Sonntag, 19. Juli 2026

19.7.2026: Hilden baut dem Regen eine Warteschleife – oder: Wenn der Hoxbach künftig nicht mehr alles sofort abbekommt

Hilden hat in diesem Sommer schon viel über Wasser gelernt. Wasser kann fehlen, wenn Gärten durstig sind. Wasser kann kühlen, wenn die Nebellanze auf der Mittelstraße ihren feinen Dunst verteilt. Wasser kann fehlen, wenn der Rheinpegel sinkt. Und Wasser kann viel zu viel sein, wenn Starkregen kommt und plötzlich Straßen, Keller und Bäche überfordert.

Jetzt bekommt der Hoxbach Unterstützung. Nicht in Form eines motivierenden Zurufs, sondern ganz handfest: Die Stadt Hilden baut ab Mitte August 2026 die Regenwasserbehandlungs- und -rückhalteanlage „Brucherhof“. Das klingt nach einem technischen Begriff, bei dem man innerlich kurz nach einem Kaffee greift. Aber dahinter steckt eine ziemlich wichtige Sache: Regenwasser aus dem Gebiet Brucherhof soll künftig nicht mehr ungeklärt und ungebremst in den Hoxbach rauschen.

Bisher fließt Regenwasser aus dem rund 17 Hektar großen Einzugsgebiet zwischen Westring, Hülsenstraße und Bahngleisen direkt in den Hoxbach. Ungeklärt. Ohne Zwischenstopp. Ohne höfliche Nachfrage, ob der Bach gerade Kapazität hat. Bei normalem Regen mag das lange funktioniert haben. Aber spätestens seit den Starkregenereignissen der vergangenen Jahre weiß Hilden: Die alte Logik „Wasser kommt, Wasser geht irgendwo hin“ ist keine besonders zukunftsfeste Strategie.

Künftig soll das Wasser erst gereinigt und dann in einem zusätzlichen Rückhalteraum zwischengespeichert werden. Das verbessert die Wasserqualität und sorgt dafür, dass bei starkem Regen nicht alles auf einmal im Hoxbach landet. Man könnte sagen: Die Stadt baut dem Regen eine Warteschleife. Nicht schön für das Wasser, aber gut für alle, die nicht möchten, dass der Hoxbach bei jedem Extremregen sagt: „Ich bin voll, macht euren Kram allein.“

Gleichzeitig wird das bestehende Regenrückhaltebecken am Westring erweitert, und die Einleitstellen in den Hoxbach werden umgebaut. Das ist Infrastrukturarbeit, die man im Alltag wenig sieht, aber im Ernstfall sehr vermisst. Kanäle, Rückhaltebecken, Einleitstellen, Behandlungsanlagen – das sind nicht die Glamourthemen einer Stadt. Niemand macht Selfies vor einer Rinnensanierung. Aber wenn Starkregen kommt, sind genau diese Anlagen plötzlich wichtiger als jede frisch gepflanzte Blumenampel.

Natürlich hat die Sache auch eine sehr hildenerische Nebenwirkung: Es wird gebaut. Und wenn in Hilden gebaut wird, wird gesperrt, umgeleitet, erklärt und um Verständnis gebeten. Die Arbeiten finden in der Grünanlage westlich des Westrings, südlich des Menzelsees und des Hoxbachs statt. Die Baustellenzufahrt erfolgt über den Westring und einen rund 700 Meter langen Wirtschaftsweg. Das klingt schon nach schweren Fahrzeugen, Baulärm, Absperrbaken und Menschen, die beim Spaziergang plötzlich sagen: „Hier ging ich doch sonst immer lang.“

Während der Bauarbeiten werden betroffene Fuß- und Radwege vollständig gesperrt. Die Sperrung reicht südlich des Hoxbachs von der Zufahrt am Westring bis zur Brücke über den Hoxbach bei der bestehenden Regenwasserbehandlungsanlage. Außerdem betrifft sie die Wege bis zur Kleingartenanlage im Süden an der Eisenbahntrasse. Für Spaziergänger, Radfahrer und Gewohnheitstiere bedeutet das: neue Wege suchen.

Und für Hundebesitzer gilt: bitte frühzeitig anleinen und das Baugebiet weiträumig umgehen. Das ist ein sinnvoller Hinweis, denn Hunde haben ein sehr eigenes Verhältnis zu Baustellen. Während Menschen Schilder lesen, denken Hunde: „Interessant, da riecht es neu.“ Und schon ist der Vierbeiner dort, wo er nicht hin soll. Deshalb also: Leine dran, Abstand halten, Umweg nehmen. Der Hoxbach wird saniert, nicht der Hundespaziergang abenteuerpädagogisch erweitert.

Die Bauzeit ist lang. Die gesamte Maßnahme soll bis November 2027 dauern. Das ist keine kleine Sommerbaustelle, bei der man zweimal blinzelt und der Asphalt ist neu. Das ist ein richtiges Projekt. Ein Jahr und mehrere Monate lang wird dort gearbeitet. Hilden bekommt also wieder eine Baustelle mit Langstreckencharakter. Wer regelmäßig dort unterwegs ist, wird diese Absperrungen wahrscheinlich irgendwann so gut kennen wie die Ampelphasen am Westring.

Aber bei allem Ärger über gesperrte Wege sollte man den Zweck nicht vergessen. Die Anlage ist Teil einer Anpassung an eine Realität, die Hilden nicht ignorieren kann. Starkregen wird nicht dadurch harmloser, dass man ihn „Jahrhundertereignis“ nennt. Gerade erst wurde wieder daran erinnert, dass Hilden fünf Jahre nach der Flut besser gerüstet ist, aber nicht sicher. Rückhalteräume brauchen Platz. Wasser braucht Wege. Und dicht bebaute Städte müssen sehr genau überlegen, wohin mit all dem Regen, wenn er plötzlich in Massen kommt.

In diesem Zusammenhang ist die Anlage Brucherhof ein Baustein. Nicht die Lösung aller Probleme, aber ein wichtiger Schritt. Sie sorgt dafür, dass Regenwasser gereinigt wird, bevor es in den Hoxbach gelangt. Sie schafft zusätzlichen Rückhalt. Sie bremst den Zufluss. Sie setzt gesetzliche Vorgaben um. Sie macht Hilden wassertechnisch ein Stück robuster.

Das klingt unspektakulär, ist aber genau die Art von Fortschritt, die Städte brauchen. Nicht jede Verbesserung kommt mit Banddurchschnitt und Musik. Manche kommt mit Baggern, Schieberkappen, Einleitstellen und Bauzäunen.

Man kann sich den Hoxbach dabei fast als überarbeiteten Mitarbeiter vorstellen. Bisher bekommt er Regenwasser aus dem Gebiet Brucherhof direkt auf den Schreibtisch gekippt. Bei normalem Betrieb geht das irgendwie. Bei Starkregen stapelt sich alles. Künftig bekommt er Unterstützung: Vorfilter, Rückhalteraum, geordnetere Einleitung. Endlich jemand, der sagt: „Moment, wir sortieren das erst einmal.“

Und genau das ist der Punkt. Moderne Stadtentwässerung bedeutet nicht nur, Wasser möglichst schnell wegzubekommen. Früher war das lange die Grundidee: Regen in den Kanal, Kanal in den Bach, Bach weg. Heute weiß man: Zu schnell ist oft das Problem. Wasser muss zurückgehalten, gereinigt, verzögert und möglichst sinnvoll in den natürlichen Kreislauf eingebunden werden. Der Hoxbach soll nicht mehr der direkte Empfänger für alles sein, was von versiegelten Flächen herunterkommt.

Das ist auch eine Frage der Wasserqualität. Regenwasser aus bebauten Gebieten ist nicht einfach reines Himmelswasser mit romantischem Tropfengeräusch. Es nimmt unterwegs Schmutz, Abrieb, Staub und andere Stoffe mit. Wenn das alles ungeklärt in ein Gewässer gelangt, ist das ökologisch nicht ideal. Die neue Behandlungsanlage soll genau hier ansetzen. Weniger Dreck im Hoxbach, weniger Druck bei Starkregen. Das klingt nach einem fairen Deal.

Natürlich wird es während der Bauzeit wieder Beschwerden geben. Zu Recht, wenn Wege fehlen. Verständlich, wenn Spaziergänge länger werden. Nachvollziehbar, wenn Radfahrer umplanen müssen. Und ganz sicher wird irgendjemand fragen, warum das ausgerechnet jetzt sein muss. Die Antwort lautet vermutlich: Weil es irgendwann sein muss. Und weil Vorsorge immer besser ist als Reparatur nach dem nächsten Schaden.

Hilden hat in den vergangenen Jahren gelernt, dass Wasser kein Nebenthema ist. Zwischen Hitze, Trockenheit, Starkregen und Hochwasser gehört Wassermanagement inzwischen zur kommunalen Grundausstattung. Die Stadt muss nicht nur Straßen sanieren und Kulturfeste organisieren, sondern auch ihre Bäche, Rückhaltebecken und Entwässerungssysteme fit machen. Das ist weniger sichtbar als ein Weindorf, aber langfristig mindestens genauso wichtig.

Am Ende ist die neue Anlage am Brucherhof also eine gute Nachricht mit Baustellenbeilage. Ja, Wege werden gesperrt. Ja, Hundebesitzer müssen umplanen. Ja, Radfahrer und Spaziergänger werden sich ärgern. Ja, es dauert bis November 2027. Aber der Hoxbach bekommt Entlastung, das Regenwasser wird besser behandelt, und Hilden macht einen weiteren Schritt in Richtung besserer Starkregenvorsorge.

Vielleicht sollte man es so sehen: Die Stadt baut nicht nur eine Anlage. Sie baut eine Art Puffer zwischen Himmel und Hoxbach.

Und wenn beim nächsten Starkregen das Wasser nicht mehr ganz so ungebremst durchrauscht, hat sich der Aufwand gelohnt.

Bis dahin gilt: Umwege gehen, Hunde anleinen, Baustelle respektieren – und dem Hoxbach ein bisschen Geduld wünschen.

Er bekommt Hilfe. Es dauert nur, wie in Hilden üblich, mit Absperrung.

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