Hilden hat vieles. Eine Innenstadt, in der man garantiert jemanden trifft, den man eigentlich nur kurz grüßen wollte. Kreisverkehre, die gefühlt eigene Persönlichkeiten entwickelt haben. Menschen, die sehr genau wissen, wo es die besten Brötchen gibt. Und natürlich eine stabile Portion Lokalstolz. Was Hilden offenbar nicht im Überfluss hat: Einkommensmillionäre.
Zumindest sagt das die aktuelle Statistik des Statistischen Landesamtes NRW für das Jahr 2022. Im Kreis Mettmann wurden insgesamt 218 Menschen gezählt, die in einem Kalenderjahr mindestens eine Million Euro verdient haben. Wohlgemerkt: verdient. Nicht geerbt, nicht im Sparstrumpf versteckt, nicht als Immobilienwert auf dem Papier herumliegen gehabt. Es geht um Einkommen. Also um das, was am Jahresende auf dem Steuerzettel so aussieht, als hätte der Taschenrechner kurz übertrieben.
Und da steht Hilden nun mit 14 Einkommensmillionären da. Nicht allein auf dem letzten Platz, denn Heiligenhaus hat ebenfalls 14. Man könnte also sagen: Hilden ist nicht Schlusslicht, sondern teilt sich charmant die rote Laterne. Das klingt gleich viel netter. Ein bisschen wie „Wir sind nicht Letzter, wir sind Co-Minimalist“.
Ganz vorne liegt Ratingen mit 65 Einkommensmillionären. Das ist schon eine andere Hausnummer. Da fragt man sich unweigerlich, ob dort beim Bäcker morgens mit Goldkarte bezahlt wird oder ob die Millionäre einfach besonders geschickt darin sind, sich statistisch bemerkbar zu machen. Danach folgen Velbert mit 31, Haan mit 28, Langenfeld mit 23, Erkrath mit 19 und Mettmann mit 15. Hilden kommt dann mit 14 und schaut freundlich hinterher.
Besonders pikant ist der Vergleich mit Haan. Haan hat deutlich weniger Einwohner als Hilden, aber doppelt so viele Einkommensmillionäre. Die Gartenstadt wird damit quasi zur Champagnerstadt des Kreises Mettmann, zumindest statistisch betrachtet. Während Hilden noch überlegt, ob ein Cappuccino für 4,20 Euro schon Luxus ist, zählt Haan offenbar diskret die Einkommensmillionäre im Vorgarten durch.
Aber bevor jetzt jemand in Hilden nervös durch die Nachbarschaft läuft und prüft, wer sich auffällig oft neue Gartenmöbel kauft: Diese Statistik zeigt nicht, wie reich eine Stadt wirklich ist. Sie verrät nur, wer in einem Jahr mindestens eine Million Euro Einkünfte erzielt hat. Wer also ein großes Vermögen besitzt, aber gerade kein entsprechendes Jahreseinkommen hat, bleibt unsichtbar. Der klassische „Ich habe zwar drei Häuser, aber statistisch bin ich unauffällig“-Typ taucht hier nicht auf.
Hilden muss sich also keine Sorgen machen. Reichtum zeigt sich hier vielleicht einfach anders. In einem freien Parkplatz zur richtigen Zeit. In einem Handwerkertermin, der tatsächlich eingehalten wird. In der Fähigkeit, samstags durch die Innenstadt zu gehen, ohne fünf Bekannte zu treffen. Oder in dem seltenen Glück, beim Stadtfest noch einen Sitzplatz zu ergattern.
Landesweit steigt die Zahl der Einkommensmillionäre übrigens weiter. In Nordrhein-Westfalen wurden für 2022 insgesamt 8.123 Einkommensmillionäre gezählt. Das entspricht rund 4,5 Millionären je 10.000 Einwohner. Es gibt sie also, die Menschen mit sehr hohen Jahreseinkommen. Nur in Hilden scheinen sie sich eher rar zu machen. Vielleicht sind sie besonders bescheiden. Vielleicht wohnen sie inkognito. Vielleicht stehen sie gerade ganz normal an der Kasse und diskutieren, ob die Bonuspunkte richtig verbucht wurden.
Am Ende bleibt festzuhalten: Hilden hat vielleicht nicht die meisten Einkommensmillionäre im Kreis Mettmann. Aber dafür hat es Charakter, kurze Wege, starke Meinungen und Menschen, die auch ohne Millionen ziemlich genau wissen, was ihre Stadt wert ist. Und das ist zwar nicht steuerpflichtig, aber unbezahlbar.
Montag, 8. Juni 2026
8.6.2026: Hilden und die Millionäre: Wo sind sie denn alle hin?
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen