Montag, 25. August 2025

25.8.2025: Dötzchen, Deko und Druck: Warum die Einschulung die neue Hochzeit ist

Früher bekam man zur Einschulung eine Schultüte mit ein paar Stiften, einem Radiergummi, vielleicht einem Überraschungsei – und fertig war die Laube. Heute hingegen wirkt der erste Schultag wie eine Mischung aus Hochzeitsmesse, Designer-Laufsteg und Survival-Ausrüstungstest. Der Ranzen kostet mehr als mein erstes Auto, die Federmappe hat wahrscheinlich eine bessere Garantie als mein Laptop, und der Sportbeutel ist so ergonomisch, dass er dem Kind vermutlich auch noch die Mathehausaufgaben erklärt.

Die Szene im Fachgeschäft sieht dann ungefähr so aus: Mama wählt zwischen „Rückenschonend in Pastell“ und „Superhelden-Edition mit blinkenden LED-Trägern“, Papa schluckt beim Preis und googelt heimlich, ob es irgendwo einen „Ranzen-Leasingvertrag“ gibt, und das Kind besteht darauf, dass Elsa, Stitch oder ein Einhorn auf der Brotdose prangt – sonst wird gestreikt.

Und als ob das nicht reicht, kommt noch die „Hochzeitslogik“ ins Spiel: Geschenke! Früher gab’s vielleicht einen Buntstiftkasten von der Oma. Heute wandert das i-Dötzchen durch einen Geschenkeparcours, der eher an eine Babyshower deluxe erinnert. 200 Euro für Schulanfänger-Geschenke? Kein Problem – schließlich soll der erste Schultag gleich so glamourös sein, dass Hollywood neidisch wird. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis es bei „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ eine Zusatzfolge gibt: „Eine Einschulung und ein Ranzenkauf“.

Der Handel reibt sich derweil die Hände. Bei Thalia kann man den Schulzettel einfach hochladen – und zack, liegt der fertig gepackte Warenkorb bereit. Müller wirbt mit gelben Westen und „Über-Nacht-Service“ (fast romantisch, oder?), und bei Tedi gibt’s das Sparpaket: Ranzen, Turnbeutel und Federmappe für 30 Euro – vermutlich ohne eingebautes Rückenscanner-System, dafür aber immerhin günstiger als ein Kinoticket mit Popcorn.

Die Moral der Geschichte: Wer sein Kind einschult, braucht nicht nur Nerven, sondern auch ein Budgetplanungs-Excel-Sheet und im besten Fall noch ein Sparkonto. Und vielleicht ist es tatsächlich die neue Hochzeit – nur dass man hier nicht „Ja“ sagt, sondern „Na gut, nehmen wir den mit den Dinosauriern, bevor das Kind die ganze Filiale zusammenschreit“.

Und Hand aufs Herz: Wenn wir ehrlich sind, feiern wir Eltern diesen Tag doch genauso mit wie die Kinder. Nur dass die Kids in die Schule gehen – und wir in die Ratenzahlung.

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