Es war einmal ein kleines, rosafarbenes Sparschwein in Hilden. Jahrelang lebte es gemütlich auf dem Regal im Rathaus, wurde ab und zu mit einem symbolischen Hammerschlag bedacht – rein zeremoniell, versteht sich – und träumte von einer Zukunft, in der Stadtkassen ausgeglichen sind, Spielmobile fröhlich durch die Straßen rollen und das Waldschwimmbad nie schließen muss. Tja, das war einmal.
Denn jetzt ist es ernst. Richtig ernst. So ernst, dass der städtische Kämmerer Martin Wiedersprecher sich genötigt sah, das Wort „Haushaltssicherung“ in den Mund zu nehmen – ein Begriff, der ungefähr so viel Spaß macht wie „Steuerprüfung“ oder „Kaltmiete in Düsseldorf“. Bei 214 Millionen Euro Einnahmen stehen mal locker 242 Millionen Ausgaben gegenüber. Minus 30 Millionen. Und das ist nur der Auftakt – der große Schulden-Jackpot wird erst 2029 mit erwarteten 170 Millionen Euro erreicht. Herzlichen Glückwunsch, Hilden, du hast das Triple geschafft: Kein Geld, steigende Kosten, und Investitionen sind auch noch fällig.
Aber Hilden wäre nicht Hilden, wenn man nicht wenigstens versuchen würde, das Beste daraus zu machen. Und so lud man zum Bürgerhaushalt ins Bürgerhaus – ein Ort, an dem normalerweise Ratsmitglieder sitzen, aber an diesem Abend saßen da Bürger. Und Bürgermeister. Und Beigeordnete. Und ein Kämmerer mit einem sehr, sehr dicken Aktenordner voller schlechter Nachrichten.
Die Liste der Kostentreiber ist lang und fies: Kreisumlage rauf wegen Monheim, Sozialausgaben am Limit, Kitas mit Millionenlöchern, und selbst das Kinder-Mittagessen fährt Verlust ein – da hilft auch kein Nachschlag. Die Hundesteuer mit ihren 400.000 Euro Einnahmen wirkt da wie ein Witz mit Fußhupe.
Aber was macht der Hildener Bürger? Sitzt er still, senkt den Kopf, fängt an zu googeln, was ein „Kassenkredit“ ist? Nein. Er fragt! Und er denkt mit! Vorschläge fliegen durch den Bürgersaal: Ehrenamt stärken, Förderverein fürs Waldschwimmbad gründen, Digitalisierung nutzen – vielleicht kann man irgendwann die Schulden einfach ins Metaverse outsourcen?
Der Bürgermeister jedenfalls greift Ideen dankbar auf und lobt Engagement. Und während draußen der Regen auf die Stadt fällt wie die Zahlenkolonnen aufs Haushaltsblatt, gibt es doch einen Hoffnungsschimmer: Wenn alle mitmachen, wird vielleicht aus dem Defizit kein Drama, sondern eine gemeinsame Kraftanstrengung. Oder zumindest eine ordentliche Spendenquittung.
Das Sparschwein übrigens? Steht jetzt wieder auf dem Regal. Etwas ramponiert, aber lebendig. Mit einem Zettel auf dem Bauch: „Nicht schlachten – lieber Ideen reinwerfen.“
Sonntag, 1. Februar 2026
1.2.2026: Wenn das Sparschwein weint – Hildens Haushalt zwischen Realität und Rest-Cent
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