Es gibt diese Tage, an denen man morgens nur schnell die Nachrichten checken will und am Ende das Gefühl hat, mitten in einer Mischung aus Verkehrszentrale, Streikleitstelle und kommunalem Abenteuerroman gelandet zu sein. Willkommen im Kreis Mettmann, wo derzeit wirklich alles dabei ist: ÖPNV-Streiks bis Montag, ein schwerer Unfall in Ratingen-Homberg, sportliche Olympia-Vibes in Monheim und dann auch noch Apotheken, die am Montag aus Protest die Tür nur eingeschränkt oder gar nicht öffnen. Fehlt eigentlich nur noch, dass das Wetter mit 14 Grad ebenfalls offiziell die Arbeit niederlegt und sagt: „Heute nur leicht bewölkte Grundversorgung.“
Besonders charmant ist dabei die Gesamtdramaturgie. Erst heißt es: Der Nahverkehr streikt. Dann: Auch am Wochenende kann es Probleme geben. Dann: Freitag, Samstag und Montag wieder Streik. Man bekommt langsam das Gefühl, der Fahrplan wurde durch ein Escape-Room-Konzept ersetzt. Wer es bis zur Haltestelle schafft, ohne den Überblick zu verlieren, hat eigentlich schon gewonnen. Und während man noch überlegt, ob der Bus fährt, nicht fährt oder nur symbolisch vorbeifährt, meldet Monheim fröhlich „Kick-off Olympia“. Natürlich. Wenn schon keiner mehr regulär irgendwo hinkommt, dann bitte wenigstens mit olympischem Geist. Der Ingeborg-Friebe-Platz wird zur sportlichen Bühne, und man stellt sich unweigerlich vor, wie die erste Disziplin „100 Meter Hürdenlauf über ausgefallene Verbindungen“ heißt.
Parallel dazu sorgt ein schwerer Verkehrsunfall auf der Meiersberger Straße für stundenlange Sperrungen. Das ist der Moment, in dem selbst das Navi wahrscheinlich leise seufzt und sagt: „Ganz ehrlich, ich weiß auch nicht mehr.“ Auto schwierig, Bus unzuverlässig, und wer jetzt denkt, dann gehe ich eben noch schnell in die Apotheke, wird mit einem bundesweiten Protesttag begrüßt. Unter dem Motto „Apothekensterben stoppen“ machen auch einige Apotheken im Kreis Mettmann mit und bleiben geschlossen oder öffnen nur eingeschränkt. Das ist inhaltlich natürlich ein ernstes Thema, aber die zeitliche Platzierung hat fast schon kabarettistische Qualität: Gerade wenn alle wegen Streik, Verkehr und allgemeiner Lage hektisch Kopfschmerzen bekommen, steht auf der Apotheke sinngemäß: „Heute leider auch nur im Notdienst emotional verfügbar.“
Immerhin bleibt die wichtigste Nachricht bestehen: Die Notdienst-Apotheken haben geöffnet. Deutschland ist und bleibt eben ein Land, in dem selbst der Protest noch ordentlich organisiert ist. Man darf demonstrieren, klagen, mahnen und deutliche Zeichen setzen – aber bitte mit Plan B, Plan C und einem Schild, auf dem steht, wo man im Notfall trotzdem noch eine Salbe gegen die Symptome der Gegenwart bekommt.
Der Hintergrund des Protests ist dabei unerquicklich nachvollziehbar: steigende Betriebskosten, stagnierende Honorare, wirtschaftlicher Druck. Wenn laut Bericht etwa alle 20 Stunden eine Apotheke dauerhaft schließt, ist das keine Randnotiz mehr, sondern ein Warnsignal mit Rezeptpflicht. Die Wege für Patientinnen und Patienten werden länger, die Versorgung dünner, und die versprochene wirtschaftliche Stärkung aus dem Koalitionsvertrag wirkt aus Sicht vieler vermutlich ungefähr so greifbar wie ein Bus, der „planmäßig in Kürze“ kommen soll.
Und so bleibt dieser Nachrichtentag ein kleines Meisterwerk deutscher Gegenwart: Hier ein Protest, dort ein Streik, da ein Unfall, daneben eine Olympia-Auftaktveranstaltung und darüber das beruhigende Leuchten einer Radioseite, die tapfer 14 Grad meldet, als sei das der eine stabile Wert in einer sonst leicht flatternden Wirklichkeit. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft: Auch wenn alles gleichzeitig passiert, bleibt der Laden irgendwie in Betrieb – nur eben mit Umleitungen, Einschränkungen und dem stillen Wunsch, dass Montag irgendwann wieder ein normaler Montag wird. Bis dahin gilt: genug Zeit einplanen, Medikamente rechtzeitig besorgen und für alle Fälle die innere Goldmedaille im Improvisieren bereithalten.
Samstag, 21. März 2026
21.3.2026: Montag dicht, Stimmung offen: Wenn sogar die Apotheke in den Protestmodus geht
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