 Moorschnucken gibt und die Rasse als gefährdet gilt, macht ihren Besuch in Hilden noch besonderer. Man könnte also sagen: Da zieht nicht einfach irgendeine Schafherde durch die Heide, sondern ein wolliger Kulturschatz auf vier Beinen. Begleitet wird die Truppe von Ziegen, was vermutlich daran liegt, dass jede gute Reisegruppe ein paar Charakterköpfe braucht.
Weniger lustig ist allerdings das Thema frei laufende Hunde. In den vergangenen Jahren kam es offenbar immer wieder zu Vorfällen, bei denen Schafe verletzt oder gerissen wurden. Und so sehr man Hunde liebt: Eine Moorschnucke ist kein Spielkamerad, kein Quietscheball und auch kein bewegliches Trainingsgerät für den Jagdinstinkt. Deshalb werden während der Beweidung einzelne Wege gesperrt, und an bestimmten Stellen gilt Leinenpflicht. Die grünen und roten Hundeplaketten zeigen, wo Bello frei laufen darf und wo er bitte auf dem Weg bleiben soll. Man könnte sagen: Ampelsystem für Vierbeiner, nur ohne Hupkonzert.
Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger ist der Besuch der Herde trotzdem ein kleines Naturschauspiel. Wo sonst bekommt man schon 500 professionelle Landschaftspfleger mit eingebauter Wolljacke zu sehen? Die Tiere sind ungefähr eine Woche in der Hildener Heide unterwegs, bevor sie weiter in die Ohligser Heide ziehen. Ein bisschen wie eine Tournee, nur ohne Merchandisingstand. Wobei: Moorschnucken-T-Shirts hätten vermutlich Potenzial.
Also: Wer in den nächsten Tagen durch die Hildener Heide spaziert, darf sich freuen. Auf Heide, auf Natur, auf Ziegen mit vermutlich eigener Meinung und auf eine Schafherde, die ganz nebenbei zeigt, dass Naturschutz manchmal weder laut noch kompliziert sein muss. Manchmal reicht es, wenn 500 Moorschnucken auftauchen und sagen: „Mäh. Wir übernehmen das.“
Freitag, 15. Mai 2026
15.5.2026: Grundsteuer in Hilden: Wenn alle zuständig sind, aber keiner den Kassenbon haben will
In Hilden geht es mal wieder um die Grundsteuer. Das ist dieses Thema, bei dem viele Menschen schon beim ersten Satz innerlich aussteigen, aber spätestens beim Steuerbescheid wieder hellwach werden. Denn Grundsteuer klingt zwar nach Verwaltung, Hebesatz und kommunaler Finanzmechanik, fühlt sich am Ende aber sehr praktisch an: im Portemonnaie.
Ludger Reffgen, Fraktionsvorsitzender der BA/Piraten im Hildener Stadtrat, sieht sich nun durch den Deutschen Städtetag bestätigt. Der fordert in der verfahrenen Lage Unterstützung vom Land. Und Reffgen sagt sinngemäß: Genau das habe man doch kommen sehen. Hilden und andere Städte hätten sich bei der Festsetzung der Grundsteuer mit differenzierten Hebesätzen für Wohnen und Nichtwohnen auf Empfehlungen des Landes eingelassen. Dann gab es vor Gericht eine Schlappe. Und jetzt stehe die Kommune da wie jemand, der nach Navi gefahren ist, im Feldweg steckt und vom Navi hört: „Bitte wenden, wenn möglich.“
Die Sache ist deshalb so heikel, weil die Grundsteuer jeden betrifft. Eigentümer zahlen sie direkt, Mieter meistens indirekt über die Nebenkosten. Sie ist also keine abstrakte Rechenübung für Menschen mit Aktentasche und Tabellenliebe, sondern eine dieser Abgaben, die am Ende erstaunlich zuverlässig ihren Weg in fast jeden Haushalt findet. Man kann sie ignorieren wie den Stapel Papier auf dem Küchentisch, aber irgendwann liegt sie ganz oben.
Reffgen findet, das Land dürfe sich nun nicht einfach aus der Verantwortung schleichen. Das Bild ist hübsch: Das Land, wie es mit hochgezogenem Kragen, Sonnenbrille und unauffälligem Schritt Richtung Ausgang geht, während die Städte mit den Steuerbescheiden in der Hand zurückbleiben. „War was?“ fragt das Land möglicherweise noch, während im Rathaus jemand hektisch nach der juristisch haltbaren Lösung sucht.
Besonders ärgert Reffgen offenbar, dass der Hildener Stadtrat sich nicht einmal darauf verständigen konnte, den Bürgermeister damit zu beauftragen, dem Finanzminister die Erwartungshaltung der Stadt klarzumachen. Das klingt nach einem Satz, der in seiner ganzen kommunalpolitischen Schönheit nur in deutschen Rathäusern entstehen kann. Übersetzt heißt es ungefähr: Man hätte gemeinsam sagen können, dass Düsseldorf sich bitte bewegen soll. Stattdessen bewegte sich wohl vor allem die parteipolitische Grundsortierung.
Und genau da wird es typisch lokalpolitisch. Denn wenn es kompliziert wird, entdecken alle Seiten plötzlich sehr sorgfältig, was aus ihrer jeweiligen Perspektive „sachlich geboten“ ist. Die einen wollen Druck aufs Land machen, die anderen sind vorsichtig, wieder andere prüfen, vertagen oder schauen so ernst, dass man fast glaubt, irgendwo müsse gleich ein Flipchart erscheinen. Währenddessen fragen sich Bürgerinnen und Bürger, ob am Ende wieder sie diejenigen sind, die für das politische Durcheinander zahlen. Spoiler: Diese Sorge ist im Zusammenhang mit Steuern selten völlig aus der Luft gegriffen.
Dabei wäre es durchaus verständlich, wenn die Stadt beim Land anklopft. Wenn Kommunen einer Empfehlung folgen und anschließend juristisch im Regen stehen, darf man schon erwarten, dass der Schirm nicht plötzlich „leider nicht zuständig“ sagt. Natürlich ist Verwaltung selten so einfach wie ein kaputter Wasserkocher mit Garantiebeleg. Aber wer politische Leitplanken aufstellt, sollte nachher nicht überrascht tun, wenn jemand gegen eine davon gefahren ist.
Die Grundsteuer bleibt damit ein Thema, das niemand besonders liebt, aber alle betrifft. In Hilden steht nun die Frage im Raum, wer die Verantwortung übernimmt, wer Druck macht und wer am Ende nur bedauernd nickt. Reffgen jedenfalls will das Land nicht aus der Nummer entlassen. Und man kann ihm zumindest in einem Punkt schwer widersprechen: Schulterzucken ist keine Finanzpolitik. Es ist höchstens Gymnastik für Menschen, die keine Rechnung bezahlen möchten.
Donnerstag, 14. Mai 2026
14.5.2026: Hildens Fahrradboxen: Graue Container mit großem Sicherheitsbedürfnis
In Hilden stehen sie herum wie kleine Garagen für Zweiräder, nur ohne Rasenteppich und ohne Gartenzwerg: die Fahrradboxen an den beiden S-Bahnhöfen. Insgesamt 181 Stück hat die Stadt dort aufgestellt, damit Pendlerinnen und Pendler ihr Rad nicht einfach dem Schicksal, dem Wetter oder besonders kreativen Gelegenheitsdieben überlassen müssen. Man könnte auch sagen: Hilden bietet betreutes Wohnen fürs Fahrrad.
Im Jahr 2025 waren 90 dieser 181 Boxen belegt. Das klingt zunächst nach einer sehr ordentlichen Zahl, bis man merkt: Das ist knapp die Hälfte. Also stehen ungefähr genauso viele Boxen leer, wie belegt sind. Hilden hat damit nicht nur Fahrradboxen, sondern auch stille Reservekapazitäten für eine mögliche Zweirad-Invasion. Sollte also eines Tages halb Düsseldorf beschließen, mit dem Rad nach Hilden zu kommen und von dort die S-Bahn zu nehmen: Wir wären vorbereitet.
Besonders beliebt ist offenbar der S-Bahnhof Hilden Süd. Dort stehen 113 Boxen, also der Löwenanteil der grauen Mini-Bunker. Im Jahr 2025 waren davon 68 belegt, was einer Auslastung von 60 Prozent entspricht. In diesem Jahr sind es bisher 60 Boxen, also 53 Prozent. Das ist zwar etwas weniger, aber immer noch deutlich mehr Betrieb als an manchem Montagmorgen im heimischen Kopf. Am S-Bahnhof Hilden selbst sieht es dagegen gemütlicher aus. Dort gibt es 67 Fahrradboxen, 2025 waren davon 22 belegt. Eine Auslastung von 32 Prozent. In diesem Jahr sind es immerhin 30 belegte Boxen, also 45 Prozent. Der Bahnhof Hilden holt also auf. Langsam, aber entschlossen. So wie jemand, der sein Fahrrad aus dem Keller trägt und dabei feststellt, dass beide Reifen platt sind.
Preislich ist das Angebot durchaus charmant. Eine Fahrradbox kostet 40 Euro im Jahr oder 3,50 Euro im Monat. Das ist weniger als viele Menschen inzwischen für einen Kaffee bezahlen, wenn sie aus Versehen „Hafermilch“, „extra Shot“ und „irgendwas mit Karamell“ sagen. Dazu kommt einmalig eine Kaution von 50 Euro. Dafür bekommt das Fahrrad ein eigenes kleines Zuhause am Bahnhof. Sicher, trocken und vermutlich mit mehr Privatsphäre als manche Großstadtwohnung.
Die Idee dahinter ist natürlich sinnvoll: Wer mit dem Rad zum Bahnhof fährt und dann mit der S-Bahn weiterpendelt, möchte sein Fahrrad am Abend möglichst vollständig wiederfinden. Also mit Sattel, Rädern und dem guten Gefühl, dass der Tag wenigstens in dieser Hinsicht keine Überraschung bereithält. Fahrradboxen sind da die bodenständige Antwort auf die große Frage moderner Mobilität: Wie komme ich umweltfreundlich zur Bahn, ohne mein Rad anschließend in mehreren Einzelteilen bei Kleinanzeigen wiederzuerkennen?
Dass die Auslastung zwischen den beiden Bahnhöfen so unterschiedlich ist, zeigt: Auch Fahrradboxen haben offenbar Lage, Lage, Lage. Hilden Süd scheint für viele Radpendler der attraktivere Standort zu sein. Vielleicht liegt es an den Wegen, vielleicht an den Gewohnheiten, vielleicht auch daran, dass manche Menschen zu ihrem Bahnhof eine Beziehung pflegen wie andere zu ihrem Lieblingsbäcker. Man geht eben dahin, wo man sich auskennt. Und wo das Rad nachts nicht frieren muss.
Wer nun Lust bekommen hat, seinem Fahrrad ein eigenes abschließbares Appartement zu gönnen, kann sich an das Bürgerbüro der Stadt Hilden wenden. Dort wartet vermutlich kein Makler mit Exposé und Grundriss, aber immerhin eine praktische Lösung für alle, die ihr Rad sicher unterbringen möchten. Und seien wir ehrlich: Für 40 Euro im Jahr findet man in Hilden sonst kaum noch etwas mit Tür, Dach und Bahnhofsnähe.
Mittwoch, 13. Mai 2026
13.5.2026: Hilden spielt Schach, rettet Brötchen und nebenbei die Demokratie
Es gibt Tage, da möchte man eigentlich nur kurz zum Friseur. Ein bisschen Spitzen schneiden, vielleicht einmal fragen, ob „nur die Seiten“ wirklich noch als Frisur durchgeht, und dann wieder nach Hause. Und dann steht man plötzlich mitten in Hilden auf einem Aktionstag des Ehrenamts, das Kind baut beim Imkerstand ein Holzhäuschen, schießt beim Schützenverein, spielt zwanzig Minuten hochkonzentriert Schach und kommt mit einem Aktionspass voller Stempel zurück. So schnell kann aus „Wir gehen mal eben Haare schneiden“ ein kommunalpolitisch wertvoller Familienausflug werden.
Adrian, zehn Jahre alt, war eines dieser Kinder, die an solchen Tagen beweisen, dass Neugier in Hilden offenbar nicht ausgestorben ist. Beim Schachverein 1922 Hilden setzte er sich ans Brett und spielte gegen Christine Woodford, die seit drei Jahren als Trainerin dabei ist. Nach der Partie bekam er nicht etwa ein trockenes „Gut gemacht“, sondern ein Lob mit pädagogischer Eleganz: Er habe richtig toll gespielt und hätte sicher gewonnen, wenn er alle Grundregeln gekannt hätte. Das ist ungefähr die charmanteste Art, jemandem zu sagen: „Du warst super, aber der Turm zieht leider nicht wie ein besonders entschlossener Staubsauger.“
Adrian nahm es sportlich. Schach gefiel ihm, besonders die Strategie. Dass er bereits Schlagzeug spielt und Fußball macht, zeigt allerdings: Sein Terminkalender ist vermutlich voller als der mancher Erwachsener, die schon überfordert sind, wenn Müllabfuhr und Zahnarzt in dieselbe Woche fallen. Vater Michael zeigte sich offen dafür, die neue Freizeitaktivität irgendwie unterzubringen. Man kennt das: Montag Fußball, Mittwoch Schlagzeug, Freitag Schach, Samstag Turnier, Sonntag Eltern in stabiler Seitenlage.
Beim Hildener Schachverein gibt es rund 100 Mitglieder, allerdings noch immer zu wenige Mädchen. Das bedauerten Peter Krause, der seit 1969 als Trainer und Pressewart aktiv ist, und Cordula Hinrichs, Mannschaftsführerin im Verein. Dabei ist Schach eigentlich ideal: Alter und Geschlecht sind egal, Hauptsache, man kann sich konzentrieren und verwechselt den König nicht mit einer besonders eitlen Dame. Ab sechs Jahren könne man anfangen, vorher seien Kinder oft noch zu verspielt. Wobei man fairerweise sagen muss: Auch Erwachsene sind gelegentlich verspielt, nur nennen sie es dann „Taktikbesprechung“ oder „Ich habe den Zug genau so geplant“.
Gleich nebenan wurde nicht nur geistige Nahrung geboten, sondern auch echte. Beim Foodsharing-Stand durfte sich jeder bedienen: Obst, Gemüse, Backwaren, Süßigkeiten. Also im Grunde das Paradies, nur ohne Schlange an der Supermarktkasse und ohne die eine Person, die beim Bezahlen erst nach der Kundenkarte sucht, als hätte sie sie zuletzt 2007 in einer Berghütte gesehen. Die Initiative macht deutlich, dass Lebensmittel nicht automatisch Müll sind, nur weil ein Mindesthaltbarkeitsdatum beleidigt abgelaufen ist. Vieles ist noch genießbar, landet aber trotzdem in der Tonne. Foodsharing Hilden will genau das verhindern.
Hinter dem Rathaus steht normalerweise ein Fahrrad mit Boxen, in die noch gute Lebensmittel gelegt und aus denen handelsübliche Mengen mitgenommen werden können. Und wichtig: Das Angebot richtet sich nicht nur an Bedürftige, sondern an alle, die Essen retten möchten. Miriam Wildermann erklärte, dass Foodsharing eng mit der Tafel zusammenarbeitet und nur Lebensmittel rettet, für die dort kein Bedarf besteht. Niemandem wird etwas weggenommen. Das ist eine wichtige Botschaft, gerade in Zeiten, in denen manche schon beim letzten Laugenbrötchen im Bäckerkorb gesellschaftliche Verteilungskämpfe wittern.
Rund 22 Betriebe in Hilden und weitere in der Region machen bereits mit, darunter Bäckereien und Supermärkte. Sie geben Waren ab, die zu viel bestellt wurden, kurz vor oder schon nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder aus dem Sortiment verschwinden, weil die nächste Angebotswelle anrollt. Man könnte sagen: Foodsharing ist die zweite Chance für Brote, Bananen und Müsliriegel. Und manchmal auch für Menschen, die beim Anblick kostenloser Backwaren plötzlich sehr demütig werden.
Doch der Aktionstag hatte nicht nur Schachzüge und gerettete Teilchen zu bieten, sondern auch klare Haltung. Die „Omas gegen Rechts“ waren ebenfalls vertreten. Seit acht Jahren setzen sie sich für Demokratie und Menschenrechte ein. Susanne Leupold-Zekorn berichtete von einer überparteilichen Gruppe mit etwa 25 Aktiven, darunter auch einige Männer. Jeden zweiten Montag im Monat wird beraten, geplant und vermutlich auch gelegentlich sehr entschieden festgestellt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern eher wie ein Schrebergarten: Wenn man sich nicht kümmert, wächst irgendwann etwas, das man ganz sicher nicht gepflanzt hat.
Die „Omas gegen Rechts“ demonstrieren regelmäßig, unter anderem vor dem Landtag in Düsseldorf. Sie zeigen, dass politisches Engagement keine Altersgrenze kennt und dass man mit Erfahrung, Ausdauer und klarer Kante ziemlich viel bewegen kann. Wer beim Wort „Oma“ nur an Häkeldeckchen denkt, hat offensichtlich noch nie erlebt, wie entschlossen Menschen sein können, die schon mehrere Jahrzehnte Familienfeiern, Behördenformulare und Diskussionen über Kartoffelsalat überstanden haben.
Am Ende zeigte der Aktionstag vor allem eines: Ehrenamt in Hilden ist kein verstaubtes Vereinsheim mit lauwarmem Filterkaffee, sondern bunt, lebendig und erstaunlich vielseitig. Da wird gedacht, gebaut, gerettet, diskutiert, gestempelt und gelobt. Kinder entdecken neue Hobbys, Erwachsene neue Initiativen und Lebensmittel neue Hoffnung. Und irgendwo zwischen Schachbrett, Foodsharing-Kiste und Demokratieschild merkt man: Eine Stadt funktioniert nicht nur durch Verwaltung, Straßenlaternen und pünktliche Müllabfuhr. Sie funktioniert durch Menschen, die sagen: „Ich mach da mit.“
Das Problem bleibt natürlich: Ehrenamt braucht Leute. Nicht nur die, die schon immer da sind und vermutlich selbst dann noch den Stand aufbauen würden, wenn ihnen ein Orkan quer über den Ellenbogen pustet. Es braucht neue Gesichter, neue Hände, neue Ideen. Mädchen im Schachverein, Foodsaver mit Fahrradtaschen, Demokratiefreunde mit wetterfester Jacke und Menschen, die beim Satz „Da müsste mal jemand…“ nicht sofort verschwinden, sondern vielleicht fragen: „Wann geht’s los?“
Hilden hat an diesem Tag gezeigt, dass Engagement nicht trocken sein muss. Es kann strategisch sein wie Schach, nachhaltig wie Foodsharing und unbequem wichtig wie eine Demo gegen Rechts. Und manchmal beginnt es eben ganz harmlos mit einem Friseurbesuch. Man geht los, um die Haare schneiden zu lassen, und kommt zurück mit einem gebastelten Häuschen, zwei Stempeln, neuen Ideen und der Erkenntnis: Diese Stadt hat mehr Ehrenamt, als man zwischen Pony und Dauerwelle erwartet hätte.
Dienstag, 12. Mai 2026
12.5.2026: Neues Wohngebiet in Hilden: Wenn 90 Wohnungen auf 35 sehr entschlossene Nachbarn treffen
In Hilden wird geplant, diskutiert und offenbar auch schon innerlich sehr kräftig mit dem Kopf geschüttelt. Die Stadt möchte am östlichen Rand des Zentrums ein neues Wohngebiet ermöglichen – doch bei der Bürger-Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan „165 A“ im Hildener Bürgersaal zeigte sich schnell: Zwischen städtebaulichem Konzept und nachbarschaftlicher Begeisterung liegt ungefähr so viel Platz wie zwischen zwei Autos in einer viel zu engen Parklücke.
Gut 35 Grundstücksbesitzer, Mieter und Anwohner waren gekommen, um sich anzuhören, was die Stadt im Bereich Walder Straße und Kirchhofstraße vorhat. Dort, wo heute unter anderem ein Garagenhof, eine Autowerkstatt und ein altes, eingezäuntes Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft Hilden stehen, könnten nach den Vorstellungen der Stadt künftig fünf Mehrfamilienhäuser, vier Doppelhäuser und drei Einzelhäuser entstehen. Insgesamt hält Hilden 70 bis 90 Wohneinheiten für möglich. Das klingt nach dringend benötigtem Wohnraum, nach Nachverdichtung im Innenbereich und nach der schönen Vorstellung, dass man die Fußgängerzone tatsächlich zu Fuß erreichen kann. Es klingt aber für manche Anwohner offenbar auch nach: Hilfe, wo soll ich dann parken?
Die Stimmung im Saal war entsprechend wenig „Willkommen im neuen Quartier“ und eher „Bitte treten Sie langsam vom Bebauungsplan zurück“. Technischer Beigeordneter Peter Stuhlträger hatte wohl schon geahnt, dass die Veranstaltung kein gemütlicher Städtebau-Kaffeeklatsch wird. Doch die Wucht der Ablehnung dürfte selbst erfahrene Planungsmenschen daran erinnert haben, dass PowerPoint-Folien zwar vieles können, aber keine Parkplatzsorgen wegzaubern.
Einer der größten Kritikpunkte war genau das: die Parkplatznot. Viele Anwohner sehen schon heute kaum noch Platz für ihre Autos. Wenn dann auch noch der vorhandene Garagenhof verschwindet und gleichzeitig neue Bewohnerinnen und Bewohner einziehen, wird aus Sicht der Kritiker aus dem Wohngebiet schnell ein Suchgebiet. Ein Anwohner fragte sinngemäß, ob man demnächst einen Kilometer entfernt von der eigenen Haustür parken müsse. Die Antwort der Stadt, 300 Meter seien durchaus zumutbar, dürfte im Saal vermutlich nicht zu spontanen Dankesbekundungen geführt haben. In Hilden ist 300 Meter schließlich nicht nur eine Strecke, sondern je nach Einkaufstasche, Regenlage und Laune eine kleine Expedition.
Auch der Inhaber der dort ansässigen Autowerkstatt machte deutlich, dass er seine Zukunft nicht unbedingt in einem Umzugskarton sieht. „Ich will hier nicht weg“, lautete seine klare Botschaft. Und manchmal ist Stadtplanung eben auch genau das: ein großes Konzept trifft auf einen Menschen, der sagt, dass sein Betrieb kein verschiebbarer Legostein ist.
Dabei ist das Vorhaben noch lange nicht spruchreif. Einen Investor gibt es nicht, eigene Grundstücke besitzt die Stadt im Plangebiet ebenfalls nicht. Nur einige wenige Flächen gehören der Wohnungsbaugesellschaft Hilden. Damit tatsächlich gebaut werden kann, braucht es also die Zustimmung oder Verkaufsbereitschaft der heutigen Eigentümer. Und die scheint derzeit ungefähr so ausgeprägt zu sein wie die Lust, samstags freiwillig ins Bürgerbüro zu gehen, wenn man auch auf dem Sofa liegen könnte.
Trotzdem möchte die Stadt mit dem Bebauungsplan einen Rahmen schaffen. Peter Stuhlträger erklärte, der Plan sei ein Angebot – nicht unbedingt für morgen, sondern vielleicht auch für die Kinder oder Enkel der heutigen Eigentümer, falls diese in zehn oder 20 Jahren doch verkaufen wollen. Das klingt ein bisschen nach Stadtplanung mit Langzeitgedächtnis: Heute wird gestritten, übermorgen wird geprüft, und irgendwann entscheidet vielleicht jemand, dass der alte Garagenhof nun doch ein Wohnhaus werden darf.
Zwischendurch stand sogar das Wort Enteignung im Raum, das bei Bürgerveranstaltungen ungefähr dieselbe beruhigende Wirkung hat wie „technischer Defekt“ kurz vor dem Abflug. Planungsamtsleiter Martin Barnat erklärte jedoch, er könne sich an kein vergleichbares Projekt erinnern, bei dem tatsächlich jemand enteignet worden sei. Das dürfte zumindest etwas Druck aus dem Kessel genommen haben, auch wenn der Satz „Lassen Sie die Leute doch in Frieden“ aus dem Publikum wohl ziemlich gut zusammenfasst, wie groß die Skepsis weiterhin ist.
Geplant ist die Erschließung des möglichen neuen Wohngebiets über eine Planstraße von der Walder Straße aus sowie eine neue Stichstraße an der Kirchhofstraße. Vorgesehen sind außerdem 97 Pkw-Stellplätze, die meisten oberirdisch, einige in einer Tiefgarage. Ob diese Zahl die Parkplatzseele der Nachbarschaft beruhigt, darf allerdings bezweifelt werden. Denn wer schon heute das Gefühl hat, jeden Abend an einer urbanen Version von „Reise nach Jerusalem“ teilzunehmen, wird bei zusätzlichen Wohnungen vermutlich nicht spontan in Jubel ausbrechen.
Noch können Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung einbringen. Die Unterlagen sind seit dem 7. Mai online unter hilden.de/bplan165A einsehbar. Nach der Informationsveranstaltung besteht 14 Tage lang die Möglichkeit, Stellungnahmen und Anregungen einzureichen, entweder per E-Mail an [planung@hilden.de](mailto:planung@hilden.de) oder per Brief an das Planungs- und Vermessungsamt der Stadt Hilden, Am Rathaus 1, 40721 Hilden, mit dem Stichwort BP165A. Danach werden die Eingaben geprüft und gegebenenfalls in die Planung aufgenommen. Anschließend folgt eine weitere öffentliche Auslegung. Wer also dachte, ein Bebauungsplan sei eine schnelle Sache, lernt hier: In der Stadtplanung ist selbst „demnächst“ ein dehnbarer Begriff.
Bis der Stadtrat am Ende tatsächlich über den Plan entscheidet, dürften laut Planungsamt mindestens zweieinhalb Jahre vergehen. Es bleibt also genug Zeit für weitere Diskussionen, neue Stellungnahmen, alte Sorgen, frische Argumente und vermutlich noch einige Gespräche darüber, ob 300 Meter Fußweg wirklich zumutbar sind. Sicher ist nur: In Hilden wird nicht einfach gebaut. In Hilden wird vorher gründlich gerungen, gerechnet, protestiert und geplant. Und manchmal reicht schon die Aussicht auf 90 neue Wohnungen, damit ein Garagenhof plötzlich zum emotionalen Mittelpunkt der Stadtentwicklung wird.
Montag, 11. Mai 2026
11.5.2026: Hilden holt die Kunst aus dem Versteck: Wenn Buddha, Hirsch und goldener Hase Ausgang bekommen
In Hilden passiert gerade etwas, das man sonst eher aus Familienkellern kennt: Dinge, die lange irgendwo schlummerten, werden endlich wieder ans Licht geholt. Nur geht es diesmal nicht um alte Campingstühle, Weihnachtsdeko von 1998 oder das mysteriöse Kabel, von dem niemand mehr weiß, wozu es gehört. Nein, die Stadt Hilden zeigt verborgene Schätze aus ihrer eigenen Kunstsammlung – und die können sich deutlich besser sehen lassen als ein Karton mit der Aufschrift „Vielleicht noch wichtig“.
Unter dem Titel „Kunst für alle – rausgeholt“ präsentiert die Städtische Galerie im Bürgerhaus eine Auswahl aus dem städtischen Kunstbesitz. Und gleich vorweg: Es handelt sich nicht um vergessene Staubfänger, die man beim Aufräumen hinter dem Kopierer gefunden hat. Vielmehr möchte die Ausstellung zeigen, wie vielfältig das künstlerische Schaffen in Hilden und darüber hinaus ist. Die Stadt besitzt nämlich mehrere Hundert Werke: Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien und sogar einige Skulpturen. Kurz gesagt: Hilden hat mehr Kunst im Haus, als manche Menschen Tassen im Küchenschrank – und das will etwas heißen.
Kuratorin Sandra Abend, im Hildener Kulturamt für Bildende Kunst zuständig, hat für die Ausstellung Werke ausgewählt, die sie besonders inspirierend fand. Dabei geht es nicht nur darum, Bilder an die Wand zu hängen und dann ehrfürchtig davor zu stehen, während man versucht, klug zu gucken. Die Arbeiten werden in einen spannenden Zusammenhang gesetzt und erzählen etwas über die Kunstgeschichte der Stadt, über Künstlerinnen und Künstler, die Hilden geprägt haben, und über die Frage, was eigentlich alles in einer kommunalen Sammlung stecken kann.
Und da steckt einiges drin. Zur Ausstellung lädt symbolisch ein freundlicher grüner Buddha des japanischen Künstlers Tetsuya Ishida ein, der 1998 in Hilden ausgestellt hat. Wer also bislang dachte, Buddha sei vor allem für innere Ruhe zuständig, lernt hier: Er kann auch sehr höflich zur Kunstbetrachtung bitten. Ebenfalls mit von der Partie ist ein Hirsch von Günter Kuschmann, der sonst im Büro von Bürgermeister Claus Pommer seine Magie verbreitet. Ein erleuchteter Hirsch im Bürgermeisterbüro – das klingt fast so, als würde er still darüber wachen, dass in Sitzungen niemand den Überblick verliert.
Die Sammlung ist über viele Jahre gewachsen, früher auch durch Ankäufe, später durch Schenkungen und Nachlässe. Angesichts der aktuellen Finanzlage der Stadt ist für neue Kunstkäufe allerdings kaum noch Spielraum. Umso erfreulicher ist es, dass der Düsseldorfer Fotokünstler Stephan Kaluza der Hildener Sammlung in diesem Jahr drei Fotografien aus seinem Rheinprojekt „Von der Quelle bis zur Mündung“ zur Verfügung gestellt hat. Das ist nicht nur großzügig, sondern passt auch gut ins Rheinland: Wenn schon kein Geldfluss, dann wenigstens Rheinfluss.
In der Ausstellung begegnet man bekannten Namen wie Otto Piene, K.O. Götz, Hans-Joachim Uthke oder Albert Engstfeld. Aber auch Künstlerinnen und Künstler mit enger Verbindung zur Hildener Kunstszene sind vertreten, darunter Karin Dörre, Dominik Hebestreit, Mehrdad Rashidi, Werner Reuber oder Christiane Strzyzewski-Stals. Hildens Kunstgeschichte wurde dabei nicht nur von Einzelpersonen geprägt, sondern auch von Künstlervereinen wie Art-Ig und H6 sowie vom Austausch mit Prager Künstlern. Man merkt: In Hilden wurde nicht nur gesammelt, sondern offenbar auch fleißig vernetzt, geschaffen und ausgestellt.
Besonders charmant klingt auch der goldene Hase von Ottmar Hörl, der zugleich an Albrecht Dürer und Joseph Beuys erinnert. Ein goldener Hase mit kunsthistorischem Doppelauftrag – das muss man erst einmal hinbekommen. Und dann wäre da noch Charles Wilp, dessen „Werbebild“ von Mel Ramos inspiriert ist. Im Treppenaufgang des alten Rathauses wartet außerdem „Spacy Lucy“ auf neugierige Blicke. Schon der Name klingt so, als könne man beim Vorbeigehen kurz vergessen, dass man eigentlich nur einen Verwaltungsflur entlangläuft.
Neben den ausgestellten Werken gibt es auch einen interaktiven Teil, der auf Kunst im öffentlichen Raum in Hilden aufmerksam macht. Denn Kunst steht nicht nur in Galerien, hängt nicht nur in Büros und schlummert nicht nur in Depots. Manchmal begegnet sie einem draußen, mitten in der Stadt, ganz ohne Eintrittskarte und ohne dass jemand flüstert: „Bitte nicht anfassen.“
Die Idee zu „Kunst für alle“ geht auf eine Anregung der Bürgeraktion zurück, die bereits vor einigen Jahren im Kulturausschuss aufgegriffen wurde. Ziel war es, Werke aus der stadteigenen Sammlung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nun ist es so weit: Die häufig in Depots aufbewahrten Arbeiten dürfen raus, und die Hildenerinnen und Hildener dürfen sehen, was ihre Stadt da eigentlich alles besitzt.
Die Ausstellung wurde am Donnerstag, 7. Mai, in der Städtischen Galerie im Bürgerhaus eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 13. Juni, und zwar dienstags, mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr, donnerstags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 15 Uhr. Montags, sonntags und an Feiertagen bleibt die Galerie geschlossen – auch Kunst braucht schließlich mal Pause.
„Kunst für alle – rausgeholt“ ist damit eine schöne Gelegenheit, Hilden einmal von seiner künstlerischen Seite kennenzulernen. Und wer weiß: Vielleicht schaut man danach auch auf städtische Flure, Wandbilder und Skulpturen mit anderen Augen. Denn manchmal liegen die Schätze gar nicht weit weg. Man muss sie nur aus dem Depot holen. Oder im Fall des Hirsches: kurz aus dem Bürgermeisterbüro entlassen.
Sonntag, 10. Mai 2026
10.5.2026: Reisepass abgelaufen? Hilden empfiehlt den großen Urlaubs-Check, bevor der Koffer schon beleidigt im Flur steht
Die Sommerferien in NRW nähern sich mit großen Schritten, und während viele Hildenerinnen und Hildener gedanklich schon am Strand liegen, im Hotelbuffet-Rhythmus leben oder überlegen, ob fünf Paar Schuhe wirklich zu viel für eine Woche Urlaub sind, meldet sich das Hildener Bürgerbüro mit einem eher bodenständigen, aber sehr wichtigen Hinweis: Bitte einmal den Reisepass prüfen. Ja, genau den. Den, der irgendwo zwischen alten Flugtickets, Impfpass, Bedienungsanleitungen und der mysteriösen Schublade „Sonstiges“ liegt.
Am 20. Juli starten die Sommerferien in NRW und damit auch die Hauptreisezeit. Wer dann am Flughafen oder an der Grenze feststellen muss, dass der Reisepass seit Monaten abgelaufen ist, erlebt zwar ebenfalls ein Abenteuer – nur vermutlich nicht das, das im Reiseprospekt versprochen wurde. Statt Meeresrauschen gibt es dann Diskussionen am Schalter, statt Sonnenuntergang vielleicht den Heimweg mit schlechter Laune. Deshalb rät das Hildener Bürgerbüro, die Gültigkeit von Reisepässen und Ausweisen rechtzeitig zu kontrollieren.
Der Grund ist einfach: Ausweise und Reisepässe werden von der Bundesdruckerei in Berlin produziert. Nach dem Antrag im Bürgerbüro muss deshalb mit einer Produktions- und Lieferzeit von rund vier bis sechs Wochen gerechnet werden. Das ist ungefähr die Zeitspanne, in der man noch schnell Sonnencreme kauft, den Koffer entstaubt, die Nachbarn zum Blumengießen überredet und dreimal vergisst, wo die Reiseunterlagen liegen. Wer also erst kurz vor Abflug merkt, dass das Dokument abgelaufen ist, braucht gute Nerven – und im Zweifel sehr überzeugende Nachweise, denn vorläufige Reisepässe werden nur im nachgewiesenen Eilfall ausgestellt.
Zusätzlich gilt: Reisepass ist nicht gleich Reisepass, zumindest nicht aus Sicht mancher Reiseziele. Je nach Land müssen Dokumente noch eine bestimmte Zeit über den Aufenthalt hinaus gültig sein. Wer also denkt „Der Pass läuft doch erst kurz nach dem Urlaub ab, das passt schon“, könnte je nach Ziel unangenehm überrascht werden. Die zuständige Beigeordnete für den Bürgerservice, Mona Wolke-Ertel, verweist deshalb auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Dort lassen sich die Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes nachlesen – weniger romantisch als Urlaubsfotos, aber deutlich hilfreicher vor dem Abflug.
Das Bürgerbüro Hilden bietet nach eigenen Angaben ausreichend Termine an. Gebucht werden können Termine für den laufenden Tag oder bis zu vier Wochen im Voraus. Das aktuelle Terminangebot ist online unter hilden.de/terminvergabe abrufbar. Wer also noch verreisen möchte, sollte nicht erst dann nach dem Pass suchen, wenn der Koffer schon zugeht und die Zahnbürste wie immer noch fehlt.
Kurz gesagt: Bevor in Hilden die große Ferienfreude ausbricht, lohnt sich ein kleiner Blick auf die Reisedokumente. Das dauert meist weniger lang als die Entscheidung, ob man am ersten Urlaubstag wirklich schon um 6 Uhr morgens eine Liege reservieren möchte. Und es kann verhindern, dass der schönste Ort der Reise am Ende nicht Mallorca, Italien oder Griechenland heißt, sondern „Schalter 4 im Terminal mit wachsender Nervosität“.
Samstag, 9. Mai 2026
9.5.2026: Café Fresko eröffnet in Hilden-Nord: Dolce Vita zwischen Obstsalat, Gelato und Kaffeeduft
Der Hildener Norden hat Zuwachs bekommen – und zwar einen ziemlich süßen. An der Johann-Sebastian-Bach-Straße 3 hat das Café Fresko eröffnet und bringt genau das ins Viertel, was man an manchen Tagen dringend braucht: italienisches Flair, guten Kaffee und genügend Versuchungen, um jeden noch so tapferen Vorsatz freundlich zum Schmelzen zu bringen.
Schon beim Blick auf das Angebot wird klar: Hier wird nicht einfach nur „ein Kaffee getrunken“. Nein, hier wird genossen, kombiniert, gelöffelt, geschlürft und vermutlich auch ein bisschen geseufzt. Das Café Fresko verbindet traditionelle italienische Backkunst mit einem modernen Café-Ambiente und lädt dazu ein, dem Alltag für einen Moment die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Draußen wartet der Terminkalender, drinnen warten Gebäck, Kuchen, Desserts und Gelato. Eine schwierige Entscheidung ist das nicht.
Besonders spannend sind die individuell kombinierbaren Obstsalate. Obstsalat klingt zunächst vernünftig, fast sportlich, beinahe nach „Ich tue heute etwas für mich“. Doch im Café Fresko darf das Ganze mit Lotus-Creme, Nutella oder knusprigem Crunch verfeinert werden. Damit wird aus der gesunden Schüssel ganz schnell ein kleines Dessert mit Alibi-Apfel. Und seien wir ehrlich: Genau diese Art von Kompromiss lieben wir doch.
Auch Eisfreunde dürfen sich freuen, denn im Café Fresko gibt es original italienisches Gelato. Dazu kommen kreative Desserts, Waffeln und Crêpes, die zusammen vermutlich dafür sorgen, dass man nur kurz auf einen Kaffee vorbeischauen wollte und plötzlich mit einem Löffel in der Hand das Leben neu bewertet. Dolce Vita funktioniert eben auch in Hilden-Nord – man braucht dafür nicht zwingend eine Vespa, eine Sonnenbrille und Meerblick, obwohl das natürlich nie schadet.
Die Getränkekarte zeigt ebenfalls, dass Kaffee hier nicht einfach Kaffee ist. Neben Klassikern wie Espresso, Cappuccino und verschiedenen Kaffeespezialitäten gibt es auch modernere Kreationen wie Spanische Latte, Karamell Macchiato, Erdbeer Latte, Mokka Latte oder Matcha Latte. Wer seinen Kaffee lieber kalt genießt, findet viele Varianten auch als erfrischende Eiscafé-Version. Das ist besonders praktisch für alle, die im Sommer so tun möchten, als sei Koffein ein Erfrischungsgetränk.
Und weil ein guter Treffpunkt nicht nur von Kaffee und Kuchen lebt – obwohl das schon ein ziemlich überzeugendes Fundament wäre – gibt es außerdem Milchshakes, Eistees in Sorten wie Pfirsich, Blaubeere, Zitrone, Erdbeere und Mango, alkoholfreie Cocktails sowie fruchtige Säfte. Damit ist das Café Fresko nicht nur ein Ort für Espresso-Fans mit Italien-Sehnsucht, sondern auch für Familien, Freundesrunden und alle, die sich gerne einmal quer durch eine Getränkekarte probieren.
Mit seiner Neueröffnung bringt das Café Fresko ein Stück Italien in den Hildener Norden und bereichert die lokale Gastronomieszene um eine Adresse, an der süße Spezialitäten, hochwertige Kaffees und entspannte Genussmomente zusammenkommen. Kurz gesagt: Wer in Hilden-Nord künftig behauptet, es gebe keinen schönen Ort für eine kleine kulinarische Auszeit, hat vermutlich einfach noch nicht an der Johann-Sebastian-Bach-Straße 3 vorbeigeschaut.
Freitag, 8. Mai 2026
8.5.2026: Kabelsalat mit Kupfergeschmack: Wenn Ladesäulen plötzlich oben ohne dastehen
Es gibt Bilder, die möchte man als moderne Stadt eigentlich nicht sehen: frisch installierte Schnellladesäulen, die stolz in die elektrische Zukunft zeigen sollen, aus denen aber nur noch traurige Kabelstummel hängen. So ähnlich muss sich ein Toaster ohne Kabel fühlen. Oder ein Dackel ohne Leine. In Haan ist genau das passiert: An der Landstraße 64 machten sich Unbekannte an einer Schnellladesäule der Stadtwerke zu schaffen und schnitten beide Ladekabel ab. Die Säule war erst im September 2024 in Betrieb genommen worden, also noch jung, motiviert und vermutlich voller beruflicher Pläne.
Der Schaden: rund 7000 Euro. Und da reden wir nicht nur von ein bisschen Kupfer und „einmal neu bitte“. Nein, im deutschen Alltag hängt an so einem Kabel natürlich noch ein ganzer Verwaltungsschwanz: Montage, Wiederinbetriebnahme, vorgeschriebene Eichungen und vermutlich irgendwo ein Formular, das nur bei Vollmond in dreifacher Ausfertigung gültig ist. Die Stadtwerke Haan hatten jedenfalls wenig Grund zur Freude. Man investiere kontinuierlich in Elektromobilität, sagte Projektleiter Peter Roth sinngemäß, und dann kommt jemand mit der Kneifzange vorbei und macht aus Zukunftstechnologie Altmetall mit Anschlussverlust.
Haan ist damit leider nicht allein. In Düsseldorf wurden innerhalb weniger Wochen 16 Ladesäulen Opfer von Kabeldieben. Gesamtschaden: mehr als 200.000 Euro. Für diesen Betrag bekommt man wahlweise sehr viele Ladekabel, einen ordentlichen Schreck oder eine neue Lebensphilosophie: Vertrauen ist gut, Dyneema ist besser. Denn die Stadtwerke Düsseldorf rüsten bereits auf. Einige Kabel bekommen eine besonders robuste Kunstfaser-Ummantelung, die auch in der Schifffahrt genutzt wird. Dazu kommt eine Sirene mit 117 Dezibel. Das ist ungefähr die Lautstärke, bei der selbst hartgesottene Kupferdiebe kurz überlegen, ob ein ehrlicher Beruf vielleicht doch entspannter wäre.
Auch der ADAC Nordrhein sieht im Klau von Ladekabeln ein wachsendes Problem. Die Diebe haben es auf Kupfer abgesehen, die Betreiber bleiben auf Materialkosten, Reparaturen und Ausfällen sitzen, und E-Auto-Fahrer stehen davor wie früher Menschen an Telefonzellen ohne Kleingeld. Als mögliche Schutzmaßnahmen werden GPS-Tracker, Videoüberwachung, Farbpatronen in der Kabelhülle und bessere Ummantelungen genannt. Farbpatronen klingen besonders schön: Wer das Kabel klaut, sieht danach aus wie ein gescheiterter Bankräuber aus einer Verkehrserziehungsbroschüre.
Und dann ist da noch das Mess- und Eichgesetz, dieses deutsche Naturgesetz neben Schwerkraft und Sonntagsruhe. Nach Reparaturen kann unter Umständen eine neue Eichung nötig werden. Der ADAC möchte hier Erleichterungen, damit der Austausch eines Kabels nicht gleich zur bürokratischen Pilgerreise wird. Denn wenn eine Ladesäule wegen eines Diebstahls ausfällt, ist das schon ärgerlich genug. Wenn sie danach noch auf den Segen der Eich-Bürokratie warten muss, fühlt sich Elektromobilität plötzlich wieder sehr nach Faxgerät an.
Westenergie, auch für Hilden und Haan zuständig, bestätigt ebenfalls Schäden durch Kupferdiebe an eigenen Ladesäulen. Zahlen nennt das Unternehmen nicht, aber jeder Diebstahl werde konsequent angezeigt. Das ist auch richtig so, denn Kabelklau ist kein Lausbubenstreich. Es ist nicht „Ach, der Kevin sammelt wieder Rohstoffe“, sondern Sachbeschädigung, Diebstahl und ein ziemlich direkter Angriff auf Infrastruktur, die eigentlich allen nützen soll.
Besonders spannend wird es am Autobahnkreuz Hilden. Dort steht mit „Seed & Greet“ Europas größter Schnellladepark, betrieben von Bäckerei-Unternehmer und E-Auto-Pionier Roland Schüren. Ein Ort, an dem Strom, Kaffee, Brötchen und Ladepunkte friedlich zusammenleben. Tesla, Fastned, NIO Power Swap, Cafeteria, Bäckerei – es klingt ein bisschen wie das Disneyland der Kilowattstunden, nur mit besseren Croissants und weniger Mausohren.
Und ausgerechnet dieser große Ladepark blieb bislang offenbar verschont. Warum? Nicht wegen Laserfallen, Drohnenstaffeln oder einem dressierten Schäferhund namens Ampère. Sondern weil dort fast immer jemand ist. Menschen laden, essen, trinken Kaffee, holen Brötchen, fahren weiter, kommen an, bleiben kurz stehen. Dazu stehen gelegentlich Wohnmobilfahrer über Nacht auf dem Gelände und halten die Augen offen. Man könnte sagen: Der Park schützt sich selbst. Oder anders: Nichts schreckt Kupferdiebe so sehr ab wie ein wacher Camper mit Thermobecher und dem Blick eines Mannes, der schon um 5.30 Uhr seine Chemietoilette entleert hat.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Lehre dieser ganzen Geschichte. Die Zukunft braucht nicht nur Ladepunkte, Schnellstrom und schlaue Technik. Sie braucht auch Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit und Menschen, die sagen: „Moment mal, warum trägt der Herr da gerade ein Ladekabel wie eine erlegte Anakonda davon?“ Videoüberwachung, Sirenen und Spezialfasern sind wichtig. Aber manchmal ist der beste Diebstahlschutz tatsächlich eine gut besuchte Bäckerei, ein paar E-Auto-Fahrer mit Restreichweitenangst und ein Wohnmobilist, der sowieso nicht schlafen kann.
Bis dahin bleibt zu hoffen, dass die Kabeldiebe irgendwann merken: Kupfer ist zwar wertvoll, aber ein funktionierender Ladepark ist es auch. Und wer unbedingt etwas abschneiden möchte, der darf sich gerne beim Bäcker ein Stück Streuselkuchen teilen lassen. Das ist legal, macht weniger Lärm und muss hinterher nicht neu geeicht werden.
Donnerstag, 7. Mai 2026
7.5.2026: Wenn Laternen in Hilden wackeln, wird das Musikantenviertel kurz unplugged
In Hilden wird es ernst: Einige Laternenmasten sind nicht mehr standsicher. Das klingt zunächst nach einer Nachricht aus der Kategorie „Dinge, über die man sich normalerweise erst Gedanken macht, wenn sie schief neben dem Gehweg stehen“. Doch die Stadt hat hingeschaut, gemessen und festgestellt: Neun Masten haben offenbar beschlossen, dass aufrechtes Stehen auf Dauer auch überschätzt wird.
Betroffen sind unter anderem das Musikantenviertel und die Hochdahler Straße. Besonders im Musikantenviertel passt die Lage natürlich dramaturgisch perfekt: In der Richard-Wagner-Straße, der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg wird nun an der Straßenbeleuchtung gearbeitet. Man könnte sagen: Die große Hildener Nachtmusik bekommt vorübergehend eine technische Pause. Wagner hätte vermutlich ein dreistündiges Vorspiel daraus gemacht, Haydn hätte höflich genickt, und Johann Strauß hätte versucht, den Mast im Dreivierteltakt wieder gerade zu walzen.
Aufgefallen ist das Ganze bei einer turnusmäßigen messtechnischen Überprüfung. Das klingt herrlich amtlich und beruhigend zugleich. Kein Nachbar musste also nachts im Schlafanzug rufen: „Die Laterne guckt mich komisch an!“ Stattdessen kamen Fachleute mit Messgeräten, prüften die Standsicherheit und entschieden: Diese Masten brauchen nicht nur gutes Zureden, sondern einen Austausch. Einige wurden bereits gesichert und gekürzt. Gekürzte Laternenmasten sind vermutlich die Kurzgeschichten unter den Straßenleuchten: weniger hoch, aber immer noch mit ernstem Auftrag.
Seit dem 30. April läuft der Austausch, und bis Mitte Mai kann es in den betroffenen Bereichen zeitweise zu Ausfällen der Straßenbeleuchtung kommen. Das heißt: Hilden erlebt an einigen Stellen möglicherweise eine kleine Renaissance der Taschenlampe. Wer also abends durch die Richard-Wagner-Straße geht, sollte nicht erschrecken, wenn die Beleuchtung kurz mehr Bayreuther Bühnennebel als Innenstadtkomfort bietet. Romantisch könnte man es auch nennen. Oder praktisch: Endlich sieht niemand, wenn man im Dunkeln versucht, die Biotonne des Nachbarn für die eigene zu halten.
Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zwar ein bisschen so, als hätte jemand beim Scrabble nur vier Buchstaben übrig gehabt, hat aber tatsächlich große Geschichte: französische Wurzeln, gegründet im Jahr 1900, einst an der Elektrifizierung der Pariser Metro beteiligt. Von Paris nach Hilden also. Vom Glanz der Métro zur Laterne vor Hausnummer 7. Das ist kein Abstieg, das ist gelebte europäische Infrastrukturfreundschaft.
Geprüft wurde die Standfestigkeit durch die Fachfirma Rei-Lux. Auch dieser Name passt natürlich wunderbar ins Licht-Milieu. Rei-Lux klingt wie eine Figur aus einem Science-Fiction-Film, die mit einem Laserpointer defekte Masten erkennt. Tatsächlich geht es aber um etwas sehr Bodenständiges: Sicherheit. Denn so eine Laterne soll vieles können. Leuchten, Orientierung geben, Gehwege erhellen, gelegentlich Hunde anziehen. Was sie nicht soll: spontan in die Horizontale wechseln.
Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden frühzeitig entdeckt, gesichert und werden ausgetauscht. Das ist genau die Art von Verwaltungsmeldung, die im Alltag unspektakulär klingt, aber wichtig ist. Denn Straßenbeleuchtung gehört zu den Dingen, die man erst bemerkt, wenn sie nicht funktioniert. Wie WLAN, Heizung oder der eine Kugelschreiber, der im ganzen Haushalt tatsächlich schreibt.
Fünf Standorte liegen allein an der Richard-Wagner-Straße. Das ist viel Wagner auf einmal, aber Kenner wissen: Bei Wagner dauert ohnehin alles etwas länger. Zwei Masten stehen an der Hochdahler Straße auf der Austauschliste, dazu je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Hilden hat also keinen Blackout, sondern eher ein kleines Best-of der klassischen Musik mit temporärer Beleuchtungspause.
Bis Mitte Mai soll der Spuk erledigt sein. Dann stehen neue Masten dort, wo alte nicht mehr ganz überzeugend Haltung bewiesen haben. Die Stadt sorgt für Verkehrssicherheit, die Fachfirmen kümmern sich um Licht und Stabilität, und die Anwohner können bald wieder ohne Improvisation durch ihre Straßen gehen.
Bis dahin gilt: Taschenlampe laden, Handy-Akku nicht bei drei Prozent herumtragen und im Musikantenviertel nicht wundern, wenn es abends kurz etwas gedämpfter wirkt. Hilden macht eben nicht nur Kultur, Sport und Baustellenromantik, sondern auch Laternenpflege mit internationalem Flair. Und wenn die neuen Masten stehen, darf man ihnen ruhig kurz anerkennend zunicken. Schließlich ist Haltung heutzutage keine Selbstverständlichkeit – nicht einmal bei Straßenlaternen.
Mittwoch, 6. Mai 2026
6.5.2026: Wenn der Wochenmarkt aufs Smartphone summt
In Hilden wird jetzt nicht mehr nur auf dem Wochenmarkt geklingelt, gewogen und freundlich „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ gefragt, sondern auch digital gebimmelt: Die Händlerinnen und Händler des Hildener Wochenmarkts haben einen eigenen WhatsApp-Kanal gestartet. Damit zieht zwischen Kartoffeln, Käse, Honig und Blumensträußen endgültig die Moderne ein. Früher wusste man erst auf dem Nove-Mesto-Platz, ob die Erdbeeren besonders schön aussehen oder der Lieblingsstand heute fehlt. Jetzt reicht ein Blick aufs Smartphone, und schon ist klar: Der Markt meldet sich persönlich. Fast wie ein guter Freund, nur mit mehr Porree.
Die Idee ist so einfach wie praktisch. Wer den Kanal abonniert, bekommt Neuigkeiten direkt aufs Handy: saisonale Angebote, Sonderaktionen oder kurzfristige Änderungen. Also genau die Informationen, die im Alltag schnell untergehen, aber beim Einkauf entscheidend sein können. Denn niemand möchte freitags voller Vorfreude zum Nordmarkt schlendern, nur um dann festzustellen, dass ausgerechnet der Stand des Vertrauens heute nicht da ist. Das ist emotional ungefähr auf einer Stufe mit leerem Akku, kaltem Kaffee und dem Satz „Wir müssten mal reden“.
Besonders angenehm: Die eigene Handynummer bleibt anonym. Man muss also nicht befürchten, plötzlich in einer Gruppe namens „Auberginenfreunde Hilden 2026“ zu landen, in der jeden Morgen um 6.48 Uhr jemand ein Foto von Blumenkohl schickt. Der WhatsApp-Kanal funktioniert diskret, unkompliziert und kann jederzeit wieder verlassen werden. Wobei man sich natürlich fragen muss: Wer verlässt freiwillig einen Kanal, der einem sagt, wann es frische Marktangebote gibt? Das wäre fast so, als würde man beim Bäcker sagen: „Nein danke, den Duft von frischen Brötchen brauche ich heute nicht.“
Betreut wird der Kanal von Oliver Ballon, der samstags als Honighändler auf dem Markt vertreten ist. Das passt natürlich wunderbar: Wenn jemand Nachrichten süß und klebrig im besten Sinne zusammenhalten kann, dann vermutlich ein Honighändler. Unterstützt wird er von den anderen Händlerinnen und Händlern, die gemeinsam dafür sorgen wollen, dass der Wochenmarkt noch attraktiver wird. Man kann sich das ein wenig vorstellen wie eine digitale Markttüte: Hier ein Hinweis, dort ein Angebot, dazu vielleicht noch ein kleiner Gruß aus der Auslage – und alles landet frisch auf dem Display.
Auch Citymanagerin Tanja de Vries begrüßt die Initiative und möchte sie mit Werbemaßnahmen unterstützen. Der Wochenmarkt soll dadurch sichtbarer werden. Wobei man sagen muss: Sichtbarer als ein Marktstand voller leuchtender Äpfel, knackiger Möhren und duftender Blumen ist schon eine sportliche Aufgabe. Aber digital geht eben immer noch etwas. Schließlich muss man die Menschen heute dort abholen, wo sie sind: auf dem Sofa, im Bus, in der Mittagspause oder mit einer Hand am Einkaufszettel und der anderen am Handy.
Der Hauptmarkt auf dem Nove-Mesto-Platz findet weiterhin mittwochs von 7 bis 13 Uhr und samstags von 7 bis 13.30 Uhr statt. Der Nordmarkt zwischen Beethoven- und Lortzingstraße öffnet freitags von 8.30 bis 15 Uhr. Nur kommt jetzt eben noch eine zusätzliche Marktzeit hinzu: immer dann, wenn das Smartphone summt und eine neue Nachricht aus der Hildener Marktwelt eintrifft. Früher sagte man: „Wir sehen uns auf dem Markt.“ Heute heißt es vielleicht: „Ich hab’s im Wochenmarkt-Kanal gelesen.“ Und ganz ehrlich: Wenn selbst Obst, Gemüse und Honig digitaler werden, dann ist Hilden endgültig im 21. Jahrhundert angekommen – aber zum Glück immer noch mit persönlichem Kontakt, frischer Ware und der beruhigenden Gewissheit, dass ein guter Wochenmarkt auch per WhatsApp nicht nach Lieferdienst klingt, sondern nach Heimat.
Dienstag, 5. Mai 2026
5.5.2026: Ein Zaun für die Regionalliga – Hilden macht dicht, aber nur im Gästeblock
In Hilden wird gerade Fußballgeschichte geschrieben. Nicht etwa, weil plötzlich brasilianische Ballzauberer am Bandsbusch auflaufen oder weil der Platzwart heimlich einen Champions-League-Rasen ausgerollt hat. Nein, der ganz große Star der Stunde ist: ein Zaun. Ein fest installierter Zaun. Einer, der so wichtig ist, dass man fast vermuten könnte, er habe selbst schon 15 Saisontore erzielt.
Der VfB 03 Hilden träumt weiter von der Regionalliga, und wie das im deutschen Fußball nun einmal so ist, reicht es nicht, auf dem Platz ordentlich gegen den Ball zu treten. Man muss auch nachweisen, dass der Ball in einer Anlage getreten wird, die den Verband nicht nervös macht. Also wurde gerechnet, geplant, diskutiert und schließlich beschlossen: Der Bandsbusch bekommt seinen Regionalliga-Zaun. Damit fällt eine weitere Lizenzhürde, und Hilden kann sich zumindest infrastrukturell schon einmal die Haare kämmen für die große Bühne.
Sportlich ist die Lage etwas komplizierter. Nach der Niederlage gegen den ETB SW Essen ist der Vorsprung geschmolzen wie ein Eis in der Halbzeitpause. Der VfB steht zwar noch auf Platz zwei, aber der KFC Uerdingen sitzt punktgleich im Nacken und hat im direkten Vergleich schon zweimal freundlich, aber bestimmt gezeigt, wer in diesen Duellen den besseren Fuß hatte. Mit anderen Worten: Auf dem Platz ist noch ordentlich Musik drin, und vermutlich nicht nur Blasmusik.
Abseits des Rasens hingegen liefert der VfB-Vorstand eine Punktlandung. Die Stadt Hilden beziehungsweise die Stadt Hilden Beteiligungsgesellschaft hat dem Westdeutschen Fußballverband bestätigt, dass das Stadion am Bandsbusch rechtzeitig regionalligatauglich gemacht wird. Bis zum ersten Spieltag der neuen Saison am 31. Juli 2026 sollen der „Löwengang“ zur Stehtribüne und der Gästebereich mit einem festen Zaun gesichert sein. Der Name „Löwengang“ klingt dabei so herrlich dramatisch, dass man fast vergisst, dass es vermutlich weniger nach Savanne und mehr nach Sportanlage riecht.
Die Baumaßnahme soll rund sechs Wochen dauern und wurde einstimmig abgesegnet. Einstimmig! In kommunalen Gremien ist das ungefähr so selten wie ein Schiedsrichter, der nach einem Handspiel im Strafraum von beiden Fanlagern Applaus bekommt. Offenbar ist man sich in Hilden einig: Wenn der VfB aufsteigt, dann soll er nicht auswärts zuhause spielen müssen. Wuppertal, Velbert oder Düsseldorf wären zwar mögliche Ausweichquartiere gewesen, aber mal ehrlich: Ein Hildener Heimspiel außerhalb von Hilden ist ein bisschen wie Altbier aus der Thermoskanne – technisch möglich, emotional schwierig.
Natürlich kostet der Spaß Geld. Sogar einen sechsstelligen Betrag. Wie viel genau? Das bleibt geheim. Auch der Anteil des Vereins wird nicht verraten. Man könnte sagen: Der Zaun wird gebaut, aber die Zahlen bleiben eingezäunt. Der VfB beteiligt sich jedenfalls mit einer Summe, die erst einmal aufgebracht werden muss. Das klingt nach Sponsoren, Sparschwein und vielleicht einem sehr gut besuchten Kuchenverkauf, bei dem der Marmorkuchen plötzlich „Regionalliga-Schnitte“ heißt.
Finanziell will der Verein auch im Erfolgsfall bodenständig bleiben. Der Oberliga-Etat lag zuletzt bei rund 250.000 Euro, und in der Regionalliga sollen die Ausgaben nur unwesentlich steigen. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Wir ziehen in ein größeres Haus, behalten aber dieselbe Stromrechnung. Mutig, sympathisch und sehr hildenerisch. Der Vorsitzende Daniel Wittke macht klar, dass man nicht sofort von der 3. Liga träumt, sondern erst einmal vom Klassenerhalt. Vernünftig. Wer gerade einen Zaun baut, muss ja nicht direkt auch noch ein Luftschloss errichten.
Auch im Kader bewegt sich einiges. 60 bis 70 Prozent der Spieler sollen bereits verlängert haben, einige Positionen werden neu besetzt, manche Spieler aus der zweiten Reihe müssen sich offenbar anderweitig umschauen. Und Chefcoach Tim Schneider, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, arbeitet trotzdem weiter am Meistertraum. Das ist professionell und irgendwie auch filmreif: Der Trainer, der weiß, dass er gehen muss, versucht noch, den Verein nach oben zu führen. Hollywood würde daraus vermutlich ein Sportdrama machen. In Hilden nennt man es: die letzten fünf Spieltage.
Und genau diese fünf Spieltage haben es in sich. Der Zaun kommt, die Lizenzunterlagen sehen gut aus, die Stadt steht hinter dem Projekt, die Sponsoren wittern neue Möglichkeiten. Jetzt muss nur noch die Mannschaft liefern. Also eigentlich die kleinste Kleinigkeit im Fußball: gewinnen, punkten, nervenstark bleiben und hoffen, dass die Konkurrenz auch mal freundlich stolpert.
Am Bandsbusch ist also alles vorbereitet für den großen Sprung. Der Gästeblock bekommt seinen Zaun, der Verein seinen Regionalliga-Traum und Hilden vielleicht bald ein sportliches Aushängeschild unter den Top 100 des deutschen Fußballs. Bis dahin gilt: Die Infrastruktur steht bald wie eine Eins. Jetzt müssen nur noch die Beine mitspielen. Und falls es am Ende doch nicht klappt, hat Hilden immerhin etwas, das viele Vereine gerne hätten: einen richtig ambitionierten Zaun.
Montag, 4. Mai 2026
4.5.2026: Hilden hebt das Glas – und sucht gleichzeitig den Ausgang
Es gibt Wochenenden, da merkt man: Hilden ist nicht nur eine Stadt, Hilden ist ein Aggregatzustand. Zwischen Frühlingsmarkt, verkaufsoffenem Sonntag und Weindorf verwandelte sich die Innenstadt in eine Mischung aus mediterraner Piazza, botanischem Fachkongress und Parkplatz-Survival-Training. Wer am Sonntag um 13 Uhr noch einen Stellplatz suchte, konnte ungefähr genauso gut nach einem Einhorn mit Parkscheibe Ausschau halten. Die Autos kreisten durch die Seitenstraßen, während Fußgänger, Radfahrer, Kinderwagen und Hunde längst zielstrebig Richtung Mittelstraße strömten. Hilden hatte gerufen, und offenbar hatte ganz Nordrhein-Westfalen geantwortet: „Sind unterwegs.“
Auf dem Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz wurde derweil ausgeschenkt, was deutsche Winzerkunst hergibt: Weißwein, Rotwein, Rosé, Aperol, Erdbeer-Secco und zur Sicherheit auch Bier, falls jemand beim Wort „Weindorf“ nervös wird. Acht Winzerfamilien waren dabei, die Stimmung war friedlich, die Gläser gut gefüllt und die Menschen so zahlreich, dass mancher Besucher vermutlich engeren Körperkontakt zu Fremden hatte als zuletzt beim Schulsport in der siebten Klasse. Der Trend zu alkoholfreiem Wein? Ja, den gibt es offenbar. Aber in Hilden beim Weindorf wurde er eher freundlich zur Kenntnis genommen und dann diskret am nächsten Stand vorbeigetragen.
Parallel dazu bewies der Frühlingsmarkt, dass Hilden nicht nur trinken, sondern auch pflanzen kann. Kräuter, Gemüsepflänzchen und Salatsäcke gingen weg wie warme Reibekuchen, nur eben gesünder. Wer mit einem Basilikumtöpfchen unter dem Arm und einem Glas Rosé in der Hand unterwegs war, durfte sich vermutlich als ganzheitlich lebender Innenstadtmensch fühlen. Besonders gefragt war alles, was nach Selbstversorgung aussah. In Zeiten, in denen man nie weiß, ob morgen die Tomate teurer ist als ein Kleinwagen, beruhigt so ein selbstgezogener Salat natürlich ungemein.
Nicht überall klingelte allerdings die Kasse wie ein gut gelaunter Weinglas-Anstoß. Einige Händler berichteten, die Menschen würden zwar schauen, aber nicht kaufen. Das kennt man aus vielen Fußgängerzonen: geguckt wird mit Hingabe, gekauft wird später online, und beraten lassen hat man sich natürlich vorher beim echten Menschen vor Ort. Auch fleischfressende Pflanzen waren im Angebot, was in Hilden eigentlich ein sehr ehrliches Produkt ist: hübsch anzusehen, aber wehe, man kommt zu nah. Ein bisschen wie das Weindorf am Samstagabend.
Denn während Winzer und viele Besucher zufrieden waren, meldete sich online die Fraktion „Das war aber kuschelig bis kritisch“. Auf Facebook wurde diskutiert, dass der Platz zu klein, das Gedränge zu groß und der Fluchtweg im Ernstfall eher theoretischer Natur sei. Manche fanden es schlicht zu voll, andere zu gefährlich, wieder andere gingen gar nicht erst hin, weil sie sich nicht zwischen Weinglas, Bierzeltgarnitur und fremdem Ellenbogen einfädeln wollten. Man kann es ihnen nicht verdenken: Ein Weindorf soll schließlich ein Ort sein, an dem man genüsslich nippt, nicht einer, an dem man sich wie eine Rosine in der Studentenfutterpackung fühlt.
Organisator Jens Wiechmann kennt das Problem. Die Innenstadt hat nun einmal nicht heimlich über Nacht einen zweiten Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz im Keller gefunden. Der Nove-Mesto-Platz fällt wegen Lärm und Anwohnern eher aus, denn auch Hilden weiß: Wo Wein ist, ist Stimmung, und wo Stimmung ist, ist spätestens um 22 Uhr jemand am Fenster, der „Muss das sein?“ denkt. Eine Einzäunung mit begrenzter Besucherzahl wäre theoretisch möglich, würde aber den Charakter des Festes verändern und einen Rattenschwanz aus Genehmigungen, Auflagen und Kosten mit sich bringen. Aus dem charmanten Weindorf würde dann schnell ein logistisches Hochsicherheits-Riesling-Areal.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Manche Besucher bringen eigene Speisen und Getränke mit. Das ist ungefähr so, als würde man ins Restaurant gehen, sich an den schönsten Tisch setzen und dann die Tupperdose auspacken. Am Ende bleibt der Müll liegen, und der Veranstalter darf aufräumen. Hilden, wir müssen reden: Wer zum Weindorf geht, sollte dort auch wenigstens so tun, als hätte der Weinstand nicht nur dekorative Funktion.
Die gute Nachricht: Weil der Andrang so groß ist, soll es in diesem Jahr erstmals ein zweites Weinfest geben, geplant für das erste Septemberwochenende parallel zu Herbstmarkt und Autoschau. Das klingt nach einer typisch Hildener Kombi: erst den neuen Wagen anschauen, dann ein Glas Wein trinken und anschließend sehr verantwortungsbewusst zu Fuß nach Hause gehen. Für neue Winzer ist ebenfalls Platz in der Planung, denn rund 50 stehen noch auf der Warteliste. Man muss sich das einmal vorstellen: Während anderswo Leute auf Kitaplätze warten, warten in Hilden Winzer darauf, endlich ausschenken zu dürfen.
Natürlich wird auch die Enge auf dem Platz noch einmal Thema zwischen Veranstalter und Ordnungsamt. Vielleicht findet sich eine Lösung, die zwischen „gemütlich belebt“ und „ich wurde gerade von einer Rieslingwelle Richtung Bühne getragen“ liegt. Denn eines ist klar: Hilden mag sein Weindorf. Es mag seine Märkte, seine volle Innenstadt, seine verkaufsoffenen Sonntage und offenbar auch die Herausforderung, mit einem Kräutertopf, zwei Einkaufstüten und einem Glas Rosé elegant durch Menschenmengen zu navigieren.
Am Ende bleibt ein Wochenende, das gezeigt hat: Hilden lebt. Manchmal sogar so sehr, dass man kurz Luft holen möchte. Aber lieber eine Innenstadt, die an ihre Grenzen stößt, als eine, in der nur der Wind durch die Mittelstraße rollt und ein einsamer Salatsack auf Kundschaft wartet. Beim nächsten Weinfest braucht es vielleicht ein bisschen mehr Platz, ein bisschen mehr Steuerung und ein bisschen weniger mitgebrachte Picknickmentalität. Aber eines darf bleiben: diese wunderbare Hildener Fähigkeit, aus einem Wochenende ein Stadtgespräch zu machen. Und aus einem Weindorf beinahe eine Mutprobe mit Bouquet.
Sonntag, 3. Mai 2026
3.5.2026: Hilden steht im Dunkeln – aber immerhin standsicher
In Hilden wird es an manchen Stellen demnächst ein wenig romantischer, als es der Stadtverwaltung vermutlich lieb ist. Im Musikantenviertel und an der Hochdahler Straße wurden nämlich bei einer Routineprüfung neun Laternenmasten entdeckt, die offenbar beschlossen hatten, ihre Standfestigkeit künftig eher frei zu interpretieren. Was für Menschen nach einem langen Abend beim Weindorf gilt, gilt für Laternenmasten leider nicht: Wer wackelt, muss gestützt, gekürzt oder ausgetauscht werden.
Besonders betroffen ist die Richard-Wagner-Straße, wo gleich fünf Masten aus dem Takt geraten sind. Das passt natürlich irgendwie ins Musikantenviertel. Vielleicht wollten die Laternen einfach dramatischer wirken, ein bisschen „Walkürenritt“ im Straßenbild, nur eben mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Zwei weitere Kandidaten stehen an der Hochdahler Straße, je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Man kann also sagen: Die Stadt hat nicht nur ein Beleuchtungsproblem, sondern auch ein kleines klassisches Ensemble in Schieflage.
Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden bereits gesichert und gekürzt. Die schlechte Nachricht: Bis Mitte Mai kann es zeitweise dunkel werden. Wer dort unterwegs ist, sollte also entweder eine Taschenlampe mitnehmen, sein Handy vorher laden oder sich vertrauensvoll an den Mond wenden, sofern dieser gerade Dienst hat. Für Anwohner bedeutet das: kurzzeitig weniger Straßenbeleuchtung, dafür aber mehr Gelegenheit, die eigene Nachbarschaft einmal ganz neu kennenzulernen. Zum Beispiel durch vorsichtiges Tasten entlang bekannter Hecken.
Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Hildener Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zunächst wie ein Tippfehler kurz vor Feierabend, hat aber französische Wurzeln und steht für „Société Parisienne pour l’Industrie Electrique“. Gegründet wurde das Unternehmen einst, um die Pariser Metro zu elektrifizieren. Von der Pariser Unterwelt zur Hildener Laterne ist es zwar ein weiter Weg, aber offenbar bleibt man dem Licht treu. Nur der Charme von Paris dürfte in der Richard-Wagner-Straße bei ausgeschalteter Beleuchtung vorübergehend eher in Richtung „Krimi-Kulisse mit Mülltonnen“ tendieren.
Dass die Masten überhaupt auffielen, liegt an einer messtechnischen Überprüfung. Das klingt nach einem Vorgang, bei dem Menschen mit ernsten Gesichtern und sehr spezialisierten Geräten an Laternen rütteln, während Passanten überlegen, ob sie fragen sollen, was da los ist. Ergänzt wird das Ganze durch regelmäßige Sichtkontrollen. Man schaut also nicht nur, ob eine Laterne noch wie eine Laterne aussieht, sondern misst auch, ob sie innerlich noch bei sich ist.
Am Ende ist das natürlich eine gute Sache. Niemand möchte, dass ein Laternenmast spontan beschließt, sich der Schwerkraft hinzugeben. Und wenn Hilden schon einmal kurz im Dunkeln liegt, dann wenigstens aus Gründen der Sicherheit und nicht, weil jemand vergessen hat, die Stromrechnung zu bezahlen. Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten dauern. Danach darf das Musikantenviertel wieder leuchten, die Hochdahler Straße wieder strahlen und Hilden insgesamt beruhigt feststellen: Nicht jede Erleuchtung kommt plötzlich, manche wird fachgerecht ausgetauscht.
Samstag, 2. Mai 2026
2.5.2026: Frühling in Hilden und Haan: Die Arbeitslosigkeit blüht mit
Eigentlich ist der April ja dafür zuständig, Tulpen hervorzubringen, Eisdielen zu füllen und Menschen in Übergangsjacken ratlos vor Kleiderschränken stehen zu lassen. Auf dem Arbeitsmarkt in Hilden und Haan hatte der Monat allerdings eine andere Idee: Statt der üblichen Frühjahrsbelebung gab es diesmal eher ein müdes Gähnen im Vorgarten der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen, und damit zeigt sich: Nicht alles, was im Frühling wächst, ist automatisch erfreulich.
In der Geschäftsstelle Hilden, die Hilden und Haan umfasst, sind aktuell 3007 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 119 mehr als im März. Die Quote steigt von 6,1 auf 6,4 Prozent. Das klingt zunächst nach einer Zahl mit Komma, wie sie in Berichten gern unauffällig zwischen anderen Zahlen herumsteht. Für die Betroffenen ist es aber natürlich kein Komma, sondern Alltag: Bewerbungen schreiben, Rückmeldungen abwarten, Hoffnung sortieren und dabei möglichst nicht zu oft das Wort „zeitnah“ in Stellenanzeigen persönlich nehmen.
Hilden kommt aktuell auf 2005 arbeitslose Menschen. Das sind 78 mehr als im Vormonat. Die Quote steigt dort von 6,2 auf 6,5 Prozent. Haan meldet 1002 arbeitslose Menschen, also 41 mehr als im März, und eine Quote von 6,2 Prozent. Immerhin liegen beide Städte weiterhin unter dem Kreis Mettmann, der bei 7,2 Prozent bleibt. Man könnte also sagen: Es ist nicht gut, aber es gibt noch Luft nach oben. Wobei das vermutlich einer der Sätze ist, die man auf dem Arbeitsmarkt lieber nicht zu laut sagt.
Besonders auffällig ist, dass die sogenannte Frühjahrsbelebung ausbleibt. Normalerweise kommt mit mehr Sonne auch mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Menschen wechseln Jobs, Betriebe stellen ein, irgendwo braucht immer jemand Unterstützung. In diesem April aber wirkt die Belebung ungefähr so dynamisch wie ein Gartenzwerg nach dem Winter: vorhanden, aber nicht unbedingt in Aufbruchsstimmung. Die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen bremsen weiter, und wer schon einmal versucht hat, mit angezogener Handbremse schwungvoll loszufahren, kennt das Geräusch.
Dabei gibt es durchaus freie Stellen. In Hilden und Haan sind aktuell 485 offene Arbeitsplätze gemeldet, im gesamten Kreis sogar 2258. Besonders gesucht wird unter anderem in Kfz-Werkstätten und im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im verarbeitenden Gewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung. Das klingt nach einer bunten Mischung aus Schraubenschlüssel, Pflegekittel, Maschinenhalle und Formularstapel. Oder anders gesagt: Arbeit ist da, aber sie findet offenbar nicht immer genau zu den Menschen, die gerade Arbeit suchen. Der Arbeitsmarkt ist manchmal eben wie ein sehr kompliziertes Puzzle, bei dem ein Teil aus Haan, eins aus Hilden und eins aus der Personalabteilung kommt, aber alle drei behaupten, sie würden eigentlich zusammenpassen.
Im April meldeten sich 652 Personen neu oder erneut arbeitslos, während 531 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Das ist die nüchterne Statistik dahinter. Für die einen beginnt eine unsichere Phase, für die anderen endet sie hoffentlich. In der Summe bleibt aber ein Plus bei der Arbeitslosigkeit. Und so steht der April 2026 in Hilden und Haan weniger für Aufbruch als für eine wirtschaftliche Warteschleife mit Frühlingsdekoration.
Trotzdem lohnt sich der Blick ohne Panik, aber auch ohne Schönfärberei. Im Vergleich zum Vorjahr stehen Hilden und Haan sogar etwas besser da: In Hilden sind es 16 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr, in Haan 45 weniger. Das ist kein Grund für Konfettikanonen im Rathaus, aber immerhin ein kleiner Hinweis darauf, dass nicht alles gleichzeitig bergab rollt. Manchmal ist der Arbeitsmarkt eben kein Sprint, sondern eher ein Stadtlauf mit Baustellen, Gegenwind und jemandem, der am Rand ruft: „Noch fünf Kilometer!“
Für Hilden und Haan bedeutet das: Der Frühling hat auf dem Arbeitsmarkt diesmal keinen großen Auftritt hingelegt. Die Sonne scheint vielleicht, die Bäume werden grün, aber die Konjunktur sitzt offenbar noch mit Schal auf der Parkbank und überlegt, ob sie wirklich schon loslegen möchte. Hoffen wir, dass sie sich bald erhebt. Und zwar standsicherer als manche Laternenmasten.
Freitag, 1. Mai 2026
1.5.2026: Hilden hängt den Frühling an die Laterne
In Hilden ist der Frühling jetzt offiziell nicht mehr zu übersehen. Während andere Städte noch überlegen, ob ein einzelner Blumenkübel vor dem Rathaus schon als Innenstadtverschönerung durchgeht, hat Hilden gleich 102 Blumenampeln entlang der Mittelstraße aufgehängt. Das ist keine Dekoration mehr, das ist florale Entschlossenheit in luftiger Höhe.
Pünktlich zum Frühlingsmarkt zeigt sich die Fußgängerzone also von ihrer farbenfrohen Seite. An den Laternen baumeln wieder bepflanzte Ampeln, die den Passanten freundlich zurufen: „Ja, es ist Frühling. Ja, du darfst jetzt ein Eis essen. Nein, du brauchst die Winterjacke vermutlich trotzdem noch, wir sind schließlich in NRW.“ Wer durch die Innenstadt läuft, bekommt nun nicht nur Schaufenster, Cafés und bekannte Gesichter geboten, sondern auch Blumen über Kopfhöhe. Das ist praktisch, denn so kann niemand versehentlich dagegen treten. Höchstens Tauben könnten sich beschweren, weil ihre bevorzugten Sitzplätze plötzlich aussehen wie eine Gartenschau.
Möglich wird die Aktion durch eine Kooperation des Citymanagements mit dem Verein Stadtmarketing Hilden. Schon zum zweiten Mal ziehen beide gemeinsam an der Gießkanne, um die Innenstadt aufzuwerten. Citymanagerin Tanja de Vries freut sich über die Fortsetzung der Zusammenarbeit, und auch Bastian Mey vom Stadtmarketing blickt zufrieden auf das blühende Projekt. Er kündigt an, dass die Blumen regelmäßig gegossen werden, damit sie bald in voller Blüte stehen. Das klingt unspektakulär, ist aber entscheidend. Denn zwischen „Innenstadtambiente“ und „hängender Trockenstrauß mit schlechtem WLAN“ liegen im Sommer oft nur zwei vergessene Gießrunden.
Für die Bepflanzung war Marktflorist Stefan Hosten zuständig, den viele Hildenerinnen und Hildener von den Wochenmärkten kennen. Das ist beruhigend, denn wer Pflanzen für eine ganze Innenstadt vorbereitet, sollte wissen, was er tut. Bei 102 Blumenampeln reicht es schließlich nicht, einfach irgendwo ein paar Stiefmütterchen hineinzuwinken und auf Regen zu hoffen. Da braucht es Fachwissen, Fingerspitzengefühl und vermutlich eine gewisse Toleranz gegenüber Erde an Orten, an denen man sie nicht erwartet.
Die Blumenampeln sollen die Innenstadt attraktiver machen und Besucherinnen, Besuchern sowie den Hildenerinnen und Hildenern ein schöneres Stadtbild bieten. Und tatsächlich: Eine Fußgängerzone wirkt gleich freundlicher, wenn über einem nicht nur Laternen, Schilder und gelegentlich skeptische Möwen hängen, sondern auch bunte Blüten. Blumen können zwar keine Parkplätze schaffen, keine Baustellen verkürzen und keine Diskussionen über Ladenleerstand lösen. Aber sie können dafür sorgen, dass man beim Stadtbummel kurz denkt: „Ach, schön hier.“ Und manchmal ist das schon ziemlich viel.
So schwebt der Frühling nun wieder über der Mittelstraße. Hilden hat sich herausgeputzt, die Blumenampeln hängen, der Frühlingsmarkt kann kommen. Jetzt müssen nur noch Wetter, Besucher und Gießkanne mitspielen. Und falls jemand fragt, woran man erkennt, dass in Hilden Saisonbeginn ist: Man schaut einfach nach oben. Dort blüht die Antwort.
Donnerstag, 30. April 2026
30.4.2026: Hilden planscht jetzt mit Preisaufschlag
In Hilden wird der Sommer eingeläutet, und zwar mit einem Geräusch, das irgendwo zwischen fröhlichem Wasserplatschen und leisem Münzklimpern liegt. Das Waldbad öffnet am 11. Mai seine Pforten, das Hildorado bleibt natürlich ebenfalls ein Ort für sportliche Bahnenzieher, Planschprofis und Menschen, die nach drei Minuten Whirlpool glauben, sie hätten Wellnessurlaub gemacht. Doch wer künftig ins kühle Nass springen möchte, sollte vorher kurz prüfen, ob die Badehose noch passt und ob das Portemonnaie ebenfalls schwimmfähig ist.
Denn entgegen früherer Ankündigungen werden die Eintrittspreise nun nicht nur im Hildorado, sondern auch im Waldbad erhöht. Das ist ungefähr so, als würde man beim Sprung vom Drei-Meter-Brett erfahren, dass das Wasser inzwischen einen Komfortzuschlag erhebt. Im Hildorado zahlen Erwachsene ab 17 Jahren ab dem 1. Mai für die Tageskarte 8,30 Euro, also 30 Cent mehr als bisher. Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren sind mit 4,70 Euro dabei, was 20 Cent mehr bedeutet. Die Familien- und Gruppenkarte für bis zu vier Personen steigt auf 21 Euro. Am Wochenende kommt weiterhin der bekannte Ein-Euro-Aufschlag hinzu, vermutlich als kleine Erinnerung daran, dass Freizeit am Samstag und Sonntag besonders freizeitlich ist.
Auch die Sauna macht beim Aufwärmen der Preise mit: 50 Cent mehr kostet der Besuch künftig. Immerhin passt das thematisch hervorragend, denn wer in der Sauna sitzt, schwitzt ja ohnehin. Nun eben nicht nur wegen der Hitze, sondern auch ein klein wenig wegen der Kalkulation.
Im Waldbad bleibt es für Kinder und Jugendliche immerhin preislich beim Alten. Erwachsene zahlen künftig 6,70 Euro für das Ganztagesticket, also 20 Cent mehr. Wobei „Ganztag“ in diesem Fall eine leicht poetische Auslegung erfährt, denn wegen Fachkräftemangels bleiben die Öffnungszeiten weiterhin verkürzt: geöffnet ist von 11 bis 18.30 Uhr. Wer also morgens um acht mit Handtuch, Sonnencreme und dem festen Willen zum Frühsport vor dem Eingang steht, darf zunächst noch ein wenig Trockenübung machen.
Die Stadtwerke begründen die Erhöhungen mit hohen Energiekosten, Inflation und Tarifrunden für Beschäftigte. Kurz gesagt: Alles ist teurer geworden, sogar das Wasser, obwohl es optisch weiterhin so tut, als sei es einfach nur Wasser. Man habe Einsparpotenziale ausgeschöpft, ressourcenschonend gewirtschaftet und energetische Maßnahmen umgesetzt. Im Waldbad gibt es nun eine vollautomatisierte, effizientere Betriebssteuerung, im Hildorado wird an der Lüftungsanlage gearbeitet. Das klingt zwar nicht ganz so glamourös wie „neue Riesenrutsche mit Looping und Nebelmaschine“, ist aber vermutlich genau das, was ein Schwimmbad braucht, wenn es nicht irgendwann mit einem Föhn und drei Verlängerungskabeln betrieben werden soll.
Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Wer einen Itterpass besitzt, zahlt fürs Schwimmen weiterhin nur die Hälfte. Außerdem können Badegäste mit der digitalen Geldwertkarte bis zu 17 Prozent sparen. Das klingt nach einem kleinen Lichtblick für alle, die beim Wort „Tarifanpassung“ sonst reflexartig ihre Schwimmbrille beschlägt.
Fast 400.000 Gäste haben die Hildener Bäder im vergangenen Jahr besucht. Das zeigt: Trotz Preisaufschlag, verkürzter Zeiten und wirtschaftlicher Wellenbewegungen bleibt der Wunsch nach Schwimmen, Planschen und Erholung groß. Denn am Ende ist ein Badetag eben mehr als Eintrittspreis plus Pommesbudget. Es ist das Gefühl, nach dem ersten Eintauchen kurz alles zu vergessen: Energiekosten, Inflation, Tarifrunden und die Frage, warum man eigentlich nie daran denkt, ein zweites Handtuch mitzunehmen.
Hilden schwimmt also weiter. Nur eben mit leicht angepasstem Tarif und der Erkenntnis, dass selbst der Sprung ins Wasser heutzutage ein bisschen mehr kostet. Dafür bleibt der unbezahlbare Moment erhalten, wenn jemand am Beckenrand ruft: „Ist gar nicht kalt!“ – und alle wissen: Doch. Ist es.
Dienstag, 28. April 2026
28.4.2026: Walder Straße: Hildens längste Erlebnisstrecke ohne Eintrittskarte
Wer in Hilden derzeit ein kleines Abenteuer sucht, muss nicht in den Freizeitpark fahren, keinen Survival-Kurs buchen und auch nicht mit verbundenen Augen durch den Itterpark joggen. Es reicht völlig, sich ins Auto zu setzen und die Walder Straße entlangzufahren. Dort wartet ein Parcours, der irgendwo zwischen „Verkehrsweg“, „Stoßdämpferteststrecke“ und „kommunalem Geschicklichkeitsspiel“ angesiedelt ist.
Die Walder Straße, sonst bekannt als wichtige Verbindung Richtung Solingen-Wald, hat sich offenbar vorgenommen, ihren Nutzern etwas zu bieten. Einfach nur geradeaus fahren? Wie langweilig. Stattdessen gibt es Schlaglöcher, Bodenwellen, Flicken, Bröselstellen und jene kleinen Überraschungsmomente, bei denen man kurz überlegt, ob das gerade noch ein Geräusch vom Auto war oder schon ein Hilferuf der Vorderachse.
Bis zu 20.000 Fahrzeuge täglich sollen dort unterwegs sein. Das ist beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass jedes einzelne davon vermutlich nach der Fahrt kurz innehält und denkt: „Wir haben es geschafft.“ Wer die Schlaglöcher elegant umfährt, darf sich beinahe wie bei einer praktischen Führerscheinprüfung für Fortgeschrittene fühlen. Nur ohne Prüfer. Dafür mit deutlich mehr Kaltasphalt.
Der Ärger der Bürger ist verständlich. Wenn eine Straße zur „Erlebnistour“ wird, klingt das zunächst nach touristischem Konzept. Man stellt sich Reisebusse vor, vielleicht mit Durchsage: „Zu Ihrer Linken sehen Sie ein besonders tiefes Exemplar der Gattung Winterschaden, rechts folgt gleich ein historisch gewachsener Asphaltflicken.“ Doch leider handelt es sich nicht um ein bewusst gestaltetes Freizeitangebot, sondern um den Zustand einer viel befahrenen Landesstraße.
Geflickt wurde bereits, und zwar mit Kaltasphalt. Das klingt nach einer pragmatischen Lösung, hat aber offenbar ungefähr die Haltbarkeit eines guten Vorsatzes im Februar. Der Asphalt hält eine Weile, bröselt dann, neue Löcher entstehen, alte Unebenheiten bleiben, und am Ende sieht die Straße aus, als hätte jemand versucht, ein sehr großes Pflaster auf ein sehr schlecht gelauntes Mammut zu kleben.
Zuständig ist Straßen.NRW, denn die Walder Straße ist eine Landesstraße. Die Stadt Hilden wiederum steht mit im Gespräch, denn vorher soll noch eine Kanalsanierung kommen. Und da bei dieser Kanalsanierung ohnehin ein großer Teil der Fahrbahn geöffnet werden müsste, wäre eine komplette Straßensanierung davor ungefähr so sinnvoll wie Fensterputzen während eines Sandsturms.
Also heißt es: erst Kanal, dann Straße. Irgendwann. Geplant ist zwischendurch immerhin eine großflächigere Instandsetzung mit Heißasphalt. Das klingt schon deutlich entschlossener. Heißasphalt hat im Namen wenigstens mehr Drama und Hoffnung als Kaltasphalt. Vielleicht wird aus der Buckelpiste dann zumindest eine lauwarme Übergangslösung.
Langfristig soll die Walder Straße umfassend erneuert werden. Sogar Querschnitt und Radverkehrsführung sollen angepasst werden. Das ist grundsätzlich erfreulich, befindet sich aber noch im Anfangsstadium. Übersetzt für den Alltag bedeutet das: Wer heute über die Walder Straße fährt, sollte weiterhin wachsam bleiben, beide Hände ans Lenkrad legen und sein Fahrzeug innerlich um Verzeihung bitten.
Bis dahin bleibt die Walder Straße ein Ort, an dem man Hildener Geduld, technische Zuständigkeiten und Stoßdämpfer gleichzeitig testen kann. Vielleicht sollte man am Anfang der Straße ein Schild aufstellen: „Willkommen auf der Walder Straße. Bitte sichern Sie lose Gegenstände, beruhigen Sie Ihre Mitfahrenden und genießen Sie die Fahrt.“