Es gibt Dinge, die verbinden Menschen auf eine Weise, wie es kein Fußballspiel, kein Schützenfest und kein gemeinsames Warten auf den 782er Bus je könnte. In Hilden ist das – Trommelwirbel, bitte – die Eiche auf dem Alten Markt. Dieser stattliche Baum ist nicht nur Schattenspender, Orientierungspunkt („Ich bin gleich bei der Eiche!“) und inoffizielles Selfie-Motiv für gelangweilte Stadtbummelnde, sondern seit Neuestem auch Zentrum einer kleinen pilzigen Panik.
Denn wie das so ist mit Lokaldramen: Sie beginnen meist unscheinbar – in diesem Fall mit einem Pilz. Kein böser Schimmel, keine Halluzinationen aus dem Feenwald, sondern der bodenständige, fast schon vernünftig klingende Lackporling. Klingt ein bisschen wie ein gescheiterter Pokémon-Charakter, ist aber tatsächlich ein Holzpilz. Und was macht der? Genau – gar nicht mal so viel. Er sitzt da, dekorativ am Stamm der Eiche, und verströmt offenbar vor allem eins: optische Unruhe und emotionales Ungleichgewicht bei besorgten Hildener\*innen.
Die Reaktion der Stadt? Lässig, professionell – ein bisschen wie ein Baumflüsterer auf Valium. Der Pilz sei ungefährlich, die Eiche hart im Nehmen, und sowieso wachse das eigentliche Übel drinnen. Also quasi wie eine Steuererklärung oder die Motivation beim Frühjahrsputz. Man sehe keinen Grund, dem Pilz den Garaus zu machen, und schon gar nicht auf Kosten des Haushaltsplans. Schließlich hat die Stadtverwaltung auch eine Verpflichtung – nicht nur gegenüber dem Baum, sondern auch gegenüber der Wirtschaftlichkeit. Und wenn der Lackporling nicht gleich die Kettensäge verlangt, bleibt er halt ein bisschen.
Bürgermeister Claus Pommer klingt in seiner Stellungnahme ein bisschen wie ein liebevoller Opa, der einem erklärt, dass der alte Gartenzwerg halt schon immer ein bisschen Moos hatte, aber trotzdem dazugehört. Die Eiche bleibe unter Beobachtung, der Zustand werde regelmäßig gecheckt, und überhaupt – man solle sich mal entspannen. Der Baum steht, der Pilz klebt, und beides zusammen ergibt anscheinend ein völlig tragbares Stadtbild mit Naturakzent.
Ob sich jetzt Hildens Kinder neue Horrorgeschichten ausdenken („Wenn du nachts nicht schläfst, kommt der Lackporling und setzt sich auf dein Hausdach!“), bleibt offen. Sicher ist aber: Wer in Hilden über Bäume spricht, spricht über mehr als nur Botanik. Hier geht es um Identität, um Herzblut, um die Frage: Was wäre der Alte Markt ohne seine Eiche? Wahrscheinlich ein bisschen weniger schattig, ein bisschen weniger ikonisch – und deutlich weniger pilzbehaftet.
Bis dahin bleibt uns nur, dem Baum viel Gesundheit zu wünschen, dem Pilz ein bisschen Diskretion – und der Stadtverwaltung ein weiteres Kapitel in der großen Chronik der kommunalen Krisenkommunikation: Pilz-Gate 2025.
Freitag, 22. August 2025
22.8.2025: Eiche, Erhabenheit und ein Hauch von Lackporling – Hilden hat wieder was zum Reden
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen