Freitag, 9. Januar 2026

9.1.2026: Hilden im Schneemodus: Wenn das Rheinland plötzlich Lappland spielt

Es gibt Tage, da wacht man in Hilden auf, schaut aus dem Fenster – und denkt kurz, man hätte aus Versehen den Netflix-Account auf „Nordic Noir“ umgestellt. Mittwochmittag jedenfalls hat der Winter im Kreis Mettmann wieder ordentlich nachgelegt: ergiebiger Schneefall, glitzernde Straßen, und überall dieses leise, aber deutliche „Uff“, das entsteht, wenn das Rheinland feststellt, dass Schnee nicht nur Deko ist, sondern auch Physik.

Auf den Straßen wurde aus „Ich fahr nur kurz“ schneller „Ich rutsche nur kurz“. Seit 13 Uhr gab’s ein verstärktes Geschehen, wie die Polizei so schön nüchtern sagt – 14 Unfälle in Hilden, vier in Haan, allesamt zum Glück nur mit Blech- und Zaunschaden. Wobei: Ein Gartenzaun, der plötzlich ein Auto als winterliches Accessoire trägt, hat sicher auch nicht mit seiner Woche gerechnet. Und während man sonst ins Parkhaus fährt, um dem Wetter zu entkommen, wurde das Parkhaus Am Kronengarten offenbar selbst zum Wetter: so rutschig, dass zwischen den Etagen „Fortkommen“ eher ein philosophisches Konzept war. Hausmeister alarmiert – das ist im Winter ungefähr die kommunale Version von „Avengers, assemble!“.

Die Region hat dabei ihre ganz eigene Schneekarte gezeichnet: In Mettmann lagen Lastwagen quer und machten aus „Durchfahrt frei“ kurzzeitig „Durchfahrt: nein“. In Velbert standen Linienbusse plötzlich so, als hätten sie beschlossen, aus Protest gegen die Straßenlage spontan Haltestelle zu spielen. Räumfahrzeuge waren zwar unterwegs, kamen aber gegen den Schneenachschub nicht sofort an – man kennt das: Du räumst, der Himmel so: „Süß.“

Die Feuerwehren in Hilden und Haan meldeten am Nachmittag noch keine witterungsbedingten Einsätze, aber die Bereitschaft war da. „Wir haben schon die Schneeketten aufgezogen“, hieß es sinngemäß. Das klingt ein bisschen, als würde man zum Elternabend gehen und sagen: „Ich hab schon die Argumente geladen.“ Man hofft, man braucht sie nicht – aber sicher ist sicher.

Und weil das Rheinland im Winter gerne sowohl romantisch als auch chaotisch ist, gab’s parallel diese Bilderbuchmomente: Innenstadt im kristallinen Weiß, die Mittelstraße plötzlich wie frisch gezuckert, die Reformationskirche geschniegelt im Schnee-Outfit, und irgendwo wird gerodelt, als hätte der Jaberg eine geheime Partnerschaft mit den Alpen. Spaziergänge mit Hund (gern mit Namen, die nach Chips klingen), Schnee-Engel, riesige Schneebälle auf zugefrorenen Teichen – inklusive dem wichtigen Hinweis: Zugefrorene Gewässer bitte nicht betreten, auch wenn sie so verlockend aussehen wie ein makelloser Kuchenboden. Und unter der Eisenbahnbrücke an der Itter hängen Eiszapfen, die schon mal üben, wie man in 150.000 Jahren eine Tropfsteinhöhle wird. Langfristige Karriereplanung kann der Winter.

Die offiziellen Ratschläge sind dabei so vernünftig, dass sie fast unrheinisch wirken: unnötige Fahrten vermeiden, Abstand halten, Tempo anpassen, vorausschauend und defensiv fahren – und, ganz wichtig, das Auto vom Schnee befreien. (Denn nichts sagt „Ich bin bereit für den Straßenverkehr“ wie ein Fahrzeug, das aussieht, als würde es gerade inkognito als Iglu durchgehen.) Auch die Rheinbahn warnt: Verspätungen und Ausfälle, vor allem bei den Buslinien – was im Winter bedeutet, dass „Ich bin gleich da“ zeitlich irgendwo zwischen „gleich“ und „Frühling“ liegen kann.

Und während wir über Glätte diskutieren, läuft im Hintergrund die große Logistik-Oper: Der Bauhof hat rund 630 Tonnen Streugut eingelagert, etwa 150 Tonnen sind schon raus – im Rheinland ist Streusalz gerade ungefähr so wertvoll wie früher Gold, nur dass man’s nicht in Tresoren lagert, sondern in Silos. Nachlieferungen sind unterwegs, und irgendwo sitzt bestimmt jemand im Rathaus und flüstert: „Haltet die Feuchtsalzreserven zusammen, Leute.“

Als Bonus gibt’s noch den Klassiker: Müllabfuhr und Weihnachtsbaum-Abholung können sich verzögern, weil der Winterdienst Personal bindet. Heißt praktisch: Wenn der Tannenbaum noch ein paar Tage länger am Gehweg liegt, ist das nicht Faulheit, sondern quasi ein letztes saisonales Statement. Wichtig nur: ohne Schmuck, sonst wird aus „Abholung“ schnell „Weihnachtsmarkt 2.0“.

Unterm Strich: Hilden und Haan haben wieder bewiesen, dass sie Schnee gleichzeitig wunderschön und unerquicklich können. Also: Genießen ja – aber bitte mit Abstand, mit Besen fürs Autodach und mit der Einsicht, dass „nur mal eben“ im Winter eine sehr optimistische Lebenshaltung ist. Bleibt vorsichtig da draußen – und wenn ihr unbedingt raus müsst: Fahrt, als wäre euer Gartenzaun schon vergeben.

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