Es gibt Städte, in denen blühen die Kirschbäume im Frühling, in anderen funkeln Weihnachtsmärkte zur Adventszeit – und dann ist da Hilden. Dort blühen die Blitzer. Und zwar das ganze Jahr. 6904-mal hat es 2025 „Klick!“ gemacht – nicht für Instagram, sondern für Flensburg.
Man muss der Stadt fast danken: Hilden selbst bleibt fein raus. Die Mitarbeitenden des Ordnungsamts kümmern sich nur um den ruhenden Verkehr – also um das, was steht. Für alles, was rollt, flitzt und rast, sind der Kreis Mettmann und die Polizei zuständig. Vielleicht ist das auch besser so – so kann man sich wenigstens noch im Parkverbot entspannt das Brötchen holen, ohne gleichzeitig mit 53 km/h durch die Fußgängerzone zu donnern.
Die Zahlen sprechen für sich: 6177 Raser gingen dem Kreis bis Ende November ins Netz, die Polizei steuerte noch 727 dazu bei. Macht zusammen: eine fast schon olympisch anmutende Leistung der Hildener Raserei – rund 6900 Temposünder. Offenbar kann man in der Itterstadt nicht nur gut wohnen, sondern auch hervorragend beschleunigen.
Die Lieblingsstelle für Tempofetischisten scheint der Ostring zu sein – dort thronen zwei stationäre Blitzer wie die bösen Zwillingsonkel, die einem beim Familienfest heimlich das Geld aus dem Portemonnaie ziehen. Und wer denkt, er könne einfach woanders Gas geben: Denkste! An über 30 weiteren Stellen lauern semistationäre „Trailer“ und mobile Messanlagen – quasi die Foodtrucks des Temporegimes, nur mit weniger Burger und mehr Bußgeld.
Apropos Bußgeld: Bei bis zu 10 km/h zu schnell gibt’s für schlanke 30 Euro einen netten Gruß nach Hause. Wer dagegen den Bleifuß ernst nimmt und mehr als 25 km/h übermütig unterwegs ist, zahlt bis zu 800 Euro, kriegt Punkte und darf drei Monate lang den Busfahrplan studieren. Das ist dann auch für Kölner Gäste spürbar: Einer wurde mit 93 Sachen auf der Elberfelder Straße geblitzt, erlaubt waren 70. Nach Toleranzabzug blieb eine runde 20er-Überschreitung und 60 Euro Strafe. Billiger ist es nur beim Schwarzfahren – aber da gibt’s auch kein schönes Foto dazu.
Und wie viel Geld spült das alles in die Kassen? Die Polizei winkt ab – ihre Kassen bleiben leer, die Kohle geht ins Land. Aber selbst wenn Hilden nichts daran verdient: Einen Ruf als Tempoluxusdestination hat sich die Stadt redlich erarbeitet. Wer also mal wieder das Gefühl vermisst, lebendig zu sein – einfach ins Auto setzen, kurz aufs Gaspedal tippen, und zack ist die Erinnerung gesichert. Für mindestens drei Jahre.
Hilden – wo jeder zweite Ausflug mit einem Blitzer-Selfie endet. Wer braucht schon Influencer, wenn der Kreis Mettmann alles dokumentiert?
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