Mittwoch, 7. Januar 2026

7.1.2026: Weniger Sachverstand für mehr Sparsamkeit – Hilden macht Politik nach dem Motto „Hauptsache billig!

Hilden, du Perle im Kreis Mettmann, du Wiege der kommunalen Kompromisskunst – wie oft hast du uns schon gezeigt, dass politische Entscheidungen nicht zwangsläufig verständlich, aber dafür herrlich unterhaltsam sein können? Aktuell sorgt ein Ratsbeschluss für hochgezogene Augenbrauen, gerunzelte Stirnen und das eine oder andere genervte „Wat soll dä Quatsch denn jetzt wieder?“: Die Zahl der sachkundigen Bürger in den Ausschüssen wird drastisch reduziert. Aus Gründen. Aus Spargründen. Natürlich.

Sachkundige Bürger, das sind die engagierten Menschen, die sich freiwillig in die Untiefen der Ausschussarbeit begeben, ohne Mandat, dafür mit viel Herz und gelegentlich einem Wikipedia-Artikel im Gepäck. Sie sprechen mit, wenn der Rat über die wirklich heißen Eisen diskutiert: von neuen Radwegen bis hin zu den Farbtönen öffentlicher Mülleimer. Und jetzt – schwupps – will man sie loswerden. Oder zumindest weniger davon haben. Ein bisschen Sachverstand muss reichen, alles andere ist schließlich Luxus.

Die Logik dahinter? Wer wenig Fraktionsmitglieder hat, soll auch wenig Bürger vorschlagen dürfen. Das klingt fast nach einem Rabattmodell: „Kaufen Sie vier Ratsmitglieder und erhalten Sie bis zu vier Bürger kostenlos dazu – aber nicht mehr!“ Die Großen im Rat (CDU, SPD und Grüne) fanden das offenbar ganz charmant und winkten den Antrag fröhlich durch. Die Kleinen hingegen fanden’s weniger spaßig – sie sprechen jetzt schon von „politischer Verzwergung“ und „demokratischem Schrumpfkurs“.

Einige wittern gar eine Verschwörung. Die Opposition spricht von eingeschränkter Arbeitsfähigkeit, verfassungsähnlichen Grundprinzipien und – wenn man ganz genau hinhört – dem Untergang des Abendlandes. FDP und Bürgeraktion möchten notfalls das Verwaltungsgericht einschalten, denn was wäre Demokratie ohne mindestens eine Klage pro Quartal?

Die Sitzungsgelder sind übrigens auch betroffen. Maximal 20 Mal im Jahr gibt’s 46,80 Euro. Für den Preis kann man sich in Hilden immerhin ein paar Kaffee und ein belegtes Brötchen im Rathaus holen – wenn man Glück hat, sogar mit Remoulade. Ob das reicht, um sich durch die Haushaltspläne zu quälen, sei mal dahingestellt.

Doch wie sagt man so schön in der Politik: „Wissen ist Macht – aber teuer darf’s halt nicht sein.“ Und wenn weniger Bürger mitreden dürfen, geht’s vielleicht auch schneller. Oder ruhiger. Oder zumindest sparsamer.

Ob das der Demokratie guttut, steht auf einem anderen Blatt – vermutlich dem mit dem Einsparziel.

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