Bäume haben es in der Politik eigentlich ganz gut. Sie reden nicht dazwischen, stellen keine Anträge und beschweren sich auch nicht über zu lange Ausschusssitzungen. Trotzdem schaffen sie es in Hilden regelmäßig auf die politische Tagesordnung. Diesmal geht es um eine ziemlich grundsätzliche Frage: Was passiert eigentlich, wenn ein geschützter Baum gefällt werden muss, weil er krank ist?
Die Antwort soll künftig ziemlich einfach lauten: Dann muss ein neuer her.
Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Klima hat die Verwaltung am 3. September beauftragt, die Hildener Baumschutzsatzung entsprechend zu überarbeiten. Ausgangspunkt war ein Antrag der Grünen. Die entscheidende Neuerung: Auch wenn ein Baum wegen Krankheit, Schädlingsbefall oder einer nicht mehr umkehrbaren Vitalitätsschwäche entfernt werden muss, soll künftig grundsätzlich eine Ersatzpflanzung vorgeschrieben werden. Und zwar nicht nur auf städtischen Flächen, sondern auch auf Privatgrundstücken.
Das klingt zunächst nach einer ziemlich nachvollziehbaren Rechnung: ein Baum weg, ein Baum neu. Doch wie so häufig steckt die kommunalpolitische Wahrheit irgendwo zwischen Stamm und Krone.
Denn ursprünglich wollten die Grünen noch weiter gehen. Unter anderem sollten eine fachliche Baubegleitung durch Gutachter und ein nachsorgendes Pflegemanagement verpflichtend werden. Die Verwaltung sah hier allerdings rechtliche Grenzen, insbesondere wegen des Eingriffs in die Eigentumsfreiheit privater Grundstücksbesitzer. Diese Forderungen wurden deshalb aus dem Antrag gestrichen.
Übrig geblieben ist der politische Auftrag, für jeden entsprechend gefällten Baum mindestens einen klimaresilienten Ersatzbaum vorzusehen. CDU und SPD konnten diesen Weg mitgehen, lediglich AfD und FDP stimmten gegen den Antrag.
Interessant wird es allerdings bei der Frage, was eigentlich ein angemessener Ersatz ist. Schließlich ist Baum nicht gleich Baum. Wer eine jahrzehntealte, stattliche Krone verliert und dafür einen jungen Baum von überschaubarer Größe in die Erde setzt, hat zwar mathematisch wieder die Zahl eins erreicht – ökologisch aber natürlich noch lange nicht den vorherigen Zustand.
Deshalb soll sich die Auswahl des Ersatzbaumes möglichst an der ungefähren späteren Höhe und Kronenbreite des gefällten Baumes orientieren. Wenn das nicht sinnvoll oder möglich ist, könnten alternativ mehrere klimaresiliente Bäume gepflanzt werden.
Und genau an dieser Stelle wird aus der scheinbar einfachen Regel „einer raus, einer rein“ eine interessante Aufgabe für die Verwaltung. Denn ein alter Baum lässt sich nicht einfach ersetzen wie eine kaputte Straßenlaterne. Bis aus einem jungen Ersatzbaum wieder ein großer Schattenspender wird, vergehen viele Jahre. Gleichzeitig muss eine Baumschutzsatzung praktikabel bleiben. Nicht jeder Garten bietet Platz für einen Baum, der irgendwann zwanzig Meter hoch wird und eine entsprechend große Krone entwickelt.
Die Verwaltung darf deshalb jetzt aus den politischen Vorgaben einen rechtssicheren und praktikablen Satzungstext machen. Ein Vorschlag soll in einer der kommenden Sitzungen vorgestellt werden. Dann entscheidet die Politik erneut.
Grundsätzlich ist die Idee sympathisch. Hilden ist eine dicht bebaute Stadt, und große Bäume sind längst mehr als hübsche Dekoration. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, bieten Lebensraum und prägen ganze Straßen. Gerade in heißen Sommern merkt man schnell, welchen Unterschied eine ausgewachsene Baumkrone machen kann.
Trotzdem sollte die neue Regel mit Augenmaß formuliert werden. Baumschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn Grundstückseigentümer die Vorgaben nachvollziehen können und Ersatzpflanzungen auch tatsächlich zu den jeweiligen Standorten passen. Ein klimaresistenter Baum am richtigen Platz dürfte der Stadt mehr bringen als eine besonders ambitionierte Vorschrift, die in der Praxis kaum vernünftig umzusetzen ist.
Hilden schlägt beim Baumschutz also neue Wurzeln. Ob daraus am Ende eine gute Regelung wächst, entscheidet sich erst, wenn die Verwaltung ihren Satzungsentwurf vorlegt.
Bis dahin gilt immerhin schon einmal eine politische Grundidee, die man sich leicht merken kann:
Wer einen Baum verliert, sollte dafür sorgen, dass irgendwo ein neuer wachsen kann.
Sonntag, 6. September 2026
6.9.2026: Wer einen Baum fällt, soll einen neuen pflanzen
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