Donnerstag, 26. März 2026

26.3.2026: Wenn selbst die NachtExpress-Linie verschläft

Es gibt Nachrichten, die klingen so deutsch, dass man beim Lesen automatisch einen Fahrplan, einen Thermobecher und leichte innere Unruhe vor sich sieht: Die Sommerzeit kommt – und mit ihr die Erkenntnis, dass nicht nur Menschen, sondern auch Busse und Bahnen ein ernsthaftes Problem damit haben, wenn plötzlich eine Stunde einfach eingesammelt wird. In der Nacht zu Sonntag, dem 29. März, wird nämlich um 2 Uhr kurzerhand auf 3 Uhr vorgespult. Zack, weg ist sie, die Stunde. Einfach aus dem Verkehr gezogen. Und weil in Nordrhein-Westfalen natürlich nichts allein leidet, ist auch der Fahrplan der Rheinbahn betroffen. Die gute Nachricht: Niemand ist persönlich schuld. Die schlechte: Wer nachts unterwegs ist, sollte besser nicht davon ausgehen, dass die Linie seines Vertrauens ebenfalls spontan zum Zeitphilosophen wird.

Betroffen sind gleich reihenweise bekannte Nachtschwärmer des Nahverkehrs: alle NachtExpress-Linien von NE1 bis NE8, mehrere DiscoLinien, diverse U-Bahn-Linien und eine Busflotte, die klingt, als hätte jemand im Depot einmal mit dem Finger über die Tastatur gerollt: O1, SB50, 722, 730, 738, 746, 754, 761, 770, 778, 784, 785, 830 und 839. Man kann also sagen: Die Sommerzeit greift nicht kleckrig ein, sondern mit der Eleganz eines Umzugsunternehmens, das nachts heimlich Möbel verrückt. Besonders tückisch ist dabei die Faustregel der Rheinbahn. Sie lautet sinngemäß: Alles, was vor 2 Uhr Winterzeit losfährt, fährt normal. Alles, was nach 2 Uhr Winterzeit starten würde, fällt aus oder wird durch das ersetzt, was nach 3 Uhr Sommerzeit sowieso geplant war. Mit anderen Worten: Wer vor zwei losfährt, hat Glück. Wer um halb drei los will, hat vor allem Fragen.

Das ist ohnehin das Faszinierende an der Zeitumstellung: Zweimal im Jahr tun wir kollektiv so, als sei es völlig normal, an einer Uhr zu drehen und zu erwarten, dass Menschen, Tiere, technische Systeme und Partygänger das einfach sportlich wegmoderieren. Die einen freuen sich auf längere Abende, die anderen stehen am Bahnsteig und rechnen plötzlich in Winterzeit, Sommerzeit und gefühlter Verzweiflung. Irgendwo in Hilden schaut vermutlich jemand um 2.17 Uhr auf sein Handy, dann auf die Anzeigetafel, dann wieder aufs Handy und kommt zu dem Schluss, dass entweder die Rheinbahn oder das Universum einen kleinen Wackler hat.

Eigentlich steckt in dieser Meldung aber auch eine tröstliche Wahrheit: Selbst ein durchgetaktetes Verkehrssystem muss kapitulieren, wenn die Menschheit beschließt, der Nacht eine Stunde zu stehlen. Das hat fast etwas Rührendes. Da planen Menschen Linien, Abfahrten und Anschlüsse bis ins kleinste Detail, und dann kommt einmal im Frühjahr diese absurde Nacht, in der die Zeit sagt: „Ich wäre dann mal weg.“ Vielleicht sollten wir deshalb etwas gnädiger sein – mit der Rheinbahn, mit unseren Weckern und vor allem mit uns selbst. Wer an diesem Wochenende unterwegs ist, sollte einfach so tun, als sei er auf einer kleinen Expedition durch ein temporäres Raum-Zeit-Loch mit Tarifzone. Und wer pünktlich ankommt, darf sich fühlen wie ein Held.

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