Wenn der Sommer sich langsam verabschiedet, die Blätter bunt werden und der erste Kürbis verstohlen vor der Haustür lauert, dann weiß der geübte Rheinländer: Es ist wieder Zeit für den alljährlichen Hildener Herbstmarkt – jenes traditionsreiche Fest, bei dem man gleichzeitig Kastanienbrot kauen, einen E-SUV probesitzen und am Sonntag legal Socken kaufen darf.
Am 6. und 7. September verwandelt sich die Hildener Innenstadt also wieder in eine Art Jahrmarkt für Erwachsene mit Shoppingbedarf, Gartenhunger und leichtem Oktobervorfreude-Kribbeln. Es wird geschlendert, geschnuppert, geschlemmt und – ganz neu im Sortiment – gestaunt. Denn auf dem Nové-Město-Platz kehrt die Autoshow zurück, und mit ihr rund 120 Modelle, viele davon elektrisch. Damit auch Oma Hilde mitbekommt, dass der Diesel langsam ein Auslaufmodell ist, während der Nachbar bereits geräuschlos zur Arbeit gleitet – und das mit Sitzheizung.
Veranstaltungsprofi Georg Ott, der die ganze Nummer zusammen mit seiner Firma stemmt, lässt verlauten, dass dieses Jahr alles noch schöner, bunter und herbstlicher wird. Blumendeko, kreative Stände und kulinarische Verlockungen sollen auch den letzten Marktmuffel aus dem Sessel heben. Angeblich gibt es sogar Händler, die sich trauen, direkt vor ihrem eigenen Laden aufzubauen – ein fast schon revolutionäres Konzept.
Citymanagerin Tanja de Vries verspricht gewohnt nordrheinwestfälisch-pragmatisch ein "entspanntes Einkaufserlebnis", was in Hilden ungefähr so viel bedeutet wie: Es wird rappelvoll, die Parkplätze sind ab 10 Uhr dicht, aber alle haben gute Laune, weil es Crêpes gibt und die Kinder am Stand mit den Holzflöten beschäftigt sind.
Das eigentliche Highlight aber ist – man ahnt es – der verkaufsoffene Sonntag. Am 7. September öffnen die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr, was einer kleinen kulturellen Sensation gleichkommt. Wer also sonntags normalerweise zwischen Tatort-Wiederholung und Sofaschlaf pendelt, hat hier die Chance, sich ein Paar Übergangsschuhe, eine neue Thermoskanne oder eine spontane Strickjacke zu gönnen. Und falls man dabei noch ein bisschen E-Mobilität einatmen möchte – bitte sehr: Die Autohändler stehen parat, mit glänzenden Felgen, aufgeladenen Akkus und einem Lächeln, das zwischen Ladekabel und Leasingvertrag changiert.
Wer es an diesem Wochenende also nicht in die Hildener Innenstadt schafft, verpasst nicht nur den Duft von gebrannten Mandeln und Motorpolitur, sondern auch das unbeschreibliche Gefühl, wenn sich herbstliche Dekoration, hungrige Spaziergänger und Kaufrausch zu einem einzigen flauschigen Nebel aus Konsum und Kürbis vermengen.
Hilden – wo der Herbst nicht einfach nur beginnt, sondern in Blätterteig gewickelt, mit Motoröl beträufelt und mit 19 Prozent Rabatt serviert wird.
Donnerstag, 28. August 2025
28.8.2025: Herbstlich durchgedreht: Wie Hilden mit Kürbis, Karossen und Kauflust die Sinne vernebelt
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen