Sonntag, 3. Mai 2026

3.5.2026: Hilden steht im Dunkeln – aber immerhin standsicher

In Hilden wird es an manchen Stellen demnächst ein wenig romantischer, als es der Stadtverwaltung vermutlich lieb ist. Im Musikantenviertel und an der Hochdahler Straße wurden nämlich bei einer Routineprüfung neun Laternenmasten entdeckt, die offenbar beschlossen hatten, ihre Standfestigkeit künftig eher frei zu interpretieren. Was für Menschen nach einem langen Abend beim Weindorf gilt, gilt für Laternenmasten leider nicht: Wer wackelt, muss gestützt, gekürzt oder ausgetauscht werden.

Besonders betroffen ist die Richard-Wagner-Straße, wo gleich fünf Masten aus dem Takt geraten sind. Das passt natürlich irgendwie ins Musikantenviertel. Vielleicht wollten die Laternen einfach dramatischer wirken, ein bisschen „Walkürenritt“ im Straßenbild, nur eben mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Zwei weitere Kandidaten stehen an der Hochdahler Straße, je einer an der Haydnstraße und am Johann-Strauß-Weg. Man kann also sagen: Die Stadt hat nicht nur ein Beleuchtungsproblem, sondern auch ein kleines klassisches Ensemble in Schieflage.

Die gute Nachricht: Die betroffenen Masten wurden bereits gesichert und gekürzt. Die schlechte Nachricht: Bis Mitte Mai kann es zeitweise dunkel werden. Wer dort unterwegs ist, sollte also entweder eine Taschenlampe mitnehmen, sein Handy vorher laden oder sich vertrauensvoll an den Mond wenden, sofern dieser gerade Dienst hat. Für Anwohner bedeutet das: kurzzeitig weniger Straßenbeleuchtung, dafür aber mehr Gelegenheit, die eigene Nachbarschaft einmal ganz neu kennenzulernen. Zum Beispiel durch vorsichtiges Tasten entlang bekannter Hecken.

Zuständig für Wartung, Entstörung und Erneuerung der Hildener Straßenbeleuchtung ist die Firma Spie. Der Name klingt zunächst wie ein Tippfehler kurz vor Feierabend, hat aber französische Wurzeln und steht für „Société Parisienne pour l’Industrie Electrique“. Gegründet wurde das Unternehmen einst, um die Pariser Metro zu elektrifizieren. Von der Pariser Unterwelt zur Hildener Laterne ist es zwar ein weiter Weg, aber offenbar bleibt man dem Licht treu. Nur der Charme von Paris dürfte in der Richard-Wagner-Straße bei ausgeschalteter Beleuchtung vorübergehend eher in Richtung „Krimi-Kulisse mit Mülltonnen“ tendieren.

Dass die Masten überhaupt auffielen, liegt an einer messtechnischen Überprüfung. Das klingt nach einem Vorgang, bei dem Menschen mit ernsten Gesichtern und sehr spezialisierten Geräten an Laternen rütteln, während Passanten überlegen, ob sie fragen sollen, was da los ist. Ergänzt wird das Ganze durch regelmäßige Sichtkontrollen. Man schaut also nicht nur, ob eine Laterne noch wie eine Laterne aussieht, sondern misst auch, ob sie innerlich noch bei sich ist.

Am Ende ist das natürlich eine gute Sache. Niemand möchte, dass ein Laternenmast spontan beschließt, sich der Schwerkraft hinzugeben. Und wenn Hilden schon einmal kurz im Dunkeln liegt, dann wenigstens aus Gründen der Sicherheit und nicht, weil jemand vergessen hat, die Stromrechnung zu bezahlen. Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten dauern. Danach darf das Musikantenviertel wieder leuchten, die Hochdahler Straße wieder strahlen und Hilden insgesamt beruhigt feststellen: Nicht jede Erleuchtung kommt plötzlich, manche wird fachgerecht ausgetauscht.

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