Dienstag, 6. Oktober 2026

6.10.2026: Aus 4.000 werden 1.700 Quadratmeter – oder: Auch der liebe Gott muss in Hilden Fläche sparen

Wenn in Hilden über knappe Flächen gesprochen wird, geht es meistens um Wohnungen, Kitas, Parkplätze oder Grün. Jetzt beschäftigt die Quadratmeterfrage auch die evangelische Kirchengemeinde. Sie nutzt derzeit knapp 4.000 Quadratmeter, bis 2035 sollen daraus rund 1.700 werden. Mehr als die Hälfte muss also weg. Und plötzlich geht es nicht nur um Zahlen, sondern um drei Gebäude, mit denen viele Hildener Erinnerungen verbinden: Reformationskirche, Friedenskirche und Erlöserkirche.

Der Grund ist nüchtern: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, die Kirchensteuereinnahmen gehen zurück und große Gebäude kosten Geld – besonders, wenn energetische Sanierungen anstehen. Die Gemeinde zählt derzeit rund 11.700 Mitglieder und hat vier Pfarrstellen, wobei sich auch deren Zahl perspektivisch verändern dürfte. Eine Gebäudebedarfsanalyse soll nun zeigen, was künftig noch finanzierbar ist.

Eine Kirche steht dabei offenbar nicht zur Disposition: die denkmalgeschützte Reformationskirche mitten in der Stadt. Bei Friedenskirche im Norden und Erlöserkirche im Süden ist dagegen alles offen. Vermieten, anders nutzen, verkleinern oder möglicherweise einen Standort aufgeben – Vorentscheidungen gebe es laut Presbyterium noch nicht.

Besonders im Hildener Süden sorgt das für Unruhe. Dort wird befürchtet, die Erlöserkirche könnte irgendwann entwidmet werden. Der Bürgerverein Hilden-Süd hat bereits eine Alternative vorgeschlagen: Sollte der Standort tatsächlich frei werden, könnte die Stadt über eine Nutzung als Großkita nachdenken, statt die geplante fünfgruppige Kita am Salzmannweg/Bruchhauser Straße zu bauen. Noch ist das lediglich ein Vorschlag, zeigt aber, wie schnell aus einer kirchlichen Immobilienfrage eine Hildener Standortdebatte wird.

Die eigentliche Entscheidung dürfte ohnehin schwieriger werden als die reine Quadratmeterrechnung. Kirchen sind keine beliebigen Immobilien. Menschen wurden dort getauft, konfirmiert und getraut, haben Abschied genommen oder jahrzehntelang ihren Gottesdienst besucht. Für sie geht es nicht nur um Heizkosten und Nutzflächen, sondern um persönliche Geschichte.

Gleichzeitig lässt sich die wirtschaftliche Realität nicht ausblenden. Wenn weniger Mitglieder große Gebäude finanzieren müssen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viel Geld in deren Erhalt fließen kann und wie viel für die eigentliche Gemeindearbeit übrigbleiben soll. Genau darauf verweist die Vorsitzende des Presbyteriums Brunhilde Seitzer: Leere Räume bringen der Gemeinde wenig, und das vorhandene Vermögen für Gebäudesanierungen aufzubrauchen wäre keine nachhaltige Lösung.

Damit geht es letztlich um mehr als die Frage, welche Kirche bleibt. Die Gemeinde muss kleiner werden, ohne dass ihr Angebot im gleichen Maße schrumpft. Als mögliches Vorbild nennt das Presbyterium das „Langenfelder Modell“ mit einem kleineren multifunktionalen Raum, der auch für Gottesdienste genutzt werden kann. Denn auch Gottesdienstformen und Gemeindearbeit verändern sich.

Anfang kommenden Jahres soll es konkret werden. Für Januar oder Februar werden Beschlüsse erwartet, vorher soll eine Gemeindeversammlung stattfinden. Dann wird sich zeigen, was aus den 4.000 Quadratmetern tatsächlich wird – und welche Rolle Friedens- und Erlöserkirche künftig spielen.

Denn eine Kirche kann man in Quadratmetern messen. Was sie einem Stadtteil bedeutet, passt in keine Gebäudebedarfsanalyse.

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