Mittwoch, 9. September 2026

9.9.2026: Ein Bändchen, 16 Kneipen und die große Frage: Wo fangen wir an?

Es gibt Abende in Hilden, an denen man sich für eine Kneipe entscheidet, sich an einen Tisch setzt und dort bleibt. Und dann gibt es den ersten Samstag im November. Am 7. November steigt die Hildener Kneipentour zum 15. Mal: 17 Bands und Solokünstler spielen in 16 Locations, acht Stunden lang zieht Livemusik durch die Stadt und mit einem einzigen Bändchen darf man überall hinein. Das Prinzip ist herrlich einfach. Gefällt die Musik, bleibt man. Gefällt sie nicht, zieht man weiter. Trifft man unterwegs Bekannte, bleibt man wahrscheinlich trotzdem. Spätestens dann hat sich jeder vorher ausgearbeitete Abendplan erledigt. Die Hildener Kneipentour ist schließlich eine Veranstaltung, bei der ein wenig Orientierungslosigkeit ausdrücklich zum Konzept gehört.

Seit 2010 organisiert Michael Pape dieses musikalische Kneipenwandern. Vor Corona waren einmal 27 Locations dabei, inzwischen sind es 16. Einige Kneipen sind verschwunden, die verbliebenen Wirte machen laut Pape aber fast alle mit. Im vergangenen Jahr wurden rund 2600 Bändchen verkauft, maximal 3500 Besucher können diesmal dabei sein. An musikalischem Nachwuchs mangelt es nicht: Rund 100 Bands und Solokünstler bewerben sich jedes Jahr. Daraus ein Programm zusammenzustellen, dürfte ungefähr so einfach sein wie mit 15 Freunden in Hilden zu klären, in welche Kneipe man am Samstagabend geht. Nur dass Michael Pape am Ende tatsächlich eine Entscheidung treffen muss.

Musikalisch gibt es kaum eine Ausrede, nicht irgendwo fündig zu werden. Rock-Pop, Blues, Country-Rock, Oldies, deutsche Schlager, Soul, Funk und moderne Hits stehen auf dem Programm. Acht Acts sind erstmals dabei, dazu kommen bekannte Namen wie Prilblümchen, Nightwork, BFunk, Retro oder Boys of 69. Das klingt weniger nach einem Kneipenabend als nach einem kleinen Stadtfestival, bei dem zufällig überall eine Theke herumsteht.

Und genau darin liegt der Charme. Mani’s Ponystall, Charl’s, Palette, BARock, Mon Coeur, Blue Note, Black Pub, Nuckelpinte, Billard Bistro, Hemingway, Landhof, Café New York, James Food & Drinks, Vino Vista, Denkbar und Feingusti werden für einen Abend zu einem weitläufigen Konzertsaal. Neu dabei sind Vino Vista und die Denkbar. Gerade die etwas außerhalb der klassischen Innenstadtstrecke gelegene Weinbar möchte die Kneipentour nutzen, um bekannter zu werden. Das könnte funktionieren, denn an diesem Abend entdecken Hildener vermutlich wieder Orte, an denen sie sonst jahrelang vorbeigefahren sind und gedacht haben: „Da müsste man eigentlich auch mal hin.“ Am 7. November wird aus „eigentlich mal“ tatsächlich „heute“.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus diesem Angebot einen Abend zu machen, ohne daraus eine logistische Großübung werden zu lassen. Beginnt man am Alten Markt, am Fritz-Gressard-Platz oder irgendwo ganz anders? Wann baut man die Nuckelpinte ein, wann Vino Vista? Natürlich könnte man einen minutiösen Plan erstellen: 18.15 Uhr erste Band, 19 Uhr Wechsel, 19.45 Uhr nächste Location. Das ist ungefähr so realistisch wie die Vorstellung, auf dem Hildener Weihnachtsmarkt „nur ganz kurz“ einen Glühwein zu trinken. Irgendwo spielt eine Band besser als erwartet, irgendwo trifft man jemanden, den man seit Monaten nicht gesehen hat, und irgendwann fällt der Satz: „Komm, einen noch.“ Ab diesem Moment übernimmt Hilden die Abendplanung.

Das Bändchen für diesen musikalischen Kontrollverlust kostet im Vorverkauf zwölf Euro, zunächst erhältlich im Computer Store Hilden am Axlerhof und später auch in den teilnehmenden Locations. An der Abendkasse werden 15 Euro fällig. Zwölf Euro für 17 Bands sind rechnerisch etwa 71 Cent pro Künstler. Das ist ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis – vorausgesetzt, man widersteht dem Ehrgeiz, tatsächlich alle sehen zu wollen. Wer das versucht, dürfte den größten Teil des Abends mit Jacke an zwischen zwei Kneipentüren verbringen.

Also besser nicht optimieren. Bändchen ums Handgelenk, rein in die Stadt und schauen, wo man hängen bleibt. Für ein paar Stunden wird Hilden zur Musikmeile, aus offenen Türen dringen Rock, Blues, Soul oder Schlager, und Menschen ziehen durch Lokale, in denen sie vielleicht lange nicht mehr waren.

Vielleicht ist genau das der schönste Teil der Kneipentour. Nicht die Zahl der Bands, nicht die Zahl der besuchten Kneipen und schon gar nicht die perfekte Route. Sondern dieser eine Abend, an dem Hilden ein bisschen voller, lauter und spontaner ist als sonst.

Und sollte am Ende jemand fragen, welche der 17 Bands eigentlich die beste war, gibt es vermutlich ohnehin die einzig richtige Antwort:


Keine Ahnung. Aber der Abend war großartig.

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