Samstag, 7. März 2026

7.3.2026:Hilden entdeckt die Nebenstraße neu: Jetzt gibt’s Schilder, damit man den Lieblingsladen auch findet, ohne sich zu verlaufen

In Hilden gibt es diese ganz besondere Innenstadt-Disziplin: Man läuft die Mittelstraße hoch und runter, fühlt sich maximal urban zwischen Peek & Cloppenburg, Müller, H&M, Thalia und dem MediaMarkt-Anker am Warringtonplatz – und hat dabei das beruhigende Gefühl, dass alles Wichtige einen schon anspringt. Und genau da beginnt das Problem: Alles, was nicht anspringt, lebt in einer Nebenstraße. Dort, wo man nur hinkommt, wenn man entweder a) ortskundig ist, b) jemanden kennt, der ortskundig ist, oder c) aus Versehen falsch abgebogen ist und dann plötzlich denkt: “Moment… warum ist es hier eigentlich so nett?”

Wer also ein Geschäft oder Restaurant nicht auf der 1A-Laufstegstrecke hat, sondern in den Seitenlagen, der kennt dieses Gefühl: Man existiert – aber eher wie ein gut gehütetes Geheimnis. Der Alte Markt? Selbstläufer. Zentral, schön, findet jeder, sogar Menschen, die mit Google Maps schon bei “Geradeaus” überfordert sind. Aber Heiligenstraße, Axlerhof, Schulstraße, Robert-Gies-Straße? Da muss man schon wollen. Und genau deshalb hätte mancher gerne ein Hinweisschild auf der Mittelstraße – so ein kleines “Pssst, hier drüben gibt’s noch mehr” für Laufkundschaft, die sonst im Kreis an den großen Magneten klebt.

Blöd nur: Bisher ging das nicht. Schuld war eine Satzung aus dem Jahr 2019, die so klingt, als hätte sie vor allem die Mittelstraße vor dem großen Schilder-Tetris bewahren sollen. Ergebnis: Geschäfte aus den Nebenstraßen durften keine Werbeschilder “aller Art” in der Mittelstraße aufstellen. Der Inhaber des Timeout-Cafés in der Heiligenstraße soll in der Sache sogar mehrfach bei der Stadt vorstellig geworden sein – offenbar mit der Ausdauer eines Menschen, der weiß, wie schnell man übersehen wird, wenn man nicht direkt im Hauptstrom schwimmt.

Und jetzt wird es – ganz klassisch kommunal – erst kompliziert und dann langsam doch sinnvoll: Es gab schon früher ein Konzept von Stadtmarketing Hilden GmbH und Verwaltung, das 2018 im Stadtentwicklungsausschuss zustimmend zur Kenntnis genommen wurde. Die SPD wollte damals schon, dass solche Tafeln möglich sein sollen. Es ging sogar um einen Gestattungsvertrag. Und dann passierte das, was in Aktenordnern manchmal passiert: Nichts. Sehr schlicht heißt es jetzt im neuen Antrag, das Konzept sei durch die Stadtmarketing Hilden GmbH “nicht umgesetzt worden”. Übersetzung für normale Menschen: Man hatte die Idee, man hatte den Auftrag – und irgendwo zwischen “machen wir” und “machen wir wirklich” hat sich das Ganze in Luft aufgelöst.

Nun aber: Neustart mit Citymanagerin Tanja de Vries, die offenbar regelmäßig von Gewerbetreibenden gefragt wurde, ob man dieses “Nebenstraßen-Unsichtbarsein” nicht endlich mal lösen könne. Und die Verwaltung sagt: Ja, nachvollziehbar, sinnvoll – denn gerade der inhabergeführte Handel mache den “Unterschied Hildens” aus. Also all die Läden, die nicht nach Konzern aussehen, sondern nach Persönlichkeit. Lieblingsladen hier, SpielPlus da, Lichtstudio Rausch, Gaumenfreude-Fleisch – diese “Ich geh da hin, weil’s das nur hier gibt”-Orte, die man als Stadt eigentlich wie einen Schatz behandeln sollte. Nur: Ein Schatz, den keiner findet, ist am Ende halt… ein sehr gut versteckter Schatz.

Deshalb sollen jetzt an vier Standorten Hinweisschilder aufgestellt werden, die die Seitenstraßen wieder ins Bewusstsein der Mittelstraßen-Flaneure schieben. Geplant sind Schilder an der Ecke Mittelstraße/Heiligenstraße (bei Trümpener), Mittelstraße/Axlerhof (bei Nanu-Nana), Mittelstraße/Schulstraße (bei der Deutschen Bank) und am Warringtonplatz gegenüber Café Overstolz. Und jedes Schild soll dann freundlich in Richtung Nebenstraße winken und sagen: “Du denkst, du hast alles gesehen? Süß.”

Natürlich kommt das Ganze nicht nur mit guter Absicht, sondern auch mit Zahlen – sonst wäre es ja nicht deutsch genug. Pro Hinweisschild inklusive Aufstellung rechnet die Verwaltung mit rund 3500 Euro netto. Und damit das nicht komplett am Stadtsäckel hängt, soll pro dargestelltem Betrieb ein privatrechtliches Entgelt von zunächst 250 Euro netto pro Jahr fällig werden (297,50 Euro inkl. Umsatzsteuer). Mindestens drei Betriebe pro Schild sollten es sein, am liebsten fünf. Also ein bisschen wie ein analoges Branchenverzeichnis, nur hübscher platziert und mit dem Charme: “Wenn du hier drauf willst, kostet’s.”

Jetzt ist die Politik am Zug – und damit beginnt die spannendste Phase jeder Stadtgeschichte: die, in der alle grundsätzlich “ja” sagen, aber mindestens drei Leute sehr ernst “Schilderwald” murmeln, bevor man sich einigt, dass ein bisschen Wegweisung noch keine Apokalypse ist. Und ehrlich: Wenn Hilden es schafft, dass man in der Mittelstraße nicht nur konsumiert, sondern auch neugierig wird, dann könnten diese Tafeln am Ende mehr sein als nur Schilder. Sie wären kleine Einladungen zum Abbiegen – und Abbiegen ist manchmal genau das, was Innenstädte brauchen.

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