Es gibt Orte, die riechen sofort nach Kindheit. Nach Lagerfeuerrauch, nassen Turnschuhen und diesem einen Stockbrot, das außen verbrannt und innen trotzdem noch komplett roh ist. Genau so ein Ort ist der Abenteuerspielplatz in Hilden — oder einfach „Abi“, wie ihn gefühlt jeder nennt, der dort irgendwann mal seine Nachmittage verbracht hat. Jetzt wird dieser legendäre Ort fast 50 Jahre alt und feiert das natürlich nicht still und leise mit einem trockenen Empfang und Käsewürfeln, sondern mit einem großen Generationenfest. Und ehrlich gesagt klingt das Ganze wie der absolute Endgegner deutscher Familienfeste.
Denn was dort angekündigt wird, liest sich ein bisschen so, als hätte jemand alle Kindheitserinnerungen der letzten vier Jahrzehnte in einen Mixer geworfen: Lagerfeuer, Hüpfburg, Feuerwehrübungen, Tiergehege, Holzwerkstatt, Kinderschminken und natürlich Stockbrot. Es fehlt eigentlich nur noch ein leicht überforderter Vater mit einer Digitalkamera aus dem Jahr 2007 und ein Kind, das nach exakt drei Minuten Zuckerwatte komplett eskaliert.
Besonders schön ist dabei, dass der Abi offenbar generationsübergreifend funktioniert. Die heutigen Kinder freuen sich auf die Hüpfburg, während die Eltern vermutlich alle fünf Minuten sagen werden: „Hier habe ich mir damals das Knie aufgeschlagen.“ Und irgendwo steht garantiert jemand Mitte 40 vor der Holzwerkstatt und murmelt mit glasigem Blick: „Das hier war früher viel größer.“ Nostalgie funktioniert auf Abenteuerspielplätzen schließlich ähnlich zuverlässig wie Sonnenbrand beim ersten warmen Wochenende des Jahres.
Das Bühnenprogramm wird offiziell von Bürgermeister Claus Pommer und Awo-Vertretern eröffnet. Ein Moment, bei dem Erwachsene höflich klatschen, während Kinder sich innerlich nur fragen, wann endlich Popcorn und Hüpfburg freigegeben werden. Wirklich spannend wird es dann bei der Tanzaufführung der Abi-Kinder. Solche Aufführungen haben nämlich immer dieselbe Magie: Einige Kinder tanzen voller Begeisterung, andere winken dauerhaft ihren Eltern zu und mindestens eins steht komplett regungslos da und verarbeitet vermutlich einfach die Gesamtsituation.
Kulinarisch fährt das Fest ebenfalls alles auf, was ein gelungenes Familienevent braucht: Grillgut, Kuchenbuffet, Popcorn, Zuckerwatte, Flammkuchen und Eiswagen. Anders gesagt: eine perfekte Gelegenheit, innerhalb von zweieinhalb Stunden gleichzeitig satt, glücklich und leicht überzuckert zu werden. Eltern kennen diesen Zustand traditionell als „Samstag“.
Besonders sympathisch ist, wie liebevoll über den Abenteuerspielplatz gesprochen wird. Seit 1978 ist er ein Ort für Begegnungen, Erlebnisse und Erinnerungen. Und genau das merkt man solchen Einrichtungen an. Irgendwie hat fast jeder Hildener eine Geschichte vom Abi. Vom ersten Lagerfeuer. Vom wilden Herumtoben. Von einem Sommernachmittag, der viel länger dauerte, als er eigentlich hätte dürfen. Oder von der Erkenntnis, dass man beim Kinderschminken als Tiger deutlich cooler aussah als als Schmetterling.
Und so wird dieses „fast 50-jährige“ Jubiläum wahrscheinlich genau das, was ein gutes Generationenfest sein soll: laut, chaotisch, klebrig, herzlich und voller Menschen, die für ein paar Stunden einfach wieder Kind sein dürfen. Nur diesmal mit Rückenschmerzen beim Aufstehen von der Bierbank.
Freitag, 22. Mai 2026
22.5.2026: Fast 50 Jahre Abenteuer, Stockbrot und ganz viel Kindheitsnostalgie
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