Freitag, 11. September 2026

11.9.2026: Erst kam der Appell, jetzt die Kontrolle – oder: Hilden zählt 13 E-Scooter-Sünder

Erst bat Hilden um Rücksicht. Dann kam die Polizei. Und siehe da: In nur sechseinhalb Stunden sammelten sich 33 Verkehrsverstöße an – 13 davon auf E-Scootern. Man könnte sagen: Der städtische Appell zum besseren Miteinander hatte noch ein wenig Luft bei der praktischen Umsetzung.

Erst vor ein paar Tagen hatte die Stadt wegen der Beschwerden über E-Scooter und Fahrräder in der Fußgängerzone zu mehr Rücksicht aufgerufen. Am Mittwoch, 9. September, folgte die praktische Überprüfung: Zwischen 7.30 und 14 Uhr kontrollierte die Kreispolizei den Verkehr in Hilden. Neben den 13 E-Scooter-Verstößen kamen 15 bei Fußgängern und Radfahrern sowie fünf bei Autofahrern zusammen. Immerhin hat Hilden seine Verkehrssünden erfreulich demokratisch verteilt.

Bei den E-Scootern ging es unter anderem um Fahrten auf Geh- oder Radwegen, auf denen sie nicht zugelassen waren. Die Regel dazu ist eigentlich überschaubar: Gehwege und die Fußgängerzone gehören grundsätzlich den Fußgängern, sofern eine andere Nutzung nicht ausdrücklich erlaubt ist. Wer mit dem E-Scooter trotzdem dort fährt, kann mit 15 Euro zur Kasse gebeten werden.

Nun sind 13 Verstöße weder der Untergang des Hildener Abendlandes noch der Beweis dafür, dass die Mittelstraße inzwischen ausschließlich von rücksichtslosen E-Scooter-Piloten bevölkert wird. Aber die Zahl zeigt, dass die Beschwerden der vergangenen Wochen offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen waren. Wer regelmäßig durch die Innenstadt läuft, kennt die Situation: Man geht entspannt durch die Fußgängerzone, hört hinter sich plötzlich dieses charakteristische leise Rollen und entwickelt innerhalb einer halben Sekunde Fähigkeiten, die sonst eher im Leistungssport gefragt sind.

Dabei ist der E-Scooter selbst gar nicht das Problem. Er ist praktisch, schnell und für kurze Wege durchaus sinnvoll. Das Problem beginnt erst, wenn aus „praktisch und schnell“ plötzlich „Platz da, jetzt komme ich“ wird. Genau das gilt übrigens genauso für Fahrräder, Autos und Fußgänger. Wer aufs Handy schaut und ohne Blick über die Straße läuft, trägt zum entspannten Miteinander ungefähr genauso viel bei wie ein Radfahrer in falscher Richtung oder ein Autofahrer, der beim Abbiegen den Rest der Verkehrswelt für dekoratives Beiwerk hält.

Deshalb gefällt mir an der Kontrolle sogar, dass nicht ausschließlich E-Scooter herausgepickt wurden. Die Polizeiaktion gehört zum „Projekt Korrekt“, das Verkehrsunfälle mit Fußgängern und Radfahrern reduzieren soll. Falsche Fahrbahn, fehlende Aufmerksamkeit, unvorsichtiges Einfahren in den Verkehr und zunehmend auch der Blick aufs Handy gehören zu den Problemen, die die Polizei dabei beobachtet.

Vielleicht braucht es deshalb gelegentlich beides: den freundlichen Hinweis und die Kontrolle. Erst sagt die Stadt: Bitte nehmt Rücksicht aufeinander. Dann sagt die Polizei irgendwann: Wir schauen jetzt einmal nach, wie gut das funktioniert hat.

Das Ergebnis in Hilden lautet diesmal: 33 Verstöße.

Nicht dramatisch. Aber offenbar genug, um das Thema nicht einfach wegzurollen.

Denn am Ende ist die wichtigste Verkehrsregel immer noch erstaunlich simpel: Die Straße gehört nicht mir allein. Die Fußgängerzone übrigens auch nicht.

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