Donnerstag, 4. Juni 2026

4.6.2026: Hilden dreht den Sommer auf: Kunst, Curry und kollektives Mitwippen

Hilden hat offenbar beschlossen, den Sommer 2026 nicht einfach nur stattfinden zu lassen, sondern ihn mit beiden Händen zu packen, ordentlich durchzuschütteln und dann mitten in die Innenstadt zu stellen. Zwischen Stadtpark, Bürgerhaus, Altem Markt, Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz und Fußgängerzone wird gefeiert, geschlendert, gestaunt und gegessen, als hätte jemand im Rathaus gesagt: „Ein normales Wochenende? Nicht mit uns.“

Los geht es kulinarisch am Freitag, 19. Juni, wenn das Street Food Festival auf dem Ellen-Wiederhold-Platz von 17 bis 22 Uhr die feine Kunst des Entscheidungsstresses zelebriert. Denn wer schon einmal vor internationalen Spezialitäten stand, weiß: Der Mensch ist evolutionär nicht darauf vorbereitet, gleichzeitig Hunger, Neugier und nur zwei Hände zu haben. Am Samstag und Sonntag gesellt sich dann der Hildener Künstlermarkt dazu, der am 20. und 21. Juni jeweils von 11 bis 18 Uhr die Innenstadt in eine Open-Air-Galerie verwandelt. 66 Künstlerinnen und Künstler präsentieren dort ihre Werke – von Malerei über Fotografie und Keramik bis hin zu Skulpturen. Besonders spannend: Maori-Kunst als Tätowierung wird ebenfalls vorgestellt, wobei vor Ort nicht tätowiert wird. Sehr beruhigend für alle, die nur „mal eben gucken“ wollten und sonst versehentlich mit einem kunsthistorisch bedeutsamen Oberarm nach Hause gegangen wären. 

Dass Street Food und Kunst erstmals gleichzeitig auftreten, ist natürlich ein mutiger Schritt. Denn nun muss Hilden klären, was stärker ist: die emotionale Wirkung eines Acrylbildes oder der Duft von etwas Frittiertem mit exotischer Soße. Vermutlich endet es wie immer diplomatisch: Man kauft ein kleines Kunstwerk, isst etwas Großes aus Pappe und erklärt beides zum kulturellen Erlebnis.

Doch damit nicht genug. Am 11. und 12. Juli folgt das vierte Bürgerfestival, bei dem sich die Innenstadt erneut in eine Bühne für Begegnung, Kultur und gemeinsames Feiern verwandeln soll. Zwei Bühnen auf dem Alten Markt und dem Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz bieten Musik, Tanz, Mitmachaktionen und Beiträge aus dem Hildener Vereins- und Kulturleben. Kurz gesagt: Hilden zeigt, was es kann – und zwar gleichzeitig, laut, herzlich und vermutlich mit mindestens einem Mikrofon, das kurz pfeift.

Das Schöne daran: Diese Veranstaltungen klingen nicht nach steifem Pflichtprogramm, sondern nach echtem Stadtleben. Nach zufälligen Gesprächen, nach Kindern mit klebrigen Fingern, nach Menschen, die „nur kurz bleiben“ wollten und drei Stunden später noch immer irgendwo zwischen Salsa-Workshop, Holzskulptur und Falafel stehen. Hilden macht den Sommer nicht größer als nötig, aber genau lebendig genug, um daran erinnert zu werden, dass Innenstadt mehr sein kann als Erledigungen, Parkscheinautomaten und die Frage, wo man jetzt schon wieder den Einkaufszettel gelassen hat.

Kurzum: Wer im Juni und Juli in Hilden nichts vorhat, hat spätestens jetzt etwas vor. Und wer schon etwas vorhat, sollte prüfen, ob es wirklich wichtiger ist als Kunst unter freiem Himmel, Street Food mit Urlaubsgefühl und ein Bürgerfestival, bei dem die Stadt sich selbst feiert, ohne dabei zu vergessen, alle anderen gleich mitzufeiern.

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