Wer Anfang Januar in Hilden unterwegs ist, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich drei Kronenträger vor der Tür stehen, singend, segensbringend und mit Spendenbüchse im Gepäck. Nein, das ist keine spontane Musicalaufführung – das sind die Sternsinger. 2026 sind es rund 150 Kinder, die in Königsmission durch die Straßen ziehen, um Segen zu verteilen und Spenden zu sammeln. Und das nicht etwa für die eigene PlayStation-Kasse, sondern für Kinder in Not. Ganz großes Kino – und das ganz ohne Streaming-Abo.
Diesmal geht’s für die gute Sache nach Bangladesch. Dort schuften rund 1,8 Millionen Kinder, viele unter katastrophalen Bedingungen. Da ist jeder Euro aus Hilden ein Hoffnungsschimmer – quasi ein Segen mit Rückwirkung. Während also bei uns fleißig gebastelt, gebetet und gebimmelt wird, macht die Aktion weltweit den Unterschied. Das nennt man dann wohl Charity mit Sternchen.
Aber einfach ist das Sternsingen längst nicht mehr. Heike Heise vom Organisationsteam weiß, wovon sie spricht. Urlaubswütige Familien und Ganztagsschulen machen das Finden von Sternsinger-Nachwuchs inzwischen zur kleinen logistischen Meisterleistung. Doch die Gemeinden zeigen Flexibilität – mit Betreuung ab 8 Uhr und einem Motto, das alle Sorgen wegwischt: „Kommt so, wie ihr seid.“ Denn wer heute noch denkt, man müsse sich für einen der Könige das Gesicht schwarz anmalen, der bekommt – zu Recht – keinen Applaus, sondern ein erklärendes Gespräch über Symbolik und Sensibilität. Sternsingen 2026 ist bunt, aber nicht bemalt. Bravo.
Die Organisation ist durchdacht wie ein Schweizer Uhrwerk. Während in St. Marien und St. Konrad noch traditionell von Tür zu Tür gezogen wird – inklusive Süßigkeitensprints, Segen auf Kreidebasis und mindestens einem Kind, das seinen Text vergessen hat –, wird im großen Stadtgebiet von St. Jacobus mit Anmeldung gearbeitet. Die Sternsinger kommen auf Wunsch – wie ein himmlischer Lieferdienst mit Segens-Abo.
Und wer es ganz modern mag, holt sich den „Segen to go“ per Aufkleber in der Kirche ab – kontaktlos und pandemiesicher. Dazu gibt’s einen Opferstock oder die gute alte Online-Spende. Selbst die Dreikönige sind also inzwischen digital transformiert. Hut ab – oder besser: Krone ab.
Der krönende Abschluss (Wortspiel leider unvermeidbar) findet dann am 10. und 11. Januar statt, mit Gottesdiensten und vermutlich der ein oder anderen Kinderstimme, die nach Tagen des Dauersingens nur noch heiser flüstert: „Stern über Bethlehem… hust… zeig uns den Weg…“
Und wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einmal goldene Umhänge zu tragen, darf sich gerne bei Heike Heise melden. Denn mal ehrlich: Wo sonst kann man königlich aussehen, Süßigkeiten abstauben, Herzen erwärmen und gleichzeitig Gutes tun – alles in einem Nachmittag?
Sternsingen in Hilden: Es ist ein bisschen wie Weihnachten nach dem Fest – nur mit mehr Einsatz, mehr Stern und mehr Wirkung. Und ja, es gibt tatsächlich noch Dinge, die schöner sind als Raketen in der Silvesternacht.
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