Montag, 30. März 2026

30.3.2026: Hilden und die hohe Kunst, Wohnen noch spannender zu machen

Es gibt Städte, die locken mit Parks, Kultur und guter Infrastruktur. Und dann gibt es Hilden, das offenbar beschlossen hat, seinen Bürgerinnen und Bürgern vor allem eines zu bieten: Nervenkitzel beim Blick auf den Grundsteuerbescheid. Während andere Kommunen mühsam nach Wegen suchen, das Wohnen bezahlbar zu halten, geht man hier offenbar den aufregenderen Weg und fragt sich: Wie können wir das alltägliche Leben ein kleines bisschen dramatischer machen? Die Antwort scheint zu lauten: mit Hebesätzen, Berufungen und jeder Menge Verwaltungslyrik.

Die Nachricht liest sich jedenfalls wie ein Verwaltungs-Thriller mit lokalpolitischem Feinschliff. Erst beanstandet das Verwaltungsgericht Düsseldorf die gesplitteten Grundsteuersätze, dann kündigt Bürgermeister Dr. Claus Pommer direkt an, das Urteil anzufechten. Das ist der Moment, in dem man sich als einfacher Mensch fragt, ob man eigentlich noch in einer Stadt wohnt oder schon in einer Staffel von „House of Tax Cards“. Kaum ist ein Urteil da, wird nicht etwa erleichtert durchgeatmet, sondern geschniegelt in die nächste Instanz marschiert. Hilden wirkt dabei ein bisschen wie jemand, der beim Monopoly verliert und sagt: „Dann spielen wir jetzt nach meinen Regeln weiter.“

Besonders charmant ist auch die politische Choreografie drumherum. Der Finanzausschuss hatte das Thema eigentlich auf der Tagesordnung, hat dann aber festgestellt, dass noch Beratungsbedarf besteht. Beratungsbedarf ist bekanntlich das kommunalpolitische Pendant zu „Ich habe die Hausaufgaben gemacht, aber leider zu Hause vergessen“. Also wird vertagt, geschoben und weiter beraten, bis der Rat am 15. April ran darf. Man möchte fast Popcorn verteilen, so spannend wird hier das Ringen um Grund- und Gewerbesteuer inszeniert. Nur dass am Ende leider niemand ein Auto gewinnt, sondern eher höhere Kosten.

Der eigentliche Star dieses Stücks ist jedoch der Kämmerer Martin Wiedersprecher, der schon jetzt freundlich in Aussicht stellt, dass sich die Steuerlast bei der Grundsteuer sehr wahrscheinlich noch vergrößern wird. Das ist ungefähr so, als würde der Kellner nach einem mittelmäßigen Essen an den Tisch kommen und sagen: „Übrigens, die Portionen werden kleiner, aber dafür zahlen Sie beim nächsten Mal mehr.“ Diese Form von Offenheit muss man erst einmal haben. Andere würden so eine Botschaft in Watte packen, Hilden legt sie offenbar direkt auf den Tisch wie eine Mahnung mit Ausrufezeichen.

Besonders bitter ist die Logik der ganzen Angelegenheit: Weil die bisherige Regelung für gemischt genutzte Wohn- und Gewerbegrundstücke rechtlich nicht hält, lautet der Ratschlag der Verwaltung nun, zu einheitlichen Hebesätzen zurückzukehren. Klingt nach Vereinfachung, klingt nach Ordnung, klingt fast vernünftig – bis der Nebensatz kommt, der das Ganze in Hildener Klartext übersetzt: Wohnen wird teurer. Das ist diese Art von kommunaler Magie, bei der man aus einem juristischen Problem eine finanzielle Belastung zaubert und das dann als Sachzwang verkauft. Ein bisschen wie bei einem kaputten Regenschirm, den man reparieren will und am Ende stellt jemand fest: „Gut, trocken bleibst du nicht, aber jetzt ist er wenigstens einheitlich kaputt.“

Man muss Hilden aber auch zugutehalten, dass die Stadt konsequent ist. Woanders würde man vielleicht versuchen, schlechte Nachrichten möglichst zart zu formulieren. Hier bekommt man die volle Erfahrung: gerichtliche Beanstandung, politische Vertagung, angekündigte Berufung und der dezente Hinweis, dass das Wohnen künftig teurer wird. Es fehlt eigentlich nur noch eine Blaskapelle auf dem Marktplatz, die „Money, Money, Money“ spielt, während die neuen Bescheide Ende Mai verschickt werden.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass Grundsteuer in Hilden längst mehr ist als eine nüchterne Verwaltungsangelegenheit. Sie ist ein gesellschaftliches Ereignis, ein politisches Ritual und vermutlich bald ein Extremsport. Wer hier wohnt, braucht nicht nur ein Zuhause, sondern auch starke Nerven, ein Grundverständnis für Kommunalrecht und vielleicht einen kleinen Altar für den Schutzpatron der Nebenkosten. Hilden zeigt eindrucksvoll: Selbst ein Steuerbescheid kann Unterhaltungspotenzial haben – nur leider auf eine Weise, bei der am Ende niemand lacht, außer vielleicht das Porto für die neuen Bescheide.

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