In Hilden wird demnächst wohl nicht mehr gefragt, was wir uns leisten wollen, sondern was wir uns überhaupt noch leisten können. Bürgermeister Claus Pommer bereitet uns auf harte Einschnitte vor. Und wer die Zahlen kennt, versteht schnell: Das wird keine gewöhnliche Sparrunde, sondern eine finanzielle Vollbremsung.
Mehr als 26 Millionen Euro Defizit stehen für 2026 im Haushaltsplan. Bis 2036 muss die Stadt einen Weg zurück zu einem ausgeglichenen Haushalt finden. Pommer spricht rechnerisch von einem Konsolidierungsvolumen von rund 400 Millionen Euro über diesen Zeitraum. Das sind Dimensionen, bei denen selbst erfahrene Haushälter vermutlich zweimal auf ihren Taschenrechner schauen.
Die Verwaltung soll ebenfalls ihren Beitrag leisten. Bis 2036 sollen 45 der rund 900 Vollzeitstellen wegfallen, allerdings ohne Kündigungen. Feuerwehr, Kitas, offene Ganztagsschulen und andere besonders wichtige Bereiche sollen verschont bleiben. Durch Digitalisierung und effizientere Abläufe erhofft sich die Stadt langfristig jährliche Einsparungen von rund 3,9 Millionen Euro.
Meine kritische Hildener Fanbrille fragt sich allerdings, ob das ausreichen kann. Denn während im Rathaus mühsam über Einsparungen von 50.000 Euro nachgedacht wird, steigt die Kreisumlage für Hilden plötzlich um weitere sieben Millionen Euro. Da bekommt Pommers Vergleich mit dem Kampf gegen Windmühlen durchaus eine gewisse Berechtigung.
Trotzdem dürfen wir nicht jede finanzielle Schwierigkeit allein auf Bund, Land oder Kreis schieben. Auch in Hilden muss kritisch hinterfragt werden, welche Aufgaben notwendig sind, welche Strukturen effizienter werden können und wo wir uns über Jahre vielleicht an Leistungen gewöhnt haben, die künftig schwer zu finanzieren sind.
Besonders heikel wird die Frage nach höheren Steuern. Mehr Grundsteuer trifft Eigentümer und mittelbar auch Mieter, höhere Gewerbesteuern belasten Unternehmen. Beides könnte die Attraktivität unserer Stadt beeinträchtigen. Aber ohne zusätzliche Einnahmen wird die Rechnung möglicherweise ebenfalls nicht aufgehen.
Der Haushaltsentwurf soll im Dezember eingebracht und voraussichtlich im Frühjahr 2027 verabschiedet werden. Bis dahin stehen schwierige Diskussionen bevor. Ich erwarte dabei von Verwaltung und Politik nicht nur eine lange Liste möglicher Streichungen, sondern nachvollziehbare Prioritäten und ehrliche Antworten.
Denn Hilden lebt nicht allein von ausgeglichenen Haushaltszahlen. Unsere Vereine, Schulen, kulturellen Angebote und das Ehrenamt machen die Stadt lebenswert. Wer dort spart, sollte wissen, welche Folgen das für unsere Stadtgemeinschaft hat.
In Hilden müssen wir künftig wohl jeden Euro zweimal umdrehen. Aber eines sollten wir dabei nicht vergessen: Eine Stadt kann sich auch kaputtsparen. Die eigentliche Kunst wird deshalb nicht darin bestehen, möglichst viel zu streichen, sondern das Richtige zu erhalten.
Freitag, 6. November 2026
6.11.2026: Hilden muss sparen – oder: Wenn selbst der Rotstift nicht mehr reicht
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