Februar ist ja traditionell der Monat, in dem der Himmel so grau ist, dass selbst die Tauben leise um Entschuldigung gurren, und man morgens beim Blick aus dem Fenster kurz überlegt, ob man nicht einfach im Bett bleiben und „wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ murmeln sollte, bis es wieder März ist. Und genau in diese Jahreszeit platzt nun der neue Arbeitsmarktbericht wie ein unerwartet freundlicher Nachbar, der nicht nur „Moin“ sagt, sondern auch noch die Mülltonne reinholt: Kreisweit stagniert die Arbeitslosigkeit – aber Hilden und Haan? Die machen einfach mal das Gegenteil und sinken. Einfach so. Als hätten die Zahlen beschlossen, ein bisschen rheinischen Frohsinn zu üben.
Während der Kreis Mettmann bei 7,3 Prozent bleibt und damit so unbeweglich wirkt wie ein Wartezimmerstuhl, zeigt Hilden eine Quote von 6,4 Prozent – und Haan sogar 6,2 Prozent. Das sind Werte, bei denen man fast erwartet, dass jemand auf dem Marktplatz Konfetti verteilt und ruft: „Leute, wir sind offiziell besser als der Durchschnitt!“ (Was im Rheinland ja ohnehin eine Art Volkssport ist: „Besser als der Kreis“ klingt ungefähr so zufrieden wie „Parkplatz direkt vor der Bäckerei“.)
Natürlich kommt so ein Bericht nicht ohne die obligatorische Portion Realität: Der Chef der Arbeitsagentur, Karl Tymister, sagt, der Arbeitsmarkt sei trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stabil. Das ist die amtliche Formulierung für: „Es ist nicht alles super, aber es brennt auch nicht.“ Besonders charmant ist dabei der Februar-Klassiker: Jugendarbeitslosigkeit steigt. Nicht, weil plötzlich alle jungen Menschen kollektiv beschlossen hätten, lieber professionelle Sofa-Tester zu werden, sondern weil viele Ausbildungen enden und nicht alle sofort übernommen werden. Dann meldet man sich eben kurz arbeitslos – so eine Art Zwischenstopp, wie wenn man beim Umsteigen am Düsseldorfer Hauptbahnhof steht und sich fragt, ob man jemals wieder Tageslicht sehen wird.
Gleichzeitig bleibt die Dynamik hoch: Rund 1000 Menschen pro Monat finden aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder eine Beschäftigung. Das ist eine Zahl, die man sich bildlich vorstellen muss: ein ständiges Kommen und Gehen, als wäre der Arbeitsmarkt eine große Drehtür, nur dass drinnen nicht „Bitte nicht drängeln“ steht, sondern „Fachkräfte gesucht“. Denn ja: Besonders im Gesundheitsbereich fehlen Leute. 286 offene Stellen, 6,7 Prozent mehr als im Vormonat – das klingt, als hätte jemand die „Wir brauchen dringend Verstärkung“-Taste aus Versehen auf Dauerbetrieb gestellt. Und irgendwo sitzt eine Pflegekraft, schaut auf diese Zahl und denkt: „Aha. Interessant. Ich hätte da eine Idee, wie man das löst: mehr Menschen, weniger Burnout, danke.“
Und wie sieht’s konkret vor Ort aus? In Hilden sind aktuell 2006 Menschen arbeitslos – drei mehr als im Januar, aber 100 weniger als vor einem Jahr. Drei mehr ist so eine Veränderung, die man sonst eher bei Keksdosen bemerkt („Huch, waren da nicht gestern noch drei drin?“). Haan steht bei 1012 Arbeitslosen, zehn weniger als im Januar und 76 weniger als vor einem Jahr. Das ist schon eher die Sorte Zahl, bei der man kurz nickt und sagt: „Läuft.“ Außerdem meldeten die Arbeitgeber aus Haan und Hilden im Februar 115 neue Arbeitsstellen. Insgesamt sind in der Geschäftsstelle Hilden 507 freie Stellen gemeldet. Und jetzt kommt die rheinische Pointe: Im Vergleich zum Vorjahr sind das gerade mal vier Stellen weniger. Vier! Das ist keine Veränderung, das ist ein Zahlenschnipsel, der vom Wind verweht werden könnte.
Am Ende bleibt das Gefühl: Der Februar kann nicht nur Nieselregen, sondern auch Stabilität mit leichtem Aufwärtsschwung. Hilden und Haan stehen ein bisschen besser da als der Rest des Kreises, der Fachkräftemangel winkt freundlich (und etwas verzweifelt) aus dem Gesundheitswesen, und die jungen Menschen stolpern nach Ausbildungsende kurz durch die Statistik, bevor sie hoffentlich wieder festen Boden unter den Füßen haben. Und wenn wir dem Bericht etwas Poetisches abgewinnen wollen, dann vielleicht das: Manchmal ist „stagnieren“ schon eine gute Nachricht – und manchmal sind 6,2 Prozent einfach ein kleiner Lichtstrahl im Grau. Rheinisch eben: nicht übertreiben, aber auch nicht schlechtreden.
Montag, 2. März 2026
2.3.2026: Hilden, Haan und der Februar: Wenn Zahlen plötzlich gute Laune haben
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