Eigentlich ist der April ja dafür zuständig, Tulpen hervorzubringen, Eisdielen zu füllen und Menschen in Übergangsjacken ratlos vor Kleiderschränken stehen zu lassen. Auf dem Arbeitsmarkt in Hilden und Haan hatte der Monat allerdings eine andere Idee: Statt der üblichen Frühjahrsbelebung gab es diesmal eher ein müdes Gähnen im Vorgarten der Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen, und damit zeigt sich: Nicht alles, was im Frühling wächst, ist automatisch erfreulich.
In der Geschäftsstelle Hilden, die Hilden und Haan umfasst, sind aktuell 3007 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 119 mehr als im März. Die Quote steigt von 6,1 auf 6,4 Prozent. Das klingt zunächst nach einer Zahl mit Komma, wie sie in Berichten gern unauffällig zwischen anderen Zahlen herumsteht. Für die Betroffenen ist es aber natürlich kein Komma, sondern Alltag: Bewerbungen schreiben, Rückmeldungen abwarten, Hoffnung sortieren und dabei möglichst nicht zu oft das Wort „zeitnah“ in Stellenanzeigen persönlich nehmen.
Hilden kommt aktuell auf 2005 arbeitslose Menschen. Das sind 78 mehr als im Vormonat. Die Quote steigt dort von 6,2 auf 6,5 Prozent. Haan meldet 1002 arbeitslose Menschen, also 41 mehr als im März, und eine Quote von 6,2 Prozent. Immerhin liegen beide Städte weiterhin unter dem Kreis Mettmann, der bei 7,2 Prozent bleibt. Man könnte also sagen: Es ist nicht gut, aber es gibt noch Luft nach oben. Wobei das vermutlich einer der Sätze ist, die man auf dem Arbeitsmarkt lieber nicht zu laut sagt.
Besonders auffällig ist, dass die sogenannte Frühjahrsbelebung ausbleibt. Normalerweise kommt mit mehr Sonne auch mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Menschen wechseln Jobs, Betriebe stellen ein, irgendwo braucht immer jemand Unterstützung. In diesem April aber wirkt die Belebung ungefähr so dynamisch wie ein Gartenzwerg nach dem Winter: vorhanden, aber nicht unbedingt in Aufbruchsstimmung. Die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen bremsen weiter, und wer schon einmal versucht hat, mit angezogener Handbremse schwungvoll loszufahren, kennt das Geräusch.
Dabei gibt es durchaus freie Stellen. In Hilden und Haan sind aktuell 485 offene Arbeitsplätze gemeldet, im gesamten Kreis sogar 2258. Besonders gesucht wird unter anderem in Kfz-Werkstätten und im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im verarbeitenden Gewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung. Das klingt nach einer bunten Mischung aus Schraubenschlüssel, Pflegekittel, Maschinenhalle und Formularstapel. Oder anders gesagt: Arbeit ist da, aber sie findet offenbar nicht immer genau zu den Menschen, die gerade Arbeit suchen. Der Arbeitsmarkt ist manchmal eben wie ein sehr kompliziertes Puzzle, bei dem ein Teil aus Haan, eins aus Hilden und eins aus der Personalabteilung kommt, aber alle drei behaupten, sie würden eigentlich zusammenpassen.
Im April meldeten sich 652 Personen neu oder erneut arbeitslos, während 531 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Das ist die nüchterne Statistik dahinter. Für die einen beginnt eine unsichere Phase, für die anderen endet sie hoffentlich. In der Summe bleibt aber ein Plus bei der Arbeitslosigkeit. Und so steht der April 2026 in Hilden und Haan weniger für Aufbruch als für eine wirtschaftliche Warteschleife mit Frühlingsdekoration.
Trotzdem lohnt sich der Blick ohne Panik, aber auch ohne Schönfärberei. Im Vergleich zum Vorjahr stehen Hilden und Haan sogar etwas besser da: In Hilden sind es 16 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr, in Haan 45 weniger. Das ist kein Grund für Konfettikanonen im Rathaus, aber immerhin ein kleiner Hinweis darauf, dass nicht alles gleichzeitig bergab rollt. Manchmal ist der Arbeitsmarkt eben kein Sprint, sondern eher ein Stadtlauf mit Baustellen, Gegenwind und jemandem, der am Rand ruft: „Noch fünf Kilometer!“
Für Hilden und Haan bedeutet das: Der Frühling hat auf dem Arbeitsmarkt diesmal keinen großen Auftritt hingelegt. Die Sonne scheint vielleicht, die Bäume werden grün, aber die Konjunktur sitzt offenbar noch mit Schal auf der Parkbank und überlegt, ob sie wirklich schon loslegen möchte. Hoffen wir, dass sie sich bald erhebt. Und zwar standsicherer als manche Laternenmasten.
Samstag, 2. Mai 2026
2.5.2026: Frühling in Hilden und Haan: Die Arbeitslosigkeit blüht mit
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