Es war ein ganz normaler Sonntag im Februar. Die Menschen in Hilden, Baumberg und Düsseldorf-Süd taten das, was man sonntags eben so tut: spazieren gehen, Hunde ausführen, Brötchen holen, auf Facebook diskutieren. Und dann kam er. Lautlos. Buschig. Ungepflegt. Nein, nicht der Nachbar im Jogginganzug – ein Wolf.
Genauer gesagt: *vermutlich* ein Wolf. Vielleicht auch ein Wolfshund. Oder ein sehr ambitionierter Schäferhund mit Identitätskrise. Doch für Jamain Metzmacher aus Baumberg war die Sache klar: „Das ist doch kein Hund!“ Und wenn ein Mann mit Belgischem Schäferhund sagt, das ist kein Hund, dann ist das in etwa so belastbar wie ein TÜV-Stempel – nur mit mehr Fell.
Der Vierbeiner trabte am Hellerhofweg entlang, bog lässig in Richtung Paul-Löbe-Straße ab und verschwand offenbar Richtung Urdenbacher Kämpe. Ganz normaler Sonntagsspaziergang also – nur eben ohne Leine und mit leichtem Wildtier-Vibe. Metzmacher zückte sein Handy, machte ein Foto und tat, was man im 21. Jahrhundert bei Wolfsbegegnungen eben tut: Er informierte die Polizei und Facebook. In dieser Reihenfolge.
Die Polizei rückte aus, fand – Überraschung – keinen Wolf mehr und stellte fest: Es gibt keine belastbaren Hinweise. Außer natürlich das Foto. Und die Facebook-Kommentare. Und die weiteren Sichtungen. Aber belastbar ist ja bekanntlich nur, was eine DNA-Analyse von Kot, Haaren oder Speichel bestätigt. Willkommen im Jahr 2026, wo selbst ein Wolf erst einmal seine Proben einreichen muss.
Auch in Hilden-West soll das Tier gesichtet worden sein, ebenso in Düsseldorf-Reisholz – stilecht in der Morgendämmerung vor einer Tiefgarage. Man möchte fast meinen, der Wolf habe sich gedacht: „Wenn schon Großstadt, dann bitte mit urbanem Flair.“ Vielleicht hat er kurz überlegt, ein Parkticket zu ziehen.
Die Experten sind sich derweil relativ einig: Wenn es ein Wolf war, dann vermutlich ein junger Wanderwolf. Von den Eltern vor die Tür gesetzt, auf Partnersuche, auf der Suche nach einem eigenen Rudel – oder wenigstens nach einem ruhigen Waldstück ohne Hundekot-Reizüberflutung. Man fühlt ein bisschen mit ihm. Jung, orientierungslos, viel zu viel Input, überall Menschen mit Smartphones.
Die Schafhalter rund um die Urdenbacher Kämpe blieben bislang verschont. Keine gerissenen Tiere, keine nächtlichen Dramen. Elektro- und Drahtzäune scheinen gewirkt zu haben – oder der Wolf hatte einfach keinen Appetit auf rheinische Küche. Ein Experte merkte sogar an, Konflikte mit schlecht erzogenen Hunden seien hier deutlich häufiger. Das muss man sich mal vorstellen: Der Wolf kommt durch, benimmt sich, frisst nichts – und der Ruf des Problemtiers bleibt trotzdem.
Die Jäger sehen das naturgemäß etwas differenzierter. Der Wolf an sich sei nicht das Problem, heißt es, sondern das Bejagungsverbot. Zu viele Wölfe könnten die Artenvielfalt beeinträchtigen. In Hilden selbst dürfte allerdings eher die Parkplatzsituation die größere Bedrohung für die Biodiversität darstellen – aber das ist ein anderes Thema.
Am Ende bleibt vor allem eines: ein Sonntag, der es in sich hatte. Mehrere Anrufe bei der Polizei – ausgelöst durch einen einzigen Facebook-Post. Ein Tier, das wahrscheinlich einfach nur durchziehen wollte. Und eine Region, die für ein paar Stunden das Gefühl hatte, Teil einer Naturdokumentation zu sein – mit dem Titel: „Der Wolf im Ballungsraum – zwischen Tiefgarage und Paul-Löbe-Straße“.
Ob es wirklich ein Wolf war? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: Wenn er wirklich auf Partnersuche war, hat er jetzt zumindest eins gefunden – maximale Aufmerksamkeit. Und irgendwo da draußen streift er nun weiter, leicht genervt vom rheinischen Trubel, auf der Suche nach einem Ort, an dem ihn niemand fotografiert.
Außer vielleicht wieder jemand mit einem sehr gut informierten Belgischen Schäferhund.
Samstag, 14. Februar 2026
14.2.2026: Der Wolf, der auszog, um Hilden das Fürchten (und Facebook) zu lehren
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