In Hilden reicht ein Weihnachtsmarkt offenbar nicht mehr. Jetzt bekommen wir gleich drei Veranstaltungen hintereinander: Sankt-Martins-Markt, Winterdorf und Neujahrsmarkt. Vom 4. November bis zum 24. Januar wird der Alte Markt damit, abgesehen von einigen Unterbrechungen, zur winterlichen Dauerveranstaltung. Was früher ein paar gemütliche Adventswochen waren, entwickelt sich langsam zu einer eigenen Saison. Fehlt eigentlich nur noch die Dauerkarte für den Glühweinstand.
Den Auftakt macht vom 4. bis 11. November der neue Sankt-Martins-Markt mit Karussell, Bühne, Imbiss und Getränken. Veranstalter Plenkers&Mey arbeitet dafür mit dem Sankt-Martins-Verein Hilden-Süd zusammen. Vom 18. November bis zum 22. Dezember folgt das eigentliche Winterdorf, das diesmal den gesamten Alten Markt einnehmen soll. Hütten, Weihnachtsbaum, beleuchtete Eiche, Musik, Nikolaus und gemeinsames Singen – das klingt nach allem, was man für eine stimmungsvolle Innenstadt braucht. Und nach ziemlich viel Betrieb auf einem Platz, der außerhalb solcher Veranstaltungen auch noch andere Aufgaben hat.
Denn so schön ich den Alten Markt mit seinen Lichtern und Buden finde: Er ist eben nicht ausschließlich eine Veranstaltungsfläche. Er gehört zum alltäglichen Leben unserer Innenstadt. Menschen treffen sich dort, besuchen die Gastronomie oder genießen einfach den Platz vor der Reformationskirche. Wenn dieser Bereich über Wochen mit Hütten und Aufbauten belegt wird, darf man durchaus nach den Auswirkungen auf die übrige Nutzung fragen. Gerade in Hilden, wo wir sonst über jeden weggefallenen Parkplatz und jede neue Straßenmarkierung diskutieren, sollte diese Frage nicht ausgerechnet beim Winterdorf unter den Glühweintisch fallen.
Neu sind auch zwei überdachte Eisstockschießbahnen und zwei mietbare Holzfässer. Das dürfte besonders für Freundeskreise, Vereine und Firmen interessant sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich solche buchbaren Angebote mit dem offenen Charakter eines öffentlichen Treffpunkts verbinden lassen. Ein lebendiger Alter Markt sollte schließlich nicht nur für diejenigen attraktiv sein, die vorher eine Stunde reserviert haben.
Besonders gespannt bin ich auf die Verlängerung nach Weihnachten. Vom 28. Dezember bis zum 24. Januar 2027 soll ein verkleinerter Neujahrsmarkt stattfinden. Die Eisstockbahnen bleiben, das gastronomische Angebot wird reduziert und das Geschehen konzentriert sich auf den Bereich vor der Reformationskirche. Das hat durchaus Charme. Der Januar ist in Hilden schließlich nicht gerade für sein überwältigendes Freizeitangebot unter freiem Himmel bekannt. Allerdings ist ein gut besuchtes Winterdorf im Advent noch kein Beweis dafür, dass Ende Januar bei Nieselregen dieselbe Begeisterung herrscht. Dafür braucht es mehr als Buden, die einfach ein paar Wochen länger stehen bleiben.
Die angekündigten Öffnungszeiten sind großzügig: montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, samstags bis 21 Uhr und sonntags von 11.30 bis 20 Uhr. Am Totensonntag, dem 22. November, bleibt geschlossen. Informationen zu Preisen und Reservierungen gibt es bereits auf der Internetseite des Winterdorfs.
Ich wünsche mir durchaus, dass das Konzept aufgeht. Gerade der Alte Markt mit der Reformationskirche und der alten Eiche hat das Potenzial, im Winter ein besonders schöner Treffpunkt zu sein. Eine belebte Innenstadt ist allemal erfreulicher als eine, in der abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Entscheidend wird sein, ob die drei Märkte tatsächlich zusätzliche Besucher anziehen, ohne dass der Platz seinen Charakter als öffentliches Zentrum verliert.
Vielleicht gelingt den Veranstaltern ja genau diese Mischung. Dann hätte Hilden etwas gewonnen. Wenn allerdings aus jeder freien Woche auf dem Alten Markt automatisch die nächste Veranstaltung werden soll, müsste man irgendwann auch darüber sprechen, wann der Platz einfach wieder Platz sein darf.
Denn der Alte Markt ist das Wohnzimmer unserer Innenstadt. Und auch im schönsten Wohnzimmer möchte man nicht drei Monate lang zwischen Glühweinbude und Eisstockbahn wohnen.
Donnerstag, 8. Oktober 2026
8.10.2026: Drei Märkte, ein Platz – oder: Hilden macht aus dem Alten Markt ein Winter-Abo
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