Wenn man dachte, Hilden sei nur ein beschauliches Städtchen mit Blitzer-Romantik und gutbürgerlicher Küche, dann hat man 2025 offenbar im Tiefschlaf verbracht. Die Klickzahlen auf der Website der Rheinischen Post zeigen deutlich: In Hilden war ordentlich was los – ein Best-of voller Drama, Action, Herzschmerz und einem tierischen Hauptdarsteller.
Auf Platz 1 der meistgelesenen Beiträge thronte der ganz große Straßen-Blockbuster: Ein umgekippter Gefahrguttransporter auf der A46 – Feuer, Sperrung in beide Richtungen, medizinische Versorgung im Stau, Apokalypse light. Die Autobahn wurde zum Standstreifen des Schicksals. Wer da nur kurz zu Ikea wollte, bekam gratis einen Crashkurs in Geduld, Panik und Radioprogrammen von vor fünf Jahren. Verkehrs-Drama mit allem Drum und Dran – Hollywood hätte es nicht besser inszeniert.
Direkt dahinter auf Platz 2: der kollektive Silvester-Stress. Offensichtlich ist es einfacher, einen Gefahrgutbrand zu löschen, als zu entscheiden, ob man an Silvester lieber zur 90er-Party oder zur Ü-30-Schlager-Extravaganza geht. Kein Wunder, dass die Veranstaltungstipps rund um den Jahreswechsel mehr geklickt wurden als die Haushaltsrede des Bürgermeisters – Stimmung statt Statistik, so tickt der Mensch.
Platz 3 wurde dann emotional. Rusty, die französische Bulldogge mit tragischer Hintergrundstory, wurde vorm Tierheim ausgesetzt – mit Napf, Decke und Abschiedsbrief. In einer Stadt, in der selbst die Blitzer seelenlos auslösen, traf Rusty mitten ins Herz der Leser. Vergesst Romeo und Julia – das war das echte Drama 2025.
Es folgte Action der anderen Art: Ein Discounterbrand auf Platz 4, Razzien bei illegalem Zigarettenhandel auf Platz 5. Wer dachte, „Marlboro Man“ sei ausgestorben, hat offenbar nicht mit dem Zoll gerechnet. Mehr als zehn Millionen unversteuerte Zigaretten – da fragt man sich schon, ob in Hilden heimlich an der Weltherrschaft des Tabaks gearbeitet wurde.
Und dann: Essen! Denn zwischen Feuer, Drogen und Hundeschicksalen interessiert die Hildener doch noch etwas ganz Bodenständiges – wo es ordentlich was zu futtern gibt. Die gutbürgerliche Küche eroberte Platz 6 und beweist: Egal wie viel Krimi in der Stadt tobt, ein Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln bringt alles wieder ins Lot.
Dunkler wurde es auf Platz 7: Ein Juwelier wurde gleich zweimal Opfer von Einbrüchen, erst mit Rammbock, dann mit Déjà-vu. Die Bürger? Verängstigt. Die Polizei? Alarmiert. Und die Redaktion? Klickzahlen-technisch glücklich.
Abgeschlossen wurde das Jahr mit einem bitteren Rekord: Hilden liegt laut Statistik bei der Kriminalität ganz vorne im Kreis. Ob das nun an der Polizeiarbeit, der Klickgier oder den tatsächlichen Zuständen liegt – das bleibt offen. Sicher ist nur: Wenn das so weitergeht, braucht Hilden bald einen eigenen „Tatort“. Titelvorschlag: „Blitzlicht und Blaulicht“.
2025 war also kein Jahr für schwache Nerven – aber ganz sicher eins mit vielen Geschichten. Und wer in Hilden lebt, weiß jetzt: Man braucht keinen Streamingdienst. Man muss nur die Lokalnachrichten lesen.
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