Dienstag, 17. März 2026

17.3.2026: Wenn der Bus streikt, geht Hilden zu Fuß zur Erkenntnis

Es gibt Nachrichten, die klingen wie ein sanfter Hinweis des Universums, endlich mal wieder das Fahrrad aus dem Keller zu holen. Und dann gibt es diese Meldung aus Hilden und Haan, bei der man schon beim Lesen automatisch nach bequemen Schuhen sucht: Die Rheinbahn wird bestreikt. Nicht nur ein bisschen, nicht nur so „vielleicht fährt ja noch die 784“, sondern gleich mit Ansage, Notfahrplan, Werkstätten, Fahrzeugteams und der klaren Botschaft: Wer diese Woche irgendwohin möchte, sollte entweder sehr geduldig, sehr kreativ oder einfach sehr gut zu Fuß sein.

Verdi macht also am Mittwoch und Donnerstag weiter, Dienstag ist die Rheinbahn ohnehin schon dran, und damit entwickelt sich der öffentliche Nahverkehr in der Region vorübergehend zu einer Art Überraschungsei für Erwachsene. Kommt ein Bus? Kommt keiner? Kommt er zu spät? Kommt er nur bis zur nächsten Haltestelle und entscheidet dann, dass auch er innerlich längst gekündigt hat? Alles scheint möglich. Besonders charmant ist dabei, dass nicht nur die Fahrgäste, sondern offenbar das gesamte System einmal kollektiv tief durchatmet und sagt: „Heute eher schwierig.“

Betroffen sind Werkstätten und Instandhaltungsteams, also genau die Menschen, die normalerweise dafür sorgen, dass Busse und Bahnen nicht nur irgendwie fahren, sondern im Idealfall auch sicher und zuverlässig. Wenn die fehlen, merkt man erst, wie viel moderner Nahverkehr eigentlich mit sehr viel Organisation, Technik und Menschen zu tun hat – und wie wenig mit dem romantischen Gedanken, dass so eine Straßenbahn morgens einfach aus freien Stücken beschließt, loszurollen. Sie ist eben kein Wildtier. Sie braucht Wartung, Pflege und offensichtlich auch Tarifverhandlungen.

Für die Menschen in Hilden, Haan, Düsseldorf, dem Kreis Mettmann und sogar darüber hinaus bedeutet das vor allem eines: Planen wird jetzt zum Extremsport. Man verlässt das Haus nicht mehr mit Schlüssel, Handy und Portemonnaie, sondern zusätzlich mit Hoffnung, einer Ausweichroute und vielleicht einer Karte von Nordrhein-Westfalen. Besonders bitter: Während Busse und Bahnen stillstehen könnten, fahren S-Bahnen und Regionalzüge weiter. Das ist ungefähr so, als würde bei einem Familienfest die halbe Verwandtschaft beleidigt abreisen, aber Onkel Bernd bleibt da und versucht, mit Kartoffelsalat die Stimmung zu retten.

Die Begründung der Gewerkschaft ist dabei durchaus ernst: Seit Monaten gebe es keinen spürbaren Fortschritt, die Beschäftigten arbeiteten unter belastenden Bedingungen und erwarteten endlich ein Angebot, das ihrer Lage gerecht wird. Und genau da endet der Humor natürlich kurz, denn Streiks sind für Fahrgäste nervig, für die Beschäftigten aber meist das letzte Mittel, um überhaupt Gehör zu finden. Das ändert allerdings nichts daran, dass sich der Alltag für viele Menschen nun anfühlt wie ein Escape Room mit dem Thema „Wie komme ich ohne Rheinbahn pünktlich zur Arbeit?“

Besonders schön ist die bürokratische Präzision, mit der beschrieben wird, dass der Streik von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht andauern kann. Das klingt nicht nach Arbeitskampf, das klingt nach einer sehr deutschen Art zu sagen: „Ganztägig problematisch.“ Man möchte fast bewundern, wie ordentlich selbst das Chaos hier organisiert ist. Der Stillstand hat einen Zeitplan. Deutschland kann eben alles – sogar Ausfälle mit Struktur.

Und so steht Hilden nun sinnbildlich an der Haltestelle der Erkenntnis: Öffentlicher Nahverkehr ist dann am sichtbarsten, wenn er plötzlich nicht mehr da ist. Solange Bus und Bahn fahren, meckert man höchstens über drei Minuten Verspätung. Sobald aber mehrere Tage gestreikt wird, blickt man sehnsüchtig selbst auf eine leicht mürrische Straßenbahn, als wäre sie ein alter Freund, den man nie genug geschätzt hat. Vielleicht ist das die wahre Pointe dieser Woche: Erst wenn die Rheinbahn Pause macht, merken alle, wie sehr sie zum Alltag gehört.

Bis zur nächsten Verhandlungsrunde ab dem 24. März bleibt also nur, mit Humor, Geduld und notfalls erstaunlich vielen Schritten durch den Tag zu kommen. Wer in diesen Tagen pünktlich irgendwo ankommt, darf sich jedenfalls nicht nur organisiert nennen, sondern praktisch schon Logistikprofi.

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