In Hilden wird gerade Fußballgeschichte geschrieben. Nicht etwa, weil plötzlich brasilianische Ballzauberer am Bandsbusch auflaufen oder weil der Platzwart heimlich einen Champions-League-Rasen ausgerollt hat. Nein, der ganz große Star der Stunde ist: ein Zaun. Ein fest installierter Zaun. Einer, der so wichtig ist, dass man fast vermuten könnte, er habe selbst schon 15 Saisontore erzielt.
Der VfB 03 Hilden träumt weiter von der Regionalliga, und wie das im deutschen Fußball nun einmal so ist, reicht es nicht, auf dem Platz ordentlich gegen den Ball zu treten. Man muss auch nachweisen, dass der Ball in einer Anlage getreten wird, die den Verband nicht nervös macht. Also wurde gerechnet, geplant, diskutiert und schließlich beschlossen: Der Bandsbusch bekommt seinen Regionalliga-Zaun. Damit fällt eine weitere Lizenzhürde, und Hilden kann sich zumindest infrastrukturell schon einmal die Haare kämmen für die große Bühne.
Sportlich ist die Lage etwas komplizierter. Nach der Niederlage gegen den ETB SW Essen ist der Vorsprung geschmolzen wie ein Eis in der Halbzeitpause. Der VfB steht zwar noch auf Platz zwei, aber der KFC Uerdingen sitzt punktgleich im Nacken und hat im direkten Vergleich schon zweimal freundlich, aber bestimmt gezeigt, wer in diesen Duellen den besseren Fuß hatte. Mit anderen Worten: Auf dem Platz ist noch ordentlich Musik drin, und vermutlich nicht nur Blasmusik.
Abseits des Rasens hingegen liefert der VfB-Vorstand eine Punktlandung. Die Stadt Hilden beziehungsweise die Stadt Hilden Beteiligungsgesellschaft hat dem Westdeutschen Fußballverband bestätigt, dass das Stadion am Bandsbusch rechtzeitig regionalligatauglich gemacht wird. Bis zum ersten Spieltag der neuen Saison am 31. Juli 2026 sollen der „Löwengang“ zur Stehtribüne und der Gästebereich mit einem festen Zaun gesichert sein. Der Name „Löwengang“ klingt dabei so herrlich dramatisch, dass man fast vergisst, dass es vermutlich weniger nach Savanne und mehr nach Sportanlage riecht.
Die Baumaßnahme soll rund sechs Wochen dauern und wurde einstimmig abgesegnet. Einstimmig! In kommunalen Gremien ist das ungefähr so selten wie ein Schiedsrichter, der nach einem Handspiel im Strafraum von beiden Fanlagern Applaus bekommt. Offenbar ist man sich in Hilden einig: Wenn der VfB aufsteigt, dann soll er nicht auswärts zuhause spielen müssen. Wuppertal, Velbert oder Düsseldorf wären zwar mögliche Ausweichquartiere gewesen, aber mal ehrlich: Ein Hildener Heimspiel außerhalb von Hilden ist ein bisschen wie Altbier aus der Thermoskanne – technisch möglich, emotional schwierig.
Natürlich kostet der Spaß Geld. Sogar einen sechsstelligen Betrag. Wie viel genau? Das bleibt geheim. Auch der Anteil des Vereins wird nicht verraten. Man könnte sagen: Der Zaun wird gebaut, aber die Zahlen bleiben eingezäunt. Der VfB beteiligt sich jedenfalls mit einer Summe, die erst einmal aufgebracht werden muss. Das klingt nach Sponsoren, Sparschwein und vielleicht einem sehr gut besuchten Kuchenverkauf, bei dem der Marmorkuchen plötzlich „Regionalliga-Schnitte“ heißt.
Finanziell will der Verein auch im Erfolgsfall bodenständig bleiben. Der Oberliga-Etat lag zuletzt bei rund 250.000 Euro, und in der Regionalliga sollen die Ausgaben nur unwesentlich steigen. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Wir ziehen in ein größeres Haus, behalten aber dieselbe Stromrechnung. Mutig, sympathisch und sehr hildenerisch. Der Vorsitzende Daniel Wittke macht klar, dass man nicht sofort von der 3. Liga träumt, sondern erst einmal vom Klassenerhalt. Vernünftig. Wer gerade einen Zaun baut, muss ja nicht direkt auch noch ein Luftschloss errichten.
Auch im Kader bewegt sich einiges. 60 bis 70 Prozent der Spieler sollen bereits verlängert haben, einige Positionen werden neu besetzt, manche Spieler aus der zweiten Reihe müssen sich offenbar anderweitig umschauen. Und Chefcoach Tim Schneider, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, arbeitet trotzdem weiter am Meistertraum. Das ist professionell und irgendwie auch filmreif: Der Trainer, der weiß, dass er gehen muss, versucht noch, den Verein nach oben zu führen. Hollywood würde daraus vermutlich ein Sportdrama machen. In Hilden nennt man es: die letzten fünf Spieltage.
Und genau diese fünf Spieltage haben es in sich. Der Zaun kommt, die Lizenzunterlagen sehen gut aus, die Stadt steht hinter dem Projekt, die Sponsoren wittern neue Möglichkeiten. Jetzt muss nur noch die Mannschaft liefern. Also eigentlich die kleinste Kleinigkeit im Fußball: gewinnen, punkten, nervenstark bleiben und hoffen, dass die Konkurrenz auch mal freundlich stolpert.
Am Bandsbusch ist also alles vorbereitet für den großen Sprung. Der Gästeblock bekommt seinen Zaun, der Verein seinen Regionalliga-Traum und Hilden vielleicht bald ein sportliches Aushängeschild unter den Top 100 des deutschen Fußballs. Bis dahin gilt: Die Infrastruktur steht bald wie eine Eins. Jetzt müssen nur noch die Beine mitspielen. Und falls es am Ende doch nicht klappt, hat Hilden immerhin etwas, das viele Vereine gerne hätten: einen richtig ambitionierten Zaun.
Dienstag, 5. Mai 2026
5.5.2026: Ein Zaun für die Regionalliga – Hilden macht dicht, aber nur im Gästeblock
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