Freitag, 2. Oktober 2026

2.10.2026: 37 Wohnungen gegen eine grüne Wiese – oder: Hilden muss sich entscheiden

Manche Hildener Geschichten brauchen ein paar Jahre, mehrere Ausschüsse, Proteste und vermutlich einen ziemlich dicken Aktenordner, bevor tatsächlich eine Entscheidung fällt. Die Bebauung an der Hofstraße 150 gehört eindeutig dazu. Jetzt hat der Stadtrat entschieden: Gebaut wird. Vier Mehrfamilienhäuser, drei Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser sollen entstehen, insgesamt 37 neue Wohneinheiten. CDU und SPD stimmten dafür, Grüne, FDP, BA/Piraten und AfD dagegen. Vor der Sitzung hatte der BUND mit einer Mahnwache für den Erhalt von Frischluftschneisen demonstriert.

Man kann es sich bei dieser Entscheidung leicht machen. Man kann sagen: Hilden braucht dringend Wohnungen, also muss gebaut werden. Oder: Hilden ist bereits dicht genug bebaut, also muss Grün erhalten bleiben. Das Problem ist nur, dass beide Argumente einen ziemlich realen Hintergrund haben.

Auf der einen Seite steht der Wohnungsdruck. Alle Wohnungen in den geplanten Mehrfamilienhäusern sollen öffentlich gefördert vermietet werden. Nach Angaben der CDU haben sich 210 Familien bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gemeldet, die dringend eine Wohnung suchen. Vorgesehen sind Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, außerdem sollen Werkswohnungen für Beschäftigte in der Gesundheitsversorgung entstehen. Wer deshalb für das Projekt stimmt, kann darauf verweisen, dass bezahlbarer Wohnraum nicht allein dadurch entsteht, dass man seinen Mangel beklagt. Irgendwo muss er gebaut werden.

Auf der anderen Seite steht eine Stadt, deren Fläche sich ebenfalls nicht vermehren lässt. Wer gegen die Bebauung stimmt, kann darauf verweisen, dass zusätzliche Wohnungen eben nicht auf einem weißen Blatt Papier entstehen. Fläche wird versiegelt, Grün geht verloren, und gerade in einer ohnehin dicht besiedelten Stadt bekommt jeder weitere Eingriff besonderes Gewicht. Auch das ist kein theoretisches Argument.

Besonders deutlich wird dieser Konflikt an der Streuobstwiese zwischen Hofstraße und Bahnstraße. Sie wurde erst 2023 angelegt, finanziert unter anderem durch rund 8.400 Euro an Spenden sowie etwa 1.600 Euro von der Stadt. Nun wird die Fläche über das sogenannte Ökokonto als Kompensation für den Verlust der Grünfläche an der Hofstraße angerechnet.

Das sorgt bei Nabu, BUND und Bürgerverein Hilden-Süd für erheblichen Ärger. Der Nabu weist darauf hin, dass die Menschen für die Streuobstwiese aus Liebe zur Natur gespendet hätten und nicht, um damit später indirekt die Erschließung einer anderen Fläche zu ermöglichen. Auch der Bürgerverein erklärt, für diesen Zweck wäre nicht gespendet worden. Planerisch mag ein Ökokonto ein etabliertes Instrument sein. Aus Sicht eines Spenders kann dieselbe Rechnung trotzdem ganz anders aussehen.

Genau deshalb taugt die Hofstraße schlecht für einfache Sieger-und-Verlierer-Erzählungen. 37 zusätzliche Wohnungen werden den Hildener Wohnungsmarkt nicht lösen. Für die Menschen, die dort einmal wohnen, sind sie trotzdem alles andere als unbedeutend. Umgekehrt entscheidet der Erhalt einer einzelnen Grünfläche nicht über das gesamte Hildener Stadtklima. Eine einmal bebaute Fläche bleibt aber bebaut.

Der Rat musste also zwei nachvollziehbare Interessen gegeneinander abwägen: zusätzlichen und teilweise öffentlich geförderten Wohnraum auf der einen, den Schutz knapper Freiflächen auf der anderen Seite. Die Mehrheit hat sich für das Bauprojekt entschieden. Die Minderheit hat andere Prioritäten gesetzt. Gerade weil beide Seiten auf reale Probleme verweisen können, dürfte die Diskussion mit dem Ratsbeschluss politisch entschieden, aber gesellschaftlich kaum beendet sein.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Hildener Geschichte hinter der Hofstraße. In einer dicht besiedelten Stadt wird die Frage künftig immer häufiger nicht lauten, ob wir Wohnungen oder Grün brauchen. Wir brauchen beides. Die schwierigere Frage lautet, was geschieht, wenn beides denselben Quadratmeter beansprucht.

Hilden fehlt an der Hofstraße nicht das gute Argument. Hilden fehlt der Platz, um allen guten Argumenten gleichzeitig gerecht zu werden.

Mittwoch, 30. September 2026

30.9.2026: Weniger Arbeitslose, weniger Jobs – oder: Hilden hat zwei Zahlen zum Freuen und Grübeln

Es gibt Statistiken, bei denen man nach der ersten Zahl zufrieden nickt und nach der zweiten gleich wieder etwas vorsichtiger wird. Der Hildener Arbeitsmarkt liefert im September genau so einen Fall. In unserer Stadt sind aktuell 1.919 Menschen arbeitslos – 103 weniger als noch im August und sogar 83 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist von 6,6 auf 6,2 Prozent gesunken. Das ist erst einmal eine gute Nachricht.

Ganz so eindeutig ist das Bild allerdings nicht. Denn während weniger Menschen arbeitslos sind, gibt es gleichzeitig auch weniger offene Stellen. Für Hilden und Haan zusammen sind derzeit 441 freie Arbeitsplätze gemeldet. Das sind 76 weniger als vor einem Jahr. Im September kamen 102 neue Stellenangebote hinzu, ebenfalls weniger als im Vorjahresmonat. Der Arbeitsmarkt bewegt sich also in eine Richtung, die auf den ersten Blick etwas widersprüchlich wirkt: weniger Arbeitslose, aber eben auch weniger Auswahl für diejenigen, die gerade einen neuen Job suchen.

Die Agentur für Arbeit bewertet den Rückgang trotzdem als ermutigendes Signal. Ein Teil davon ist saisonal üblich, besonders erfreulich sei aber die Entwicklung bei jungen Menschen. Viele finden nach ihrer Ausbildung offenbar schnell eine Anschlussbeschäftigung. Für Hilden selbst fällt die Septemberbilanz dabei sogar besser aus als für die Nachbarstadt. Während hier 103 Menschen weniger arbeitslos gemeldet sind als im August, stieg die Zahl in Haan leicht um fünf. Interessanterweise landen beide Städte trotzdem bei derselben Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.

Für Hilden bedeutet das: Die Lage hat sich verbessert, von einem Arbeitsmarkt im großen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. Gerade die geringere Zahl gemeldeter Stellen zeigt, dass die Unternehmen weiterhin vorsichtig sind. Wer derzeit Arbeit sucht, trifft zwar auf einen stabileren Arbeitsmarkt, aber nicht unbedingt auf ein wachsendes Angebot.

Und Zahlen erzählen ohnehin immer nur einen Teil der Geschichte. Hinter den 1.919 Arbeitslosen stehen Menschen, für die eine sinkende Quote ziemlich nebensächlich ist, solange der eigene Arbeitsvertrag fehlt. Umgekehrt sind 441 offene Stellen für Hilden und Haan nicht automatisch 441 passende Stellen. Ein freier Arbeitsplatz hilft schließlich wenig, wenn Qualifikation, Arbeitszeit oder Beruf nicht zusammenpassen.

Trotzdem darf man sich über die Septemberzahlen freuen. 103 Hildener weniger in Arbeitslosigkeit innerhalb eines Monats sind eine Entwicklung in die richtige Richtung. Und vielleicht ist das diesmal eine jener seltenen lokalen Statistiken, bei denen wir nicht sofort nach Baustelle, Haushaltsloch oder neuem Verkehrsschild suchen müssen.

Ganz ohne Hildener Aber geht es natürlich trotzdem nicht: Die Arbeitslosenquote sinkt, gleichzeitig schrumpft das Stellenangebot.

Oder anders gesagt: In Hilden haben gerade mehr Menschen Arbeit – nur die Auswahl für die Nächsten wird kleiner.


Dienstag, 29. September 2026

29.9.2026: Acht Monate A59 dicht – oder: Hilden bekommt seine Lieblingsampeln zurück

Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass die A59 Richtung Leverkusen wieder befahrbar ist, wird die andere Richtung zugemacht. Ab Freitag, 2. Oktober, ist zwischen Monheim und dem Autobahndreieck Düsseldorf-Süd Richtung Düsseldorf Schluss. Voraussichtlich acht Monate lang. Für uns Hildener bedeutet das vor allem: Ein Teil der Autofahrer wird sich neue Wege suchen – und manche dieser Wege führen erfahrungsgemäß ziemlich schnell durch unsere Stadt.

Die offizielle Umleitung läuft über A542, A3 und A46. Das klingt auf der Karte wunderbar geordnet. Autobahn gesperrt, drei andere Autobahnen übernehmen, Problem gelöst. Nur besitzen Autofahrer Navigationsgeräte, Ortskenntnis und gelegentlich einen ausgeprägten Ehrgeiz, fünf Minuten schneller zu sein als alle anderen. Deshalb dürfte es auch auf den Straßen rund um Hilden interessanter werden.

Die Stadt ist vorbereitet – und setzt diesmal auf erstaunliche Zurückhaltung. Bei der ersten A59-Sperrung standen an mehreren großen Hildener Kreuzungen zusätzliche Bedarfsampeln. Wer damals durch die Stadt fuhr, konnte zeitweise den Eindruck gewinnen, die provisorische Ampel sei zur neuen Hildener Stadtmöblierung erklärt worden. Diesmal soll es nur eine geben: am Salzmannweg an der Einmündung in die Richrather Straße.

Der Grund dafür ist eigentlich eine gute Nachricht. Die vielen zusätzlichen Ampeln waren beim ersten Bauabschnitt zwar vorhanden, mussten aber gar nicht besonders eingreifen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase lief der Verkehr nach Angaben der Stadt mit den normalen Schaltprogrammen ausreichend leistungsfähig. Deshalb lautet der Plan diesmal sinngemäß: Wir stellen nicht vorsorglich überall Ampeln hin, sondern schauen erst einmal, was passiert.

Für Hilden ist das fast schon ein verkehrspolitisches Experiment.

Einen angenehmen Nebeneffekt hat die reduzierte Ampelpopulation ebenfalls. Die Gehwege an den Kreuzungen bleiben frei von zusätzlichen Masten, Betonfundamenten und Gewichten. Die Stadt will die Verkehrslage beobachten und bei Bedarf die Autobahn GmbH um Nachsteuerung bitten. Besonders im Blick ist die Kreuzung Richrather Straße/Baustraße, wo die Ampelanlage gerade erneuert wird und die Stadt noch Verbesserungspotenzial sieht.

Natürlich bleibt die entscheidende Frage, wie viele Autofahrer tatsächlich durch Hilden ausweichen. Genau das lässt sich vorher kaum seriös vorhersagen. Schon während der ersten Sperrung waren manche befürchteten Auswirkungen geringer als erwartet. Erfahrungsgemäß dauert es einige Tage, bis sich alle ihre persönliche Lieblingsumleitung zusammengesucht haben. Danach verteilt sich der Verkehr – was für den Einzelnen übersetzt bedeutet: Der Geheimweg, den das Navi am Montag entdeckt hat, ist spätestens Mittwoch auch den anderen bekannt.

Warum das Ganze gleich acht Monate dauern muss, erklärt sich durch den Umfang der Arbeiten. Auf rund zwölf Kilometern wird die Fahrbahn grundlegend erneuert. Betonplatten müssen herausgebrochen und abtransportiert, der Untergrund neu aufgebaut, Brücken, Entwässerung und Straßenausstattung bearbeitet werden. Anschließend soll Asphalt statt Beton eingebaut werden. Der Verkehrsexperte Martin Mertens bezeichnet selbst die acht Monate angesichts dieser Arbeiten als „verdammt sportlich“.

Das dürfte bei manchen Pendlern für Verwunderung sorgen. Acht Monate Vollsperrung und „sportlich“ sind schließlich zwei Begriffe, die man morgens im Berufsverkehr nicht automatisch miteinander verbindet.

Hinzu kommt, dass die A59 nicht die einzige Baustelle der Region ist. Parallel gibt es Einschränkungen an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln sowie Arbeiten an der Knipprather Brücke in Langenfeld. Wer in den kommenden Monaten zwischen Hilden, Langenfeld, Düsseldorf und Köln unterwegs ist, könnte deshalb eine Fähigkeit besonders gut trainieren: spontane Routenplanung.

Für Hilden bleibt immerhin eine kleine Erkenntnis aus der ersten Sperrung: Damals kam es offenbar weniger schlimm als befürchtet. Vielleicht funktioniert es auch diesmal. Und sollte es doch irgendwo klemmen, steht zumindest eine alte Bekannte bereit.

Die Hildener Bedarfsampel ist zurück. Diesmal allerdings als Einzelstück.

Sonntag, 27. September 2026

27.9.2026: CO₂ unter Hilden – oder: Jetzt bekommt sogar die A3 eine Unterführung

An der A3 sind wir Hildener einiges gewohnt. Stau, Baustellen, Lärm – und demnächst vielleicht noch eine CO₂-Pipeline. Die geplante Leitung des „Delta Rhine Corridor“ soll nach den bisherigen Planungen in Hilden entlang der Autobahn verlaufen. Und wenn in Hilden die Wörter „Großprojekt“ und „Trassenführung“ gemeinsam auftauchen, lohnt es sich erfahrungsgemäß, genauer hinzuschauen.

Genau das können die Hildener jetzt tun. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist gestartet, die Planungsunterlagen sind einsehbar und bis zum 26. Oktober können Stellungnahmen abgegeben werden. Geplant wird die rund 200 Kilometer lange Rohrfernleitung von Open Grid Europe. Sie soll CO₂, das bei bestimmten industriellen Produktionsprozessen abgeschieden wird, in die Niederlande und von dort weiter zu Speicherstätten in der Nordsee transportieren.

Auf der Karte wirkt die Sache zunächst vergleichsweise ordentlich. In Hilden soll die Leitung parallel zur Autobahn verlaufen. Nur ist dort bereits ein weiteres Großprojekt geplant: der Ausbau der A3. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie beide Vorhaben zusammenpassen und was sie gemeinsam für das Stadtgebiet bedeuten.

Die Stadt sieht die Planung kritisch. Bürgermeister Claus Pommer fragt unter anderem, weshalb eine linksrheinische Alternative offenbar nicht ernsthaft weiterverfolgt werde und warum die Leitung durch einen dicht besiedelten Raum wie Hilden führen solle. Außerdem sei bislang nicht nachvollziehbar dargelegt worden, wie Pipeline und Autobahnausbau miteinander vereinbar sind.

Das sind Fragen, die sich auch ohne grundsätzliche Position zur CO₂-Speicherung stellen lassen. Denn über Sinn und Notwendigkeit einer solchen Infrastruktur kann man ausführlich diskutieren – die konkrete Trasse ist eine andere Frage. Und für uns Hildener ist am Ende ziemlich entscheidend, wo gebuddelt wird, wie lange gebuddelt wird und was danach noch alles gebuddelt werden muss.

Immerhin befinden wir uns noch nicht an dem Punkt, an dem jemand mit dem Bagger vor der Tür steht. Die konkrete Trassenführung soll erst in einem späteren Zulassungsverfahren festgelegt werden. Wer Hinweise, Anregungen oder Bedenken hat, kann sie jetzt offiziell einbringen – also besser, bevor irgendwann Markierungspfähle auftauchen und in der Hildener Facebook-Gruppe die erste Frage gestellt wird: „Weiß jemand, was die da schon wieder machen?“

So bekommt Hilden möglicherweise ein weiteres Infrastrukturprojekt, das auf einer Karte zunächst nur wie eine Linie aussieht. Vor Ort wird aus solchen Linien erfahrungsgemäß schnell etwas deutlich Konkreteres.

Über eine Trasse diskutiert es sich am besten, bevor sie vor der eigenen Haustür liegt.

Samstag, 26. September 2026

26.9.2026: Die Hoppedine kommt nach Hause – oder: Hilden darf wieder draußen jeck sein

Ich finde, der Hildener Karneval gehört am 11.11. auf den Alten Markt. Nicht weil dort zwingend die besten Bedingungen herrschen, sondern weil Karneval gesehen werden muss. Zwei Jahre lang erwachte die Hoppedine in der Stadthalle, jetzt holt das Carnevals Comitee Hilden sie zurück ins Herz der Innenstadt. Am 11. November um 16.30 Uhr geht es los – und wer eigentlich nur durch die Mittelstraße wollte, könnte plötzlich mitten in der neuen Session stehen.

Genau das ist gewollt. Das CCH möchte ausdrücklich nicht nur die überzeugten Karnevalisten erreichen, sondern auch diejenigen, die zufällig vorbeikommen, stehen bleiben und vielleicht doch ein bisschen mitfeiern. Das gefällt mir. Karneval funktioniert schließlich besser, wenn er sich nicht hinter Türen versteckt. Auf dem Alten Markt kann man schlecht behaupten, man habe von der Sessionseröffnung nichts mitbekommen.

Dabei stand vor wenigen Monaten noch gar nicht fest, ob in Hilden überhaupt alles wie gewohnt weitergeht. Der bisherige CCH-Vorstand trat nicht mehr zur Wiederwahl an, erst nach mehreren Anläufen fand sich eine neue Mannschaft. Seit Ende Juni führen Präsidentin Miriam Ksionzek, Geschäftsführerin Sonja Lange-Sangiorgi und ihre Mitstreiter das CCH. Viel Zeit zum gemütlichen Einarbeiten blieb ihnen nicht. Während andere neue Vorstände vermutlich erst einmal Passwörter ändern und Ordner sortieren, mussten sie praktisch sofort den Hildener Karneval retten.

Am 11.11. stehen nun wieder die Hoppedine, die CCH-Flöhe, die Musketiere und die Tanzgarde der Großen Hildener KG auf dem Programm, dazu legt DJ Frank auf. Clever ist auch die Uhrzeit. Früher nahm man sich für den 11.11. offenbar noch frei, heute kollidiert der Karneval mit etwas ausgesprochen Unnärrischem: dem normalen Arbeitstag. Deshalb beginnt das Programm erst am späten Nachmittag. Auch die Kinder sollen nicht früher aus der Schule geholt werden. Selbst der Hildener Karneval muss inzwischen Work-Life-Balance können.

Besonders gespannt darf man wieder auf Stephanie „Fanni“ Pook sein. Die Hildener Hoppeditz-Figur ist bekanntlich weiblich, also Hoppedine, und Fanni übernimmt die Rolle erneut. Sie gilt als jemand, der in seiner Rede lokale Themen gerne dort anfasst, wo es ein bisschen wehtut. Stoff dürfte vorhanden sein. Tempo 30 allein könnte vermutlich für eine komplette Büttenrede reichen. Und wenn das nicht genügt, gibt es in Hilden bekanntlich jederzeit Nachschub aus Rathaus, Verkehr und Kommentarspalten.

Drei Tage später geht es bereits in der Stadthalle weiter. Am 14. November werden Prinz Hildanus Eugen I. und Prinzessin Hildania Julia I. sowie das Kinderprinzenpaar Finja und Till vorgestellt. Besonders ist die Session auch deshalb, weil Finja und Till das 55. Hildener Kinderprinzenpaar bilden und die Große Hildener KG ihren 7x11. Geburtstag feiert. Wer mit karnevalistischer Mathematik nicht vertraut ist: 7x11 ist selbstverständlich bedeutender als 77. In diesen Dingen sollte man dem Rheinland einfach vertrauen.

Hinter der ganzen Fröhlichkeit steckt allerdings viel Arbeit – und zunehmend viel Geld. Das CCH kämpft mit steigenden Kosten für Sicherheitsauflagen und Wurfmaterial, während Zuschüsse keineswegs selbstverständlich sind. Ob und in welchem Umfang die Stadt den Karneval 2027 unterstützen kann, ist angesichts der angespannten Haushaltslage noch offen. Das Sessionsheft mit seinen Sponsoreneinnahmen wird deshalb wichtiger, um unter anderem den Rosenmontagszug zu finanzieren. Und wer sich anschließend in sozialen Medien darüber beschwert, dass beim Zug zu wenig oder nicht die richtigen Kamelle geworfen wurden, sollte vielleicht daran denken: Das Zeug fällt tatsächlich nicht vom Himmel. Bezahlt wird vieles von den Menschen auf den Wagen selbst.

Vielleicht ist genau das der Teil des Karnevals, den man als Zuschauer leicht übersieht. Wir sehen Musik, Kostüme, Tanzgruppen, Prinzenpaar und Rosenmontagszug. Dahinter stehen Menschen, die ehrenamtlich organisieren, Sponsoren suchen, Sicherheitsauflagen erfüllen, Wurfmaterial kaufen und dafür sorgen, dass am Ende überhaupt etwas stattfinden kann. Der neue CCH-Vorstand ist dafür in diesem Jahr ziemlich kurzfristig ins kalte Wasser gesprungen.

Umso schöner, dass die neue Session dort beginnt, wo Hildener Stadtleben hingehört: mitten in der Innenstadt. Man muss nicht einmal überzeugter Jeck sein. Einfach am 11.11. gegen halb fünf über den Alten Markt gehen und schauen, was passiert.
 

Und wenn Fanni dann noch Tempo 30 aufs Korn nimmt, hat Hilden endgültig alles zusammen, was es für einen gelungenen Nachmittag braucht: Karneval, Innenstadt und eine Verkehrsdiskussion. Helau.

Freitag, 25. September 2026

25.9.2026: Drei Monate Pause – oder: Hilden spart jetzt mit unbesetzten Schreibtischen

Bei der Stadt Hilden arbeiten viele Menschen. Sehr viele sogar. Zum 30. Juni waren es 1.182, wobei 74 ehrenamtliche Kräfte mitgezählt werden. Ohne sie bleiben 1.108 Beschäftigte. Gleichzeitig ist ungefähr jede zwanzigste vorgesehene Stelle unbesetzt. Normalerweise würde man an dieser Stelle über Fachkräftemangel sprechen. In Hilden bekommt die freie Stelle derzeit allerdings noch eine zweite Funktion: Sie hilft beim Sparen.

Denn seit Mitte März gilt grundsätzlich eine dreimonatige Wiederbesetzungssperre. Wird eine Stelle frei, kommt nicht sofort jemand Neues. Erst einmal wartet Hilden. Ausgenommen sind verständlicherweise Bereiche, in denen längeres Warten keine besonders gute Idee wäre: Feuerwehr und Rettungsdienst, Kinderbetreuung und Kinderschutz. Beim Rest lautet die neue Personalstrategie vereinfacht: Bevor wir jemanden einstellen, schauen wir drei Monate lang, ob es vielleicht auch so geht.

Finanziell funktioniert das zunächst tatsächlich. Die Stadt hatte bei den Personalkosten eine Überschreitung des Haushaltsansatzes von rund 671.000 Euro erwartet. Durch die verzögerte Wiederbesetzung konnte diese Prognose auf etwa 290.000 Euro gedrückt werden. Rechnerisch sind das rund 381.000 Euro weniger. Angesichts der Hildener Haushaltslage ist das kein Kleingeld. Die Personalausgaben werden inzwischen sogar monatlich statt nur quartalsweise kontrolliert. Wenn Hilden irgendwo konsequent beschleunigt, dann derzeit offenbar beim Blick auf die Kosten.

Allerdings hat diese Rechnung eine zweite Seite. Eine unbesetzte Stelle kostet zwar kein Gehalt, erledigt aber auch keine Arbeit. Die verschwindet schließlich nicht automatisch zusammen mit dem Namen auf dem Türschild. Entweder sie bleibt liegen, wird später erledigt oder landet bei den Kolleginnen und Kollegen. Drei Monate Wiederbesetzungssperre sind deshalb nicht einfach drei Monate Einsparung, sondern möglicherweise auch drei Monate zusätzliche Belastung an anderer Stelle. Spätestens wenn Bürger länger auf eine Antwort, einen Termin oder eine Bearbeitung warten, bekommt die Personalpolitik ein Gesicht.

Interessant ist auch die Struktur der Stadtverwaltung. Der Stellenplan umfasst rechnerisch 902 Vollzeitstellen, tatsächlich arbeiten deutlich mehr Menschen für die Stadt, weil viele Stellen geteilt werden. 44 Prozent der Beschäftigten auf Planstellen arbeiten in Teilzeit. Das liegt nicht nur an persönlichen Arbeitszeitmodellen, sondern auch daran, dass etwa im Offenen Ganztag, in Küchen oder an der Musikschule Tätigkeiten von vornherein als Teilzeitstellen vorgesehen sind. Hinzu kommen 59 Ausbildungs-, Praktikums- und Freiwilligendienstverhältnisse. Nachwuchs gibt es also weiterhin, wenn auch weniger als im Vorjahr.

Und während Hilden versucht, mit dreimonatigen Stellenpausen einige Hunderttausend Euro einzusparen, wartet im Hintergrund möglicherweise eine ganz andere Hausnummer. Sollte Nordrhein-Westfalen die Beamtenbesoldung infolge der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts anpassen, rechnet die Stadt mit zusätzlichen Belastungen von bis zu zwei Millionen Euro jährlich. Das wäre kommunale Finanzmathematik in ihrer schönsten Form: Vorne spart man 381.000 Euro durch später besetzte Stellen, während hinten möglicherweise zwei Millionen Euro zusätzliche Kosten durch die Tür kommen.

Genau darin liegt das eigentliche Problem. Personalkosten lassen sich kurzfristig bremsen, eine Verwaltung lässt sich aber nicht beliebig verkleinern, ohne dass es irgendwann im Alltag bemerkbar wird. Hilden braucht schließlich weiterhin Erzieher, Feuerwehrleute, Verwaltungsmitarbeiter, Sozialarbeiter, Ingenieure und all die anderen Menschen, die dafür sorgen, dass eine Stadt funktioniert. Sparen durch Nichtbesetzen kann deshalb ein Instrument sein. Ein dauerhaftes Personalkonzept ist es nicht.

Für uns Hildener wird am Ende ohnehin eine andere Frage entscheidend sein: Merken wir etwas davon? Solange Anträge bearbeitet, Kitas betrieben, Straßen geplant und Dienstleistungen erbracht werden, bleibt die Wiederbesetzungssperre vor allem eine Zahl im Personalbericht. Wenn die Wartezeiten steigen, wird aus dieser Zahl ziemlich schnell eine Alltagserfahrung.

Und damit hat Hilden eine bemerkenswert einfache Sparmethode entdeckt: Die günstigste Stelle im Rathaus ist momentan die, auf der drei Monate lang niemand sitzt.

Donnerstag, 24. September 2026

24.9.2026: Hilden hat sich bewegt – oder: 1.600-mal runter vom Sofa

Ich gebe zu: Wenn ich im Sommer durch Hilden fahre und irgendwo im Park Menschen auf Matten liegen, denke ich nicht automatisch an Sport. Manchmal sieht es eher nach sehr organisiertem Entspannen aus. Aber Yoga zählt natürlich, genauso wie Qi Gong, Boule, Rückenschule, Bodyweight-Training und After-Work-Fitness. Zwölf Wochen lang hat sich Hilden bei „Sport im Park“ bewegt – und offenbar ziemlich gerne.

Mehr als 1.600 Teilnahmen wurden bei insgesamt 71 kostenlosen Angeboten gezählt. Im vergangenen Jahr waren es 1.526. Das klingt zunächst nach einer dieser Zahlen, die Verwaltungen gerne in Pressemitteilungen schreiben. Aber dahinter steckt eine einfache und ziemlich erfreuliche Erkenntnis: Wenn Sport unkompliziert, kostenlos und direkt vor der Haustür angeboten wird, machen die Leute mit.

Rund 1.300 Teilnahmen entfielen auf die regelmäßigen Kurse, weitere 300 auf Aktionen für Kinder und Jugendliche wie Fahrradparcours und DFB-Fußball-Abzeichen. Besonders gefällt mir die Bandbreite. Der eine versucht beim Yoga herauszufinden, ob die eigenen Knie tatsächlich noch für diese Position vorgesehen sind, der nächste spielt Boule und wieder andere trainieren für das Deutsche Sportabzeichen. Hilden bewegt sich – jeder nach seinen Möglichkeiten.

Das Schöne an „Sport im Park“ ist für mich gerade das Unkomplizierte. Kein langfristiger Vertrag, keine Aufnahmegebühr, kein neues Sportoutfit, das nach drei Wochen im Schrank verschwindet. Man geht hin und macht mit. Und wer feststellt, dass Bodyweight-Training doch anstrengender ist, als der harmlose Name vermuten lässt, kann beim nächsten Mal vielleicht Boule ausprobieren.

Dass das funktioniert, liegt natürlich auch an den Vereinen und Anbietern, die das Programm tragen. Sportmühle Hilden, Hilden Sport, Boule-Club Fanny Hilden, Fuel for Move, Stadtsportverband, Core-Fit, Sportvereinigung 05/06 und SV Hilden-Ost waren unter anderem beteiligt. Stadtwerke Hilden und Bergische Krankenkasse unterstützten die Reihe. Ohne solche Partner bleiben aus 71 Angeboten schnell deutlich weniger.

2027 soll „Sport im Park“ deshalb weitergehen. Bis dahin muss Hilden übrigens nicht vollständig zurück aufs Sofa. Von November bis Februar gibt es unter anderem den Open Sunday und „Laufen unter Flutlicht“. Gerade Letzteres klingt nach einem Angebot für Menschen, die im Winter morgens im Dunkeln zur Arbeit fahren und abends im Dunkeln zurückkommen – und zwischendurch offenbar trotzdem noch freiwillig laufen wollen. Respekt.

Mir gefällt an der ganzen Sache vor allem, dass hier einmal niemand lange erklären muss, warum etwas schwierig ist. Keine Baustelle, keine Parkplatzdiskussion, kein neues Verkehrsschild und keine jahrelange Planung. Matte hinlegen, Sportschuhe anziehen und anfangen.

Vielleicht ist das die einfachste Hildener Erfolgsformel überhaupt: kostenlos, draußen und möglichst ohne Ausschusssitzung vorher.

Mittwoch, 23. September 2026

23.9.2026: Paradies war gestern – oder: Hilden grillt jetzt selbst

Wer regelmäßig über den Fritz-Gressard-Platz läuft, kennt das: In der Hildener Gastronomie muss man gelegentlich genau hinschauen, ob hinter einer neuen Fassade wirklich etwas Neues steckt. Beim früheren „China Paradies“ ist die Antwort diesmal: ja und nein. Die Familie Jin ist geblieben, das Restaurant heißt seit dem 12. September „Ikigaii – Koreanisches BBQ Restaurant“ – und am Tisch wird jetzt selbst gegrillt.

Das hat durchaus seinen Reiz. Chinesische Buffets gibt es rund um Hilden schließlich einige. Also versucht die Familie Jin etwas anderes: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte kommen vom Buffet, anschließend übernimmt der Gast am Tischgrill. Damit erreicht auch Hilden einen interessanten Punkt gastronomischer Entwicklung: Wir gehen ins Restaurant, bezahlen fürs Essen – und dürfen es anschließend selbst zubereiten. Früher hätte man das Arbeit genannt, heute heißt es Erlebnisgastronomie.

Ganz verschwunden ist das alte China Paradies allerdings nicht. Chinesische Gerichte bleiben auf der Karte und beim Mittagsbuffet, das montags bis samstags von 11.30 bis 14.30 Uhr für 12,90 Euro angeboten wird. Abends wird es koreanischer: Das BBQ-Buffet kostet 35,90 Euro und enthält Bier, Softdrinks, Säfte und Tee. Wein und Cocktails muss man extra bestellen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Konzept in Hilden funktioniert. Denn wir Hildener beschäftigen uns bekanntlich gerne selbst mit den Dingen. Wir begutachten neue Straßenmarkierungen, zählen Parkplätze, prüfen Baustellenfortschritte und wissen meistens ziemlich genau, wo gerade wieder ein Schild aufgestellt wurde. Da sollte es uns nicht überfordern, zusätzlich die Verantwortung für ein Stück Fleisch auf einem Tischgrill zu übernehmen.

Der große Vorteil: Beim koreanischen BBQ sind die Zuständigkeiten wenigstens eindeutig. Ist das Fleisch zu roh, muss es länger auf den Grill. Ist es schwarz, lag es zu lange drauf. Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung, welcher Fachbereich zuständig ist, dürfte sich damit erübrigen.

Interessant ist auch, wie international ein einzelnes Restaurant am Fritz-Gressard-Platz inzwischen daherkommt. Das frühere China Paradies bietet weiterhin chinesisches Mittagessen, setzt abends auf koreanisches Barbecue und trägt mit „Ikigaii“ einen Namen, der an den japanischen Begriff „Ikigai“ erinnert. Man muss Hilden für eine kleine kulinarische Asienreise also nicht einmal verlassen. Es reicht, in die Innenstadt zu fahren und einen Parkplatz zu finden – womit wir dann doch wieder bei einer typisch Hildener Herausforderung wären.

Mir gefällt vor allem, dass hier nicht einfach nur das Schild ausgetauscht wurde. Die Betreiber probieren etwas Neues aus, ohne alles Alte über Bord zu werfen. Gerade in einer Innenstadt, in der über Leerstände und Gastronomie regelmäßig gesprochen wird, ist das erst einmal eine erfreuliche Bewegung: Ein bestehendes Restaurant entwickelt sich weiter und versucht, den Gästen einen Grund zu geben, wiederzukommen.

Und vielleicht ist das koreanische BBQ sogar genau das richtige Restaurantkonzept für Hilden. Jeder bekommt seinen eigenen Grill, jeder darf selbst entscheiden – und anschließend kann am Tisch ausführlich darüber diskutiert werden, ob die anderen es richtig gemacht haben.

Dienstag, 22. September 2026

22.9.2026: Ferien ohne Langeweile – oder: Hilden beschäftigt den Nachwuchs

Wenn ich an Herbstferien denke, denke ich zuerst an zwei Wochen ohne Schule. Für Eltern beginnt an dieser Stelle allerdings häufig der anspruchsvollere Teil: Was machen wir eigentlich mit dem Nachwuchs? Hilden hat darauf in diesem Jahr eine ziemlich ausführliche Antwort. Malen, Programmieren, Kochen, Kürbisse schnitzen, Mario Kart, Koreanisch, Movie Park und Halloween – wer sich in diesen Ferien langweilt, muss sich schon ein bisschen Mühe geben.

Kreativ wird es bei der Kinder- und Jugendkunstschule KuKuK. Unter dem schönen Motto „Keine Angst vorm weißen Blatt“ können Kinder ab sieben Jahren vom 19. bis 23. Oktober im Wilhelm-Fabry-Museum malen und gestalten. In der zweiten Ferienwoche folgen ein Krimidinner und „Drachen und Fabeltiere“. Die fünftägigen Kurse kosten jeweils 85 Euro. Damit dürfte zumindest die klassische Ferienfrage „Was soll ich denn machen?“ für einige Stunden am Tag beantwortet sein.

Wer mit Pinsel und Farbe weniger anfangen kann, findet in der Stadtbibliothek das digitale Gegenprogramm. Dort können Neun- bis Zwölfjährige mit OctoStudio eigene Geschichten, Spiele oder kleine Apps entwickeln, etwas Ältere programmieren mit Scratch. Vorkenntnisse braucht es nicht, beide Angebote sind kostenlos. Dazu kommen Mario-Kart, Nintendo Switch und sogar Koreanisch für Grundschüler. Die Stadtbibliothek meiner Kindheit bestand vor allem aus Büchern und der freundlichen Aufforderung, leise zu sein. Heute wird programmiert, gezockt und Koreanisch gelernt. Irgendetwas haben wir damals offenbar verpasst.

Noch unkomplizierter geht es in den Jugendtreffs zu. Die Campus OT bietet für Acht- bis 13-Jährige unter anderem Kürbisschnitzen, Kochen, Kreativangebote und einen Überraschungsausflug. In der zweiten Woche folgen am Weidenweg Herbstbasteln, Filmabend und Halloweenparty. Die Angebote sind kostenlos und können ohne Anmeldung besucht werden. Im Area 51 gibt es für Jugendliche und junge Erwachsene ebenfalls Kochen, Kürbisschnitzen, Film und Halloween – plus einen Ausflug in den Movie Park mit Anmeldung und 20 Euro Eigenanteil. Wer sich lieber bewegt, kann außerdem bei den „Bewegungseinsätzen“ am Weidenweg und am Area 51 vorbeischauen.

Und dann wäre da noch der talentCAMPus der VHS Hilden-Haan. Unter dem bemerkenswerten Titel „Märchenhafte Bilder mit Natur & blauem Wunder“ können Zehn- bis 14-Jährige fünf Tage lang kreativ arbeiten – kostenlos und jeweils von 10 bis 17 Uhr. Das ist nicht nur ein ordentliches Ferienprogramm, sondern dürfte bei manchen Eltern spontan ebenfalls für märchenhafte Gefühle sorgen.

Natürlich muss man bei einigen Angeboten rechtzeitig planen. Kurse haben Altersgrenzen, manche kosten Geld und teilweise ist eine Anmeldung erforderlich. Die Stadt hat deshalb Termine, Preise und Anmeldemöglichkeiten auf ihrer Ferienseite gebündelt. Ein kurzer Blick vorab dürfte sinnvoller sein, als am ersten Ferientag mit erwartungsvollem Kind vor einer bereits ausgebuchten Tür zu stehen.

Was mir an dem Programm gefällt, ist die Mischung. Nicht jedes Kind möchte basteln, nicht jeder Jugendliche programmieren und nicht jeder verbringt seine Ferien freiwillig mit Bewegung. Deshalb gibt es Kunst genauso wie Gaming, Kochen genauso wie Ausflüge und feste Workshops genauso wie offene Treffs. Ferienprogramm muss schließlich nicht bedeuten, Kinder zwei Wochen lang von einem pädagogisch wertvollen Termin zum nächsten zu chauffieren.

Und falls trotz all dieser Möglichkeiten irgendwann doch der berühmte Satz fällt: „Mir ist langweilig“, können Hildener Eltern diesmal ziemlich entspannt reagieren.

Denn an fehlenden Angeboten liegt es in diesen Herbstferien nun wirklich nicht.

Montag, 21. September 2026

21.9.2026: Jetzt wird der Kürbis bunt – oder: Hilden malt den Herbst an

Ich mag den Hildener Wochenmarkt. Ein bisschen schauen, ein bisschen kaufen, irgendwo jemanden treffen – und meistens nimmt man mehr mit nach Hause, als ursprünglich geplant. Am 10. Oktober könnte noch etwas dazukommen: ein bunt bemalter Kürbis. Denn von 10 bis 13 Uhr dürfen Kinder und Jugendliche auf dem Wochenmarkt zu Pinseln und Acrylfarben greifen.

Und nein, diesmal geht es ausnahmsweise nicht darum, den Kürbis möglichst gruselig auszuhöhlen. Halloween ist schließlich noch ein paar Wochen entfernt. Statt Messer und Teelicht gibt es Farbe und Fantasie. Unter Anleitung von Dorothee Wengenroth, Kunstpädagogin am Wilhelm-Fabry-Museum und an der Kinder- und Jugendkunstschule KuKuK, sollen aus gewöhnlichen Kürbissen kleine Kunstwerke werden.

Eigentlich eine ziemlich schöne Idee. Während die Erwachsenen zwischen Kartoffeln, Käse, Blumen und der Frage unterwegs sind, ob man wirklich noch etwas braucht, können die Kinder den Herbst etwas bunter machen. Und vermutlich werden am Ende einige Eltern mit einem Kürbis nach Hause gehen, der selbstverständlich einen Ehrenplatz bekommen muss. Wegwerfen nach der Saison? Schwierig. Das Kind hat ihn schließlich selbst bemalt. So beginnt möglicherweise die Weihnachtsdekoration 2026 mit einem orangefarbenen Kunstwerk vom Hildener Wochenmarkt.

Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings sind die Plätze begrenzt und eine vorherige Anmeldung über die Stadt erforderlich. Das sollte man nicht überlesen. Einfach mit Kind, Pinsel und der Erwartung auf einen freien Kürbisplatz aufzutauchen, könnte sonst enttäuschend enden.

Nebenbei läuft natürlich auch der normale Wochenmarkt weiter. Von 7 bis 13.30 Uhr bieten die Händler ihre Waren an, passend zur Jahreszeit mit zusätzlichen Herbstangeboten. Man kann den Nachwuchs also kreativ beschäftigen und anschließend noch die Einkäufe erledigen – wobei ich nicht ausschließen würde, dass der bemalte Kürbis am Ende wichtiger ist als alles, was ursprünglich auf dem Einkaufszettel stand.

Ich mag solche Aktionen gerade deshalb, weil sie nicht größer gemacht werden, als sie sind. Kein Festival, keine Großveranstaltung, kein kompliziertes Programm. Ein Samstagvormittag auf dem Wochenmarkt, ein paar Kürbisse, Farbe und Kinder, die daraus machen dürfen, was ihnen einfällt. Manchmal braucht eine Innenstadt genau solche kleinen Ideen.

Und vielleicht entdecken wir dabei sogar eine völlig neue Hildener Kunstform. Schließlich diskutieren wir sonst ausdauernd über Schilder, Fassaden, Straßenmarkierungen und die richtige Gestaltung des öffentlichen Raums. Diesmal dürfen einfach die Kinder gestalten.

Und sollte ein Kürbis am Ende besonders wild aussehen, gilt immerhin: Dafür braucht es weder eine Baugenehmigung noch einen Ausschussbeschluss.

Sonntag, 20. September 2026

20.9.2026: 2,57 Euro – oder: Wenn Tanken in Hilden zum Strategiespiel wird

Ich gehöre inzwischen zu den Menschen, die vor dem Tanken erst aufs Handy schauen. Nicht wegen einer Nachricht, sondern wegen der Spritpreise. An der Jet-Tankstelle an der Düsseldorfer Straße sprang Diesel am Donnerstag um 12 Uhr innerhalb weniger Minuten von 2,34 auf 2,57 Euro, Benzin von 2,31 auf 2,49 Euro. Wer um 11.58 Uhr tankte, durfte sich kurz wie ein erfolgreicher Börsenhändler fühlen. Wer um 12.02 Uhr kam, hatte den Einstieg verpasst.

Dass die Preise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöht werden dürfen, hat sich herumgesprochen. Danach sei die Tankstelle „wie leergefegt“, berichtet eine Mitarbeiterin. Früher richtete sich der Tagesablauf nach Arbeitszeit, Mittagspause und Feierabend. Heute gibt es einen weiteren Termin: 11.55 Uhr – schnell noch tanken.

Dass sich der Ärger über die Preise teilweise gegen die Tankstellenmitarbeiter richtet, ist allerdings daneben. Sie legen die Preise nicht fest. Der Verantwortliche für 2,57 Euro Diesel steht jedenfalls nicht hinter der Kasse und verkauft Kaffee und Schokoriegel.

Für viele Hildener ist Tanken inzwischen zum Strategiespiel geworden. Besonders für diejenigen, die beruflich auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind. Der Fliesenleger und Kreishandwerksmeister Thomas Grünendahl hat fünf davon im Einsatz. Seine Mitarbeiter vergleichen die Preise per App, und wenn es günstig wird, werden die Lieferwagen vollgemacht. Grünendahl fährt sogar sonntagabends mit allen Autos zur Tankstelle.

Früher traf man sich sonntagabends vielleicht auf ein Bier. Heute trifft sich der Hildener Fuhrpark an der Zapfsäule.

Dahinter steckt handfeste Kalkulation. Grünendahl hat seine Kilometerpauschale bereits auf 60 Cent erhöht, kann aber ebenso wie ein Hildener Abschleppunternehmer nicht sämtliche Mehrkosten weitergeben. Bei einem befragten Taxifahrer verschlingt der Kraftstoff inzwischen rund 15 statt normalerweise zehn Prozent des Umsatzes. Da wird aus jedem Cent an der Preistafel schnell eine betriebswirtschaftliche Größe.

Natürlich wird auch über politische Antworten diskutiert: Tankrabatt, Neun-Euro-Ticket, Übergewinnsteuer. Darüber lässt sich streiten. Die Wirkung der hohen Preise ist einfacher zu erkennen – an der Zapfsäule und anschließend auf dem Konto.

Einfach vollmachen, wenn die Nadel Richtung Reserve geht, war gestern. Heute braucht man App, Uhrzeit und ein bisschen Nervenstärke.

In Hilden tankt man nicht mehr einfach. Man beobachtet den Kurs – und hofft, rechtzeitig gekauft zu haben.

Samstag, 19. September 2026

19.9.2026: Kunst bekommt ein Update – oder: Hilden kann auch abstrakt

Ich fahre regelmäßig durch die Hofstraße. Im Haus Hildener Künstler war ich trotzdem viel zu selten. Vielleicht sollte ich das ändern, denn ab dem 19. September gibt es dort ein „Update“ – und ausnahmsweise muss dafür weder eine App heruntergeladen noch ein Passwort zurückgesetzt werden.

Karin Machan und Hildegard Skirde zeigen nach drei Jahren wieder gemeinsam ihre neuesten Arbeiten. Der Titel: „Update 26“. Vom 19. bis 27. September treffen dabei zwei ziemlich unterschiedliche künstlerische Handschriften aufeinander. Hildegard Skirde arbeitet vor allem abstrakt: kräftige Pinselstriche, sensible Strukturen und bewusst komponierte Farbflächen. Karin Machan findet ihre Motive dagegen häufig in scheinbar alltäglichen Dingen, wobei Natur und Landschaft eine besondere Rolle spielen. Gerade dieser Gegensatz macht die Ausstellung interessant: Die eine löst Wirklichkeit auf, die andere entdeckt im Vertrauten etwas Neues.

Und vielleicht passt genau das ziemlich gut zu Hilden. Wir diskutieren hier gerne über Tempo 30, Parkplätze, Baustellen und zu breite Leuchtreklamen. Da kann es durchaus guttun, zwischendurch einmal über Farben, Formen und Landschaften nachzudenken. Wobei ich mir sicher bin: Würde ein abstraktes Gemälde lange genug in der Mittelstraße hängen, hätten wir irgendwann auch dazu eine Ausschusssitzung.

Zur Vernissage am Samstag, 19. September, um 16 Uhr gibt es nicht nur Bilder. Singer-Songwriter Leander Machan stellt drei neue Lieder vor, eröffnet wird die Ausstellung von der Künstlerkollegin Kirsten Graf. Geöffnet ist anschließend donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zum Abschluss am 27. September um 12 Uhr gibt es noch eine Konzertlesung mit Tanja Kreiskott, Karola Pasquay und Klaus Harm als Hommage an Rainer Maria Rilke.

Ich mag solche kleinen Kulturorte in Hilden. Nicht jedes Ereignis braucht eine große Bühne auf dem Alten Markt oder ein komplettes Wochenende in der Innenstadt. Manchmal reichen ein Haus in der Hofstraße, zwei Künstlerinnen, ein paar neue Bilder und die Gelegenheit, sich auf etwas einzulassen, das nicht sofort erklärt werden muss.

Und „Update 26“ ist vielleicht auch ein ganz guter Hinweis für uns selbst: Ab und zu lohnt es sich, die gewohnte Hildener Perspektive zu aktualisieren.

Keine neue Verkehrsführung, kein zusätzliches Schild und kein Streit um Parkplätze – nur Kunst. Das ist für Hilden doch auch mal ein schönes Update.

Freitag, 18. September 2026

18.9.2026: Erst beschließen, dann bremsen – oder: Wer darf in Hilden eigentlich Verkehrswende machen?

Kaum ein Thema bringt Hilden derzeit so zuverlässig in Fahrt wie Tempo 30. Jetzt geht es allerdings nicht mehr nur darum, was auf unseren Straßen passiert, sondern wer dafür politisch geradesteht. CDU und FDP wollen, dass Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept künftig grundsätzlich erst durch den Ausschuss für technische Infrastruktur müssen, bevor die Verwaltung sie umsetzt. Hintergrund sind die jüngsten Auseinandersetzungen um Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen.

Das klingt zunächst vernünftig. Wenn eine Maßnahme den Alltag vieler Hildener spürbar verändert, sollte darüber politisch diskutiert werden. Ein Mobilitätskonzept kann die fachliche Grundlage liefern, aber nicht automatisch jede konkrete Entscheidung vorwegnehmen. Nur weil eine Maßnahme irgendwo in einem Konzept steht, muss daraus noch kein Freifahrtschein für die Umsetzung werden.

Die Grünen sehen darin dagegen eine zusätzliche Bremsschleife. Sie warnen davor, bereits grundsätzlich beschlossene Ziele bei jeder konkreten Maßnahme erneut politisch aufzuschnüren und dadurch die Verkehrswende zu verzögern. Was CDU und FDP als mehr Transparenz und politische Legitimation beschreiben, bewerten die Grünen als Versuch, Entscheidungsprozesse zu verkomplizieren und Fortschritte auszubremsen.

Mich stört an der ganzen Debatte etwas anderes: Politik darf Verantwortung nicht erst dann entdecken, wenn eine konkrete Maßnahme unpopulär wird. Wenn ein Mobilitätskonzept beschlossen wird, muss vorher klar sein, was die Verwaltung daraus eigenständig umsetzen darf und wo ein neuer politischer Beschluss erforderlich ist. Diese Grenze erst zu diskutieren, wenn Tempo 30 auf einer Hauptverkehrsstraße plötzlich für Ärger sorgt, ist zu spät.

Umgekehrt kann sich die Politik aber auch nicht darauf zurückziehen, irgendwann einmal ein Konzept beschlossen zu haben, wenn daraus konkrete Eingriffe entstehen, die viele Bürger unmittelbar betreffen. Wer Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, den Wegfall von Parkplätzen oder andere weitreichende Veränderungen will, sollte dafür öffentlich die politische Verantwortung übernehmen. Das gehört für mich zur kommunalen Demokratie – einschließlich der Diskussion mit denen, die anderer Meinung sind.

Was Hilden deshalb am wenigsten braucht, ist ein Verfahren, bei dem sich Politik und Verwaltung gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Die Verwaltung verweist auf beschlossene Konzepte, die Politik fordert nachträglich mehr Mitsprache, und am Ende weiß der Bürger nur eines sicher: Das Schild steht irgendwann an der Straße.

Natürlich darf daraus auch nicht das andere Extrem werden. Wenn jede Markierung, jede kleine Verkehrsänderung und jedes Schild erneut durch einen Ausschuss muss, produziert man keine Transparenz, sondern Stillstand. Routine und operative Umsetzung gehören in die Verwaltung. Grundsätzliche Entscheidungen mit erheblichen Auswirkungen gehören in die Politik. Diese Grenze muss vorher feststehen – nicht erst dann, wenn es Protest gibt.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Lehre aus dem Hildener Tempo-30-Streit. Wir diskutieren inzwischen nicht mehr nur darüber, welche Verkehrspolitik wir wollen. Wir diskutieren darüber, wer sie überhaupt beschließen darf.

Ein Mobilitätskonzept darf weder Blankoscheck noch Alibi sein. Wer politisch entscheidet, muss Verantwortung übernehmen – und zwar bevor das Schild aufgestellt wird, nicht erst wenn sich die Hildener darüber aufregen.

Donnerstag, 17. September 2026

17.9.2026: Zwei Ladeplätze, zwei Welten – oder: Wenn Hilden um den letzten Parkplatz kämpft

Wer abends in einem Hildener Wohngebiet einen Parkplatz sucht, weiß: Freie Stellplätze sind knapp. Trotzdem wollen die Grünen künftig an allen öffentlichen Ladesäulen beide Plätze ausschließlich für ladende E-Autos reservieren. Ich frage mich nur: Warum, wenn schon heute der erste häufig leer bleibt?

Bisher macht Hilden einen Unterschied. An zehn zentralen Standorten, etwa am Rathaus, Lindenplatz oder Warrington-Platz, gehören bereits beide Ladeplätze den Stromern. An 19 Ladesäulen in dicht bebauten Wohngebieten ist dagegen nur einer der beiden Plätze exklusiv für ladende Elektroautos reserviert. Auf dem zweiten dürfen auch Verbrenner stehen. Diese Sonderregelung wurde 2021 ganz bewusst eingeführt, um den ohnehin hohen nächtlichen Parkdruck in den Wohnquartieren nicht noch weiter zu erhöhen.

Die Grünen möchten diese Ausnahme abschaffen und überall dieselbe Regel: zwei Ladeplätze, beide ausschließlich für E-Autos und Plug-in-Hybride – allerdings nur während des aktiven Ladevorgangs. Das klingt zunächst konsequent. Eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen ist schließlich nur begrenzt hilfreich, wenn vor dem zweiten ein Verbrenner übernachtet.

Die Verwaltung sieht allerdings keinen akuten Handlungsbedarf und liefert Zahlen. Anfang 2026 waren in Hilden 2.439 reine Elektroautos und extern aufladbare Hybride zugelassen. Bei insgesamt 40.452 Kraftfahrzeugen entspricht das rund sechs Prozent. Hinzu kommen mindestens 522 bei den Stadtwerken angemeldete private Wallboxen. Vor allem aber beobachtet die Stadt, dass der bereits exklusiv reservierte Ladeplatz an den 19 Wohnstandorten überwiegend frei ist. Ihr Schluss: Der derzeitige Ladebedarf wird gedeckt.

Und genau da wird die Sache interessant. Die Grünen argumentieren aus Sicht der Elektromobilität: Wer öffentliche Ladeinfrastruktur baut, sollte sie auch vollständig fürs Laden verfügbar machen. Die Verwaltung schaut dagegen auf die tatsächliche Nutzung und sagt sinngemäß: Warum einen weiteren Parkplatz sperren, wenn schon der erste häufig leer bleibt?

Beides hat etwas für sich. Ich würde allerdings ungern einen Parkplatz auf Vorrat reservieren, nur weil er vielleicht irgendwann gebraucht wird. Gerade in dicht bebauten Hildener Wohngebieten ist ein freier Stellplatz keine theoretische Größe, sondern bisweilen der Unterschied zwischen „direkt vor der Tür“ und einer kleinen Abendwanderung.

Die Verwaltung schlägt deshalb einen pragmatischen Mittelweg vor. Steigt der Anteil der E-Autos und Plug-in-Hybride in Hilden auf mehr als zehn Prozent, soll der Bedarf in den einzelnen Wohnquartieren erneut geprüft werden. Dasselbe gilt schon früher, wenn ein Betreiber nachweisen kann, dass der vorhandene exklusive Ladeplatz im Durchschnitt zu mindestens 50 Prozent ausgelastet ist. Dann könnte auch der zweite Platz für Verbrenner gesperrt werden.

Das erscheint mir vernünftig: Erst Bedarf, dann Schild. Elektromobilität wird weiter wachsen, und irgendwann werden wir vermutlich froh über jeden Ladeplatz sein. Aber Verkehrspolitik muss nicht nur das fördern, was künftig stärker gebraucht wird. Sie sollte auch berücksichtigen, was heute tatsächlich passiert.

Denn ein leerer Ladeplatz mag ein schönes Zeichen für die Verkehrswende sein.
Für jemanden, der abends zum vierten Mal um den Hildener Häuserblock fährt, bleibt er trotzdem vor allem eines: ein leerer Parkplatz.

Mittwoch, 16. September 2026

16.9.2026: Die Fritte ist zu breit – oder: Wenn Hilden über Kunst und drei Viertel Fassade streitet

Die Leuchtreklame von „City Fritti“ kannte ich natürlich. Dass Hilden darüber seit 2020 einen Rechtsstreit führt, wusste ich nicht. Dabei geht es um eine herrlich hildenerische Frage: Wie breit darf ein Schild sein, bevor daraus ein Fall fürs Verwaltungsgericht wird?

Die Antwort steht in § 7 der Hildener Werbeanlagensatzung: Eine fassadenparallele Werbeanlage darf höchstens drei Viertel der verfügbaren Fassadenlänge einnehmen. City Fritti entschied sich offenbar eher für die großzügige Interpretation. Die Reklame erstreckt sich über die gesamte Breite des Ladenlokals und sogar noch über die Eingangstür des Nachbargebäudes. Das war der Stadt zu viel.

Und damit begann eine Geschichte, die erstaunliche sechs Jahre durchhielt. Die Stadt wies den damaligen Inhaber Sadik Ilgen darauf hin, dass seine Reklame zu breit sei. Er wollte einen Bauantrag vorbereiten, die Stadt erinnerte ihn zwischen 2021 und 2024 viermal daran – passiert ist nach Darstellung der Stadt nichts. Im Mai 2024 folgte schließlich die Aufforderung, das Schild innerhalb von sieben Tagen abzubauen, verbunden mit der Androhung eines Zwangsgeldes von 250 Euro. Wieder passierte nichts. Das Zwangsgeld wurde festgesetzt, und diesmal passierte etwas: Ilgen klagte.

Spätestens hier bekommt die Geschichte eine Wendung, die man sich für „Hildener Geschichten“ kaum besser ausdenken könnte. Ilgen verteidigte sich vor Gericht ohne Anwalt und berief sich auf die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit. Die Leuchtreklame sei nach seinen eigenen Zeichnungen in einem Atelier angefertigt worden. Plötzlich ging es also nicht mehr nur um Pommes und Leuchtschrift, sondern um die große Frage: Kunstfreiheit oder Werbeanlagensatzung?

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied sich für die Werbeanlagensatzung. Das Interesse der Stadt, die Mittelstraße vor einer „Verunstaltung durch ausufernde Werbeanlagen“ zu schützen, wiegt nach dem Urteil schwerer. Die Reklame muss weg, das Zwangsgeld bleibt.

Ich finde ja schon die Vorstellung bemerkenswert, dass irgendwo ernsthaft darüber verhandelt wurde, ob eine City-Fritti-Leuchtreklame ein Fall für die Kunstfreiheit des Grundgesetzes ist. Andererseits hat der Streit damit etwas erreicht, was gewöhnlicher Außenwerbung selten gelingt: Ich schaue jetzt wesentlich genauer hin.

Besonders hildenerisch ist allerdings das Ende der Geschichte. Denn obwohl das Gericht bereits im März entschieden hat, hängt die Reklame noch immer. Der Imbiss selbst ist seit Juni geschlossen, der frühere Betreiber hat das Geschäft bereits 2025 verkauft – aber das Schild hält durch. Die Stadt führt das Verfahren inzwischen mit dem neuen Inhaber weiter. Sollte auch der nicht reagieren, kommen ein weiteres Zwangsgeld oder schließlich eine Ersatzvornahme infrage. Dann könnte die Stadt das Schild selbst entfernen lassen.

Sechs Jahre Streit für ein Stück Fassadenbreite sind natürlich eine beachtliche Leistung. Aber vielleicht sollten wir die Sache positiv sehen: Hilden nimmt sein Stadtbild ernst. Und wer künftig in der Mittelstraße eine Leuchtreklame montieren möchte, kennt jetzt zumindest eine wichtige mathematische Größe.

Drei Viertel sind erlaubt. Bei vier Vierteln hört in Hilden offenbar die Werbung auf – und das Verwaltungsgericht fängt an.

Dienstag, 15. September 2026

15.9.2026: Gemeinsam unter Strom – oder: Wenn Hilden plötzlich mit den Nachbarn zusammenarbeitet

Ich gebe zu: Wenn Hilden, Langenfeld und Monheim gemeinsam etwas planen, werde ich neugierig. Schließlich pflegt jede Stadt gerne ihre eigene Identität. Jetzt soll ausgerechnet bei Strom, Gas und Wasser enger zusammengerückt werden. Die Stadtwerke Hilden und Langenfeld, die Monheimer Mega und das Verbandswasserwerk Langenfeld-Monheim wollen eine gemeinsame Dienstleistungsgesellschaft gründen.

Bevor jetzt jemand befürchtet, dass demnächst auf der Rechnung „Stadtwerke Hilden-Langenfeld-Monheim-irgendwas GmbH“ steht: Die einzelnen Unternehmen sollen eigenständig bleiben, ihre Marken behalten und weiterhin vor Ort für ihre Kunden da sein. Auch Netze und Anlagen bleiben bei den jeweiligen Stadtwerken. Gemeinsam erledigt werden sollen vor allem Aufgaben im Hintergrund – vom Netzbetrieb und Messwesen bis zu Abrechnung und Energiedatenmanagement. Dinge also, die enorm wichtig sind, bei denen aber vermutlich nur wenige Hildener morgens beim Frühstück sagen: „Ich hoffe, unser Energiedatenmanagement ist heute gut aufgestellt.“

Die Idee ist nachvollziehbar: Warum sollen mehrere kommunale Unternehmen bestimmte Aufgaben jeweils allein erledigen, wenn sie gemeinsam größere Teams bilden, Wissen bündeln und Kosten sparen können? Oder weniger betriebswirtschaftlich formuliert: Nicht jeder muss sein eigenes Süppchen kochen, wenn am Ende ohnehin alle zuverlässig Strom, Gas und Wasser liefern wollen.

Für die Beschäftigten gibt es eine wichtige Zusage: Betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen sein. Gleichzeitig soll nicht von heute auf morgen alles vereinheitlicht werden. Unterschiedliche IT-Systeme und Arbeitsweisen müssen erst zusammengebracht werden. Wer schon einmal versucht hat, zwei Computerprogramme miteinander reden zu lassen, ahnt, dass vier kommunale Unternehmen vermutlich nicht morgens um 8 Uhr auf „Synchronisieren“ klicken und um 8.15 Uhr fertig sind.

In Langenfeld hat der Haupt- und Finanzausschuss bereits einstimmig zugestimmt. In Hilden soll das Thema voraussichtlich am 23. September im Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen behandelt werden, bevor am 30. September der Stadtrat entscheidet. Wir Hildener müssen uns also noch etwas gedulden, bevor klar ist, wie unsere Stadt sich positioniert.

Mir gefällt die Idee grundsätzlich. Kommunale Eigenständigkeit muss nicht bedeuten, dass jede Stadt im Hintergrund alles allein erledigt. Gerade Energieversorgung und Netze werden komplizierter und anspruchsvoller. Wenn Zusammenarbeit hilft, Wissen zu bündeln und Kosten vernünftig zu verteilen, spricht einiges dafür. Spannend wird ohnehin erst die Praxis, wenn unterschiedliche Systeme, Zuständigkeiten und gewachsene Arbeitsweisen tatsächlich zusammenfinden müssen.

Hilden, Langenfeld und Monheim ziehen also nicht zusammen.

Aber vielleicht teilen sie sich künftig den Werkzeugkeller.

Montag, 14. September 2026

14.9.2026: Früher Feierabend bei den Stadtwerken – oder: Wenn selbst die Hotline gerade viel um die Ohren hat

Manchmal merkt man einen Personalmangel nicht daran, dass etwas ausfällt, sondern daran, dass plötzlich um 14 Uhr Schluss ist. Genau das passiert derzeit bei den Stadtwerken Hilden: Wegen eines „anhaltenden Ressourcenengpasses“ werden die Öffnungszeiten im Kundenzentrum vorübergehend verkürzt.

Montags und mittwochs bleibt das Kundenzentrum von 8 bis 16 Uhr geöffnet, dienstags, donnerstags und freitags nur noch von 8 bis 14 Uhr. Wer also am Freitagnachmittag nach Feierabend noch schnell persönlich seinen Abschlag klären wollte, muss umplanen. Wobei „noch schnell“ bei einem Kundenzentrum ohnehin eine Formulierung ist, die man besser mit einer gewissen zeitlichen Großzügigkeit verwendet.

Der Engpass hat zudem einen kleinen Nebeneffekt: Weil das Kundenzentrum kürzer geöffnet ist, rufen offenbar mehr Menschen an. Dadurch kann es wiederum an der Service-Hotline länger dauern. Das ist ein bisschen wie bei einer gesperrten Straße in Hilden: Der Verkehr verschwindet nicht, er steht anschließend nur woanders.

Die Stadtwerke empfehlen deshalb, möglichst viele Dinge online zu erledigen. Zählerstand übermitteln, Abschlag ändern, Bankverbindung aktualisieren oder den Tarif wechseln – vieles funktioniert inzwischen ohne persönlichen Besuch. Wer sein Anliegen lieber schriftlich loswerden möchte, kann außerdem eine E-Mail schicken.

Mehr steckt hinter der Änderung eigentlich nicht: Es fehlen derzeit Ressourcen, also werden die verfügbaren Kräfte anders verteilt. Für uns Kunden bedeutet das vor allem, vorher auf die Uhr zu schauen – oder gleich den digitalen Weg zu nehmen.

Nur eine Frage bleibt bei der Formulierung „vorübergehend“ natürlich offen. In Hilden haben wir schließlich Erfahrung mit Dingen, die zunächst nur vorübergehend gedacht sind. Provisorische Ampeln können hier gefühlt ganze Jahreszeiten erleben, Baustellen entwickeln mitunter erstaunliche Ausdauer und Verkehrsregelungen bekommen gerne erst einmal eine Testphase.

Deshalb wünsche ich den Stadtwerken vor allem eines: dass der Ressourcenengpass wirklich vorübergehend bleibt.

Denn zwischen „vorübergehend geändert“ und „das haben wir doch eigentlich schon immer so gemacht“ liegen manchmal nur ein paar Monate.

Sonntag, 13. September 2026

13.9.2026: Früher Feierabend bei den Stadtwerken – oder: Wenn selbst die Hotline gerade viel um die Ohren hat



Manchmal merkt man einen Personalmangel nicht daran, dass etwas ausfällt, sondern daran, dass plötzlich um 14 Uhr Schluss ist. Genau das passiert derzeit bei den Stadtwerken Hilden: Wegen eines „anhaltenden Ressourcenengpasses“ werden die Öffnungszeiten im Kundenzentrum vorübergehend verkürzt.

Montags und mittwochs bleibt das Kundenzentrum von 8 bis 16 Uhr geöffnet, dienstags, donnerstags und freitags nur noch von 8 bis 14 Uhr. Wer also am Freitagnachmittag nach Feierabend noch schnell persönlich seinen Abschlag klären wollte, muss umplanen. Wobei „noch schnell“ bei einem Kundenzentrum ohnehin eine Formulierung ist, die man besser mit einer gewissen zeitlichen Großzügigkeit verwendet.

Der Engpass hat zudem einen kleinen Nebeneffekt: Weil das Kundenzentrum kürzer geöffnet ist, rufen offenbar mehr Menschen an. Dadurch kann es wiederum an der Service-Hotline länger dauern. Das ist ein bisschen wie bei einer gesperrten Straße in Hilden: Der Verkehr verschwindet nicht, er steht anschließend nur woanders.

Die Stadtwerke empfehlen deshalb, möglichst viele Dinge online zu erledigen. Zählerstand übermitteln, Abschlag ändern, Bankverbindung aktualisieren oder den Tarif wechseln – vieles funktioniert inzwischen ohne persönlichen Besuch. Wer sein Anliegen lieber schriftlich loswerden möchte, kann außerdem eine E-Mail schicken.

Mehr steckt hinter der Änderung eigentlich nicht: Es fehlen derzeit Ressourcen, also werden die verfügbaren Kräfte anders verteilt. Für uns Kunden bedeutet das vor allem, vorher auf die Uhr zu schauen – oder gleich den digitalen Weg zu nehmen.

Nur eine Frage bleibt bei der Formulierung „vorübergehend“ natürlich offen. In Hilden haben wir schließlich Erfahrung mit Dingen, die zunächst nur vorübergehend gedacht sind. Provisorische Ampeln können hier gefühlt ganze Jahreszeiten erleben, Baustellen entwickeln mitunter erstaunliche Ausdauer und Verkehrsregelungen bekommen gerne erst einmal eine Testphase.

Deshalb wünsche ich den Stadtwerken vor allem eines: dass der Ressourcenengpass wirklich vorübergehend bleibt.

Denn zwischen „vorübergehend geändert“ und „das haben wir doch eigentlich schon immer so gemacht“ liegen manchmal nur ein paar Monate.

Samstag, 12. September 2026

12.9.2026: Hilden bekommt einen Stempel – oder: Wenn die Walder Straße plötzlich auf Briefmarke macht

Ich gebe zu: An der Walder Straße 5 bin ich schon oft vorbeigekommen. Dass die dortige Fabrikantenvilla einmal so viel Aufmerksamkeit von mir bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. Jetzt landet sie sogar auf einem Sonderstempel – und plötzlich schaut man doch etwas genauer hin.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, geben die Briefmarkenfreunde Hilden wieder einen eigenen Sonderstempel heraus. Das diesjährige Motto lautet „Netzwerke und Infrastruktur, historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“. Klingt zunächst ein bisschen nach Stadtentwicklungsausschuss, bekommt in Hilden aber ein durchaus schönes Gesicht: Auf dem Stempel ist die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla an der Walder Straße 5 zu sehen.

Das Gebäude wurde um 1860/70 im neoklassizistischen Stil errichtet, dahinter liegen die alten Fabrikationshallen. Die Briefmarkenfreunde bezeichnen die eigenwillige Bauweise als für Hilden und darüber hinaus ungewöhnlich und einmalig. Und genau dafür ist so ein Sonderstempel eigentlich eine wunderbare Sache: Plötzlich schaut man auf ein Haus, an dem man vielleicht schon hundertmal vorbeigefahren ist, ein bisschen genauer.

Das ist ohnehin eine Hildener Spezialität. Wir können jahrelang an einem Gebäude vorbeikommen, ohne uns größere Gedanken darüber zu machen. Aber sobald jemand sagt: „Das steht unter Denkmalschutz“, wird gebremst. Dann betrachtet man die Fassade und denkt: Ach, tatsächlich. Interessant. Und wenn das Gebäude anschließend noch auf einem Sonderstempel landet, ist endgültig klar: Das muss wichtig sein.

Am 13. September kann man den Stempel zwischen 10 und 15 Uhr am Bürgerhaus an der Mittelstraße 41 bekommen. Dort halten die Briefmarkenfreunde auch Briefmarken und passende Belege bereit. Ein Festumschlag kostet 2,50 Euro, eine Infokarte einen Euro, das komplette Set drei Euro. In Zeiten, in denen man für drei Euro in manchen Innenstädten kaum noch einen Kaffee bekommt, ist ein kleines Stück Hildener Stadtgeschichte also vergleichsweise preiswert zu haben.

Natürlich muss man dafür ein gewisses Verhältnis zu Briefmarken haben. Für viele Menschen unter 30 dürfte die Frage „Hast du eine Briefmarke?“ inzwischen ungefähr so exotisch klingen wie „Wo steht eigentlich dein Faxgerät?“. Aber genau deshalb gefällt mir die Aktion. Denn Briefmarken und Sonderstempel sind kleine Zeitkapseln. Sie erzählen, was einer Stadt zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig war – Gebäude, Ereignisse, Jubiläen oder Menschen – und bewahren es auf einem erstaunlich kleinen Stück Papier.

Und diesmal schafft es eben eine Hildener Fabrikantenvilla darauf.

Vielleicht sollte man am Sonntag tatsächlich einmal beim Bürgerhaus vorbeischauen. Nicht unbedingt, weil jetzt jeder von uns seine Briefmarkensammlung vom Dachboden holen und mit der Pinzette neu sortieren muss. Sondern weil hinter diesem kleinen Stempel eine schöne Idee steckt: auf ein Stück Hildener Geschichte aufmerksam zu machen, das im Alltag leicht übersehen wird.

Das Internet vergisst angeblich nichts. Ob das wirklich stimmt, werden wir irgendwann sehen.
Ein ordentlich abgestempelter Brief aus Hilden hat jedenfalls schon mal ziemlich gute Chancen.

Freitag, 11. September 2026

11.9.2026: Erst kam der Appell, jetzt die Kontrolle – oder: Hilden zählt 13 E-Scooter-Sünder

Erst bat Hilden um Rücksicht. Dann kam die Polizei. Und siehe da: In nur sechseinhalb Stunden sammelten sich 33 Verkehrsverstöße an – 13 davon auf E-Scootern. Man könnte sagen: Der städtische Appell zum besseren Miteinander hatte noch ein wenig Luft bei der praktischen Umsetzung.

Erst vor ein paar Tagen hatte die Stadt wegen der Beschwerden über E-Scooter und Fahrräder in der Fußgängerzone zu mehr Rücksicht aufgerufen. Am Mittwoch, 9. September, folgte die praktische Überprüfung: Zwischen 7.30 und 14 Uhr kontrollierte die Kreispolizei den Verkehr in Hilden. Neben den 13 E-Scooter-Verstößen kamen 15 bei Fußgängern und Radfahrern sowie fünf bei Autofahrern zusammen. Immerhin hat Hilden seine Verkehrssünden erfreulich demokratisch verteilt.

Bei den E-Scootern ging es unter anderem um Fahrten auf Geh- oder Radwegen, auf denen sie nicht zugelassen waren. Die Regel dazu ist eigentlich überschaubar: Gehwege und die Fußgängerzone gehören grundsätzlich den Fußgängern, sofern eine andere Nutzung nicht ausdrücklich erlaubt ist. Wer mit dem E-Scooter trotzdem dort fährt, kann mit 15 Euro zur Kasse gebeten werden.

Nun sind 13 Verstöße weder der Untergang des Hildener Abendlandes noch der Beweis dafür, dass die Mittelstraße inzwischen ausschließlich von rücksichtslosen E-Scooter-Piloten bevölkert wird. Aber die Zahl zeigt, dass die Beschwerden der vergangenen Wochen offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen waren. Wer regelmäßig durch die Innenstadt läuft, kennt die Situation: Man geht entspannt durch die Fußgängerzone, hört hinter sich plötzlich dieses charakteristische leise Rollen und entwickelt innerhalb einer halben Sekunde Fähigkeiten, die sonst eher im Leistungssport gefragt sind.

Dabei ist der E-Scooter selbst gar nicht das Problem. Er ist praktisch, schnell und für kurze Wege durchaus sinnvoll. Das Problem beginnt erst, wenn aus „praktisch und schnell“ plötzlich „Platz da, jetzt komme ich“ wird. Genau das gilt übrigens genauso für Fahrräder, Autos und Fußgänger. Wer aufs Handy schaut und ohne Blick über die Straße läuft, trägt zum entspannten Miteinander ungefähr genauso viel bei wie ein Radfahrer in falscher Richtung oder ein Autofahrer, der beim Abbiegen den Rest der Verkehrswelt für dekoratives Beiwerk hält.

Deshalb gefällt mir an der Kontrolle sogar, dass nicht ausschließlich E-Scooter herausgepickt wurden. Die Polizeiaktion gehört zum „Projekt Korrekt“, das Verkehrsunfälle mit Fußgängern und Radfahrern reduzieren soll. Falsche Fahrbahn, fehlende Aufmerksamkeit, unvorsichtiges Einfahren in den Verkehr und zunehmend auch der Blick aufs Handy gehören zu den Problemen, die die Polizei dabei beobachtet.

Vielleicht braucht es deshalb gelegentlich beides: den freundlichen Hinweis und die Kontrolle. Erst sagt die Stadt: Bitte nehmt Rücksicht aufeinander. Dann sagt die Polizei irgendwann: Wir schauen jetzt einmal nach, wie gut das funktioniert hat.

Das Ergebnis in Hilden lautet diesmal: 33 Verstöße.

Nicht dramatisch. Aber offenbar genug, um das Thema nicht einfach wegzurollen.

Denn am Ende ist die wichtigste Verkehrsregel immer noch erstaunlich simpel: Die Straße gehört nicht mir allein. Die Fußgängerzone übrigens auch nicht.

Donnerstag, 10. September 2026

10.9.2026: Wenn der Strom plötzlich ohne Kabel dasteht – oder: Kupferklau an Hildens Ladesäulen

Es gibt Dinge, bei denen man sich fragt, wie jemand überhaupt auf die Idee kommt. Zwei E-Auto-Ladestationen an einer Tankstelle an der Walder Straße gehören seit dieser Woche eindeutig dazu. Unbekannte Täter haben dort in der Nacht zum 7. September die kupfernen Ladekabel abgeschnitten und mitgenommen. Auch in Monheim waren vier Ladestationen betroffen. Sechs Ladesäulen ohne Kabel – und irgendwo vermutlich Menschen, die morgens mit ihrem Elektroauto davorstanden und feststellen mussten: Strom wäre vorhanden, nur der Weg zum Auto fehlt.

Hinter der Sache steckt ein bekanntes Motiv: Kupfer ist wertvoll. Nur ist die Rechnung in diesem Fall besonders absurd. Der Materialwert der gestohlenen Kabel dürfte insgesamt lediglich bei einigen hundert Euro liegen, der Schaden für die Betreiber wegen Reparatur und Ausfall dagegen bei mehreren Tausend Euro. Das ist ungefähr so, als würde jemand die Haustür ausbauen, weil ihm die Türklinke gefällt. Wirtschaftlich kein besonders überzeugendes Geschäftsmodell – gesellschaftlich sowieso nicht.

Gerade bei einer Ladesäule bekommt der Diebstahl noch eine besondere Note. Jahrelang diskutieren wir darüber, wie viele Ladepunkte Deutschland braucht, wie schnell sie gebaut werden müssen und ob die Infrastruktur mit der Zahl der Elektroautos mithalten kann. In Hilden kommt jetzt eine neue Frage hinzu: Wie viele davon haben morgens noch ein Kabel? Die Energiewende hatte vermutlich mit einigen Schwierigkeiten gerechnet. Genehmigungsverfahren, Netzausbau, Strompreise – alles bekannte Themen. Dass irgendwann jemand mit Werkzeug anrückt und einfach das letzte Stück zum Auto mitnimmt, stand wahrscheinlich eher weiter hinten im Maßnahmenkatalog.

Für die Betreiber ist das natürlich alles andere als komisch. Die Säulen fallen aus, müssen repariert werden, und wer dort mit niedrigem Akkustand ankommt, darf sich spontan eine Alternative suchen. Beim Verbrenner wäre die vergleichbare Situation eine Tankstelle, an der jemand über Nacht sämtliche Zapfschläuche abgeschnitten hat. Benzin vorhanden, Säule vorhanden, Bezahlung möglich – nur zwischen all dem und dem Auto fehlt eine Kleinigkeit.

Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen. Wer in der Nacht zum Montag an der Walder Straße verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet hat, soll sich melden. Hinweise auf die Täter gibt es bislang offenbar nicht.

Für Hilden bleibt damit eine ziemlich absurde Erkenntnis: Selbst ein Kabel, das fest an einer Ladesäule hängt, ist offensichtlich nicht fest genug.

Da investieren wir viel Geld in moderne Infrastruktur, bauen Ladesäulen und reden über die Mobilität der Zukunft.

Und dann kommt jemand mit einer Zange vorbei.


Fortschritt kann manchmal an erstaunlich einfachen Dingen scheitern.

Mittwoch, 9. September 2026

9.9.2026: Ein Bändchen, 16 Kneipen und die große Frage: Wo fangen wir an?

Es gibt Abende in Hilden, an denen man sich für eine Kneipe entscheidet, sich an einen Tisch setzt und dort bleibt. Und dann gibt es den ersten Samstag im November. Am 7. November steigt die Hildener Kneipentour zum 15. Mal: 17 Bands und Solokünstler spielen in 16 Locations, acht Stunden lang zieht Livemusik durch die Stadt und mit einem einzigen Bändchen darf man überall hinein. Das Prinzip ist herrlich einfach. Gefällt die Musik, bleibt man. Gefällt sie nicht, zieht man weiter. Trifft man unterwegs Bekannte, bleibt man wahrscheinlich trotzdem. Spätestens dann hat sich jeder vorher ausgearbeitete Abendplan erledigt. Die Hildener Kneipentour ist schließlich eine Veranstaltung, bei der ein wenig Orientierungslosigkeit ausdrücklich zum Konzept gehört.

Seit 2010 organisiert Michael Pape dieses musikalische Kneipenwandern. Vor Corona waren einmal 27 Locations dabei, inzwischen sind es 16. Einige Kneipen sind verschwunden, die verbliebenen Wirte machen laut Pape aber fast alle mit. Im vergangenen Jahr wurden rund 2600 Bändchen verkauft, maximal 3500 Besucher können diesmal dabei sein. An musikalischem Nachwuchs mangelt es nicht: Rund 100 Bands und Solokünstler bewerben sich jedes Jahr. Daraus ein Programm zusammenzustellen, dürfte ungefähr so einfach sein wie mit 15 Freunden in Hilden zu klären, in welche Kneipe man am Samstagabend geht. Nur dass Michael Pape am Ende tatsächlich eine Entscheidung treffen muss.

Musikalisch gibt es kaum eine Ausrede, nicht irgendwo fündig zu werden. Rock-Pop, Blues, Country-Rock, Oldies, deutsche Schlager, Soul, Funk und moderne Hits stehen auf dem Programm. Acht Acts sind erstmals dabei, dazu kommen bekannte Namen wie Prilblümchen, Nightwork, BFunk, Retro oder Boys of 69. Das klingt weniger nach einem Kneipenabend als nach einem kleinen Stadtfestival, bei dem zufällig überall eine Theke herumsteht.

Und genau darin liegt der Charme. Mani’s Ponystall, Charl’s, Palette, BARock, Mon Coeur, Blue Note, Black Pub, Nuckelpinte, Billard Bistro, Hemingway, Landhof, Café New York, James Food & Drinks, Vino Vista, Denkbar und Feingusti werden für einen Abend zu einem weitläufigen Konzertsaal. Neu dabei sind Vino Vista und die Denkbar. Gerade die etwas außerhalb der klassischen Innenstadtstrecke gelegene Weinbar möchte die Kneipentour nutzen, um bekannter zu werden. Das könnte funktionieren, denn an diesem Abend entdecken Hildener vermutlich wieder Orte, an denen sie sonst jahrelang vorbeigefahren sind und gedacht haben: „Da müsste man eigentlich auch mal hin.“ Am 7. November wird aus „eigentlich mal“ tatsächlich „heute“.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus diesem Angebot einen Abend zu machen, ohne daraus eine logistische Großübung werden zu lassen. Beginnt man am Alten Markt, am Fritz-Gressard-Platz oder irgendwo ganz anders? Wann baut man die Nuckelpinte ein, wann Vino Vista? Natürlich könnte man einen minutiösen Plan erstellen: 18.15 Uhr erste Band, 19 Uhr Wechsel, 19.45 Uhr nächste Location. Das ist ungefähr so realistisch wie die Vorstellung, auf dem Hildener Weihnachtsmarkt „nur ganz kurz“ einen Glühwein zu trinken. Irgendwo spielt eine Band besser als erwartet, irgendwo trifft man jemanden, den man seit Monaten nicht gesehen hat, und irgendwann fällt der Satz: „Komm, einen noch.“ Ab diesem Moment übernimmt Hilden die Abendplanung.

Das Bändchen für diesen musikalischen Kontrollverlust kostet im Vorverkauf zwölf Euro, zunächst erhältlich im Computer Store Hilden am Axlerhof und später auch in den teilnehmenden Locations. An der Abendkasse werden 15 Euro fällig. Zwölf Euro für 17 Bands sind rechnerisch etwa 71 Cent pro Künstler. Das ist ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis – vorausgesetzt, man widersteht dem Ehrgeiz, tatsächlich alle sehen zu wollen. Wer das versucht, dürfte den größten Teil des Abends mit Jacke an zwischen zwei Kneipentüren verbringen.

Also besser nicht optimieren. Bändchen ums Handgelenk, rein in die Stadt und schauen, wo man hängen bleibt. Für ein paar Stunden wird Hilden zur Musikmeile, aus offenen Türen dringen Rock, Blues, Soul oder Schlager, und Menschen ziehen durch Lokale, in denen sie vielleicht lange nicht mehr waren.

Vielleicht ist genau das der schönste Teil der Kneipentour. Nicht die Zahl der Bands, nicht die Zahl der besuchten Kneipen und schon gar nicht die perfekte Route. Sondern dieser eine Abend, an dem Hilden ein bisschen voller, lauter und spontaner ist als sonst.

Und sollte am Ende jemand fragen, welche der 17 Bands eigentlich die beste war, gibt es vermutlich ohnehin die einzig richtige Antwort:


Keine Ahnung. Aber der Abend war großartig.

Dienstag, 8. September 2026

8.9.2026: Freiwillig zahlen für Bonni und Fliedner – oder: Wenn ein Elternbeitrag eigentlich keiner sein soll

Es gibt Wörter, die entfalten ihre ganze Schönheit erst, wenn man sie miteinander kombiniert. „Freiwilliger Förderbeitrag“ gehört eindeutig dazu. Freiwillig klingt nach „Kann man machen“. Beitrag klingt dagegen schon ein bisschen mehr nach „Wäre aber schön“. Und wenn dann noch eine Tabelle dazukommt, in der steht, wie viel man abhängig vom Einkommen ungefähr geben könnte, beginnt jener Bereich, in dem deutsche Organisationskunst ihre besondere Stärke entwickelt.

Genau das erwartet Eltern am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und an der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule in Hilden ab dem Schuljahr 2027/28. Die Evangelische Kirche im Rheinland führt an ihren Schulen freiwillige Förderbeiträge ein, weil die Kirchensteuereinnahmen zurückgehen und die Finanzierung langfristig auf eine breitere Grundlage gestellt werden soll. Betroffen sind alle zehn Schulen in ihrer Trägerschaft mit zusammen 7645 Schülerinnen und Schülern.

Das Modell soll sozial ausgewogen sein. Die Höhe bleibt frei wählbar, ein Einkommensnachweis ist nicht vorgesehen. Trotzdem gibt es Orientierungswerte: Bei einem Familieneinkommen unter 30.000 Euro werden monatlich 30 Euro vorgeschlagen, bis 60.000 Euro sind es 60 Euro, bis 90.000 Euro 120 Euro und bis 120.000 Euro 180 Euro. Für weitere Kinder sowie Familien, die Kirchensteuer oder Kirchgeld an die Evangelische Kirche im Rheinland zahlen, sind Reduzierungen vorgesehen.

Niemand muss seine Gehaltsabrechnung vorlegen, niemand muss erklären, warum aus vorgeschlagenen 120 Euro vielleicht 40, 20 oder null Euro werden. Vertrauen statt Einkommensprüfung. Für Deutschland ist das fast schon revolutionär. Wir leben schließlich in einem Land, in dem man für manche Verwaltungsvorgänge gefühlt noch nachweisen muss, dass die Kopie der Kopie des Originalnachweises ordnungsgemäß kopiert wurde. Und nun lautet das Prinzip ausgerechnet beim Geld: Wir glauben Ihnen das einfach.

Der Hintergrund ist allerdings ernst. Die Kirche muss auf sinkende Kirchensteuereinnahmen reagieren. Bis 2035 sollen die Förderbeiträge nach einem mehrjährigen Aufbau jährlich 8,8 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig versichert die Kirche, dass der notwendige Schulbetrieb auch dann finanziert wird, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird. Damit trifft Freiwilligkeit auf Finanzplanung – ein durchaus spannendes Experiment.

Immerhin wurde das Modell gemeinsam mit Elternvertretungen, Schulleitungen und Schulstiftung entwickelt. Die Beiträge werden über die Schulstiftung organisiert. Der Großteil des Geldes soll unmittelbar der jeweiligen Schule zugutekommen, ein kleiner Teil dem solidarischen Ausgleich zwischen den Schulen dienen. In den kommenden Monaten sind Informationsveranstaltungen geplant.

Entscheidend wird weniger sein, ob die Tabelle mathematisch funktioniert, sondern wie Familien das Modell erleben. Kein Kind sollte irgendwann wissen oder spüren müssen, ob seine Eltern 180 Euro, 30 Euro oder gar nichts überweisen. Manche Familien können problemlos mehr geben, andere müssen jeden Monat rechnen. Solidarität funktioniert nur, wenn aus „freiwillig“ nicht irgendwann „freiwillig, aber wir hätten da noch eine kleine Frage“ wird.

Für die beiden Hildener Schulen gibt es zugleich eine weitere Nachricht: Unabhängig von den Elternbeiträgen erhöht die Kirche ihre Instandhaltungspauschale schrittweise auf das 1,55-Fache. Dafür sollen zusätzlich insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Bonni und Fliedner müssen ihre Eltern also nicht losschicken, um das Geld für die nächste Dachreparatur zusammenzusammeln.

Wie das Modell in Hilden aufgenommen wird, ist noch offen. Bonni-Schulleiter Rolf-Olaf Geisler hatte bereits erklärt, man sei zunächst froh, dass die kirchlichen Schulen auf diese Weise gesichert würden. Die Fliedner-Schule und die Schulpflegschaften wollen sich derzeit noch nicht äußern. Vielleicht ist das gar nicht die schlechteste Idee: erst einmal hören, wie alles konkret funktionieren soll, und dann darüber diskutieren. Hilden ist schließlich ausgesprochen geübt darin, aus Themen mit Diskussionspotenzial zuverlässig eine Diskussion zu machen.

Ab dem Schuljahr 2027/28 wird sich zeigen, ob genügend Eltern mitmachen und welche Summen tatsächlich zusammenkommen. Vielleicht funktioniert das Solidaritätsprinzip hervorragend. Vielleicht bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück. Und vielleicht lernen wir sogar, dass „freiwillig“ tatsächlich einfach freiwillig bedeuten kann.

Das wäre möglicherweise die größte Überraschung an der ganzen Geschichte.

Denn eines sollte bei aller Diskussion selbstverständlich bleiben: Wer nichts zahlt, hat trotzdem ein Kind an derselben Schule wie derjenige, der 180 Euro überweist. Ohne Sternchen, ohne schlechtes Gewissen und ohne imaginären Vermerk im Klassenbuch.

Sonst wäre aus dem freiwilligen Förderbeitrag irgendwann doch ein Schulgeld geworden.

Nur mit einem sehr viel freundlicheren Namen.

Montag, 7. September 2026

7.9.2026: Hilden bekommt Nachwuchs fürs Finanzamt – oder: 14 junge Menschen, die vor dem Steuerrecht nicht weglaufen

Es gibt Entscheidungen im Leben, die versteht man sofort. Man macht nach der Schule eine Weltreise, studiert irgendetwas mit Medien oder nimmt sich erst einmal ein Jahr Zeit, um herauszufinden, was man eigentlich mit seinem Leben anfangen möchte. Und dann gibt es 14 junge Menschen in Hilden, die offenbar schon ziemlich genau wissen, wohin die Reise gehen soll: ins Finanzamt. Zum 1. September haben dort 14 Nachwuchskräfte ihre Ausbildung beziehungsweise ihr duales Studium begonnen. Sieben wollen Finanzwirtin oder Finanzwirt werden, sieben weitere haben sich für das dreijährige duale Studium zum Diplom-Finanzwirt beziehungsweise zur Diplom-Finanzwirtin entschieden. Das verdient Respekt. Während ein erheblicher Teil der Bevölkerung bereits beim Wort „Einkommensteuererklärung“ plötzlich dringend Kaffee braucht, den Steuerberater anruft oder sich vorsichtshalber tot stellt, sagen diese 14 jungen Menschen: Genau das möchte ich beruflich machen. Sie werden sich künftig mit Steuerrecht, Buchführung und Verwaltungsrecht beschäftigen und zwischen Theorie und Praxis wechseln. Die angehenden Finanzwirte besuchen die Landesfinanzschule Nordrhein-Westfalen, die Studierenden die Hochschule für Finanzen NRW in Nordkirchen, dazwischen geht es immer wieder zurück ins Hildener Finanzamt. Man könnte sagen: Andere junge Menschen lernen Spanisch, Französisch oder Italienisch. Diese 14 lernen Finanzamtsdeutsch. Eine Sprache, in der man einen Satz dreimal lesen kann und anschließend weniger weiß als vorher. Wo normale Menschen schreiben würden „Sie müssen noch 327 Euro bezahlen“, beginnt ein behördlicher Text schließlich gerne mit Formulierungen, bei denen man nach der Hälfte vergessen hat, warum man den Brief überhaupt geöffnet hat. Irgendjemand muss das verstehen. Und Hilden hat jetzt 14 Menschen gefunden, die es freiwillig versuchen.

Natürlich besteht die Ausbildung nicht darin, den ganzen Tag Steuerbescheide zu verschicken und Bürgern mitzuteilen, dass der neue Bürostuhl leider doch nicht vollständig als Werbungskosten anerkannt werden kann. Die Finanzverwaltung bietet erstaunlich viele berufliche Möglichkeiten: Steuerveranlagung, Betriebsprüfung, Außendienst, IT, Lehrtätigkeit und sogar Steuerfahndung. Gerade Letzteres wertet die Antwort auf die klassische Partyfrage „Und, was machst du beruflich?“ erheblich auf. „Ich bin beim Finanzamt“ klingt zunächst nach Aktenordner, Taschenrechner und pünktlichem Feierabend. „Ich bin bei der Steuerfahndung“ klingt dagegen sofort nach abgedunkelten Dienstwagen, observierten Briefkästen und dem dramatischen Zugriff auf einen verdächtigen Schuhkarton voller Quittungen. Vermutlich sieht die Realität etwas anders aus. Wahrscheinlich besteht die Verfolgungsjagd eher darin, herauszufinden, warum jemand einen Swimmingpool, drei Espressomaschinen und einen Mallorca-Flug unter „betriebliche Aufwendungen“ verbucht hat. Aber auch das hat seinen Reiz. Und spätestens wenn jemand behauptet, der Porsche werde ausschließlich für Kundentermine benötigt, beginnt vermutlich der spannende Teil des Berufslebens.

Für Hilden sind die 14 Nachwuchskräfte jedenfalls eine gute Nachricht. Während überall über Fachkräftemangel gesprochen wird, bekommt das Finanzamt gleich eine komplette neue Mannschaft. Und Nachwuchs kann die Behörde gebrauchen, denn eines dürfte ziemlich sicher sein: Steuern werden nicht abgeschafft, nur weil irgendwann niemand mehr da ist, der sie bearbeitet. Das wäre zwar vermutlich die populärste Verwaltungsreform in der Geschichte der Bundesrepublik, dürfte aber im Bundesfinanzministerium auf gewisse Vorbehalte stoßen. Finanzamtsleiter Martin Janke spricht von einem Beruf mit Verantwortung und sicheren Perspektiven, und bei der Arbeitsplatzsicherheit dürfte kaum eine Branche mithalten können. Solange Deutschland Steuergesetze hat, wird es Menschen brauchen, die sie verstehen. Und sollte das deutsche Steuerrecht eines Tages plötzlich einfach und übersichtlich werden, haben wir vermutlich ohnehin größere Probleme, weil dann offensichtlich etwas mit dem Raum-Zeit-Kontinuum nicht stimmt. Eher ist die A3 dauerhaft baustellenfrei, die Deutsche Bahn meldet hundert Prozent Pünktlichkeit und in Hilden wird eine neue Tempo-30-Regelung eingeführt, ohne dass anschließend mindestens drei Ausschüsse, zwei Gutachten und sämtliche Kommentarspalten darüber diskutieren.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Finanzverwaltung bereits Nachwuchs für September 2027 sucht. Man kann sich also schon heute für eine berufliche Zukunft entscheiden, in der man irgendwann anderen Menschen erklären darf, warum etwas, das für sie vollkommen eindeutig beruflich veranlasst war, steuerrechtlich leider eine bemerkenswert andere Biografie besitzt. Und vielleicht begegnen uns einige der 14 irgendwann wieder. Nicht unbedingt persönlich. Vielleicht nur oben rechts auf einem Schreiben. Dann liegt dieser Brief auf dem Küchentisch, daneben die Steuerunterlagen, und man liest einen Satz zum vierten Mal. In diesem Moment sollte man sich daran erinnern, dass irgendwann im September 2026 vierzehn junge Menschen im Finanzamt Hilden ihren ersten Arbeitstag hatten und wahrscheinlich noch nicht ahnten, dass sie Jahre später darüber entscheiden würden, ob ein Hildener Bürger seinen ergonomischen Bürostuhl, sein Arbeitszimmer oder die Fahrt nach Grevenmacher steuerlich so behandeln darf, wie er sich das vorgestellt hat.

Deshalb wünschen wir den sieben angehenden Finanzwirten und den sieben zukünftigen Diplom-Finanzwirten einen guten Start, interessante Ausbildungsjahre und vor allem möglichst viele freundliche Steuerzahler. Denn bei aller Satire braucht eine funktionierende Verwaltung Menschen, die bereit sind, sich durch komplizierte Gesetze zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und am Ende Entscheidungen zu treffen, die für andere durchaus finanzielle Bedeutung haben. Wer sich freiwillig durch deutsches Steuerrecht kämpft, hat deshalb Anerkennung verdient. Andere lösen am Wochenende Sudoku. Diese 14 haben sich offenbar für die schwierigere Variante entschieden.

Und falls in ein paar Jahren einmal ein Brief vom Finanzamt Hilden im Briefkasten liegt, bei dem wir mit dem Ergebnis überhaupt nicht einverstanden sind, sollten wir fair bleiben.

Die 14 können nichts dafür. Wir haben ihnen 2026 noch ausdrücklich einen guten Start gewünscht.

Sonntag, 6. September 2026

6.9.2026: Wer einen Baum fällt, soll einen neuen pflanzen

Bäume haben es in der Politik eigentlich ganz gut. Sie reden nicht dazwischen, stellen keine Anträge und beschweren sich auch nicht über zu lange Ausschusssitzungen. Trotzdem schaffen sie es in Hilden regelmäßig auf die politische Tagesordnung. Diesmal geht es um eine ziemlich grundsätzliche Frage: Was passiert eigentlich, wenn ein geschützter Baum gefällt werden muss, weil er krank ist?

Die Antwort soll künftig ziemlich einfach lauten: Dann muss ein neuer her.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Klima hat die Verwaltung am 3. September beauftragt, die Hildener Baumschutzsatzung entsprechend zu überarbeiten. Ausgangspunkt war ein Antrag der Grünen. Die entscheidende Neuerung: Auch wenn ein Baum wegen Krankheit, Schädlingsbefall oder einer nicht mehr umkehrbaren Vitalitätsschwäche entfernt werden muss, soll künftig grundsätzlich eine Ersatzpflanzung vorgeschrieben werden. Und zwar nicht nur auf städtischen Flächen, sondern auch auf Privatgrundstücken.

Das klingt zunächst nach einer ziemlich nachvollziehbaren Rechnung: ein Baum weg, ein Baum neu. Doch wie so häufig steckt die kommunalpolitische Wahrheit irgendwo zwischen Stamm und Krone.

Denn ursprünglich wollten die Grünen noch weiter gehen. Unter anderem sollten eine fachliche Baubegleitung durch Gutachter und ein nachsorgendes Pflegemanagement verpflichtend werden. Die Verwaltung sah hier allerdings rechtliche Grenzen, insbesondere wegen des Eingriffs in die Eigentumsfreiheit privater Grundstücksbesitzer. Diese Forderungen wurden deshalb aus dem Antrag gestrichen.

Übrig geblieben ist der politische Auftrag, für jeden entsprechend gefällten Baum mindestens einen klimaresilienten Ersatzbaum vorzusehen. CDU und SPD konnten diesen Weg mitgehen, lediglich AfD und FDP stimmten gegen den Antrag.

Interessant wird es allerdings bei der Frage, was eigentlich ein angemessener Ersatz ist. Schließlich ist Baum nicht gleich Baum. Wer eine jahrzehntealte, stattliche Krone verliert und dafür einen jungen Baum von überschaubarer Größe in die Erde setzt, hat zwar mathematisch wieder die Zahl eins erreicht – ökologisch aber natürlich noch lange nicht den vorherigen Zustand.

Deshalb soll sich die Auswahl des Ersatzbaumes möglichst an der ungefähren späteren Höhe und Kronenbreite des gefällten Baumes orientieren. Wenn das nicht sinnvoll oder möglich ist, könnten alternativ mehrere klimaresiliente Bäume gepflanzt werden.

Und genau an dieser Stelle wird aus der scheinbar einfachen Regel „einer raus, einer rein“ eine interessante Aufgabe für die Verwaltung. Denn ein alter Baum lässt sich nicht einfach ersetzen wie eine kaputte Straßenlaterne. Bis aus einem jungen Ersatzbaum wieder ein großer Schattenspender wird, vergehen viele Jahre. Gleichzeitig muss eine Baumschutzsatzung praktikabel bleiben. Nicht jeder Garten bietet Platz für einen Baum, der irgendwann zwanzig Meter hoch wird und eine entsprechend große Krone entwickelt.

Die Verwaltung darf deshalb jetzt aus den politischen Vorgaben einen rechtssicheren und praktikablen Satzungstext machen. Ein Vorschlag soll in einer der kommenden Sitzungen vorgestellt werden. Dann entscheidet die Politik erneut.

Grundsätzlich ist die Idee sympathisch. Hilden ist eine dicht bebaute Stadt, und große Bäume sind längst mehr als hübsche Dekoration. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, bieten Lebensraum und prägen ganze Straßen. Gerade in heißen Sommern merkt man schnell, welchen Unterschied eine ausgewachsene Baumkrone machen kann.

Trotzdem sollte die neue Regel mit Augenmaß formuliert werden. Baumschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn Grundstückseigentümer die Vorgaben nachvollziehen können und Ersatzpflanzungen auch tatsächlich zu den jeweiligen Standorten passen. Ein klimaresistenter Baum am richtigen Platz dürfte der Stadt mehr bringen als eine besonders ambitionierte Vorschrift, die in der Praxis kaum vernünftig umzusetzen ist.

Hilden schlägt beim Baumschutz also neue Wurzeln. Ob daraus am Ende eine gute Regelung wächst, entscheidet sich erst, wenn die Verwaltung ihren Satzungsentwurf vorlegt.

Bis dahin gilt immerhin schon einmal eine politische Grundidee, die man sich leicht merken kann:

Wer einen Baum verliert, sollte dafür sorgen, dass irgendwo ein neuer wachsen kann.

Samstag, 5. September 2026

5.9.2026: Freie Fahrt für alle? Hildens Fußgängerzone und die Sache mit der Rücksicht

Eigentlich steckt die wichtigste Information schon im Namen: Fußgängerzone. Also eine Zone für Fußgänger. In Hilden scheint diese sprachliche Feinheit allerdings gelegentlich etwas großzügiger interpretiert zu werden. Wer durch die Innenstadt läuft, begegnet dort nicht nur Menschen mit Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Kaffeebechern, sondern bisweilen auch Fahrrädern und E-Scootern. Und die bewegen sich naturgemäß etwas schneller als der durchschnittliche Einkaufsbummler.

Inzwischen gibt es offenbar so viele Beschwerden, dass sich auch die Stadt zu Wort meldet. Hinweise aus der Bevölkerung und eigene Beobachtungen zeigten, dass die Fußgängerzone zunehmend von Radfahrenden und E-Scootern befahren werde, erklärt Peter Stuhlträger, Hildens Dezernent für Bau und Umwelt. Auch an anderer Stelle gibt es Probleme. Auf der Pungshausstraße sollen einzelne Radfahrer auf den Gehweg ausweichen, um Fahrbahnanhebungen zu umgehen. Praktisch für den Radfahrer vielleicht – weniger praktisch für den Fußgänger, der an einer Grundstücksausfahrt plötzlich Gesellschaft bekommt.

Die Stadt setzt zunächst auf einen Begriff, der im Straßenverkehr gelegentlich etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint: Rücksichtnahme.

Das klingt vernünftig. Eine Stadt funktioniert schließlich nur, wenn Autofahrer, Radfahrer, E-Scooter-Nutzer und Fußgänger akzeptieren, dass der öffentliche Raum nicht exklusiv für sie reserviert wurde. Gerade dort, wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, braucht es nicht für jede Begegnung eine neue Vorschrift. Manchmal würde es schon helfen, Geschwindigkeit herauszunehmen und den anderen überhaupt wahrzunehmen.

Ganz ohne Regeln geht es allerdings auch nicht. Gehwege sind grundsätzlich Fußgängern vorbehalten. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen dort Fahrrad fahren, ebenso eine begleitende Aufsichtsperson. Für andere Radfahrer und für E-Scooter gilt: Auf den Gehweg dürfen sie nur, wenn dieser ausdrücklich dafür freigegeben ist.

So weit, so eindeutig.

Interessanter wird die Frage, was passiert, wenn sich jemand nicht daran hält. Denn während die Stadt ausführlich an die gegenseitige Rücksichtnahme appelliert, bleibt offen, ob der Kommunale Ordnungsdienst künftig häufiger kontrollieren oder Verstöße sanktionieren soll. Dabei können beispielsweise für das Fahren mit einem E-Scooter auf einer unzulässigen Verkehrsfläche 15 Euro Bußgeld fällig werden.

Und genau hier beginnt die eigentlich spannende Hildener Diskussion.

Reicht ein Appell?

Wer versehentlich ein paar Meter in einen Bereich fährt, in dem er nicht fahren darf, braucht sicherlich nicht sofort die volle Härte der öffentlichen Ordnung zu spüren. Wer aber regelmäßig durch eine volle Fußgängerzone fährt und erwartet, dass die Fußgänger gefälligst Platz machen, hat den Sinn einer Fußgängerzone möglicherweise nicht vollständig verstanden.

Dabei ist das Problem keineswegs ein Kampf „Fußgänger gegen Radfahrer“ oder „Hilden gegen E-Scooter“. Fahrräder und E-Scooter gehören längst zur Mobilität einer modernen Stadt. Sie können Autofahrten ersetzen, brauchen wenig Platz und sind für kurze Strecken ausgesprochen praktisch. Gerade deshalb sollte man aber darauf achten, dass ihre Akzeptanz nicht durch diejenigen beschädigt wird, die Verkehrsregeln eher als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Vielleicht braucht Hilden also gar keine große neue Verkehrsdebatte. Vielleicht reicht eine ziemlich einfache Vereinbarung: Auf der Straße achten Autofahrer auf Radfahrer und E-Scooter. Auf gemeinsamen Wegen achten alle aufeinander. Und dort, wo Fußgänger Vorrang haben, bekommen sie diesen Vorrang tatsächlich.

Das wäre vermutlich die günstigste Verkehrssicherheitsmaßnahme, die Hilden in diesem Jahr einführen könnte.

Sie kostet exakt null Euro.

Nur ein bisschen Rücksicht.

Freitag, 4. September 2026

4.9.2026: Im September wird der Weg nach Düsseldorf zum kleinen Abenteuer

Wer aus Hilden regelmäßig nach Düsseldorf fährt, kennt das Spiel inzwischen: Man schaut morgens nicht mehr nur auf die Uhr, sondern vorsichtshalber auch noch auf die Verkehrsmeldungen. Im September lohnt sich dieser zusätzliche Blick ganz besonders. Rund um das Werstener Kreuz wird gebaut – und das betrifft uns Hildener gleich doppelt. Sowohl die Busse der Rheinbahn als auch Autofahrer müssen sich zeitweise neue Wege suchen.

Grund sind Gleisbauarbeiten der Rheinbahn im Bereich des Werstener Kreuzes. Vom 7. September um 4 Uhr bis zum 21. September um 4 Uhr wird dort gearbeitet. Für Hilden besonders wichtig: Die Buslinien 782 und 785 sind betroffen. Wer regelmäßig mit einer dieser Linien Richtung Düsseldorf fährt, sollte also etwas mehr Zeit einplanen.

Stadtauswärts fahren die Busse ab der Haltestelle „Uni-Kliniken“ eine Umleitung. Die Haltestelle „Werstener Dorfstraße“ entfällt während der Bauarbeiten. In Richtung Düsseldorf beginnt die Umleitung bereits ab der Autobahnabfahrt Wersten. Auch der Schnellbus SB50 nach Haan ist von den Änderungen betroffen.

Nun könnte man natürlich sagen: Dann fahre ich eben mit dem Auto.

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Denn die Arbeiten haben auch erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr rund um das Werstener Kreuz und die A46. Mehrere Fahrbeziehungen sind zeitweise nicht möglich. Wer vom Südpark über die Werstener Straße kommt, kann beispielsweise nur in Richtung Wuppertal auf die A46 fahren. Die Zufahrt zum Werstener Kreuz ist gesperrt. Auch an anderen Stellen sind Auf- und Abfahrten beziehungsweise Abbiegeverbindungen nicht nutzbar.

Das klingt schon beim Lesen kompliziert und dürfte sich im Berufsverkehr noch ein wenig komplizierter anfühlen. Für uns Hildener bedeutet das vor allem: Wer normalerweise über die A46 nach Düsseldorf fährt, sollte vor der Abfahrt prüfen, welche Route gerade sinnvoll ist. Die offiziellen Umleitungen werden ausgeschildert, aber vermutlich werden auch die beliebten Schleichwege in diesen zwei Wochen deutlich stärker belastet sein.

Und weil eine Baustelle allein offenbar noch nicht reicht, gibt es im September noch eine kleine Zugabe. Vom 12. bis zum 14. September wird zusätzlich der Werstener Tunnel auf der A46 in beiden Fahrtrichtungen wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Spätestens an diesem Wochenende dürfte der Satz „Ich fahre mal eben nach Düsseldorf“ etwas optimistisch klingen.

Überhaupt entwickelt sich der Verkehr rund um Hilden derzeit zu einer Art strategischem Brettspiel. A3, A46, A59, Bahnstrecken, Brücken und diverse Baustellen – irgendwo wird eigentlich immer gebaut. Natürlich müssen Straßen, Schienen und Brücken irgendwann saniert werden. Trotzdem ist die Gleichzeitigkeit für Pendler zunehmend eine Herausforderung.

Gerade die Verbindung zwischen Hilden und Düsseldorf ist für viele Menschen tägliche Routine. Arbeit, Universität, Arzttermine, Einkaufen, Veranstaltungen oder einfach ein Abend in der Düsseldorfer Innenstadt – die Strecke gehört zum Alltag. Und deshalb sind solche vermeintlich Düsseldorfer Baustellen eben auch Hildener Geschichten.

Immerhin ist diesmal ziemlich genau bekannt, wann der Spuk vorbei sein soll. Am 21. September um 4 Uhr sollen die Umleitungen der Rheinbahn enden.

Bis dahin gilt für alle Hildener mit Ziel Düsseldorf: ein bisschen früher losfahren, Verkehrsmeldungen anschauen und nicht unbedingt darauf vertrauen, dass der Weg, den man seit zwanzig Jahren fährt, an diesem Morgen auch tatsächlich funktioniert.

Und vielleicht ist das ja inzwischen die wichtigste Verkehrsregel rund um Hilden:

Wenn das Navi plötzlich sagt „Route wird neu berechnet“, hat es wahrscheinlich recht.

Donnerstag, 3. September 2026

3.9.2026: Otto auf Abwegen – plötzlich liegt eine Königspython in einem Hildener Garten

Es gibt diese Momente, in denen man im Garten mit vielem rechnet. Mit Schnecken. Mit Wespen. Vielleicht mit der Nachbarskatze, die wieder einmal so tut, als gehöre ihr das Grundstück. Womit man in Hilden eher nicht rechnet: einer Königspython. Genau das passierte jetzt Anwohnern an der Poststraße. Am Sonntagabend entdeckten sie in einem Garten eine Würgeschlange. Und damit hatte Hilden für ein paar Stunden seinen ganz eigenen kleinen Schlangenalarm.

Die Feuerwehr wurde gerufen, außerdem kam ein Reptilienexperte hinzu. Denn bei aller Neugier ist eine Python nun einmal kein Tier, bei dem man erst einmal mit dem Besen nachschaut, ob sie vielleicht freiwillig wieder verschwindet. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um den ungewöhnlichen Gast. Weil der Aquazoo in Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war, führte der Weg schließlich ins Tierheim Hilden.

Dort war man offenbar besser auf solche Überraschungsgäste vorbereitet, als man vielleicht vermuten würde. Es gibt ein Übergangsterrarium, und so bekam die Königspython zunächst eine vorübergehende Unterkunft. Und wie es sich für eine ordentliche Hildener Geschichte gehört, bekam das Tier natürlich auch einen Namen: Otto.

Otto scheint seine kleine Reise durch Hilden gesundheitlich gut überstanden zu haben. Nach Angaben des Tierheims befand sich die Schlange in einem guten Zustand. Noch wichtiger: Die Geschichte hat inzwischen ein Happy End. Über die sozialen Medien konnte der Besitzer gefunden werden, und Otto wurde mittlerweile wieder abgeholt.

Damit endet der Hildener Schlangenausflug deutlich unspektakulärer, als er begonnen hat. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Ganz ohne größeren Zusammenhang steht der Fund allerdings nicht da. Im Rheinland sorgten zuletzt mehrfach ausgesetzte oder entlaufene Würgeschlangen für Aufsehen. In Krefeld wurde beispielsweise innerhalb weniger Wochen gleich zweimal eine Boa Constrictor gefunden. Eine davon war rund zweieinhalb Meter lang und sieben Kilogramm schwer. Bei der zweiten Boa handelte es sich um ein jüngeres Tier von ungefähr 1,50 Meter Länge. Diese Schlange war am Schwanz verletzt und musste tierärztlich behandelt werden.

Obwohl solche Meldungen spektakulär klingen, zeigt Ottos Geschichte vor allem etwas anderes: wie viele unterschiedliche Aufgaben bei Feuerwehr und Tierheim landen. Normalerweise denken wir bei einem Feuerwehreinsatz an Brände, Verkehrsunfälle oder technische Hilfeleistungen. Manchmal besteht der Einsatz eben darin, eine Königspython aus einem Hildener Garten zu holen.

Und auch unser Tierheim kümmert sich offensichtlich nicht ausschließlich um Hund, Katze und Kaninchen. Wenn plötzlich ein exotischer Gast vor der Tür steht, braucht es einen geeigneten Platz, Erfahrung und im Zweifel zusätzliche fachliche Unterstützung. Dass dafür sogar ein Übergangsterrarium vorhanden ist, hätte ich jedenfalls nicht unbedingt erwartet.

Bleibt natürlich die Frage, wie Otto überhaupt in den Garten an der Poststraße gekommen ist. Darüber erfahren wir leider nichts. Vielleicht hat er eine Gelegenheit zur Flucht genutzt, vielleicht war irgendwo eine Tür oder ein Terrarium nicht richtig geschlossen. Entscheidend ist am Ende: Besitzer gefunden, Schlange gesund, niemand verletzt.

Und Otto?

Der dürfte seinen Ausflug vermutlich weniger spektakulär gefunden haben als die Menschen, die ihn entdeckt haben.

Für die wiederum gilt künftig vielleicht eine neue Hildener Gartenregel: Bevor man barfuß durch das Blumenbeet läuft, schaut man lieber zweimal hin.

Denn zwischen Geranien, Gartenzwerg und Gießkanne könnte neuerdings auch mal eine Königspython liegen.