Montagmorgen in Hilden. Die Sonne noch nicht aufgegangen, der Kaffee noch nicht durchgelaufen, und schon rollt die erste Nachricht über den Bildschirm: Warnstreik bei der Rheinbahn! Wer jetzt hofft, dass das ein verspäteter Karnevalsscherz ist – leider nein. Verdi ruft zum ganztägigen Streik auf, und mit „ganztägig“ ist nicht „bis zur Mittagspause“ gemeint, sondern 24 Stunden kollektives „Nö“.
Ab 3 Uhr früh wird gestreikt – pünktlicher als so mancher Bus an normalen Tagen. Betroffen: U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, das gesamte Netz der Rheinbahn. Nicht betroffen: Das Wetter, der Termindruck, das Bedürfnis, irgendwie zur Arbeit zu kommen. Einziger Lichtblick: Einige Buslinien sollen „wahrscheinlich“ fahren – ein Wort, das so viel Vertrauen ausstrahlt wie „vielleicht“ bei einem Heiratsantrag.
In Hilden dürfen sich Fahrgäste immerhin an den Linien 782 und 785 festklammern – den beiden letzten Mohikanern des Nahverkehrs, die tapfer zwischen Heinrich-Heine-Allee, Hilden Süd S und Solingen Hbf pendeln wollen. Wahrscheinlich. Vielleicht. Eventuell. Wahrscheinlich. Vertrauen ist gut, eine Backup-Mitfahrgelegenheit besser.
Stephanie Peifer von Verdi bringt es auf den Punkt: Die Beschäftigten arbeiten „am Limit“. Und wie wir alle wissen, ist das Limit nur ein anderes Wort für „jetzt ist aber wirklich Schluss hier“. Die Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW waren – man könnte sagen – so erfolgreich wie ein Regenschirm im Orkan: keine Einigung, dafür ordentlich Gegenwind.
Die Rheinbahn bittet um Verständnis – ein schönes Wort, das in etwa so viel hilft wie eine Busfahrkarte ohne Bus. Immerhin: Infos gibt’s unter rheinbahn.de/streik, auf Facebook, Instagram und unter der „Schlauen Nummer“. Letztere könnte sich als Ironie des Schicksals herausstellen, wenn man dort landet, aber niemand abnimmt – wegen Streik.
Und so wanken die Hildener durch einen Tag voller Improvisation: mit dem Fahrrad durch den Regen, zu Fuß durch den Frost, oder im Auto – gemeinsam mit 347 anderen, die denselben Gedanken hatten. Ein Hoch auf den öffentlichen Nahverkehr. Oder besser gesagt: auf die Idee davon.
Montag, du warst noch nie so anstrengend.
Montag, 2. Februar 2026
2.2.2026: Chaos auf Rädern – Wenn der Bus nicht kommt und der Kaffee trotzdem kalt ist
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