Montag, 16. Februar 2026

16.2.2026: Rosenmontag in Hilden: Regen? Egal. Hauptsache, die Chips fliegen!

Hilden ist seit Altweiber fest in Narrenhand – und wer glaubt, dass ein bisschen Wasser von oben daran irgendetwas ändert, hat offensichtlich noch nie gesehen, wie entschlossen ein Hildener Jeck Richtung Mittelstraße watschelt, wenn irgendwo „Kamelle!“ in der Luft liegt. Rosenmontag 2026 steht vor der Tür, und während die Wettervorhersage schon mal vorsorglich den Regenmantel aus dem Schrank zieht, ziehen die Hildener einfach den Glitzer drüber. Prioritäten müssen schließlich sitzen.

Los geht’s um 14.11 Uhr – weil Karneval ohne eine Uhrzeit, die klingt wie ein geheimer Freimaurer-Code, einfach nur ein Umzug wäre. Start ist am Lindenplatz, dann wird sich in bester Tradition über Richrather Straße, Südstraße, Kolpingstraße und Kirchhofstraße Richtung Mittelstraße geschlängelt, bis am Fritz-Gressard-Platz der jecke Akku leergefeiert ist. Dazwischen wartet das Bürgerhaus, wo Bürgermeister Claus Pommer vom Balkon aus den Laden zusammenhält: moderieren, begrüßen, Kamelle regnen lassen – quasi die Dreifaltigkeit des Rosenmontags. Und wichtig für alle, die am Ende gern noch etwas „für später“ in der Jackentasche finden: Ab dem Penny-Markt ist Kamelle-Wurfstopp. Nicht, weil plötzlich Vernunft einkehrt, sondern weil man einen reibungslosen Ablauf will. Karneval kann Ordnung, wenn er muss. Widerwillig, aber er kann.

Apropos Wurfmaterial: Dieses Jahr wird’s kulinarisch ambitioniert. Früher waren es Bonbons, heute sind es Chips, Popcorn, Karamellriegel und Doppelkekse – Hilden wirft quasi den Inhalt eines gut sortierten Kiosks in die Menge. Und weil man im Rheinland nichts halb macht, rechnet man pro Wagen mit ungefähr 700 bis 800 Kilo Wurfmasse. Das ist kein Umzug, das ist eine fliegende Snack-Offensive. Wer danach noch hungrig ist, hat entweder zu weit hinten gestanden oder hat aus Versehen konsequent „Nein danke“ gesagt.

Mitmachen wollen dieses Mal 50 Startnummern, darunter 18 Festwagen. Zuschauerzahlen? Im letzten Jahr sprach man von 18.000 bis 20.000 – perfektes Wetter hilft eben. Dieses Jahr hilft vermutlich: Trotz Regen kommen. Und wer jetzt denkt „Och nö, Regen…“, dem sei gesagt: Der Zugleiter Michael Kewersun hat bereits die meteorologische Geheimwaffe parat. Sein Plan, um das Wetter kurzfristig zu drehen, ist herrlich rheinisch-pragmatisch: brav die Teller aufessen. Das ist keine Wetterstrategie, das ist ein Lebensgefühl. Und falls es nicht klappt, hat man wenigstens aufgegessen.

Natürlich gibt’s auch Sicherheit – und zwar so, dass man merkt: Karneval ist Spaß, aber nicht kopflos. Ab 12 Uhr sind Fahrzeugbarrieren vorgesehen, die Stadt wird dann gesperrt, und „ein paar Hundert Leute“ sind im Einsatz: Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei, Rotes Kreuz – die komplette Truppe, damit wir alle sorgenlos schunkeln können. Details verrät man nicht, was im Karnevalskontext übrigens sehr gut passt: Ein bisschen Geheimnis muss sein. Sonst könnte man ja auch gleich eine PowerPoint draus machen.

Schön ist auch: Es gibt wieder einen VIP-Bereich für Menschen mit Behinderung – auf Höhe der Sparkasse in der Mittelstraße, ab 12.30 Uhr für rund 50 Personen plus Begleitung. Das ist echte Inklusion und genau die Sorte Karneval, bei der man merkt: Jecksein heißt auch, aneinander zu denken – und nicht nur an die nächste Tüte Popcorn, die einem gleich aus drei Metern Entfernung elegant ins Gesicht segelt.

Neuigkeiten? Die „üblichen Verdächtigen“ sind zwar wieder dabei (Karneval ohne Stammgäste wäre wie Kölsch ohne Glas), aber es gibt frische Gesichter: Eine Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes ist anlässlich des 125. Geburtstags dabei, außerdem feiert eine Fußgruppe der MVZ Hildental von der Mittelstraße ihr Debüt. Und das Inklusionsprinzenpaar fährt dieses Jahr mit neu dekoriertem Wagen – inklusive „Familie Feuerstein“-Optik. Willkommen in Hilden, wo man nicht nur jeck ist, sondern im Zweifel auch ein bisschen steinzeitlich stylisch.

Und wo steht man am besten? Wenn du Luft zum Atmen willst: eher vorne, Richrather Straße oder Südstraße – da sind die Werfer allerdings oft noch im „Warm-up-Modus“, sprich: Die Kamelle fliegen, aber eher mit angezogener Handbremse. Der erste richtige Party-Hotspot ist das Hagelkreuz, dann wird’s kurz entspannter, bevor ab Polizeiwache Kirchhofstraße die Stimmung wieder anzieht und an der Gabelung ihren Höhepunkt erreicht – und zwar so nachhaltig, dass es bis zum Ende der Mittelstraße durchzieht. Wer es strategisch mag, macht das jecke „Doppelschauen“: erst Südstraße, dann flott über Schulstraße zur Mittelstraße und den Zug am Ende nochmal mitnehmen. Das ist wie ein Konzert mit Zugabe – nur dass die Zugabe Kekse wirft.

Einschränkungen gibt’s natürlich auch: Straßen- und Busverkehr werden am 16. Februar von 12 bis voraussichtlich 18 Uhr großräumig umgeleitet, Sperrbereich, Halteverbote, Abschleppen – die Klassiker. Wer nach 12 Uhr noch wegfahren will, stellt sein Auto besser vorher raus, sonst hat es am Ende ein Solo-Abenteuer mit dem Ordnungsamt.

Und weil Rosenmontag in Hilden nicht einfach „Ende“ kennt: After-Zoch-Party! Ab 15 Uhr Open Air am Alten Markt. Also: erst Kamelle fangen, dann weiterfeiern. Regen hin oder her – notfalls tanzt man sich eben trocken. In Hilden gilt schließlich die alte Karnevalsregel: Das Wetter kommt und geht. Der Zoch kommt auf jeden Fall.

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