Manchmal passieren in Nordrhein-Westfalen Dinge, die klingen erst wie ein Tippfehler und entpuppen sich dann als Kulturgut: RUDELSINGEN kommt nach Hilden. Ja, richtig gelesen. Nicht „Rudelgucken“, nicht „Rudelgrillen“, nicht „Rudelparken-im-Haltestellenbereich“, sondern SINGEN. Gemeinsam. Mit anderen Menschen. In einem Raum. Und das Ganze sogar ohne, dass vorher jemand eine WhatsApp-Gruppe mit 47 Nachrichten pro Minute eröffnet.
Das „Original RUDELSINGEN“ – seit 2011 unterwegs, geboren in Münster, also quasi mit amtlich beglaubigtem NRW-Charme – zieht endlich in die Stadthalle Hilden ein. Und das Prinzip ist so herrlich simpel, dass man sich fragt, warum wir das nicht längst überall machen: Zwei Musiker:innen begleiten live, die Texte werden per Beamer an die Wand geworfen, und plötzlich verwandelt sich ein ganz normaler Mittwochabend in ein Konzert, bei dem das Publikum gleichzeitig Headliner ist. Das ist wie Karaoke, nur ohne die stille Panik, dass gleich jemand filmt, und ohne den einen Kollegen, der „Wonderwall“ für einen Persönlichkeitstest hält.
Das Repertoire ist dabei so bunt gemischt, dass man sich innerlich schon mal warm anziehen kann: Schlager, Rock, aktuelle Radiohits, Evergreens – quasi die musikalische Version von „Wir nehmen einmal alles“. Und weil jeder Abend „einzigartig“ ist, darf man sich vorstellen, wie in einem Moment Robbie Williams durch den Raum schwebt, im nächsten Herbert Grönemeyer die Emotionen sortiert und danach Die Toten Hosen und Die Ärzte gemeinsam dafür sorgen, dass plötzlich alle sehr überzeugt „das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ wirken – selbst wenn man eigentlich nur „irgendwas mit Oh-oh-oh“ mitsingt.
Besonders schön: Das Ganze ist nicht irgendein Termin, sondern die *Premiere* – das 1. Hildener RUDELSINGEN. Premiere bedeutet bekanntlich: Alle sind ein bisschen aufgeregt, keiner weiß genau, wie laut man sein darf, und am Ende erzählt jede Person, sie hätte „eigentlich gar nicht so eine Singstimme“, während sie schon beim Rausgehen die nächste Strophe anstimmt. Das ist Gesetz.
Stattfinden soll das Spektakel in der Stadthalle Hilden am Fritz-Gressard-Platz 1, am 18.03.2026 um 19:30 Uhr. Ticketpreis ab 15 Euro – also ungefähr der Betrag, den man sonst für einen Abend ausgibt, an dem man „nur kurz“ was trinken geht und dann plötzlich mit einer Quittung nach Hause kommt, die aussieht wie ein kleines Buchprojekt. Hier bekommt man für sein Geld immerhin ein Konzerterlebnis, bei dem man selbst Teil des Chors ist – ohne Proben, ohne Noten, ohne jemanden, der „von vorne!“ ruft, wenn man gerade endlich im Flow war.
Und wenn man sich jetzt fragt, ob das was für einen ist: Ja. Wahrscheinlich schon. Denn RUDELSINGEN ist im Kern das, was wir alle heimlich brauchen: eine Gelegenheit, laut mitzusingen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ein Abend, an dem man ganz offiziell das tun darf, was man sonst nur im Auto macht, wenn die Ampel rot ist und man kurz hofft, dass niemand rüberschaut. In Hilden wird das jetzt zur Veranstaltung – und das ist irgendwie tröstlich. Fast so, als hätte das Leben gesagt: „Komm, wir machen’s heute mal leicht. Du musst nur auftauchen und den Rest übernimmt das Rudel.“
Also: Stimme ölen, Lieblings-Evergreen innerlich bereitlegen, und bitte nicht wundern, wenn man danach merkt, dass man gar nicht heiser ist – sondern einfach nur glücklich.
Dienstag, 3. März 2026
3.3.2026: Wenn Hilden zum größten Chor ohne Proben wird
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