Donnerstag, 12. Februar 2026

12.2.2026: Wenn Kamelle Gold wert sind – Karneval in Hilden zwischen Schunkeln, Sparen und Süßwaren-Strategie

Karneval in Hilden war ja schon immer die fünfte Jahreszeit, aber 2026 fühlt sie sich ein bisschen wie die Zeit der großen Entbehrungen an – zumindest, wenn man unter einem Karnevalswagen steht und hofft, dass einem eine Tafel Schokolade ins offene Jeckenlächeln segelt. Früher, so hört man es an jeder zweiten Theke, sei mehr geflogen, höher, weiter, süßer. Heute gilt: gleiches Budget, weniger Wurfmaterial, dafür aber mit deutlich höherem emotionalem Wert. Kamelle sind quasi die neue Kryptowährung – selten, begehrt und manchmal Anlass für kleine Rangeleien am Straßenrand.

Trotzdem lässt sich Hilden die Laune nicht verderben. Rund 15 Wagen werfen immer noch mehrere Tonnen Süßigkeiten unters Volk, auch wenn jede einzelne Waffel inzwischen innerlich mit Applaus verabschiedet wird. Wer eine doppelte Portion erwischt, hat entweder sehr viel Glück oder sehr schnelle Hände. Und während auf den Wagen gerechnet, kalkuliert und vermutlich auch leise geweint wird, schunkelt unten das Volk, als wäre alles wie immer – denn Karneval ist schließlich Kopfsache.

Los geht der ganze Spaß traditionell an Altweiber mit dem Sturm auf das Bürgerhaus, bei dem sich Bürgermeister, Rathauspfeifen und die legendäre Waldkaserne heldenhaft, aber erfahrungsgemäß erfolglos, gegen die geballte Macht der drei Prinzenpaare stemmen. Spätestens wenn der Rathausschlüssel fällt, ist klar: Ab jetzt regieren Kostüme, Konfetti und der kollektive Ausnahmezustand. Danach verteilt sich die Jeckenschar strategisch klug – einige Richtung Waldkaserne, andere direkt zur Party in der Stadthalle Hilden, wo spätestens ab dem zweiten Lied niemand mehr weiß, wie spät es ist, aber alle wissen, dass es richtig ist.

Der Karnevalsfreitag zeigt dann Herz und Humor zugleich, wenn bei der Inklusionsparty wirklich alle gemeinsam feiern, tanzen und singen, während am Nelkensamstag die Innenstadt beweist, dass man auch vor der Sparkasse hervorragend schunkeln kann. Und wenn am Sonntag kurz durchgeatmet wird, bevor anderswo der Familienzug zieht, bleibt nur noch eine entscheidende Frage offen: Wie kommt man eigentlich nachts nach Hause? Die Antwort liefert zuverlässig die Rheinbahn, die mit Zusatzfahrten dafür sorgt, dass auch der letzte Jeck sicher – oder zumindest näherungsweise – wieder im eigenen Bett landet.

Am Ende bleibt festzuhalten: Auch wenn die Süßigkeiten teurer sind und die Kamelle gefühlt kleiner werden, der Karneval in Hilden ist unbezahlbar. Denn Lachen kostet nichts, Schunkeln verbrennt Kalorien und ein einziger gefangener Schokoriegel kann für einen kurzen Moment das Gefühl geben, den Rosenmontag gewonnen zu haben. Und darauf ein dreifach kräftiges: Helau!

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