Donnerstag, 7. Mai 2026

7.5.2026: Wenn Laternen in Hilden wackeln, wird das Musikantenviertel kurz unplugged

In Hilden wird es ernst: Einige Laternenmasten sind nicht mehr standsicher. Das klingt zunächst nach einer Nachricht aus der Kategorie „Dinge, über die man sich normalerweise erst Gedanken macht, wenn sie schief neben dem Gehweg stehen“. Doch die Stadt hat hingeschaut, gemessen und festgestellt: Neun Masten haben offenbar beschlossen, dass aufrechtes Stehen auf Dauer auch überschätzt wird.

Betroffen sind unter anderem das Musikantenviertel und die Hochdahler Straße. Besonders im Musikantenviertel passt die Lage natürlich dramaturgisch perfekt: In der Richard-Wagner-Straße, der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg wird nun an der Straßenbeleuchtung gearbeitet. Man könnte sagen: Die große Hildener Nachtmusik bekommt vorübergehend eine technische Pause. Wagner hätte vermutlich ein dreistündiges Vorspiel daraus gemacht, Haydn hätte höflich genickt, und Johann Strauß hätte versucht, den Mast im Dreivierteltakt wieder gerade zu walzen.

Aufgefallen ist das Ganze bei einer turnusmäßigen messtechnischen Überprüfung. Das klingt herrlich amtlich und beruhigend zugleich. Kein Nachbar musste also nachts im Schlafanzug rufen: „Die Laterne guckt mich komisch an!“ Stattdessen kamen Fachleute mit Messgeräten, prüften die Standsicherheit und entschieden: Diese Masten brauchen nicht nur gutes Zureden, sondern einen Austausch. Einige wurden bereits gesichert und gekürzt. Gekürzte Laternenmasten sind vermutlich die Kurzgeschichten unter den Straßenleuchten: weniger hoch, aber immer noch mit ernstem Auftrag.

Seit dem 30. April läuft der Austausch, und bis Mitte Mai kann es in den betroffenen Bereichen zeitweise zu Ausfällen der Straßenbeleuchtung kommen. Das heißt: Hilden erlebt an einigen Stellen möglicherweise eine kleine Renaissance der Taschenlampe. Wer also abends durch die Richard-Wagner-Straße geht, sollte nicht erschrecken, wenn die Beleuchtung kurz mehr Bayreuther Bühnennebel als Innenstadtkomfort bietet. Romantisch könnte man es auch nennen. Oder praktisch: Endlich sieht niemand, wenn man im Dunkeln versucht, die Biotonne des Nachbarn für die eigene zu halten.

Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zwar ein bisschen so, als hätte jemand beim Scrabble nur vier Buchstaben übrig gehabt, hat aber tatsächlich große Geschichte: französische Wurzeln, gegründet im Jahr 1900, einst an der Elektrifizierung der Pariser Metro beteiligt. Von Paris nach Hilden also. Vom Glanz der Métro zur Laterne vor Hausnummer 7. Das ist kein Abstieg, das ist gelebte europäische Infrastrukturfreundschaft.

Geprüft wurde die Standfestigkeit durch die Fachfirma Rei-Lux. Auch dieser Name passt natürlich wunderbar ins Licht-Milieu. Rei-Lux klingt wie eine Figur aus einem Science-Fiction-Film, die mit einem Laserpointer defekte Masten erkennt. Tatsächlich geht es aber um etwas sehr Bodenständiges: Sicherheit. Denn so eine Laterne soll vieles können. Leuchten, Orientierung geben, Gehwege erhellen, gelegentlich Hunde anziehen. Was sie nicht soll: spontan in die Horizontale wechseln.

Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden frühzeitig entdeckt, gesichert und werden ausgetauscht. Das ist genau die Art von Verwaltungsmeldung, die im Alltag unspektakulär klingt, aber wichtig ist. Denn Straßenbeleuchtung gehört zu den Dingen, die man erst bemerkt, wenn sie nicht funktioniert. Wie WLAN, Heizung oder der eine Kugelschreiber, der im ganzen Haushalt tatsächlich schreibt.

Fünf Standorte liegen allein an der Richard-Wagner-Straße. Das ist viel Wagner auf einmal, aber Kenner wissen: Bei Wagner dauert ohnehin alles etwas länger. Zwei Masten stehen an der Hochdahler Straße auf der Austauschliste, dazu je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Hilden hat also keinen Blackout, sondern eher ein kleines Best-of der klassischen Musik mit temporärer Beleuchtungspause.

Bis Mitte Mai soll der Spuk erledigt sein. Dann stehen neue Masten dort, wo alte nicht mehr ganz überzeugend Haltung bewiesen haben. Die Stadt sorgt für Verkehrssicherheit, die Fachfirmen kümmern sich um Licht und Stabilität, und die Anwohner können bald wieder ohne Improvisation durch ihre Straßen gehen.

Bis dahin gilt: Taschenlampe laden, Handy-Akku nicht bei drei Prozent herumtragen und im Musikantenviertel nicht wundern, wenn es abends kurz etwas gedämpfter wirkt. Hilden macht eben nicht nur Kultur, Sport und Baustellenromantik, sondern auch Laternenpflege mit internationalem Flair. Und wenn die neuen Masten stehen, darf man ihnen ruhig kurz anerkennend zunicken. Schließlich ist Haltung heutzutage keine Selbstverständlichkeit – nicht einmal bei Straßenlaternen.

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