Freitag, 6. März 2026

6.3.2026: Kik bleibt, Tedi zieht um, Euroshop geht – und Hilden fragt sich: Wer zieht als Nächstes ein?

Hilden hat gerade so eine Phase, in der man beim Stadtbummel nicht mehr „Oh, guck mal, was Neues!“ sagt, sondern eher „Oh… guck mal, schon wieder *nichts*.“ Besonders „Am Kronengarten“ fühlt es sich an, als hätte jemand im Einzelhandel Monopoly gespielt und plötzlich beschlossen: „Ich kauf jetzt nichts mehr, ich park nur noch auf Feldern.“ Da ist erst Kodi weg, dann Tedi umgezogen, das alte Tedi-Lokal steht rum wie ein vergessenes Überraschungsei ohne Überraschung – und jetzt schwappt die Nachricht rein, dass Kik europaweit 50 Filialen schließen will. In Hilden löst das ungefähr den gleichen Reflex aus wie wenn dein Handy auf 3% fällt und du *plötzlich* feststellst, wie sehr du es liebst.

Die gute Nachricht: Der Kik am Kronengarten gehört laut Aussage aus dem Laden offenbar nicht zu den Kandidaten fürs große Stühlerücken. „Wir gehören nicht dazu“, heißt es sinngemäß – was in Hilden gerade vermutlich als offizielles Gütesiegel durchgeht. So nach dem Motto: „Noch da? Super! Dann bist du quasi schon Standortfaktor.“ Und die Zentrale in Bönen gibt sich diplomatisch: Man könne aktuell nicht auf einzelne Standorte eingehen. Das ist die Kommunikationsvariante von „Wir haben die Liste, aber wir halten sie wie ein Zauberer seinen Hut: Bitte nicht reingucken.“ Gleichzeitig wird beruhigt, Mitarbeitende müssten sich keine Sorgen machen, weil man sie im dichten Filialnetz oft weiterbeschäftigen könne. Klingt ein bisschen wie: „Wenn dein Bus ausfällt, kommt bestimmt irgendwann ein anderer. Vielleicht. Irgendwo.“

Und doch hängt über allem diese Frage, die früher nur in Luxusmagazinen vorkam und jetzt in der Discounter-Realität angekommen ist: Sind die fetten Jahre vorbei? Diese Non-Food-Ketten wurden ja lange belächelt, bis man plötzlich merkte, dass sie in vielen Innenstädten die letzten Läden sind, in denen man noch *tatsächlich* reingeht, statt nur vorbeizugehen und „Ach, schade“ zu murmeln. Erst verschwanden die inhabergeführten Geschäfte, dann kamen die Frequenzbringer – und jetzt merken auch die Frequenzbringer, dass Frequenz allein keine Miete bezahlt. Inflation, Kaufzurückhaltung, Lieferketten, Wettbewerb – die ganze Bingo-Karte der Gegenwart. Kik formuliert das sogar fast philosophisch und erklärt, man demokratisiere Konsum und ermögliche gesellschaftliche Teilhabe durch günstige, robuste Produkte. Das ist im Kern: „Wir verkaufen Sachen, die sich viele leisten können“ – nur eben mit einem Unterton von „Wir sind auch ein bisschen Sozialpolitik, nur mit Socken und Deko-Hirschen.“

Währenddessen passiert im Rathaus-Center das, was in sozialen Medien zuverlässig für kollektives Stirnrunzeln sorgt: Der Euroshop ist geschlossen. Das ehemalige Volksbank-Lokal steht leer, und die Suche nach einem Nachnutzer klingt nach einem Hildener Casting-Format: Man wünscht sich etwas Hochwertiges, vielleicht Second-Hand mit Stil oder ein Outlet – aber auf der Bühne stehen vor allem Döner-Läden und Barber-Shops und winken enthusiastisch. „Nicht unbedingt die Traum-Kandidaten“, heißt es. Was höflich ist und gleichzeitig sehr nach: „Wir würden gern ‘Das perfekte Geschäft’ drehen, aber gerade bewirbt sich ‘Deutschland sucht den nächsten Drehspieß’.“ Gastronomie ginge auch, aber dann kommen Umbaukosten, und plötzlich merkt man: Eine leere Fläche ist billig, ein belebter Traum ist teuer.

Und weil Hilden natürlich nicht nur Abschiede kann, sondern auch Wünsche, wird regelmäßig ein Name beschworen wie ein Einzelhandels-Mantra: Action. In den sozialen Medien wird Action so herbeigesehnt, als würde dort nicht Non-Food verkauft, sondern Hoffnung in Aktionswochen. Action antwortet allerdings typisch seriös: aktuell keine Filiale in Hilden geplant, aber man suche immer geeignete Standorte. Übersetzt: „Sag niemals nie, aber bitte schick uns erst mal 700 Quadratmeter auf einer Ebene, gute Erreichbarkeit und Parkplätze, als wären wir ein Freizeitpark.“ Und da wird’s spannend, denn selbst der größte aktuelle Leerstand in der Innenstadt – das ehemalige Depot an der Mittelstraße – hat mit gut 453 Quadratmetern so ungefähr die Ausstrahlung von: „Ich bin groß, aber nicht *Action-groß*.“ Zum Vergleich: Der neue Tedi-Standort am Kronengarten hat über 1500 Quadratmeter. Da kannst du dich drin verlaufen und am Ende mit drei Kerzen, einem Teppich und einem Schwangerschaftstest wieder rauskommen, ohne zu wissen, wie das passiert ist.

Apropos Kronengarten: Dort steht das alte Tedi-Lokal mit rund 370 Quadratmetern weiter leer, aber immerhin gibt es Gespräche mit mehreren Interessenten. Der Eigentümer hat den Kreis bewusst ausgeweitet – was nach „Wir nehmen jetzt auch Dinge, die nicht nach Deko-Regal aussehen“ klingt. Genannt werden Mode und Versicherungen. Das ist eine Kombination, die irgendwie perfekt zu Leerständen passt: Erst kleidest du dich für die Innenstadt, dann versicherst du dich gegen ihre Entwicklung. Umbauarbeiten seien wohl nötig, deswegen könne man keinen Zeitpunkt nennen. Das ist die klassische Innenstadt-Uhr: Sie tickt nicht in Tagen, sondern in „sobald wir was Belastbares sagen können“.

Unterm Strich wirkt Hilden gerade wie eine Stadt, die sich in Echtzeit neu sortiert – zwischen dem Wunsch nach Vielfalt und der Realität von Quadratmetern, Parkplätzen und Umbaukosten. Kik bleibt erst mal, Action bleibt vorerst ein Wunschzettelpunkt, Euroshop ist weg, und jede leere Fläche ist eine offene Frage. Und wenn man ganz ehrlich ist: Vielleicht sind die fetten Jahre nicht vorbei – sie haben nur den Laden gewechselt und stehen jetzt irgendwo in Haan im Schlussverkauf.

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