Sonntag, 17. Mai 2026

17.5.2026: Hilden hält den Atem an: Die Eiche am Alten Markt hat einen Ast geworfen

Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz innehält, den Kaffee abstellt und denkt: „Moment mal, das betrifft uns alle.“ In Hilden war es nun so weit. Nicht etwa, weil die Fußgängerzone plötzlich bergauf führt oder jemand die Jaubank zur Wellness-Oase erklärt hat, sondern weil die beliebte Eiche am Alten Markt einen mächtigen Ast verloren hat. Ja, genau die Eiche. Die große, ehrwürdige, schattenspendende Innenstadt-Dame, unter der man im Sommer so tut, als hätte man nur zufällig Pause gemacht, während man eigentlich sehr genau das Treiben beobachtet.

Offenbar hat eine Windböe der Eiche etwas zu energisch zugeredet. Vielleicht war es auch einfach einer dieser Momente, in denen selbst ein Baum sagt: „Ich kann nicht mehr, ich leg mal was ab.“ Jedenfalls brach ein dicker Ast ab, und die Stadt Hilden reagierte vorbildlich: Der Bereich wurde abgesperrt. Das ist auch gut so, denn so ein Ast ist kein dekorativer Zweig aus dem Bastelladen, sondern eher die hölzerne Version eines Ausrufezeichens.

Die Hildenerinnen und Hildener werden nun gebeten, die Absperrung zu beachten und den Bereich nicht zu betreten. Was natürlich für manche eine Herausforderung darstellt, denn Absperrungen haben auf Menschen ungefähr dieselbe Wirkung wie ein Schild mit der Aufschrift „Hier gibt es etwas zu sehen“. Plötzlich entwickelt jeder ein botanisches Fachinteresse. „Ich gucke nur mal kurz“, heißt es dann, während man mit der Ernsthaftigkeit eines Baumgutachters überlegt, ob die Eiche wohl noch stabil ist. Die Antwort lautet: Bitte nicht gucken gehen. Zumindest nicht aus nächster Nähe. Ferndiagnosen sind in diesem Fall vollkommen ausreichend.

Besonders traurig ist die Sache natürlich für die Jaubank-Gemeinde. Dort, wo sonst geplaudert, pausiert und das Hildener Leben in angenehmem Tempo betrachtet wird, herrscht nun Sicherheitsabstand. Die Eiche war schließlich nicht irgendein Baum, sondern eine Institution. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter sorgt sie beleuchtet für festliche Stimmung und dazwischen steht sie einfach da und macht Hilden ein bisschen hübscher. Man könnte sagen: Sie ist so etwas wie die stille Bürgermeisterin des Alten Marktes, nur mit mehr Blättern und weniger Sitzungsvorlagen.

Der abgebrochene Ast soll voraussichtlich am Freitagmorgen entfernt werden. Bis dahin bleibt die Eiche gewissermaßen in Teilzeit-Sperrung. Man darf hoffen, dass der Baum den Vorfall gut übersteht und bald wieder das tut, was er am besten kann: stehen, rauschen, Schatten werfen und Hildener Gespräche belauschen. Vielleicht wird man künftig mit noch mehr Respekt an ihr vorbeigehen. Vielleicht bekommt sie innerlich sogar einen neuen Spitznamen: „Ast-anaut“, „Knack-Eiche“ oder „Die Alte vom Markt mit dem dramatischen Auftritt“.

Fest steht: In Hilden passiert eben auch bei Bäumen etwas. Und wenn eine Eiche am Alten Markt einen Ast verliert, dann ist das nicht nur ein Fall für die Stadt, sondern auch ein kleines Innenstadt-Drama mit Laub, Absperrband und viel lokaler Anteilnahme. Also: Abstand halten, nicht unter den Baum tapsen und der alten Dame ein bisschen Ruhe gönnen. Sie hat schließlich gerade etwas Schweres durchgemacht.

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