Sonntag, 5. Juli 2026

5.7.2026: Das DRK Hilden wird 125 – oder: Wenn Herzblut mehr zählt als Blaulicht

Hilden hat viele Vereine, viele Feste, viele Debatten und erstaunlich viele Gründe, sich über Verkehrsschilder aufzuregen. Aber es gibt auch Organisationen, bei denen selbst die größte Hildener Diskussionsfreude kurz innehält und sagt: Gut, dass es euch gibt. Das Deutsche Rote Kreuz in Hilden gehört eindeutig dazu.

Das DRK Hilden feiert sein 125-jähriges Bestehen. 125 Jahre – das ist in Vereinsjahren ungefähr die Kategorie „nicht mehr ganz neu, aber immer noch unverzichtbar“. Auf dem Gelände bei Möbel Hardeck zeigte das DRK, was es alles kann: Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Zivilschutz, ambulante Pflege, Erste Hilfe, Jugendrotkreuz und jede Menge Fahrzeuge, bei deren Anblick man erst einmal denkt: Hoffentlich brauchen wir die nie alle gleichzeitig.

Denn wer dort auf den Platz schaut, sieht nicht einfach ein paar Autos mit rotem Kreuz. Man sieht eine ganze Welt aus Einsatzlogik, Material, Technik und Vorbereitung. Gerätewagen Sanitätsdienst, Krankenwagen Bund, Rettungswagen, Intensiv-Fahrzeug, Zelt, medizinisches Material – kurz gesagt: Wenn in Hilden mal wirklich etwas passiert, möchte man sehr, sehr gerne, dass diese Menschen wissen, wo der Schlüssel hängt.

Besonders beeindruckend ist der Gerätewagen Sanitätsdienst. Er kommt zum Einsatz, wenn es richtig ernst wird: etwa bei einem Busunfall auf der Autobahn oder bei einem Überschwemmungsereignis. Das klingt nach Situationen, die man lieber aus Übungsszenarien kennt als aus dem echten Leben. Aber genau dafür gibt es Katastrophenschutz. Er ist wie eine Versicherung, nur mit Blaulicht, Trage und Menschen, die auch dann funktionieren müssen, wenn andere längst panisch nach der Notfallnummer suchen.

Auch das Zelt ist dabei. Ein Zelt, das man auf der Autobahn oder mitten im Feld aufbauen kann, um Verletzte zu versorgen. Das ist keine Campingromantik. Da geht es nicht um Luftmatratzen, Grillwürstchen und die Frage, wer den Hering vergessen hat. Dieses Zelt bedeutet: medizinische Versorgung unter schwierigen Bedingungen. Übergang, Stabilisierung, Hilfe, bis der Transport ins Krankenhaus möglich ist. Oder anders gesagt: Wenn das DRK ein Zelt aufbaut, ist das selten ein Zeichen für Urlaub.

Dann gibt es den klassischen Rettungswagen für einzelne Menschen und das Intensiv-Fahrzeug für kritisch kranke Patienten. Das ist die Kategorie Einsatzfahrzeug, bei der man als Laie lieber nur schaut und nickt. Beatmung, künstliches Herz, Transport zwischen Krankenhäusern – das klingt nach Hochleistung im Hintergrund. Während andere Menschen sich über verspätete Pakete ärgern, sorgt das DRK dafür, dass schwerkranke Menschen sicher von A nach B kommen. Das relativiert vieles.

Interessant ist auch, wie komplex die Zuständigkeiten sind. Zivilschutz ist Bundessache, Katastrophenschutz Landessache, Rettungsdienst und Feuerwehr Kommunalsache. In Hilden braucht man keine Bergretter, dafür aber andere Spezialausstattung. Gruiten hat einen Kühlwagen, Erkrath zwei Motorräder. Der Kreis Mettmann koordiniert über die Leitstelle. Je nach Einsatz arbeiten mehrere Städte zusammen. Das klingt zunächst nach Verwaltungspuzzle, funktioniert aber offenbar. Und man ahnt: Im Ernstfall ist es besser, wenn vorher klar ist, wer was hat, wer wohin fährt und wer nicht erst googeln muss, wo der Kühlwagen steht.

Doch so beeindruckend die Technik auch ist: Ohne Menschen bleibt alles nur Blech, Schläuche, Material und gut sortierter Stauraum. Das DRK lebt vom Ehrenamt. Und genau hier wird es schwierig. Nachwuchs wird gesucht. Junge Leute ab zwölf Jahren sollen für Erste Hilfe und Katastrophenschutz begeistert werden. Ab dem 2. September startet das Jugendrotkreuz Hilden. Die Gruppe trifft sich am ersten und dritten Mittwoch von 18 bis 19.30 Uhr im DRK-Zentrum. Kostenlos. Das ist eigentlich ein starkes Angebot: lernen, helfen, Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft erleben – und nebenbei wahrscheinlich deutlich sinnvoller als drei Stunden zielloses Scrollen.

Auch Erwachsene werden gesucht. Sie treffen sich donnerstags zwischen 19.30 und 22 Uhr. Das ist eine Uhrzeit, zu der viele Menschen schon beschlossen haben, dass die Couch heute ein sehr überzeugendes Argument hat. Ehrenamt bedeutet deshalb nicht nur gute Absicht, sondern Überwindung. Rausgehen, mitmachen, üben, lernen, bereit sein. Nicht nur darüber sprechen, dass irgendjemand helfen müsste. Sondern selbst dieser Jemand werden.

Und dann ist da noch die ambulante Pflege. Ein Bereich, der oft weniger spektakulär wirkt als Blaulicht und Einsatzfahrzeug, aber mindestens genauso wichtig ist. Pflegedienstleiterin Anna Loch bringt es auf den Punkt: Wenn man nicht mit Herzblut dabei ist, geht es nicht. Das ist ein Satz, der hängen bleibt. Denn Pflege ist nicht einfach eine Dienstleistung mit Uhrzeit und Formular. Pflege bedeutet Nähe, Geduld, Verantwortung, Fachlichkeit und oft auch die Fähigkeit, freundlich zu bleiben, wenn der Tag längst viel zu lang geworden ist.

Die Ambulanten Dienste Hilden unterstützen Menschen unter anderem bei häuslicher Pflege, Grundpflege, Behandlungspflege, Beratungsbesuchen und hauswirtschaftlichen Leistungen. Für neue Kunden gibt es Kapazitäten, Menschen aus Hilden, Erkrath und Langenfeld können sich melden. Auch das gehört zur Realität einer älter werdenden Gesellschaft: Nicht jeder braucht Blaulicht. Viele brauchen verlässliche Hilfe im Alltag. Und manchmal ist diese stille, regelmäßige Unterstützung genauso lebenswichtig wie der große Einsatz.

Besonders praktisch ist die Rotkreuzdose. Schon der Name klingt fast niedlich, dabei kann sie im Notfall Leben retten. Die Idee ist genial einfach: Wichtige Gesundheitsdaten werden in einer Dose gesammelt und im Kühlschrank aufbewahrt. Aufkleber an Wohnungstür und Kühlschrank weisen Rettungskräfte darauf hin. Warum Kühlschrank? Weil fast jeder einen hat und Helfer ihn schnell finden. Das ist einmalig pragmatisch. Während manche Notfallkonzepte kompliziert klingen, sagt die Rotkreuzdose: „Leg die wichtigen Infos dahin, wo garantiert niemand lange suchen muss.“ Hilden mag vieles diskutieren – aber Kühlschrank findet jeder.

Am schönsten ist vielleicht die Reaktion der Besucher. Eine Großmutter aus Düsseldorf-Itter besichtigte mit ihren Enkeln das Intensiv-Fahrzeug und sagte, sie finde es toll, dass Menschen sich für andere einsetzen und bei Notfällen immer da sind. Genau das ist der Kern. Man merkt im Alltag oft gar nicht, wie sehr man sich auf solche Strukturen verlässt. Feuerwehr, Rettungsdienst, DRK, Pflege, Katastrophenschutz – sie sind einfach da. Bis man sie braucht. Und dann hofft man, dass sie schnell, gut ausgebildet und mit Herzblut kommen.

Vielleicht liegt gerade darin die Herausforderung. Solange alles funktioniert, wirkt Hilfe selbstverständlich. Aber selbstverständlich ist sie nicht. Hinter jedem Einsatzfahrzeug stehen Menschen, Ausbildung, Übung, Bereitschaft, Freizeit, Verantwortung und manchmal auch schlafarme Nächte. Ehrenamt ist kein dekorativer Zusatz im Stadtleben. Es ist ein Teil der Sicherheitsarchitektur. Nur klingt das weniger gemütlich als „Vereinsabend“.

Das DRK Hilden zeigt mit seinem Jubiläum also nicht nur Vergangenheit, sondern Zukunft. 125 Jahre Geschichte sind beeindruckend. Aber die entscheidende Frage lautet: Wer macht die nächsten Jahre mit? Wer lernt Erste Hilfe? Wer engagiert sich im Jugendrotkreuz? Wer kommt donnerstags zum Ehrenamt? Wer bringt Herzblut mit? Denn Fahrzeuge kann man beschaffen, Material kann man lagern, Zelte kann man aufbauen. Aber ohne Menschen fährt nichts los.

Hilden darf deshalb ruhig stolz sein auf sein DRK. Aber Stolz allein reicht nicht. Applaus ist schön, Nachwuchs ist besser. Wer immer schon mal etwas Sinnvolles machen wollte, aber nicht wusste, wo anfangen, findet hier eine ziemlich klare Antwort. Erste Hilfe, Katastrophenschutz, Pflege, Jugendrotkreuz – das sind keine abstrakten Begriffe. Das sind konkrete Möglichkeiten, in einer Stadt Verantwortung zu übernehmen.

Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: Das DRK Hilden ist eine dieser Organisationen, bei denen man hofft, sie nie dringend zu brauchen – und gleichzeitig froh ist, dass es sie gibt. Seit 125 Jahren. Mit Fahrzeugen, Material, Pflege, Ehrenamt, Jugendangeboten und Menschen, die nicht nur sagen, dass Hilfe wichtig ist, sondern sie tatsächlich leisten.

Hilden kann über vieles streiten. Über Tempo 30, Parkplätze, Ampeln, Baustellen und offene Friedhofstore. Aber beim DRK darf man sich ausnahmsweise einmal einig sein:

Wenn Herzblut gefragt ist, steht Hilden ziemlich gut da. Jetzt müssen nur noch genug Menschen mitmachen.

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