In Hilden wird wieder saniert. Ab Montag, 18. Mai, rückt die Stadt mehreren Straßen mit frischem Asphalt zu Leibe. Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Nachricht aus dem Bereich „Tiefbau- und Grünflächenamt“, ist aber für viele Anwohnerinnen und Anwohner ungefähr so relevant wie die Frage, ob der Kaffee morgens noch durchläuft. Denn wenn die eigene Straße plötzlich Halteverbotsschilder trägt, der Lieblingsparkplatz verschwindet und die Grundstückszufahrt zeitweise nicht erreichbar ist, wird aus kommunaler Unterhaltung ganz schnell ein kleines Abenteuer mit Baustellencharme.
Neun Straßenabschnitte sind betroffen, darunter die Hoffeldstraße zwischen Wendehammer und Augustastraße, der Neumarkt bis zum Wendehammer, die Felix-Mendelssohn-Straße, die Beethovenstraße, Kleef, Meide, Steinauer Straße, Herderstraße und der Birkenweg. Wer jetzt beim Lesen innerlich seine Route zur Arbeit, zum Bäcker oder zur Schwiegermutter neu berechnet, ist vermutlich direkt betroffen. Alle anderen dürfen erleichtert nicken und trotzdem vorsichtshalber schon einmal schauen, ob das eigene Auto nicht aus Gewohnheit genau dort steht, wo demnächst ein temporäres Halteverbot mit amtlicher Entschlossenheit auftaucht.
Insgesamt lässt die Stadt rund 7.500 Quadratmeter neue Dünnschichtdecken aufbringen. Dünnschichtdecke klingt ein bisschen wie etwas, das man im Schlafzimmer bei plötzlichem Wetterumschwung aus dem Schrank holt, ist aber tatsächlich Asphalt. Und zwar für Straßen, die obenrum wieder hübsch gemacht werden. Kostenpunkt: voraussichtlich 270.000 Euro. Dafür bekommt Hilden keine neue Stadtautobahn, aber immerhin deutlich weniger Geruckel, Geklapper und jene Geräusche, bei denen Autofahrer kurz überlegen, ob gerade das Fahrwerk oder nur die eigene Geduld gebrochen ist.
Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund vier Wochen. „Voraussichtlich“ ist bei Straßenbauarbeiten natürlich ein wichtiges Wort. Es bedeutet: Wenn das Wetter mitspielt, der Asphalt sich benimmt und der Regen nicht beschließt, ausgerechnet jetzt eine Nebenrolle in Hilden zu übernehmen. Denn der Einbau der Asphaltschicht ist wetterabhängig. Bei Regen kann sich also alles verschieben. Das ist für Baustellen ungefähr das, was „Wir melden uns“ für Bewerbungsgespräche ist: Man hofft das Beste und beobachtet die Lage.
Bevor die Straßen ihre neue Oberfläche bekommen, werden zunächst Schachtdeckel, Straßenabläufe sowie Wasser- und Gaskappen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Das klingt nach Kleinkram, ist aber wichtig. Niemand möchte später über einen Schachtdeckel fahren, der sich benimmt wie ein versteckter Bordstein. Danach kommt die neue, dünne Asphaltschicht in zwei Arbeitsschritten auf die Fahrbahn. Dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. Selbst Asphalt braucht offenbar Erholung. Wenige Stunden nach dem Auftragen sind die Straßen wieder befahrbar, was beruhigend ist, aber nicht verhindern wird, dass mindestens ein Mensch im Viertel sagt: „Früher ging das alles schneller.“ Vermutlich stand dieser Mensch früher selbst im Stau und hat es nur verdrängt.
Für die Anwohner bedeutet das: Schilder beachten, Autos rechtzeitig umparken und sich seelisch darauf einstellen, dass die Zufahrt zum eigenen Grundstück zeitweise nicht erreichbar sein kann. Das ist lästig, aber immerhin zeitlich begrenzt. Wer sein Auto während der Arbeiten trotzdem im Baustellenbereich abstellt, darf vermutlich erleben, wie schnell ein harmloser Montagmorgen zu einer Schnitzeljagd nach dem eigenen Wagen werden kann.
Nicht saniert wird vorerst die Walder Straße. Und damit ist die Straße gemeint, bei der manche Hildenerinnen und Hildener wahrscheinlich schon beim bloßen Namen reflexartig an Schlaglöcher, Fahrbahnschäden und Stoßdämpfer denken. Die Sanierung ist laut Straßen.NRW zwar eingeplant, muss aber warten, weil zunächst eine Kanalsanierung der Stadt ansteht. Immerhin sollen die Schadstellen in diesem Jahr großflächig mit Heißasphalt instandgesetzt werden. Das ist so etwas wie ein Pflaster auf dem Knie, nur für eine Landesstraße und mit deutlich mehr Gerätschaften.
Am Ende bleibt: Hilden bekommt frischen Asphalt, einige Straßen bekommen vorübergehend Baustellenprogramm, und Autofahrerinnen und Autofahrer bekommen die Gelegenheit, ihre Geduld, Ortskenntnis und Parkkreativität zu trainieren. Vier Wochen lang wird gefräst, angepasst, gesperrt und asphaltiert. Danach dürfte es an mehreren Stellen wieder glatter laufen. Und das ist doch auch mal schön: eine Nachricht, bei der am Ende nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas auf die Straße gebracht wird.
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